Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 10 (27.8.1947)
- Date
- 1947-08-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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2. Jahrgang — Nr. 10 JÜÜISCHBS GEMEINDEBL,ATT FÜR DIR BRITISCHE ZONE m SCHALOM CHORIN „Und ich will ihnen iii meinem Hause und in meinen Mauern ein Andenken und einen Namen (Jad Waschern) geben, besser denn Söh<» nen und .Töchtern; einen ewigen Namen will, ich ihnen geben, der nimmermehrvergehen soll.“ , 7 (Jesaja 56, 5)■ Die furchtbarste aller Katastrophen der leidensreichen jüdischen Geschichte ist in den Jahren 1933 bis 1945 über das Volk Israel hereingebrochen. - Noch blutet das geschlagene jüdische Volk aus tausend Wunden, ^noch ist es weit ‘davon entfernt, zu Frieden Und Ruhe gelangt zu sein, Zweihunderttausend jüdische Entwurzelte in den Lagern Europas warten sehnlichst auf ihre Heimkehr 'in die jüdische Volksheimat und Erez Israel selbst ist ein Schauplatz tragischer Auseinandersetzungen. , Und dennoch und trotzdem ist die Stunde der Rückschau gekommen, die Stunde der Bamm-r lung. Das jüdische Volk schickt sich an, ein monumentales Ehrenmal, zu errichten für die Opfer und für die Helden dieser 12 Tahre. Zwei Jahre nachdem Kriegsende beginnen die Pläne zu diesem gewaltigen Werk. greifr bare Formen anzunehmeh. Kann es einen anderen Ort für dieses Nätional-Heiligtum geben' als Erez Israel? Jeder andere Platzaauf der Welt .wäre»der zentralen Bedeutung dieses Werkes unangemesäfen. Schwerer schon war die -Frage, wo in Erez Israel das Werk errichtet werden, sollte. Zunächst dachte man natürlich an Jerusalem, an die Heilige Stadt, die das |ierzehs Zentrum des Judentums seit Jahrtausenden ist. Einige schlugen auch die Heilige Stadt des Galil, Safed, vor, um diese halb vergessene so wieder zu .einem neuen Zentrum zu machen. Aber der Kompaß des jüdischen Herzens zeigt immer nach . . Jerusalem. In der Stadt selbst gab es kein geeignetes Terrain für die .weitläufigen Anlagen, die hier geplant werden. So dachte man zunächst an den Har Hazofim (Skopus), der aber durch das ständige Wachsen der Universität „Hadassah“ und Nationalbibiiothek zu sehr ein Zentrum d(er 'Wissenschaft und des Lehrbetriebes ist, um die heilige Stille des großen Gedenkwerkes zu gewährleisten. Endlich, fiel die Wahl des Kuratoriums auf den sogenannten, „Hügel der Winde“ (Har Haruchoth, was auch „Berg der Geister“ heißen kann) nahe Jerusalems, zwischen - den •Siedlungen „Maale Hachamischa“ und der Gründung des jüdischen Maquis „Newe -Ilan“ geleaej»Jj(Dieser Hügel wird von nun an einem heuefi Namen tragen: Har Hazikaron, Berg des Gedenkens. Unmittelbar vor dem Kloster Äbu-Gosh biegcn wir von der Hauptstraße ab, vorbei an dem arabischen ■ Dörfchen Kattana . geht es zum Marmorsteinbruch der’ Splel-Boneh-Cooperativd, und schon schimmern rechts am schmäler werdenden Feldwege die roten Ziegeldächer von Maäle Hachamischa im Grün dar Baumkronen auf. Langsam nur kommt das Auto vorwärts. Aber, hier werden breite Zufahrtsstraßen angelegt werden für Tausende und Abertausende, die zum Gedenkwald (Jaar Hasikaron) hinaufpilgern. Weit über das Lanjd Israel schweift der Blick von der Spitze des Gedenkberges, wo heute Felsgestein und Disteln den. Erdboden bedekken, morgen aber Hallen und Tempel sich erheben sollen. Vom Süden grüßt Maale Hachämischah, westlich reicht der Blick bis zum Meere (Tel-Äviv, Cedera Rechowoth sind an klaren Tagen sichtbar), und nordöstlich erhebt sich die hochgebaute, die ewige. Stadt: Jeruschalajim. Die Vielfalt unseres Landes, kann von diesem Hügel zu den Vier Winden, der den Helden und Heiligen von den vier Enden der Galuth ein Zentrum werden soll mit dem Blicke umfaßt werden. Straßen .umgeben jetzt schon den Berg von drei Seiten* aber der unmittelbare Zugang muß erst gebahnt werden. Noch, freier . wird der Blick schweifen vom Dach der Ehrenhalle, die etwa 20 Meter hoch auf dem Gipfel errichtet wird. Eine Zufahrtstraße Wird das gesamte Areal wie eine „Hawdala“ in heiliges und profanes Gebiet teilen. Im profanen Teil werden Verwaltungsgebäude, Hotels usw. untergebracht. Der eigentliche Gedenkplatz aber darf nur zu Fuß betreten werden,- „denn heiliger-Boden ist es.“ Hier wird Sich der Gedenkwald hinziehen, gewidmet den Opfern und’ Kämpfern der Ghetti und der Kriegsfronten. Nach 400 bis 500 Metern nähert man sich dem „Hain des zerstörten Europa“, in dein ein Monumental-Relief der Karte Europas die einstigen Zentren des Judentums, zeigen «wird. Stufen führen von hier zum „Hechal Jiskor“, zur Gedenk-H^lle. .Von wuchtigen Säulen getragen wird diese Ehrenhalle jedem der. zerstörten Länder eigenen Raum bieten. Die Hallen des polnischen, litauischen,; deutsch m, holländischen, französischen Judentums schließen sich aneinander, noch einmal Glanz und Elend .der Vergangenheit beschwörend. Die. Annalen der großen Gemeinden werden hier niedergelegt und sich zu einem Gedenkbuche vereinigen. Auf dem weiten Platz vor der Halle sollen sich Zehntäusende am nationalen- Trauertag versammeln können.* Das Zentrum dieses Vorhofes bildet der „Gal-Ed“, ein Ehrenmal für die kommenden Geschlechter. Aus dem Marmor Erez Israels soll es errichtet und überall auf der Welt, auf jedem jüdischen Friedhof eine, kleinere Nachahmung aus genau demselben Material errichtet werden, Denkstein für den unbekannten Judarf, gefallen als’ Partisane oder Soldat, hingeschlachtet im Ghetto, vergast im Todeslager, erschlagen im - KZ. Jeder jüdische Leicherizug' soll eine Minute schweigend vor diesem Stein verharren, derer gedenkend, die' nach dem alten Pvitus Israel in heiliger Erde bestattet wurden., , An die GedenJc-HaUe schließt sich die 'Halle des Heldentums, gewidmet den eineir halb Millionen jüdischer Soldaten und Partisanen des zweiten Weltkrieges. Eigene Räume werden hier geschaffen für "'die Ghetto-Kämpfer, die Untergrundhelden, die jüdischen Soldaten und endlich eine Ehrenhalle für die Jchas sidej Umoth Haölsm“ jene hochherzigen Christen, die uns halfen und uns die Treue bewahrten in den Jahren der Verfolgung. Von der Halle des Heldentums, die auch die Helden der Vorzeit, umschließt, blicken wir auf das Feld der Heimat: „Sdeh Ha?ri< ledeth“, Wiederum wird in gewaltigem Relief ‘ein Land vörgeführt, nun aber nicht ein Lanc^ der Zerstörung/ sondern das Land des. Äufbaus: Ere$ Israel. Ünd festlich soll hier je und je jeder neue Siedlungspunkt dem Bilde lebendigen Wachstums 'eingefügt werden; Appellieren alle diese Symbol-Bauten an das Gefühl, so wird ein großängelegtes Archiv cler Erforschung der Geschichte' der zerstörten Gemeindep gewidmet sein, Ein. Museum wird sich anschließen und sinnfällig Martyrium und Heldentum - des europäischen Judentums illustrieren., Endlich Wird ein „Beth. Kinussim“, ein Kongressgebäude sich hier erheben und eine repräsentative Synagoge, In der die. Gebote fürunsere Toten und die Jahrzeitliehter niemals verlöschen sollen. Archiv und Museum r werden .selbstverständlich durch eine einschlägige möglichst vollständige Bibliothek ergänzt. Hier wird auch die Kartothek der 6 Millionen Toten ihren Platz finden. Das ist in Kürze der Elan des gigantischen Werkei. Er atmet zugleich den Geist uralter jüdischer Tradition und den Geist Herzls, dessen ausgeprägter Sinn für Repräsentation und nationale Würde schon und gerade seine ersten staatsmSnnischen Entwürfe auszeichnete. Om (3eifte von <Wa#r!?eif und QRecfyt: Noch wird es zu den Seltenheiten unserer Zeit gehören, daß nicht-alltägliche geisteswissenschaftliche Ausführungen eines Emigranten an seinem Ursprungsland im Druck erscheinen. Daß dies im Falle von Leo B aec k geschieht, - gresses und zum Stab d?3 „Trades Advisory _ ' _ _ . ... ’ ... * *i Prummp* m T rvnHn« Jr.t» hör »nnlo Tohm hin_ KULTURELLE NACHRICHTEN Josephv Rosenstock (ehern. Kapellmeister am Berliner Jüdischen Kulturbund, der unter /Hitler nach Japan auswanderte und später nach Amerika ging), Furtwängler, Knappertsbusdh und Georg Solti werden in der kommenden Spielzeit als Gastdirigenten an der Berliner Staatsoper tätig sein. Der Suhrkamp-Verlag, Frankfurt a.. M„ bringt demnächst u. a. heraus: Franz Werfel*. „Das Lied von Bernadotte“; Stefan. Zweig: „Sternstunden -der’ Menschheit“; Thomas Mann: Josef, der Ernährer“ und „Ausgewählte Erzählungen“. Diese Werke werden als broschierte Bücher im Rotationsdruck für die ,amerikanische 1 und' britische Zone heraüs- 4fegeben. * darf als Beweis dafür angeseheh werden, welche Bedeutung man diesem. Denker allenthalben beimißt. Bekanntes sei hier wiederholt: Rabbiner Dr. B.aeck, Seelsorger, Philosoph und akademischer Lehrer in einer Person* “gehörte" zu denjenigen führenden jüdischen Persönlichkeiten in Deutschland, die mit dem Rest der jüdischen Gemeinschaft aushielten und litten, und es ist nur wie durch ein Wunder, daß er das Konzentrationslager überlebte und nach Kriegsende wohlbehalten ins Ausland gerettet werden konnte. „Der Sinn der Geschichte“, eine kleine, im Verlage Carl Habel, Berlin, erschienene Broschüre, enthält den Text von drei Vorträgen, die Baeck im vorigen Jahre in der Sendereihe ,„Lebendiges . Abendland“ des Deutschen Dienstes der B. B. C. (London) gehalten hat. „Der Sinn der Geschichte“; „Die Zivilisation und der Mensch“, „Staat und,Kultur“. Diese Radiovorlesunggn atmen den Geist eines, Menschen, der in großen Zeiträumen* denkt ünd hinweglenkt von Unserem, an gegnWärtiges und tägliches Geschehen gebundenen Denken un®d enthalten Sätze, die sich 'eingraben sollten in die Herzen der Menschen. Eine Formulierung wie diese: „Aber Licht des Geistes, Licht der Seele ist unzerstörbar. Das Licht bleibt, und es .geht eines Tages wieder auf. Darum behält ein Volk, das sich mit einer wahren Idee, einer wahren Aufgabe, einem wahren Geist verbindet, die Kraft dieses Lebens. :■ Bloße Macht vergeht, aber diese Kraft bleibt . . .“ ist zweifellos basiert, auf einer tiefen jüdischen Haltung. ■; II. . Unter den .ausländischen Ehrengästen des Zweiten Kongresses der befreiten Juden in der britischen Zone (Belsen-Harzburg) befand sich,Dr, N. Barou, London, dessen kluge Bemerkungen noch in frischer Erinnerung sind. Von Hause Nationalökonom und Soziograph, gehört er zu den engsten Mitarbeitern der britischen Abteilung des Jüdischen Weltkop- Qpuncil“ in London.. Er hat viele Jahre hindurch in Wort und Schrift überall da aufklärend gewirkt, wo antisemitische Erscheinungen insbesondere die wirtschaftliche Position der Juden zu erschüttern versuchten. Aber er ist nicht nur Fachmann auf disem. wichtigen Gebiet. Er-ist u. a. gleichermaßen Experte für russische Wirtschaftsfragen und für das Genossenschaftswesen; gegenwärtig -. ist er mit der Abfassung eines Werkes beschäftigt, das den Beitrag der Juden arci Kriege behandeln wird. Unter den letzten Schriften Barous befindet sich eine, die weit übet den englischen Leserkreis hinaus bekannt sein sollte: „TheJews in Work: and Trade — A World Suryey“ (Pie Berufsstruktur der Juden - — Eine WeltüberV sicht).- Auf weniger als 50. Seiten ist hier ein - Material zusammengetragen, das Sich nicht etwa auf Großbritannien oder das britische Empire beschränkt, sondern sich auf alle Erdteile-und Länder bezieht, in denen . Juden ansässig sind: Palästina, beide Amerika, Rußland, die Länder der mohamedanischeh Welt. Zahlen und Daten, Vergleiche und Gegenüberstellungen, Hinweise auf Tendenzen und Notwendigkeiten: all das rundet das Bild von der geographischen, beruflichen; und sozialen Gliederung der Juden in der -Welt. Literaturangaben und Schaubilder stellen eine besondere Bereicherung dieser Schrift dar. Zwei in jeder Beziehung, in Inhalt und Anlage grundverschiedene kleine Werke: und doch dienen sie letzten Endes demselben /hohen Ziel, nämlich den Geist der Wahrheit und des Rechts zu vertiefen und' Verständnis’ ünd gegenseitige Verständigung in eine.r demokratischen Welt zu fördern; - th - BUCH*ANZEIGEN Herb e r t E ü 1 e n b e r g: , „Heinrich Heine“ (Aufbau-Verlag G; m. b. H,, Berlin W 8.) Hermann 'Sinzheimer: „Shylock“ (Verlag Victor Gollanfcz, London), per Autor ist der frühere*' Feuilletonredakteur" des Berliner Tageblatts“. . R a b b i Dr. 1.1, M a 11 u c k: „Liberal Jüdaism: Its Thought and Practic“ (Union of Liberal and Progressive Synagogu«s, London). Eine kurze Broschüre, „der demnächst eine umfassendere Darstellung desselben Themas folgen wird. / ■ Karl Schwarz: „Jüdische Künstler des 19; -und 20. Jahrhunderts“. Dr. Schwarz war bis vor kurzem der ■ Direktor des Jüdischen Museums in Tel-Aviv; früher war er deV Leiter des, Berliner Jüdischen Museums. Enit Kaufmann: „American' Portraits“ (Verlag Henry Holt, New York). Die Verfasserin ist die im Jahre 1939 von Wien nach den Vereinigten Staaten entkommene jüdische Malerin. v - Selma Stern: „The Spirit Returheth“ (Jewish Publication Society, USA.) In diesem Roman läßt eine der hervorragendsten Kennerinnen der Geschichte der Juden in Deutschland jüdisches Schicksal von heute sich spiegeln in den‘erschütternden Ereignissen des Jahres 1349 („Schwarzer Tod“). Martin Bub er: „Tales'ofthe Hasidim“ (Schocken Books, New York). Die erste englische Ausgabe chassidisbher Geschichten, die Buber vor mehr als 40 Jahren zu sammeln begann; übersetzt von Olga Marx. Leo Kahn: „Qbliging Fellow“ (Verlag Nicolson^Ä Watsoh, London’. Erinnerungen^.an die Internierungszeit 1940/41 auf der englischen Insel Man aus der Feder eines aus Köln stammenden jungen jüdischen' Schriftsteller? ... „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ (Verlag Volk u. Zeit, Karlsruhe). Anthologie deutscher Emigratenlyrik, herausgegeben, von Erich Griser. , Walter A. Berendsohn: *,Die Humanistische Front“ (Europa-Verlag, Ziürieh). F. R. Bienenfeld: „Rediscorvey of Justice“ (Verlag Allen & Unwin, London). Der Titel besagt soviel wie „Wiederentdeckung der Gerechtigkeit; Dr. Biehfcnfeld ist ein international bekannter (früherer Wiener), Anwalt, der seit Jahren in England lebt und' in vielen jüdischen Gremien eine führende Rolle spielt (Zionismus, Wiedergutmachung, Steilung der Jpden in den Friedensverträgen),' F r i t z S t r i .c h: « „Goethe und die .Weltliteratur^ (Verlag A. Francke, Bern). - lieopolä S c h.w a r z 's child: „Der rote Preuße, Leben und Legende von Karl Marx“ (Verlag Charles Syribners Son New York). In «nglispher Sprache. Schwarzschild ist der frühere Herausgeber, der Berliner Wochenzeitschift „Das Tagebuch“ und lebt jetzt in USA. * ■ - Nathan Z u c k m »The Mine of Violence. An. Anthology on Anti-Semitism“ (Verlag-Association * Press* New York). , Uber . die Ursachen, die Technik und die Förderer -des Antisemitismus. .. ■„ Selig Hecht: „Explaing the Atom“ (Verlag Viking Press, New York), «Der Verfasser, Professor an der New-Yorker Columbia-Universität, versucht in diesem populären Buch, „einen Hintergrund zu geben, vpr dem Menschen vernünftig denken und handeln können in allen Dingen, die die Atomenergie betreffen“. , Hermann Schwab: „A World in Ruins“ (Verlag Edward Goldston. London). * Über Geschichte, Leben und Leistungen deutschen Judentums. 27. August 1947 Seite 5 Irgendwo in der Hölle Polen — ein gräuser Befehl: „Die Schaufeln holen!“' Wer schrie das? — ein Mensch? — wie meinesgleiphen? , — .Gehetzte, gemarterte Menschen Scheichen / über das-Feld — ein Fußtritt, scheucht auf: „Anfängen! Marsch! Der ganze Häuf!“ «» ' Schwache Stiche umgraben die Erde mit letzter Kraft, mit matter.Gebärde im letzten Gebet nut Gott vereint. - , Horch auf! — ein Kind? ein Kind, das weint! Sie arbeiten weiter, starren hinab, — Juden schaufeln ihr eigenes" Grab! — Ein bleierner „Himmel wölbt trostlos sich. Dej: Mütter Arm umschlingt inniglich , das lebende Wesen aus ihrem Schoß: „Gott im Himmel! Gerechter!“ —- und tränenlos / - - nimmt -Gott sie als Stütze, an ihn sich zu lehnen ' das größte Leid kennt keine Tränen. Unendliches Weh hört lautlos man gellen keiner der grinsenden SS-Mordgesellen, die waffenstarrend ’stehn in der Runde, vernimmt einen Laut Klage aus diesem ' Munde. , 1 Nur Gott, hört er? — ist Blut ihm nicht’ . teuer? . \ w t Kein Engel von droben? Da! Unten brüllt's: v „Feuer!“ . ' » T Ein zitternder, Schrei weht zum Himmel .empor schwarz wuchtet der Tag,, wie Trauefflpr. —. ein wirrer Haufen von Mensch und Gebein, entsetzliches Stöhnen, ersterbendes Schrein Stähl schlägt in Fleisch, Knochen zerbrechen, der letzte Gedanke: jprtrd mah uns r ä c h e n? „Kalkdrüber! Weg! Verschwunden der Spuk.! Morgen die andern! Für heute genug!“ — — Und Nacht legt lindernd sich über die Stätte, Unter der Erde liegen ln einer Kette gemordete Menschen! gemordet!—; : w a r u rh? a,- , Die' Nacht steht schweigend — steht lautlos —-> steht stumm. ' .. ' Gibt es Sühne, Gott? Sag, sage es mir! Du greifst die Mörder, sie stehen vor Dir! Du strafst sie, sie sterben vor Deinem Blick! Doch die Juden, die toten? — sie kehfn nie .zurück^.. Ralph Giordano. nach USA. Mr, Morris Schwarz, der bekannte jüdische] 'Schauspieler und Regisseur des jüdischen Theaters in USA., fuhr ani 5. Juli nach den j Vereinigten Staaten zurück. Schwarz batte vor, eine Reihe von Konzerten stücken' unter den Auspizien des ,*irpiht“?in, den Lagern in Deutschland für die Juden zu geben. Leider konnte er die notwendigen militärischen Papiefe für die Einreise nachj Deutschland,, trotz großer Anstrengungen des\ „Joint“, nicht bekommen. . Das ist ein großer Verlust, denn Morris Schwärz hätte viel dazu beitragen können, um die Gemüter unserer Menschen in den Lägern aufzumuiitern. , , Nach mehr als einmonatiger Wartezeit, sah sich Schwarz gezwungen, gegen seinen Willen Infolge der Papier» und Strom* knappheit sind wir leider nicht In der Lage, eine Gewähr für das pünktliche Erscheinen unserer Zeitung zu übernehmen. die Heimreise anzutreten. Er hätte gern/länger gewartet, um die Inszenierung, seines* neuen Stückes „Scherachs Tochter“ von Arie Iben Sachäw vorzunehmen, jedoch, war er gezwungen, Europa zu verlassen. Schon durch die einmonatige Wartezeit mußte Schwarz einen großen Teil seines Programms aufgeben. Es bestand noch bis zurr» Schluß Hoffnung, daß die Einreise * bewilligt werden 'würde. In diesem Jahr erhielt- Morris Schwarz als Auszeichnung für seine hohe dramatische Kunst den Louise-Brandeis-Pre s. Damit wurde klar dokumentiert, daß Schwarz heute der größte Künstler in der jüdischen Welt ist. , Schwarz spielte als Schauspieler in mehr als 130 Stücken der berühmtesten Autoren der Welt. Außerdem betätigte er sich/als Regisseur. -Während seines Aufenthaltes in Paris spielte er wiederholt mit großem Erfolg. ■ .. 4.' In Koblenz wurde der erste jüdische Buch» u. Zeitschriften-Verlag für die französische Zone bewilligt." Die Militärregierung* hat diesem Verlag das denkbar größte Entgegenkommen gezeigt. Absicht des Verlages ist Veröffentlichung einer Monatsschrift'„Zwischen den Zeiten“,. außerdery besteht die Absicht, neben einer Reihe yon Neuerscheinungen einen großen Teil der Bücher, die 1933 verbrannt. worden sind neu auf zulegen. . Der Verlag bittet um Uebersendung von Manuskripten aller Art, wie jüdisches Kulturleben, jüdische Politik, jüdisches Wissen usw. Da wir mit diesem Verlag liiert sind, bitten wir Postzuschriffen aus der britischen Zone an uns senden zu wollen. Alle andgren Zonen wollen sich direkt an den Verlag jjwuteh: Humanitas-Verlag G.m’.b.Hv, Koblenz (franz. Zon^), An der Liebfrauenkirche 11. Verlag des Jüdischen Gemeindeblattes für die britische Zone’