Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 17 (17.12.1947)
- Date
- 1947-12-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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r7 Seite 4 — FL Dezember 19« ilr ft'1 l»:; ■ i JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE Nr. J? — % Jahrgang 1 Ueber die Rückkehr einiger hundert Auswanderer von Shanghai nach Deutschland ist vor kurzem an dieser Stelle berichtet worden (V.gL „Gemeindeblatt". Nr. If vom 13.,Sept ) Wie.schwer das Emigrantendasein, in dieser chinesischen Stadt war, beschreibt; Wölfgang- FjJ s c b e r,' der Herausgeber der ersten . Schanghaier Flüchtlingszeitung, „Shanghai-Woche", in einem längeren' Artikel „So lebten wir in Shanghai" in der Wochenschrift für Kultur, Politik, Wirtschaft* „Roland von Berlin". , Im folgenden veröffentlichen' wir. den größeren Teil seiner Ausführungen. . . D. RedL, Ende 1938landeten die ersten mitteleuropäischen Flüchtlinge in Shanghai. Sie kamen aus Deutschland, Oesterreich und Polen, kleinere Gruppön aus Ungarn,' Rumänien' Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Für die weite, fünfwöchige Reise nach dem fernen, unbekannten Reich der Mitte — ins Nichts — hatten die« Nazis ihnen gütigst gestattet, zehrj- Reichsmark und einige Bekleidungsstücke mitzunehraen. (Das langte ungefähr für die italienischen Gepäckträger.) ■ Die ersten Emigranten wurden drüben großartig auf genommen.. Es hagelte Einladungen. . 1 •, Als aber Anfang 1939 der Zustrom Tausender einsetzte, wurde die Situation unangenehmer. Die meisten von ihnen fanden dann ein. schützendes Dach, Unterkunft und Verpflegung in den Heimen, die in Shanghais Vorort Hongkew errichtet .wurden. Sie waren für europäische Verhältnisse recht primitiv, retteten aber Tausende der unglücklichen Naziopfer (ein großer Prozentsatz kam direkt aus den 'Konzentrationslagern) vor dem Verkommen, denn dort gibt dir niemand auch nur ein Stückchen trockenes Brot, da gilt ein Menschenleben gar nichts. Brichst du auf offener Straße vor Hunger, Hitze, infolge Erschöpfung oder Krankheit zusammen, niemand nimmt von dir Notiz. Leichen* die einen fürchterlichen Gestank verbreiteten, blieben tagelang liegen. K Man bestreute sie mit Chlor, zumeist wurden sie von wilden Hunden auf gefressen.. Kein Wunder* daß es dann Cholera-Epidemien gab, daß die ausbfechenden Fälle von Tollwut immer zahlreicher wurden. Hongkew, dieses Hafenviertel Shanghais, war Ende 1938 — hier hatten besonders schwere Kämpfe zwischen den Chinesen und Japanern getobt — ein Trümmerhaufen, menschenleer, nachts unbeleuchtet, ohne Verkehrsmittel. Unbestrittenes Verdienst der jüdischen Emigranten ist es, aus diesem" trostlosen Nichts wieder einenblühenden Voroit gemacht zu haben. Es war wirklich bewundernswert, wje die aus der Heimat vertriebenen, mittellos angekommenen,' in den Nazi-Konzentrations- Lagern körperlich und ’ seelisch schwer mitgenommenen Menschen mit erstaunlicher,’ nicht erlafrihencfer Energie daran'gingen, sich -eine neue Existenz zu schaffen.- Zuerst wurden die verfallenen, die zerstörtem Häuser wieder aufgebaul**'. / ' _ ‘ ■■ Gar bald erblühte neues,Leben aus..-Hongkew® Ruinen. Es entstanden Speisehäuser, Cafes, Dach- .und Sümmergärten (die ein Taifun im Sommer 1939 mächtig lädiene), man eröffnet© Provision-Stores (KolonialWarehgeschäfte), Friseurläden,, Schuhwären laden, Leihbüchereien, Fleischereien,- Bäckereien, Schneiderwerkstätten, Bars (die ih Shanghai eine große Holle spielen),, man ging schließlich dazu über, Seifen, Backwaren aller. Art. Spirituosen, chemische Produkte, Arzneimittel usw. zu erzeugen, die sich bald glänzend einführten, man brachte deutschgeschriebene Zeitungen heraus, gründete Theätergemeinschaften und Sportklubs, schuf einep Fußball- und schöne Tennisplätze. , ' Die1 Theateraufführungen waren für Shanghaier Verhältnisse ganz erstklassig, unserd Sportler eroberten sich eine beachtliche Position im Shanghaer Sportbetrieb. Unschlagbar unsere Schachmeister, allen voran Glass. / Vielen Emigranten, besonders denen, die der englischen Sprache mächtig waren,, gelang cs durch Fleiß, Ausdauer und Zähigkeit, durch die: Qualität Ihrer Erzeugnisse — sie fabrizierten die überaus geschätzte europäische Wertarbeit— auch in den internationalen Konzessionen. im Innern der Millionenstadt, festen Fuß zu fassen. Die Freude am Aufbau währte nicht lange. Die im Jahre 1941 erlassene berichtigte japanische Proklamation zwang ’die Emigranten, alles wieder herzugeben in den Hongkew- Distriki zu ziehen, wo sie froh sein mußten, für Phantasiesummen eine einigermaßerr menschenwürdige Wohnung tlies Zimmer) zu bekommen. Hguser. Geschäfte, Wohnungen, alles, wurde von den Japanern „übernommen“,* wieder einmal stand man vor dem Nichts. Ira Distrikt eingeengt war er den meisten von ihnen nicht noch, einmal möglich, sich neuer-, lieh wirtschaftlich emporzuarbeiten, zumal die Inflation immer weiter um , sich griff. Das Heer der Arbeitslosen vergrößerte Sich zusehends, immer neue Tausch ie wandten sich hilfesuchend an die Wohlfahrts-Organisationen (insbesondere an den Joint. - D. RedJ. Aber erst als in zwölfter Stunde amerikanische Charitegelder ankämen, wurde die Masse der Darbenden vor dem Verhungern gerettet. Die Emigranten, die ihr letztes Hab und Gut,verkauft hatten, bekamen nun täglich ein warmes Essen. Trostlos,- erschreckend die Bilder dieser schlimmen Zeit. Ein Fronvogt des Nazi-Regimes stand in der Person des 51jährigen Oswald Bräutigam aus Iserlohn vor' Gericht Der Angeklagte hatte als Schachtmeister einer Iserlohner Baufirma, in den Jahren 1943/44 eine Kolonne von Leuten unter sich, die wegen ihrer jüdischen Abstammung von der Gestapo zwangsweise dieser Firma zur Arbeit zugewiesen und in einem Lager in Kamen untergebracht waren, wo sie Gleisbauarbeiten an der dortigen Straßenbahn Buszuführen hatten. B. hatte diese Leute, unter denen , sich , eine Reihe von alten, schwächlichen Personen befand und die durchwegder Tiefbauarbeit ungewohnt waren, durch ständige Schikanen und , Drohungen drangsaliert und sie teilweise durch Schläge und Stöße mißhandelt Schwächliche und Kranke mußten .Arbeiten verrichten, hie weit über ihre. Kräfte gingen, ohne daß jüngere kräftige Kameraden ihnen dabei helfen durften. Außerdem wurde dem B.' vorgeworfen, mehrfach geäußert zu haben: „Wenn ich einen von euch Juden upabripge,: kriege ich das Verdienstkreuz, und wenn ich mehrere umbringe, das Ritterkreuz!“ Diese Aeußerung, die der Angeklagte bestritt, getan zu haben, wurde durch zahlreiche Zeugenaussagen bestätigt. ' Die Beweisaufnahme wurde dadurch erschwert, daß einige der damals Mißhandelten später in Konzentrationslagern ümkamen und nicht mehr vernommen werden konnten, darunter ein 17jähriger, dessen Deportation hach Acischwitz durch eine Denunziation ‘des Angeklagten erfolgt sein soll, was in einem gesonderten Verfahren geklärt, werden wird. Das Gericht erachtete eine Geldstrafe als ausreichende Sühne für die Brutalitäten des Angeklagten und verurteilte ihii wegen Körperverletzung in sechs Fällen zu je 100 RBL Geldstrafe. Das Verfahren wegen Beleidigung wurde wegen Verjährunr*, eingestellt Wahrlich eine'schwere“ Strafe für die fortgesetzte Quälerei von Wehrlosen, schütz- und rechtlosen Menschen! fh. * * . ' , ( ' * T Vpr der Zweiten Strafkammer des Landgerichtes Köln hatte sich am 1. Dezember der Metzgermeister Hugo König, aus Köln-Klet-' tenberg* Gelbergerstraße, für von ihm. begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verantworten. Wie Zeugenaussagen einwandfrei ergaben, hatte König, am 1. April 1933 S§ in: den Kölner Schlachthof geführt und auf jüdische, Metzger aufmerksam gemacht, die dann von der SS mißhandelt wurden. An diesen Ausschreitungen und Mißhandlungen hat. König selbst teilgenommen. > Der Staatsanwalt hat die unverständlich milde Bestrafung Königs mit sechs Monaten Gefängnis beantragt Obwohl das Gericht den Tatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit für erwiesen ansah, verurteilte es den Angeklagten lediglich zu einer Strafe von drei Monaten Gefängnis. Bei den Zuhörefn löste dieses Urteil Erstaunen aus, vereinzelt wurden auch Protestrufe laut. Diese Fehlentscheidung reiht sich würdig den Urteilen deutscher Gerichte in der letzten Zeit an, die Nazi Verbrechern gegenüber -eine unverständliche Milde an den Tag tegen. Mögj. ßWB535HB@P£i OBERKASSEL; Xtieg ireltcstraße 10—12 / Nordstraße ÜO -; . "RATJNGENV Düsseldorfer'Straße '4B^50 Das unerträgliche Klima, Epidemien und Ki ankheiten, Cholera, Typhus, Renberi,; Skorbut, Dysentberie rafften 2000, Menschen dahin. Auch Fliegerbomben forderten . ihre Opfer., . Erst das Endedes Pärtfikkrieges brachte Erlösung. UnbeschreiblifOe Freudens/enen spielten sich ab, als die Nachricht von de? Beendigung des4 Krieges -1 zuerst Inoffiziell-- kam. Bange Wochen Waren aber noch zu überstehen, -bis endlich die-Befreier, die Alliierten, zuerst amerikanische Truppen^ ■ in. Shanghai ' eintrafen. Die seit 1933 verfolgten, gequälten, unterdrückten Menschen waren endlich wtederfrei, brauchten nicht mehr täglich und stündlich um ihr Leben, vor Gestapo, Konzentrationslagern, Gaskammern, vor Todeszellen , oder dem Mi-. litärgefängnis der japanischen Gendarmerie (Bridge-House) zu zittern, auch ihnen leuchtete wieder die Sonne. 470 von , ihnen sind kürzlich nach Deutschland zurückgekehrt. \ Nach 15 Jahren Im'Jahre 1943 hatte er unter dam Drude des damals beginnenden antisemitischen Studenten terrors als einer der jüngsten deutschen Professoren seine Lehrtätigkeit in Breslau umstellen müssen. 1933 gehörte er zu den ersten jüdiy schen Auswanderern, die in England Aufnahme und-1 Betätigungsmöglichkeit fanden. Heute nimmt er dort als Barrister, als juristischer Berater1 der britischen. Regieung und al? Dozent eine‘beachtliche Stellung ein. Professor Dr. E.. J. Cohn, London, stand in diesen Tagen zum ersten Male wieder vor . einem Kreis deutscher' Studenten: 4m vollbesetzten Auditorium Maximum der Kölner Universität sprach er, hach Begrüßungsworten durch den Dekan der RechtswissenschafUichen, Fakultät,. Professor Krawinkel, . über «„Das; Imperium des Rechtsanwalts" und gab, aus dem -Vollen schöpfend und .mitvielen, teil-* weisen amüsanten Einzelheiten Belegt, ‘einen aufschlußreidien, in der Form.'überaus 'fesselnden Uebetblick '/übtr / die' Eigehtümlidbkeiten-der'Stellung der Anwaltschaftim * eng-*' lischen Reehtsleben. Untet den Hörern be-l . fanden sich u. a. der Rektor ■ der Universität:... Köln, Professor Dr. Erwin Kroll,, der britische, Education Control Off leer, Dr. Harry Beck-; hoff, und Professor Dr. Theodor Süß, der als damaliger Rektor der - Breslauer ' Universität im Jahre 1932 für Professor Cohn eingetreten war. '; 1 In einer zweiten Vorlesung behandelte Pro-;' fessor Cohn das Thema „ „Die Rechtssysteme, dea britischen Empire“. / j Die Juristische' Fakultät der Universität Köln veranstaltete zu Ehren von Professor Cohn1 einen Empfang,' zu dem auch der Rektor und, .Vertreter Z (.anderer Fakultäten erschienen waren.. , ' -;• . Lo. j Zum dritten Male in Deutschland 'S. Adler-Rudel, ' Jewish 'Agency, don, von dem; wir wissen,"- wdi für unsere1 national-jüdische Sache getan hat,' von dem aber besonders bekannt ist, welche | großen Leistungen er seif 1933 'vollbrachte, als er begann, jüdische Menschen vor dem Nationalsozialismus zu retten tyad vdh dem wir nun in den vergangenen 2}f Jahren wiederholt Beweise seiner unermüdlichen Arbeit für die überlebenden Juden erhielten, kam zu einem dritten. Besuch nach Deutschland. Der Zufall wollte es, daß sein Eintreffen In Belsen mit der, Befreiung Palästinas zusammenf sch' Max Salzberg: Eine Chanukka-Erzählung- Der Krieg wurde erklärt. Heiser dröhnte es irh Weltenraum, in den Flutendes Lichts, irt dem Dunkel der Nacht: „Krieg! Krieg!“ Die Menschen erbebten, vor Begeisterung, vor Freude, vor Angst Bald nur vor Angst; Begeisterung und Freude, die waren schnell vergangen. In den Städten, jn den Dörfern; pochte der Furchtbare mit rauhen Händen an Türen und Fenster, holte die Söhne, holte die Väter heraus, und in die entstandene Leere zogen Not und Sorge ein. Die Angst wimmerte überall, wo Menschen waren. Das kleine Anwesen des Rabbi Salnien Turrik war vom Kriege verschont geblieoen. Es be^- fand sich nur wenige Kilometer von der preußischen Grenze entfernt; doch war das waldreiche, sumpfige Gelände schwer zugänglich. Auch vom nächsten Dorf war es nicht leicht zu erreichen, und so mochte es von den Behörden vergessen worden sein. Sonst wäre Rabbi Salinen und seine Familie, wie alle andern Juden in Litauen und in den Grenzstädten» ausgewiesen und ins Innere gebracht worden; denn die zaristische Regierung hielt sie alle für deutschfreundlich und traute ihnen nicht. Waren sie doch solange rechtlos gewesen und unmenschlich verfolgt worden. Zwar hatte Rabbi Salrhen einen großen Teil seiner Einnahmen eingebüßt: konnte er doch nicht mehr wie sonst, die I-andprodukte von dem benachbarten Rittergutenach Preußen führen. Allein was tat es? Seine Ernten waren in den letzten Jahren reich gesegnet gewesen* Scheune und Ställe waren voll, und. er hätte es eine Zeitiang gut Aushalten können. Leerer war sein geräumiges Holzhaus mit dem herabhängenden Strohdach auch nicht geworden, im Gegenteil! Außer seine» beiden Töchtern waren jetvt auch seine beiden Söhne , im Hause: Juda,- der ältere, -und Benni, der jüngste; denn die Talmudschnle zu Slobodka, ' in der Juda gelernt hatte war geschlossen worden. und Benni durfte, wegen der Unsicherheit auf den Wegen, auch nicht mehr das Cheder in Britoschka besuchen. Indes war es Jetzt stiller in dem fröhlichen . Hause; denn in Anbetracht der großen Not in der Welt dämpfte Schiffrah, Rabbi Salmens Frau, die Ausgelassenheit ihrer vier Kinder, hielt ihren Uebermut in Schach. Die Abende wurden stärk verkürzt, Wohl nicht nur uni das Licht zu sparen; auch das Tageslicht wurde eingeschränkt: die Läden vor den Fenstern neben dem Eingang hielt Schiff rah jetzt geschlossen, und den Blick , ins Innere zu verwehren. Nur am Freitagabend wurde jeder Zwang aufgehoben: dann sah es ira Hause d.es Rabbi Salmen wie früher aus. Das schneeweiße Tuen auf dem' Tisch, die geputzten Msssingleuchter mit den brennenden Kerzen, das blanke Geschirr, alles erglänzte in einer Harmonie heiligen Lichtes; das die Herzen wieder, wie einst, hoch schlagen ließ. Von der üblichen Sabbathkost wurde auch nichts gemindert, und während des - Essens sang Rabbi Salm«is mit seinen Söhnen die Sabbathiieder, zwar etwas gedämpfter, doch fröhlich, und Schiffrah. mit ihren beiden Töchtern’stimmte ein.. Später klagte sich Schiffrah deswegen bitter an und machte die laute Fröhlichkeit für. das hereingebrochene Elend verantwortlich. Eines Sabbaths, als die Lieder besonders laut geklungen hatten, wenigstens schien es ihr später so, klopfte es hart an die.Haustür, und eine Stimme rief heiser auf Russisch: „Öeffnet, öffnet!'* , Jäh verstummte der Gesang; Furcht trat'auf die erblaßten Gesichter. Ein russischer Offizier mit einer Pistole im der Hand trat ein, gefolgt von zwei Soldaten mit Gewehren über den Schultern. Das harte Gesicht des Offiziers entspannte , sich beim Anblick des friedlichen Bildes, undals er mit Rabbi Salmen sprach, \ klang seine Stimme nicht so baisch wie sie sonst wohl klingen mochte. , ■> „Habt Ihr Pferde?, ufieviel?, drei sagt Thi? Gut. spannt zwei an, und das dritte sattelt! Sofort!“ ■Rabbi Salmen und sein Ilterer Sohn gingen hinaus; ein Soldat, dem der Offizier gewinkt hatte, folgte. - , Als sie wieder ins Zimmer träten» sagte der Offizier: - “ ’■ „Ihr fahrt uns, ich säge nachher, wohin.^Die Gegend kennt Ihr doch gut“ . Dann schaute er sich tim. und sein Blick blieb auf Juda haften. , ’ , „Wie alt bist Du, Bursche? Was, nur fünfzehn Jahre?' Das kannst pu . Deiner Großmutter erzählen. Du kommst mit; auch für Dich habe, ich einiges zu tun.“ _ \ Still und traurig war es jetzt auf dem Anwesen, denn Woche um Woche zerging, ohne daß eine'Nachricht von Vater und Sohn kam. Die Not blieb nicht aus: ein. zweiter Offizier erschien mit fünf Soldaten und zwei' Fuhren. Sie holten die Kühe holten die Schafe aus . dem Stall, nahmen die besten Hühner, nahmen auch den größten' Teil der Vorräte mit, Schiffrah mußte jetzt schwer um ihren Unterhalt kämpfen. Zum Glück bekam sie Hilfe' vöm Gutshof. für den Rabbi Saimen gearbeitet hatte. Die Gutsherrin unterstützte sie mit Mehl und Butter, gab ihr zuweilen , «in Huhn, gpb ihr Eier und Brote. Für sich selbst ' hätte Sfchiffrah «es wohl nicht, angenommen, aber sie* hatte drei Kinder zu ernähren. Außerdem kam sie gern zur Gutsherrin, die durch ihren Mann und'ihren Sohn, die auch beim Heere waren, Nachrichten vom Kriege halte und Schiffrah zu trösten wußte. Der Herbst kam. Die Tage waren kurz geworden. Kalt war die Luft untei dem bleigrauen Himmel» Stürme und Regengüsse peitschten die verödete Landschaft, und in den Häusern war es noch trauriger geworden: denn manche Nachricht zerstörte die Hoffnung, r.uf ein Wiedersehen init denen, die da draußen im Unbekannten kämpften . Von Rabbi Sälthen und seinem Sohn kam kaum Nachricht, und die Ungewißheit war Unerträglich Besonders schwer hatte der Krieg in die Kin» derwelt des Jüngsten Bernds, einaeariffen. Früher saß er von Sonntag bis Freitag irh Cheder unter der Aufsicht seines Rabbi, und nur den Sonnabend pflegte er in seinem Elternhaus 2uzubringeh Er war gern unter der Schar seiner Kameraden. Er genoß 'Ansehen bei ihnen, war der Anführer bei allen Unternehmungen, half jedem und schlichtete Strei» * tigkeiten.\ Ohne Cneder. war sein Leben undenkbar, und nun sagte Mutter, er dürfe sich nie vom Hause entfernen, er habe als das einzige männliche Wesen Vaterpf.iahten zu rer-7 füllen.. Diese bestanden nur im Eiiisegnen des Sabbaths mit dc^n Rosinen wein und dem Versagen des Tischgebetes. Gesungen durfte nicht mehr werden seit jenem schrecklichen Abend. Bei der einzigen Kerze die Mutter jetzt hoch anzündete, und bei de.n kärglichen Mahle wäre auch keine Stimmung "aufgekommen. Wie schön war es doch im Glieder, besonders jetzt-, da das Chanukkafest vor der Tür stand, der Quell unendlicher Freud,-?! . Niemand konnte so schöne Trendel“ aus Blei und Zinn gießen wie er, und auch Plätteisen, blank und glatt, goß er uad Schaftstiefelchen mit Fältchen auf den Schäften und hohen Absätzen. , Und jetzt! Mutter erlaubte nichts dergleichen, gab keinen Löffel her das Blei zu 'tehmelzen; kein Stückchen Holz du'fte verteuert, kein Licht gebrannt werden.. Selbst für das Chamikkafest sollte es keine Kerzen gäben. Chanukka ohne Kerzen! das konnte er licht fassen. Der erste, der zweit.- Tag verstrich, der vierte, der fünfte, — keine. Kerze wurde angezündet. Dabei hatte sie einen großen Packen davon. Benni wußte es. ganz genau, sielagen in der obersten Schublade der Kommode» Er hatte es selber gesehen wie' der Hausierer sie der Mütter verkauft hatte, lange vor 'dem bösen Krieg. . Benni faßte, sich ein Her? und fragte: , Mul-tei! morgen ist doch schon der sechste Tag, werden wir . . . wann werden wir endlich Lichter » . .*• Er beendete die Frage nicht; denn Scmff,rabvfing an zu weinen, und e? konnte ihre Tranen i,':ht s'hen — — Ein alter Bauer vom Gutsh^ T'tehte die Bestelh’^ö . Schiffrah s'dle zur Herrin kommen; es-gäbe etwas Wichtiges. Gleich am folgenden Morgen ging c'ie n’-t Liren beiden hin. „Du paßt gut nits Haus, läßt. niemanden herein.,.' nie'n^n iea, hörst Du?“ sagte sie zu BennL „Wepn Gott mir