Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 12 (24.9.1947)
- Date
- 1947-09-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 — 24. September 1947 Jo PI SCH ES GE ME TN DE BL ATT FÜR BIE BRITISCHE ZONE — w« uamsaus bender monatlicher Quote einwandern lassen. Falls es notvmndig sein sollte, die Uebergangszeit zu verlängern, so soll die Einwanderungs- Quote 60000 pro Jahr betragen. Die Jewish Agency for Palestine müsse die Verantwortung für die Durchführung der Emigration ■übernehmen. , - Der Plan spricht, davon, daß die gegenwärtigen Maßnahmen, die die Uebdreignupg von Land stark eingeschränkt haben, aufgehoben werden sollen.- Weiter' gibt der Plan, die notwendigen Erklärungen über die kündige Gestaltung der Staaten als demokratische Staaten ab.' In dem Teilungsplan, beschäftigt sich die Kommission . außerdem mit der Stellung, der einzelnen Volksgruppen in Palästina^ Es'- wird ausdrücklich gesagt, daß kein Unterschied auf Grund der rassischen, religiösen oder sprachlichen Zugehörigkeit gemaciü werden darf, daß' jeder Staat allen Minderheiten Volks- und' Höheren Schulunterricht in ihrer Sprache und , entsprechend. ihrer 'Kulturtradition gewähren soll. Jeder , Einwohner 'Palästinas wird nach' der Anerkennung . der ^Unabhängigkeit demjenigen Staat angehören, in dem er-gerade lebt. Die zwischen dem \ arabischen und jüdischen S.takt vertraglich festzulegende Wirtschaftsunion Palästinas soll eine Zollunion, eine einheitliche Währung, eine gemeinsame, Verwaltung der Eisenbahnen, der wichtigsten Straßen, des, Post-, Telegrafen- und Telefon-1 Wesens sowie eine gemeinsame Verwaltung der Häfen von Haifa und Jaffa einsehließen. Beide Staaten sollen gemeinsam für eine Kultivierung des Bodens Sorge tragen. Einem gemeinsamen Wirtschaftsrat, der sich aus je drei Vertretern der beiden palästinensischen Staaten und drei Mitgliedern, die vom Wirtschafts- 'DÜSSELDORF . (Radnor House, Volksgartenstraße 33) TELEFON; jetzt 28701 und 27825 und Sozialrat der tUN. ernannt werden sollen, zusammensetzen Wird,' soll die Durchführung der Wirtschaftsunioh unterliegen. Aus dem Reinertrag gemeinsamer Einnahmen soll die Stadt Jerusalem etwa 5 bis .10 Prozent erhalten, während der Rest zu gleichen Teilen an die beiden Staaten fällt. ‘ - Die 12 Empfehlungen der UN-Sonderkommisßion, die ebenfalls 'der Vollversammlung der Vereinten Nationen übermittelt wurden, haben folgenden Wortlaut:' / . ' I. Das Mandat über Palästina soll sobald wie möglich beendet werden. % Bedingungslose IJnabhängigkeit Palästinas. 8. Die IJebergangsperiode soll so kurz wie möglich gehalten werden. , 4. Während der Uebergangszeit soll Palästina den Vereinten Nationen unterstellt Werdep. 5. Die Sonderstellung der heiligen Stätten muß erhalten bleiben. . 6. Die Vollversammlung der, Vereinten Nationen muß die Initiative ergreifen, um den 250 000 jüdischen D.P.s in Europa interna-. ,’tionaie Hilfe zukommen zu lassen. 7. Die neue Verfassung für Palästina muß besondere Klauseln über' die Aufrechterhältung der demokratischen Prinzipien Und über den Schutz der Minderheiten enthalten. . . < 8. Jüden und Araber müssen unter der neuen Verfassung verpflichtet werden, ihre Streif ' tigkeiten auf' friedliche Weise zu regeln.. . 9. Die wirtschaftliche Einheit Palästinas muß ''erhalten bleiben, da bie für die Entwicklung des Landes unbedingt erforderlich ist 10. Aufhebung des Verbotes über den Verkauf von Grund und Boden an Juden. II. Engste Zusammenarbeit mit den Vereinten ' Nationen, 1 12. Die Lösung des palästinensischen Problems kann nicht als eine Lösung des jüdischen Problems angesehen werden. Der letzte Punkt fand, wie bereits am Anfangberichtet, nicht die Zustimmung der Vertreter von Uruguay und Guatemala. „The Times":,. . , die - gleichgültige Haltung und das Lächeln aufden Gesichtern; der Flüchtlinge ließ, die Ereignisse der gewaltsamen Ausschiffung völlig unwahrscheinlich erscheinen und, bestärkt den Eindruck, daß der Widerstand auf den beiden Schiffen sorgfältig organisiert-war und nicht spontan von der Majorität der «Juden:ausging .. . Es kam zu keinen Zwischenfällen in den beiden Lagern. Das mhg wohl der Tatsache zuzuschreiben sein, daß ungöfähr 50 Männer, die sich im Kampf mit den britischen Soldaten besonders hervorgetan hatten, die unangenehme Aufgabe hatten, die ‘ „Rünnyrriede Park“ zu reinigen. ■ ,,New Staatsmän and Nation": , . . England kann durch die Wahl Deutschlandsals- Abladestelle nichts gewinnen. Wenn diese Juden unter Gewaltanwendung auf deutschen Boden gebracht werden, dann wird' die Welt feststellen, daß diese unglücklichen Menschen, Ueberlebende aus Hitlers Konzentrationslagern, wieder in Lager gesteckt werden, die nicht weit von Belsen liegen . . . ,,The Observer": . * . Die Reaktion der Deutschen auf die Vorbereitungen sind, verwickelt. Fast überall gleichgültige Ablehnung, daß noch mehr D. Ps. hereingebracht werden, weil Wohnungslage und Ernährung sowieso schon so schlecht sind, aber da sind‘ noch zwei andere Gesichtspunkte. Die Hafenarbeiter, die bei der Durchführung der Sicherheitsmaßnahmen geholfen haben, ziehen falsche Folgerungen und sind offensichtlich zynisch. Noch viel schlimmer sind diej eiligen, die annehmen, daß wir endlich begonnen haben, ihren Standpunkt zu teilen .; . „Reynolds News“: . . . Es sind keine Ferienlager . . . die Lager werden von. den Deutschen einschließlich Aufseherinnen verwaltet; . . * „Sundäy Dispatch“: , . . Obwohl 500 Soldaten mit Gummiknüppeln, Wasserschläuchen und, Tränengas in Bereitschaft stehen, glaubt Coi. Gregson, daß die Situation die ist, daß, wenn die Ausladung richtig gehandhabt wird,/ die Juden, genügend nah am Ende ihrer Kräfte sind, um keine ■ weiteren Schwierigkeiten haben zu wollen ... ,,Daily Express“: .•. . Gefährlichei* alsder Nebel, der die jüdischen Plüchtlingsschiffe aufhielt, ist der Nebel, der sich auf die Geister der englischen Verwaltungsstellen gesenkt hat. Ihr Beschluß, der Presse den, Zutritt zü den Docks in Hamburg zu verbieten, ebbet, den Weg für Gerüchte, Lügen und Uebertreibungen . . . ' -s . , : „Daily Mall“: . . . Ein finsteres Drama ist abgeschlossen. Neun Wochen haben über viertausend Männer, Frauen und Kinder auf See zugebracht. Sie suchten eine Heimat, fanden sie aber nicht. Statt dessen sind _ sie in die Hölle zurückgekehrt, der, so viele von ihnen, zu entrinnen versuchten. Die Nationen fräben sich nicht zusammengeta.i. um zu helfen . . . ' , >• . . . Der erste Fehler der britischen Regierung war» diese Juden nach Frankreich zurückzuscjiicken; der zweite, sie drei Wochen lang vor der französischen Küste zu halten; der dritte und schlimmste, sie nach Deutschland zurückzubringen, anstatt sie mit* .allen arideren nach Zypern zu transportieren . . . „Daily Telegraph**: '. ■* . Außenminister Marshall gab -auf einer Pressekonferenz bekannt, daß die Vereinigten Staaten Groß-Britannien gedrängt haben, seine Entscheidung, die Juden der „Exodus' 1947“ nach Deutschland zurückzuschicken, nochmals zu erwägen. „Wir sind uns der unglücklichen Folgen bewußt, die eine solche Handlung nach sich zieht“ Leon Blum in . „Populaire“: . . . Die Passagiere des „Exodus“ haben zwei Verbrechen begangen;, Das erste Verbrechen besteht darin, Rückwanderung nach Deutschland Bei den Gemeinden und anderen Stellen laufen zeitweilig Anfragen ein von deutschen Juden im Ausländ, die unter ungünstigen Verhältnissen leben und nach Deutschland zurückkehren wollen. Es bedarf keiner näheren Ausführung,- daß die Rückwanderung von "Juden von verantwortlichen jüdischen Stellen nicht ermutigt . werden sollte zu einer Zeit, in der es das verständliche Bestreben ’ anderer Juden ist, Deutschland zu verlassen. Die Zustände, die eine Stabilisierung in1 keiner Weise zeigen» vielmehr das Gefühl der'Unsicherheit in allen einsichtigen Beobachtern erwecken, sind keineswegs -dazu, angetan, um Deutschland als Einwanderungslandfür irgendjemand,. geschweige denn, für Juden, erscheinen zu lassen. Diese allgemeinen. Erwägungen dürfen jedoch nicht dazu führen, um alle Fälle von Rückwanderung ohhe weiteres , abzulehnen. Es gibt Situationen der Not und des Elends im Ausland, cjie in Einzelfällen eine Rückwanderung nach -Deutschland, mindestens aber' eine Purchwanderung, rechtfertigen. Es handelt sich hierbei zunächst' um -Gruppen von Menschen, die.in unerträglichem Tropenklima ursprünglich nur für vorübergehende Zeit üntergebracht waren und deren Auswanderung in gesündere Gebiete gegenwärtig unmöglich ist. Daher wir dann auch für Personen, die sich in Schanghai aufhalten,' .eine Ausnahme von ’ den Behörden zugebilligt. Wir. haben uns mit' . der Entries und - Exit "Brauch in Berlin in Verbindung gesetzt, .um über die Haltung der alliierten Behörden in-Y formiert zu werden. Danach ist die Politik von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Frankreich, die im Combined Travelling Board ein. gemeinsames Organ geschaffen haben, wie folgt, festgelegt: ' ' 1. Die Rückkehr nach Deutschland von Deutschen wird grundsätzlich hur in den Fällen zugestandenr, in denen der Verbleib in einem anderen Land, vor allem durch Ausweisung, Unmöglich wird. Ferner wenn der. Antragsteller unter folgende Ausnahme gruppen fällt:; a) Besondere Wichtigkeit des Antragstellers für das deutsche Wirtschafts- und Geistesleben. In diesem' Falle muß seine. Rückkehr durch eine Abteilung. der. Kontrollkommission oder eine deutsche Landesregierung befürwortet wdrden. b) Gefahr, für Leben und Gesundheit des Antragstellers im gegenwärtigen Aufent- - haltsland. c) Familienverhältnisse von besonderer Dringlichkeit (Vereinigung der* nächsten Familienmitglieder —Ehegatten —). 3. In der russischen Zone wird die politische < Zuverlässigkeit des Antragstellers von der größten Bedeutung sein: «Die russischen Behörden sind nicht durch die oben definierte Politik der Westmächte gebunden. , 3. Die Erteilung der' Zuzugsgenehmigung durch die deutschen Behörden gewährleistet in keiner Weise eine günstige Behandlungdes Antragstellers durch die britischen, amerikanischen oder französischen Dienststellen. Dry H. G. Van Dam, Legal Adviser J.R.U, daß lie die hitlerische Ausrottung überlebt haben; ihr zweites Verbrechen ist; dpß sie den Zufluchtsort beanspruchen, den ihnen das internationale, Gesetz versprochen hat und den England selbst, in edler Weise .für sie einriehtete. Was sie'bis jetzt erduldet haben, genügt als Buße für diese beiden Verbrechen. Sie verdienen wahrhaft Straferlaß. Gnade für die «unglückliihen Helden d^s /„Exodus“! ' Und Gnade auch für die anderen, für alle die, die nicht; auf dem „Exodus“ sind, aber dort sein möchten» für alle die, die in den Lagern Deutschlands warten und die Tage, die Monate und die Jahre zählen. . . „Die Welt": , , . Bei sämtlichen Interviews machten, die Emigranten übereinstimmend die Abußerung: „Wir sind in Palästina geboren, wir haben keine Nationalität, wir wollen in unsere Heimat, nach Palästina“ . . . „Hamburger Freie Presse“: ... Der, sorgfältig mit militärischer Präzision ausgeklügelte Plan der Landung hat wiederholte , Erschütterungen erfahren. Am Sonntagmörgen machte der erste* Herbstnebel auf der Unterelhe einen grauen Strich durch die Rechnung. Am Montagmorgen Meß es dann, das Programm (jeden Morgen ein Schiff f) würde nun auf Montag, Dienstag und Mittwoch verschoben:. . . „setzten die Passagiere des dritten Schiffes, auf dem man die. hartnäckigsten und fanatischsten Aufrührer wußte, der Ausschiffung nachdrücklichen Widerstand entgegen,, der nur unter Einsatz schärferer Mittel gebrochen werden konnte . . . . . Nun kehren sie, wieder zurück nach Deutschland. Und sie kommen nicht als Sieger, sie kommen wieder Als Geschlagene, auf der gleichen Flucht, nur von. weniger grauenvollem Entsetzen geschüttelt; wenn auch geschützt ,an ■ ihrem. jüdischen Leben, so gleichermaßen enttäuscht in ihrer jüdischen Sehnsucht . . . ■ ' , . . . Das ist nun das vorläufige Ende der tragischen Irrfahrt, die die „Exodus“-Flüchtlinge statt nach Palästina, nach Pöppendorf gebracht hat . . ' :. „Berliner Zeitung“: . . . Es ist kein Wunder, wenn dieses Vorgehen der britischen Militärregierung in der ganzen zivilisierten Welt die. stärkste Empörung auslöst. Es fragt sicht nur, warum man in London so kriegerisch gegen die hilflosen Juden und so human gegen die noch massenhaft in der britischen Besatzungs- Zone vorhandenen Kumpane des Naziregimes gesonnen ist. . . „Westfalen-Post“: .; . Zu den tragischen, Ereignissen, von denen, die in Hamburg ausgeschifften rund 4350 Juden vom Anfang ihrer Reise an. umgeben waren, nimmt die „Notgemeinschaft der von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen“ in einer Erklärung Stellung: Sie ruft dabei allem ins Gedächtnis, daß es sich äuf alle . Fällen um einen' Teil der tJgberlebenden aus der Zeit der. entsetzlichen Naziverfolgungen handelt,, Jedem .gerechtden’xenden Menschen sind die Worte aus dem Herzen gesprochen: - „Wir erwarten von allen Deutschen mit Anstand und Gefühl für die .Gerechtigkeit, daß sie sich anläßlich der vorliegenden Ereignisse jeglicher Stellungnahmeenthalten, die geeignet wäre, niedrige Regungen des Ungeistes' wieder zu erwecken, rhit denen der Nationalsozialismus unser deutsches Volk ins, Unglück geführt hat.“ . . . „Telegraf“, Berlin: . Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß. über die' Vorfälle im Hamburger Hafen eine weitreichende Diskussion in. der Pres'se,. der Welt beginnenwird . . . . ' Zwei junge -Burschpn/ die ich über das Verhältnis der Juden zu den Arabern in Palästina befragte, gaben anv daß 'man in den europäischen Zeitungen vergesse, über Einigungshäwegung der beiden Völkerschaften zu berichten. Es gäbe sehr wohl Gewerkschaften, in denen Araber uhd Juden zusammen organisiert wären. . . „Hamburger Volkszeitung“': . . . Nur unter GewaLtänwehdung, durch Knüppel und Feuerspritzen konnte der größte Teil von Bord getrieben werden. Nach übereinstimmenden Feststellungen der Zeitungsreporter zeigten die verzweifelten Schreie und Gestikulationen fast aller anderen, Flüchtlinge, daß sie die® Schiffe nur gegen ihren Willen und voller Empörung .verließen •. .; ", „Neues Deutschland“, Berlin: ... Die Szene wird so widerlich, daß ein holländischer Pres-' severtreter den Platz mit den Worten* verläßt: „Ich halte es nicht mehr aus“, „Englands schwärzester Tag“, ruft ein französischer Korrespondent „ . . . .. . Wir sind' voll tiefer Scham darüber, daß» „unser halbzerstörtes Land als „Abladeplatz"; benutzt wird. Wir finden es schmachvoll füi uns, daß die britischen Behörden offenbar, ge-' glaubt haben, in Frankreich »oder England die Passagiere der „Exodus“ nicht so von den Schiffen herunterprügeln zu können, wie ln .Deutschland ».. . ' ' KARL EDUARD VON SCHNITZLER: (Nordwestdeutscher Rundfunk 3. September). Am kommenden .Sonntag früh werden vier-. tausenddreihundertundfünfzig Juden iffi Hamburger /Hafen ausgeschifft und in zwei- Lager bei Lübeck überführt werden wenn ' nicht die britische Regierung in letzter Minute dem gestrigen Einspruch des Hohen Kommissars von Palästina nachgibt und die. drei, Schiffe ümdirigiert. , * . * Seit vielen Wochen beschäftigt das Schicksal der . 4350 jüdischen Menschen die Oeffentlichkeit. Auf einem Schiff, das „Exodus“ hieß, hatten sie versucht, nach Palästina zu gelangen. „Exodus“ heißt Auszug.. Und; das ganze Unterhehmen ähnelte dem Auszug der Kinder Israel ins Gelobte Land: Flucht aus Unterdrückung und Verfolgung, Sehnsucht '.nach Schutz und Ruhe, nach einem Eigenleben nicht nur als Gemeinde, sondern auch als Staat.. Der Aufbruch der 4350 und ihre Fährt mit dQf „Exodus“ waren ungesetzlich, sie standen im Widerspruch zu den. Bestimmungen der britischen Regierung, die über Palästina das Mandat iünehatr ** - Aber aus welcher Situation heraus sind sie aufgebrochen? Sie sind einem : Inferno. entronnen, haben fast ausnahmslos jahrelang jeden Morgen vor der Gefahr gestanden, zu denen zu gehören, die zur Vergasung bestimmt waren. Sie sind heimatlos gemacht und wirtschaftlich entwurzelt worden. Geistig und menschlich1 »wurde ihnen — wie ein deutscher Jude richtig schreibt — eine Wüste bereitet. Sie sind eigentlich'nur durch Zufall der Vergasung entkommen, denn Hitlers Ausrottungsfeldzug war beispiellos. Und nun hausen , sie in Lagern" in Deutschland und Oesterreich: Zwei Länder, deren Lebensbedingungen so .unzureichend sind,^ daß sie garnicht die Möglichkeit haben, ihnen "ein Asylrecht zu gewähren. Die ■ UNRRA-Hilfe hat aufgehört,, internationale Hilfsorganisationen können,, diese Menschen auf die Dauer nicht so unterhalten, wie es nach ihren Leiden notwendig wäre. Und so warten diese Menschen — in Deutschland sind es 1<5 000 —, warten auf eine Lösung, die ihrien gestattet, in ein Land auszuwandem, das, ihnen Schutz und Lebensmöglichkeit bietet.. v r Währehdesseii fügen irregeleitete jüdische Fanatiker in Palästina der jüdischen Sache ungleich größeren Schaden zu als etwa den Engländern, denen diese Aktionen gelten. Sie bringen damit die Weit gegen ihr eigenes, gequältes Volk auf» und erschweren die Situation, derer, die in Europa darauf warten, in ihr Land heimzukehreh. Auch der 4350 Juden von der „Exodus“. Es muß verstanden werden, \ daß Menschen, die wie sie an ihrem Dasein verzweifeln, sich "über Gesetze' hinwegsetzen,, die. der Verwirklichung ihrer jährtausende alten Sehnsucht entgegen» stehen. Sie versuchen die illegale Einwanderung nach Palästina, weil Sie der Auffassung sind, daß das < Verbot der. Einwanderung in Widerspruch .stehe - zü der Balfour-Erklärung und zu* den Rechten und Pflichten der Mandatormacht, die allerdings Rechte und Pflichten gegenüber Juden und Arabern darstellen. So kam es zum Aufbruch. Ihr Schiff wurde aufgebracht. Und nun-fahren sie um Europa herum in das Land zurück, mit dem sie nichts mehr, verbindet, als schreckliche Erinnerungen; Ihr Leben geht Weiter, Kirider werden geboren, Greise sterben ' und wir’ hörten erschüttert,, wie /die Schiffe in der Biskaya .beidrehten, um Töte dem Meer zü übergeben.;Das' Schicksal der Ueberlebenden indes ist" immer noch ungewiß. Aber selbst wenn, in: letzter Minute eine Lösung gefunden werdep würde, die weniger hart und weniger demoralisierend für. diese geplägten" Menschen: wäre äls die Rückführung nach. Deutschland, selbst •dann geht . die „Exödus'^Trägödie uns Deutsche direkt än. Zwei’ britische Pressestimmen zeigen es uns. Die „Times“ schrieb, daß die zwangsweise Ausbootung der jüdischen Flücht- , linge in Hamburg möglicherweise eine unvorhergesehene psychologische Wirkung auf die deutsche Bevölkerung ausüben kann. Im »Manchester Guardian“ stand zu lesen, daß die möglicherweise zwangsweise Ausbootung , in Hamburg in einer verhältnismäßigen günstigen Angelegenheit; vor sich gehen würde: „Ohne Zweifel spielt die Anwesenheit der* Deutschen dabei keine Rolle, sie sind an derartige Anblicke gewöhnt“. Die-eine Zeitung meint also, wir Deutsche empfänden die Gewaltanwendung gegen die Juden als Recht und seien vielleicht gar befriedigt; die andere mutmaßt antisemitische Ausschreitung. Das Schicksal, das die Juden in Deutschland erfahren haben, läßt diesen Argwohn als nicht ganz unberechtigt erscheinen. Was diese Meinung über uns aber umso beschämender macht, ist, daß; wir offensichtlich in d^n zwei Jahren es nicht vermocht haben, durch Beweise unseres guten Willens unsere Umwelt 'eines anderen zu belehren. Darum soll dieser Kömmentar sich nicht an jene richten, ‘ die selbst der: Aufklärung .bedürfen, sondern ich appelliere heute an jene "Wissenden, Klapsehenden.» Gutwilligen, daß sie die Tragödie unserer jüdischen Mitmenschen von der, „Exodus ‘ zum Anlaß nehmen, energischer und Unnachsichtiger als bisher dem Judenhaß entgegenzutreten. Die Einheit des Menschengeschlechtes.ist nicht nur eine -biologische Tatsache, sondern zugleich sittliche Aufgabe upd Forderung., Die Verantwortung, sauber zu denken, ist ungeheuer.: 5