Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 18 (31.12.1947)
- Date
- 1947-12-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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2. Jahrgang — Nr. 18 JÜDISCHES GEMEIND EBLAT^ FÜR DIE BRITISCHE ZONE 81. Dezember 1917 — Seite 8 J^tniang des 19. Jahrhunderts zählte Safed zirka 12 0 0 0 Juden gegenüber einer 200 0 Seeleft zählenden arabischen Einwohnerschaft, 1919. gab es nur. noch 8 0 0 0 Juden dort, im Jahre 1943 waren unter der 9500 Seelen -zählenden Einwohnerschaft 2500 Juden und diese Ziffer sank bis zum Jahre 1947 auf 1800 unter 12 000 Arabern. Für diese Erscheinung gibt es viele Gründe. Dadurch, daß der Norden Ober-, galiläas dem Libanon und der Bachan und Hauran Syrien zügeschlageh wurden, verschloß man ein weites Hinterland dem Handel der Stadt, was hauptsächlich die jüdischen Händler traf. Die Unterstützungen der Chalukka an die frommen jüdischen Gemeinschaften in Safed wurden schon vor derp ersten Weltkrieg geringer und hörten nach ihm »fast ganz' auf. Während dieses Krieges wurden die Juden von1 Safed durch Hunger und Seuchen schwer be-! tröffen, und außerdem waren sie den Verfolgungen der türkischen Regierung preisge-j geben, die sie gewältsam: zum Militärdienst heranzogen. Später kamen die Unruhen von 1929 und danach die dauernd unruhigen Jahre 1936/39, durch die die Bevölkerung des Ortes' ziemlich« isoliert war und der Verdienstzweig, den sie sich erst gerade durch Erholungsstätten zu schaffen anfingen, ganz lahmgelegt wurde. Weitere Schwierigkeiten entstanden für die Juden von Safed durch die Proklamierung des arabischen Boykotts gegen j üdische Produkte und jüdisehen HandeL: ■ ■ ' . ■. . '[ In der Stadtverwaltung herrschte bis 1946 ein arabischer Bürgermeister, .'und seit eine Regierungskomrftission eingesetzt war, würde die Stadt nicht minder vernachlässigt. Ein charakteristisches Zeichen dieser Stadtverwaltung war ihr minimales Jahresbudget, — zwischen 4000 und 6000 Pfund. Dio Haltung'* der Regierung kommt vor allem in der Art ‘ und Weise. zum Ausdruck, wie sie die Wasserversorgung regelte^ Es vergingen Jähije, bis man eine heue Pumpe ,anschaffte,* upa das Wasser aus den nahegelegenen Quellen heraufzupumpen. Außer diesen negativen Faktoren von außen machte sich auch der gedrückte Zustand innerhalb der Gemeinde und der Mangel privater Initiative geltend. Alte Industrien und altes Handwerk; die in Safed. heimisch waren. — Druckereien, die Herstellung von Käse d ä. tn, — wurden ganz.eingestellt. Anstrengungen wie die des Keren .Esrah, ein neues „Handelszentrum“ zu schaffen, waren erfolglos, und all das drug zur Verkleinerung auch des inneren Marktes bei. ' NEUER AUFBAU VON SAFED Angesichst dieses Rückschritts des jüdischen .Jischüw in Safed gelangten 'die nationalen upd öffentlichen Institutionen zu der Erkenntnis, daß eine Tätigkeit für den Aufbau und die Entwicklung dieser Statut dringend nötig sei. GESELLSCHAFT ZUR ENTWICKLUNG VON SAFED Anfang 1945 wurde die „Gesellschaft zur Entwicklung von 'Safed“ gegründet. An ihrer Gründung beteiligten sich der KKL, der KH, die Histadruth, der Solei Boneh, „Biztir“ und der Arbeitslosenfonds. Das Kapital der Gesellschaft, im März 1945 eingetragen, betrug LP 50 000, und setzte sich zusammen aus 3 Gründeraktien .von je LP 5000 in Händen des KH und der Histadruth, sowie LP 35 000 ge- Wölmliche Aktien von je LP 1,—. Im Mai, 1947 erhöhte die Gesellschaft ihr Kapital auf LP 80000, hauptsächlich aufgebracht durch die Gründergesellschaften. Die Gesellschaft erlangte die noWendigen Vollmachten für die Vorbereitung und Durchführung eines Bäu- und Entwicklungsplanes, der durch ein Preisausschreiben unter. den Architekten des Landes erlangt und der Regierung vorgelegt wurde. Der KKL unterstützte die Tätigkeit der Gesellschaft durch den Ankauf von städtischen Böden in Safed; die Jewish. Agency arbeitete gemeinsam mit der „Gesellschaft für Volkswohnungen“ (Sehikun Ämami) einen Plan für Behausungen von neuen Einwanderern, und für Arbeiter aus. Man errichtete s. Zt, 45 Wohneinheiten. Der Aufbau ' von Fabriken und ■ Werkstätten in der Stadt, die der ArbeitslQsigkeit steuern und außerdem neue Arbeitet« nach’ Safed ziehen sollen, stellt eine , der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft dar. So half sie bei der Gründung einer Fabrik zur Herstellung von Bleistiften und Farben, einer Weberei (mit Unterstützung der Ata-Gesellschaft) und einer Werkstatt für Künstgewerbe. Ferner gab sie ihre Unterstützung für die Errichtung einer Fabrik 1 von Kochgeräten . die erst im Aufbau begriffen ist und einmal zirka 80 Arbeiter beschäftigen wird. Noch andere Unternehmungen befinden sich inv ersteh Stadium der Vorbereitung, darunter auch solche, die erstnach Safed überführt werden sollen. ELEKTRIZITÄT Die Entwicklung von Handel und Industrie in Safed und auch die Entwicklung der Stadt zu einem . Kurort waren sehr erschwert,. solange Safed keine elektrische Versorgung hatte.-Die Stadtverwaltung tat auf diesem Gebiete nichts, So daß die jüdische Einwohnerschaft die Initiative ergreifen mußte. Nach, lange» Verhandlungen Wurde im November 1944 ein Vertrag mit der Ruthenberg-Gesellschaft unterzeichnet, der die Einrichtung einer vorläufigen elektrischen Anlage im jüdischen Viertel und in" den Hauptstraßen der Stadt vorsah. Die jüdische Gemeinde, erhielt von der Entwicklungsgesellschaft eine Anleihe und konnte sich dadurch zur Abnahme einer gewissen Strommenge im Laufe von 3 Jahren verpflichten. Angesichts dieses vermehrten Rtromgebrauches Wurde es notwendig, Safed mit dem Hauptnetz' der Elektrizitätsgesellschaft zu verbinden SAFED UND UMGEBUNG;; r T '«-'S—v—— GESAMTANSICHT VON SAFE© .jkt'.* ■> «-VSfc V jt und dadurch elektrischen Strom auch nach Obergaliläa zu leiten. Ein entsprechendes Uebereinkommen gelangte endlich mit Hilfe der „Entwicklungsgesellschaft 1947“ zum Abschluß. AUSBILDUNG Ein wichtiger Schritt für die Ausbildung der heranwachsenden Jugend , Wurde im Oktober 1944 getan durch die Errichtung einer Fachschule der Histadruth für Feinmechanik. Tn dieser Anstalt lernten® bisher 65. Schüler. Die Absolventen des ersten Kursus gründeten im Sommer 1947 eine Korporative zur Herstellung von feinmechanischen Instrumenten. Sie erhielten schon viele Aufträge und sind jetzt mit deren Ausführung beschäftigt. Zur Anschaffung von Maschinen etcL hat ebenfalls die: „Entwicklungsgesellschaft“ finanziell beigesteuert.' . ERHOLUNGSv UND HEILSTÄTTEN , Die wunderbare Gebirgslaiidschaft von Safed, das kühle, KUma und die frische Luft bieten alle Vorbedingungen für einen Erholungsort ersten Rariges. Vor allem , ist das Klima zur Heilung von Lungenkranken geeignet. Man hat schon die verschiedensten Versuche gemacht, das Erholungswesen sowohl in der Stadt, als auch auf/dem nahegelegenen Kanaanberge zu entwickeln. ' Der KKL erwarb dort eine größere Fläche und im Jahre 1943 wurde das Erholungsheim der Histadruth, „Beth Bussei“, errichtet, das schon 1943erheblich erweitert werden konnte. Ferner wird dort die Erholungsstätte der Wirtschaften des Emek Beth Schaan gebaut, sowie private Hotels und Gasthäuser. Auch in : der Stadt Safed selbst.wurden Erholungsheime geschaffen, vor allem die Lungenheilstätte der Hadassah, die 1947 auf 110 Betten erweitert •wurde, und das Krankenhaus der Histadruth- Krankenkasse. Nationale und Siedlungsorganisätionpn, wie die Jugendali jah, der Waad- Leumi, der Soldatenrat und viele-andere errichteten Kindererholuhgsheime in Safed und brächten dort Kranke zur Heilung und Erholung unter. Aüch die EntWicklungsgesellschaft HEUSCHOBER IN EIN SETIM \ befaßt sich mit diesem Problem, obgleich sie in dieser Hinsicht noch keine positiven Ergebnisse erreicht hat. EIN SETIM , . Im Jahre 1891 wurde in Minsk ein© Gesellschaft zur Ansiedlung von 1000 Familien in Erez Israel gegründet Ihre Delegierten, die nach Palästina führen; kauften 5600 Dunam Boden des arabischen Dorfes, Ein Setim, 3 km nordwestlich von Safed. 25 ihrer Mitgliedes ließen sich hier nieder, und dadurch wurde diese altev jüdische Gemeinschaft, deren letzte UeberresteTn dem großen Erdbeben des 19. Jahrhunderts zu Grunde gingen, wieder, zum Leben erweckt. Innere Streitigkeiten und die Haltung cier türkischen Regierung brachten abereinen Rückgang mit sich. Mehrmals wurden nach dem Kriege Versuche gemacht, den ’Jischuw von Ein Setim neu aufzubauen, doch ohne Erfolg. Nach den Vorgängen von 1929 wurde der Ort vollständig aufgegeben. Die Pflanzungen und die Bauten gingen zugrunde^ Im Februar 1942 beschloß die Leitung des KKL; mit dem Ankauf von Boden in Ein Setim zu1 beginnen, deren jüdische Besitzer im In- und Ausland verstreut lebten. Am 15. Sohwat 5706 ging die Kwuzah Meginim vom Kibuz Meuchad nach Ein Setim, in ihrer Mehrzahl geborene Palästinenser und ungarische und rumänische Olim. Der Boden von Ein Setim ist zum .größten Teil felsig und 1000 Dunam von den 2300 sind nur für Bewaldung geeignet. Der Ort ist ireich an Niederschlägen ,(800 bis 1000 mm jährlich). Heute muß man Wasser aus einer entfernten Quelle herbeischaffen, aber nach Ansicht .der Fachleute haben Bohrungen hier gute Aussichten auf Erfplg. In den ersten 20 Monaten ihres Aufenthaltes haben. die Siedler (die Kwuzah zählt heute 80 Menschen) sich mit der Entsteinung und sonstigen Vorbereitungsarbeiten befaßt. Sie haben die alten Olivenbäume gepflegt, neue gepflanzt und Aufforstungsarbeiten (bisher 65 00p Bäume) durchgeführt. Ferner begannen sie mit der Bearbeitung von 400 Dunam für Getreide und legten einen Gemüsegarten von 20 Dunam an. Der KKL hat im letzten Som~: mer große Maschinen zur Verfügung gestellt. BIRIAH , Das arabische historische Dorf, 1000 m über M., in dem Josef Caro einen Teil seines Schulchan Aruch beendete, wurde zu einem Ort, der in unseren Tagen viel von sich reden, macht. Neben anderem i^oden von Safed wurden tausende von, Dunam von dem arabischen Biriah in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Icä erworben. Im Jahre 1935 zogen Araber auf den Picaboden und begannen’ihn zu pflügen. Die Pica berief sich sofort auf ihre Rechte, aber infolge der bald darauf ausbrechenden Unruhen gelang es den Arabern, dieses 3000 Dunam umfassende Areal festzuhaltea. > Das Gericht entschied zu Guns^n der Pica, aber die Araber legten Berufung vor dem obersten Gerichtshof ein. Bis heute ist der Rechtsstreit nicht abgeschlossen und die Regierung haL entschieden, daß dies« „strittiger Boden“ ist. Inzwischen hat der KKL weitere 3000 Dunam gekauft und diese für die Ansiedlung demobilisierter Soldaten bestimmt. Im Januar 1945 zog eine erste Gruppe der Bene Aklba (Hapoel Hamisrachi) zur Durchführung vorbereitender Arbeiten auf den Boden und begann auch mit der Anpflanzung von Waldbäumen, um den Ort für Ansiedlung entlassener Soldaten vorzubereiten, bis. fm März 1946 die bekannten Ereignisse; zur Festnahme der Leute dieser Kwuzah führten, das Gebäude vom Militär besetzt wurde, und Biriah dann zum zweiten und dritten Male durch tausende Freiwillige aller Altersstufen wieder auf gebaut wurde. Am 21. März 194? wurde das dritte Biriah offiziell anerkannt und nach 2 Monaten machte das Militär den Ort frei. Im Herbst 1946 Wurde der' „Biriah-Wald“ zu Ehren . der Gefangenen des Ortes angelegt. Im Juni 1947 wurden dieselben freigelassen und eine Reihe , der Leute — die eigentlich nur ein Vorbereitungstrupp und nicht für dauernde Ansiedlung bestimmte Siedler wären, — kehrten auch wieder zurück und schlossen sich von nettem den eigentlichen. Gründern dieses Ortes an. ' IM ALTEN SAFED Die Hand des Töpfers . ' von'M. Y. Ben-Gavriel „Unten im Süden, auf dem Gebiet des Kibbuz Doroth, gibt es ausgezeichnete Erde, zur Herstellung von Topf ertön,“ sagte mir letzthin ein Fachmann, Diese Bemerkung brachte mich auf die Idee, mich für Töpferei in Palästina zu interessieren. c „Ja“, sagte mir die Leiterin der ,Carmel Mayolika‘ Fabrik in der Haifabucht, „Doroth hat ausgezeichnete Erde für unsere Zwecke, aber leider ist der Traaeport einstweilen noch zu teuer. Wir hoffen aber, daß dies bald geregelt sein wird. Uebrigens1' setzte sie 'hinzu, ^Palästina ist das ideale Land für Töpfer, nicht nur was das Rohmaterial, sondern auch was das Klima betrifft“. / 1; Ich ließ mich in, d^m Betrieb herumführen und erfuhr vor allem, wie der Ton hergestellt wird. Verschiedene Bodensorter werden in einem Verhältnis gemischt, das das Geheimnis \ des Töpfers ist, und mit Wasser versetzt, worauf die Masse ein bis zwei Monate liegen muß. (In Europa ein bis zwei Jahre!) Der nach dieser Zeit gebrauchsfertige Ton wird entweder, wenn es. sich um billige Massenware handelt,, in Formen gepreßt, oder aber er kommt auf die Drehscheibe. Diese mit den Füßen betriebene Scheibe hat sich vermutlich in den letzten Jahrtausenden nur wenig geändert Es ist kein Zufall, daß die besten Dreher in unsrem Land Araber sind, die die Kunst yon Vater auf Sohn Weitergaben. Hier, in diesem Betrieb, sah ich die Leiterin, an der Drehscheibe. Sie wirft den Tonklumpen. auf die Scheibe, hält*beide Handflächen an die rotierende Masse, und aus diesen Händen wächst ein Zylinder auf. Unter stetem Anfeuchten des Tons preßt sie nun die eine Hand von oben herab in den Zylinder, •'der volle Klumpen wjrd hohl, baucht sich in der Mitte und die Rohform der Vase steht vor uns. Unermüdlich treiben die Füße das uritere Rad weiter. Die Töpferin hält einen Spachtel an den oberen, Rand des Klumpens: augenblicklich formt er sich zum Rand, Der Spachtel geht zum Boden hinab und die Basis entsteht. Dann wird: in stetem Drehen die« Form mit nassen Händen,und nachher mit einem Stück Glas geglättet, und das Produkt ist fertig zum Brennen; Die Henkel werden mit der Hand geformt und an die . richtige Stelle angepreßt. Nun werden die Krüge und die vasen, die gedreht wurden, Und die verschiedenen anderen gegossenen Massenartikel und: modellierten Ziergegenstände zwei bis zehn Tage, je nach der Jahreszeit getrocknet, wobei an Chamaintagen besondere Vorkehrungen getroffen werden müssen, um Risse zu vermeiden. Dann kommen sie in den elektrischen Glühofen und werden in einer Hitze von genau 900 Grad 7 bis 9 Stunden lang zum ersten Mal gebrannt. Der Öfen muß natürlich langsam angeheizt werden, damit der Ton .nicht springt. Sind die Formen wieder abgektihlt,. dann bleiben sie entweder unglasiert und werden nur mit einer sehr dünnen Schicht im Wasser aufgelösten andersfarbigen Tone überzogen. Die Mäyolikäwaren hingegen werden in eine aus Bleisylikat bestehende Glasmasse getaucht und wenn diese'abgetrocknet ist, bemalt. Glasierte Und nichtglasierte Stücke kommen nun wieder in den Ofen, der zur zweiten Brentiung, die Zwölf Stunden dauert, auf 1Q0Q Grad erhitzt wird. Nach dem AbteMen ’wird die Ba* ■ ■ | 1 ■ ■». •«i eis jeden Stückes abgeschliffen und die Wart ist verkauftsbereit Die Farben, mit denen die Vasen bemalt werden, kommen teils aus dem Inland* teils werdendste importiert, wobei sich seit dem Krieg eine sehr interessant® Schwierigkeit bemerkbar macht: die korallen^ rote Farbe ist vom Markt völlig verschwunden und zwar seit dem Augenblick, daman sich mit Atombomben beschäftigt, Korallenrot ent* hält nämlich Uran. Die Waren werden zum Teil Im Land abge* gesetzt — ein großer Teil durch die Wizoge» schäfte — während ein anderer Teil nach! Kanada und Australien geht, denn trotz der hohen, palästinensischen Arbeitslöhne' kann die palästinensische Töpferindustrie bereits mit der tschechoslowakischen und der englischen konkurrieren. Interessant ist Übrigens auch die Tatsache, daß die Muster, das heißt die Bema-! lung der Vasen, eine bedeutende Rolle in der Verteilung der Ware nach Ländern spielt. In Palästina werden neutrale Muster1 vorgezo- •gen— die arabische Kundschaft liebt •— „gestreifte“ Muster, die an die Kleidung der Fellachen erinnern, — während das Ausland zumeist solche Ware kauft, die palästinensische Pflanzen- oder Tierornamente trägt. Wir streifen durch die weite Fabrikshalle, besehen dies und das, aber immer wieder kehren wir zur Drehscheibe zurück, denn diese Urmanifestation des schöpferischen Menschengeistes nimmt immer wieder von neuem gefangen. Ich bin sicher, daß es wohl kaum einen Menschen gibt, der, wäre er in diesem Raum allein, sich nicht selbst für .\einen Augenblick an das Rad setzen möchte, um mit eigenen Händen eine Form zu schaffen, die, mit Händen greifbar, mit' Augen sehbar, ihn jahrhundertelang überleben kann. Der Tonklumpen, der, den leisesten Bewegungen der Hän-, de folgend, augenblicklich Form und Gestalt annimmt;, sich äusbaueht, und sich rundet, im wahrsten §inn des Wortes aus dem Formlosen zur Form wird, wird zu etwas Faszinierendem Und, gleichgültig, was das Endprodukt der Arbeit ist, , zum Sinnbild und zum Gleichnis: Ton in des Töpfers Hand. Ich kenne keine menschliche Arbeit, die tte» Sieg des Gedankens über die Materie derart anschaulich und unumstößlich darstellt, wie die des Menschen, der mit einer kleinen Bewegung der Finger aus formloser Erde einen Gegenstand (erstehen läßt, der Name und Gebrauchswert durch die Jahrhunderte weiterträgt.