Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 12 (24.9.1947)
- Date
- 1947-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG AN Z E I G EN PR EIS E * FamiKenanzcigen: Dfe einspaltige Petitzeile 3.50 RM Reklame: Die einspaltige Petitzeile S.ÜO RM Suchanzeigen: Die einspaltige Petitzeile 3.50 RM Ueberweisungen auf Postscheckkonto Essen 66080 JÜDISCHE POLITIK / KULTURv ¥ W AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN FRAGEN DER WIEDERGUTMACHUNG jßkLJB^ NEUES AUS DER JÜDISCHEN WELT STIMMEN DER LESER WAS DIE PRESSE SAGT GESCHÄFTSSTELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDEBLÄTTES, REDAKTION UND EXPEDITION: DÜSSELDORF-BENRATH, FRIEDHOFSTRASSE 23-25. FERNSPRECHER Nr. 71II51 Abonnement (per Kreuzband): Deutschland: - J.30RM, 1/2 Jahr 6.50 RM,1 Jahr )2.80 RM; Ausland; (alle Länder) 1U Jahr 4.40 RM, 1/2 lahr,8.60 RM, 1 Jaht 17.00 Rj^ /• Erscheint 14tägig mittwochs. Sonderbeilag« in Wiedergutmachungsfragen hach. Erforderlichkeit. NUMMER 12 t K. M.: Die UNO-Vollversammlung tagt. Auf der Tagesordnung steht die Frage der Behandlung der Vorschläge der UN-Sonderkommissioh für Palästina, die ätn 31. August veröffentlicht worden sind. Es . gibt’ wohl keinen Juden, es gibt wohl keinen human denkenden Menschen auf dieser Welt, der in diesen Tagen nicht seinen Blick nach Lake'Success richtet Von einer Rundfunksendung zur .anderen' Warten' wir darauf, ob und was in den Sitzungen ' der Staatsmänner der Welt über die Judenfrage "gesagt worden ist. Es. handelt sich bei uns nicht darum, in Diskussionen einzutreten über die Vorschläge der Sonderkommission. Bedeutend für uns ist, daß scheinbar die Völker dieser Erde doch endlich eingesehen haben, daß. man trotz aller politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, . die sich überall;bemerkbar maphen, endlich an die Lösung "der Judenfrage herangehen muß. . Wir sprechen das Wort Lösung aus' — zaghaft — denn kein/Volk der Erde wartete solange auf \ eine Lösung seiner Frage wie wir. Wir sagten ep früher schon einmal* daß wir alle in den schweren Jahren des’ Näziterrors. sicher Steren, daß die Beendigung ^dieses Terrors die Lösung^ der jüdischen Frage mit sich bringen wird, daß die Beendigung des. Naziregimes unseren Menschen endlich die ersehnte Frei- NEBLUSP Ul W > <f, 'JERUSALEM] % •f aas v 1 Diese Karte zeigt die beiden unabhängigen Staaten, wie sie UNbCQP, die .Palästina-Kommission der Vereinten Nationen (UNO) in ibjrem Mehrheitsplan vorschlägt. heit geben wird. Unsere Hoffnungen wurden enttäuscht. In mehr als zwei Jahren wurde so gut wie nichts unternommen, um unseren jüdischen Menschen die Ruhe zu gebeh, die sie doch — weiß Gott — verdient haben. ■Die Vorschläge gaben vielen von uns wieder neuen Mut, erweckten neue Hoffnungen. Viele, recht viele, die schon der Verzweiflung nahe waren, rafften sich wieder auf, als sie von den Vorschlägen hörten, freuten sich darüber, daß eine große Anzahl von Ländern durch ihre Zustimmung den Willen bekundeten, dazu beitragen zu wollen, daß eine endgtyLtige Lösung der Judenfrage nunmehr gefunden werden muß. ... ,\V_. Wir hoffen, daß die UNO-Vollversammlung in ihrer jetzigen Sitzung nun auch zu einem -Ergebnis kommen wird, das diesen Menschen nicht wieder eine Enttäuschung bereitet. Wir hoffen, daß die Verantwortlichen Männer der UNO der Welt den Beweis dafür liefern, daß diese größte aller Organisationen ihre Aufgabe darin sieht, den Minderheiten zu ihrem Recht' zu verhelfen. Dann, wenn Rundfunk und Presse uns verkünden, daß der erwartete Schluß, gefaßt worden ist dann glauben wir daran, daß Humanität nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis existiert. 24. SEPTEMBER 1947 CHASKIEL ROZYNEi Jedes Jahr am Ende des Sommers erleben wir die ernsten Tage von Rosch haschonöh (Neujahr) zum Jom Kippur (Versöhnungsfest). In diesen zehn ernsten Tagen beschäftigensich unsere Gedanken besonders . intensiv damit, was war und was'sein wird. Jedes Unternehmen fertigt mindestens ein Mal im Jahr eine Bilanz an, in der die Aktiven den Passiven gegenübergestellt werden, um so einen Ueberblick gewinnen zu können. Im Verlauf eines Jahres . lebt jeder von uns sein Leben, berechnend oder unberechnend, mit Rücksicht auf seinp Umwelt oder ohne Rücksicht, Und die meisten von uns denken nur daran, Positives zu erreichen, ohne in Erwägung zu ziehen, ob sie dabei Gerechtigkeit walten Tassen. Es ist nicht leicht, im täglichen. Leben, im Kampf für die Existenz des Einzelnen sich immer wieder vor Augen zu .halten, ob man im' Zusammensein mit anderen Menschen bei der Erfüllung ' der eigenen egoistischen Bedürfnisse ohne Schaden für den anderen gehandelt hat. . ' \ Wenn aber die Tage der Rechenschaft kommen, . die Tage,deren eigentliches Ziel es ist, sich selbst unter Kontrolle zu stellen und sich “selbst'Rechenschaft abzulegen, dann machen sich bei uns«, die in Gedanken und. Tat getanen ungerechten -Handlungen gegenüber unseren' . Mitmenschen bemerkbar. ‘ Nach dem jüdischen Gesetz kann man- Gott . darum bitten, die Sünden die man in bezug auf IHN und SEINE Gesetze im Verlauf des vergangenen 'Jahres mit oder ohne Absicht, begangen hat, zu’ vergeben. Dagegen sieht unser Gesetz ''vor, daß Verbrechen/Beleidigung gen, Verleumdungen usw. gegenüber unserer Umwelt nur durch die Betroffenen selbst vergeben werden können. , Es gibt , keinen Weg - zur Besserung, solange, der Mensch nicht selbst .stark und gereift" genug ist, um. die durch ihn verursachte , Schuld selbst anzuerkennen. Im jüdischen Gebet •wird drei Mai täglich der Satz wiederholt: we a hawta le reächa sKömocha — Du Sollst Deinen Feind lieben wie Dich selbst. Dann ist es sinnlos, zu glauben, mit Worten allein, selbst dann, wenn der. Sinn, richtig verstanden wird, das Ziel zu erreichen. Man muß die schöne und wunderbare. Lösung mit allen egoistischen Instinkten, die sich oft bei der Erfüllung dieser Pflicht in den Weg stellen, wenigstens für die Zukunft, in die Tat Umsetzern Wieviel schöner und leichter wäre das Leben, wenn man. «diese Gewißheit Besitzen dürfte: Von der Umgebung geliebt und geschätzt zu sein, Vertrauen , zu besitzen zu den Worten und Taten seiner Mitmenschen. Der Talmud sagt uns in Pirkei Awot*. „Kriei lecha cKäwer“ —. Selbst Wenn Du Dir einen Freund gegen Bezahlung gewinnen müßtest, so tue es. Wie oft wissen wir Freundschaft nicht zu schätzten! . Einer kleinen . augenblicklichen Befriedigung wegen, stoßen wir häufig das Notwendigste im Leben — die Freundschaft — von uns. ' Wenn die herrlichen'Klänge der Melodie des Kol Nidre an unsere Ohrön dringen' -', und uns an die Zeiten erinnern, die sich in der jüdischen Geschichte so oft wiederholt haben, die Zeiten, in denen unsere Brüder1 und Schwestern sich in den- Katakomben Spaniens verstecken mußten, um ihr. Gebet zu verrichten, dann erzittert in jedem von uns das jüdische Gefühl. Dann wissen wir, daß wir zueinander gehören. ' Pogrome, Inquisitionen. Vertreibungen, physische Leiden, Konzentrationslager ‘konnten uns zahlenmäßig verkleinern,, aber aas Judentum, als Ganzes konnte nicht vernichtet werden. Im'- Gegeritejl:’ Unmenschliche, barbarische Taten, die an’uns begangen werden, überzeugen „uns noch mehr, bestärken den Stolz in unserem'Volk, das stets «seine Geschichte sauber geha!»-n hat und dort, wo die Geschichte der anderen von Schande, von grausamen Taten gegenüber Mitmenschen, -gegenüber Andersgläubigen. öden Angehörigen anderer Nationalitäten spricht, da-' Rann unsere Geschichte stets und immer von. großen kulturellen Und wissenschaftlichen Leistungen' berichten,, die; es zum Nutzen der Allgemeinheit hervörgebracht hat. Die Vergangenheit zeigte uns, daß Verbrechen, die anTylinoritäten begangen worden siud, nicht'1 von diesen selbst vergölten würden, sondern aus den eigenen Reihen derer-, die diese Verbrechen befohlen öder begangen naben. .An dem Tage des Versöhnungsfestes denken wir an .unsere Verfolgungen.. Wir hoffen dann, daß auch .die, dienicht zu uns geholten, diejenigen, die sich an Gott durch, ihre Religion oder Tradition wenden, auch den . 'Versuch unternehmen werden, ihre Handlungen gegenüber dem Judentum einer gründlichen7 Untersuchung zu unterziehen: / . . ■ ... ■ ' « ' : J ie Bekanntlich hat' die . UN-SonderkommiSsion für Palästina am 31. August den Bericht fertiggestellt, nachdem ’ sie zu den Ergebnissen seiner Untersuchungen gekommen war. Der Bericht’ enthält zwei Pläne. Die Mehrheit deS Ausschusses, und zwar Kanada, Tschechoslo.- wakei, Guatemala, Niederlande, Peru', Schweden und Uruguay billigte einen Plan, der eine Teilung. Palästinas üorsieht unter gleichzeitiger Beibehaltung einer Wirtschaftseinheit. Palästina soll, so sagt dieser Plap, in einen arabischen und jüdischen Staat und in, die Stadt Jerusalem auf geteilt werden. Der zweite Plan, der' von Indien,, Persien und Jugoslawien vorgeschlagen wurde, sieht einen unabhängigen Bundesstaat mit Jerusalem an .der Spitze vor. Australien enthielt sich bei beideii Plänen der Stimme. ' ►' * v Der Ausschuß nahm aber einstimmig die "elf allgemeinen ' Empfehlungen mit Ausnahme eines zwölften ^Punktes, der von Guatemala und Uruguay '‘abgelehnt wurde, an. Der erste.Plan sieht folgendes vor: Am 1. «September,. ds.' Js. soll eine Zweijährige Üebergangsperiode geschaffen werden, nach welcher der arabische und jüdische selbständig werden sollen. Diese beiden Staaten müssen vor der Anerkennung ihrer Unabhängigkeit eine VeriiiiiiimiiiHtiiiiiiiimiiiiiiiiiiiij iiiiiiiniiiiiii]iimiiiiiii!iiiiiiuiiiiiiuii:":imiiiiiiiiiiiiijitiiiim;iiitiiiiiiimm!iimi[iii|iiiiiiiiiiiiiiniiiiiiim!iiiimiiiiniiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiii!MmiHiiiiiitlimMiiiiin FrledhofsscMitdimgen 1947 Auf dem jüdischen Friedhof in Hohenlimburg bei Hägen wurden durch unbekannte Täter am 16. September drei große Grabsteine umgeworfen. x Bespnders bemerkenswert ist, daß diese Grabsteine mit döm Sockel fest verbunden wären, sodaß sie nur mit erheblicher Gewaltanstrengung Umgeworfen werden konnten. Anzeige wurde erstattet. . , * Bei einer Besichtigung des jüdischen Friedhofes in Rheydt-Odenkirchen, die am 16. September stattfand, wurde festgestellt, £aß vop 55 Grabsteinen 15.umgeworfenunddieGrabeinfassungen zerstört worden sind. Die zuständige Polizeibehörde .sov^ie de: Oberbürgermeister und der'Oberstadtdirektor.der- Stadt Rheydt wurden ebenso wie die Militärregierung von dieser Freveltat in Kenntnis gesetzt. ' , . .. die Friedhofsschändungen wiederholen und mehren sich. Sie sind ei» eindeutiges Zeichen dafür, daß ihnen organisierte Arbeit zu Grunde liegt. Wir stellen'fest, daß die überwiegend große Anzahl derartiger Meldungen gerade aus der britischen Zone kommen. Wir erinnern lins an nur einen einzigen Fall in der französischen Zoney dessen Wiederholung durch ein sofortiges Eingreifen der französischen Militärregierung abgestellt worden ist. Es ist unseres ' Erachtens nach die Aufgabe. der deutschen Länderregierungen, nicht nur durch Proteste und 'Warnungen, sondern durch Taten -unter Beweis zu stellen, daß sie gewillt sind, gegen Friedhofsschänder energische Maßnahmen zu ergreifen. Die Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung in der britischen Zone wächst von Tag zu Tag. Das Gefühl, daß unsere jüdischen Menschen keinen Rechtsschutz hinter sich haben, verstärkt sich stündlich. 2. JAHRGANG KOL-NIDRE Alle Gelübde-, T Die wir als Kinder gelobten, , Wir haben sie "hiebt erfüllt. Fern ist die Gnade, 'r Die unser Inneres Kühlt und stillt. ’• >. U Wir leben leicht und froh, Wie wir sollen, . Aber zollen nicht,; Was hohe Wesen zollen. . Unser Leben, . Wie herrlich gedacht, Wie steigend .groß! Aber wir, : Wie leer, wie bloß I Finsterer Himmel . . - In heiligster, Nacht/ Liebt der Hoffnung In mildester Pracht. \ * Trost der Gottheit, Des heiligsten Aufruhrs, , » Sternen-selig,- sternen-spät, Die ganze Erde - ' ' Liegt im Gebet. Y ‘ Arno Nädel (aus „Das Jahr der Juden“.) Wenn wir uns an diesem ernsten Tage des Jahres ohne Unterschied der .sozialen Schicht' ten sammeln, dann tun wir das . in der Ueberzeugung, daß uns alle eines bildet: iVIeöschs ein. ■ - , . : Und wenn wir das verstanden haben, dann werden wir auch in( Zukunft,. im', kommende^: Jahr, uns stets daran erinnern, daß wir erst dann ein Recht haben, uns Mensch' nepnen zu dürfen, wenn unsere Gedanken/und Tasten den Worten, angepaßt sind: ‘ Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Ina fassung annehmen und der UNO gegenüber Erklärungen über gewisse Garantien abgeben. Es müßte außerdem ein Vertrag zustande kommen, der die Voraussetzungen Tür eine wirtschaftliche. Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten und für eine Wirtschaftsunion Palästinas bietet. ' Der jüdische Staat soll Ost-Galiläa, die Ebene von Esdrelöm und dem größten Teil des Küstengebietes im ’ Norden sowie den gesamten Distrikt von Berseba einschließlich des NeiNTrcnn ■ii iiKii In dieser Woche wird die PalästinarFrage; von der Vollversammlung der Vereinten Nationen behandelt werden. Obwohl das Britische Kabinett, das in seiner Sitzung vom 20. September seinem Delegierten, dem Kolonialminister Creecb Jones letzte Anweisungen gab, keine offizielle Erklärung zu der von ihm einzunehmenden Haltung der Oeffentlichkeit übergaben hat, geht aus der englischen Presse hervor, daß während der vorgesehenen Uebergangsperiode britische Truppen nicht die alleinige Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung in Palästina übernehmen können. Es wird mit'der Möglichkeit gerechnet, daß sich England aus Palästina zu einem früheren als dem von der UNO-Kommission vorgesahe-, nen Zeitpunkt zurückfcieht, es sei denn, daß die UNO-Vollversammlung einen Vorschlag annimmt, dem die Juden und die Araber zu- ,stimmen, oder daß ändere Mächte sich äh der Verwaltung Palästinas, beteiligen werden. fiiiiiHiiiiinniiniu::::iniimi7ii[iHiHmiiniiinuiinuHtiiin!iiiiiiiiiitniiiimmnmiuiiiuiiiiiiiimi v gfebs umfassen, während der arabische Staat sich aus /den Gebieten West-Gäliläa, dem Hügelland von Smaria und Judäa, ausgenommen des Stadtgebietes von Jerusaleip, und der Südlichen Küsteneberre zusammen setzen sojl. Sobald alle ' diese' Vöräussetkuhgen erfüllt sind, soll’ jeder Staat als unabhängig und, souverän betrachtet werden. Falls nur der eine der beiden vorgeschlagenen Staaten c^tese Bedingungen erfüllen wird, soll es der Vollversammlung der Vereinten Nationen überlassen bleiben, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Der Teilüngsplan sieht voi , daß Groß-Britannien während der Uebergangszeit die Verwaltung des Landes unter Aufsicht der UNO beibehalten soll. In diesen zwei Jahren des Ueberganges soll England 150000 Juden in den vorgesehenen jüdischen Staat in gleidiblej- .