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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-07-20 · 8 (20.7.1947) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
8 (20.7.1947)
Date
1947-07-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m 2. Jahrgang — Nr, 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 20. Juli 1947 des Auslandes Dp. E. G. Lowenlhal: Das Werk der Jewish*Relief Unit in Deutschland v Aus der Broschüre »Das Zentralkomite der befreiten Juden in der brit. Zone 1945*47« Die Juden Großbritanniens in ihrer Gesamtheit, ob lange ansässig oder erst in den letzten Jahrzehnten eingewändert oder gar, von den Nazisvertrieben, na«_n England verschlagen, ha]ben vom Schicksal ihrer jüdischen Mitmenschen auf dem Kontinent gewußt und Stunde um Stunde um sie gebangt. Die jüdische Presse des Landes war den. ganzen Krieg hindurch voll von berichten und Nachrichten über den Vernichtungsterror der Nazis. Erster Ruf Schon zu einer Zeit, in der das Kriegsende noch nicht abzusehen war. fanden sich führende Menschen aus allen jüdischen Kreisen' und jüdischen Parteigruppierungen zusammen, um eine Organisation zur Rettung der Juden und zur Hilfe für die Juden auf dem Kontinent ins Leben zu rufen. Damals allerdings stand man noch am Beginn des Vernichtungsfeldzuges gegen die Juden, und das Ausmaß der grausamen Ausrottung, die dann folgte, konnte kaum jemand voraussehen. Die eindrucksvolle Kundgebung, in der sich Anfang 1943 die Vertreteder großen jüdischen Organisationen Englands in London vereinigten, ist unvergessen: damals wurde der Grundstein zur Scha fung des „Jewish Committee for Relief Abroad“ gelegt, aus dem die „Jewish Relief Unit“ als die Freiwilligen^ truppe,' die später die eigentliche Arbeit zu tun bestimmt war, her Vorgang: Die Anfänge der Arbeit Es verging verhältnismäßig kurze. Zeit,, bis 1944 die-ersten 15 Freiwilligen über ein Ausbildungslager in Aegypten nach Italien gingen, um unter jüdischen Flüchtlingen zu arbeiten. Materielle Hilfe allein genügte nicht, das persönliche Zurverfügungstencn, die 1 voraussetzungslose Opferbereitschaft zu entsagungsvoller Arbeit, das Verstellen und Verstehenwollen der menschlichen und sozialen Situation Verfolgter, gefolterter, Juden gälten als mindestens ebenso wichtig. Kaum hatte die Befreiung der von den Nazis besetzten Gebiete Westeuropas eingesetzt, als eine weitere Handvoll junger enthusiastischer jüdischer Menschen aus England vom Relief Committee herausgeschickt wurde, diesmal nach Holland, sozusagen den alliierten Armeen auf dem Fuße folgend, um am Aufbau von Notkrankenhäusern in den schwerbetroffenen Stadtteilen Rotterdams im Dienste der Allgemeinheit mitzuwirken. Schrei aus Deutschland Die Entsendung weiterer Freiwilliger,- klein an der Zahl, aber, angesichts der verz\ üfelten Lage der wenigen tausend überlebenden ‘Juden, zu jeder Hilfs- und Aufbauarbeit bereit, hielt fast Schritt mit dem Marsch^ der voidringenden Heere der Verbündeten. Ueberall da, wo sich gerettete Juden, Men- sehen aus aller Herren Länder Europas, Männer; Frauen und Kinder verschiedenster Nar tionalität und Sprache in größerer Zahl zusammenfanden, traten sehr bald die jüdischen Hilfsarbeiter in der, Khakiuniform mit dem .Davidstem auf den Plan, und oald blieb im Mund der Betreuten von. deu Bezeichnungen „Jewish Committee för Relief Abroad# und „Jewish Relief Unit“ bezeichnenderweise" nur das Wort „Relief“, Hilfe“ übrig, Diepholz, Celle, Bergen-Be’sen gehörten, zu den ersten Punkten im britisch besetzten Deutschland, wo jüdische Hilfsgruppen aus England, mit im Vergleich zu den' gewaltigen Aufgaben unzureichenden Mitteln ausgerüstet, in Notquartieren und primitiven Lägern ihre „Erste-Hilfe-Tätigkeit“ unter “jüdischen D. Fs. begannen: die Fürsorge für die körperlich , „ - , ... und seelisch geschwächten, vielfach schwer kranken, mit dem Tode ringenden Ueberlebenden, die Arbeit für die Alten und die Kinder, die medizinische Betreuung, die notwendige- Seelsorge — mit einem Wort all das, was in jüdischer Lehre und jüdischem Leben schlechthin mit Nächstenliebe bezeichnet zu werden pflegt. Bergen-Belsen Belsen stellt heute den . bedeutendsten Zentralpunkt unserer Arbeit in der britischen Zone dar, Unser dortiges Team -y Team ist die englische Bezeichnung für eine Gruppe, die zusammenlebt und -wirkt — etwa 12 Mann stark, ist aus der Arbeit, die jetzt bald seit zwei Jahren in dem größten jüdischen D. P.-' Lager der britischen. Zone geleistet wird, nicht mehr wegzudenken. Sie ist in der Tat zu einem wesentlichen Bestandteil des Lebens und der Entwicklung in Belsen geworden. Die Mitglieder der J. R. U. leisten dort Fürsorgeai'beit im weitesten Sinne, irrt . eigentlichen Camp wie im Lagerhospital, dessen Erhaltung, als jüdische Institution unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet ist. Die Tätigkeit der J. R. U--Mitarbeiter konzentriert sich namentlich auf Hilfe für Babies, kranke Kleinkinder und werdende Mütter; daneben gibt es Spezialisten, einen Installateur, der für technische Anlagen verantwortlich ist, Lehrör für Englisch und -Körperbildung, einen Fachmann, der die Lagerjxolizei auf gebaut hat und leitet. All dies und -die damit eng verbundene Verteilung sfon Mitteln geschieht in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Leiter des Legerkomites und den anderen ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen sowie thit der UNRRA. - , . - England als Lieferant Der Umstand, daß die britisene Wirtschaft seit Kriegsende erheblichen Beschränkungen unterworfen ist,. wirkt sich natürlich auch auf den Umfang und die. Mannigfaltigkeit der Hilfslieferungen aus, die das „Jewish Committee for Relief Abroad“ an die Juden in Deutschland £u senden in der Lage ist. Trotz dieser Schwierigkeiten können wir für uns in Anspruch nehmen, daß im Laufe der vergangenen Jahre große Mengen guter, meist getragener Xieidungsstücke, daneben bestimmte wichtige» nahrhafte Lebensmittel sowie Seife, Medikamente, Schreibmaterialien, Rüther, Haushaltsartikel, aber auch hier und da z. B. Nähmaschien sowie Apparate und Instrumente zur Berufsausbildung - nach Deutschland verschifft und von der J. R. U. lach bestem Wissen und Gewissen verteilt worden-* sind. Das gilt für Juden in Lägern und Städten, für notleidende Menschen in den drei westlichen Zonen Deutschlands und in Berlin, aber auch für alle, die in Oesterreicn, Italien und Griechenland erhalten werden müssen, bis ihnen der Weg an ein Endziel gelingt Geistige Hilfe 1 Aber^ von Anbeginn an haben weder das Relief Committee in London noch die Relief Unit .in Deutschland ihre Hilfslieferungen auf die Erfüllung lediglich materieller Bedürfnisse beschränkt und beschränkt wissen wellen. Jüdische 1 Menschen leben nun einmal nicht allein von Brot. . . Die Versorgung des einzelnen mit Literatur und jüdischen Zeitschriften und die Unterstützung jüdischer Gemeinden beim Wiederaufbau ihrer Betsäle, ihrer Bibliotheken und Friedhöfe hat uns stets sehr am Herzen gelegen; gelegentlich waren wir auch in der Frage der Beschaffung von Rabbinern behilflich. ... H. Q. Die Organisation der Versorgung ist zentralisiert in dem bisher unbekannt gewesenen Dorf Eilshausen bei Herford in Westfalen, wp, in der Nähe von UNRRA., und Kontrollkommission, die „Jewish Relief Unit“ ihr Hauptquartier hat. 'Dort, in der Leitung, laufen die Fäden aus London und aus den yersehieden- "sten Teilen Deutschlands zusammen, dort wird Nachfrage und Angebot reguliert, die Personalpolitik. gemacht und der beträchtliche Wagenpark in Ordnung gehalten, zu dem Krankenwagen und fahrbare Ambulanzen gehören, die tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um Kranke zu transportieren oder den Aerztender Unit oder t Hospitälern (auch im Ausland) zur Untersuchung vorzuführen. Gesunderhaltung Die medizinische Betreuung spielt im Rahmen der J. R U.-Arbeit überhaupt .eine bemerkenswerte Rolle: es ist nicht allein ' der Arzt oder die Schwester, die zur Stelle sind, oder die Existenz des Belsener Hospitals, es gilt, Kranke zur völligen Heilung zu bringen. Und Man spricht vom „Joint?* und man weiß, daß der „Joint“ es ist, der unsere jüdischen Menschen in der britischen Zonevor einer Hungerkatastrophe bewahrt hat. Das wissen alle unsere jüdischen Menschen. Aber die meisten wissen nicht, was der „Joint“ noch mehr getan hat. Sie wissen nicht, daß diese mächtige Hilfsorganisation überall dort eingegriffen hat, wo es notwendig war. Der „Joint“ gibt nicht nur Brot, er gibt unseren Kranken Medizin, er stellt ihnen Aerzte und Fachpersonal. ' Der „Joint“ gibt unseren Schulen das Lehrmaterial, er gibt ihnen aber .auch Lehrer. Der „Joint“ gibt Kleider, gibt Wäsche, gibt alles, was man braucht. Der Suchdienst des „Joint“ stellt den Kontakt zwischen den Familienangehörigen wieder* "her, die Auswandererabteilung trägt dazu bei, daß viele überlebende jüdische Menschen der Jewish Agency for Palestine Ueber die Tätigkeit der Jewish Agency for Pälästine brauchen wir nicht viel zu sagen. Es-gibt keinen Juden in der Welt, der nicht, weiß, welche unglaublich weitverzweigte Arbeit von ihr in der ganzen Welt geleistet wird. Die Jewish Agency for Palestine hat uns Dr. Kurt Lewin gesandt, einen Menschen, der die deutschen Verhältnisse kennt, einen Mann, der mit großer Hingabe für unsere Menschen arbeitet. Seine Mitarbeiter, über die ganze britische Zone verteilt, sind überall zu finden. Ob wir in eine Hachscharah kommen, öb wir in einem Krankenhaus sind, ob. es sich darum handelt, die Aermsten der Armen zu betreuen, überall sehen wir diese .uniformierten Männer und Frauen der J. A. F. P, Die Arbeit, die die Jewish Agency in der britischen Zone für die Auswanderung nach Erez geleistet hat, ist bewundernswert. Es wurden Schwierigkeiten überwunden, die unüberwindbar schienen. Unsere Menschen in den Städten, die jetzt schon das Glück haben, in Palästina zu sein, oder die sich auf der Fahrt dorthin befinden, haben das der Arbeit der Jewish Agency zu verdanken. Auf kulturellem Gebiet verdanken wir der Jewish Agency Bücher, Ze Jungen und viele andere Dinge mehr. — Die Frauen und Mänlier der J. A. F. P. haben den Geist Palästinas mit sich gebracht. Für sie gibt es nur eins:, Arbeit für die Heimupd Heimatlosen. ' Die Jewish Agency kämpft weiter für uns, sie kämpft für die Erhöhungsder Anzahl der Zertifikate, sie kämpft xdafür, daß alle, vor allem aber unsere Kinder, so schnell als möglich in ihre Heimat, Palästina, kommen. britischen Zone zu ihren nächsten Angehörigen nat'h Uebersee gehen können. Der „Joint“ führt Transporte durch, er verhilft zu Erholungsreisen in die'Schweiz und Italien. Er. gründet Kindergärten — und der „Joint“ bezahlt die Transporte unserer Menschen, die nach Uebersee und nach Erez gehen. Sarö Dallob und Egon Fink — beides Menschen'mit viel Verständnis für uns — sie leiten den „Joint“ in der briti-schen Zone in allen seinen Abteilungen. Es ist unsere Aufgabe, ihnen und' allen Mitarbeiteren. dieser mächtigen jüdischen Organisation zu danken für das, was sie taten und was sie noch tun. \ 'jH }. Oben: Von links nach rechts: Sam Da1*cb fZonendirektor,* Toint\ Simon Bfoomherg (European Director, JeVish Relief UnitL — Unten: Von links nach rechts: Dr. Spanier (Chief Medical Officer, Joint;; David Kainitzky (»Poiizeichef« von Belsen, Jewish .Relief Unit); Dr. E. G. Lctwenthal (F<eld Director, Germany, Jewish Relief Unit); Dr. Kut. Lewin (Leiter der Jewish Agency in der britischen Zone); Egon Fink (Stellv. Direktor, Joint). .

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