Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 18 (31.12.1947)
- Date
- 1947-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 — SL Dezember 1947 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE / A; ' .der Käufer verliert dürften insofern berück® eichtigt werden können,, als er sie von den Nutzungen abziehen kann; gegebenenfalls wir«^ er auch zuviel gezahlte Einkommensteuer bei Berechnung dieser Nutzungen' abziehen können. ' Eine juristisch völlig neuartige Bestimmung ist die Anordnung, daß ein" außergerichtlicher Vergleich' zwischen den Parteien von dem Vorsitzenden des zuständigen Gerichtes ge® nehmigt werddn muß; diese Vorschrift soll offenbar dazu/ dienen, die Zählung der Nützungen durch den bösgläubigen Erwerber an den Fond für Opfer des. Nationalsozialismus zu sichern. Es ist nicht zu verkennen, daß diese Regelung den Abschluß von Vergleichen erschweren wird, da unter Umständen der Käufer durch die Erstattungspflicht der Nutzungen wirtschaftlich sehr schwer belastet wird,, zumal nicht «vorgesehen ist, ob die für die Durchführung dieser Bestimmung zu® Ständige Behörde nach billigem Ermessen die Zahlungen ermäßigen odet .stunden kann. Die Rückzahlung des Kaufpreises wird Proble® me devisentechnischer Art in erheblichen» Maße aufwerfen. Die im Ausland© befindli® chen Hückers tat,turigsbcrechtigten werden werden nicht gewillt sein, erhebliche Beträge in guter-Währung nach Deutschland zu sen® den. Andere, die sich in wirtschaftlicher Not® läge befinden, werden es vorziehen, eine Nach® Zahlung zu erhalten und sich mit einem Bruchteil des an sich angemessenen Betrages begnügen, wenn sie diesen Bruchteil transferiert erhalten können. Auch der Wiederauf® bau zerstörter Grundstücke wird/ Transfer« Probleme stellen. In Fällen, in denen der Käu® fer eine mildere Beurteilung verdient, wäre es im Interesse der Beteiligten, im Yergleichswege eine Regelung zu treffen, die ihm* den Wiederaufbau gestattet und ein Miteigentum des Rückerstatt-ungsberechtigten und des. frü® heran Käufers gewährt Es dürfte, auch vielfach im Interesse ~ jener Eigentümer, die im Auslande wohnen, liegen, eventuelle Nachzahlungen, die andere Berechtigte in' Deutschland zugebilligt erhalten, zur Rückzahlung des Kaufpreises, gegebenenfalls auch zum Wiederaufbau zu verwenden; Zu dieaern^ Zwecke muß bei den zuständigen Stel« len ein Antrag auf Genehmigung der Abtretung dieser Guthaben-gegen' Zahlung in De«. Visen des Wohnortes gestellt werden. Zur Durchführung dieser Transaktionen und zur Verwaltung von Vermögen im Auglande befindlicher Eigentümer erscheint die Gründung jüdischer Organisationen geboten. Ihre Gründung sollte beschleunigt werden, um nicht hoch weitere Vdrraögensverluste eintre® ten zu lassen. Es wird zwar bestritten, daß es in Deutschland noch Zeitungen und Journalisten gibt, die auch heute noch dieselö. Sprache sprechen, die ihnen seinerzeit vom Propagandaminista® rium beigebracht wordeü ist,; , Wir wollen'heute einen Beweis bringend Die ..Lübecker Nachrichten4 in Lübeck brachten am 8. November (in Nr. 89) den nach® stehenden "Artikel: \ - - . , v „Nachlaß in dea Lagern der ,Exodus-Juden - Pöppendorf nicht wiedefzuerkenhen Schutt und Unrat Bäder In Bücbsea-i milch? .Zwei große Pferdefuhrwerke, beladen mit Müll aller Art, begegneten uns,' als wir gestern durch das Lagerte* von Pöppendorf fuhren,! Di© vielen Blechbüchsen, das Stroh, das Papier und viel ariderer Zierrat stamm® ten nicht aus Mülleimern und -gruben, sondern sind der „Nachlaß“ aus den einzelnen Nissenhütten und, ..Baracken der „Exodus“*® Juden. Mannshoch türmen «sich noch heute — mehrere Tage nach ihrem Abzug —> die Schuttmassen vor den Türen. , Wir traten in eine, der Nissenhütten. Abgerissene Lichtdrähte, zerschlagene Schalters Türschlösser und Glühbirnen am Boden. Ein Ofen ohne7 Rohre 'war gegen eine verschlissenes Fenster gelehnt, daneben Wandbemalungen aus den Kriegslagen4, der ,Exo-. dus4-Juden. Alles in allem: ein unbeschreibliches Durcheinander. Noch schlimmer sah es in den Wohnba'radken aus. Dort hatte man alles, was nicht met- und nagelfest erschien, in den Ofen gesteckt Hölzerne. Wandelgänge, die zwischen einzelnen Baracken hindurchführten, ■ waren 'im Laufe der acht Wochen gefällt In einer Baracke fanden wir 37 verschimmelte Brote, nicht zu reden von den vielen Essensresten, die überall verstreut herum«' lagen. Auffallend war die große Anzahl - der Konservenbüchsen. Sie sind ein Beweis für den Nachschub der zahlreichen Hilfsorganisationen, aber sie bieten keinen An» . haltspunkt mehr dafür, daß Kinder gelegentlich abends in Kakao und Büchsenmilch \ gebadet wurden. Auch das soll vorgekommen sein, wie das deutsche Lagerpersonal berichtete. ■ Als wir an der Peripherie des Lagers ent® langgingen, vermißten wir > die vielen Zelte. Von/128 Zelten stehen jetzt noch 25, , die übrigen sind von' den Juden zerschnitten oder abtransportiert worden. In einem großen Speiseraum, dessen Zeltwände ebenfalls aufgeschnitten und abgerissen sind, fehlten 500 Stühle und Bänke. ' ', Auch die neuen Sprungfederbetten blieben nicht verschont Sprungfedern wurden zu. Fußballtoren zusammengebaut Der; Abtransport, des Inventars - widersprach den Anordnungen der britischen -Dienststellen. Lediglich eine geringe Anzahl von Betten und anderem' Inventar sollte nach Emden und Wilhelmshaven , mitgenommen werden. Mit diesem Transport war jedoch das deutsche Lagerpersonal beauftragt worden. Arm ' ,wie Kirchenmäuse4 waren die Insassen ins Lagpr gekommen, mit versenkbaren ,. Sihger-Nähmaschinen, Radioapparaten und< Textilien verließen $ie die Stacheldrahtzäune. *••• . * Trotz der Zerstörungen'ist die Lagerleitung bemüht, in einigen - Wochen die beiden Lager Pöppendorf und Am Stau wieder bewohnbar zu machen.“ Norbert Wo 11 heim schrieb amselben Tage namens der Jüdischen Gemeinde zu Lübeck an die _ Redaktion, der „Lübecker Nachrichten“ folgende^ Brief: „Unter Bezugnahme auf die heutige telefonische Unterredung bitten wir Sie, folgende Erklärung äufnehmen' zu wollen: . Der in den „Lübecker Nachrichten“ vom 8, . November 1947 erschienene Bericht unter dem Titel „Nachlaß in „den Lagern der »Exodus4-Juden, (Pöppendorf nicht wiederzuerkennen Schütt und Unrat — Bäder in ■ Büchsenmilch?)4, der symbolischerweise am Vorabend., des für uns Juden mit. besonderen Erinnerungen verknüpften 9. Novera» .. ber erschienen ist, hat be*. der jüdischen Be- EGON GIORPANOi Heinrich Heine-Feier In Hamburg "Den Reiz des Familiären hatte eine Heine- Feierin;dem kleineren Kreise * der o Gemeinschaft freigläubiger 'Juden arh 15. Dez. Hugo Hertz' wies in 'seiner Ansprache darauf hin» wie ' Heine mit der Schilderung französischen und deutschen Wesens/bemüht war, die Völker einander näherzubringen- Curt Erichs Rezitation Heinescher Lyrik und Prosa war in ihrer betont schlichten Art unnachahmlich Und-köstlich.. Sehr gewinnend sang Charlotte Gay, begleitet von Viele* Dannenberg Lieder von Heine' in Vertonungen von Mendelssohn und Schumann. Der Sprecher verkündete, daß ,erä da Heines, Grab aüf dem Montmartre noch unerreichbar' sei, Blumen aüf da? Grab seiner im 88. Lebensjahr im Jahre 1859 verstorbenen Mutter in Ohlsdorf geleg* habe. Es wurde 1934 bei der Aufhebung, des jüd-'sehen Friedhöfe? an der Rentzelstraße dorthin verlegt. Das Marmorne Heine-Denkmal vom .Barkhof befindet, sich jetzt durch Vermittlung von Töchtern des Verlegers Campe in eiriem Park von Toulon. Die Heine-P’akette von derp inzwischen durch Bomben zerstörten Haus von Campe In der Sehäuenburgerstraße ist gerettet und hängt jetzt an der Eingnangshälle des Hauses Esplanade, wc Heines Schwester wohnte. („Hamburger Echo44, 16. Dezember). Auf einer Pressekonferenz im Hamburger Rathaus am 11. November ' erklärte Lady . Aster, die frühere Vorsitzende der Liberalen Partei Englands,, anläßlich ihres Deutschlandbesuches? im Ausland glaube man,-die Deutschen hätten sehr viel über die schrecklichen Greuel der Nazis gewußt und das Ausländ-sei sehr distan-. ziert, weil 'die Deutschen nichts gegen Hitler unternommen hätten, mit Ausnahme einer Minderheit, diä ins KZ gewandert , oder .emigriert sei. 7; , Dies,e offenen .Worte gefielen offensichtlich der Mehrzahl der etwa dreißig anwesenden deutschen Journalisten nicht Man könnte ihnen das Mißbehagen von den Gesichtem ablesen. Id» benutzte die Gelegenheit, um Lady Aster den Standpunkt der Verfolgten eindeutig bekanntzugeben. Ich sägte: „Jeder einzelne Deutsche wußte genug über ungeheuerliche Grausamkeiten, genug, um das Naziregime hassen zu müssen. Aber die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes bat dieses Regime nie gehaßt Für die Deutschen war der Hitlerkrieg die Chance zü einem „Big Business“.« Heute -sind sie ärgerlich, weil Hitler den Krieg nicht gewonnen hat44, Daß meine Erklärung' auf eisige Mißbilligung bei dfen meisten meiner Berufskollegen stieß, ist nur für den, verwunderlich, der nicht weiß, . daß der Durchschnittsdeut* che die Wahrheit über seine Rolle in der Vergangenheit nicht hören will! Auf meine Frage, ob es Lady Aster bekannt sei, daß die große Mehrheit der, jüdischen Familien in sehr schlechte-' Verhältnissen leben müsse,- während die früheren Nazi-Aktivisten und Offiziere der Nazi-Wehrmacht einen guten Tag leben, antwortete Lady Aster, - daß dies ein sehr schlechtes Zeichen sei. Die Deutschen sollten lernen, die Juden als gleichberechtigt zu behandeln. Weiter fragte ich Lady Astor, ob sie wüßte, daß die, deutsche Verwaltung genau über die Not der1 jüdischen Mitbürger informiert sei, ihnen 'aber keine Chance zu einem besseren Leben gäbe, Ja, daß fast alle Parteien nicht das Geringste gegen den starken Antisemitismus' täten, aus Furcht v vor ' Stimmenverlust bei der nächsten Wahl. Lady Aster antwortete, däß Deutschland auch diesmal "wieder der Verlierer seih werde, wenn es 7 tortfahre, che Juden zu hassen. Sie wiederholte dies mit starker Betonung zweimal und sagte mir hach der f^ressekonferenz, sie könne sich nichts Gemeineres als Rassenhaß vorstellen, besonders, wenn er, wie in Deutschland, aus der Lebte vom .Äerreriraenschen'4 hörrühre. Ich entgegnete» daß zahllose Deutsche es gern gesehen hätten, wenn; kein Jude den Krieg überlebt hätte und daß Wiedergutmachung an den überlebenden Opfern des Faschismus im . rdeutscbän Volke elh unpopuläres Thema sei.- „Daß wundert mich nicht. Die Deutschen scheinen überhaupt etwas gegen \ e de Art Von Wiedergutmachung zu habenl“ meinte Lady Aster ironisch. , erhält die Redaktion beinahe täglich - Zuschriften aus' fast allen Gegenden Deutschlands. In diesen Briefen wird dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß di* zentralen. jüdischen Organisationen bisher so gut wie nichts für die Menschen getan haben» die in der schweren Zeit der Verfolgung treu zu ihren Ehepartnern und damit‘zura Judentum gehalten Haben.' , In diesen Briefen werden viele Nachweise da-, für erbracht, daß es nur dieser Treue zu verdanken war, daß viele unserer, Gemeindemitglieder nicht auch Opfer der Verbrecher wurden. ' Diese Frage Wurde besonders erörtert bei dem -ersten Treffen der ehemaligen jüdischen Ziegeleir Ar beiter (Zwangsarbeiter) der, Düsseldorfer jüdischen Gemeinde. Da** Treffen kam am 8. November durch die Initiative von Alfred Le w k ow i tz'zustande. Es nahmen etwa 30 Personen daran teil. - In einer Resolution, die an die verantwortlichen jüdischen Institutionen abgegangen ist» wurden folgende drei Förderungen, erhoben: 1. Anerkennung dei; nicht jüdischen Ehepartner aller jüdischen Gemeindfemitglieder durch Einreihen in die Sonderbetreuung durch den American Joint und durch die; Gemeinde. 2. ZüwabJ, eines Beirat-Mitgliedes fi aus dem Kreise der überlebenden jüdischen Düsseldorfer ehemaligen Arbeits-Einsatzler bei der Jüdischen Gemeinde. . . 3. In allen Stadtausschüssen der Stadt Düsseldorf betreffend: Wirtschaft, Ernährung, Verkehr, Wohnungswesen usw, möge ein ^Mitglied aus den Kreisen der überlebenden jüdischen Düsseldorfer ehemaligen Arbeiter, zugewählt werden, da deren Intefesseh bls jetzt ungenügend vertreten zu sein scheinen. Es wurde darauf hingewiesen, daß auch 'Rabbiner Dr. Hermann H e 1 f g o 11 in der Frage einer Betreuung dieser Menschen jederzeit seine - Unterstützung geben würde, v Der Vertreter des „Jüdischen Gemeindeblattes4V hat aufgrund dieser Briefe und Ün- Abschluß an das Treffen der ehemaligen Ziegelei-Arbeiter Gelegenheit genommen, mit einer Reihe führender jüdischer Menschen zu sprechen. Er stieß so gut wie nirgends auf Widerspruch, nur wird bei. keiner verantwortlichen Stelle die Möglichkeit der technischen Durchführung 'einer regelmäßigen Betreuung der, in Betracht kommenden Menschen gesehen, da deren Zahl in der britischen Zone immerhin so erheblich ist. daß, das zur Verfügung stehende -Lager nicht aüsreixhen würde, um eine regelmäßige Betreuung durchzuführen. - " ' ■, in der Erkenntnis dieser Schwierigkeiten macht die Redaktion des .Jüdischen Gemeindeblattes für die britische Zone“ den verantwortlichen ' Stellen, besonders dem Wirtsehaftsamt des Zenträl-Komitees, den Vorschlag, in Erwägung zu ziehen, cb eine Betreuung von Zeit zü Zeit nicht doch möglich wäre.' Wir dürfen und wollen nicht vergessen, daß wir an diese Menschen. eine Dankesschuld abzutragen haben und wir wollen nicht übersehen, daß sich unter diesen Menschen wirkliche Helden befinden. Abschließend erklärte ich Lady Astor, wir rassisch, religiös und weltanschaulich Verfolgten * des Naziregimes wären der Ueberzeugung, daß die Vermögen der deutschen Kriegsgewinnler, der großen und . kleinen, vollauf genügen würden, urh alle unsere Forderungen auf Wiedergutmachung zu befriedigen, daß aber die Einziehung dieser verbrecherisch enyqrbenen - Riesensummeh zu unserem Gunsten ■ bisher , noch nicht erfolgt tei. Eine besondere Schwierigkeit sei, daß die Mehrheit des deutschen Volkes sich absolut desinteressiert in dieser, auch für das Ansehen der Deutschen selbst» so .wichtigen Angelegenheit zeige. „Die Deutschen haben zuviel Selbstmitleid!“ entgegnete Lady Astor ernst L Ich glaube, damit hätte Lady Astor den Kern der Dinge getroffen. In der Tat denken die Deutschen nur an ihre eigene Not Sie verschwenden keinen Gedanken an die Ursachen ihres ..Elends. Ein Gefühl für die Pflicht zur Wiedergutmachung geht der Masse überhaupt ab. -Daß die Mörder an sechs Millionen unserer jüdischen Brüder und Schwestern'aus der Mitte des deutschen Volkes kamen und ihr blutiges Handwerk unter Zustimmung großer, Teile des Volkes verrichteten (die Opfer waren , ja „nur4” Juden), scheint den Deutschen heute wie früher ni’chts zu aagen. Unter diesen Umständen ‘sollten sie sich nicht wundern, wenn das;Ausland kein übermäßiges Interesse . für Hilfe an Deutschland zeigt. Solange wie däs deutsch«* Volk uns.- die Verfolgten von gestern, afs einen Fremdkörper betrachtet, werden die friedliebenden Völker das deutsche Volk selbst, als Fremdkörper ansehen. Wir aber müssen unseren Kampf für unser gutes/ Hecht konsequent durdifechten, ob es dem , deutschen Volk gefällt oder nichti Nr- 18 — % Jahrgang völkenmg Schleswig-Holsteins Erstaunen hervorgerufen. Gemeinsam mit dem Leiter der Jüdischen Wohlfahrtspflege für. Schleswig-Holstein hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Lübeck sofort nach Erscheinen der Publikation eine Besichtigung des Lagers Pöppen«, dort vörgenommen und hierbei in Uebereinstimmung mit der . deutschen Lagerleitung festgesteilt, daß ein erheblicher Teil der Lagerbaracken sofort, das ganze Lager aber ^bereits in einigen.Tagen wieder voll,benutzbar ist Da nach unserer Ermittlung . Ihr Berichterstatter das Läger nur 24 Stunden' früher in Augenschein genommen hat, ist uns unerfindlich und unerklärlich, wie er , .zu einer derartigen unfairen, unsachlichen und unobjektiven Darstellung wie der vorliegenden gekommen ist Im übrigen : ge- , statten wir ups. zu bemerken; . 1. Gemäß dem von den zuständigen Stilen festgölegten Organisationsplan war dis . Müll- und ’Ünratbeseitigung in den ,Exo®. dustiLagem Sache des deutschen Lagerpersonals. Der* deutschen; Lägerleitung, die dieser Aufgabe trotz erhebliche!* tech- - nischer Schwierigkeiten korrekt _ nachgekommen ist ist von .mannshohen Schuttmassen4 nicht das Geringste bekannt 2. Das PiüchthngslageT in Pöppendorf unterlag fraglos einer starken Abnutzung, die nicht zuletzt bedingt war durch das, geigen den Willen ihrer Einwohnei“, bedingte . Zusammenpferchen von tausenden von Manschen auf engem Raum.. Wer die /Stiihmung der Lagerbevöikerung und ihre, ' Einstellung' zu den freiheitsbeschränkenden Maßnahmen zu verstehen bereit ist wird zugeben müssen, daß jn Pöppendorf kein übermäßigerSchaden, angeridifcet i worden'ist, und zumindest nicht solcher» .der nicht in Wenigen Tagen repariert wer-1 den kann. v; Der Reporter hat bei seiner Berichterktatj tung wahrscheinlich gern und bewußt ver®; 'gessen, in welchem- Zustand ' deutsche' Truppen bei ihrem Auszug aus den Unter® j künften.in Ost- und Westeuropa diese -zurückgelassen haben. . . 3. Es ist ein Stück übler Brunnnnvergiftimg und beweist .da? bedauerliche Nebhwir» ' . ken Goebbelscbejr Greuelpropaganda, das IVIärchen in die Welt zu setzen,' Kinder seien »gelegentlich in Kakao und Büch® i senmilch gebadet worden/ Diese Ver®. leumdung ist ßo ungeheuerlich, daß wjrj den für die Erfindung diesen Information Schulökgen gerichtlich zur Verantwortung Ziehen und im übrigen den ausländischen Htifsorganisationen anheimstellen wer»! . den, ihrerseits gegen die ihnen angetanej. Beleidigung die notwendigen Maßnahmen Zu treffep*; ■ 4. Die Behauptung, daß der Abtransport dg* •Inventars iu Widerspruch zu den nungen der . britischen, Dienststellen sieh® ist eine grabe Unwahrheit. Aller Abtransport vollzog sich unter dee .ständigen Ah" Wesenheit von Funktionären und Offizieren der britischen’ Militärregiernüg, die ' irr» Hinblick auf die völlig mangelhafte Ausstattung in den Lagern Emden . und Wilhelmshaven zu der Mitnahme des Inventars ihr ausdrückliche® Eihverständ- .* " niserklärt hnhem ' , 5.,Die Ausstattung tier -Lagerbevölkenmg mit Kleidungsstücken, Nähmaschinen, Ra® - dioapparaten usw. für den Gemeinschafts«' verbrauch geschah im vresentl|chen aus den Mitteln der ausländischen , Hilfsorga« i nisationen bzw. der jüdischen Orgjanisa® tioneh In Deutschland.; Hat der Berichterstatter \deiieicht gegläubt, daß diese - Gegenstände als Lagerinventar in PÖppep«- dorf belassen werden sollten? Es kann nicht Aufgabe der jüdischen Institutionen sein» sich zwecks Wahrung ihrer Interessen in Fehden mit der neuen deutschen Presse zu ergehen. Wir erklären ausdrücklich, daß wir keinerlei Bedenken haben, Dinge, in welchem. Kr^s" sie auch immer, geschehen mögen, die der. Kritik un® teriiegen, klar und unumwuhdeiS aüszuspye« chem Was wir aber verlangen, ist, daß die Presse, deren Vorgängerin io so aktiver Form mitschuldig geworden ist an den am jüdischen Volk verübten Verbreiten» sich ' bemüht, Rückfälle in alte Gewohnheiten, zu vermeiden und nicht durch, Entstellung und Verzerrung von Tateacheh einer Tendenz Ausdruck zu geben, diö zu nichts anderem führen kann, als neue Feindseligkeiten lind neuen Haß zu säen. ' Wir müssen anerkennen, das in den vergangenen' Wochen gerade Ihre Zeitung mit Verständnis und. Sympathie über das Schicksal unterer Brüder und Schwestern von der ,ExoduS“ wiederholt berichtet hat Es hat jedoch den Anschein, daß mit dem am 8. November 1947 erschienenen. Bericht alle vorher publizierten Darstellungen äd absur-. dum geführt werden sollen. Vorstand der.; ', Kidiscben Gemeinde zii Lübeck gez. Norbert Wsllneim.** Die „Lübecker Nachrichten“ haben tedoch diesen Brief ignoriert, ihn weder erwähnt , noch eine Berichtigung ihres Artikels gebracht Norbert Wollheira hat daraufhin die erforderlichen Schritte bei den zuständigem Instanzen, einschließlich » der britischen Press Control» unternommen. . Wir fragen unsere Kollegen . der deutschen Presse der britischen Zone: Sind sie gewillt, unter sich weiter Journalisten zu dulden, die wieder mit, dieeer Brunnenver* giftungspolitik beginnen?