Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 12 (24.9.1947)
- Date
- 1947-09-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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'leite 6 — 24. September 1947 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 'Nr. 12 — 2. Jahrgani im Gedecken an die Opfer: ' „t>ie Verfolgten“ Unsere Zeit ist schnellebig; das. ist keine \ieue Wahrheit. Aber, wir würden diesen Gemeinplatz nicht an den Anfang dieses Leitartikels setzen, wenn einem nicht manchmal angst und bange darum würde, wie schnell doch all dasvergessen ist, was wir in den zwölf Jahren durchgemacht haben. Natürlich in der Erinnerung .haftet nur das Schöne. Auchdas ist ein Gemeinplatz. Aber er allein gibt keine ausreichende Erklärung für den derzeitigen Stand unseres Bewußtseins. Eines wird ’ viel zuwenig beachtet: es gibt breite Volksschichten,- denen es im . „Dritten Reich“ gar nichc schlecht ging, nicht einmal während des Krieges.- Sie sind es, die heute so laut und vernehmlich jammern. Es ist wahr, hoch nie hatten.' sie solche Alltagssorgen, wie heute, nicht einmal in der früher so sehr gelästerten „Systemzeit“. Dieselben Leute nun, die früher jede ablehnende Aeuße-X rung gegen das Gewaltregime „pflichtgemäß“ zu denunzieren sich nicht scheuten, die nutzten nun die ihnen vorzeitig und unverdient in den Schoß gefallene neue Freiheit aus, um schonungslos Kritik zu übeh, Kritik an allem, was die neue Zeit an Unzulänglichkeiten zwangsläufig mit sich bringt. Sie, denen ein wesentlich Teil Schuld an den jetzigen Verhältnissen zufällt, bringen auch kein Verständnis und' Mitgefühl auf gegenü^pr den vielen Hunderttausenden, die ein Opfer des nationalsozialistischen Unwesens wurden. Sie, die jede brutale . Gewaltmaßnahme der Nazimachthaber mindestens stillschweigend hinnahmen ' oder gar billigten, die deswegen selber nie eine Unbill zu erdulden brauchten, heute aber, weder schweigsam noch furchtsam, in Opposition zur Demokratie stehen, sie haben noch irrimCr kein Verständnis für das traurige Schicksal jener, die damals, »in Jenen 12 Jahren, gegen die Tyrannei standen. Ein jeder von* ihnen kennt mindestens ein Todesopfer persönlich, aber was sich in*den' Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern getan hat, darüber sind sie „nicht informiert“. Natürlich nicht! Wo doch diese wieder einmal überspitzte deutsche Demokratie im Namen der „Freiheit“ jedem Drücker gestattet, das. dümmste Gewäsch zu Papier zu bringen, nicht aber in ausreichender Auflage ein , Büch wie Eugen Kogons „SS-rStaat“, das jeder Deutsche nicht nur gelesen, sondern in persönlichem ‘ Besitz haben sollte. Solange es dabei bleibt, solange wird es schlecht stehen um die Neuerziehung der Deutschen. ‘ r Das aber ist, was uns am meisten nottut. Ihr vorauf gehen muß die ehrliche und höchstpersönliche Selbstbesinnung. Sie schließt ein die unvoreingenommene und gerechte Wartung aller, die wegen. ihrer politischen Haltung, ihrer Religion öder ihrer Abstammung verfolgt und gequält worden sind. Von den Kreissonderhilfsausschüssen sind anerkannt 249971 Männer und Frauen. Den stärksten Anteil, nämlich 91906 Personen, stellt die britische Zone, von deren Ländern wiederum Nordr h e i n - W e S t f aT e n mit 48901. Mit 19821 steht Düsse 1 dorf an der Spitze aller deutschen Regierungsbezirke. Das ÄnerkennungSr verfahren ist nach Orten, Ländern und Zonen Für Veröffentlichungen unter' dieser Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung. D. Red. Hermann Atorff, Bergisch- Gladbach schreibt uns: . - „In einer Sitzung des Spruchgerichts für Mietsachen im Regierungsbezirk Köln, also einer öffentlichen Gerichtssitzung, ereignete sich folgendes: Der Vertreter der einen Partei in dieser streitigen S^che, Rechtsanwalt Potthast, wohnhaft in Köln, an den Dominikanern 2, sagte an die Adresse des Vorsitzenden des Spruchgeriphtes, den Notar Niesen, Bergisch-Gladbach, Paffratherstraße, u. a. folgendes: „. . . es kann meinem Mandanten nicht zugemutet werden, mit einem Juden unter einem Dache zu wohnen . Notar Niesen hat nicht, wie * man erwarten sollte, den Anwalt aus dem Saal gewiesen. Ein kleiner Behördenängestellter aber, ein ehemaliger politischer Verfolgter, wies die Worte des Anwaltes auf das schärfste zurück. Herr Markus, der in dieser Streitsache die. jüdische Partei war, hat gegan den Anwalt Anzeige erstattet Außerdem ist der Fall dem Vorsitzenden der Rechtsanwaltskammer in Köln und dem Justizminister von . Nördrhein-Westfalen zur Kenntnis gebracht worden.“ , - * . . . Wir sind neugierig, 7 ob die Anwaltskammer, Köln, es für angebracht hält, einen Anwalt, der es heute noch Wägt, diesen politischen Standpunkt zu vertreten’, weiter in ihren Reihen zu dulden: ' Wir glauben mit Sicherheit* daß der Justizminister von Nordrhein-Westfalen - nach erfolgter Nachprüfung dieser Sache, die .notwendigen Konsequenzen ziehen wird. / (D. Red.) teilweise verschieden urid insgesamt so unzulänglich wie das. Entnazifizierungsverfahren. Manche haben sich nicht um eine Anerkennung beworben. Auf der änderen Seite haben sich einige eingesehlichen, die nicht als Verfolgte anzusprechen sind,, die Säuberung von diesen Elementen wird mit Nachdruck betrieben. Die wirklich 'Verfolgten aber sind die Repräsentanten des Anderen Deutschland, dessen uneingeschränkte Anerkennung wir ^on den Siegermächten, vom Auslande überhaupt, immer noch'erwarten: Daß wir sie hald spüren, ist ein besonders dringender Wunsch an dem Tage, der dem GedCnken der ‘Millionen Opfer des'; Nationalsozialismus geweiht ist. Doch auch den überlebenden Verfolgten ist eine schwere Aufgabe gestellt. Sie, die damals Ohne Unterschied der Partei oder Konfession einig waren im Kampfe gegen ein fluchwürdiges Regime, sie sind heute berufen, in der gleichen Einigkeit züsammenzustehen im Kampfe um ein neues, besseres Deutschland. Sinn ihres Daseins ist heute wie je, dais Trennende zu beseitigen und das Einigende zu fördern. Darin liegt ihre Verantwortung. Nur wenn dieses hohe Ziel beharrlich erstrebt wird, sind die Millionen Todesopfer nicht umsonst gebracht, (aus: ,,Rheinische Post“,' DüsSeldprf) Synagoge soll Theater werden In Köln hört Wn jetzt allenthalben, daß auf deni Grundstück der zerstörten Synagoge in der Roonstraße ein Theater gebaut werden soll. Es werden Stimmen laut, die es als wenig geschmackvoll bezeichnen, auf solchem Boden eine Unterhaltungsstätte zu errichten. Andere fordern, die Schaffung neuen Wohnraums vor dem Bäu ein'es weiteren Theaters.' Wir haben dieser Tage den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde über ihren Plan „Die- Synagoge soll ein Theater werden“ befragt und fügende Auskunft erhqjten: Am 9, November 1938 Wurde unsere Synagoge, die 1500 Menschen faßte, zerstört. Ein Aufbau als Bethaus wäre überflüssig, weil heute nur 64Ö Juden in Köln wohnen. Nur diesem verschwindend . kleinen Teil ist es gelungen, sich vor den Verfolgungen während der nationalsozialistischen Zeit zu retten. Vor 1938 hatte Köln 17.0Ö0 Jüdische Einwohner. Uns bewegen, so sagte der Vertreter der jüdischen Gemeinde, heute andere. Probleme als’ der Aufbau unserer zerstörten Synagoge. Wir müssen unseren Glaubensgenossen helfen, sich Wieder menschenwürdig einzurichten. Sie haben ja alle ihr Hab und Gut verloren. Die Synagoge in der Roonstraße ist zum großen Teil zerstört. Durch Plünderungen beläuft sich der Schaden auf 'über eine viertel Million Mark. Deshalb haben wir uns gefragt, . was eher zu verantworten sei, die Synagoge weiter verfallen zu lassen oder sie nach Wetterfestmachüng als Kulturstätte auszubauen. Im Herbst vorigen Jahres haben wir deshalb mit der „Rheinischen Theater-Betriebs-GmbH.“ einen Pachtvertrag geschlossen und dabei schriftlich ausdrücklich festgelegt, daß die Pächterin dafür verantwortlich ist, das Niveau des Instituts auf einer Höhe zu halten, das etwa dem der früheren Gürzenich-Veranstaltungen entspricht. Die Stadtverwaltung setzten wir von diesem Pachtvertrag in Kenntnis. Um so erstaunter sind wir jetzt, daß heute innerhalb der Stadtverwaltungbehauptet wird, die Synagogengemeinde Köln würde versuchen, auf Grund der zugebilligten' Erlaubnis zur Vornahme von Sicherungsarbeiten, ugn den weiteren Verfall' unserer Synagoge zu verhindern, eine „Vergnügungsstätte“ zu errichten. Wir haben unser Grundstück lediglich zur Erbauung eines güten Theaters verpachtet, das die Aufführungen * in der Aula der Universität ergänzen gönnte. - („Rheinische Zeitung“, Köln.) DÜSSELDORF Zur Beachtung! Der berüchtigte Gestapo-Agent W a 1 d b i 11 i g, der an den Judentransporten maßgeblich beteiligt war, befindet sich - im Internierungslager Recklinghausen. Um ,zu vermeiden, daß Waldbillig. vorzeitig aus dem Internierungslager entlassen * wird, ist es Pflicht eines jeden, der irgendwelche belastende' Aussagen machen kann, diese bei dem 6. Polizeirevier, Polizeipräsidium Düsseif dorf, zu Protokoll zu geben. Synagogengemeinde Düsseldorf ,gez. Julius Dreifuss, 1. Vorsitzender. KÖLN , Am ,31. August fand in Köln das erste Inter-, zonen-Sportfest' statt. Vor einer großen .Zuschauermenge wurde ein: Fußballspiel zwischen der Marinschaft des. „Hakoah“ (Berlin) und der des SC. Maccabi (Köln) ausgetragen,. : das 3:3 endete. Nftch dem Spiel wurden alle Teilneh- .mer und Gäste im Hotel „Schweizer Klause“ bewirtet. Danach hielten der 1. Vorsitzende; der Gemeinde Köin, Moritz Goldschmidt, der Leiter - der Berliner Gäste,' ' Leo Fiedler und der Vorsitzende de?, SC. Maccabi Köln, Karl Lichtenstein, * Begrüßungsansprachen. Als Abschluß der Festlichkeiten veranstaltete der SC. Maccabi-'am 3. September eine Dampferfahrt, an der ungefähr 600 Personen teilnahmen. Für Unterhaltung hatte der SC. Maccabi vortrefflich gesorgt. Bei' der Rückkunft in, Köln erwarteten die Berliner. Gäste bereits die Autobusse und sie verabschiedeten Sich mit den Worten: „Ihr habt uns aufgenommen, wie wir es nie erwartet haben, wir sind tief in Eurer Schuld und erwarten Euch baldigst in Berlin, um unsere Freundschaft zu vertiefen.“ ( Die vorgesehene Vier-Zönen-Tagung des Maccabi-Weltverbandes konnte nicht .-stattfinden, da die' führenden Männer durch die Ereignisse der, „Exodus 1947“ abberufen worden waren. - . Der SC.' Maccabi Köln dankt aßen, die an dem guten Gelingen des Treffens mit den Berlinern beigetragen, haben, herzlichst. Kali. M..GLADBACH Unserem Gemeindevorstand ging ahläßlich der Zwangslandung der 4500 Juden der „Exodus 1.947“ ein Telegramm zu, dessen Veröffentlichung uns deshalb notwendig erscheint, weil aus dem Inhalt zu ersehen ist, daß die „Exodus“-Angelegenheit nicht nur in Jüdischen, sondern auch in deutschen Kreisen Anteilnahme gefunden hat * „Als ehemaliger politischer christlicher Gefangener ist es mir ein Bedürfnis, Dir und al- -len Juden in Deutschland mein tief empfundene« Mitgefühl' für das Schicksal und-„ die Behandlung der ’ „Exodus “-Flüchtlinge auszusprechen.“ Gleichlautende Telegramme gingen an WN Düsseldorf und Hamburg sowie an Jüdische Gemeinde, Hamburg und Central Jewish Committee Lübeck. Erbitte . Weiterleitung mit 'vollem Hamen an Gemeindeblatt sowie Karl Marx. Bitte um telegraphische Anschrift Bergen. — F? Lothar . Beyer, Hamburg 1, An der. Alster* 65.“ Gelegentlich f des Rösch haschonöh-Gottesdienstes /hielt Siegfried Lö wenstein eine Rösch haschonöh-Ansprache, in der er u. a. folgendes sagte: „. . i. und. letzten Endes richten wir unsere Blicke auf die Tage des kommenden Jahres. Ein dichter Nebel umschleiert unseren Blick und wir gehen einer ungewissen Zukunft entgegen. In einer Zeit, wo man erwarten dürfte, daß die Erfahrungen der Jahre von 1933 bis 1945 die Menschheit geläutert hätte, treibt der Antisemitismus wieder von neuem sein Unwesen und es geschehen Dinge, die einem anständigen Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Man beschmutzt wieder jüdische Bethäuser und schändet jüdische Friedhöfe. Wahrlich, wie tief muß die Moral eines Volkes gesunken' sein,~ welches die Pietät vor den Toten vergißt. Und wenn man dann den Einwand hört, es seien nur Einzelaktiönen gewissenloser Elemente, die von der Gesamtheit nicht gebilligt werden, so* muß demgegenüber ausdrücklich gesagt werden, daß diese Gesamtheit bis heute. noch nichts unternommen hat, diese Schandtaten zu. unterbinden; sie ist daher für diese, mitverantwortlich. Wir aber nehmen alle -Prüfungen ..und Ungerechtigkeiten geduldig hin und vertrauert auf den Schöpfer aller Menschen, der uns geboten hat: ’ ■ •'; Ami mahse odom Birzau'nau — Ich schuf den Menschen nach meinem' Willen, lischup kiwisi b'itau — Meine Hilfev kommt zur rechten Zeit. , ' DORTMUND . Es wird-dringend vor der nachbenannten und wie folgt beschriebenen Person gewarnt: DipL-ing. Eddy I zier, ca 35—40 Jahre alt, etwa 1,80 na groß, trägt randlose Brille, glatt rasiert, dunkles;. gescheiteltes Haar, volles rundes Gesicht, gut-gekleidet, spricht mehrere Sprachen (polnisch; englisch,;1 französisch, deutsch, bedient sich nach, Bedarf auch der jiddischen Sprache), kann ,evtl. auch unteranderem. Namen äuftreten. Izler war durehu-die Militärregierung angeblich wegen verbotenen1 Uniformti agens und Grenzüberschreitung zu einer mehrmonatigen Ge- - fängni§strafe verurteilt worden. Nach seiner Entlassung suchte er die Jüdische Gemeinde in Dortmund auf und erhielt auf Grund seiner Behauptung, polnischer J ide zu sein, auf seine Bitte hin einige Unterstü+zungen, um alsdann .schon nach wenigen Tagen mit unbekanntem Ziel zu verschwinden. Wie , nachträglich festgestellt wurde, hat er sich in Dortmund bei zahlreichen Privatleuten Gelder und andere Dinge erschwindelt. Falls er -irgendwo« auftauchen sollte, so bitten wir, ihn. durch die, Polizei festnehrnen za lassen. Lahdesverband der jüdischen Gemeinden / Westfalen. HAGEN % - Am 23. August .fand in Hagen ein Gemeindefest statt, lu' dem wir unsere Mitglieder sowie die näheren Artgehörigen eingeladen hatten. Das. Fest erfreute sich einer sehr zahlreichen Beteiligung und konnten wir zu - unserer großen Freude als besonderen Ehrengast Herrn E d S t e i n von der Jewish Agency" for J Palestine begrüßen, der die Gelegenheit wahr- ' nahm, .einen sehr interessanten Vortrag über die augenblickliche Läge in Palästina zuhalten und gleichzeitig die Verbindung mit unserer jüdischen. Jugend aufzunehmen. Bei Kaffee, - Kuchen und einer sehr guten Musikkapelle, verbunden mit Darbietungen unserer jüdischen Künstler verging die. Zeit recht schnell. Nach dem Abendbrot , bot sich der Jugend noch reichlich Gelegenheit zum Tanzen. Als dann die Teilnehmer zur spä-, ten Stunde auseinandergingen, hatten sie alle, den* Wunsch, recht bald wieder als Gäste der jüdischen Gemeinde einige frohe Stunden zusa'mmen zu verbringen. BOCHUM Die jüdische Religionsgemeinde Bochum konnte nach Heber Windung größer Schwierigkeiten am Vop^end des Neujahrsfestes ihren neu hergerichteten Betsaal seiner Bestimmung übergeben. Die Einweihung ist einem spateren Zeitpunkt Vorbehalten. BIELEFELD Herr Otto Rosenbei;g, Sohn des verstorbenen. Sanitätsrat Dr. Rosenberg, der im Jahre 1935unter dem, Druck der 'Verhältnisse nach Schanghai emigrierte, kehrte; nach Bielefeld zurück. Derselbe schilderte'im Büro unserer Gemeinde seine. guten* Eindrücke , von Schanghai und machte Mitteilung davon,' daß sehr viele Glaubensgenossen von Schanghai, nach Amerika weiter wanderten. HANNOVER Anläßlich einer Gedenkfeier auf dem Jüdischen Friedhof in Bothfeld am 13. September hielt Theodor: IJohenstem. eine Ansprache, die wir hier auszugsweise 'wiedergeben „6 Millionen ermordete Juden, 4300 ermordete jüdische Bürger der Stadt Hannover, das ist die Bilanz des 3. -Reiches, belastet mit einem Gebirge an -Leid, belaste^ mit der unendlichen Angst, - die uns den Schlaf raubte, belastet mit den Schreien unserer Seele, die aus jedem Geräusdh, jedem Klingelzeichen auf schrie, da 4 die 'Häscher bei Tag und Nacht, Stunde um Stunde mit Wollust und satanischer Freude uns abzuholen kamen zu. den Gas- und Folterkammern der Gestapo.: Hannoveraner, habt Ihr vergessen' die Schreie, die aus den Kellern, der Judenhäusem drangen, nachts, als die Gestapo mit Knüppel und Peitsche fl ihre sadistischen Gelüste auf den nackten. Körpern unserer jüdischen Frauen und Männer austobte? Wir haben sie nicht vergessen, die Nächte der Schande, der Qual und Vergewaltigung! ' Angesichts dieses Krematoriums auf diesem Friedhof sehen wir den Rauch aufsteigen aus den Krematorien von Auschwitz und Belsen, den Rauch aüs der Danteschen Hölle, der die Seelen unserer Schwestern und Brüder, unserer Väter und Mütter, unserer Frauen, Männer und Kipder in den Hifrimel blies. Ströme der Liebe, des Rethts, der Gerechtigkeit .und des Verständnisses sind nötig, diesen* Ozean voll Blut auszuwaschen. , Aber die Quelle des Rechts ist heute, 2 % Jahre nach der Befreiung, noch nicht erschlössen. Heute noch warten die Opfer des Nazismus', warten auch wir Juden auf unser Recht, auf das Recht, gleichberechtigt zu leben ... „Antisemitismus ist die bösartigste Waffe der Reaktioh und des Faschismus. Die Geschichte zeigt, , daß der Antisemitismus immer das Vorspiel ist zu einem Angriff auf die Lebensgründlagen und der Anfang -vom Niedergang eines äntisemitischen Volkes.“ Dies steht in der englischen Zeitung .„Reynold News“ (London). Die Welt beobachtet den Stand der Waage der deutschen Schuld und Sühne. Sie kennt besser als die Deutschen den Film „Die Todesmühlen“, sie kennt aber auch das, was vorher geschah und nicht gefilmtwerden konnte. Und trotzdeni lehnen wir eine Kollektivschuld ab, denn wir wissen, daß es unter dem deutschen Volke -Menschen £ab, die ' keine Schuld auf sich geladen haben, Menschen, die die wahrhaften Deutschen waren, Menschen, die die deutschen .Tugenden besassen und die für ihren Glauben, für ihre Ueberzeugung und für ihre Hilfsbereitschaft leiden mußteg* die wahrhaften Helden, der 1000 Hitler jahr-e Hier unter diesen Grabhügeln liegen sie, hkr um uns steht das kleine Häuflein der wahrhaften Deutschen, die sich zu uns bekennen, die um; Kameraden waren in den Konzentrationsla-; gern, die. uns glauben ließen, daß wenigstens ein Teil des deutschen Volkes nicht verseucht und verderbt ist . .». Unser Blut ist nicht umsonst geflossen! Aus einem Feind ist ein Freund geworden! Dies ist unser Weg, dies ist der Weg, derzur Frieden führt in der Welt und in Europa. ., * Friede sli mit Euch, ihr Kameraden, die ihr. mit uns gelitten, mit uns geteilt und mit uns gestorben seid. Herr, gib auch uns Frieden!“ ..... ..mim.. Die Jewish Relief Unit hat in den verflossenen Monaten versuchsweise ganztägige Sprechstunden in verschiedenen größeren jüdischen Gemeinden Westdeutschlands, so 'in Köln, und Dortmund, abgehalten, um Gemeindegliedern dieser Bezirke Reisen nach Düsseldorf (9-2 Jewish Relief Unit, B.A.O.R.) zu ersparen. Da sich solche Sprechstunden .als . praktisch und', nützlich erwiesen haben, ist es geplant, in den nächsten Monaten weitere ähnliche Sprechstunden in verschiedenen Bezirken abzuhalten. MERKUR-DROGERIE UND FARBENHAUS Hi. Keulen - Düsseldorf STANDARD« GROSS «TANKSTELLE Gjuäeßis^ße 137, Ruf: 13471' Straße it, Ruf f 24860; Verballungen Düsseldorf, Graf-Adolf-Str. 49/53 (Sartoriushaus) Ruf 14277 (nach 18 Uhr: 52075) EOUA fip kUP E