Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 12 (24.9.1947)
- Date
- 1947-09-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Z75&~piz. 1-1 -A 2. Jahrgang — Nr. 12 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BKITISCBE ZONE 24. September 194? — Seite 3 in . * SCHWEDEN Die Jüdischen Gemeinden in Schweden haben einen Bericht herausgegeben, in dem aufgezeigt wird, daß, obwohl nur 10 000 Juden im Lande leben, 275 000 ff und zur Unterstützung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus, in Schweden seit 1933 gespendet wurden. Weiter besagt der Bericht daß die schwedische Regierung während der gleichen Zeit den schwedischen Juden 100 000 Pfund als Hilfe für jüdische Flüchtlinge in Sen weden zur Verfügung gestellt hat., (JTA.) . NORWEGEN Herbert H. Lehman, der frühere General-Direktor der UNRRA und Vizepräsident des JointDistribution Committee wird Vom Nobelpreis-Komitee als Kandidat für den Friedens- Nobelpreis für 1947 genannt. (JTA.) v . FRANKREICH; . Eine Bitte an die United JNatjons. eine Regierung in Palästina zu bilden, die sowohl Tuden als auch«Arabern die Chance der freien Entr Wicklung'-gibt, wurde in einer Entschließung des Rates der,, französischen Juden (CRIF) der UNO übergeben. (JTA.). BELGIEN ’ Elisabeth Lazarus und Jacob Elias wurden in Mons zu je 20 Monaten Gefängnis wegen Beisi#iführens von Brief bomben, die an führende britische Regierüngsbeamte geschickt werden sollten, verurteilt. Beide gaben an, Angehörige der Stern-Gruppe zu sein. (JTA.) / DEUTSCHLAND; In der amerikanischen Zone traten mehr als 100 00Ü jüdische Flüchtlinge in Streik als Protest gegen die Rückführung der Juden der „Exodus“. Ein Protestschreiben an die Vereinten Nationen und die Britische Regierung gegen die Behandlung der ,,Exodus“-Flü;utlinge wurde dem U.S.-Militärbefehlshaber zur Weiter leitung an die genannten Stellen übergeben. (JTA.) * Die Witwe des im Zusammenhang mit dem ' 20. Juli 1944 hingerichteten früheren Oberbürgermeisters von Leipzig, Dr. G ö r d e 1 e r, lebt in Wüttembeg mit einer bescheidenen.-Rente von 100,— RM; monatlich. 'Das Stäatskommissariat für rassisch, religiös und politisch Verfolgtein Bayern hat —- ob- . wohl die Zuständigkeit nicht gegeben_ ist - aus zur Verfügung stehenden Spendengeldem der Witwe Dr. Gördelers RM. 150,—, monatlich zur Verfügung gestellt, sodaß sie wenigstens hiermit ihren Lebensunterhalt fristen kann.' Es ist beschämend, daß die Witwedes früheren Oberbürgermeisters von Leipzig, der. im Kampf um das neue Deutschland fiel, von der. Stadt Leipzig bis heute keinen Pfennig Pension erhielt. ' * - . / ■■■-.. ■ ■ - Von Rabbiner Dr. M. M u n k wurde im jüdischen D.P.-Lager Wittenau am 7. September, eine neue Synagoge geweiht. Ihr Bau ist durch eigene Mittel und die Untev/ . mg der ■ französischen Militärregierung mö , gewesen. \In der Einweihungsrede sagte Dr. Munk, die Synagoge solle ein bescheidener Ersatz für die Gotteshäuser sein, die die Nationalsozialisten den Berliner Juden 1938 zerstört lätten. ' (Südena.) ÖSTERREICH Mit der Ankunft', der ersten 150. Menschen wurde das Ebelsberg-Lager bei -Linz als ,Heim für jüdische D. Ps. eröffnet Das Lager,, welches 1600 Menschen beherbergen kann, Wird eine vorbildliche Gemeinde für D.Ps., die jetzt in verschiedenen Lägernin der amerikanischen Zone untergebracht sind. (JTA.) In Salzburg haben sich jüdische Führer darüber beschwert, daß so wenige. Visa für die Einwanderung nach den USA-. freigegeben worden sind, und daß Washington nicht einmal die Visa, die durch Gesetz genehmigt wurden, freigegeben hat. Andererseits betrachten sie di« 'Amerikaner, als - einziges Bollwerk gegen den anwachsenden Antisemitismus in Oberösterreich und Salz-1 bürg. Organisierte Propaganda'gegen die Juden wird den wieder auf tauchenden Nazis zugeschrieben. Diese Nazis verbreiten Gerüchte, nach denen die Juden für das Auftreten von Kinderlähmung, Geschlechtskrankheiten und Lebensmittelknappheit verantwortlich gern icht werden. (JTA.) : ■ * In Bad Ischl haben die US.-Militärbehördep 20 Oesterreicher festgenommen, die in eiiier Demonstration die Juden beschuldigten,, verantwortlich für die Kürzung der Milchratioh zu sein, (JTA.) TSCHECHOSLOWAKEI Die Konferenz der Vereinigung für ^internationales Recht in Prag erörterte „die Frage der Menschenrechte.' Professor Lauterpacht von der Universität Cambridge unterstrich die Bedeutung derjenigen Klauseln' der UN-Satzungen, die sich mit der Sicherung grundsätzlicher Menschenrechte befassen. Professor Lauterpacht ist Jude. (DPD) ITALIEN 400 jüdische Flüchtlinge, die von- Mailand in ein neues Lager bei Bologna überführt werden sollten, weigerten sich, den Zug zü verlassen, weil, wie sie sagten, die Leb^gbedingungen in dem neuen Lager „unmenschlich“ seien. ui<iimiiiimiimi!uiiiijiiiiiiiiii!iiiiiii(iiii!itmiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiHiiiifiimiiiiiii'::"iiiiiiiiiiiii>ii Auf dem Wege zur Gerechtigkeit Wie uns Dr. van Dam, Rechtsberater der Jpwish Relief Unit, .mitteilt, bat das Bremer Ober-Landesgericht der Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das am 27. April ausgesprochene Urteil, in dem Mordprozeß gegen die Brüder Behring stattg-egeben. ] Das Gericht kam zu der Feststellung, daß das Urteil des Ländesgerichts vollet Widerspruch war und verwies die, Sache zurück an das Landes- bzw. Schwurgericht zur neuen Verhandlung. ’ ’ Wie wir seinerzeit mitteilten, (Nr. 3 vom 14. Mai ”1947) hat das Landesgericht gegen die Brüder Behring, die des Mordes an dem Juden Heinrich Rösenblum ' angeklagt waren, ein außergewöhnlich mildes Urteil gefällt, das von allen rechtsempfinder den Menschen als grausame Ungerechtigkeit bezeichnet wurde. D. P.-Probleixie Kindersuchdienst der IRO neu organisiert Ueber die Neuorganisation des Kindersuchdienstes der IRO (International Relief Organization) erfuhr ein DENA-Vertreter Einzelheiten bei der Dienststelle des Senior Search Officers. für Kurhessen iri Kassel. Dei; im Januar 1946 erstmalig von der UNRRA eingerichtete Suchdienst, der nach Auflösung der UNRRA dann Von dar IRO übernommen wurde, befaßt sich mit- Nachforschungen nach verschleppten oder vermißten Kindern alliierter Herkunft,. die während des Krieges bei deutschen Pflegeeltern untergebracht wurden. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Kinder, die in den von Deutschland besetzten Gebieten durch die SS-Organisationen „Lebenshorn“ auf Grund ihres „nordischen Erscheinungsbildes“ oder einer verbluteten deutschen Abstammung ihren Eltern entführt und nach Deutschland gebracht oder in. Deutschland von. verschleppten Frauen geboren und ihren Müttern im Zuge der nazistischen Bevölkerungspolitik fortgenopimen wurden. f Der Kindersuchdienst, der IRO, dessen Zentrale in Ludwigsburg bei Stuttgart gelegen ist, unterhält Zweigstellen in. allen wesentlichen Städten der amerikanischen,, britischen und französischen Besatzungszone. Die Zweigstellen senden an alle Landräte und Bürgermeister ihres Bezirks regelmäßig Listen, mit Namen, Geburtsdatum und Nationalität dergesuchten Kinder, die in den behördlichen Mitteilungsblättern'und auf den Anschlagtafeln Hierdurch weise ich darauf bjn, daß die Rechtslage der Flüchtlinge (ffüher D.P‘s.) eine. Entwicklung^ erfahren hat, die durch folgende Punkte charakterisiert wird: 1, Die Flüchtlinge als Einwohner Deutschlands unterliegen den Landesgesetzeh, die von der Militärregierung erlassen sind, wie auch den Gesetzen der deutschen Länder. Insbesondere stelle »^ ich .fest, „daß Bestimmungen über fremde 'Valuten auch auf* Flüchtlinge. Anwendung finden. Ferner unterliegen die Flüchtlinge den Steue.rvorschriften. 2. Den Verpflichtungen stehen Rechte gegenüber: ' ' a) Flüchtlinge dürfen, freie Banknoten ..haben, . ■' b) Die. Flüchtlinge haben die Möglichkeit, auch Postsparkonten zu unterhalten. Konten von Flüchtlingen, die nach der Auswanderung Zurückbleiben, unterliegen nicht der Konfiskation. c) Ein Flüchtling kann < Eigentum besitzen, - auch Grundbesitz, unter der Voraussetzung, daß der Erwerb in legaler Weise stattfindet. d) : Flüchtlinge dürfen Geschäfte eröffnen oder ein Gewerbe betreiben! Sie bedürfen hierzu der Genehmigung durch die ortszuständigp Gewerbepolizei. „ « In Zweifelsfällen prinzipieller Art bip ich zur weiteren Auskunft bereit. . - ' ' .Dr. H. G. vän Dam, Legal Adviser J. R. U. » , Herausgabe von Möbeln Unter Bezugnahme auf mein Rundschreiben betreffend Klagen, auf Herausgabe von Eigentum, lasse ich Ihnen hiermit - einen Erlaß des Hessischen Staatsminieteriums vom 10. Mai, für den der Minister für Arbeit und Wohlfahrt federzeichnend war, zur Kenntnisnahme zugehen. , (Staatsanaelger für das Land Hessen, Nr. 19, Jahrgang 1947). „Betrifft: Herausgabe und Räumung von Aktivi#tenwohnungea- und -Möbeln, die politisch, rassisch und religiös Verfolgten zur Verfügung gestellt wurden. Nach dem Zusammenbruch. sind von den einzelnen Wohnungsbehörden teils auf Grund dis Reichsleistungsgesetzes, teils auf Grund örtlicher Anordnungen Wohnungen und Möbel der Aktivisten beschlagnahmt und den rassisch, religiös und politisch Verfolgten zur Verfügung gestellt worden. Durch die Verordnung vom 20. Juli 1946. wurde angeordnet,, daß die Herausgabe dieser Wohnungen und Möbel nicht vor rechtskräftiger Entscheidung der Spruchkammern verlangt .werden durfte. In letzter Zeit und duren die Erledigung zahlreicher Spruchkammerverfahren ' haben die Wohnüngsbehörden die früheren Beschlagnahmungen aufgehoben. Auf Grund, dieser Aufhebungen haben : einige- Wohiaungsbehördpri im , Wege . de^ Verwaltungszwanges die Herausgabe von - Wohnungen und Möbeln an* die ehemaligen Pg‘s Ungeordnet. Dieses' Verfahren bedeutet für die oolitisch, rassisch und religiös Verfolgten, .eine nicht vertretbare Härte und hat den Unwillen der Militärregierung erregt. Auf Weisung'der Militärregierung wird daher angeordnet: , •/. 1. Die früher erfolgten Beschlagnahmungen von Wohnungen und Möbeln sind bis auf weiteres auch nach Erledigung des Spruchkammeryerfahrens nicht mehr aufzuheben. 2. Den Wohnüngsbehörden wird hiermit untersagt, die Herausgabe - von; Wohnungen . und Möbeln im. Verwaltungswege durchzuführen. _ 3. Soweit die Beschlagnahmungen 'von Wohnungen aufgehoben sind sind diese gemäß Artikel VII des Kontrollratsgesetzes Nr., 18 erneut zu erfassen und die bisherigen Inhaber, d. h. die politisch, rassisch und religiös Verfolgten, gemäß Artikel VIII, Ziffer 2 neu einzuweisen, und zwar als Hauptmieter. ■ t ~v 4. Die Aufhebung'der Beschlagnahmungen von Möbeln ist zurückzuziehen.“ Dr. H. G. van Dam, Legal Adviser J. R. U. der Gemeinden sowie in der deutschen Presse veröffentlicht werden. Unter ' den Gesuchten befinden sich (Rinder polnischer, baltischer, jugoslawischer, italienischer, ukrainischer, jüdischer und tschechischer Herkunft. Die Suchaktion, über deren bisherigen Erfolg noch keine genaue Zahlen vorliegen, wurde von den deutschen Bürgermeister-, Läftidrats- und Jugendämtern nach Auskunft der IRO' gut!unteÄtü’tzt. Das Landesjugendamt Hannover forderte beispielsweise die deutsche Bevölkerung mit dem Hinweis zur Mitarbeit avif, daß sie hur dann mit der Hilfe der Allierten bei der, Suche nach den im Osten vermißten deutschen Kindern rechnen könne, wenn sie ihrerseits, ihr Möglichstes tut, die während ‘des Krieges von Deutschland deportierten ausländischen Kinder wieder ausfindig zü machen. (DENA) Charles E. Saltzman ist — als NachfolgeV von Generalmajor John H. Hilldring — zum neu§n Unterstaatssekretär »dör Vereinigten Staaten für die besetzten Gebiete ernannt, worden. Zu seinem Assistenten 'wurde Ugo Carusi bestellt, der die D. P.-Abteilung im Außenministerium leiten wird. Carusi war bisher der Leiter'der Einwanderungs- und Einbürgerungsabteilung im-ampikanischen Justizministerium. Die vernehmliche Aufgabe der beiden neuen hohen Beamten wird es sein,! die Lage .der D.P‘s. zu prüfen und alle notwendigen Aktionen schnell in. die Wege zu leiten; dies bezieht sich insbesondere auf die Durchführung der vom Präsidenten Tjuman im Jahre 1945, erlassenen Direktiven. Die Invalidität unter den jüdischen Verschleppten Die internationale medizinische Kommission zur Untersuchung der Invalidität unter ’ den jüdischen Verschleppten hat inr August ihren Schlußbericht veröffentlicht und sowohl dem „American Joint Distribution Committee“ wie apch der „Jewish Agency for Palestine“ überreicht. . - ' Aus dem Bericht, der die Ziffern für die amerikanische Zone,, Ber-gen-Belsen und Berlin enthält, geht hervor, daß sich unter den. jüdischen DPs. in Deutschland 2321 Invaliden,' darunter 184 Frauen, befinden?' Gegenwärtig wird ein Programm ausgearbeitet, diese Invaliden, deren Korperbeschactigüng zum größten Teil vom Konzentrationslager oder von Partisanenkämpfen herrühren, wieder in normale Arbeit zu bringen. Lediglich 95 Personen können -nicht mehr wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden, vyährend 966 1 beschränkt und 1260 nahezu 'unbeschränkt arbeitsfähig sind, da diese letzte gruppe zumeist über höhere Bildung verfügt und zu geistigen Arbeiten eingesetzt werden kann, in denen es auf körperliche Beweglichkeit und Handfertigkeit' nicht. §<? sehr* ankommt. Dr. R J. Lanzkrön (Belgien), der Leiter der Kommission, schlug in dem Bericht die Einrichtung von Umschulungsheimen für. Schwerbeschädigte v.or. In solchen Heimen müßte diesen in Zukunft das Zusammenleben'' mit ihren Familien ermöglicht werden, da sie sich dort am besten auf eine künftige Existenz vorbereiten könnten. Dr. Lanzkrön regte gleichzeitig die Ueberführung aller Invaliden aus den DP-Camps in ein gemeinsames Heim an, in dem alle Mittel zur Verfügung stehen, um die Invaliden umzüschulen. (DENA.) Rund 21000 verschleppte Personen sind ih den vergangenen sechs Monaten in. Großbritannien eipgereist, wie aus einem Bericht der Zeitung „News of the World hervorgehh-Davon haben bereits 12500 Personen eine Stellung angenommen. (DENA—Reuter) - Die Zwangsausschiffung in Hamburg USA. Amerikanische Neger haben kürzlich in allen Negerkirchen in Brooklyn |ür 'die Flüchtlinge der . „Exodus“ gebetet. (JTÄ.) Der frühere Generaldirektor der UNRRA vuid ehemalige Oberbürgernfeister von New York ist am 20. September im 65. Lebensjahr ge- / storben. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er mit der Ernennung zum Generaldirektor der UNRRA. ü Zeugen gesucht! Der Krim.-Sekr. Richard Sch m i d t, geb, 8. 7. 1904 in Wulferstadt, Krs. Oschersleben b. Halberstadt, * Ss-Stürmscharführer bei der Gestapo in Düsseldorf wird beschuldigt, am Synagögenbrand' in Düsseldorf und an der Deportation der Juden nach Litzmannstadt be- . teiiigt gewesen zu sein. ■ Aussagen hierüber sind (zu richten an den Oeffentlichen Ankläger, Stade b. Hann., Fliegerhorst: , Der ehemalige , Ortsgi;uppenleiter Düsseldorf- Altstadt von 1933—1945 Hermann Tacken, geb. 8. 8. 1902 in Duisburg-Meiderich, befindet ' sich im Internierungslager. Aussagen gegem Tacken sind zu richten an den Oeffentlichen Ankläger, Hiddesen b; Detmold. ' ' i ' ' Robert Schmitz, geb. 24. 9. 1905, ehemals wohnhaft in . Düsseldorf-Gerresheim, Hasselbeckstraße 56, war bei der Gestapo in Düsseldorf vom 15. 9. 1938—1. 5. 1942. Belastende Aussagen sind zu richten an den Oeffentlichen' Ankläger, Spruchgericht,' Bielefeld, Gerichtsstraße 4. Wir lesen im Aufbau (New York): Pflege von Gräbern „Es häufen sich die Fälle, daß'Deutsche sich mit nach Amerika ausgewanderten Juden in Verbindung setzen, und ihnen anbieten, die Pflege der Gräber von.deren verstorbenen Angehörigen zu übernehmen um Pakete dafür zu erhalten. Da ich es nicht in der Ordnung finde, daß Menschen, die bis vor zwei Jahren unsere Feinde waren, — ich selbst habe Theresienstadt überlebt — plötzlich unsere Freunde zu sein vorgeben, weil sie Hunger haben, habe ich ängeordnet, daß „Auskünfte über jüdische Gräber nur an Juden erteilt werden dürfen. Selbstverständlich kann jeder im Ausland lebende Jude seines Gräber unseren jüdischen, Gemeinden in Köln und anderswo in Pflege geben. . Siegmunt^ Bächenheimer Mitglied der Synagogen-Gemeinde Köln a. Rh, „Geinemdeb!att“*Echo im Ausland In Nr. 9 des „Gemeindeblattes“ vom 13. August d. 3. zitierten wir Bemerkungen des New Yorker „Aufbau“ zu den von uns unter der Ueberschrift „Es gibt keinen Antisemitismus mehr in Deutschland“ gebrachten Tatsachenberichten. Nunmehr geht die. weitverbreitetste. jüdische Wochenzeitüng Englands, der „Jewish Chronicle“ (London)' auf die zunehmende Zahl solcher Vorgänge in Deutschland ein, indem er u. a. schreibt: „Es vergeht keine Woche ohne antijüdische Vorfälle — Schändung jüdischer Friedhöfe, antisemitische Aeußerüngen in Kinos, das öffentliche Absingen des Horst-Wessel-Liedes, das Beschmieren von Mauern mit antisemitischen Schlagworten. jSogar deutsche; Kinder sind von der „Rassen- Epidemie“ erfaßt. Wir sind weit von der Umerziehung der Deutschen (mit dem Ziel der Ablehnung der; Nazilehren) entfernt, im Gegenteil: es gibt viele Anzeichen, die darauf hindeuten, daß die gegenwärtigen „Erzieher“,, die Besatzungsmächte, von den Deutschen bereits infiziert4^ “sind. Angesichts solcher. Umstände werden die Nazis mutiger und ständig deutlicher in ihren provozierenden Methoden. ,Die alten bösen Geister kriechen aus ihren Löchern hervor4, wie das .Jüdische Gemeindeblatt1, Düsseldorf, schreibt. Aber das Blatt weist gleichzeitig darauf hin, daß der neue Antisemitismus in Deutschland nur ein Symptom für Deutschlands anhaltendes moralisches und materielles Kranksein sei und unter den obwaltenden Gegebenheiten eine Fortsetzung des alten Judenhasses und nicht etwa das Aufkommen einer neuen Erscheinung ..." 0