Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 5 (11.6.1947)
- Date
- 1947-06-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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11. Juni 1947 — Nr. ,51 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE B, Jahrgang •— Seite % Einer unserer nicht jüdischen Leser, der'ein aufmerksamer Beobachter der. Entwicklung' unserer ‘ jüdischen Sache in Deutschland ist, : übergibt uns nachstehenden .Beitrag, dem Wir recht gern . Raum gehen. (Die Redaktion). Der lebenden Generation, ist die zweifelhafte Ehre zuteil geworden, Zeugin gigantischer Umwälzungen zu'werden. Diese Tatsache sollten den Einzelnen zwingen, die Geschehnisse aus dem' Blickwinkel des miterlebenden Historikers zu betrachten und sich um Abstand und Analyse zu bemühen. Wer dies vermag, . besitzt politischen Sinn, Wie gering er bei den Deutschen entwickelt ist, zeigt die Erkenntnis, daß allenthalben das Bewußtsein vön der Unwiderruflichkeit der gefallenen Entscheidungen und von der Tiefe der Zäsur fehlt,, die das begonnene Zeitalter von dem überwundenen trennt. Die Auffassungen,Idepen man begegnet, lassen sich, fast stets auf den Tenor' bringen: „Wir haben einen Krieg verloren; .des-- halb geht es uns jetzt schlecht, Wie nach dem '1. Weltkrieg wird es einige Jahre dauern, bis. wir wieder hbchkommen.“ Damit verbinden sich y verschwomrriene, Träumereien;voiT, Wiederherstellung deutscher Machte Vertreibung der Besatzungstruppen, ja Revanche-Gedan- ’keri. Daß die Kapitulation der. Schlußpunkt einer Epoche 'der' Weltgeschichte war — und nicht der eine.r Episode der deutschen ■— diese Erkenntnis ist mir in wenigen Hirneif aufgedämmert. . " , . ' Es kann wohl kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß. wir in diesen Jahren den tiefsten Einschnitt miterleben, den die Geschichte des Menschengeschlechts zu verzeichnen hat. Wir befinden uns in den Geburtswehen des den ganzen Erdball umfassenden Weltstaates. ’ Waren alle Gedapken an diesen gestern noch phantastische Utopien, so sind sie heute nüchterne Erwägungen politischer Fakten gewor-' den. Bis zu den Katastrophen des Jahres 1945 gab es —■* wie seit Jahrhunderten — ein „Konzert“, von Großmächten, seitdem nur . noch drei,„ gruppiert' in nur' zwei polare Machtkomplexe. Und — folgt man der Konzeption der amerikanischen und der sowjetiscßen Leitartikler^— so wird die. .- weltpolitische Situation durch die Tatsache charakterisiert, daß die Entwicklung. auf den Ausgleich - der Spannung zwischen diesen beiden Polen; hinausläuft, mit dem Ergebnis, daß für den gesamten Erdball nur eine Kraftzentrale übrigbleiben wird. * Das Charakteristikum der vergangenen Geschichtsepoche — das Ausbälancieren der Machtverhältnisse zwischen einer Anzahl maßgebender Staaten — wird dann in Wegfall gekommen sein. Und das bestimmende Faktum des heraufziehenden Zeitalters wird die Prädominenz nur Einer Macht sein —ein völlig neuartiger, nie dagewesener Zustand, seit Geschichte geschrieben wird. -Denn selbst zur Römefzeit war nicht Ein Machtgebilde allein Existenz — mußte doch das Imperium romanum mit Elementen* außerhalb der Grenzen, dem Partherreich und der heranbrandenden Flut'der germanischen Völker in Sonderheit, als höchst gewichtigen Faktoren rech-: nen. Ja, es ist Sogar die im negativen Sinne entscheidende Tatsache," daß .das Imperium zwar den überwiegenden Teil der kulturtragenden Menschheit, nicht aber . alle in dieser Sphäre des Erdballes wirksamen' Machtfaktoren in sich schloß: Diese Disharmonie ist1 .es, die wie ein" Schatten über der Prosperität und dem sozialen und kulturellen Gedeihen des Imperiums lag und es hinderte, der Menschheit jenes. Goldene Zeitalter friedvollen Blühens.zu gewähren, das es ihr schuldete und für das es-präedestiniert schien. .v; Damit. ist der gewichtigste Unterschied zwischen dem Universalstaat der Vergangenheit und dem der Zukunft aufgezeigt. «Keine essentielle Verschiedenheit hingegen bedeutet es, daß es auch in der entstehenden Weltordnung eine Vielzahl von Einzelstaäten geben wird -rdenn sie-werden im Hinblick auf politische und wirtschaftliche Macht so gänzlich von der Einen beherrschenden. Weltzenträle abhängig sein, dqß man von s o u y e r ä n e n Staaten nicht mehr sprechen kann: sie werden Selbstvetwaitungsgebilde. sein für die Angelegenheiten, die nur lokale Bedeutung besitzen, —■ ähnlich wie es vor 1933 die „Länder“ waren im Verhältnis £um „Reich“, Terminologisch mag man dieser Situation Rechnung tragen indem man nicht von einem Welt-„Staat“' sprießt, sondern von depa „Universal Commonwealth of Nations“. ■ Die Hervorhebung der gegenüber dem Römischen ■ Imperium grundsätzlich' veränderten Situation ist deshalb wichtig, weil sie all denen den Wind aus den »Segeln nimmt, die aus dem antiquen Präzedensfali negative. Prognosen für die Chancen jeder Weltorganisation folgern möchten:-Die Regelung der .Zukunft unterscheidet sich von derder Vergangenheit. essentiell dadurch, daß sie deren' Kernfehler nicht in sich trägt: sie ist machtmäßig schlechthin universell! Die, absolute ' Neuartigkeit des heraufdämmernden Weltzeitalters sollte, auch in der Begriffsbestimmung zürn Ausdruck kommen. Man hat bei der Einteilung der Geschichte in Altertum,, Mittelalter und Neuzeit' das Kriterium der Existenz, . des Verschwindens und der. Wiederentdeckung. der , antiquen Kultur zugrunde gelegt. Ist aber1 nicht. die Zäsur,* deren Zeugen wir werden, eine viel, bedeutsamere? Daß zum ersten Male seit der Erschaffung des. Menschengeschlechtes alle seine Glieder in Einem .Gemeinschaftsgebilde zu-' sammenleben werden?! Daß damit „Kriege“ im herkömmlichen Sinne Unmöglich werden, alle Länder eine Wirtschäfts-, - Münz- und Gewichts-Einheit1 bilden werden und der von Bevin erträumte Idealzustand paßfreien Reisens von Land, zu .Land nur noch eine Frage, ‘der Zeit sein wird. r Das erst'wird die Neuzeit sein! Und sie wird nicht nur die kulturell höchstentwickelte Epoche; der Menschheitsentwicklung werden, sondern auch die längst dauernde. Es ist nicht anzünehmen, daß wieder eine Rückentwickelung, ins vergangene . Zeitalter der Nationalismen pintreten Wird.' Der neue Zustand wird' der / permanente, der natürliche, der einzig moderne werden. Ja, unsere Enkel werden sich die Weltänarchie von heute und gestern nicht einmal mehr vorsteUen können und ihr so verständnislos oder amüsiert gegenüber stehen wie wir dem Zeitalter der Postkutsche. Dör Veränderung der Machtverhältnisse wird eine solche des “Denkens: entsprechen: --Entsprach dem Zeitalter; des Nätiönalismus die Mentalität des „Patriotismus“, so findet die endgültige Weltordnung des „Universal Com-: monwealth of Nations“ ihre1 psychische Parallele im Weltgefühl der Humanität.' Sb ytird nationalistische oder gar rassische Unduldsamkeit den, kommenden Geschlechtern so unT faßbar sein Wie unsdie religiöse -Intoleranz der Anhänger des Arius und des Attanasius, die sich wegen Eines Wortes im Glaübensbekentnis generatiönenlange blutige Schlachten lieferten.; Umgekehrt wird man demgemäß Verstöße gegen die Gesetze .der Humanität und gegenseitigen Achtung d.er Völker und Staaten als das Verbrechen per Excellence betrachten, v Heute, in den Jahren des Ueberganges, der Geburtswehen der Neuen Zeit, ist dieses moralische Gefühl noch fast allenthalben unentwickelt. Das jüdische Gemeindeblatt hat in dem Leitartikel der Nr. i des zweiten Jahrganges auf die erschütternde Tatsache hingewiesen, daß sich das deutsche Volk in weitesten Kreisen nicht bemüht, seine Schuld an der jüdischen Minorität wieder, gut zu machen, daß im Gegenteil Elemente am Werke Sind, die diese Schuld und damit das Verbrechen gegen die Humanität noch vergrößern wollen, Keipe Tatsachei'zeigt so deutlich wie diese, wie gering bisher die Sinneswandlung des deut schen Volkes ist.- Diese Umstellung des Denkens aber ist nicht nur ein Vorgang, den zu fordern die jüdische Minorität, ein gebieterisches Recht hat, sie ist zugleich eine Lebeiisnbtwendigkeit im wohlverstandenen Interesse der Deutschen: Der Einzelne muß mit seinem Leben ip der Gemeinschaft Schiffbruch erleiden, wenn er nicht seine Sinnesart mit dem in dieser herrschenden (feiste synchron abstimmt; das will sagen: Die Deutschen' werden, in 'dem entstehenden „Universal Commonwealth of Nations“ nicht bestehen, wenn sie nicht den Geist' nationalsozialistischer und rassischer Unduldsamkeit durch die Gesinnung der, Humanität ersetzen. 7 Um dies Umdenken aber zu erzielen, ist es nicht damit getan, Verstöße, gegen die Humanität anzuprangem. Um das Uebel an der Wurzel zu packen,' muß den Deutschen ein solches Wissen über die hohen positiven .Qualitäten unter ihnen lebenden Minorität vermittelt werden, daß die Achtung vor dieser das Entstehen einer jeden Form von Unduldsamxeit zur Unmöglichkeit macht. Erwägungen darüber, wie dies geschehen könne, dürfen einer Fortsetzung dieser Ausführungen Vorbehalten bleiben. E. M. des „Rates der Jüdischen Gemeinden in der Britischen Zone“ am 1. und 2. Juni 1947 in Bremen Der „Rat der Jüdischen Gemeinden ln der Britischen Zone”, trat am ’l. Juni d. J. zu einer bedeutungsvollen Konferenz zusammen. Die Tagung fand diesmal in dem neuerrichteten Altersheim statt, über das man ', eigentlich einen Artikel allein schreiben könnte. Wir wollen uns heute darauf beschränken, zu sagen, daß es das - schönste ist, was. wir bisher - an jüdischen Institutionen in Deutschland zu sehen bekommen, haben. Und weil es so schön, weil es mit so viel' Geschmack ' eingerichtet jst, deshalb werden wir in' kurzer'Zeit über dieses Haus, das vielen unserer Menschen iii den kommenden Jahren Freude geben wird, einen * besonderen Bildbericht bringen: Norbert- Wo 11heim , eröffnete die. Sitzung. Er begrüßte die Ratsmitglieder,, und sein* besonderer Grüß galt dem Direktor des American Joint, S a;m Dallob, dem Direktor' der rJe-, wish Relief Unit, *'Dr. Lowenthal, dem Rabbiner Dr. Helfgott und dem Rabbiner. Dr. A sh er» der von einer Inspektionsreise aus Australien nach der Britischen Zone gekommen ist und zum erstenmal einer .Ratssitzung* beiwohnte... . Norbert Wollheim sprach dann unserem Freund. Salomon aus Kiel nochmals namens des „Rates“ dal Beileid aus, der durch den Tod seiner Frau tief getroffen wurde. .' _r Auf Vorschlag des Vorsitzenden \vurde Dr, van Dam von der Jewish Relief Unit zum Rechtsberater des „Rates der Jüdischen Gemeinden“ ernannt. * . Senats#irektor Dr. Loefxl.er. gab dann einen Bericht über die zweijährige Ge- . denkfeier der VVN. München und Dachau. Ej gab ein anschauliches Bild von den Tagungen, die stattgefunden .haben, von den führenden Köpfen der WN. des In- und Auslandes, die gekommen waren und . hob besonders hervor, daß er sich davon überzeugt habe, daß in der WN. das ehrliche Bestreben vorhanden sei, alles Parteipolitische, aus dieser Bewegung auszüschalten-. Senatsdirektor Dr. Loeffler gab seiner Bewunderung Ausdruck über .das hohe Niveau', in der sich die Aussprachen bewegten, besonders die vom Rüridfiirik übertragenen Unterhaltungen * zwischen E u g e n K o g o n, Dp Ludy&ig Schmidt, Otto Mätsehke, Räddatz, Jan et Wolf, Dr. Hans Meyer, Fr an z Hü tt ge n s, Saal Wächter, Julius Meyer, Pfarrer Grüber und vielen anderen mehr.. Dr.. Loeffler hob besonders die bestehenden, Unterschiede bei den Widerstandsbewegungen Deutschlands und-des Auslandes-hervor.' Für* uns, so sägte Dr, Loeffler, ist besonders bemerkenswert ein Ausspruch des Pfarrers .Gräber: ,jWer, Antisemit ist, ist kein Demokrat, wer einen Juden beschimpft, ist ein Feind der VVN.“ Fs wurde -den Ausführungen des Dr. Loeffler größer Beifall gezollt., Im Anschluß an'diesen Berichthob Norbert Wollheim besonders hervor, .daß alle Sender; pnit Ausnaßme der Britischen Zone, . dieser Tagung int Dachau und München sehr viel'Zeit zur Verfügung gestellt haben. Die Britische Zone hat kaum davon Notiz genommen.. Als nächster Puhkt der Tagesordnung wurden Orgänisationsfragen behandelt. Ein Antrag der Jüdischen Gemeinde Hamburg wurde zur Debatte gestellt, der für eine gewisse Selbständigkeit der. Jüdischen Gemeinden .ünabhängig .vom Zentralkomitee plädierte. In einer’ außerordentlich guten, sachlichen Diskussion, 'die sich viele Stünden hirizog, ■ wurden alje Fragen unserer organisatorischen Zukunft eingehendst besprochen. Norbert- Wollheim gab jedem;der Anwesenden die ‘ Möglichkeit und Gelegenheit, seine1' Wünsche und die 'Wünsche der Gemeinden zum Ausdrück zu bringen, so daß ein klares Bild geschaffen werden konnte. An der Diskussion beteiligten J sich alle ( Ratsmitglieder, die Rabbiner Dr. j Löwenthaf -und Dr.' van Dam. * Zum Schluß wurde die dringende Notwendig^ i keit .einer einheitlichen Organisation eipges'ehen. Jeder einzelne wußte, daß es sich hier um eine schwerwiegende,: , vielleicht sogar historische Sache handelt, fes war aber auch jedem bewußt, daß die Erlebnisse der vergangenen Jahre aus dem religiösen. Judentum ein politisches Judentum gemacht haben, das geeint sein muß, um seinen Feinden begegnen und sein Recht durchsetzen px können.. Der Rat kam dann überein, daß man bei dem am 20. Juli stattfindenden ■ zweiten Kongreß des „Zentralkomitees der befreiten Juden der Britischen; Zone“ in Bergen-Belsen sich darüber einigen wird, daß der hRat der Jüdischen Gemeinden der Britischen Zone“ als' aufgelöst zu betrachten söi und eine neue Organisation Unter dem „Zentralkomitee der befreiten Juden“ der Oeffentlichkeit gegenüber, dev Welt gegenüber die Interessen aller jüdischen Mensehen in der Britischen Zone wahrnehmen wird. - / ' ,' .. Nach diesen Beschlußfassung — es war lange nach Mitternacht — dankte Wollheim den Anwesenden^ dankte jos^f Rosensaft im Namen des Zentralkomitees uhd beide gaben sie der, Hoffnung Ausdruck, daß wir riun einen großen Schritt weitergekommen sind, daß . nun der Kongreß ein Kongreß des Erfolges sein wird und daß wir recht bald* in den Genuß, der Anerkennung kommen werden, die uns bisher versagt worden ist. . Am Sonntag begann die Ratssitzung vormittags 9 Uhr. Der erste behandelte Punkt war die Interzonentagung,, die am,7. Juni in.Frankfurt am Main Stattfinden wird. Eine Einigung über die! Entsendung der Delegierten war schnell erzielt. * Der Rat War sich : auch sehr Schnell darüber einig, daß auf dieser Ta^ gung alles, darangesetzt werden müsse, um eine geeinte Arbeit, in ganz Deutschland herr beizuführen. ■- * . Dann wurde eine kurze Debatte über die WN durchgeführt, in der im, wesentlichen das wiederholt wurde, was Dr. Loeffler am.Tage -vorher gesagt hatte. Es wurde Wert darauf gelegt, zu betonen, daß' die WN. keine politische Organisation sei. Norbert Wollheim wurde gebeten, am 12. Juni der Zonentagung der WN. in Hamburg/beizuwohneri. Bezüglich der „yereinigung der . von den Nürnberger Gesetzen Betroffenen“ lag ein Antrag vor. Der Rat beschloß, daß den Mitgliedern Jüdischer Gemeinden nicht verweigert werden könne, auch Mitglieder dieser Vereinigung zu sein, daß Funktionäre jedoch nicht berechtigt seien, •Funktionen in dieser Vereinigung anzünehmen. Die Maßnahmen des Herrn Schlange« SchÖningen waren Anlaß zu einer ausgedehnten Aussprache. Woilheim legte die Si-1 tuation klär und zeigte auf, daß das bizonale Ernährungsamt sich über die Bestimmungen der Militärregierurig einfach hiriweggesetzt habe, um die uns zugebilligten Sonderzuteilungen zu kürzen oder ganz zu nehmen. Er verlas Beschwerdebriefe, die an unsere großen Ausländsorganisatiönen abgegangen sirid und bat auch Dr. van Dam, in Berlin die notwendigen Schritte zu untemehmerii . Diese Zonentagurig hatte viel' Erfreuliches und eirier der erfreulichen Punkte der Tagesordnung war die Bestellung des Chefrabbinats,. Es wurde das Chefrabbinat unter dem'Chefrabbirier Dr. Helfgött gebildet. Die Jüdischen. Gemeinden der Britischen Zone wissen nun endlich nach Zwei Jahren, daß sie einen Rabbiner haben, daß eiri Rabbinat ihnen zur Verfügung steht. ■ Zu diesem Punkt der Tagesordnung 1 sprach der australische Gast, Rabbiner Dr. Asher. Er legte dar, daß er von seiner Vereinigung, der Weltvereinigurig der liberalen Rabbiner, dessen Vorsitzender Dr. Leo Beck ist, nach der Britischen Zone gesandt worden sei, um‘sich zü orientieren, und um* ‘festzustellen, wo uhd wieviele Rabbiner' benötigt werden. Er erklärte, daß diese Frage unberücksichtigt der Bestellüng des Rabbinat, behandelt werden wird und gab das Versprechen ab, daß auf seine Initiative, hin mindestens ein weiterer Rabbiner recht bald, nach der Britischen Zone, kommen \vird, wenn nicht, er selbst sich dazu entschließen sollte. Dr. Asher ist ein Sohn des bekannten, früheren. Wiesbadener Rabbiners Dr., Ansbacher. . Dr. Helfgött gab einen; interessanten Bericht über seinebisherige Tätigkeit im Lager Belsen, aus dem die Vielseitigkeit seiner Arbeit, . die unmittelbar nach der Befreiung . mit der Bestattung der vielen tausend-Töten begonr^ nen hai, ersichtlich war. Es wurde eiri Rabbinatsiuratorium gebildet, dem Kat z (Bremen), Prager (Hannover);-» B1 r,n b au m (Köln), Ziegel (Hamburg), * ängehören werden.-. , Nachdem noch eine Iteihe Von anderen Fragen besprochen würden und, einige technische Dinge erläutert , worden sind, endete diese Ratssitzung am Sonntagabend gegen 7 Uhr. Zusammenfassend muß gesagt werden, daß es* die erste Ratssitzung war, vop der man wirklich sagen kann, daß sie erfolgreich war. - Sie hat den Grundstein zu einer Arbeit gelegt, die erfolgreich sein muß, ' wenn alle Beteiligten sich unserer Sache so zur Verfügung stellen, wie das zu hoffen ist. . *x. Uhtersuchunqskomrniissiöii der jüdischen die Frage Wir entnehmen dem Mitteilungsblatt der „Vereinigung der Ueberlebenden von den 7500 aus Baden und Pfalz deportierten1 Juden und der nächsten Angehörigen der Verstorbenen " und Verschollenen“ folgenden Aufsatz: Der Generalsekretär der V. d. Ue. weilte im Monat März im französisch besetzten Gebiet Deutschlands. , Seine Reise -galt eirier Enquete über die Situation der aus Frankreich; in, die Z.F.O. zurückgekehrten Juden,.; einer Klärung unserer Kenntnisse de'r Sachlage in 'der Frage der Rückerstattung der Sühneabgabe und einer Beaugenscheinigung des derzeitigen Zustands der jüdischen Friedhöfe, die sich infolge Zeitmangels leider auf Stichproben beschränken niußte. Diese ließen indessen zur Genüge erkennen, wie angebracht der energische Hinweis war, den am* 17. Oktober 1946“der D<§- legue pour le Pays de Bade in der Frage der Wiederinstandsetzung der jüdischen Friedhöfe anden badischen - Ministerialdirektor für innere Angelegenheiten richtete. Bis spätestens 31. Dezember1 1946 (infolge, des frühen Winters wurde - diese Frist darin aber bis; Ende April 1947 verlängert) und bevor die jüdische Religionsgemeinschaft die . Pflege ihrer Friedhöfe von neüem selbst, übernehme, seien — so betonte; diese Note — deren. Wege zu säubern, deren umgeworfene Grabsteine wiederaufzustellen und soweit sie verschleppt -wurden, zu suchen. Jede Nachlässigkeit ' in . der Beachtung dieser7 Instruktionen gedenke -die französische Militärregierung rücksichtslos zu bestrafen,. ohne irgendwelche Entschuldigungen gelten zu lassen. Ein Vergleich7 ' des Zü4 Stands'der Friedhöfe Badens, die wir vor einem Ja-hr besucht, hatten,: mit dem Bild, daß sic vor einem - Monat boten, ließuns erkennen, daß* diese an die zuständigen Bürgermeister weitergeleitete. Warnung des Chefs der französischen Militärregierung für Mittel-, und :Südbaden ihre Wirkung nicht verfehlte. Selbst in dem von Dutzenden erwachsener Nazibuben in mehrtägiger „Arbeit“ .systematisch zerstörten jüdischen Friedhof Kuppenheim (Murgtal) — nebenbei bemerkt, die -Fahndung nach den Schuldigen; der dortigen Grabschändungen führte: nur zur Feststellung eines Namens und dieser bezeichnete wohlverstanden einen Toten. — versucht man -wieder herzustellen, was noch, herzustellen' isfc Ist es abernicht ein betrübliches Zeichen, daß mehr als zwei Jahre nach dem Zusammenbruch des Naziterrors die7, französische Militärregierung sich noch veranlaßt sehen mußte, - in einem unmißverständlich .scharfen -Ton gewisse badische:7 Behörden auf eine Pflicht hinzuwei-. . sen,, deren . rascheste Erfüllung aus freiem eigenen Entschluß ihnen hätte Ehrensache sein sollen? Von. den* Gemeinden, die grst eine 'Aufforderung der Obrigkeit abgewartet haben, um sich ihrer jüdischen Friedhöfe anzunehmen, wird man, so peinlich sie; ihr nun auch nachkommen mögen, nicht; behaupten können, daß sie in ihrer Ortsgeschichte den. Schandfleck der Gräberschändungfen auch nur halbwegs wieder aüsradiert haben,; . Nur wenige mittel- und oberbadische Gemeinden warön, . wie Rast ä 11 und Offenb u x g dieser elementars ten Pflicht, enthoben: Trotzdem haben gerade 'diese beiden Städte nicht den Wink von oben abgewartet, um ihren, jüdischen Friedhöfen eine ganzbesondere Pflege angedeihen zu lassen. In Rastatt wird dank der Initiative des Bürgermeisters Franz Maier _ bald die feierliche Einweihung eines von 'der Stadt erstellten Gedenksteines stattfinden ,„zum Gedächtnis .der Opfer, welche . die jüdische Gemeinde Rastatt in den zwölf schwarz umrandeten Jahren der deutschen Geschichte ''bringen mußte-.“ .Möge der fromme Wunsch „Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Besinnung, den Kommenden zur Mahnung''* gehört werden. Es folgen auf dem Denkmal nicht weniger als .vierzig Namen aus Rastatt stämmender' Juden, die in Auschwitz, ausgerottet würden öder bereits schon vor ihrer Redeportatiöri, in G.urs, ,ihr durch inaßlose Entbehrungen und; Aufregungen geschwächtes Löben aushauchien. Das Rastatter Beispiel wird mancherorts befolgt werden. In Offenburg und in Schmieheim ist ebenfalls bereits die Erstellung* eines: Gedenksteines auf dem jüdis’chen Friedhof geplant.