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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-11-10 · 15 (10.11.1947) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
15 (10.11.1947)
Date
1947-11-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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2. Jahrgang — Nr. 15 JÜDIS CHES GEMEINDEBLA TT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 10. November 1947 — Seite 3 PALÄSTINA Die palästinensisch! Regierung hat Ende Oktober die Errichtung einer palästinensischen jüdischen Luftlinie, die. den Namen „Palestine Airways“ tragen wird, . genehmigt. "Gleiche Bewilligung erhielt eine arabische Luftlinie, s die „Eastern Airways“. (JTA.) ::v.„ „ ENGLAND . Im britischen Unterhaus wurde bekanntgegeben, daß der britische Vertreter in Beirut die libanesische Regierung ersucht.hat, zu verhüten, daß der Mufti von Jerusalem Schritte tut, 'die die Schwierigkeiten der » britischen Verwaltung in Palästina nur-vergrößern würden. (JTA)' ■v . Marius: D avi d s o h n, London (früher Berlin), konnte am 2. November in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstagfeiern. Er ist den Juden in Deutschland und den vielen, die ausgewandert sind,, durch seine segensreiche Tätigkeit . bekannt, die er von 1912 bis zum Niederbrennen der Berliner Synagoge in der Fasanenstraße ‘.in der berüchtigten Novembernacht des Jahres 1938 als Oberkantor ausübte. Bis in sein hohes Alter ist Magnus Davidsohn, der heute in der „New Liberal Jewish Association“, der Flucht-, lingsgemeihde der „Liberal Jewish Synagogue“ in London -tätig est, der Musik im besten Sinne des Wortes treu geblieben* und ‘ trägt noch heute zur Ausgestaltung von Gottesdiensten in schöner Weise bei. Seit vielen Jahren ist er auch als Schriftsteller,; insbesondere auf dem Gebiete der jüdischen Liturgie hervorgetreten. Davidsohn, der aus Beuthen stammt, studierte in Berlin, wirkte bereits als Neunzehnjähriger an der Prager Oper und kam über Gleiwitz zur; Berliner jüdischen Gemeinde^ Lange Jahre war er der Vorsitzende des „Verbandes' jüdischer Kantoren in Deutsch-’ land“. ' —th.— FRANKREICH Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Palais d‘ Örsay wurde der ' europäische Direktor des „American Joint Distribution Committee“, Dr. Josef T. Schwarz, in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der. französischen Regierung mit* dem Orden der französischer! Ehrenlegion ausgezeichnet.. In seiner Rede würdigte Minister Justin Godard die Hilfstätigkeit des Joint in Frankreich und besonderste unermüdliche Arbeit von Dr.- Schwarz .zu Gunsten der hilfsbedürftigen Juden Europas. ' * Von den „Vereinigten Jüdischen Erzienungs- und Kulturorganisationen Europas“ (UJECO) ist ein Kulturkongreß einberufen worden, der in Paris tagte. Jüdische Wissenschaftler aus . sämtlichen Ländern Europas,; den Vereinigten Staaten und Palästina erörterten ErzieKungs- und Kulturfragen der Juden in Europa. Als Vertreter aus Deutschland nahm, wie die „Jüdische Rundschau“, Marburg, mitteilt, der Chefredakteur . dieser Zeitung, -Israel I. Blumenfeld, teil. (DENA.) DEUTSCHLAND Der Staatskommissar für die rassisch, politisch und religiös Verfolgten, Dr, Philipp Auerbach, stellte in einem Brief an den Ernährungsminister Dr, Josef Baumgartner. fest, seiner Ansicht nach befänden sich in den aus deutschen Beständen verpflegten Verschlepptenlagern zahlreiche Personen, die sich zu Unrecht als Verschleppte bezeichneten. , Seines Wissens werde in Bayern sogar eine gieße Zahl ungarischer „Pfeilkreuzler“ versorgt. Er fordere deshalb eine v genaue Personenbestandsaufnahme in allen Verschleppt inlagern. Es könne nicht, hingenommen werden,, daß die deutschen Ernährung sminister die Zahlen „zu Schlucken“ hätten, die >von den Lagern angegeben würden. (DENA.) ‘ * Kürzlich wurde auf dem Friedhof in Gautipg der erste jüdische Friedhof im ■ Landkreis Starnberg in Abwesenheit verschiedener Vertretet der Militärregierung für Bayern, . der deutschen Behörden und der jüdischen Örga-, nisationen feierlich eingeweiht. Staatskommissar Dr. Auerbach , enthüllte gemeinsam mit dem Chefarzt. des D.P.-Sanatöriums Gauting, Dr. WeiJß, ein schlichtes Denkmal für die sechs Millionen jüdischen Toten (JTA.) /POLEN1 Die Auslieferung des Mitverantwortlichen für die Liquidierung des W-ilnaer Ghettos und des Todes von 100 000 Juden, Johannes Murer, wurde von der Polnischen Regierung von den amerikanischen Militärbehörden in Oesterreich verlangt. Weitere 19 frühere SS-Leute wurden kürzlich von den amerikanischen Militärbehörden in Deutschland an Polen ausgeliefert, um dort wegen Verbrechen an polnischen Juden abgeurteilt zu werden. (JTA.) ' ☆ - Mehr als 1000 polnische Juden wurden in den. letzten zwei Monaten von Rumänien nach Polen repatriiert. Die" meisten von ihnen flohen’ bei Beginn des Krieges nach Rumänien. (JTA.) TSCHECHOSLOWAKEI " Ein Volksgericht in Banska-Bystrica hat die 21jährigen Alexander Lichtneker und Stepart Toth zu je 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie während der Besetzung Judenan die Gestapo ausgeliefert haben. (JTA.) * In einer feierlichen Zeremonie wurden auf den! britischen Militärfriedhof in Prag die sterblichen Ueberreste der . drei jüdischen Fallschirmsoldaten aus Palästina, Chaviva Reich, Icchak Ben-Jaakow uhd Rafael Reis, zurewigen Ruhe gebettet. Die drei Kämpfer sind während der .Nazibesetztmg bei der Ausführung eines geheimen militärischen Befehls ums Leben gekommen. ' An der Feierlichkeit nahmen neben zahlreichen Vertretern jüdischer Organisationen auch Regierungsvertreter Englands und der Tschechoslowakei teil.. (JTA.) / UNGARN v. . ' In Kiskunhalasz fand , der Prozeß gegen’eine größere Gruppe ehemaliger Angehöriger der ungarischen faschistischen Partei statt, die beschuldigt wurden, den Nazis aktive Hilfe bei der Ausrottung der Juden und beim Raub jüdischer Vermögen geleistejrzu haben. Ein Vertreter des jüdischen Gemeindeverhandes... in, Ungarn unterstützte die Anklagebehörde . und begründete die Schuld der Angeklagten. (JTA.) Per, Minister für soziale' Wohlfahrt hat kürzlich eine Verordnung erlassen, die besagt, daß die Opfer-rassischer Verfolgung denen, des Krieges gleichzustellen sind, und somit den gleichen Anspruch auf Unterstützung wie diese haben. (JTA.) BULGARIEN Gegen Ende vorigen' Monats wurde zwischen Bulgarien und der Handelsabteilung der „Jewish Agency“ ein Handelsabkommen getroffen, Bulgarien wird aufgrund dieses' Abkom-! mens Koh^e und'Holz liefern, während Palästina Textilien,, pharmazeutische Präparate, Gummiartikel und elektrische Geräte nach Bulgarien ausführen wird. (JTA;) / RUMÄNIEN Eine Summe von 32 Millionen Lei, wurde der Union der jüdischen Gemeinden vom Finanz-, ministeriüm für den Wiederaufbau .des > Gemeindelebens sowie für Schulen und Krankenhäuser zur Verfügung gestellt. (JTA.) ' ZYPERN Das Zentralkomitee’de.r auf Zypern internierten jüdischen Flüchtlinge gab bekannt,' daß. die Flüchtlinge für einen Monat / auf. die Palästina-Zertifikate zugunsten der „Exodufs“-- Flüchtlinge, die? z. Zt. in zwei Lagern bei Lübeck untergebjacht sind, verzichtet" haben. (JTA.); usa. - . *: Der Rundfunksender der UNO begann kürzlich mit Sendungen in hebräischer Sprache. Somit ist Hebräisch die dreizehnte Sprache im Programm des UNO-Senders. (Ib.) . Mehr als eine Million Dollars, hat das „American, Joint Distribution ,Committee“ bis jetzt, für die auf’'Zypern; internierten jüdischen Flüchtlinge verausgabt. Dies ist dreimal ‘ so viel, als am Anfang des Jahres für diesen Zweck Vorgesehen war. (JTA-) . . . Die niederländische Regierung hat das . Denkmal des „Unbekannten jüdischen Soldaten der Schlacht um das Warschauer , Ghetto“ mit dem „Widerstandskreuz“ ausgezeichnet. . Dies ist die vierte Auszeichnung des „Unbekannten Warschauer Ghetto-Kämpfers“. Die anderen Orden sind von Frankreich, der Tschechoslowakei und Jugoslawien verliehen worden; (JTA.) ■ * ■ Mehr als eine Million Dollars wurden in den ..letzten zwei Jahren von den „Pioneer Womeh of America“, - der Frauengruppe der amerikanir sehen zionistischen Arbeiterbewegung, für die Errichtung vbn 14. Kinderheimen und landwirtschaftlichen Schulen gestiftet; (JTA.); ' SCHWEIZ Der Schweizerische ' Israelitische _ Gemeindebund, Zürich, hat im Oktober 1947 einen, "öffentlichen Aufruf zu verstärkter Tätigkeit im Interesse der hilfsbedürftigen Juden in den europäischen Ländern und zur Intensivierung der Flüchtlingshilfsarbeit in der Schweiz selbst erlassen.. In dem Appell heißt es u. a.: „Immer noch leiden Zehntausende unserer jüdischen Brüder und Schwestern in den ehemals von Deutschland besetzten Ländern bittere Not. Entbehrungen und Krankheiten fordern zahlreiche neue Opfer. Den jüdischen Gemeinschaften, die von Krieg und Verfolgungen verschont geblieben Sind, , obliegt die heilige Pflicht, rasch und wirksam zü helfen. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hat seit dem Kriegsende manches Elend; unter /den Juden im benachbarten Ausländ gelindert. Er hat ihnen vor , allem Lebensmittel und Kleider zukörpmen lassen und hat in ihrer Gesundheit gefährdeten jüdischen Männern, Frauen lind besonders auch Kindern zu'einem Kur- oder Erholungsaufenthalt in der '■ Schweiz verhelfen. Dieses segensreiche Werk muß mit aller Kraft fortgesetzt werden. Der SachsenhausensProzeß In _ der russischen" Bezirkskommandantur in Berlin-Pankow begann vor einem russischen Militärgericht der Prozeß gegen 16 SS-Leute, die der Lagerleitung des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin-, Oranienburg angehört haben. Unter der Anklage, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben, standen: der Kommandant des Lagers,- SS-Standartenführer Anton, Kaindl; der zweite Kommandant, SS-Unter- „turmführer. August Höhn;, derdritte Kommandant, SS-Obersturmführer /Michael Körner; der Oberarzt, SS-Hauptst.ur.mführer Heinz Baumkötter; der Hauptscharführer Kurt Eckarius,: der ■ SS-Untersturmführer Ludwig Renn, der Leiter der Versuchsstelle für Schuh werk» Ernst Bernscheint; der Leiter des Lagers Klinkerwerlc, SS-Obersturmführer Heinrich Freesemann; der,Rapportführer Gustav Sorge; der Blockführer SS-Oberscharführer Fritz Fickert; der Blockführer Wilhelm Schubert, der Schreiber des Lagers, SS-Unterscbarf (ihrer Horst Hempel, der Blockführer' Martin Knittler, der Blockführer Menne .Saathof, der Blockälteste Karl Zander und der Henker Paul Zakowski. Vorsitzender des Gerichts war , der (russische Öbert Majorew. Staatsanwalt Beljajew ver-’ trat ’ die Anklage. Fünf Moskauer Rechtsanwälte, verteidigten die Angeklagten, 28 Zeugen wurden geladen, darunter Propst / Grüber. Nach, der Anklageschrift haben sämtliche Angeklagten an, der; grausamen Massenvernichtung von russischen Kriegsgefangenen und von Zivilisten teilgenommen - oder Maßnahmen geleitet, die zu. def Tötung der Gefangenen führten. Lagerkommandant, Anton Kaindl gab zu, nach -der Uebernahme Sachsenhausens. als Kommandant im Jahre 1943. die Ver-. nichtungsmethoden des Lagers durch: di.e Einrichtung von Gaskammern .erweitert zu habend Er bestätigte die hohe Sterblichkeit der Lägerinsassen, die auf die völlig unzureichende Ver- . pflegung und auf die viel-zehnstündige Arbeitszeit zürückzuführen' sei. Von 1943 bis 1945 seien etwa 20 000 Häftlinge , im Lager umgebracht worden. . , Bei' der - Zeugenvernehmung erklärte der Propst Von Berlin, Heinrich G r ü-b e r, daß er seit 1937. vielen rassisch Verfolgten zur . Aus-• wanderüng verholten oder ein illegales Leben ermöglicht habe: Deshalb sei .er von 1940 bis 1941 in Sachsenhausen und später in Dachau ' inhaftiert gewesen. Unter seinen Leidens ge- -,fährten in Sachsenhausen hätten sich viele hohe geistliche Würdenträger befunden./ Der jetzige Chef der Kriminalpolizei Leipzig, Wunderlich, der sechs Jahre in Sachsenhausen zugebracht hatte,' sagte aus, daß Von 16 000 russischen Kriegsgefangenen, die 1942 in. das Lager eingeliefert wurden, 14 00Ö erschossen worden seien. Von 1940 bis 1942 seifen 5 00 0 Häftlinge verhungert. Der ehemalige Häftling Karl Salom. n gab an, daß im Zweiglajgqr Klinkerwerk täglich 160 Häftlinge erschlagen wqrden, oder verhungert seieh. Im Februar 1945 habe man 1500 .tuberkulöse Häftlinge vergast. ' ' Das sowjetische Militärgericht verurteilte bis auf-zwei sämtliche Angeklagten zu lebenslänglicher/ Haft und Zwangsarbeit. Die Gefangenen wurden in geschlossenen Lastwagen mit, unbekanntem Ziel abtransportiert. Für jeden Verurteilten war ein Soldat als Wache ein- - geteilt. *- ... , Im Ohlendorf-Prozeß in Nürnberg sagte der- Führer der „Einsatzgruppe ' C‘, der ehemalige SS-Brigädeführer Erwin Schulz: „Wenn Antisemitsmus Haß/und Vernichtung bedeutet, war ich -nie -Antisemit/4 Er - habe lediglich gewünscht, den „Einfluß des Judentums im ^eigenen Vaterlande“ auf ein normales Maß zurückzuführen. Kurz vor dem; Ueberfall auf Rußland habe Reinhard Heydrich zu den Führern der Einsatzgruppen gesagt; in diesem Kampf. müsse auch gegen die'Juden härter vorgegangen werden. Worin wie' „Ausrottung“ oder „Endlösung“ seien dabei nicht gefallen - . Von einem' amerikanischen Militärgericht, in Dachau Wurden die drei ehemaligen SS-Unter- . charführ^ Bernhard Fermkorn, Hubert Guttenberger und Willi Keetel zu lebenslängii- , ehern Zuchthaus verurteilt. Die beiden Mitangeklagten Möller Und Mohr erhielten Zuchthausstrafen yon fünfzehn und zehn Jahren: •Alle Angeklagten waren Wachposten des Konzentrationslager^ Maüthausen-Gusen. (DENA.); ■Die Untersuchung gegen 15 Personen, die beschuldigt wurden, in Offfenbach antisemitische Demonstrationen veranstaltet zu haben,, ergab nach Mitteilung des hessischen Befreiungsministeriüms, daß von einer, „politischen Demonstration nicht die Rede sein kann“. Es seien keine Beweis' gefunden worden, welche eine Anklage auf/ Grund des Befreiungsgesetzes rechtfertigen. (DENA.) - Die Spruchkammer I in Karlsrühe stufte den Ingenieur Gustav. Wilhelm Bohner und den Maschinenbaumeister Karl Blink wegen Teilnahme, an Judenpogromen in die, Gruppe der-Hauptschuldigen, ein und verurteilte sie zu zwei und drei Jahren Arbeitslager sowie zu 'Vermögenseinziehung bis auf . je fünftausend Mark. Die Betroffenen waren bereits vor einigen Monaten Wegen dieser Delikte zu je drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Sie sollen an der. Zerstörungvon Synagogen teilgenommen' und jüdische Lehrlinge mißhandelt haben. * ’ Der Dentist Otto Leidig wurde von 4er Strafkammer Baden-Baden wegen schweren Landfriedensbruches zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Er hat nach der Anklage während der Ausschreitungen der Nationalsozialistenin den. fersten Novembertagen des, Jahres 19,38-die Synagoge-in K uppen h e im in Brand gesetzt und an den anschließenden Durchsuchungen .der jüdischen Wohnungen teilgenommen. Die Mittäterschaft bei den Durchsuchungen konnte ihm . nachgewiesen werden. (Südena.) In der Schweiz selber sind nach wie vor dringliche Aufgaben der Flüchtlingshilfe zu bewältigen. Gegen 3000 jüdische Emigranten und Flüchtlinge sind noch auf die völlige o^er teilweise Unterstützung von , jüdischer Seite angewiesen: Die Schaffung eines wahrhaften Dauerasyls für Emigranten lind Flüchtlinge erfordert, insbesondere für die Alten ' und Kranken, die größtenteils in eigens. eingerichteten. Heimen untergebracht werden sollen, weitere sehr beträchtliche Mittel. Die schweizerische Judeiiheit, aüs deren Reihen der Gedanke des Daüeräsyls stammt, muß ihre freudige Bereitschaft beweisen, durch die eigenen Opfer ihren Anteil zu seiner Verwirklichüng beizutragen! Eine weitere ebenso große wie schöne Aufgabe erwächst ihr daraus, daß der Verband Schweizerischer Jüdischer Flüchtlingshilfen vom 1. Januar 1948 an alle jüdischen Kinder übernimmt, die bisher der Fürsorge des Schweizerischen Hilfswerks für Emigrantenkinder an vertraut waren, dessen Lokalsektionen sich-aüflösen . . . Der weitaus größte Teil der Ausgaben für die jüdische Flüchtlingshilfe in der Schweiz wird durch die Juden des Auslands, insbesondere durch die großen Hilfsorganisationen Amerikas, bestritten. Die Lösung des FlüchtlirigsproblemS' in der Schweiz übersteigt gewiß die Kraft der kleinen schweizerischen Judenheit. Eine Sache' ihrer Ehre aber ist es, in der Erfüllung der jüdischen Sölidaritätspflicht voranzugehen und fremde .Mittel nur insoweit" in Ansprudh zu nehmen, eis die eigenen nicht unerheblichen, Möglichkeiten voll ausgeschöpft sind ,. , Dank der Mitwirkung des Schweizerischen israelitischen Gemeindebundes, konnten die Madrichimkurse des jüdischen Lehrerseminars in Basel im September beginnen./ Das Programm enthält Vorlesungen und Seminare auf allen . jüdischen Wissensgebieten; ähnliche Kurse in englischer bzw. französischer Sprache werden in London und. in Paris durchgeführt.?2um neuert Kurs des Basler. Lehrerseminars sind Kandidaten aus Belgien, Frankreich und Schweden eingetroffen, während solche aus Griechenland und Bulgarien noch erwartet werden. Aus der Schweiz nehmen vier Kandidaten '|eil. ' Maurice Wagner, der Leiter; der „United Jewish Educational vand Cultpral Organisation“, London, gab bei der Eröffnung seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Durchführung des Mädrichimkurseö in Basel möglich wurde, und wies auf die dringende Notwendigkeit dieser Kurse im Hinblick auf den Mangel an Madrichim und Lehrern in Europa hin. - Weitere Anmeldungen zur Teilnahme an den Kuriers, sind an den Rektor' des Lehrerseminars, Rabbiner Dr. A. Weil, Basel,. Leimenstraße 24, zu richten. D. ^PROBLEME Der sozialpolitische Ausschuß des bayerischen Landtages'bezeichnete 4n einer. Sitzung, an der Staatskommissar t)r. Phil.pp Auerbach teilnahm, die. Zustände im DP-Lager „Kaltenherberge“ in München-Freimann als nach wie vor untragbar. ' Er nahm Bezug 7-aut einen Brief des Zentralkomitees für diev befreiten Juden in der amerikanischen Zone an General Giay und an den Direktor 4er Militärregierung für Bayern, General Müller. Darin hatte das Zentralkomitee gegen einen Beschluß des sozialpolitischen -Ausschusses protestiert, wonach die Staatsregierung beauftragt werden sollte,' die Militärregierung um die Freigabe der von der UNRRA beschlagnahmten, Arbeitersiedlung ‘Kaltenherberge, zu bitten. Hierzu stellte der Ausschuß fest, so sehr die Abgeordneten die schwere Lage der jüdischen Mitbürger anerkennten, müßten sie konstatieren, daß Ausländer, die in der nationalsozialistischen Zeit Hitler zum Teil aktiv unterstützt hätten, immer wieder versuchten,, die bayerische Bevölkerung in ihren Rechten »einzuschränken. Dr. Auerbach sagte, es sei ein großer, Fehler, daß' mah die D.Ps. flicht von vornherein zur Arbeit aufgefordert habe. Er verlangte für den Staat das Recht auf Kontrolle der D.P.-Lager, deren Ernährung diese auch übernehmen müsse. Abgeordneter Hagen wandte sich dagegen, Ausländer unbekannter Herkunft ohne weiteres den Verfolgten .gleichzustellen.'(DENA.) Aitf! einer Berchtesgadener Tagung sprach de; „Rat der befreiten Juden in Deutschland“ General Clay seine Anerkennung Tür dessen verständnisvolles Verhalten gegenüber den Lebensfragen der jüdischen' Bevölkerung aus Der Rat verfaßte eine Resolut4 on zu den Maßnahmen gegen die „Exodus“-Auswanderer, ii der es heißt: „Keine Machtder Erde kam uns zwingen, -weiter in der Diaspora zu bleiben und von unserem Recht abzusehen, nacl unserer Heimat Palästina auszuwandem.“ * (DENA. Nach Mitteilung amtlicher britischer Kreis* wurde den jüdischen „Exodus“-Flüchtlingen ii den Lagern Poppendorf und Am Stau angekündigt, daß sie. in besywe Winterquartier* in der Nähe von Emden, and Wilhelmshafer gebracht werden sollen. Fine Vorausgrupp* könne die neuen Quartiere besiphtigen. Di* Führer der Flüchtlinge erklärten, daraufhin nichts könne sie von der Uebersiedlung nacl Palästina abhalten. „Wir haben Sie nicht gebeten, uns in die Lager Prppendörf und An Stau zu schicken und unsere Rationen herabzusetzen. Es steht bei Ibnen, in welches Gefängnis /Sie uns stecken.“ (i>PD.)

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