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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1948-01-14 · 19 (14.1.1948) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
19 (14.1.1948)
Date
1948-01-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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;fteüte Januar ItJPISCIIES GFMrtNBEBLATT Ftfft ©TI! BRITISCH® fOWB. Nf« IS *w~ . Jafergäng Mattes z* Proiem ae$ AnMiismus (Fortsetzung von Seite l) Die Situation £>a$ deutsche Volk steht nicht mehr und; nicht weniger als alle anderen Völker unter den Sschichtsmetaphysischen Gesetzen der unsbaren Verbindung aller seiner Glieder im Guten wie im Bösen. Wie das jüdische Volk die Schuld des Tages von Golgatha, die ein Teil seiner damaligen - Führer auf sich und ihr Volk freventlich herabgerufen hatte (selbst dem Menschen, der seine religiöse Substanz bis zur Grenze der Selbstaufgabe vergessen hat, dürfie der Prozeß, Jesu mehr sein als ein Justizmord), durch die-Jahrhunderte über seinen eigenen Kalva» rienweg bis zur Gaskammer von Auschwitz geschleppt hat, so haben auch wir die Schuld zu tragen, welche unsere „Führer“ zwölf Jahre hindurch auf uns herabgerufen haben. Wer an dem Segen teilnimmt, der auf einer Gemeinschaft nach ihren Werken ruht; ist mitverhaftet auch dem Fluche, welcher sie* treffen muß nach ihren Werken., . Ich will hier nicht die abgegriffene Münze der „Kollektivschuld“ ausspielen, sondern den schon <• im Alten Testament gebräuchlichen, vom Neuen Bunde bestätigten Begriff der Gesamtverantwortung deuten, welcher wiederum — um einem möglichen diesbezüglichen Einwand zu begegnen —/nichts zu tun hat mit seiner Pervertierung, der „Sippenhaftung“ des Nationalsozialismus. , Schuld aber als Gegebenheit erfordert ein Zwiefaches, ein Geistiges - und Materielles: Reue und damit Reinigung wie Sühne und Versöhnung. ' Wenn ich hier die materielle Wiedergutmachung, zu welcher das deutsche Volk (wiederum Sn seiner Gesamtheit) rein juridisch aus dem Begriff des aus der culpa resultierenden dolus, welcher die Fahrlässigkeit erweitert zur absichtlichen Schädigung des Nächsten, verpflichtet ist, unerwähnt lasse, so1 tue ich es wiederum v*8us Gründen der Raumbeschränkung wie darum, weil dieser gleichfalls integrierende Punkt, der an sich einfach unserer faimess entspringen sollte, bereits als Rechtsanspruch des deutschen Restjudentums durch die American Jewish Conference als Verhandlungspunkt bei der Moskauer Konferenz angemeldet ist und zweifellos seine durch uns kaum beeinflußbare Regelung finden dürfte. Ich beschränke mich hier, auf engstem gebotenem Raume die oben arxgedquteten Begriffe von Reue-Reinigung und Sühne-Versöhnung in ihrem Bezogensein auf unsere » seelische Bereitschaft zu untersuchen. Schuld, theologisch gesehen, ist Sünde als einer Beleidigung, Gottes (für den areligiösen Menschen als einer solchen der im Gemeinschaftsleben gleichfalls notwendigen und tatsächlich vorhandenen Moral als des s^ttü^jeaj);'Naturgesfefczes}, \ ' . Ihr Beiriff fällt zusammen mit dem Jasp*;rschen metaphysischen SdmldbegrifL welcher als Kulminationspunkt Unseres Gewissens, als der mit apriorischer Gewißheit uns innewohnenden Erinnerung an das unwandelbare göttliche Gesetz die Konstruktionen der kriminellen, politischen und moralischen Sch-iud letztlich in sich begreift. Wer die Schuld, unter der wir heute, »:'le Stehen, für sich persönlich <pder das deütscna Volk ablehht. v^ri^n^net sein Gewissem er. verkrampft sich ln eine trotzköpfige Haltung, welche ein gefährlicher Trugschluß ist, Jc-nn Sie kann ihn seine innere Sauberkeit und die Lauterkeit seines Rechtsempfindens, ja letztlich die Fähigkeit der Unterscheidung von Gut und-Bös und damit die mehr oder minder vorhandene religiöse-Substanz kosten. In der Erkenntnis der Schuld (sei •„$ durch tätige Mithilfe am- Verbrechen oder Duldung des Unrechts auf jeden Fall aber exakt biologisch wie spekulativ philosophisch and ’vertsetocrd theologisch) liegt seinshaft' beschlossen wie die Frucht in der Schale und begabt, milder Fähigkeit der Entfaltung: die Reue. Wir wollen keine Krokodilsträn^n weinen, noch uns in die Brunst unreiner hysterischer* Komplexe ' hmeirsteigem;, wir wollen rjs Christen und Menschen uns ehrlichzur Notwendigkeit der Metanoia brennen und in dem Leid, das nun uns, den einzelnen wie die Gemeinschaft getroffen hat, die jene geistige Umkehr uftd Neuhinwendung zu Gott ur- Sachönde Reinigung hinnehmen. Die deutschen und ausländischen Juden haben — von wenigen Einzelgängern abgesehen — durch ihre Kalbung und ihre Täten bewiesen, daß sie nicht im Sinne haben, sich zu rächen für die in ihrer Furchtbarkeit geschichtlich einmaligen Leiden,- welche'die, in Deutschland einst 6 Millionen Seelen zählenden Glieder ihres Volkes gelitten haben. Diese Tatsache ist für uns verpflichtend, und unsere seelische Läuterung, welqhe die Voraussetzung -für eine generelle Gesundung ist, muß darin bestehen, daß wir die historische und von unseren Vätern ererbte Minderachtung des Juden durch einen einfachen md vernünftigen Denkprozeß paralysieren. Der Antisemitismus ist natürlich nicht spezifisch deutsch, aber dennoch sollten wir deutschen Menschen die ersten sein, die mit seiner satanischen Ideologie brechen, weil er bei uns seine, brutalste Ausprägung gefunden hat. Daß heute noch‘und wiederum jüdische Gräber* geschändet werden (um ein Beispiel zu nennen), halte ich weniger, für eine generell zu wertende Tatsache als vielmehr für posthume Aeußerungen des letzten Restes, der verbrecherischen Erziehung der deutschen Jugend — aber wir wollen daran denken, daß der deutsche-Rassenwahn unter anderem von 1,2 Millionen der ehemals i,8 Millionen zählenden jüdischen Kinder in Polen nur 880Ö, also etwa 0,7 Prozent übrig ließ, welche •- durch eine Kette glücklicher Umstände der Ermordung entgingen. s Ein zweites Beispiel: Allein in Westfalen wurden 20502 Juden vertrieben und ermordet, und 103 Synagogen geschändet und zerstört. Wir wollen aber auch nicht vergessen, gerade die Ereignisse des 9. November 1938 vielen noch zweifelnden deutschen Menschen die Augen erschlössen haben, daß hinter manchem Judas ändere 'standen, welche unter eigener Lebensgefahr Juden äufnahmen und versteckten, bis diese sich über die Grenzen zu bergen vermochten —. wieder eine Tatsache, die. ihren verständnisvollsten Interpreten 'in einem;Juden, dem bedeutendsten lebende jüdischen Schriftsteller Salomon Asch gefunden hat . \ Letztlich geht es also nicht um die „Kollektivschuld“, um welche ein ganz überflüssiger Streit entbrannt ist, sondern — es sei nochmals gesagt —' um die biologische und ethische Verflochtenheit des einzelnen mit der Gemeinschaft seines Volkes und aller Menschen in Glück und Leid, in Segen und Fluch. Wir stehen, allein und gemeinsam, vor Gott, und jede Schuld ist letztlich eine solche an ihm; ihm tpn wir das, was wir dem Geringsten seiner Brüder tun. Er, der sich unser Brüder nannte; ist in jedem jüdischen Bruder der Leidende gewesen; an ihm sind wir schuldig geworden, mitschuldig jn seinen Henkern Und ihren Knechten, in seinen Pjaini^ern und Verrätern. Au? der Erkenntnis und Anerkenntnis der Gemeinschaftssohuld Im oben gedeuteten Sinne ergaben sich die beiden ersten Statio- 1 nen des Weges, den wir zu, gehen haben; die Begriffe der Reue und Reinigung^. . (2. Teil folgt). In Hamburg wurde Veit Harlan, der Regisseur des Hetzfihns „Jud Süß“ vom £*btralaus* schuß für Entnazifizierung mit ‘viey gegen* drei Stimmen als „völlig entlastet“ erklärt. Vor dem Entscheid ließ man den Film vor den Mit- gliedern des Zentralausschusses laufen. Nuch einmal konnten sie sich vom Schmutz und Gift überzeugen, welches dieses verantwortungslose Machwerk eines deutschen Regisseurs daxstellt, der Herrn Goebbels bedingvingslos gehorcht bat. Noch einmal wurde gezeigt, wie Harlan den Juden nicht die Kostüme und Sitten der Zeit und des Ortes gab, sondern sie in die Masken galizischer Juden frei nach „Stürmer“-Stil steckte. , Er fälschte Beziehungen .zwischen dem Halbjuden Süß- •Oppenheimer und der jüdischen Religioasgemeinscha|t, sprach vom Aushecken kn Ihnen zur „Errichtung der jüdischen Herrschaft“, Beziehungen und Pläne, die nie he-, standen haben. \ In Stuttgart hatte Herr Harlan - die Archive dunehstöbert, nicht .um ein gescbichtsw.li-eS;: Werk zu schaffen, sondern um einen Füra.ri nach dem Herzen Herrn Goebbels zu produzieren' Streichers Mordhetze im „Stürmer“; genügte nicht mehr. Darum brauchte Goebbels zu Anfang des Krieges etwas Besond ^res: einen Film, 4er besonders die deutsche Jugend zu noch erbitterteren Hassern des jüdischen Volkes ■ machen sollte. Und dazu gab Herr Harie|> sich her. Die deutsche Jugend h^ßre die Jüdischen, Menschen mehr denn je. Die Wirkung des Filmes war eine entsetzliche, verheerende; — nicht minder unter den deutschen. Erwachsenen. Bis kurz vor Kriegsende Jjef „Jud Süß“ ' fio vielen ' deutschen FilmtheaterhT Der Verfasser dieser Zeilen hatte als ■ ganz junger Mann einen deutschen Freund, "den er.seit vielen Jahren kannte* ’ Dieser1'sagte, ‘nachdem er den Film gesehen hätte; „jDie Juden sind Verbredaeri“ , und mied fortab jeden „Umgang mit der Familie des Verfassers. * Heute behauptet Veit Harlan, eine Weigerung, den Film zu drehen, hätte den Tod bedeutet, ünd damit „erübrige sich jede Debatte“. Nein, die Debatte erübrigt sich nicht! Sie ’ wird nicht eher beendet sein als bis Herr Harlan vor dem Tribunal als Hauptschuldiger abgeurteilt ist und die Strafe erhalten hat, die ein Mann Verdient, der seine Regie in den Dienst der Vorbereitung der ungeheuerlichen Judenmorde stellte. Wie viele Deutsche mögen die letzten moralischen Hemmungen verloren haben als es sich darum' handelte, jüdisches Leben auszulöschen, — die Hemmungen verlören, weil Harlans Film den blutigen Antisemitismus In ungeheurem Maße vergrößerte! Die stereotype Entechuldigungsformel: „Befehl ist Befehl*4 kann Harlan nicht für sich in Anspruch nehmen. Für Unmenschlichkeil gibt es niemals eine Entschuldigung, Die Weigerung, diesen Film , zu drehen, hätte' fc^iimmstenfalls Harlans Karriere beendet. ' Aber wollte Harlan sich denn. überhaupt weigern? Wie aus Filmkreisen verlautet, war von Harlan 1945 f!) noch .ein weiterer antisemitischer Film nach einer bedekenlosen Verball» bornung von Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ geplant. " , Eijie ganze Anzahl ^deutscher Filmschauspieler und, Regisseure hat Sich -erfolgreich den Offerten und Wünschen des Propagandäministe» riüms widersetet und ihnen ist'in der Regel nichts geschehen, außer, daß sie berufliche Beschränkungen erhielten. Aber Herr Harlan war „zu feige“ und dafür soll er heute geradestehen, ob er will oder nicht. Die ganze Welt wird sich sagen: „Das also ist n Jud Süß“ heute noch in Deutschland möglich! Verbre« 1 eher am jüdischen Volk werden so offenkundig geschützt!“'Und man wird die Konsequenzen zjehep.: Mißtrauen und Veraqh-; tung ist alles/ was ' Deutschland /ernten' wird! Der Regisseur Veit Harlan hat mit Erfolg di« Komödie bestanden, in der er die erbärmlichste Hauptrolle seiner Karriere spielen sollte. Der .„Jud Süß“ wird verbrannt, denn Harlan ist ein ehrenwerter Mann, — so sind sie alle, wie Werner Krauss alle ehrenwert.. Wir Juden empfinden die „Entlastung“, Harlans von seinen Verbrechen gegeti die . künstlerischen und menschlichen Belange seines Berufes und seiner Funktion, zusammen mit allen, denen Gerechtigkeit und Menschenwürde unantastbare Begriffe geblieben sind, als einen neuen Beweis des mangelnden moralischen Wiedergutmachungswillens durch dia' hierzu berufenen deutschen Instanzen. Weit entfernt von jedem Gedanken an Rache und Vergeltung, bedeutet die Entscheidung des „Zentralausschusses für die Ausschaltung de? Nationalsozialisten“ vom 12.' Dezember 1947 eine neue Bestätigung unseres Mißtrauens in die neue deutsche Entwicklung, solange das deutsche Volk nicht endlich selbst die Kraft finden kann, . aus. eigener Energie jenes Gift, auszuscheiden, mit denen die Goebbelstrabanteb zunächst anderen Völkern den Lebensnerv zu zerstören gedachten, um dann später das eigene Volk zu dieser in der Geschichte unvergleichlichen Katastrophe zu führen. Wie es heißt, hat „H$jrlan seine Aufgabe im „Jud Süß“ darin gesehen, Mitleid für die Figur des Juden zu erwecken! Dieses verlogene Argument von einer sogenannten Säuberungsinstanz zu akzeptieren, bedeutet, daß es vom Erhabenen zum Lächerlichen weniger denn ein Schritt ist. Im Namen der Millionen Juden, die ln diesem Krieg der Mordlüst der* "Nazis zum Opfer gefallen sind, verbitten wir uns energisch diese gemeine Perfidte. Die Goebbelsverwaltung verbot uns in den Erfolgstagen des „Jud Süß“ den Besuch de® Kinos. Von der „künstlerischen; Größe“ dieses Machwerks konnten wir uns damals kein« persönliche Vorstellung machen. Die tatsächlichen Auswirkungen haben wir und nicht zuletzt das1 deutsche Volk bitter zu bezahlen gehabt. Darum sollte zu der ScharlatanereL die sich in der „Entlastung" Veit Harlans darge» tan hat, keiner schweigen, der weiß, daß das Gemeine- und Böse nicht an Gewicht ver-, liert, wenn es In sogenannter Kunst den» Publikum offeriert wird! . Norbert Wnliheimeines an- „Sehr geehrter ,Mr./Mergenthau, durch die allgemeine und jüdische Presse erreichte uns in diesen Tagen der Bericht, daß die Konferenz des United Jewish «Appeal Sie* wiederum und einstimmig zum General Chairman der Campagne für das Kommende Jahr gewählt hat , Unsist es eine' willkommene Gelegenheit, Ihnen anläßlich dieser Nachricht, die uns mit tiefer Freude erfüllt, unsere herzlichen Wünsche für die erfolgreiche Durchführung dieser von Ihnen nun zum zweiten Mal übenoramenen schweren Aufgabe zum Ausdruck zu bringen. Wir wissen zu gut, mit welchem Maß an Einsatzberditsehaft und warmen jüdischen Empfinden Sie; für die soziale und nationale Be-’ freiung der überlebenden jüdischen Opfer die-1ses furchtbaren -Krieges gekämpft haben. Ihr Name, so ruhmreich mit dem für die Alliierten . siegreichen. Ausgang dieses Krieges verbunden, ist uns, der Sherit Ha-pletäh, zum Symbol der Hoffnung und des Zukunftsglaubens füi ein besseres Morgen geworden, ln enger und herzlicher Kooperation mit allen Kräften. und allen Organisationen, die nun zum dritten Mal die gewaltige Campagne des United Jewish Appeal gestartet haben, soll das kommende Jahr uns in der bewährten engen Ver-, bundehheit finden, bis endgültig das Ziel erreicht ist, in dem sich United Jewish Appeal und die Sherit Ha-Pletah stets identifiziert haben: Ihrer Erlösung ■ und endgültigen Befreiung. ' Inv aufrichtiger Verehrung grüße« wir Sie als Ihre . . ' Josef Rosensaft, Carl Katar Dov^- Läufer, Norbert Wollheim für das ^Präsidium des Zentral-Komitees. der befreiten Juden in 1 der britischen Zone Deutschlands»* Andererseits erkennen wir die ehrlichen Proteste deutscher Stellen und Organisationen an, Der Verein der Filmproduzenten für. die britische Zone empfiehlt seinen Mitgliedern, jegliche Zusammenarbeit mit Harlan abzulehnen. Außer dem Fachausschuß 7 sind in Hamburg .auch die Unterausschüsse für Film, Presse, Theater und Musik aus Protest gegen die „Entlastung“. Harians zuriiekgetreten. Die Ausschüsse begründen ihren Rücktritt damit, daß der Zentealausschuß, der für den 19. Dezember eine gemeinsame «Sitzung anberaumt hajU tey auf der belastendes Material aus Berlin beigebracht werden sollte, ohne diesen Termin abzuwärteh, plötzlich (nachdem schon monate* lange Verhandlungen geführt worden waren, seine Entscheidung traf! Hier wurde' ein Spiel, hinter den Kulissen gespielt, .welches nun deutlich zutage, 'trat'! Es ist 'absolut' richtig, wenn der Vorstand der SPD den Film „Jud Süß“ als?in wichtiges Glied in der Reihe der von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen an den' Juden bezeichnet. Ebenso "Wie’ die SPD fordern auch KPD undy,'VN die Wiederaufnahme des Verfahrens .gegen Harlan und darüber hinaus die' sofortige Entfernung der Mitglieder des Hamburger Zen» traläusschusseS, die sich schützend vor Veit Harlan gestellt'haben. 'Auch von der FDP. kommen Stimmen des Protestes. Die ^GDU dagegen erklärt sich zwar mit dem Urteil auch nicht einverstanden, ließ aber über den Nordwestdeutschen Rundfunk erklären, man habe heute ernstere Sorgen als den .Fall Harlan. Dies® Aeußerung kann angesichts € Millionen ermordeter Juden nur als 'zjhiiscii gewertet werden.' > Die: britische Militärregierung hafte Veit Harlan bisher jede Tätigkeit untersagt und es ist erizunehmera, daß sie die deutsche Entscheidung nicht hinnebmen wird. Es blieb also wieder einmal einer deutschen Instanz überlassen, ein neues empörendes Fehlurteil zu verkünden. Uns aber wurde wiedgr einmal bestätigt, wie wenig unsere teuren Toten im Urteil maßgeblicher Deutscher, die mit , der politischen „Säuberung“ beauftragt sind, wiegen..' . •'.-*•'■ Das Verbrechen, das der Film „Jucl. Süß“ darstellt, ruft nach Sührie. Nicht nur um der Gemordeten willen, ^sondern auch um der Zukunft wegen. Schon wieder werden, Friedhöfe geschändet, wird wieder Rassenhetze betrieben, beschreiten wieder Deutsche den Weg, der schon einmal bei den Gaskammern in Auschwitz endete. Sie * alle leiten das „Recht“ zu diesem neuen Verbrechen am jüdischen Volk, denn nichts anderes stellt das Hamburger Urteil dar, aus solchen Urteilen wie, dem des Zentralausschusses her, der Veit Kariän entlastete. Die Gemordeten aber fordern Sühne! Wir werden diese Sühne mit allen Mitteln herbei* führen!' / Gi'pr«äs-h;Q»; Mit einer verdächtigen Eile hat der Hambu» ger „Zentralausschuß für die Ausschaltung von Nationalsozialisten" Veit Harlan in die Gruppe y (Entlastete), eingestvi*. Auf di® väa JsÜÜ”Seiten eingelaufenen "Proteste?- nach der „Welt“ der Zentralausschuß erklärt, das von der „Berliner Entnazifizierungskommssion für Künstler“ angebotene Belastungsmaterial sei trotz Anmahnung nicht $ngetpf* fen, Belastungszeugen seien nicht vorhanden gewesen, Briefe an die dem Ausschuß angegebenen Personen nicht beantwortet vordem Statt nun das Verfahren bis zum Eintreffen des Materials und der Belastungszeugen auszusetzen, wurde, nachdem allein Wolfgang; , Lieheneiner und Harlans Frau, Kristina SÖ-. derbaum, gehört worden waren, in Abwesenheit .von vier Kommissionsmitghedern mit vier zu drei Stiihmen „ das <. entlastende Urteil gefällt. Schon in Presseveröffentliehungen bat Harlan die „Seelenqualen“ geschildert, die ihm der Auftrag von Goebbels zur Verfilmung des „Jud Süß“- bereitet habe; er habe sich dem Zwange nicht entziehen können und deshalb den Film so angelegt, daß der Jud Süß di« Sympathien des Publikums gewonnen: habe. Die Kri^sverbrecher in Nürnberg haben ähnlich argumentiert, doch fandensie damit bei ihren Richtern keinen Glauben. Harlan hatte in Hamburg mehr Glück, und man wird den Verdacht nicht los, daß' dar Zentralausschuß die Abwesenheit einiger Mitglieder, die Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung des belastenden Materials imd bei der Herbei- Schaffung der Belastuhgsze/ugdo benutzt hat, um Harlan* reinzuwaschen. Er hat damit bewiesen, daß er die ihm übertragene Aufgab® nicht zu erfüllen imstande ist. Das Urteil, das er gefällt hat, richtet ihn selbst Harlan hat mit „Kolberg15, mit dem „Großen König“ mit dem geplanten „Kaufmann von Venedig** unzweideutige und unableugbare nationalsozialistische Propaganda getrieben, in den „Opfergüng“ und in „Die goldene Stadt“ , hat er ebenfalls nationalsozialistische Tendenzen hineingetragen,, und vom „Jud Süß“ fuhrt ein direkter Weg zu den Gaskammern von Auscnwitz. Der Verband der Filmproduzenten in der britischen Zone hat seine Mitglieder aufgefordert, die Zusammenarbeit mit dem „entlasteten“ Harlan abzulehhen. Jeder Schauspieler, jeder Theaterdirektor, jeder auf dem Gebiete des Filmes Tätige sollte diese Aufforderung auf sich beziehen. Veit Harlan ist künstlerisch und gesellschaftlich zii ächtem Zu dieser Selbsthilfe sind die Künstler allein aus Achtung vor sich selbst verpflichtet, da die Hamburger Kommission e* vorgezogen hat, den falschen Beteuerungen des ehemaligen Propagandisten mehr Glauben zu schenken als den Zeugnissen und den Wirkungen seiner einstigen Tätigkeit . („Der TegesgpiegeD, Bor,link

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