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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-09-24 · 12 (24.9.1947) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
12 (24.9.1947)
Date
1947-09-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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'*2. Jahrgang — Nr. 1? JÜDISCHES GEMEINDEBL ATf FÜR DIE BRITISCHE ZONE 24. September 1947 Seite 3 Förderung jüdischer Gelehrsamkeit: Auf dem Berge Scopus Es ist ein Gefühl des Stolzes und der. Dankbarkeit, zu wissen, daß inmitten der palästinensischen Wirren dieser Zeit die große jüdische Kulturstätte . auf dem Scopus, deren Schaffung von Professor Chaim Weizmann schon während des ersten Weltkrieges ins Auge; gefaßt war, unbeeinträchtigt ihre Arbeiten fortführt und ihre Aufgaben ausweitet. Das Institut erfüllt mit seinen jetzt ungefähr ' 1Ö00 Studenten drei wichtig Funktionen: es ist von hoher Bedeutung für Palästina und die Juden in Palästina, aber darüber hinaus für die Juden in der Welt, und schließlich, Allgemein, für. die Weltder Wissenschaft und Forschung. Die Hebräische Universität in' Jerusalem ist heute das Bollwerk der - hebräischen Kultur; Sie bildet Lehrer und geistige Führer heran; sie leistet wesentliche Forschungsarbeit und ist als Forschungsinstitut im ganzen Nahen Osten anerkannt. Selbst Studenten , aus den Vereinigten Staaten haben vor nicht allzu langer Zeit ihre Studien in Jerusalem aufgenommen. Die bemerkenswerteste Neuigkeit auf dem Gebiete des'Ausbaus dar Universität ist die allmähliche Schaffung einer regelrechten medizinischen Fakultät, die jetzt"'erst in ihren Anfängen vorhanden ist und Möglichkeiten, des Studiums der. Biologie, der Chemie und der Physik bietet. ' ' Erhöhte Bedeutung kommt heute, nach der Zerstörung der meisten jüdischen Hochschulen auf dem 'Kontinent, dem „Institut für jüdische Studien“ zu, das eitlen bedeutsamen Bestandteil der Universität bildet. * Diä vön der Hebräischen Universität im vergangenen Kriege geleisteten Forschungsarbeiten - waten von größtem Wert für die Alliierten, aber darüber hinaus für die Menschheit überhaupt. . . .In vielen Ländern der Welt gibt eS heute „Vereinigungen der Freunde der Hebräischen Universität“; eifrig am Werke; dem großen Bildungs- und Kulturinstitut auf dem Berge. Scopus immer mehr Geldmittel zufließen zu lassen. Im Geschäftsjahr 1946/47 der englischen „Freunde“ wurde z. B. eine Stiftung von 30 000 Pfund gemacht, von denen ein Drittel zur. Errichtung eines neuen .Flügels des Bihliotheksgebäudes verwandt wird, während die restlichen zwei Drittel im Laufe der nächsten Jahre der Förderung biblischer Studien, insbesondere der Herausgabe eines Bibelkommentars dienen werden. Der Jahresetat ,ifder Universität beträgt jetzt 400 000 Pfund.;—th— tiiiminmiiiHiiiiii::::tiiiiiiiiiii!imiiiiiiiiiiu>M!iimiimii|imiimminiiiiiiiMiii»iiiiiiiHiiiiiiifiii NEUE BOCHER Ajfred Philipp so n: „Land und See der Griechen“ (Ferdinand Dümmlers Verlag, Bonn). Der Verfasser, . der Altmeister der Geographie; lehrt seit seiner t Rückkehr aus der Deportierung nach Theresienstadt wieder an' der Bonner Universität. Heinz Ullstein: „Antisemitismus“, ein Aufsatz, veröffentlicht in Nr. 7 der „Nordwestdeutschen Hefte“ (Verlag Hammerich u. Lesser, Hamburg)." Leonard Ragaz:. „Israel, Judaism, and Christianity“* (Verlag Victor Göllancz, London). . - I s a a c B reu e r: „The Problem, of the Jew“ (Aguda Israel, New York). Eine verkürzte Ausgabe des. Buches „Das Judehproblem“. Breuer ist der Enkel von Samsdn Räphal Hirsch. Robert Collis und Han H ogerzeil: „Straight Oh“ (Verlag Methuen, London). Cöllis, ein irischer Kinderarzt, wirkte in Belsen kurz nach der Befreiung; ein Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Kinder- * krankenhaus in Belsen. m FRANZ riEITGRES: Ich danke dem Herrn Senator Hartenfels für die einleitenden Worte; ich danke insbesondere dem Senat und der Bürgerschaft, daü sie das Protektorat für die Gedenkwoche übernommen haben. Ich weiß, daß' es eine Selbstverständlichkeit ist, der Toten zu gedenken, die aus Ueberzeugung, aus eigenem Antrieb und als Bekenner für das Gute im Kampf gegen das Schlechte gefallen sind. Sie sind alle unsere gemeinsamen Toten, nichts trennt die Menschen;- keine Weltanschauungen, keine Konfessionen, keine Rassen können die Toten trennen; sie sind die gemeinsamen Toten des anständigen Deutschlands; des anderep Deutschlands,' das wir heute errichten. , Gestatten Sie mir, daß ich -Ihnen zu Beginn eine kleine Fabel erzähle:’ Es war ein Dorf.'In diesem Dorf lebten , die Einwohnerfriedlich lind hatten die Errungenschaften der Kultur ihy eigen genannt. Dieses Dorf lag am Rande eines. Waldes. In diesem Wald müßte irgendein- Raubtier hausen, denn jede Nacht brach dieses Raubtier in das Dorf ein - und raubte ein Kind. Aber das Dorf setzte sich nicht zur Wehr; Das Raubtier wurde frecher, und garstiger und unbezähmbarer in seiner Blutgier; es holte auch Erwachsene und holte mehr und mehr, Menschen. Panik und Angst ergriff das Dorf, Angst vor diesem Ungeheuer, aber nicht Kampf dagegen. — Am anderen Ende des Waldes war ein anderes Dorf. Das Raubtier Wurde gieriger und fiel auch über dieses Dorf her, brach ein und überfiel dort die Menschen. Aber dort sammelten sich die Menschen, sie bewaffneten sich mit Knüppeln, fanden-sich zusammen-und eines Nachts ging die Hetze los und als das Raubtier kommen wollte,., wurde es verjagt, durch den. Wald gejagt bis kum anderen X)orf, wo es zuerst gerauht hatte und dort mitten auf dem Marktplatz dieses ersten Dorfes wurde dieses blutige Raubtier erschlagen -und .nunkämen sie aus ihren Verstecken, die ' Einwohner" dieses Dorfes und bestaunten dieses Raubtier,. dieses garstige, ja, dieses zottige wilde Tier, das mit 'fletschenden Zähnen dalag und alle sagten bestürzt: Daä ist, das Ungeheuer, das Unsere Kinder, unsere Liebsten geraubt hat. . Wir haben es gar nicht begriffen, wir haben es gar nicht gewußt; das haben wir noch gefüttert, dem haben w.ir'noch jeden Tag neue Nahrung gegeben; wir haben ihm Beifall gezollt für alles was es getan hat und so stand ohnmächtig das deutsche Volk, . nicht begreifend, was es. w£ir und sagte am Ende des Dritten Reiches.: Wir haben es nicht gewußt und hatten selbst das Raubtier großgezüchtet. Und so Wollen wirdie Blicke auf die Dinge von heute werfen, [ nur vergleichend', und erkennen, daß es uns, die wir als Opfer des Faschismus, als die wenigen Ueberlebenden, zurückgekehrt sind von unseren toteri Kameraden mehr oder weniger aus dem Jenseits ins Diesseits, eine Pflicht ist, nicht mit dem Gedanken von Angst und Rache in Deutschland und die Welt einzukehren, sondern daß es unser Bestreben ist, nur dieses Erwecken, dieses Erwachen dem Deutschen und der Welt verständlich zu machen. Das sei,der Sinn dieser Ausstellung, das Motiv dieser Ausstellung und wenn Sie sehr viele Bilder über Opfer sehen, wenn. Sie Anschauungsunterricht beitiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiMiiitiiiU!iiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiintiiiiiiniiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiMtiiiiiiiiiii::::iiiiHiiiiiiiriiiiimiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiimimimiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii!ii!imimmiiiiiMiiiii Dr. S. SCHAPIRA-(Tel-Aviv): NATANIÄ Eine Stadt von 20 000 Einwohnern,- die noch 'offiziell „Moshäwa“-Siedlung heißt, 35 km nordwestlich von Tel Aviv) . Zentrum und „Hauptstadt“ des „Emek Hachejfer“, gegründet durch den Vater des jetzigen, berühmten Bürgermeisters Ben. Ami, namens Nathan. Die Stadt hat letztens historische Bedeutung bekommen uz, im Zusammenhänge mit deiri.Belagerungszustände und Aufhängen 1 der zwei britischen Unteroffiziere durch’ die IZL-Organisation. / ■’ .. . ' . v Schon bei der Einfahrt'- in die Ortschaft gewinnt man den Eindruck, daß man in einen modernen Kurort gekommen ist. Die modernen Kwishim wie Autostraßen, die Wunderschönen neuzeitlichen Häuser und Villen, moderne Hotels und Pensionate verraten den feinen Geschmack und die besten Kenntnisse der hiesigen Architekten. Däs Auge des Besu-. chers entzückt Vor allem der Stadtpark „Gan- Melach“ genannt. Er erstreckt sich auf ein riesiges Terrain, - das nicht lange vorher noch kahler Felsen war. Dieser felsige und sandige Boden wunde mit Händen von Juden, früheren Händlern und Kreislern, — nivelliert u. beiyäs-„ sert. Bäume, Pflanzen, Blumen von aller Welt schmücken. den Park. Riesige-Rasen, schattige Alleen, künstliche Reiche, Spielplätze, Ruhegäßchen, Bänke und natürliche Sitzgelegenheiten geben den Besuchern göttliche Erfrischung für Leib und Seele. Ein großes, bis zürn 'Meeresstrandhinunterführendes Amphitheater, /mit von . Steinen speziell, ausgepflasterten Sitzplätzen für mehrere hundert Personen, geben den Besuchern des Parks dje wunderbare Möglichkeit, jeden, Abend alltäglich und Samstag abends - speziell, den Blick aufs, weite Meer zu werfen* die Nerven ausziiruhen und den einzigartigen, weil nur zwei Minuten . dauernden Sonnenuntergang, bei entzückendem Konzert (Stadtmusik oder Radio) zu beobachten. Neben dem Stadtpark führt ein durch die Felsen kunstvoll durchgebrochener, gemauerter, Treppenweg, zum Strand und züm Meer hinunter./ Daß der Strand mit Schwimmschule, Rettungspunkten, Booten, Restaurants und L’egestühlen aüsgestattet ist, Wäre nur nebenbei zu ' erwähnen. Kein Wunder^ daß der an der Spitze dieser Gemeinde seit Jahren stehende. ■ Ben Ami, der der Iniziator dieses prachtvollen Ausbaus ist, bei der ganzep. Bevölkerung sehr beliebt ist. Er war es auch, der in der Stadt die berühmt gewordene Diämantenindustrie * eingerichtet und zur blühenden Entwicklung gebracht hat. Diese. Industrie hat einige tausende Arbeiter, bei höhen Löhnen beschäftigt lind selbst in der Zeit der Depression, wurden die. Arbeiter nicht entlassen, sondern für öffentliche, Arbeiten in der Stadt eingesetzt. So werden jetzt in der Stadt selbst — außer dem Gan Melach, neue große, wunderschöne grüne Anlagen gebaut. kommen, so ist es lediglich nur ein wenig Statistik, ein wenig Einblick in die Dokumente der Verfolgung und noch; viel weniger'Einblick in den Kampf des Widerstandes, da die Töten nicht mehr sprechen können und wir nur. in der Lage sind, ein wenig zu. rekonstruieren von dem Kampf des Widerstandes. Es ist für uns ein bitterer Ernst, heute zu vernehmen, daß , ein Betriebsunternehmer Hamburgs sich anmaßt,, Maßnahmen zur Ermittlung von Kriegsverbrechern* dadurch zu unterbinden, daß er den Aushang hierfür in seinem Betrieb. verbietet. Mit größter Besorgnis nehmen wir apch von dem Freispruch im Bässewitz-—Behr-Prozeß Kenntnis und .müssen freimütig - erklären, daß nach diesem Freispruch des Vertretern Himmlers in Hamburg kein Staatsanwalt mehr Mut haben kann, die nur Befehle ausführenden gS-Leufe zu verurteilen. Die - Besatzüngsmacht muß erkennen, 'wenn ein: Prozeß derart unzulänglich geführt wird, u. .dadurch zwangsläufig ein Freispruch Erfolgt, jeder gutwillige Staatsanwalt in Deutschland nicht mehr den Mut besitzt, die Justiz iri den. Dienst des demokratischen Staates zu steilem Nachdem Bassewitz—Rehr nicht im -ersten Neuengammer-Prozeß mit zur Verantwortung gezogen worden ist, verlangen wir, daß er vor ein deutsches Gericht -gesteht und äbgeurteilt wird. ‘ Jede andere Form, Verbrecher Zur Verantwortung zu ziehen,. würde auch bei der Jugend kein Verständnis finden, und wir .werden diese Jugend nicht für eine1 Demokratie: gewinnen, da' sie keine ist. Es, ist auch 'mit. Bedauern -festzustellen, daß die deutsche Presse noch . . Wir müssen-Geduld haben und dürfen nicht die Nerven verlieren, wenn in irgend einem Saale einmal -ein Zwischenruf ertönt, der uns etwa nur zeigt, daß, dieser Mensch, der sich von seinem Zweifel befreien wollte, .nicht genügend* unterrichtet war. Wir wollen ihn nicht mit Gewalt und Autorität bekehren, , sondern", versuchen, in freundschaftlicher Art ihm' unsere Gründe, die auf Wissen und Erfahrung beruhen, ■ auseinanderzpsetzen. Ein Beispiel dafür, daß dies gelingt, zeigt folgender Vorfall: - , * Wir haben in Frankfurt a. M. ein „Forum - Acadeffiicum“ geschaffen, in welchem auf einen Vorträg eines Gelehrten > freie Aussprache aus dem .Publikum, das aus Studenten und ' Nicht-Akademikern bestand, folgte, oft anfangs etwas holprig und uiigeübt, später besser. An einem Abend sprach der Rabbiner Dr. Ne uh aus *) über den Talmud.' Die große Versammlung war von dem wissenschaftlich wie rhetorisch hervorragenden Vor- Resoluiion der Israelitischen Kultusgemeinden Bayerns, Württemberg-Badens ünd Hessens zur Zwahgsaussßhiffung in Hamburg Die am Sonntag, dem 7. September in Stuttgart versammelten Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden Bayerns, Württemberg-Badens und Hessens erklären namens der in der amerikanischen Zone wohnhaften Mitglieder, der Israelitischen Kultusgemeinden vor. aller Welt ihren flammenden Protest gegen die. brutale Rückführung der jüdischen Mitbürger, die in das Land ihrer Sehnsucht, nach Palästina, gehen wollten und mit Waffengewalt nunmehr nach Deutschland zurückgebracht wurden. Sie bedauern, daß eine Nation wie die englische, die berufen ist, für Demokratie, Humanität und- Verwirklichung der* Menschenrechte einzutreten, sich in einer. Weise den jüdischen Mitbürgern gegenüber benimmt, die. wohl das allseitige Befremden’ aller ehrlichen Demokraten erregen kann. Die Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden in der amerikanischen Zone sprechen ihren Brüdern, die sich auf den Schiffen.befinden, ihre Bewunderung und Anerkennung aus, und geben der Hoffnung Ausdruck, daß @s ihnen vergönnt sein möge, bald in ihr Land gelangen zu können. Wir protestieren mit aller Energiedagegen^ -daß man. sie gerade nach* dem Land zurückbringt, in dem sie zum weitaus größten Teil ihre, Angehörigen verloren haben, oder, in brutalster Weise mißhandelt Worden s|nd. Wir — .als deutsche- Juden — .empfinden diese Maßnahme als einen besonders harte und ersuchen die demokratischen Regierungen der Welt, auf ., die englische Regierung einzuwirken, das Recht der Ueberlebenden des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte nicht durch Gewalt zu unterdrücken. immer nicht begriffen hat, wie sie ideologisch Abkehr vom Vergangenen halten muß. Wenn beispielsweise eine Hamburger Zeitschrift aus der Feder eines geistig aufgeschlossenen Menschen Vergleiche abdruckt, die SS-Verbrecher und apolitisch - Verfolgte gleichstellt, so geht diese Presse nicht den Weg einer -demokratischen Erziehung. Wenn auch aus dem Kreis der Verfolgten der Eine oder der Andere Fehler macht, so ist ihr Fehler nicht zu verallgemeinern. Deif Unterschied besteht aber darin, daß die Verbrecher von, gestern im Staätsauftrage;, handelten, während die jetzigen kritischen Punkte nur ihre Ursache in menschlichen Unzulänglichkeiten finden; ' Es ist aber deutlich darin zu. unterscheiden* daß SS-Leute oder weiterhin in nationalsozialistischer Ideologie befindliche Menschen es sind, die 'jüdische- Grabmale, schänden, aber, nicht Juden sind es, die die Grabmale der- SS-Leute vernichten! So dürfen wir auch nur das - unbewußte und bewußte geistige Verbrechen der - jetzt * Verantwortlichen, aber auch der gestern Wirkenden ■ betrachten. War es nicht Ernst Jüäger, der mit seinen Schriften die Jügend irreleitete? Aber ist es nicht das größere Verbrechen Emst Jüngers und seiner geistigen Schüler, auch heute noch nicht einzusehen, welche Fehler sie begangen haben? Diese Einsicht und die Umkehr würde sie erneut berufen, der Jugend1 auch den besseren Weg zu zeigen. So, sei es auch die Aufgabe der heute eröffneten Ausstellung, aufzuzeigen, wie der einzelne Mensch zum Verbrecher wurde, wie aber auch andererseits der anstäpdige Mensch seine-, Pflicht des1 Widerstandes erfüllte. ' Sie sehen die Dokumente der Schande, das ist das Gesicht dös gestrigen Deutschlands; sie sehen aber auch die Dokumente des Anstandes, das. ist das- Bild der aufrechteh Kämpfer und währen Verteidiger des Vaterlandes. Dieses andere Deutschland will auch heute nicht schweigen und' beispielgebend sein. Nicht Haß und Rache erfüllt die Kämpfer des Widerstandes, sie wünschen nur, daß jeder anständige Deutsche , seine ,Pflichten erkennt ünd bereit Ist, auch seinerseits für das bessere Deutschland, für die Verwirklichung der De-i mökratie zu kämpfen. , trag hingerissen. Man hatte gehört, daß eine kleine Studentengruppe vorher geäußert hatte:'' ,Heute werden Wir Krach machen“. Als dieser Krach dann ausgeblieben war urid man die Herren fragte, warum Sie stillgeblieben seien,, bekam-man die Antwort: ,Wir sind durch die-;, ■sen Mann überzeugt worden^ Sollten wir nicht von dieser kleinen, Erfahrüng lernen und das Maß von Geduld äufbringen, das in solchen Krisenzeiten mit' der Durcheinanderschüttelung nicht nur. der Menschen von einem Land ins andere, sondern auch der geistigen Durcheinanderschüttelung durch Propaganda und Zwang notwendig erscheint, wenh wir, ohne größere Erschütterung zu einem gegenseitigen Verstehen, -in 'unserem Volke kommen wollen . , . Aus der Rede von Professor Dr. Georg Hobmann zur Eröffnung der Liudwig-Maximilians-Universität München im Juli 1946. (Im Druck erschienen als Heft 7 der von der Münchener Universität herausgegebenen Schriftenreihe „Kultur swnd Politik“,- Richard Pflaum Verlag, München -1947.) *) Anm. d. Red.; Rabbiner Dr. Neuhaüs wirkte, vor und nach seiner Deportierung nach,Theresienstadt in Frankfurt -a. M. Vor Seiner Berufung dorthin war er in Duisburg tätig. .Vor etwa Jahresfrist ist er nach Amerika ausgewandert. . ' ' Errichlung einer 0RT*Sefcule Es ist beabsichtigt, in der Nord-Rheinprovinz eine ORT-Schule zU errichten. Folgende Fächer sollen gelehrt Werden: , , Schreinerei, Schusterei, . Schneiderei (für Männer und Frauen), Elektrotechnik, Autoschlösserei und Dentisten. ' Um das Bedürfnis hierfür festzustellen, bitten wir diejenigen jüdischen, Menschen, die/sich zur Erlernung oder Weiterbildung in einem dieser Berufe interessieren, sich beim Landes* verband der -jüdischen Gemeinden von Nordrhein-Westfälen, Düsseldorf, Königsallee 27, zu melden. . v Die Konzerlreise Hermann Yablokoffs , beende! ' Mit einer Sonder Vorstellung - zum amerikanischen „Tag der Arbeit* am ,1. Sept im Mühchenqr Schauspielhaus erreichte die fünfmö- .nätige Konzerttour des berühmten jüdischen Schauspielers und Radio-Sängers Herqaann Yablokoff ihren Höhepunkt/ > . Die vom ,American Joint Distribution Committee“ veranstaltete^ Konzertreise führte den Künstler durch Deutschland und Oesterreich, wo über 14000Ö Juden, das heißt fast zwei Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung, deri Darbietungen Yablokoffs beiwohnten. (DENA.) AM MARTIN»LUTHEjgvPLATZ SAM MEX>NUMMER 10871 KREDITS — FINANZIERUNGEN — SPARKONTEN f- AN^ UND VERKAUF VON WERTPAPIEREN

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