Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 12 (24.9.1947)
- Date
- 1947-09-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S&te 4 -r- ZA September 1947 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR D BRITISCHE ZONE l ~Nr. 12 — 2. Jahrganl EINE RECHTFERTIGUNG VICTOR GOLLANCZ Der Politiker, aktive Helfer, eindrucksvolle Schriftsteller tmd fördernde t progressive Verleger Victor Gollancz, London, ist in seinem unermüdlichen schöpferischen Wirkeh in den letzten fünf Jahren immer stärker in die Oeffentlichkeit getreten, Zunächst während des Krieges in England, den alliierten und neutralen Ländern, seit Kriegsende aber . insbesondere in Deutschland. Wir brauchen nicht an die Wirksamkeit .des Menschen und Idealisten Gollancz zu erinnern, aber wir haben auch nicht vergessen, was wir ihn an dieser Stelle (Nr. 23 des ' Gemeindeblattes vom 5. .März d. J.)'f ragten, nachdem er Deutschland nach seinem ersteh Nachkriegsbesuch verlassen hatte, ohne daß er,-unserem Gefühl nach, sich als Jude den brennenden jüdischen Fragen und Nöten unserer Zeit genügend gewidmet hatte. Umsomehr -begrüßen wir' es. daß wir nunmehr in der Lage sind, . seine Stellungnahme, zu Aeußerungen zu veröffentlichen,' die uns und, anscheinend aupn ihm 'voh jüdischer Seite zugegangen sind. Die Red. Meine jüdischen Freunde in London geben - mir zu verstehen, daß meine Haltung gegenüber den jüdischen Gemeinden in Deutschland sowie gegenüber den jüdischen D-Ps. und, ganz allgemein gesehen, Juden gegenüber zu 'erheblichen Mißverständnissen _und irreführenden Auslegungen Anlaß gibt. Und meine Freunde -bitten mich, mich einmal dazu zu äußern und meinen Standpunkt „ klarzustellen. Ich leiste dieser Bitte mit größter Zurückhaltung Folge, weil nichts unerfreulicher ist, ~als sich selbst in dieser Formzur Schau zu stellen. Meine Freunde drängen mich jedoch so sehr, daß ich es als notwendig erachte, ihrem Wünsche zu entsprechen.. Im vergangenen Oktober und November weilte ich'sechs Wochen in der britischen Zone. Man sagt, ich hätte mich während dieser Zeit ostentativ von meinen jüdischen Freunden ferngehalten. Nichts widerspricht der, Wahrheit mehr als das: Ich kam nach Deutschland in meiner, Eigenschaft als Vorsitzender der Organisation „Save Europa Nöw“ („Rettet Europa jetzt“) mit der besonderen Aufgabe,, mich mit unserem Paketversandplan zu befassen, der später , von der Regierung übernommen wurde. Dennoch widmete ich -einen erheblichen Teil meiner Zeit jüdischen Fragen. Nach meiner Ankunft in Bad Oeynhausen besuchte ich zuerst das in der Nähe gelegene Hauptquartier der Jewish Relief Unit, wo ich mich einen ganzen Nachmittag .aufhielt. Von Bad Oeynhausen reiste ich für zwei Tage nach Kiel und fand dort Zeit zu einem längeren Gespräch mit dem Leiter der jüdischen - Ge? meiride, Öfen ich aufsuchte. ' Dann ging ich nach Hamburg und hätte dort an einem Sonntagmorgen eine Besprechung, zu der verschiedenartigste ^jüdische Vertreter aus Hamburg und Umgebung zusammengekommen waren. Ich verbrachte einen Tag in' Belsen. Sogar in 'Celle, däs ich nur passierte, konnte' ich einen Vertreter der dortigen jüdischen D.P.- Gemeindesprechen, Wodurch sich, meine Und meiner Begleiter Reise um einige Stunden hinauszögerte. Her einzige Ort allerdings, woes mir nicht glückte, meine jüdischen Freunde zu sehen, war Düsseldorf. Ich wollte Dr. Auerbach auf suchen, aber ey-war1'leider abwesend. Ich ließ es mir' besonders angelegen sein lassen, dgn verschiedenen britischen Zivilgouverneuren all die,- jüdische Interessen berührenden Fragen vorzutragen, die zu meiner Kenntnis gebracht worden' waren. Mein Deutschlandbesüch im August, d J, hatte einen völlig anderen Charakter: ich reiste zusammen mit zwei Parlamentsmitgliedern,1 die Fahrt dauerte nur zwei Wochen, und meine Aufgabe, für die die Zeit viel zu kurz, . War, bestand darin, mich mit gewissen wirtschaftgtechnischen Dingen, Währungsreform, Export und Import, Preissituation,' Steuerwesen usw., in ihrer tVerknüpftheit mit dem heutigen deutschen Wirtschaftsleben vertraut zu machen. Ich bedauerte es daher sehr, daß ich es diesmal nicht ermöglichen konnte, jüdische Vertreter zu treffen (obwohl ich sie gern gesprochen hätte, wenn sie sich mit mir hätten in Verbindung setzen wollen). Wie ich erfahre, sagt man, daß ich in meiner Rundfunkansprache kurz" vor meinem Rückflug nach England die jüdische Frage nicht erwähnt habe, Da dieser Vortrag unvorbereitet war, habe ich keine Unterlagen zur Verfügung, aber wenn mich mein Gedächtnis nicht besonders schwer trügt, wiederholte, ich bei dieser Gelegenheit das,, was ich kurz vor meiner Abreise von England vor einem großen Kreis deutscher Zivilisten und Kriegsgefangenen in Wilton- Park geäußert hätte, nämlich daß ich den Mord von sechs Millionen Juden als eines der größten. Verbrechen der Menschheitsgeschichte .betrachte.,*) : . Was nun meine Haltung zur jüdischen Frage im allgemeinen angeht, so rhuß ich bemerken, daß ich zusammen mit der verstorbenen' Eleanor Rathbone das „National Committee for Rescrte from Nazi Terror“ („Nationales Komitö zur Rettung voin .Naziterror“) gründete, eine Organisation, die nur Wenige, ich weiß,, nur lehr wenige, vor den Gaskammern und Verbrennungsöfen rettete. Ein großer Teil meiner Zeit von 1942 bis züm Kriegsende war jüdischen Angelegenheiten gewidmet. Meine Broschüre ,„Let My People Go“ war zu einer Zeit geschrieben, als die ersten Nachrichten über den Vernichtungsfeldzüg gegen die Juden durchsickerten, und, meine zweite Schrift aufdiesem Gebiet „Nowhere to Lay Their Heads“, die nach dem Sieg der Alliierten herauskam, vertrat die Forderung* der Oeffnung der Tore: Palästinas für die jüdischen D.Ps. -Ich -habe unaufhörlich allesin meiner Kraft stehende1' in einer nicht immer notwendigerweise -die Öffentlichkeit interessierenden Form getan, den jüdischen Ueberlebenden zu helfen. Vor der Hinrichtung ppv Gruners und der anderen drei intervenierte ich persönlich bei Attlee, , indem' ich ihn batj zweierlei zu tun: erstens die Hinrichtung nicht stattfinden zu lassen und zweitens die Einwanderung nach Palästina sofort zumindest .zu verdoppeln. Ich versuchte, meinen Brief - an Attlee in der Pres-, se als „Offenen Brief an den MinisterpräsK denteh“ zu veröffentlichen, blieb aber erfolglos^ ' ' >. Erst kürzlich wurde ein' Brief von: mir im Zusammenhang mit. den „Exodus“-Schiffen im „Daily Herald“ veröffentlicht, in dem ich u, a. ausführte: ■ - - . ' „. . . Was ist mit dem Gewissen 'der Regierung geschehen? Gott möge ihnen vergeben. Werden sie wirklich ihren, plan, durchführen, diese Juden zwangsweise in Hamburg zu landen und sie dann in Läger zu schaffen, die mit Wachtürmen,' Scheinwerfern und Stacheldraht ausgestattet sind? . . . Wenn* dies geschieht, so haben; wir etwas verloren, wogegen hoher Lebensstandard, Vorteilhafte Handelsbilanzen usw. eine unbedeutende Rolle spielen. \ Ich hasse die Terrorhandlungen in PalästiJ nä, ich verabscheue jegliche Forjn von nationalistischem . Extremismus. Ich glaube leidenschaftlich an Versöhnung. (und besonders von Juden) mit dem deutschen Volk. Aber ich behaupte, daß, diese Juden zwangsweise in ein Land zurückzuschicken,' ,wel-- ( dies, für sie so fürchterliche Erinnerungen birgt, ist entweder ein empfindungsloser Irrsinn oder grausamste Vergeltung: und jedenfalls etwas, das den guten britischen Namen für immer beflecken wird , . Ich glaub.e, der'wirkliche Grund für vorhandene Mißverständnisse und Unrichtige Auslegungen, die ich oben erwähnte, ist in der, Ablehnung meiner Haltung gegenüber dem deutschen Volk begründet. Ich bedauere, daß diese meine Haltung nicht geteilt wird, aber daran kann ich nichts ändern.- Ich muß das tun, was mein Gewissen mir'zu tun gebietet! Es ist. erst ein paar Wochen her. $iaß ein Artikel-aus meiner Feder im „Ob Server“ veröffentlicht wurde, in dem ich auf das erschreckende Wachsen der Tuberkulosefelle in Deutschland hin wies. Um nun! nicht deswegen angegriffen zu werden, möchte ich gleich, hinzüfügen, daß ich einer der , Vize-Präsidenten der „Liga zur Bekämpfung!' der Tuberkulose in Palästina“ bin. Vielleicht darf ich meine ganze Haltung dahin kurz, zusammenfassed, .daß ich - in meiner Stellung zur nicht jüdischen. Umwelt, insbesondere zum deutschen -Volk, versuche, mich als guter Jude zu erweisen, und zwar im Sinne >der; Lehren unserer Propheten. *) Soweit Wir ermitteln konnten, hat Victor Gollancz in dieser Rundfunkansprache, keine Aeüßeruhg zur jüdischen Notlage gemacht. ... D. Red, i Gerda-Ruth Fleischm,ann-Böhm: , Die plötzliche Meldung von der bevorstehenden .Ankunft der ehemalig nach Schanghai emigrierten Hamburger wirkte alarmierend, zu größter Hilfsaktion anregend,, auf die Jüdische Gemeinde in Hamburg* Fäst jeder der Zurückerwarteten hatte Freunde, Verwandte und Bekannte, so daß' sich telefonische" Erkundigungen, oder - persönliche Anfragen in der Gemeinde zu überstürzen schienen. ' Tag und Nacht war man dort in Bereitschaft, die 1939 oder 1940 vor dem* unmenschlichen Naziregime Geflüchteten wieder erwärmten zu dürfen. Ihr Kurs'Wurde von Station zu Station mit Hilfe der für diese außergewöhnliche Situation Verständnis zeigenden Bahndirektion in Altona verfolgt, die ständig die Gemeinde von dem jeweilig von den Heimkehrern passierten Bahnhof in Kenntnis setzte. Am -23. August, um 17 Uhr, trafen endlich, in Harburg-Wilhelmsburg vier Güterwägen mit den Erwarteten, und deren Riesengepäck ein und wurden, wieder zur Erleichterung der. Reisenden, auf ein anderes Gleis rangiert, um sofort abgefertigt werden zu können und eine Umleitung auf einen anderen Bahnhof zu ersparen. -■ ~; Der 1. Vorsitzende der Jüdischen' Gemeinde,' Harry 'Goldstein, und eih weiteres VorstandsniiiimiiiniiiminHMmiiimiiiinnmiiiiiiiiimiiHiiiiiiiMimiiiiiiiiiiii-lüiniuiiiiiiiimmtHiiHimiimiiniiiimiiMriiiiiiHimn'm""" •miiminmiiiiiuHiiiimiiiiiiiiiiniiiiiimiiniiimfiiiiiuimi mitglied, Fritz Rosenberg, hießen die Ankommenden in herzlichster .Weise „Willkommen in. der Heimat“. Spontan kletterten zu diesem Zwecke die Herren in die Wagons .und konnten sich vor Händeschütteln und Umarmungen kaum retten. Jeder der Rückkehrer empfand glücklich, daß größte Fürsorge sich ihrer annehmen werde.' >' , Die von - der vierwöchigen fast ununterbrochenen Reise ermatteten Gesichter belebten sich und strahlten freudig den fünf weiteren Herren der Gemeinde und einer Vertreterin der HIAS entgegen, die ebenfalls unermüdlich auf die Ankunft der Heimkehrer auf dem Bahnsteig gewartet hatten, um zur Hilfeleistung in Aktion treten zu können. Der . Weitertransport ging ohne Unterbrechung .vorstatten; das „Rote KrCuz“ stellte in großzügigster Weis» Wägen zur Personenbeförderung zur Verfügung, und die' enormen Mengen der Kolli und des Kleingepäckes. wurden in Lastwagen, die von der Gemeinde bestellt worden wären, verfrachtet. - v Voh den 26 Angekommenen sind einige gleich am'Wilhelmsburger Bahnhof von ihren Angehörigen abgeholt worden, ' so daß nur noch 15 Personen übrigblieben, die wohltuend die fürsorgliche, Organisation der Gemeinde empfanden ,ünd sichf glücklich und vertrauensvoll in-das neugegründete jüdische Pflegeheim, Sedanstraße, bringen ließen. Porträt eines jüdischen Zeitgenossen: Samuel Sydney Sit verfriann ,,S. S. Silvermann (geboren: 8. Oktober 1895). Er ist ein scharfer, sehr logischer Redner mit leidenschaftlichem Kampfgeist für die Ver-. wirklichung von Menschheitsrechten. Silvermäjnn stammt aus Liverpool, hat 'an der dortigen Universität studiert ynd eine Liverpoolerin geheiratet. (Drei Söhne). Im Privatberuf isf er Anwalt. Ander finnischen Nationalen Universität wirkte Silvermann als Dozent! S. S... Silvermann ist seit 1935 Arbeiterabgeordneter des-' Wahlkreises Nelson und Colne und gelegentlicher Korrespondent der wichtigsten Lokalzeitung. Er. gehört auch zu den Mitarbeitern von „Tribüne“. und „New Statesmari“. Als englischer Parlamentarier ist' S. S. Silvermann ebenso bekannt wie in der jüdischen Welt. Er wurde zum Vorsitzenden des Jewish World Congress (Britische Sektion) gewählt. Bei Pressekonferenzen des Kongresses, informiert er sehr oft die Zeitungsberichterstatter und hat ihnen auch die Friedens-, wünsche des Weltjudentums dargelegt. Ihteressanterweise gehört Silvermann zu den mehr bürgerlichen Zionisten und nicht zur Poale Zion (Zionistische Arbeiterpartei).- Seit Beginn dis Jahres ist Silvermann .viel gereist. Er war in Amerika, der Schweiz, dem Lieblingsferienaufenthalt seiner Familie, Schweden (Kongreßtagung) tmd Paris., Seine drei Deütschlandbesuchegälten hauptsächlich dem Studium''won DP.-Lagern. Immer wenn es um großehumanitäre Dinge geht, wird Silvermanns Stimme, anklagend oder auch fordernd ertönen. „England darf sich nicht zu stark* an den amerikanischen Kapitalismus ketten, sonst wird es im unvermeidlichen Slump mity er sinken.. Auch muß jede übertriebene britisch-amerikanische Bindung Rußlands Mißtrauen verstärken und' damit; die . allgemeine Unsicherheit fördern. In dör palästinensischen Frage sehe ich als einzige praktische Lösung die Teilung, mit dem Negev als vitales-Siedlungsgebiet des jüdischen Palästinas!“ ‘ - (Aus „Die Rebellen im englischen Unterhaus“ von A. J.'Fischer, veröffentlicht in „Europäische/ Rundschau“, . Jahrgang 1947, , Heft 10, Verlag „Französischer Pressedienst, Wien, VI). Auch hier war in vorbildlicher Form von dem Leiter des Heimes und seiner Frau vorgesorgt worden. ’ Im blumengeschmückten Speisesaal wurde ein vorzügliches Essen serviert, -das; den Rückkehrern wohl erst richtig zum Bewußtsein werden ließ, daß sie innerhalb der letzten vier- Tage nur dreimal warmes. Essen in FQrm von Suppen erhalten hatten. Inzwischen waren auch die Gepäckwagen '■angekommen und nach einem anderen Heim in der Rothenbaumchaussee weitergeleitefr worden. Auch in diesem Heime waren Uebernachtungsplätze hergerichtet worden, da die ursprüngliche Zahl der Avisierten eine bedeutend, höhere .als die der, Angekommenen war.- In München nämlich hatte sich der Transport in drei Richtungen verteilt: Wien, Berlin und Hamburg waren ihre Ziele; außerdem starben während der Fahrt; auf „Marine Lyiix“, einem amerikanischen Truppentransporter, durch Hitzschlag fünf Personen. Die Reise hätte bei längerer Dauer gewiß noch Wettere .Opfer gefordert;. alle Ar.gekommeneft machten erschöpften, teilweise hilfsbedürftigen Eindruck. Viele erklärten, - sie hätten. es kein weiteres Jahr, in Schanghai" ausgeha) len, die Luft sei dort mit Bazillen durchsetzt: Paratyphus, x Flecktyphus, schwarze Pocken, kurz: sämtliche Seuchen waren -vertreten. Wasser durfte nier HemgaögansprlfGüe gegen Mole Auch in dön anderen^ Gebieten der Britischen Zone geht man dazu'"über, ähnlich wie im Land Nordrhein-Westfalen, Heraus^abeansprüche gegen die Verfolgten abzuweisen. So wurde eine solche gesetzliche Maßnahme durch den Landtag , des Landes Schleswig-Holstein beschlossen. Das Landgericht Kiel hat jedoch bereits auf Grund des geltenden Rechtes vor Inkrafttreten' der neuen Schleswig-Holsteinschen Verordnung eine derartige Klage abgewiesen-. Das Urteil hat folgenden Wortlaut: ' „Die auf § 985 gestützte Klage, mußte,abgewiesen weiden. Die Klägerin ist . zwar Eigentümerin der herausverlangten Sachen, . dpch kann sie den Eigentumsherausgabeanspruch nach § 935 BGB. z. Zt. nicht geltend machen, denn nach der amtlichen Auskunft vom 29: 5. 1947 steht eindeutig fest, daß das Wirtschäftsamt Neumünstet die der Klägerin gehörigen Sachen der Beklagten auf Anweisung deb bri- : tischen Militärregierung zugewiesen! hat: Der Gouverneur des’ Kreises Rendsburg hat die Beschlagnahmeverfügung des Wirtsphaftsamt^ Neumünster vom 15. 6; 1945 persönlich veranlaßt. Somit , beruht der Besitz der Beklagten auf einer, Maßnahme der; Besatzungsmacht, die der- Nachprüfung durch die ordentlichen Gerichte picht unterliegt. Der Klägerin bleibt es überlassen, sich auf. dem Verwaltungswege an die zuständige englische Dienststelle bzw. das Witrschäftsamt iiy-Neumünster zu wen-, den, um die Freigabe ihrer restlichen Sachen dort zu erwirken. Die Klage; mußte daher aus ..diesen Gründen äbgewiesen werden.“ mals in ungekochtem Zustande getrunken werden, ebenso könnte man kein rohes Obst genießen. Wenn die UNRRA nicht so vorbildlich! für. ihre Ernährung gesorgt hätte, so wäre ihre Widerstandskraft erlahmt. Alle 14 Tage ^erhielten ‘ sie Care-Paket-ähniiche Zuteilungen in ihrem ,,Hongkew“-Ghetto, das sie seit 19.43, als die Japaner gestapoartig in Schanghai hausten, bewohnen mußten. ' Sie sind überglücklich,- wieder in normalem Klima zu leben und sehen ihre Schanghai- Epochenur als eine böse Uebergangsstation .an, ' '•.1 . Bereitwillig überließen sie sich der Pflege der Krankenschwester, die ihnen schöne, saubere Schlafräume änwies. Erschütternd waren ihre Berichte, / wie ,zusammengepreßt , sie; im „Wardrocid“-Heim, iri- Schanghai, unterge- ' bracht waren. Fast alle Emigranten lebten dört, fallssie nicht so viel Geld verdienten, daß sie sich eine der beinahe unerschw;inglich teuren eigenen Behausungen leisten konnten. Wer nicht zu diesen Glücklichen gehörte, mußte schwere Kuliarbeit verrichten, oder, wenn er dazu nicht mehr fähig war, von den 10 Dollar Unterstützung, die^ von der UNRRA ausgegeben wurden, leben.- r ... Ani Widerstandsfähigsten erschien der jungsje (,Schanghaier“, ein kleiner sechsjähriger, dort geborener Junge, der sehr erstaunt fragte, warum er eigentlich , schon zu Bett gehen müsse. — '; . ' \; Mit der Unterbringung alleine fand aber die- Hilfeleistung der Gemeinde, keine Beendigung, sondern trat erst, ■ nachdem eine allgemeine Erholung eingetreten war, richtig in Kraft: Heimatsberechtigurig mußte .nachgewiesen und ehemalige Ansprüche zur Gründung einer: neuen Existenz geltend gemacht werden. Viele Sorgen, - vielleicht nur 'als Uebergang, überfaljen die Rückkehrer; .aber" Freundeshände und Gemeinde - ebnen die Wege und werden, ihnen zu neuer Gesundung verhelf eh. PtBSIlWERKEV60SS|ipORF: seitzjanrzennten ein Begriff= : iv*. M I I m Ai Kh irmi am Am Abonnement: (incl. Porto- und Zusendung Unter Kreuzband):: Deutschland: * 3 Monate RM. 3,30, 6 Monate RM. 6,50, 12 Monate BJVL 12,80. A ii s 1 a n d: (vorläufig nur England und USA) 3 Monate/RM. 4,40, 6 Monate RM. 8,60, 12 Monate RM. 17,-**- Ueberweisung; n u* - auf Postscheckkontos Essen 68080. Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone Düsseldorf-Benrath v Friedhofsträße! 23—25.