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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1948-02-29 · 22 (29.2.1948) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
22 (29.2.1948)
Date
1948-02-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 38, Februar 1948 'JÜDISCHES GEMEINDEÖLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE %. Jahrgang —■ Nr., 22 Pakete und Charakter Ein deutscher Jude, der während der Nazizeit nach Amerika ausgewandert war, veröffentlichte in einer deutschen Zeitung eine Suchanzeigp nach einem verschollenen Verwandten. Auf diese Anzeige liefen in der Hauptsache Briefe ein, in denen um Lebensmittel gebettelt und beteuert wurde, daß der Absender immer ein Judenfreund gewesen sei und das Unrecht der Nazis gegen die Juden zutiefst beklagt habe. Wir hören weiterhin, daß Gruppen von Menschen an irgendwie und irgendwo bekanntwerdende amerikanische Adressen um Carepakete schreiben. Wir verstehen, daß derjenige, . der hungert, sich Nahrungsmittel verschaffen will, aber wie mögen solche Briefe berufsmäßiger Schnorrer drüben wirken? Auch zum Bitten ' gehört - Charakter! Diese Bettelbriefe kommen bestimmt nicht von solchen 'Leuten, denen es am schlechtesten geht. Die dreistesten Bettler waren immer diejenigen, die nicht betteln mußten. Damit die ehrliche Armut nicht üfyerkchwindelt wird und die Gaben in die richtigen Hände kommen,; müßte alles-.getan-werden^ um, zu verhüten, daß vom Ausland aus an 'solche wilden Bettejadressen Pakete verschickt werden. Jeder, der seine ausländischen Bekannten in diesem Sinne unterrichtet, erweist, dem deutschen Namen^einen /guten Dienst. r („Rheinische Post“, Düsseldorf): Der Weg aus der Schuld „Deutscher!“ — einer der Angeklagten hatte - es besonders laut in den Raum geschleudert, dieses Wort, alser nach seiner Nationalität gefragt wurde. Und es schnitt uns wie mit einem Messen durch den lytagen. /Waren wir nicht mitangeklagt, auch wenn.'wir auf den Plätzen für die Zuschauer und die Presse saßen und wie alle die anderen, die Russen und Holländer, Pölert und Amerikaner, Franzosen und Jugoslawen, voll Abscheu auf die sechzehn Angeklagten bildeten? Diese Sedizehn waren Deutsche — für uns waren, sie es, nämlich bevor sie zu Unmenschen würden —, und sie . haben. als Lagerführer,; „Arzt“, Blockführer oder Henker tausendmal mehr Menschen gequält, zu Tode gepeitscht, mit dem Knüppel erschlagen, eihängt, unheilbar infiziert und vergast, als die sechzehn tüchtigsten deutschen Aerzte je in ihrem ganzen Leben, vor dem Tode .bewahren könnten Es ist unfaßbar, wenn man hört, daß t diese Bestien Kinder zwischen 10 und 16 Jahhui ermordeten, daß sie dafür mit dem* Kiegsverdienstkreuz ausgezeichnet wurden und nach Italien auf Urlaub fuhren, um dann in der 'Hamburger illustrierten“ als „Deutsche Soldaten, die sich von der russischen Front erholen“ präsentiert zu werden! — Als wir den Gerichtssaal verlassen, sehen wir uns um, ob diese. Welt, tatsächlich Wirklichkeit ist, diese Welt des halb triumphierenden „Jawohl!“ der sechzehn Angeklagten äüf jede neue Frage nach ejnqp noch ent-, setzlicheren Schandtat ... Aber es genügt nicht,. sich mit Ekel von " den Verbrechern und ihren Verbrechen, ab zu wenden. — so billig kommen wir nicht -davon. Wenn wir nicht daraus, daß es soweit kommet! konnte, für die Zukunft lernen, wie wir dagegen ankämpfen können — dann wird dieser Prozeß in Pankow eines Tages von einem weit fürchterlicheren übertroffen werden. Und wir haben unsere Pflicht versäumt. Die Pflicht, anstatt nur die Zeitung aus der Hand zu legen oder den Gerichtssaal zu verlassen mit der Frage: „Wie war das möglich?“, auch die Antwort auf diese Frage zu suchen. Zwei Zeugenaussagen weisen uns den Weg. „Woher stammten die Geräte für die Versuche an lebenden Menschen?“ hatte der sowjetische Staatsanwalt gefragt, und der ehemalige Häftling, der ira Krankenbau gearbeitet hatte, antwortete: von Siemens und von anderen Berliner Firmen.. „Fast alle Industriefirmen forderten Häftlinge zur Arbeit an“, sagte, der nächste Zeuge, „die DEMAG,' Heinckel, Messerschmidt, die: Siemens-Bauunion, die Deutschen Erd- 'und Steinwerke DEST“. Und dann nannte er die Bilanz fier DEST, in die er zufällig während seiner späteren Haft im KZ Flussenburg beim Bekleben von Aktendeckeln Einblick hatte: 1940 Vierhunderttausend Mark Umsatz; 1944 — 12 Millionen Mark Umsatz. Das Anfordern der Häftlinge hatte sich bezahlt gemacht ... Der Weg zu den Schrecken der KZs liegt nach, diesen beiden Aussagen klar vor uns: Die deutsche Großindustrie finanzierte vor 1933 die Propaganda Hitlers, denn Hitler bedeutete, Krieg, und Krieg bedeutete Profit, Ausweg aus der Krise. Als dann. 1939 das gewünschte Völkermorden begann, war das deutsche Großkapital mit seinem in '„nationaler Erhebung“ machenden Lakaien zufrieden. Daß sechs Jahre lang die Gegner des Krieges —^deutsche Kommunisten, Sozialdemokraten, aufrechte Christen — in den KZs systematisch mundtot gemacht oder direkt ermordet worden waren, kümmerte die Herren aus der Industrie nicht. Man hatte das mit emkalkuliert,. man hätte die Einrichtungen^ für diese KZs bereitwilligst hergestellt. Aber nun erhob sich die neue Frage, wie der Profit noch zu erhöhen wäre. Billiger produzieren heißt mehr verdienen! lautete die Antwort. Und da die Maschinen, das Material es nicht billiger taten, mußten die Menschen billiger werden. Häftlinge wurden als, ‘ Arbeitskräfte angefordert, 7 immer mehr und immer ngch mehr. Die KZs schwollen an, Russen, Franzosen, Polpn, Juden, Holländer, Norweger, Ukrainer . und Deutsche schufteten unterernährt und I von .Stockhieben angetrieben für die Industrie und 'starben ausgemergelt neben den Maschihen. Wer nicht mehr, arbeiten kennte, wurde vergast. Die. DEST hatten ihre Filialen J>ei fast federn KZ, Siemens und andere lieferten wei- Enthüllung durch Öberrabbiner Dr. Helfgoit, Die Stadt Hildesheim errichtete ihren jüdischen Mitbürgern einen Gedenkstein zur Erinnerung an die am 11. November 1938 niedergebrannte Synagoge, In seiner Gedenkrede rief der Regierungspräsident Backhaus den Teilnehmern an der Einweihungsfeierlichkeit die Schreckensnacht der Brandstiftung und die zahllosen Untaten am dem j üdischen Volke ins Gedächtnis, durch die das deutsche Ansehen so tief in den Staubv gezogen wurde. Aber die Saat, die über derf Gräbern der Opfer auf gehe, düffe nicht die Saat nie verlöschenden Hasses sein. Es gelte die Selbsterkenntnis des deutschen Volkes herbeizuführen, daß es die Gesinnung ablege, die einst den Nährboden für die Jahre Hitlerscher ‘ Gewaltherrschaft ermöglichte Oberstadtdirektör. Dr. Sattler übernahm den zwei Meter hohen Obelisk, der die hebräische, deutsche und englische Inschrift trägt: „Hier stand die Synagoge von Hildesheim, > die am lf.. November 1938 durch frevelhafte Hände zerstört wurde“, in den. .Schutz der Stadt. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Hildesheim, Siegfried Gross, die Geschäftsführer der Hannoverschen und Hildesheimer WN und die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen sprachen Gedenkworte. Oberrabbiner Dr. H e 1 f g o 11, Bergen-Belsen,, ‘ rief in seiner Ansprache die Kirchen, Verwaltungen und Parteien auf, einzutreten für eine Wiedergutmachung an den jüdischen Opfern eines verbrecherischen Systems. Zahlreiche . Kränze wurden . an der Erinnerungsstätte niedergelegt, an. der neunzig Jahre lang ein * jüdisches Got- Emigrant am D». Dem Andenken an Kurt Tucholsky, Jan. 1838 Wir wehen fremd nnd kalt über die Welf, man soll uns nicht nach unsrer Heimat fragen. Dies war der Rhein. .‘Mein Herz hat nicht geschlagen. i , Ich möchte' leben,,,wo.es mir gefällt. Jedoch, wer kann, was ihm gefällt, beschreiben. In ein‘gen Stunden sind wir in Paris, wo ich ein Stückdien Herz und andres ließ.; Seitdem mag ich auch da hie lange bleiben. Von zuviel Kindern ward Europa schwer, was nutzen da so ein paar limip.‘ge Kriege, die werden neuen Toren nur zur Wiege, zu nächsten Wahnsinn brauchen wir noch mehr. Wenn ich die Länder dieser Welt so zähle; 'dann scheint es mir, die Erde sei zu klein, um solcher Narren Heimat je zu sein. - Allein es hilft nichts, daß ich doch eins , wähle. Januar 1936 Eva Sie wert. Wsmkrnmmm PH Der Friedhof Weit draußen, wo, die Geschlossenheit des. Stadtbildes auseinanderfällt in Gärten, Siedlungen und vereintere Fabriken, wo der Wind schärfer über die noch kahlen Felder heult,, dort liegt.auch der Friedhof. Der unruhige verworrene Lärm der Stadt brandet gegen seine strengen Mauern, und verliert sich auf d^m flachen. Lande. Dann gehst du durch das Tor, und betrittst den Boden, der geweiht ist mit der Asche deiner Mitmenschen. Liebevolle Hände schweigsamer Gärtner pflegen den schlichten Grünschmuck des Friedhofes. Exakte Grasmatten säumen die Wege; und dunkelgrüne Lebensbäume strecken ihre schweigende Schlankheit in den Himmel. Die ehrfurchtsvolle Atmosphäre dieser neiligen Stätte/macht auch dich befangen. Ernst stehst du vor dem letzten Zeugen eines irdischen Daseins: Dem" Grabstein. Fremd in. der Abgeschlossenheit ihrer mysteriösen Ruhe liegen die Toten im Schoße der mütterlichen Erde, und du sinnst über das . große Geheimnis, dessen Schleier noch niemand gelüftet hat. Und nun, angesichts dieser erhabenen Stille, fühlst du wie ein sanfter, verzichtender Trost dein Herz durchfließt. Du weißt, alle die, hier ruhen, sie kämpften und strebten wie du. Sie liebten und haßten, waren schlecht und edeL Und sind sie alle im „Wartezimmer“ Gottes vereint. Tut es ni^ht gut, die,eigene Wichtigkeit mal zu Hause zu . lassen, und die stummen Toten, zu besuchen? Günther Mitzkewitz. Regierungspräsident Backhaus hält die Gedenkrede Ko*»*: Wettefau (iiiinifiiciiimuiiTiiminiiin(iniiiini!niiiniiiiimiiiii!nini!iiiiiti!im::::innmniiiuiinimnii!iiniiii!mHiiiiiitm!iiiiiniiuiimi!i!imHmmi!iiiinnmiiiiiimiHmiiniiu)niiniiiHinHii!nHHimiiiimii ter Geräte zur Vernichtung der Arbeitsunfähigen und für die Versuche, die den Krieg verlängern hellen sollten. Die Profite stiegen. Sechzig Menschen täglich,, hundertfünfzig Menschen täglich, dreihundert Menschen täglich, . . . Und ein neues Krematorium wurde von irgendeiner Firma gebaut. Das ist der Weg; dessen neue Ansätze wir heute erkennen müssen, damit wir vor neuer Schuld bewahrt bleibesg Wo werden fremde Völker, andere „Rassen“ verächtlich gemacht, um unangefochten Grausamkeiten an \ den so zu „Untermenschen" Gestempelten begehen zu können? Wer finanziert und propagiert Rassenhaß, Kriegshetze, Ausschaltung der gegen das Rüstungskapital Ankämpfenden? Wer fordert den Einsatz der Atombombe mit ebenso-' wenig Rücksicht auf lifenschenleben, wie der SS-Lagerführer Kaindl neue Gaswägen anfordgrte? Wer hetzt heute schon wieder gegen die * Menschen, die ihr eigenes Schicksal in die Hand genommen haben, und gegen die sich gestern der Haß der Sachsenhäusener Kreaturen richtete? Wo arbeiten deutsche Gelehrte, die für den Krieg so eifrig arbeiteten wie der „Arzt“ Baumkötter für die Vernichung '-von Menschen, an der Ausarbeitung neuer Waffen? Die Antwort auf diese Fragen müssen wir finden, wenn wir den „Weg aus der Schuld finden wollen. - ~ Denn wenn wir uns auch immer wieder Vorhalten, diese Sechzehn und ihresgleichen sind nur wenige, sind nicht das deutsche Volk — es nützt uns nichts: „wir haben fast alle versäumt, gegen das Verbrechen anzukämpfen, und wir sind heute verantwortlich dafür, Haß nicht hoch einmal geschieht, was in 'Sachsenhausen geschah. Wir, in unserem Lande müssen dafür sorgen, daß nicht nur die a u f der Anklagebank bestraft und ausgeschaltet, werden, sondern auch die h i n t' e r der Anklagebank: die Rüstungsindustriellen, die Konzernherren, die Finanzgewaltigen, die jetzt schon Konsulate. Im Zusammenhang mit der in Nr. 20 des „Jüdischen Gerheindeblattes“ v. 31. Januar veröffentlichten'. Liste der Konsulate in,der britischen .Zone und in Frankfurt a.- M. (US-Zone) wird der Hinweis von Interesse "seih, daß, einer DENA-Meldung zufolge, Belgien,»'Holland* Italien, Oesterreich, die Tschechoslowakei und Ungarn die Genehmigung erhalten haben, in’ F rhnkf u rt a. M. Konsulate zu errichten. Wie die britische Kontrollkommission bekanntgibt, wird Polen in Hamburg, Hannover und Düsseldorf Konsulate und in Lübeck, Braünschweig und Bochum konsularische Nebenstellen errichten: . ,s.; . •. wieder die Fäden für ein xNetz neuer Verbrechen knüpfen. Erst wenn wir gegen sie ankämpfen, können wir ebenso stolz wie die ehemaligen Häftlinge von Sachsenhausen, die diesen Kampf Schon lange vor uns führten, nach der Nationalität befragt, antworten: ‘Deutschef! Arne Rehahp, beruhen manche Beschwerden auf schädlichen Stauungen und Ablagerungen, die Sie durch Umkehrtee Nr. 14 aus Heilpflanzen mildern könnender fördert Stoffwechsel, Kreislauf und Ausscheidung und Hilft die Arbeitskraft erhalten ■ ' Im hoben in Apotheken u. Drogerie** Es gab Von William Zuckermactf* Es wäre falsch zu glauben daßin der Judenfrage die Bestialität der Nazis für die Haltung aller europäischen Völker' typisch gewesen wäre. Im Gegenteil konnte - man während des letzten Krieges zahlreiche Freundschaftskundgebungen, selbst Heldentaten zugunsten der Verfolgten; sowie eine aktive und wirksames , Gegnerschaft der Aüsrottungsaktion wahrnehmen. ' ■ ■ Dieser Widerstand begann im Herbst des Jahres 1943 in Dänemark^ als die Nazis 'die ersten Massendeportationen aus jenem Lande begannen. Dip Dänen stürmten die Gefängnisse ‘ und Konzentrationslager und versenkten die' deutschen Sdnffe, die darauf warteten, ihre upier zu verschleppen. Eine kleine Flotte von Booten und Yachten transportierte die' dänischen Juden nach Schweden*' wo sie ohne Pässe aufgenommen wurden. Wenige Wochen danach befand sich fast die gesamte jüdische Gemeinde Dänemarks in Sicherheit. Danach machte ,sich ein organisierter Widerstand in Italien bemerkbar. Nach dem Stürz Mussolinis wurden, die deutschen Rassegesetze auch'hier von den Nazis durchgeführt, aber ihre Nichtbeachtung seitens vieler Italiener war allgemein. Italiener fraternisierten öffentlich mit Juden und trugen selbst gelbe Armbinden, um die Nazis irrezuführen. Tausende von Juden konnten mit Hilfe .der Italiener nach der Schweiz oder nach; den von den Alliierten besetzten Gebieten geschmuggelt werden. Der. erste öffentliche Akt nach der . Befreiungder jüdischen. Gemeinde Roms war ein Gottesdienst in. der alten Synagoge, in dem die: Juden öffentlich den Christen Italiens deckten, * die sie vor der Vernichtung gerettet hatten. Die Katholische Kirche spielte hierbei eine hervorragende .Rolle. Während der Monate vor der alliierten Besetzung Röms wurden „tausende von Jüden in den Mauern dgr Heiligen Stadt auf genommen. r . In> Frankreich könnten mehr als. 60 Prozent der schon vor dem Kriege in Frankreich lebenden Juden, - dem Sturme entgehen. Eigens für diesen Zweck eingesetzte Gruppen der Ma® quis halfen den Juden von der besetzten Zone Frankreichs zur Südzone zu gelangen, Gemäß offizieller Zahlen wurden dreißigtausend Kinder gerettet mid jahrelang, von nicht» jüdischen französischen Familien betreut. In Belgien wurde während der deutschen'Besetzung ein ,Komitee zur Verteidigung' der Juden* von Nichtjuden gegründet. Dieses Komitee rettete zehntausenden das Leben. Prof. Max Perlman von der Universität Brüssel hat seine Gefühle in dem Satz ausgedrückt: „Ohne die Hilfe unserer christlichen Nachbarn wäre heute kein Jude in Belgien am Leben.“ Die ergreifenste Kundgebung zur Verteidigung der Juden fand in Holland statt, als am 22. Februar 1941 die Nazis eintausendeinhundert junge Juden zur Deportation festgenomme» hatten. Bei dem Generalstreik, der drei Tage danach von holländischen Arbeitern erklärt wurde, fanden große Sympathiekundgebungen statt, und es wurden Plakate mit der Inschrift .Befreit unsere jüdischen Kameraden" zur Schau getragen. Am 25. Februar eröffne» ten deutsche Truppen das Feuer auf die Streikenden. „ Dreitausendfünfhundert Holländer und Holländerinnen hatten in Verteidigung eines verfolgten und, schutzlosen Volkes ihr Leben gelassen. Ebenso wie in diesen Länder^, konnte -maß auch in Ungarn und in den Balkanländem wiederholte Sympathiekundgebungen zu Gunsten der Juden verzeichnen. Ein Deportationsbefehl für dreißigtausend Juden aus Sofia wurde auf Grund einer dieser Kundgebungen zurückgezogen, und in Ungarn wurden zwanzigtausend Judpn durch schwedische Hilfeleistungen gerettet. ’ ..Aus all diesen Beispielen ist wohl zu ersehen, daß die Greueltaten . der Nazis ’ eine ‘starke moralische Reaktion in Europa hervorgerufen haben, und daß der Antisemitismus/ Europas, entgegen den Voraussagungen der Nazis, stark im Rückgang i^t. (Uebersetzt aus dem Buch „Deadline Delayed**)

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