Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 22 (29.2.1948)
- Date
- 1948-02-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Albert Einstein 2× ep/1003296
- Gustav Mayer 2× ep/1026452
- Alfred Kantorowicz 1× ep/1025213
- André Maurois 1× ep/1026451
- August Hanz 1× ep/1027123
- Darius Milhaud 1× ep/1025395
- Dolf Sternberger 1× ep/1025649
- Jean-Louis Barrault 1× ep/1024760
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Prenzlau 1× ep/1045480
- Stefan Zweig 1× ep/1025800
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V Nr, ti JlJj&lliCÄES GEMEIN'DEBL ATT -FÜR .&|® •BBiTI$..'CÄ'E. ZONE '29. Februar X948 Seite I? L T lJfU E B E N Per frühere. Ministerialrat im Preußischen ^ultugministeriurn, Professor Leo Kestenbergs hat in Palästina im 'Verlag „Massada“ eine Auswahl aus den. Schriften, von Ferrucio Busoni herausgegeben. v Der Geschichtsforscher und Biograph .Professor Gustav Mayer ist im Alter von 76 '-Jahren in London .gestochen. Als. er 1933 auf Anordnung der Nationalsozialisten seinen Lehrstuhl für. Geschichte an der Berliner -Universität auf geben mußte,'war 'er nach England emigriert (1039). CDENA/Reuter.) Gustav Mayer war am . 4, Oktober 1871 «in. Prenzlau geboren. . Bevor er die ordentliche Professur an der Universität Berlin erlangte, war er außerordentlicher Professor an der Frankfurter Universität. Er war besonders als Forscher auf dem Gebiete der -Geschichte,-ddr politischen Parteien bekannt. » # „Bolivar“, eine neue Oper von Darius Milftaud, wird 'Von Jean-Louis Barrault an der Pariser Oper moniert. . Der am 25, Mai 1864 in Wien geborene jüdische Lustspielautor Carl R ö s s 1 e r ist am 16.1 Februar in London (gesto.jhen. In der Periode von 1910 bis 1920 war er . der Wohl meistgespielte Lustspieldichter auf deutschen. Bühnen. Besonders bekannt ist' er durch den ..Feldhorrnhügeh* (191.0h' und vor allem durch „Die Fupf Frankfurter“ /(19U) geworden, die den Aufstieg der Rothschilds.' Schilder« und noch kurz vor 1933. im „Berliner Theater“ gegeben wurden. Rösssler verfaßte seine Stücke vielfach zusammen mit Roda Roda u. a. Er emigrierte 1933 zunächst nach Wien 'und. wandert© von dort im Jahre 1930 nach. England aus.-. Seine Memoiren sollten unter dem Titel „Ich lache,: also bin ich“ erscheinen. ’ Lo. Ben T seher ri ik o Ws ki-Pr c is der Stadt Tel-Aviv für vorbildliche' UeberSetzungen er- hielten: Dr. Ephraim Sdrmueli für „Ütopia“ von Thomas More (aus dern Lateinischen), Jizchak Schenberg für Gogols „Toten Seelen“ (aus dem Russischen). Zwj Woislawski und Dr. Mann für „Bas Kapital“ von Marx. Saul Tschernikowski ist der aus-Michaüowska in der-Krim stammende. hebräische Dichter und Arzt* der durch seihe Idyllen, seine Epik und Uebersetzungen bekannt geworden ist, Der bedeutende russische Fllmregisseur-Sdrgei. M. Eisen stein ist im, Alter.- von 50 Jahren gestorben. Seine ersteh Filme (u. ä. „Panzer- , kreuzen Potemkin“) sicherten der rassischen Filmkunst in der zweiten Hälfte der 20er Jahre eine künstlerische Vorrangstellung' Zu den späteren. .Arbeiten Eisensteins gehört: der historische. Größfilm „Iwan der Sdireck-Kche“, .Ein Manuskript. Schopenhauers über „Geistertehen und was damit züsainraenhängt“. ein unveröffentlichtes Tagebuch von Klabund und ein ausführlicher Brief Heinrich Heines würden durch die Berliner Galerie ..Rosen angebdten. Arnold^ ’Z w e i g, der seit 1933 in Haifa lebt, .and dessen 70. Geburtstag erst kürzlich .an r<c Einsfein: das erhabene Der von dem. „Rat für amerikanische Einheit“ und dem „Wendell-WilMe'-Freiheitshaus“ gestiftete Preis für die Förderung des Ideals „einer einigen Welt“, der in einer Weltreise besteht, wurde für 1948 Professor Albert Einstein zugesproeben. (AP.) —■th.— Einstein, der 1879 in Ulm geborene hervorragende Physiker und . Mathematiker, der; jetzt an der Yale-Universität in Princeton in Amerika wirkt, hat sich während seines ganzen Lebens für die Jüdische Sache, das jüdische Palästina und, darüber hinaus, für den Frieden der Welt und die Freiheit der Menschheit eingesetzt In diesem Zusammenhang ist eine Würdigende Aeußerung bemerkenswert, die Leopold I n f e f d, Professor für angewandte. Mathematik an der Universität Toronto (Kanada), mit, Einstein Herausgeber der „Entwicklung der Physik“ (1§38), in der „Ersten deutschen Zeitschrift nach dem Kriege — Der Bogen“ (Verlag Victor Scbdlz, Wiesbaden), veröffentlicht, nachdem sie zuerst im vorigen Somtner in der New Yorker Zeitschrift „The American Scholar“ erschienen war. Es heißt da u. a.: „Es ist sehr einfach zu sagen, daß Einstein als Wissenschaftler groß und als Mensch hoch größer ist. Worin aber liegt seine Größe, und wie beeinflußt sie den" Geist der Menschen? Meine Antwort mag . bombastisch klingen, aber ich glaube siegst richtig. Für mich und viele aneÜdre ist Einstein das erha-* bene Gewissen der weit. Seine Abneigung gegen Streit und Schikane ist verständlich, seine Bereitschaft, eine gerechte lind anständige Sache zu verteidigen, nicht außergewöhnlich. Doch diese Charakterzüge Einsteins sind nicht so einfach zu begreifen wie es scheint. Map ist versucht, jemanden, der ein zurückgezogenes, in sich selbst gekehrtes Dasein , führt und der Außenwelt mit ihrem Schlechten ablehnend gegenüberstöht, für einen Menschen zu, halten, der unter den Härten- und’ Ungeredh-. tigkeiten des Lebens leidet. Diesen Gedankengang bei der Betrachtung Einsteins anzustreben, wäre gänzlich verfehlt ..... Seih Herz blutet nicht, seine Augen tränen nicht, und dennoch sind; seine Taten die t-sineS Menschen, dessen Herz blutet und dessen Augen tränen. Vielleicht ist es sein unpersönliches Wesen und seine Abgeschlossenheit, die es hm er-: möglichen, dem moralisch Absoluten so nahe zu kommen, wie es einem Menschen überhavpt möglich, ist Das, moralisch Absolute wäre nicht mehr zu erkennen, sobald das ,Ich‘ auftauchte. Für Einstein ist cs gefühlsmäßig und genau bestimmt, denn sein ,Ich‘ hat beinen Einfluß“. dieser Stelle gewürdigt wurde (vgl. „Gemeindeblatt“ vorn 30. November 1947), wird demnächst Pressemeldungen i zufolge, einen Deutschlandbesueh antreten. * ,'i In Palästina ist das Bühnenstück „Dybuk“ vom Habimah-Theater zum 1000. Mal« auf geführt worden. Die französische Regierung hat. für die Durch-" führung der . Veranstaltungen anläßlich . der Jahrhundertfeier der 48er Revolution einen Betrag von 85 Millionen Franken zur Verfügung gestellt, Darius Milhaud, der jüdische Tonsetzer, komponiert eine Sinfonie, die den Titel „1848“ tragen wird. ’ ' & . -G Andre Maurois, bekannt u; a. dtuxh seine Disraeli-Biographie,, läßt demnächst 'in Paris unter dem Titel .Jahre des Lernens und der Arbeit“, den ersten Band seiner . Memoiren erscheinen.. - - , In Frankfurt a. M,-wurde .eine „Go tili o.l d -Ephr a-i ni - Les s ing- - Gesell-- $ c h a f t.“ gegründet, die ihre Aufgabe darin sieht, die Toleranz auf allen 'Gebieten des Lebens zu fördern. Dem auf der Gründungs- Versammlung gebildeten Kuratorium gehören der hessische Minister für, politische Befreiung, .Gottlob Binder, der ^Frankfurter Oberbür gerraeiste.r, Walter Kolb, der Vorsitzende der WN- .Hessen,.- Professor Hanz ' Mayer, Intendant Beckmann und Dolf Sternberger an. (DPD.) 1 In den Räunien des Deutschen Bühnen-Klubp in Berlin fand eine Feierstunde .für den 80jährigen Alfred Rerr statt (VergL ,,Gern ei ndeblatt“ . vom 17. Dezember 1947). Nach Begrüßungsworten Eduard von Wintersteins hielt Wplfgang Goetz die Huldigungsrede. Andere Sprecher 'waren Karl Schnog, 'Emst Legal und Käthe Dorsch. Höhepunkt war das Auftreten Fritz Kortners, der schon hei der Feier für Herrs 60. Geburtstag, in t Berlin •unter den Interpretep war. . ' ' Der 1380 in Berlin geborene Archäologe Emst H e'rzf e Id ist kürzlich in Basel gestorben. Er ist namentlich ' diircb , seine Forschung m io Persien in den Jahren 1925‘—1333 bekannt Herzfeld war Professor am Institute fer Advanced Studies in Princeton, N. J., USk.i der -amerikanischen Hoclisphule. an der Albert Einstein wirkt.'; * Der' .diesjährige. „Bialik-Preis“ der Stadt Tel- Aviv wurde an’ den bekannten 'hebräischen Dichter Uri Zwi G r 1, h b e r g für seine Leistungen auf 'dem Gebiete der modernen Literatur und an S, S. Horodetzky für seine Studien und Forschungen über den Chassisismus verliehen. ' . , . In der aus diesem Anlaß stattgefunden en Feier wurde' Grimberg als der „ßetieiurigsdichter“ zum Kandidaten für den. ersten Preis von „Jerusalem, von Morgen“ vorgeschlagen. Die Wahl der obigen Preisträger hat in cten literarischen Kreisen Palästinas große Zufriedenheit äusgelöst . ' -v - NEUE B(ÖCHER -■ „Die Psalmen“ (Editer-Verlag, Wiesbaden). % Leo Baeck: „The Pharisees“ (Verlag Scho&v kep-Books, New York).' Ueber, die Pharisäer? —' „ein Kapitel jüdischer Geschichte“. 5Zu-* erst in deutscher Sprache 1934 erschienen« — Die Pharisäer, ursprünglich die „Pente schim“, die. Abgesonderten, -waren - die . Schriftgelehrten der Zeit des zweiten Te.m» ' pels, die ersten Pfleger und Ausgestalter des Gesetzes und damit die Vorläufer der .Mischna- und Talmudlehrer. Sie haben die ' Erhaltung des Judentums ermöglicht: , Ernst Müller: „A History of Jewish Mys«*. ticism“ . (Verlag East and- West Library^ . London). ' ’ , L. B.-Naraier: „Diplomatie Prelude, 1938—1 1939“ (Verlag Macmillan, London). Ueber die- Entstellung des zweiten Weltkrieges, Der , Verfasser, Jude, ist Professor für neuere Geschichte an der Universität Manchester. Stefan Zweig: „Souvenirs dün Eüropee» d‘hier“ (Verlag Fayard. Paris). Aus den nachgelassenen Schriften Zweigs.. „Rilkes Briefe an das Ehepaar S. Fischer*® (Werner^lassen-Verlag, Zürich). Von Rilke« 22. Lebensjahr bis "fast zu seinem Tode. S* Fischer’- war der bekannte Berliner jüdische Verleger und Förderer 1 moderner Literatur^ der ü a. der Herausgeber der „Neuen Rund«| schau“ war. Der'Verlag wird heute unter dem - Namen des Beennan-Fischer-Verlagsy Stockho] m/New York, von seinem Schwiegersohn im Geiste des Günders fortgeführt. E d u a r d v o n; W i n t g r s; t e i n: „Mein Lebe» und meine Zeit“ (Oswald Arnold-Verlag, Berlin). Der zweite Band dieses 328 Seiten' ' umfassenden Erinnerungswerks beschäftigt sich mit Mas Reinhardt.; „Maximilian Harden-Bre vier“: — Der Mensch — Der Kritiker —- Der PolitLker“/ (Verlag Bruno Henschel und Sohn, Berlin). Herausgegeben von Elfried® Schmalz. . - - Martin Buber: „Marnre“. (Verlag Cum« berlege, London). , . , \ Alfred E i n s t e i n: ,Music in the Romantik Era“ (Verlag Allen & Unwin, London). 60 000 Exemplare der ersten. Auflage von „Vef* boten und verbrannt“, einer Sammlung von Ausschnitten aus Werken von über zweihundert deutschen Schriftstellern, ' deren Werk© während des Hitlerregimes ver« femt waren, sollen, jetzt ausgeliefert werden. Diese Sammlung, die die erste ihrer Art im Nacbkriegsdeuischland . ist, wird herausgegebe» von, Richard Drewes und Alfred Kantorowicz und erscheint im Ullstcin-Kindler Verlag, Berlin. ' ■ ■ - 'Voranzeige. — Norman Beatwida (London)* Professor für ' internationales Recht mm _ -desr Hebräjsdhen-Universität, in Jerusalern;;der;^ich vor dem Kriege und während des de? jüdischön Flüchtlinge aus Mitteleuropa 'besonders angenommen. hat und auch. jetzt 'wieder seit Jahren in der Arbeit, für die jüdischen D.’Ps. und die jüdischen Flüchtlinge steht.er ist u. a. Vizepräsident des- „Jewish Committee for Relief Abroad“ (Jewish. Relief Unit) —rwird die offizielle Geschichte des britischen Fio« fiierkorps schreiben, jendr Truppeneinheit, in der viele jüdische Flüchtlinge in England und auf dem Kontinent ‘"Dienst taten'. - fallen an den Nachforschungen und Verhören, in denen, ich midi, doch als den Mittelpunkt sah. Da kam eines Morgen s1 vom. Kommandan - ten den Befehl, ich sollte mich mit meinem ‘ Vater bei ihm einfinderu < Vor dem Kommandanten erscheinen! Diese - Aufforderung kam mir in meiner Vorstellungeiner Hinrichtung gleich, denn über diesen Gewaltigen zirkulierten 'Unter den Jungen meines Alters Sagen, die gruseln machten.- Nachmon erzählte, 'der Kommandant könnte jeden Tag tausend Menschen erschießen oder, wenn es ihm einfiele die ganze Stadt mit Pulver bestreue», sie dann mit einem einzigen Streichholz anzünden und, in die Luft fliegen lassen, ohne daß ihn jemand fragen dürfte, weshalb er es täte. ' . Nissen^: dessen Phantasie ihm, vielleicht in Vorahnung seines Endes immer Büder vom- Wasser zu zeigen pflegte, berichtete einmal, der Kommandant habe in seinem Schreihtiscti' einen ganz kleinen Wasserhahn, und wenn er ihn dreimal nach rechte drehe — nach rechts müßte es sein — vereinigen sich der- Njemen und die Wilijali nicht wie sonst hinter der Stadt, sondern vor der Stadt, so daß alle Häuser, Straßen und Mensche» und alles, was darin, ist, wie einst die' Aegypter, in den Fluten omkommen würden. Als. ich einwand, es gäbe cioch zwischen den Strömen den Grünen , und dep, Petrower 'Berg, erhielt ich die Antwoxd, daß die Fluten der vereinigten Ströme viel hoher steigen würden, bis zum Himmel, wie bei der Sühdüut zur Zeit Noahs, uttd die Berge ganz bedecken , . . und ich sollte vor diesem Allgewaltigen erscheinen und mit ihm reden] ' Zur angegebenen Stunde erschien ein Gefreiter mit einer dicken Schreibmappe unter dem Arm, um meinen Vater.und mich.zu holen, Ol? er uns verhaften wird? -Wird er uns auf , dem Bürgersteig führen oder werden wir, wie adle Gefangenen, auf dem- . Fahrdamm gehen müssen? —1 ’ . ■ Fast war ich enttäuschst, als er uns erklärte, wir könnten mit’der Pferdebahn fahren; er wolle uns. vor. dem Eingang der Kommandantur erwarten. Wir scharf doch-die-beiden Posten midi ansahen! Sie senkten ihre' Gewehre mit den aufgepflanzten Bajonetten, so daß sie eine Barriere bildeten, die sich nur öffnete, als unser Begleiter die Parole, zwei mir unverständ- ■ liehe Wörter» sprach, t A - Im ersten Stock wurden wir wieder angehaJten. Wieder wurden Fragen an mich gerichtet; es vmrde geschrieben, dann erst durften wir in den großen Saal eintreten. Vor' einem langgestreckten, grünbezogenen Tisch saß er, ejer Gewaltige,'eine Untersetzte, doch wuchtige Gestalt mit breitete Schultern* 'die durch die großen mit Goldfransen, eingefaßten Epauletten noch breiter aussahen. Sein unbewegliches Gesiebt.erschien durch das weit zurückgetretene, ergraute Haar, 'den mächtigem Schnurr- und Spftzbart. besonders lang und streng, doch die Strenge wurde durch seine hellen, unter buschigen, dicken Brauen hervorschauenden, grauen Augen gemildert Zu seiner Rechten, ihm zugewardt, saß ein großgewachsener Offizier vir einem ‘mit Schriftstücken^ bedeckten Tisch, Zur Linken, ebenfalls an einem besonderen ■ Tisch, -ein Schreiber in Zivil. .Der Kommandant . befahl mix*,-näher zu treten und prüfte midi mit scharfem Blick; ich. hielt, ihm stand. »Kannst,Du Russisch?•*, fragte er mich, mit seiner tiefen Stirhme. „Noch nicht besonders gut, Herr Tschamkin meint, bis zum Laubhüttenfest wei'de ich es gut , . .“ „So? Du kannst noch kein Russisch?“ Er sprach einige Worte mit. meinem Vater, die ich nicht verstand. Später erfuhr ich, er hätte rrfeinen Vater aufgefordert, er solle mich zuerst ruhig und unbefangen* sprechen lassen und nur das verdolmetschen, was unbedingt nötig wäre’.. . „Wirst Du die Wahrheit sagen?“ „Gewiß, ich sage immer die Wahrheit,“; „Das ist schön.. . . Wie heißt Du?“ Ich sagte es ihm. „Und wie .alt bist Du?“ - „Letztes Chanukkah war ich neun . . .„Wapn?“ Mein - Vater erläuterte, . - ' —. ... ja, Nissen Rubnik war mein Freund.— „Seit lange?“ . 1 . „Seit sehr lange.“ r ■ - „Seit, wann?“ - ‘ ' Das konnte ich nicht sagen Und schwieg. Meine Antworten gab ich halb auf Russisch, halb im Jargon; ich wurde verstanden, ohnedaß mein Vater oft einzugreifen brauchte. „Habt Ihr öfters vor dem Handschuh geständen?'“ Ich. bejaht® freimütig, „Warum tatet Ihr das?“ , „Ich weiß es nicht;. Wir mochten es.“ „So, Ihr mochtet das? Warum habt Ihi* aber eine braune Flüssigkeit in den Handschuh gegossen?“ . * Die Unmittelbarkeit dieser Frage überraschte mich, und. ich fiel" in meine gewöhnliche Rolle zurück, Dia- Ausdrücke wie — es ist nicht, wahr, oder es stimmt nicht -r, gehörten , damals noch nicht zu < meinem alltäglichen Sprachgebrauch. Ich antwortete daher in gewohnter Weise: '„A Liegen (eine Lüge).“ Mein. Vater sah . mich' erschrocken an. und sagte vorwurfsvoll:^ ' „Aber, Matthias! Wie kannst Du?“ Der Kommandant gab ihm' ein, Zeichen, midi in. Ruhe zu lassen, und ich überlegte. Ich . glaubte, ich wurde nidit verstanden. Auf einmal fiel, mir der Ausdruck ein, dep ich kürzlich in eineni -Gedidit von Peuschkin gelernt, hatte: „Writte, ■writte!“ das heißt: „Ihr lügt, Ihr lügt!-s. Die Augen des Kommandanten wurden leuditender, und die1 rechte Ecke seines dicken Schnurbarts hob sich in die Höhe;. „Warum lüge -ich?“ ' , „Wir haben keine Flüssigkeit/ in den Hand-' schuh gegossen. Das hätte» wir auch gar nidit gekonnt, er schwebt doch ein 'Stockwerk bodi frei in der Luft. Ohne die neue, rote 1 Leiter der Feuerwehr könnte; niemand heranreichen.“ „So, das wollt Ihr nicht getan haben; woher meinst Du» kam die Flüssigkeit in den Handschuh?“ „Sie kam vom Regen oder vom Eis.“ „Vom Regen, oder vom- Eis? Warum ist sie denn braun?“,, , „Das weiß idi nicht; wahrscheinlich, vom Rost oder . . . “ ich. sdiwieg und wußte nicht weiter. ' k Der Kommandant überlegte ein 'Weilchen und fragte dann etwas plötzlich: „Warum habt Ihr denn so laut gelacht, als der Tropfen auf den Leutnant fiel?“ rieh lachte nicht, Nissen lachte nur; das tat er aber aus Angst, Er lachte immer aus , Angst.“ . ..Und Do lachst nidit at& AmBSt?“ < „Nein, ich habe niemals Angst. ..Auch jetzt nicht, nidit vor. mir?“ Etwas zögernd . soll meine Antwort erfolgt sein: „Nein,, das habe ich nidit, Ihr spracht ja wie ein Mensch.“ Dieses Mal ^verzog er das . Gesicht, und auch der beisitzende Offizier vermodite nicht, ein Schmunzeln zu unterdrücken, „Sage mir Matthias, hat der-Leutnant wirklieh das Schwert aus der Scheide gezogen? Stimmt das?“ ■ „Das tat er; ich habe es selbst gesehen.“ „Sage mir, mein Junge, warum Dein Freund sich' auf den Kahn flüchten wollte, oder hat ihn der Leutnant zum Wasser gejagt?“ , Darauf gab ich keine An;wort, und der Kommandant fragte weiter. , „Weißt Du keine Erklärung? Ueberlege es Dir, vielleicht kannst. Du es doch, sagen!“ „Doch, aber idi;"~ „Dü. hast also dodi Angst?“ , Nun redete ich: „Nissen sagte oft, — der Boden eines preußischen Getreidekahnes rit Preußen. Ohne Erlaubnis des _Sdiiffer« darf niemand hinauf, nicht der Pristow (Polizei.- offizier), aüdi nicht der Kommandant * Es war. mir noch rechtzeitig eingefallen, daß - ich vor dem Kommandanten stand. „Hm! Hm!“ machte der Kommandant, „so sieht die Sache anders aus. Du glaubst nicht, daß der . Leutnant Deinen Freund mit seinem Säbel ins Wasser getrieben hat“ . , „Nein,, das tat er niehtrt ■: Der Kommandant sagte etwas zu dem beisitzenden Offizier; wie es schien, war er mit meiner Antwort zufrieden. „Wärest Du auch auf den Kahn gelaufen?“ ' rieh, nein!“ ■ „Und warum nicht?“ * Darauf gab ich .keine Antwort. Ith wollte ihm nicht zeigen, daß ich ilidit allen Aerußerungen meines Freundes Glauben schenkte. -„Es ist gut, ^Matthias! Du bist ein-MModjez (tapferer Kerl). Du mußt nur fleißig russisch lernen. Ein schönes Geschenk sollst Du auch noch von mir haben.“ „Was für ein Geschenk?“ „Das erfährst Du. .schon rechtzeitig.“ Fortsetzung folgt mi T.tr Im