Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 17 (17.12.1947)
- Date
- 1947-12-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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2. jahrgang — Wr. IT JÜDTSCITES CEMETNDEBlATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE r?o Dezember —»- Seite $ In der britischen Zope gibt 'eseine' Grupp;© , jüdischer Menschen» die» obzwar klein an der Zahl» eine ziemlich rege Aktivität zu entfalten begonnen hat von sich reden macht anerkannt ist. und von den verschiedensten Seiten interessiert beobachtet und tatkräftig gefördert wird: der Verband der jüdischen Studenten (Vi j.-'-S.). Diese 'Organisation,'deren Mitglieder an Universitäten bzw. Hochschulen in Bonn, Braun« schwelg» Göttingeh, Hamburg und Hannover studieren, hielt am II. Dezember an ihrem Sitz, In Hannöver! eine Arbeitstagung, ab, die den sichtbaren Willen der jüdischen Studenten erkennen ließ, am jüdisöhen- Beben in Deutschland, insbesondere an den kulturellen und erzieherischen Aufgaben mitzuwirken, und sich, allgemein gesehen, ihren Pflichten gegenüber der jüdischen Gesamtheit, namentlich im Hinblick auf Palästina, voll bewußt ist. Dieser Eindruck ergab sich aus den Rechenschaftsberichten und zeichnete sich auch in der * ausgedehnten und lebhaften Debatte der Statutsnbiwd den Erörterungen des zukünftigen Programms ab. Fragen des Rahmens der Organisation und die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft fanden starres Interesse. Der Vorstand des V.j.S. wurde neu gewählt und setzt sich zusammen aus: stud. chem. Gerhard Aufleger (Hann*, yer), stud. chem. Erik E. Vornser (Hannover) und stud. medL IVeintrauh (Göttihgen).; Zu der Tagung waren Vertreter der in der amerikanischen Zone und in Berlin gebildeten — weit größeren — jüdischen Studenten verbände i sowie der in- und ausländischen jüdischen 1 Organisationen erschienen. Für '.die Exekutive des „Zentral-Kom'tees der befrei-> .len Juden »in. der britischen Zone 4 sprachen’' Norbert Prager» yder Vorsitzende der jüdischen i Gemeinde Hannover, und Norbert Wo 11 he im (Lübeck), der richtungweisende, grundsätzliche Ausführungen zu einer Reihe von Problemen, vor allem denen der Existenz jüdischer Studenten "machte. Die“ Jewish Relief Unit, die sich um die Arbeiten und Bestrebungen der jüdischen Studenten in der britischen Zone und in Berlin besonders bemüht, : war durch mehrere ihrer Mitglieder vertretenem ihrem Namen begrüßte Dp E. G. Lowenthal die Anwesenden, umriß in seinen Darlegungen die schwierige' Stellung der heute; in Deutschland studierenden Juden, verglichen mit dar Zeit vor 1933, und skizzierte ihre verantwortungsvollen Aufgaben. Für die Jewish Agency for Palestine nahm David Lö e w y das Wort, Joint rund Hias hatten gleichfalls Vertreter entsandt Besonderen Apklaög fand die ermutigende Ansprache des" kanadischen jüdischen Parlamentsmitgliedes Sülzberger, der sieh gegenwärtig in Deutschland aufhält und die Gelegenheit wahrr nahm, die spezifischen Fragen und Sorgen jüdischer Studenten näher kennenzulernen. Die überaus interessante Konferenz fand ihren Abschluß Ln einem programmreichen Gesellschaftsabend in der StadthaUe, zu .dem sich neben, zahlreichen Gemeindemitgliedem auch Vertreter der britischen Militärregierung von Hannöver eingefunden hatten. % Einer DENA-Meldung zufolge ist der jüdische Filmregisseur Ernst Lubitscfe am 30. November in Hollywood gestorben. Er ist,nur 55 Jahre alt geworden. Schon früh zog es den aus dem Konfektions viertel am Berliner Oönhöffplatz stammenden, unternehmungs freu digen Mann zum Film» Der Weg hatte ihn über die Theaterschule Max Reinhardts geführt. Sein erster Welterfolg war — 1919 — „Madame DubarryV» und es dauerte nur drei Jahre, bis die amerikanischen. Filmproduzenten ihn nach Hollywood holten, Seine Filme „Rendezvous nach Ladenschluß", „Liebesparade", „Ninoschka" werden unvergessen bleiben. Als Lübitsch starb, arbeitete er an einem Film „Dies ist der Augenblick“» Am 25. Dezember wird Alfred Karr, der langjährige Theaterkritiker des „Berliner Tageblattes“, der' Dichter und Literaturhistoriker, 80 Jahre alt Bis 1933 wirkte er in\ Deutschland, mußte aber dann, ins Ausland gehen und lebt jetzt in England. Er ist *ein schöpferischer und scharfer Kritiker eigener Prägung und' eigenen Stils, ein unverwüstlicher Vorkämpfer für alles Fortschrittliche (schon früh trat er für Gerhart Hauptmana ein und verfocht die Ideen von Schriftstellern -wie Ibsen» Schnitzler, Shaw, Stfindberg). Seine! Gedichte sind das Bedeutsamste in seinem . literarischen Schaffen* ' Das Kasseler Staatstheater führte Jaromir Wein berge rs „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ zum ersten Male nach dem Kriege wieder in Deutschland auf. „Intimen- Theater“ In Wien »wurden zwei Stücke von; Egon, Erwin Kisch, »;Die Galgentöni“ urid „Pie Affäre Redl", erstaufgefühft,. die der tschechische^ jüdische Publizist nach eigenen Prosaarbeiten für das Theater bearbeitet hat. , Das zweite Heft der neuen kulturpolitischen.. Zeitschrift „Zwischen d.en Zeiten —? Jüdisches Leben-Jüdisches W-i s - s e n “ (Humänitas-Veflag, Koblenz) lie^t jetzt vor. Addi Bernd berichtet über di© Berliner Tagung der „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden in Deutschland“. 1 „Die Sühne des . Köllektivverbrechens in seiner schlimmsten Art ist eine harte, aber notwendige Pflicht, weil sie die Voraussetzung der internationalen Friedensordnung der Gegenwart und Zukunft ist“, das xst der Schlußgedanke einer juristischen Betrachtung von Dr. - H.‘ G, van Dam über „Kriegsverbrechen und Verbrachen gegen die Menschlichkeit“. — Das Schicksal der Hugenottenflüchtlinge in England, das in mancher Hinsicht an die moderne Flüchtlirigssituation erinnert, ist beschrieben In einem Aufsatz »Auf neuem Boden —- Im Wandel der Geschichte" . aus der Federk von egl — Die Haltung des heutigen Deutschland dem Jüdischen gegenüber behandelt Ralph Giordano („Ruf — in falsche Richtung!“). —» Ferner findet man in diesem reichhaltigen und vielseitigen Heft den Brief Arthur Koestlers an den Vater eines britischen .Soldaten In Palästina (zuerst erschienen in der Londoner fortschrittlichen» Wochenschrift „The New Statesman and Nation“). Ein Bildbericht (von Karaar) „Juden nach 1945 in Deutschland“ dokumentiert den jüdischen Willen zum Leben und zu produktiver Arbeit. — Professor Dr. Hans-Joachim Schoeps schreibt über die „Theologie des jüdischen Gebetbuches“ und Eva Sie wert über .Arisierungen und Entnazifizierungen“» während Fritz Rüben RothgießeT die Frage auf wirft ob Amsterdam-noch einmal jüdisches Kulturzentrum werden - kann. Perez“ „Chanukkatraum“5 ist» zeitgemäß, abgedruckt Von den übrigen Mitarbeitern an diesem Heft seien nur genannt Carl Heinz, August Kruhm» M. Ben Gayriel, Alice Stein-Landesmann. Ein paar Gedichte sind lose dazwischengestreut. Ein nach Form und Inhalt ansprechend komponiertes Heft Man darf den nächsten Ausgaben dieser literarisch-politischen Neuerscheinung (Einzelheft RM. 1,50) mit Interesse entgegensehen. Der Krieg und die ihm folgenden unruhigen und unnormalen, Jahre haben vielfach die Erinnerung an Zeitgenossen; verwischt, die während dieser® Periode Von uns gegangen Sind. Einer von ihnen ist der jüdische Nobelpreisträger Richard Wiilstätter. Er ist in der Emigration, am 3. August 1942, in der Schweiz gestorben; seine sterblichen Ueberreste wurden in Lugano beigesetzt. Geheimrat Willstätter gehörte zu den hervorragendsten jüdischen Naturwissenschaftlern in Deutschland. Er war Chemiker und Spezialist insbesondere auf dem Gebiet der Farbstoffe der Blüten und Früchte. Seit 1.912 war Willstätter Professor in Berlin! wurde schon früh Mitglied des KaiSer-Wilhelm-lnstituts , für Chemie und wirkte von'1915 bis 1925 als Professor’ in München. Damals, als die Auseinandersetzung zwischen dem Geist der deutschen Universität und dem an ihr aufkommenden Antisemitismus begann, griff er entschieden ein und trat demonstrativ von seinem Lehramt zurück. Er wollte das Prinzip der Unduldsamkeit» des Rassenvorurteils treffen. . Fünf Jahre nach seinem Tode widmet Geheimrat Dr. Adolf Sommerfeld dem Verstorbenen aufrichtige Worte des Gedenkens („Deutsche Beiträge“, Heft 4/1947, Nymphenburger Veriagshandlung). Willstätter war, so BANKHAUS RUDOLF LDH;■ j Kommanciit» ©«Seilschaft - ' GeorgatraSe ST, H.Ktg» HANNOVER Ruh SIT*»/4Q, 244t?« Draht: Löhrbank,Hannover , , Erledigung sämtlicher bankmässigen Geschäft© Postscheckkonto: HANNOVER 11169 '.PpSTPA"‘e.H'353. Reichsbankgim 27/47 Anläßlich ■ der 150. Wiederkehr des Geburtstages Heinrich Heines fanden In seiner Gteburtsstadt Düsseldorf am 13. und 14., Dezember im Neuen Theater .und;'im Opernhaus. Heine-Gedenkfeiern statt - . Im „Neuen Theater“ gab Professor Dr. Friedrich Hirt h, Baden-Baden in einer Festrede* die vor allem Heines Vermittlerrolle zwischen Deutschland und Frankreich würdigte, neue Ergebnisse der . Heine-Forschung bekannt Heinrich Heine wurde nicht am 13. Dezember 1799, sondern schon drei Jahre früher, äni 13* Dezember 1797 geboren. Der Geburtsschein ist gefälscht worden, weil Heinrich Heine vor der Eheschließung seiner Eltern 'geboren wurde. Die damalige Düsseidorfe jüdische Gemeinde hatte seinem aus Hannover kommenden Vater das Niederlassungsrecht in Düsseldorf verweigert. Erst durch. das Einschreiten der französischen Besatzungsmacht, an die sich 'Heines Mutter hilfesuchend gewandt hatte, erhielt,Heines Vater, das Niederlassungsrecht und damit die Möglichkeit zur Heirat Inzwischen war Heinrich Heine geboren worden, Bei des ’ Moralbegriffen jener Zeit, ein Unerhörter Skan* dal, Heines reicher Onkel» der Hamburger Bankier Saloman Heine, konnte dem Neffen die Umstände seiner Gebürt nie verzeihen. Deshalb blieb auch die versprochene Lebensrente für den.;Dichter beim Tode des Onkels aus, ’ Im festlich geschmückten Düsseldorfey Opernhaus rezitierten Marianne Hoppe, Gustaf Gr.ündgens und Dr. Peter Ess er Heine-, sehe Poesie und Prosa. Die' „Unvollendete“ von Schubert, vom großen Orchester der Stadt Düsseldorf mit Generalmusikdirektor Heinrich Ho llpei s e r als' Dirigent beschloß die Feier, - ■ ■ . / - ■ ‘ Am 17, November hatte die Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dfen Annanasberg im Hof garten zu einer Heine- Gedächtnisstätte umzüwandeln. Dort soll ein Heine-Archiv uhd auch die seit Jahrzehnten in einem Keller verwahrte Heine-PEästik von Kolbe auf gestellt werden. Bis zum 1. Februar! 1948 sollen die Bedingungen für ein Preisausschreiben zur Errichtung eines Heine-Denk-1 mals der Stadtverordnetenversammlung vor«: gelegt, werden. H.B»; heißt es in' dem Nachruf, „Mitglied oder Ehrenrpitglied fast aller Akademien und gelehr«! ten Gesellschaften des. In- und Auslandes.; (,Wer Ist‘s?‘ zählt 29 davon auf!) . . . Seihe erste Sorge galt dem Unterricht . . . Seine Vorlesungen wareij glänzend vorbereitet und Wurden mit einer gewissen Feierlikeit durchgeführt . . . Es’ kam die Zeit, wo im Kreise der Studenten der Antisemitismus Boderi gewann und. leider von den obersten Organen , der Universität nicht genügend' bekämpft Wurde. Wenn auch am Schwarzen Bretf qes Chemischen1' Instituts gelegentlich / "Setzerisdte Anschläge zu» lesen' waren — nie hat sife eih Wort oder ein Gedanke gegen den Instituts« chef gerichtet. Seine Vornehmheit und Makellosigkeit standen über jedem Zweifel“. Als er zurücktrat, hatte „die, Fakultät ihr wertvollstes, von allen persönlich; hochgeschätztes Mitglied verloren . , . Er fühlte sich solidarisch mit seinen Stammesgenossen; bei seiner bevorzugten Stellung unter ihnen war es ihm, ein Bedürfnis, . denselben Leidensweg zu. gehen wie sie . . . Es kam das schmaicihvoUß Judenpogrom vom November 1938 . . . Da» ,'fiaajp verstand ich, was Haber (der jüdisch© Chemiker und, Nobelpreisträger. D. Red.) mir eine gute Nachricht von Vater und Juda gibt» wollen wir, ja, —- dann werden wir die Chanukkalichter anzünden und auch singen. Auf dem Regal findest Du etwas zu essen. Kaum!“ Sie küßte ihn auf die Stirn, was sie •cn.>n lange nicht getan hatte. „Mach kein Lim-! Wir Sind noch vor Abend zurück.“ Wie es draußen war, wußte Beim! nicht: es war nöch finster, als sie fortgingen. Er hörtenur den Wind pfeifen und die Bäume rau-1 sehen. 1 Als es heil wurde — eigentlich wunjd gärnicht hell — als ' die Uhr zehn schlug machte; er die Fensterläden auf upd schaute hinaus» sah aber nicht vieL Grauer, milchiger Nebel! füllte den Plate vor dem Haus und verhüllte aiich den Wald. Doch bald zerriß der Wind tlen Nebel, vertrieb ihn, und ein schwerer^ tiefherabhangender Himmel wurde sichte bar. -! > Gegen, Mittag trieben vereinzelte Schneeflocken In der Luft und senkten sich sachte auf den Boden. Es wurden ihrer mehr, immer mehr, und bald fiel dichter Schnee hernieder. Er würde’ noch dichter, als der Wind aussetzte. Per Weg und die Gräben .verschwanden, die Sträucher hoben sich kaum noch von der großen, weißen Fläche ab. * Benni .war. traurig, er hatte nichts zur tun. Was' spute er beginnen? Holz klein machen? Heute fürchtete er sich, in den leeren Schuppen zp gehen, -r Fürchtete er sich? Er war doch oft allein im Haus geblieben! —- V Plötzlich wußte er, was er tun sollte. Er holte den ,Chanukka leuchtet vom Schrank herunter und putzte ihn blank ganz blank, er war dunkelbraun .angelaufen —- und stellte ihn auf die Fepsterbank, wo er sonst zu stehen Pflegte5, Oifenn Vater die Lichter anzündete. saß er davor und betrachtete ihn lange. Die Aiigerr fielen ihm zu: „Nein, ich will nicht schlafen.« Eibe wohlige Ruhe senkte sich auf |iha, seine Glieder wurden schwer ... Da ist doch jemand an der Tür . . . sie geht auf . . . wie denn? ich batte sid doch abgeschlossen, pnz gewiß! — Herein kommt . — unmöuch, Rabbi Schachne der Hausierer . . Rabbi /ßcbachjne? Der ist doch im Sommer, lange vor dem. Krieg gestorben. . . Ich träume wohl, aber ich schlafe doch gar nicht. . , ,.Rabbi Schachne, wo kommt Ihr her? Ihr seid doch o „Tod, willst Du wohl sagen? Unsinn, -ich bin nicht tot, das siehst Du doch . .; Höry Was ich Dir sage: pu hols.t die Kerzen aus der obersten Schublade der Kommode, acht, hörst Du? und steckst sie alle in den blankgeputzten Leuchter — den hast Du übrigens- . schön geputzt — und am Abend, wenn, es ganz dun-.. kel ist, hörst Du, nimmst Du em Streichholz und zündest sie an. Hier hast Du welche! Vergiß es nicht!“ „Aber ich darf es doch nicht, Mutter hat es doch verboten!“ 1 „Unsinn, Mutter! Sieh, wie -alt ich bin, wie weiß, mein Bart ist! Deine Mutter muß mir auch gehorchen. Vergiß es nicht, und tu, was ich Dir sage!“ Rabbi Schachne ging. Benn wollte ihm nachseh en, aber er war verschwunden, und die •'Tüf war wieder verschlössen." ’ Ich habe doch wohl geschlafen und geträumt —, sagte er sich, — aber“ was ist das?- —r Acht Chanqkkakerzen standen *m blankgeputzten Leuchter. Nun hatte Bernd wirklich Angst, aber gehorchen mußte ©r. ~ Wem? dem ailrten, toten Schachne?. seiner Mutter? Draußen fällt der Schnee und deckt alles zu. Es wird, dämmerig, es, wird dunkel. ' < Benni geht ans Fenster — eigentlich willer es gar nicht tun — er kann nicht anders. Sei-, ne Hand ■*-. se'ine Hand holt das Streichholz Wie von selbst und legt es an di,e. Dochte: eine Kerze nach der andern flammt All Zuletzt verbrennt er sich die Finger, und wirft unbedacht das Streichholz auf den breiten Herd, auf welchem altes Papier und Birkenrinde 'zum Trockne» hegt. Es fängt au-?u brennen, aber Benpi kümmert siel; nicht; ,’S«iw' Blick iat auf. -den Leuchter eebä«afe^ai|iaut ’ verzückt auf die Kerzen — Wie Ate ]aä|i$an! — Das Papier und d|e trockne lUi^'laitehted auch, brennen und verglimm^! .'«^•9’'^ ’ Die Gutsherrin hatte wirklicH Nachricht für Schiffrah: dte Ri^seö i*Äeh.;.s}ch aus Ostpreußen zurück: 1 ^nter- ^essierte Schiffrah nicht; dafür,.kein, ■Verständnis. •';■!.■;V .Aber wo ist mein Mann? 'wpfp^; *ii»häv. Junge?“ rief sie erschrocken!.,, ,- /. - „Beruhige Dich, Schiffrah* Deinem Mann geht es gut. Er kommt bald; unser Hofs'chmied Jürgen ist schon hier, der sprach mit ihm.“ „Aber wo “ist mein Sohn, mein Juda? rief sie -auße$ sich, „Komm,t er auch zurück? Sagt mir doch die Wahrheit!“ - „Bis Dein Sohn zurückkommt, wird noch eini- , ge Zeit vergehen. Er ist voa den Preußen überrascht worden und in Gefangenschaft geraten. Er wird es aber bei den Preußen gut haberu Wenn das meinem Sohn passiert jväre, wie glücklich wäre ich.“ ’ ' Schiffrah wbllfce gleich nach Hause » 'zimüek- . kehren, aber es schneite zu stark. Die Gutsherrin redete ihr zu» noch etwas zu bleiberi und zu frühstücken. „ihr müßt doch etwas ausmhett. bis Mittag wird das Wetter besser werden.“ Am Nachmittag brachen sie auf, schwer beladen mit Mehl.^Zucker. Broten und manchem mehr» „Du mußt doch Deinem Mann etwas vorziisetzen haben,“ sagte d'e Gutsfrau. Es war schon spät am Nacnmi.ttag, und immer noch hat es nicht aufgeh 5rt tu schneien; die drei stapften mühsam durch den hohen Schnee. Der Weg war Verschüttet,* doch Schiffrah kannte die Gegend, ' - Die Dunkelheit brach früher a}s gewöhnlich ein; die Wanderer wurden unsicher, doch jede verbarg ihre Unruhe vor den andern. Im Walde verloren sie die Richtung. Der Schweiß rann ihnen vom . Gesicht.. Jetzt schneite es nicht mehr, aber die Kälte nahm zu. Wenige helle Sterne schauten von einem sammetschwarzen Himmej herab. ' Schiffrah hätte. am liebsten den Weg unterbrochen und abgew&rtet, •— absewartet? wo? ungeschützt ln solcher Kälte? Mit eitlem Rüde blieb sie stehen. Es fte’ ihr der sumpfige Saugbach ein, der nie zufriert und in dem schon mancher. MeosciV und manches Tier spurlos verschwunden war. Da dachte sie an Benni,, der allein zu^ Hause war — vielleicht ist Salmeri auch schon zurückgekehrt . . . —- Und sie gehen behutsam weiter, die Jüngste zwei Schritt voraus. Plötzlich stößt diese 'einen Schrei aus und verschwindet vor den Augen voh Mutter und Schwester. Sie war über einen Stamm gefallen. Schiffrah upd ihre Töchtei setzten schnell Ihre Lst ab und hoben das Mädchen auf; dodi als Schiffrah über den Stamm stieg, um das Bündel zu suchen, das ihre Tochter beim Sturz verloren hatte, stieß auch sie einen Schrei aus; denn sie versank bis zu den Knien» Nun gehen sie einige Schritte zurück,! um sich, einen geschützten Platz zu suchen. Neben einer kleinen Baumgruppe - lag ein zweiter Sterpm.; darauf setzten sie sich. Die Mädchen" zitterten vor Kälte, während Schiffrath der Schweiß über das Ges|cM strömte. ' „Sollen yrir hier die »Nacnt bleiben“ fragte die eine, bekfi'm aber keine Antwort „Mutter, ist das nicht Hundegebell? *„Wo? icb höre nichts!“ „Da, links!“ / , ■ * Nach wenigen Augenblicken sagte Schiffrahs „Wenn sich unsere Augen, an die Dunkelheit gewöhnt haben, .gehen wir zum Gut zurück und warten den Morgen ab.“ Sie glaubte selber nicht daran, —- wo war denn das Gut? — Sie schloß die Augen und lauschte angespannt auf die Stille. In ihrem Kopfe rauschte e*. „Mutter, schau hin!“ riet eins der Kinder. Erschrocken machte Schiffrah die Augen auf: ein schwacher Lichtschein zitterte im Dunkel, aber, Wie sie glaubten, in ■ entgegengesetzter Richtung. .Dennoch erhoben sie sich und folgten ihm. Mit klopfendem Herzen gingen sie, auch dann, als er erlosch ln ihrem Herzen leuchtete er weiter und leitete sie. — Still und dunkel lag das , Haus. Es hob steh kaum von der schwarzen Nacht ab, so daß Schiffrah zweifelte, ob der Schein, den sie im Wälde gesehen hatten, aus ihm hatte kommen können, ob er nicht vielmehr eines der Wunder war, an denen die Chanukkazeit so reich ist. ln Schiffrah aber leui htete eine Freude, die auch nicht wich, als. Benni ihr gestanden hatte. *,Fürchte Dich nicht, mein Junge! Gott hat Dich die Kerzep anzünden lassen, damit sie ups das rieben retteten Zünde neue Kerzen an, alle acht! Sie sollen auch Vater heimleiten» — er kommt, er kommt gewiß » .!