Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 13 (8.10.1947)
- Date
- 1947-10-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9498581-9498587-9504472--445-9498480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t. J.ahrgaag Nr. 13 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜB DIE BRITISCHE ZONE , BEINZ,WINFRIED SABAIS ZWEIG GEI STI GER AUS LEIDEN SCHAFT Sec 'DP T Mit Thomas Mann besitzen wir das Vorbild der literarischen Persönlichkeit, in der sich das spezifisch Schriftstellerische, das in seiner Breitmalerei Zeitgeburidene, mit dem unantastbar Dichterischen, dem komprimiert Geschichte-Werdenden, so nahtlos vereinigt, daß wir in ihr eine außergewöhnliche zeitgenössische Geistesautörität anerkennen. Auch der 1887 in Glogau (Schlesien) geborene Arnold Zweig ist diesem Typus-zuzurechnen, der uns mit bestechend unproblematischer, Ueberlegenheit literarisch: unmittelbar anspricht, da er uns -vor uns selbst zu enthüllen vermag. Wenn wir nun aber schon dep Vergleich Zweigs mit Mann gewagt haben, so ist es recht und billig, auch die Unterscheidungen hervorzuheben. Und da . scheint es, daß Thomas Marin seine ironische Weisheit der konzentrierten, Klugheit Arnold Zweigs voraushabe — aber das gleiche gilt auch im umgekehrten Sirine als Vorteil. Arnold Zweig ist ein- „Geistiger aus Leidenschaft“. Er ist es* mit dem ganzen Führungsanspruch und, der Verantwortlichkeit des Li-, teraten, der mitten im Zentrum der Leiden und Freuden seiner Epoche den Beobachtungsturm seiner all und jedes durchdringenden Wahrhaftigkeit; errichtet hat. In einem Dialog zwischen Denker und Richter sagt er in seiner Novelle '„Die Wespen“: ,,. . . ich wußte, daß nur wii- Denkenden und ihr Dichter, deren Seele und Mitgelebtes alles Beseelte erfaßt und alles Lebende; beseelt, ja blies Seiende 'belebt. Menschen sirid im Sinne der Weisen, die der? Menschen aus aller anderen Natur herausheberi undf den Geistern benachbarn; daß aber“, so fährt er. fort, „der barmherzige Mensch; den Weg zur Vollkommenheit geht.“. Dieses Wissen ym die Besonderheit’ seines Auftrages verleitet ihn aber weder zu , mönchischer Klausnerei noch zu geistesaristokratischer Verstiegenheit;" er bleibt ein Mensch,, dem nichts Menschliches fremd ist und dessen „Seele und, Mitgelebtes“ so alles „Seiende belebt.“ 9 Man hat Arnold Zweig, von seiten der -traditio-' .nalistischen Literaturkritik vorwerfen wollen, daß er seine Bücher einzig mit berechnendem Verstände geschrieben habe und daß nirgends der Herzschlag des Autors darin spürbar sei. Wenn man damit das Virtuose seines Stils treffen wollte oder’das beinahe auf journalistische Art Minutiöse seiner Beobachtung, so hat man auf durchaus plumpe Weise die Form mit dem Inhalt verwechselt. Wohl ist die kühle Objektivität .'Z\y-eigs' eine literarisch-wissenschaftliche — sie beruht auf den Erkenntnissen der modernen Psychologie —, aber ihre Analyse entdeckt „Mitgelebtes“. Wie wäre die fernste Regung einer menschlichen Seele — in den „Novellen um Claudia“ etwa, die Arnpld Zweig als 25jähriger schrieb — so glaubwürdig aüfzufassen, ohne daß dem kluggesichtigen Beobachter nicht selbst auch die weite Skala von flüchtiger Empfindung bis zu rasender Leidenschaft aus „Mitgelebtem“ geläufig wäre? . * Arnold Zweig ist kein Schilderen, sondern ein Zergliederer. Er verschmäht es, die traditionellen Stilmittel des deutschen Bildungsromanes zu gebrauchen, der geradeswegs heraussagt, was in der Seelerseines-Helden vorgeht und dem Leser eine annehmbare Erklärung dafür abgibt. Er, der selbst sensibler Zivilisationsmensch bis in die Fingerspitzen ist, weiß um die differenziertere Seelenanatomie des Nervehmenschen seiner Zeit. Er ersetzt also die schulmeisterliche Methode durch die zeitgemäße der Psychoanalyse. Dennoch, es sind niemals Seelehkonstruktionen des" schriftstellerischen Intellekts, die er uns vorführt, sondern teilnehmende Seelendurchleuchtungen, diefreilich das tiefste Dünkel verdrängter Begierden und unterdrückter Wünsche erhellen. Den unbestechlichen Lichtstrahl lenkt ihm wohl der Intellekt, aber das Herz leiht - seine <Wärme dazu, so daß diese in jeder Regung nackt und bloß vor uns ^handelnden Menschen unser Herz gewinne*»,' wie ' jene Tiefunglücklichen auch, die ein Dostojewski aus literarischer Dämonie» heraus an die Druckpresse verriet. Es ist natürlich, daß der Scharfsinri und die Empfindsamkeit des Dichters nicht nur den Menschen, sondern auch die Probleme seiner, Zeit im Tiefsten erfaßt, daß sie sein durch und -durch kultivierter Verstand wittert wie ein Seismograph, der die ständigen Veränderungen des Erdzustandes auf zeichnet. Starker' als andere leidet er unter den im Gange befindlichen Erschütterungen und den sich ankündigenden Katastrophen. Der erste Weltkrieg, dessen Flut an Gewalttätigkeit ihn erschreckt, ist ein einschneidendes Ereignis in der geistigen Existenz Arnold Zweigs. Es läßt ihn bewußt werden, daß die Sache der Kultur jedem geistigen. Menschen als persönlicher Auftrag ariheimgegeben ist; den es zu verteidigen und zu behaupten gilt gegen die ständi- 1 ge Bedrohung der Barbarei. Mit allemsittlichen Ernst ergreift er in .seinen Nachkriegsbüchern, die nur langsam reifen und -sich schwer vom Grauem lösen, die Partei der Humanität, .die» Partei des Menschen. Sein sym- ’ I „Millionen Menschen, die dem Hungertöde nahe waren, schulden Ihnen Dank“ — das waren die Worte'des Präsidenten Truman, als er Fiorello. La Guardia, dem' langjährigen, überaus erfolgreichen, kritisierten und zugleich verehrten New Yorker Bürgermeister und späteren energischen' Generaldirektor 'der UNRRA,. die amerikanische Verdienstmedaille verlieh.' ‘ /*• , /In ihm; der vor kurzem gestorben ist (vgl. No. 12 des „Gemeindeblattes“ vom 24. September), haben die Juden , einen echten Freund, einen Förderer ihrer Ideen und einen tatkräftigen Helfer aus Not und Elend verloren. Während seiner kurzen . Amtstätigkeit als oberster Leiter der UNRRA’ von März bis Dezember 1946 — er war der Nachfolger "von Herbert H. .Lehman, " der, Jude, heute dem Präsidium des „Joint“ angehört sab er mit eigenen Augen die Zustände in Europa, besuchte manche Läger, wo er. insbesondere' die Lage der jüdischen D, Ps. studierte, und erkannte, daß die Belieferung der Notstandsgebiete mit Lebensmitteln eine Aufgabe’ allererster Ordnung war: Obwohl er auch in dieser . Arbeit oft erheblicher 'Kritik ausgesetzt war, ließ, er sich nicht beirren: manche Verbesserungen in der Wirksamkeit der UNRRA sind auf ihn zurückzuführen gewesen. Vielen wird »noch iri lebhafter . Erinnerung sein, wie häufig und unflätig er, der er eine progressive, '* kämpferische, eindrucksstarke Persönlichkeit war, von den Nazis, angefeindet wurde. Er wurde als Jude verunglimpft (tatsächlich hatte, seine Mutter jüdisches Blut), weil er sich nicht scheute, schon lange vordem Kriege in aller Oeffentlichkeit von -Hitler als eine? ernsthaften Gefahr für die Erhaltung des Friedens zu sprechen; dies' führte dazu, daß der damalige deutsche Botschafter in den Vereinigten Staaten erklärte, daß die Beziehungen Zwischen den beiden Ländern beeinträchtigt’ würden, falls der New Yorker Bürgermeister, der im öffentlichen Leben der U.S.Ä. eine,, bedeutende, einflußreiche Rolle spielte, solche Aeüßerungen wiederhole. . Unvergessen sind auch die zahlreichen Reden,: in denen sich La Guardia für die Oeffnung der Tore Palästinas für die Juden eingesetzt hat. : v bölhafter ’ Kriegsroman „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ schildert am Beispiel des tragischen Schicksals eines russischen Kriegsgefangenen das ‘ganze seelenlose barbärisierte System des modernen Militarismus. Es ist der Kreuzweg eines ..der Macht ausgelieferten Menschen, den wir — er ist durch eigene Erfahrungen oft in seiner trostlosen Unentrinabarkeit. übertroffen — durch sinnlose Befehle, fühllose Akten und schändliche Kriegsgerichtsentscheide empört begleiten. Noch 1932 warnt Arnold- Zweig in einer Rede vor dem nahenden alten Unheil, in neuer ^Uniformierung: „Das Wachstum der Gesittung ist an den Frieden gebunden“. Er entlarvt den bevorstehenden? Aufstand der Primitiven und Lakaien, die sich aus Angst vor dem Leben, aus Unfähigkeit zur selbständiger Persönlichkeitsbildung, zur Hörde scharen und ihren lärmenden Führerkult feiern. Er warnt, vor den Demagogen, die die Vernunft ersetzen zu können glauben duch die „Proklamation der Auserwähltheit durch. Geburt, durch die mystische Macht des Blutes und der Rasse“. Vorher schön hatte er in-einer Schrift „Caliban oder Politik und Leidenschaft“ am Beispiel des „Antisemitismus die schrecklichen Auswirkungen einer politischen Massenhysterie dargetan. ' Als die Barbarei 1933 tatsächlich ausbricht, geht Arnold Zweig als überzeugter Zionist nach Palästina. Dort schreibt er auch „Erziehung vor Verdun“.. Wieder und wieder erhebt er in den Organen der deutschen Emigrar tion seine warnende Stimme vor dem Ohr der Völker. Wenn man heute diese kassandrahaften Auf sätze nachliest, möchte man vor der Zwecklosigkeit des geistigen Aufwandes resignieren, denn was Zweig voraussagte, hat. sich nur schlimmer erfüllt. V l Eine außergewöhnliche Erscheinung im Leben Amerikas Änd der Welt ist mit ihm dähingegangen. . - . II An die Stelle der UNRRA ist'nunmehr die IRO, die „International Refugee Organisation“* (internationale. Flüchtlingsorganisation) getreten. Die Geschichte jener großen, weltumspannenden Organisation wird demnächst "'geschrieben werden. Neben den in gewaltigem Umfang vorhandenen offiziellen Materialien werden dabei sicher Einzeldarstellungen und persönliche Impressionen von UNRRA-Mitarbeitern, wie sie gelegentlich erschienen sind, Verwendung und Berücksichtigung finden* Erst vor wenigen Wodien kam in London („Penguin Books“, West Drayton, Middlessex, England) eine Schrift heraus, . in der in der gemischten Form von persönlicher Eindrucks- Schilderung und objektiver Information gewisse Stadien der UNRRA-Arbeit und., die Situation und das Schicksal von D. Ps. in verschied^ien Landern Europas eine bemerkenswerte Beschreibung finden. Es handelt, sich um das Buch „Aftermöth“ (Nachlese von Franpeska M. »Wilson, einer Cambridger1 Universitätslehrern!, die bereits . während - des ersten Wellkrieges und während der spanischen BüjBgerwirren soziale Hilfsarbeit auf dem Kontinent tat und Anfang 1945 als lei-, tende Mitarbeiterin der UNRRA nach Deutschland ging, um später aüch in, der Tschechoslowakei, in Jugoslawien und Oesterreich tätig zu sein. Hier spricht eine erfahrene, einfühlungsfähige Frau,- die — schon vor Erscheinen dieses Buches in Wort und Schrift für die Verbreitung der Kenntnis von moderner §ozialärbeit gewirkt hat. Ein Teil von „Afterrriath“ ist-dem Leb^n und dem traurigen 'Geschick jüdischer D. Ps., wie Franceska Wilson sie. jn der amerikanischen Zone in großer Zahl vorfand, gewidmet, und' es ist mit Befriedigung fegtzustelleri, wieviel tiefes Verständnis sie, für den einzelnen be- -troffenen Juden wie auch für das komplizierte Gesamtproblem zum Ausdruck bringt. Sie , sammelte ihre Erfahrungen in den jüdischen Lagern^ von Feldafing und Föhrenwald in Bayern, wo sie insbesondere, auf jüdische Flüchtlinge aus- Polen traf, für die als allei- - brochen und verbreitete sich schneller als zu Ihrer Zeit cÄe Cholera.* »Aber. das bin ich doch .garnicht gewöhnt an meinen lieben Landsleuten!' warf ich dazwischen. ,Biri ich doch als Junge von den Ha-,, luten, den Düsseldorfer Rabauen, nicht mehr und öfter gehänselt worden< als jeder ändere, der hier etwas aus der Reihe wächst. Und von einer allgemeinen Judenfeindschaft war noch nicht die Rede. Im Gegenteil! Die Marktfrauen-unter dem grünen Denkmal des guten Kurfürsten Jan Wellern mit seiner riesigen Lokkenperücke saßen, gaben mir ebenso * gern fiinen Apfel, der nicht ganz koscher mehr war, mit; wie meinen christlichen Schulgefährten, die mit ihrer ortstümlichen Kunstfertigkeit als ,Radschläger* den Weibern ihre Mildtä-. hgkeit vergalten.* Herr ' Weidephaupt beruhigte, mich nun auch sogleich über' diesen kitzligen, anfechtbaren. Züg meiner rheinischen Landsleute: ,Jetzt ist. der Antisemitismus bei uns. wieder , gänzlich vergangen* und verloschen. Que; voulez-vous!* glaubte er sich nochmals rechtfertigen zu müs-. sen. ,Was konnte man als, einzelner gegen hunderttausend machen, die einen! , ,Heil Hit-.;er‘ ■ zubrüllten! Man. mußte eben - mit den Wölfen heulen.* ■ 1 : •Ich wollte ihm noch klarmachen, daß.'es* darauf ankäme, wölfisch mit den Wölfen zu heulen undnicht darauf,, hündisch zu den Hunden überzugehen' öder für das .Glück der Schafe zu schwärmen. Aber ich .unterließ es, den Biedermann weiter .umzuschulen, indem lch bei-mir dachte, die Not, in die sich diese armen Hammel durch ihren' nunmehr abge- , legten Judenhaß gebracht haben,. wird "sie "auch ohne mich über die Torheit belehren, die sie in ihrer Miehelhaftigkeit gegen die Hebräer begangen haben. Und die blöden Deutschen werden unter" den Folgen dieser Judenhetze, zu der sie 'sich verleit,en . ließen, ebenso bitter zu büßen haben wie die Hidalgos, die vor soundso viel hundert Jahren ihre Israeliten aus ihrem Lande vertrieben. . Ich habe die (Gelegenheit des nächtlichen Besuchs meiner Va'terstadt auch dazu benutzt, mich ein wenig um .den Nachruf zu bekümmern, den ich in. den. Literaturgeschichten meines lieben deutschen Volkes hinter lassenhabe. Ich fand dazu reichlich Gelegenheit in der Düsseldorfer Landes- und Stadtbibliothek, die in rührender Weise Andenken an mich aufbewahrt sowie sämtliches, was . von mir : und über mich geschrieben worden ist. Die Leiter dieser Sammlungen, dor verstorbene Doktor Nörrenberg wie der glikklicherweise noch lebende Doktor Reuter, haßen ’ wirklich alles getan, mein Ansehen und^meinen Ruhm in der^ Heimat frisch zu erhalten. Sie habep Bücher" und Briefe von mir auf gespeichert. Haben meine Totenmaske behütet undsogar den Papagei, 'den mein sanftes Weib geliebt; und gefüttert hat, den Reliquien von mir einverleibt. Und haben damit alles wieder gutgemacht, was meine bräun gewordenen Düsseldorfer an mit gesündigt baffen. Zu meinem Kummer entdeckte, ich freilich, «als ich mich im Lesesaäl der hiesigen Bibliothek der ' Beschäftigung ‘ mit den Nachreden ergab, die von den Herren Professoren und Schrifttumsgelehrten in . meinem Vaterland « hinter mir her ergangen sind, daß schon aus ihnen ein heftiger Antisemitismus aufflammte. Länge bevor dieser noch, von dem Blasebälg des Nationalsozialismus geschürt, zum -Riesenfeuer und stinkenden Qualm anwuchs. Ich war von meinem' Aufenthalt in Frankreich garnicht mehr daran gewöhnt, daß/eipem das Judentum ständig unter die Nase gehalten wird.. Die peinige kann sich / übrigens, was Gradheit angeht, getrost mit jeder ,rein. arischen* messen. Aber mir entfuhren. fast so heutige Schmerzeirisseufzer wie später in meinen Pariser Leidensjahren. in meiner Matratzengruft, als'ich aus den dicken Wälzern der Literaturgeschichte , ersehen mußte, wie deren Herrenyerfasser von vornherein mit solche Feindseligkeit und Gehässigkeit gegen jdas auserwählte*. Volk Israel erfüllt waren, -dem anzugehören ich d.en Stolz, und den Schmerz habe. Ich habe mir einige Auszüge aus diesen Büchern gemacht, von denen ich' nur wenige erwähnen will. So schreibt beispielsweise Gervinus, der weiland als Kunstlichter hochgeachtete, über mich: ,, Diese Schreiber jüdischer Herkunft wie Heine hätschelten die ungeheure Eitelkeit in sich, die sich bei geistreichen Juden so .oft zur Karrikatur - verzerrt.' Seine disharmonischen Griffe in die Saiten sind ihm eine. Art Wollust. Das Pathetische war bei ihm durch das Frivole,,; das Gefühlige durch das Lüsterne, das, Sittige durch die Zote durchschnitten.. Heine hat ■jede Spur des Schamgefühls verloren.* Und bei Scherer klingt es nicht viel besser über midi: .Nie dichtete Heina wie Uhland, Müller und Eichendorff aus fremden Rollen 8. Oktober 1947 Sette - S niges Endziel ihres , schweren Wanderwege» Palästina gilt. ’ . , Ein Kapitel, das die :Verfasserin kurz „German Background“ nennt, womit die Haltung und Mentalität der Deutschen, während, der Nazi-Zeit gemeint ist, skizziert/u. a. eine Begegnung mit Mathilde Ludendorff, der notorischen Antisemitin aus Vor-Hitler-Tagen, die versucht, die den Nationalsozialismus angeblich ablehnende Stellung ihres. verstörbeneir Mannes, des ebenfalls ausgesprochenen judenfeindlichen Generäls zu erklären, der / einer „germanischen“ Religion zu,huldigen sich bemüßigte. , . - ‘ Ein gutes,'kluges Blich, unabhängig und kritisch geschrieben, das wegen seiner persönlichen, menschlichen und dazu erzählenden Difrstellungsform dem* Leser Eindrücke von dem Chaos auf dem Kontinent vermittelt, wie er ' sie nicht so oft zu erhalten Gelegenheit hat. (egl.) Professor Franz Eulenburg : ' zum „Wenn Franz Eulenburg nicht im Sommer 1943, kurz nach seinem 7ß., Geburtstage, aus nichtigen Gründen .von der Gestapo verhaftet,- monatelang festgehalten und, zermürbt von' den unausgesetzten Verhören und Bedrohun-J gen, Ende Dezember im Gefängnisgestorben' wäre, so hätte er am 29. Juni dieses Jahres, seinen 8$. Geburtstag begehen können. Er hatte alle Aussicht, diesen Tag zu erleben, da er erst zwei Jahre vor seinem unnatürlichen Ende eine schwere Operation glücklich über-! standen und dadurch’ seine afte Gesundheit, und Leistungsfähigkeit wieder erlangt hatte: Ich bin sicher, daß er das seltene Ereignis zwar gern im Kreis seiner vielen Freunde und Schüler festlich begangen . hätte, aber schon am nächsten Tage zu seiner Arbeit zurückgekehft. wäre. Aufgeschlossen allen.' drängenden Fragen der Zeit, hätte er trotz allem, was ihm widerfahren war, an der Lösung der schweren gesellschaftlichen und wirt^ sehaftlicheri Probleme mitgearbeitet, mit denep das deutsche Volk heute zu ‘ ringenhat. Daß wir de% Rat des vielerfahrenen Nationalökonomen gerade jetzt entbehren müssen, ist bedauerlich genug. Der festlich^ Tag mag aber, den Anlaß dazu geben, uns dieses beklagenswerten Opfers des Faschismus zu erinnern, und der bedeutenden Verdienste zu gedenken,' die er sich in seinem langen Leben als akademischer Lehrer und. volkswirtschaftlicher Schriftsteller erworben hat. . “ (Aus einer Würdigung aus der Feder von Professor Dr. Georg Jahn, Berlin, veröffentlicht im 6. Heft des „Forum“, der' Zeitschrift für , das geistige Leben an den deutschen Hochschulen (Volk„ und Wissen Verlags- G.m.b.H., Berlin-Leipzig) iiiiHtiiiimiiKuiiiiuiHiimiimiiniiiiimiiiiiiiijiiiiiimimiiiiiiiiiiiiiiiniiiimuiniltminiiHimiHit NEUE BÜCHER Ernst Cassirer: „The Myth of the State“ (Vor- . lag Oxford University Press, London). Nathan Zukerman: „The Wine of Violenca. An Anthology of Anti-Semitism“ (Verlag Association Press, New York). Walther Rathenau: „Blanche Trocard“ (Fr. K; Koetschau- Verlag, Berlin). Ein zweiäktiges? Schauspiel, das Ratheriau als 19jähriger schrieb und. das kürzlich, anläßlich 'seines 25. Todestages, von Professor Edwin Redslob herausgegeben wurde. Elieser Schicha: „Albert Einstein'* (Am - Verlag, Palästina). Hebräisch. Owed- Imanuel Olsvanger: „Royte Pomerantsen“ (Schocken Books, New York). -Jüdischer Humor. Der Titel bedeutet so viel wie „Rote Orangen“ Im Suhrkämp-Verlag, Berlin, -ist Carl Zückmayers New Yorker Gedächtnisrede auf ’ Carlo Mierfendorff erschienen, die er am 12. März 1,944 hielt. Man findet darin auch die Episode des -alldeutschen Antisemiten Professor Lennard, der am Tage der Beisetzung Rathenaus erklärte, er werde das Physikalische-Institut nicht „wegen eines toten Juden“ schließen. B2S22SS529E heraus. Er unterhielt die Leser nur von seiner eigenen Person. Er nimmt stets auf das Publikum Rücksicht mit seiner, geschickten Mache, Die Blumen in seinen Reisebildem aus Italien duften nicht mehr. Sie sind so welk wie nach einer dürchschwärmten Nacht. Nur der Schmutz, der auch in ihnen nicht fehlt, ist noch, so schmutzig wie am ersten Tage. Welcher Kontrast gegen den ruhigen reinen -Blick, mit dem Goethe clurch Itälien zog.* Vilmar, der rückständige Pfaffe und ' Schuldirektpr, tut mich mit deiA Wort ^zersetzend* ab. Und Nadler, das jüngste Lieht auf dem literarhistorischen Areopag, erklärt mich ,für einen Meister des jüdischen' Jarrgöns, der mitdem zerstörerischen Selbsthaß’ eines überreizten Menschen gegen sich, Gott und die Welt wütet.* Am tollsten aber hat es dieser Herr von Treischke, der seines ’ Adelsranges damit spottet, in seiner unentwegten Judengegnerschaft mit mir getrieben, ,In Paris1 so heißt es bei ihm über mich, „versiegte sein lyrisches Talent rasch. Unter seinen Händen "Wardjetzt alles:" unrein. Wan konnte ein Mann, dem jede tiefe religiöse Empfindung fremd war,. über die Religion sagen? Er besaß nur, was die Juden mit den .Eraftzosen gemein haben- Die Anmut des Lasters, die’Virtuosität, die aus niedlichen Nichtigkeiten noch einen , wohlklingenden Satz zu bilden vermag. Heine ist der einzige unserer Lyriker, der niemals ein Trinklied gedichtet hat. . Sein Himmel hing, voll von Mahdeltorten, Geldbörsen und Straßendirnen. Nach Germanenärt zu, zechen, vermochte - der Orientale nicht.“ *