Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 10 (27.8.1947)
- Date
- 1947-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 — 27. August ^947, JÜDISCHES 6EMSIID1BLATT FÜ'R DIR BRITISCHE ZONE Nr. 10 —-A Jahrgang Zum deutschen Antisemitimus In Regensburg wurden 4 Juden ermordet, eine Freu und ein Kind'darunter, Auf das Gebäude der rassisch Und politisch Verfolgtenin N ürnberg wurde eine Bombe; geworfen, in ähnlicher Weise wurde ein jüdisches Kinderheim angegriffen. In Wuppertal-Barmen wurden jüdischen Geschäften bei Nacht die Fenster eingesehlagen und dds Innere der Lä- *den mit Hakenkreuzen und Inschriften „verziert."- In verschiedenen Orten in Deutschland würden ^üdiSfche Friedhöfe geschändet, Steine umgeworfen, Inschriften beschädigt,. Das geschah nicht in den Jahremzwischen 1933 und 1945, sondern jetzt, hn Jahre 46 und. -47, Es wäre gut; diese Dinge einmal nicht vom Standpunkt des jüdischen sondern von dem des deutschen Volkes aus zu beleuchten. ' ' Hitler/ hat die 1 „Judenfrage aufgerollt, die deutschen Antisemiten haben begeistert mitgemacht, und dam jüdischen Volke furcntoarp Menschenverluste und namenlose^ . Unglück -zugefügt. Das jüdische Volk trägt sein unverschuldetes Leid mit einer wahrhaft bewundernswerten Vornehmheit,' «ine Haltung, die Ihm ,in weitesten Kreisen des gesamten Auslandes Achtung und Sympathie erworben hat. Das Unrecht aber, das die deutschen Antisemiten den, Juden zugefügt haben, hat ganz Deutschland an den Rand des Abgrunds gebracht fast vernichtet. Zerstörte Städte, Hunger und Kälte, Mangel an den notwendigsten Dingen des täglichen Lebens. Abgesunkene Moral, eine, erschreckende Zunahme der Kriminalität, besonders t^i den, Jugendlichen, eine Zusammenballung des deutschen, Volkes auf engem Raum,, eine Abscheu in der ganzen Weit gegenüber den. unbegreiflich 'furchtbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das Naziregime in Deutschland verschuldet 'hat — das sind die Folgen der „segensreichen“. Tätigkeit deutscher Antisemiten; geschützt and angefeuert durch ihre Reichsregierung. Nicht die Juden, sondern die Antisemiten waren und sind Deutschlands Unglück-. .Nicht das Judentum, sondern der Antisemitismus haben Deutschland und fast ganz Europa ins Elend . gestürzt, Das dunkelste Und schmachvollste Kapitel in Deutschlands Geschioite wurde in den Jahren ,33 bis 45 geschrieben ohne Juden. In diesen Jahren waren die Juden“ völlig ausgeschaltet; sie hatten nicht den geringsten Einfluß ßuf deutsches Geschehen, und gerade in diesen Jahren ist unter vollkommener Ausschaltung der Juden aus einem „Rechtsstaat" ein „Unrechtstaat" geworden; ist das Volk der „Dichter und Denker" , zu - dem der „Schlächter dnd Henker“ abgesünken. So sieht die Welt Deutschland und das deutsche Volk, und es ist die. Pf licht. Deutschlands gegen sich selbst, der Welt wieder eine andere, bessere Meinung beizubringen. Dazu gehört, daß ,„ ,|lle Ursachen, die zur NazifHerrschaft, zum & Re|Ö& Jriüh Kriege /geführt haben, /bekämpft uhd aüsgerottet -werden. Was einmal Ursache ’feMip Katastrophe war,,. kann Und wird es wieder werden., wenn man die gefährliche Ursache nicht restlos beseitigt. Eine dieser Ursachen war der deutsche Antisemitismus. Es ist wohl jedem klar, daß Hitlers Partei ohne seih antisemitisches Programm niemals zur Macht gelangt wärfe. Ohne* Nazimacht aber kein' 3. Reich, phne 3. Reich kein Weltkrieg, kein, zerstörtes, fast vernichtetes Deutschland. "*.•.! , v ' Das deutsche Volk hat nicht nur die moralische Pflicht,*den Antisemitismus heute zu bekämpfen., es ist einfach ein Gebot der Selbsterhaltung und des Wiederaufbaus, dies endlich zu tun, es mit allen Mitteln zu tun, die ihm?u Gebote stehen. Mit Hilfe von: Presse und Rundfunk, in W<?rf. Schrift und Bild. . Was geschieht statt dessen? Es kommt* zu Ausschreitungen gegen jüdisches Lebe», jüdische Friedhöfe» jüdische Geschäfte. Und wie stellt Sich die deutsche Qeffentlichkeit zu diesen Dingen?. **Sie .lösen, keinen. Sturm der , Entrüstung? aus — sie werden totgeschwiegen, oder „am Rande“ erwähnt. Diese Stellungnahme ist sehr schädlich für das ganze deutsche Volk, und außerordentlich bedauerlich, weil die anständigen deutschen Menschen, die /die überwiegende Mehrheit bilden, genau, so darunter leiden müssen; wie die Minderwertigen, die Dinge wie’ Friedhofs-Schändungen und dergleichen verursachen. * V, Wenn in\ den 12 Jahren der Schreckensherrschaft das Böse im Namen des deutschen Volkes, unwidersprochen von diesem, geschehen konnte, so wird das. heute damit erklärt, daß eine Stellungnahme gegen die Nazis und ihre Methoden garnicht möglich war. Dieser Grund fällt jetzt“ weg. Deutschland, hat das Recht der freien Meinungsäußerung, ünd sollte in Fragen des Antisemitismus; sowie anderer Ursachen, die zur Nazimacht und somit; zum Kriege geführt haben, von diesem Rebhf ausgiebigen Gebrauch machen. Daß dies - jetzt, nach Niederringung des Nazismus möglich ist, weiß jeder Deutsche, wissen Presse und Rundfunk, ‘weiß die Welt. Wie unbegreiflich muß es ihr erscheinen, daß Deutschland heute, nach all dem Vorgefallehen, diese neue Diffamierung, die dem .deutschen-Volk durch seine Antisemiten zugefügt wird/widerspruchslos hinnimmt. Schon haben sich im Ausland Stimmen erhoben,- die für Deutschland sprechen. , Eine der wertvollsten, kostbarste» dieser Stimmen ist / die . des bekannten Londoner Verlegers Viktor ‘Gollancz, der ob seiner lauteren, vornehmen Gesinnung, Achtung genießt in der ganzen Welt.' Gollancz ist Jude. Der Jude. Gollancz hat, von einer Reise durch Deutschland zurückgekehrt, geschrieben und immer wieder geschrieben „rettet Europa, rettet das deutsche Volk, helft dem deutschen Volk“. .-/•. , ■■ - ■-;./■ Auf solche Menschen, hört die Welt. Wieviel seelische Größe gehört dazu, gerade für einen Juden dazu, heute. für Deutschland einzustehen. Wie aber kann man erwarten, daß sich dieser Männ. und andere Menschen für1 das deutsche Volk einsetzen, wenn dieses Volk gleichzeitig seinen Antisemiten freies Spiel läßt, zur neuerlichen , Abreagierung ihrer Minderwertigkeitsgefühle — an Juden. Die deutsche Presse hat trotz -Papier-Mangels noch viel Raum für eine Menge Dinge — zur Bekämpfung des Antisemtismus fehlt ihr das Papier. ' . ■ '/ ' ‘ ' ‘ ’ Der deutsche Rundfunk bringt Musik und Vorträge, Sport und Belehrung und vieles andere — zum Kampfe gegen den Antisemitismus fehlt es ihm an Zeit.' Und doch wäre dies wichtig-für das deutsche Volk, wichtiger als vieles ändere. Die Welt muß endlich davon überzeugt werden; daß Deutschland nach , de» furchtbaren Erfahrungen, die es gemacht hat, jetzt abrückt vom Nazismus, Front, macht gegen alle Ursachen, die -zum Kriege und in dessen Verlauf zur Zerstörung Deutschlands , geführt haben Frönt macht gegen den Antisemitismus, als eine der gefährlichsten Ursachen. - Grete Signer. Antisemitische Saison? Klagen über . antisemitische Ausschreitungen lesen wir in jeder. Ausgabe des „Jüdischen Gemeindeblattes für die britische Zone“. Kamen die Aktivisten der Abwehrbewegung im Dritten Reich irgendwo einmal zusammen, waren selbige -geteilter Meinung. Ein Teil behauptete, daß die, durch Hitler jahrelang infizierten Massen in ihrem Leben nicht mehr zu heilen sind, während der andere Teil die Meinung ertrvat, daß das deutsche Volk, nachdem es. erkannt , haben, wird, wohin es durch Hitler geführt wurde, dessen gesamte Lehre, , also auch die Judenhetze, über Bord werfen \vird. Weder die eine, noch die andere Ansicht kann als endgültig angesehen werden. Ueberhaupt kann die Frage; Ist das deutsche Volle antisemitisch? — weder^ mit ja, nöch mit nein beantwortet werden./ Eine solche Formulierung ^bedeutet nicht etwa um den heißen Brei herumzütanzen! und eine „Einerseits-Anderer- £eits“-PoIitik ZU treiben. Nein! Man -kann, I5ei einem solchen Standpunkt durchaus zu einem klaren Ergebnis kommen. In der Praxis sehen die Dinge folgendermaßen aus: 1 In der Inflation ging es dem größten Teil des Volkes recht schlecht! Alte Leute verloren ihre Spargroschen,. die ihnen ihren Lebensabend sichern sollten. Lohn- und Gehaltsempfänger .konnten sich für ihren Verdienst kaum ein halbes Pfund Margarine kaufen. Und -was erlebten wir?. Antisemitische. Versamml mgen waren in dieser Zeit überfüllt, ln Schlesien, Brandenburg und der Grenzmark beispielsweise mußten antisemitische Versammlungen schon eip bis zwei Stunden vor Beginn wegen Ueberfüllung polizeilich 'geschlossen werden. Es genügte die Parole: „Wer hat <fie Inflation gemacht?/— die Börsb»juden.ü Dazu ein, paar, faule, blöde. Witze über die Ostiuden. Witze, die" absolut in keinem Zusammenhang zum Thema stanken und schon war ein1 zugkräftiges Referat zusammengebaut. Als die Inflation vorüber war, normale Zustände -wieder einsetzten, fuhr ich in dieselben Städte. Und, siehe dal In? einem Riese.isaäl in Waldenburg in Schlesien, der in; der Inflationszeit stets überfüllt war, gähnende Leere.. Nur 50 bis 60 Besucher, davon zwei Drittel Anhänger nichtantisemitischer Organisationen. Solche und ähnliche Beispiele könnten noch recht viele angeführt werden; Erst als ‘ ungefähr acht Jahre später die furchtbare Arbeitslosigkeit einsetzte,, konnte man ein Wiedererstarken' der antisemitischen Bewegung feststellen. Das Hitlerregime war nur durch Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu verhüten. Selbstverständlich soll durch diese Tatsachen das deutsche .Volk nicht entschuldigt werden; Es ist Raub in Ziffern Reichs»,,Einnahmen“ aus jüdischen Vermögen für uns untragbar, daß. wir bei allen Krisen, die durch verantwortungslose- Politiker entstehen, als Ventil, benutzt Werden. Es geht aus diesen Tatsachen aber auch eindeutig hervor, daß jüdische Politiker kein Interesse - hatten, Katastrophenpolitik zu betreiben, wie Goebbels dem deutschen 'Volke vorschwindelte. Es ist überflüssig zu betonen, daß auch der jüdische Politiker die Politik seiner Partei vertreten mußte. Darüber hinaus steht fest, daß wir durch jede Krise infolge des Anwachsens der antisemitischer Bewegung nur geschädigt wurden, also bei uns absolut Wh Interesse an irgendeiner Krise bestand. Diese -Gefanr besteht zurzeit wieder, da sich Deutschland durch die verbrecherische Politik Hitlers in schwerster Krise befindet. Erneut antisemitische Saison. Wenn wir heute, die wir viele' Jahrenur einen Bruchteil dessen bekamen, was die übrige Bevölkerung erhielt — soweit wir/überhaupt zu Haus sein durften — Irgend eine' ganz geringe Zuteilung bekommen, schon ent-; steht der Neid, wie ja der Antisemitismus zu ' allen Zeiten aus Neid entstand. Neid, der geistigen Qualität des Judentums wegen bis zum-kleinlichen Neid, wenn wir ein1 schönes gelbes Maisbrot zusätzlich bekommen, Neid in einigen Städten wegen eines ^halben , Raummeters schlechten Nadelholzes, für das mancher Glaubensgenosse seinen, ganzen Wochenlohn hergeben muß. Bekämen wir auch nicht die allergeringste. Sonderzuteilung, die upg für das Erlittene in keiner Form entschädigt, kein Mensch würde deswegen auch nur ein Krümchen mehr erhalten. Wir Sitzen auf d’em Pulverfaß. ' Ein Leben in Deutschland ist für uns nur in normalen Zeiten möglich. Ganz zweifellos hat es | auch durch uns an der. genügenden Aufklä-j rung .gefehlt. Damit soll; nicht gesagt sein, daß C.—V. und R. J, F. hundertprozentig versagt haben. Wäre dies der FaU, lebten wir wohl heut alle nicht mehr, zumindestens nicht? wir Sternträger. Das Schwergewicht der’ Abwehrbewegung hätte der klare, unwiderlegbare Nachweis, daß Judentum und Kapitalismus, keine identischen Begriffe sind, sein? müssen. Unter der Devise; Ausrottung des Judentums gauckelte man den Massen vor? daß man sozialistische Ziele im Auge habe und den Kapitalismus bekämpfe, .In Wirklichkeit war das Ziel ein entgegengesetztes; Zerschlagung der sozialistischen Bewegung. Für dieses Ziel röllte genügend Geld aus den Kassen der deutschen Groß-Industrie. Bereits der Schrittmacher Hitlers, Richard Kunze iK»üppel-Kunae) hat mir in Görlitz, auf meine Beweise, daß er als „Antikapitalist“ seine Propa- 'gandareisen von Stinnes finanzieren lasse, wortgetreu geantwortet: „Warum Soll!ch als Antisemit , kein Geld von Antisemiten Reh-j men?“ Wir Juden haben nicht nötig, eine Propaganda nach Goebbelschem Muster zu oe- .treiben. Ganz offen können wir unsere Karten auf decken. Denken wir nur einmal an den Goebbelschen Warenhäusschwindel. Wir planten die Vernichtung des „arischen“ Mittel-? Standes. Er wußte genau, daß durch die Wa-j renhauskonkurrenz gerade der jüdische Mittelstand am meisten gelitten hat* So, ja so,' steht es/mit allen anderen Parolen unserer Gegner. Wir haben nichts zu verbergen. Rabbi , Schimon, Sohn Gamliels, sagt: Wahrheit, Recht; und Frieden, auf diesen drei Dingen ist, der Bestand der Welt gegründet. Unseren Gegnern aber tufen wir eins der zehn Gebote zu; Du sollst nicht zeugen gegen deinen Nächsten als falscher Zeuge. / " -Erich Ffaenkel, Hamburg, Gerda’Ruth FleischmanneBÖhm: Lawinen rollen! Die - New. Yorker jüdische Wochenschrift „Aufbau“ veröffentlichte kürzlich unter der Uebersqhrift „Ziffern, die man nicht vergessen darf — Der Raub des jüdischen Vermögens in Deutschland“ einige besonders bemerkenswerte Zahlen, die dem Informationsblatt (der „American Federation of Jews from Central Europa“ -(der Vereini- . |un| von, Juden aus Mitteleuropa) entnommen: sind. Jm folgenden geben wir den Kern der Ausführungen des „Aufbau“ > wieder. ' / D. Red. f- Es ist notwendig, sich diese Zahlen gerade jetzt vor‘Augen zw halte» da die Frage der Wiedergutmachung in Deutschland in ein entscheidendes Stadium getreten ist. Die Ziffern sind in einem- Bericht der „Restverwaltung des ehemaligen Reichsfinanzministeriums“ entnommen und darum als authentisch zu betrachten. . . j :Diis•’,,Einnahmen“.• aus der Juden-Vermögensäbgabe/ (Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit) betrugen *im r / Rechnungsjahr 1938? 498 514 808,27 RM 1939 533126 504,06 „ V , „ 1940 94 971 183,15 Aus der Verwertung von Wertpapieren , und Zinsscheinen, die dem Reich auf Grund der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom i schließen. 25. November 1941 verfallen sind/sind als Eingang verbucht für. das Rechnungsjahr 1942 56 789122,45 RM „ , 1943 69 315 818.35 „ Z, 1944 60 000 000,00 „ Die Einnahmen aus der Verwaltung und Verwertung von .Vermögen, das dem Reich durch Einziehung, Verfallserklärung oder ähnliche Rechtsakte angefallen ia oder von. ihm beschlagnahmt wurde, betrügen (mit> Ausnahme der Einnahmen aus Wertpapieren und Zins-, schemert) im - . Rechnungsjahr 1942 . . 221648 958,36 RM / „ 1943 289 963 443,11 „ „ 1944 100 000 000,00» „ An Ausgleichungszahlungen auf Grund der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 sind dem Reich zugeflos.sen im /Rechnungsjahr 1942 ‘1943 „ * 1944 Diese Ausgleichszahlungen sehen Erwerbern, jüdischer Unternehmungen geleistet werden, die nach Ansicht*der Nazibehörden bei dec „Transaktion“ zu billig davongekommen sind, - ' Man - hat nicht versäumt, auch diese „Einnahmequelle" dem Reichsbudget zu er- 34.530 4883,87 ' 9156 161,17 5 000 000,00 mußten von an- K.Z.s gehören, im Blickfeld der Aera gesehen, schon zu den fast in Vergessenheit geratenen Weltgeschehen.- Das Rad der Zeih dreht weiter und schon entdeckt man heue „Märtyrer“,: die ■ das Schlangenstehen an Lebensmittelgeschäften, die nicht zureichende Emährüngslage , kurzerhand, a)s ob sie es einstmals selbst er-? lebten» mit. den Leiden der ehemaligen K.Z.-ler, ihrer Opfer, vergleichen. Diese Flüsterpropaganda, die sogar schon orkanartige Anschwellungen annimmt,' unter dem Mötto; „wir haben ja eine Demokratie und dürfe» reden“ rollt durch sämtliche Zonen und dem aufmerksamen Zuhörer, der gezwungen iät, häufig gleiche Strecken, egal ob mit Straßen- oder Eisenbahnen; zu ■ .fahren, fällt imrher wieder die Gleichmäßigkeit der Tonart, sogar die -Wiederkehr der sich unterhaltenden Üersonerigruppen auf. Refrains, aller- Klagen sind wieder die Juden, die sich angeblich rächen wollen. Das ist Balsam für'die belasteten Seelen, und wird daher als wohltuendes Medikament weiterverbreitet / Sogar/ vor der stillen/Vornehm gehaltenen Erholungsstätte im Harz, die die Jewisfa Relief Unit und der „American Joint“ den, meistens in K.Z.s für' ihr ganzes Leben gesundheitlich geschädigten Juden einrichtete, macht diese Lawinen nichj, halt. Munter rollt Sie bis vor das Kurbadehausi1 plappert auf die der Reihe nach abgefertigt werdenden Personen los: „daß wir hier warten müssen, verdanken wir -den Juden, die immer noch einzeln aus dem Heim zum Baden kommen. Sie spllten doch alle schon morgens „abgebadet“ werden. Darauf' entrüstete Stimmen — „I gitt, und nun müssen wir hinterher in dieselben Wannen steigen!“ Zu/ Verantwortung herangezogen.-, verschwanden diese Hetzer, aber der Keim saß. fest und die Steine konnten \3reiterr0llen. Sie rollten sogar in die Wochenschau hiiiein, die die Einweihung der Synagoge ln München zeigte. Schnell fanden sich organisierte Gruppen, die einige spöttische Bemerkungen da_zwischenriefen und dann eüigs’t davonliefen, um sich im „literarischen“ Kabarett als Claqueure wiederzufinden, wenn lächerliche Vergleiche zwischen Nazismus und der. sich in der Entwicklung befindlichen; Jetztzeit , gezogen werden, 1 ’ .'.i' ' , , Immer wieder, wenn Juden glauben, dank der eigenen Organisationen Ruhe und Frieden gefunden zu haben, mischt sich in ihren Freudensbecher . ein -Tropfen Gift.. Nicht haßerfüllt kehrten sie' aus'den Lägern, trotz größter erdulteter Leiden, zurück, sondern von dem kindlichen . Hoffen erfüllt, eine geläuterte Welt .vorzufinden,, die bestrebt ist, 'wiedergutzumachen und für die es sich lohnt, am Neuaufbau und einem ewigen Frieden mitzukämpfen. Statt dessen fand man . eine feindliche Front vor, die es den wenigen Ueberleb.enden. kaum verzeihen konnte, daß auch sie nicht als Märtyrer zu beweinen sind. Die einstmals zwangsweise verlassenen, Arbeitsplätze sind besetzt, der Existenzkampf beginnt VMi Neuem; man muß sich meistens einem neuen Berufe nicht Hauptbelasteten, Zurückgekehrten nicht zuwenden, denn die brauchen den zufällig >3 zu weichen und diefsiV rollen gleich einem. Spielball der machtvollen Lawine, als kleine Steinchen weiter, bis;$ie-?nU eventuell einmal von ehaem Bollwerk auf ge- , halten werden, das sie als lebendes, kraftsprühendes Element zu einem Ganzen ves*vi ■feint. r '9/ Maßnahme eines deutschen Ministeriums ‘Der Niedersächsische Minister des. Innern 1/6 Nr. 3660. : An die / ‘ Herren Präsidenten der Regierungs- bzw. Verwaltungsbezirke Hannover, Hüdesheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich, Braunschweig, Oldenburg, * . Betr.: Erhebungen über das Schicksal der rassepolitisch Verfolgten im Lande Nieder**' ■ Sachsen. - ■ Vorg.: Ohne. In“ den Ländern der britischen, amerikanischen und französischen Zone wird zur Zeit eine Umfrage durchgeführt, um das Schicksal, der rassepolitisch .Verfolgten während der nationalsozialistischen . Gewaltherrschaft festzusteilen. Für das Land Niedersachsen obliegt diese Feststellung dein Jüdischen Komitee Hannover, Historische Abteilung, Hannover, Ohestraße 8. ' , Das Jüdische Komitee versendet zu diesem Zweck iri den nächsten Tagen besondere Schreiben mit Fragebogen an die Stadtver- (Radnor*House, Voiksgarlens.r. 33) Tel.sNr. lauten je<*i wie folg«? 28701 u,27825 Waltungen Und die Kreisverwaltungen. Den Schreiben an die Kreisverwaltungen werde» einige Überdrucke für di; in Betracht kommenden Gemeinden, beigefügt. Das jähere ist! den Anschreiben zu entnehmen. Die Erhebung erfolgt mit meiner' Zustimmung. Das , Jüdische Komitee wird mir. das Ergebnis durch Überlassung von Abschriften der bei ihm eingehende» ausgefüllten Fragebogen mitteilen. / 1 . Im Hinblick auf die Bedeutung, die dieser Erhebung* zukommt, bitte» ich, die St idt-, Kreisend Gemeindeverwaltungen anzuweisen, die erforderlichen Feststellungen gründlich und gewissenhaft zu treffen, den Fragebogen sorgfältig .auszufüllen und mit tunlichster Beschleunigung an das Jüdische Komitee zurückzusenden. . / Überdrucke dieses Erlasses füge; Ich zur Weiterleitung an die Stadt- und KreisverwaK tungin der erforderlichen Anzahl bei. Im Aufträge: gez. Blank,