Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 4 (28.5.1947)
- Date
- 1947-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Mal ISwrr JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE irr. 4 — 2. Jahrgang Aul den Ruinen der jüdischen Gemeinden in Deutschland Ehrung jüdischer Flüchtlinge für die Kulturkommission, in der er mitar beitet, große Anerkennung erworben. Wiedergutmachung, in Göttmgen Ü mm i'i m m i Isi ,v Araber greifen Juden an Jerusalem. (JTA.) Eine Gruppe von Juden wurde bei einer Wanderung in der Wadi Kelt- Gegend in der Nähe vom Toten Meer, von einer Gruppe Beduinen' angegriffen und beschossen. Ein Jude wurde verwundet und in das - Hadassah-Höspital gebracht. Jerusalem. (JTA.) Es wird angenommen, daß sich verschiedene-prominente Nazis, u. a. Martin Bormann, der ehemalige .Chef der, Reichskanzlei, im Libanon versteckt halten. Weiter wird berichtet, daß Anton Saadah, ein notorischer libanesischer Faschistenführer, der von der libanesischen Polizei; gesucht wird, eine arabische Ausgabe der „Protokolle der Weisen von-Zion“ vorbereitet, 'Jerusalem. (JTA.) Pie ganze jüdische Presse lobtDr. Abba Hillel Silver wegen' Seiner würdevollen und ausgeglichenen Art,' in welcher er den jüdischen Fall, beim Politischen Komitee ■ vortrug. Alle Berichte von Lake Suqcess betonen, daß sejne Redeeinen ausgezeichnetn Eindruck auf das Komitee und die Oeffent-- lichkeit gemacht habe. J Jerusalem., (United Press.) Der Leiter des MIrgun“ Menachem Begih teilte der Leitung der „Haganah“ mit,v daß der „Irgun“ in der Zeit der UNO-Vollversammlung keine ’ Aktionen durchführen lyird. Es wird damit gerechnet, daß auch die „Sterngruppe“ einen ähnlichen Beschluß faßt. Jerusalem. (DENA-Reuter.) In der Nacht vom 4. zum 5. Mai" versuchten Gruppen ‘ der „Irgun“- und „Stern“-Organisationen in das Gefängnis Akko einzudririgöti. Zwischen* diesen und der starken englisch-arabischen Wachmannschaft entwickelte sich ein regelrechter Kampf,' nachdem die Angreifer die Gefängnismauem gesprengt hatten, v Bei diesem Kampf kämen 12 .Juden und 2 Arjiber ums Leben. 8 Engländer und viele der Gefangenen, die versucht hatten, in die Freiheit zu gelangen, wurden schwer verletzt.- Jerusalem. (Times-Welt-Dienst.) Zwei englische Detektive wurden" mitten in Jerusalem auf offenen Straße erschossen. Dieser Mord geschah-in einem Augenblick, da die britischen Behörden zur Milderung der Spannung eine Lockerung, der Sicherheitsvorschriften in Erwägung zogen, , »Marsch nach Palästina“ — Kampagne in Deutschland ' Frankfurt. (JTA.) Plakate, mit dem Aufruf, die Juden sollen einen , Marsch nach Palästina“ beginnen, waren fh der Gegend von München und* auch in anderen Teilen der U.S.- Zone, wo. verschleppte Juden untergebracht sind, 'zu'Sehen. Die Plakate waren von. dem „Komitee in Deutschland für den Marsch nach Zioti“^ft'tbräeichnet: ■ 'Obgleich die Kampagne offiziell von keiner jüdischen Organisation unterstützt wurde, ist bekannt, daß Revisionisten kürzlich das Er- , scheinen der Plakate bekannt gaben. Sie sollen ebenfalls gesagt haben, , daßdie „Registrierung“ für den Marsch „in ungefähr zwei Wochen“ beginnen würde. Jüdische Befreiungsfeier an der Grenze Mittenwald. (DENA.) Zum zweiten Janrestag der Befreiung: der Juden von dernationalsozialistischen He.rrsphaft hat in Mittenwald (Oberbayern) an der österreichischen Grenze eine Von 2000 Juden besuchte Kundgebung stattgefunden.. In einer Entschließung wurde die Gewährung einer nationalen Heimat in Palästina als einzige. Form der Wiedergutmachung bezeichnet. . . Fünf Todesurteile im Mühldorfprozeß Dachau. Die Aerztiri ,Dr. Erika Flocken „ und vier Angehörige der Wachmannschaft des Ar- Als Universitätsstadt wurde - Göttingen zum Gründungsort einer --historischen Kommission für das Land Niedersachsen bestimiht; Diese Kommission fand in Göttinnenviel Material von historischer Bedeutung. Angefangen mit .den „Schutzbriefen“ des Jahres 1289 bis zu den Vorkriegszeiten, die Geschichte der aus derb 14. Jahrhundert stammenden Judengasse, eine reiche Literatur, worunter sich „auch hebräische handgeschriebene Arbeiten befinden, sowie eine reiche Sammlung von 153 jüdischen Ausstellungsstücken im Städt. Museum. Es ist auch’beabsichtigt, in demselben Museum eine Ausstellung - der Göttinger Historischen Kommission. zu veranstalten. Arbeiten muß aber die Kommission in Cafe's oder auf der Straßfe, obwohl sich in Göttingen 2 Gemeindehäuser befinden ... Für eine jüdische Institution kann kein Zimmer gefunden-werden!, So werden die Naziräübereien sanktioniert trotzdem, wird von Wiedergutmachung gesprochen. ' » Zwi Horowitz. ■ # * * 1 Adelebsen bei Göttingen. Adelebsen, eine alte, früher von vielen Juden bewohnte Ortschaft,, zählt heute 4 jüdische Seelen.- Einer von ihnen ist der 78-jährige Noah Rotschild, der aus Theresienstadt" zurückkehrte. Nun Wird er jetzt gezwungen, Miete für seine, in seinem Grundstück .gelegene Wöhnung zu zahlen, und es ist ihm verboten," von den änderen Bewohnern seines Hauses Miete zu verlangen. Dank, der Bemühungen des Herrn Engewicht, des früheren' Privatsekretärs. Rathenaus, wurde der jüdische Friedhof wieder in Ordnung gebrächt. Auch hat sich Herr Engewicht bei der- Sammlung vielen historischen Materials. Alfeld.. Alfeld," einst eine Stadt mit alter jüdischer Geschichte, die Stadt durch ihre Lieferungen von Tieren an alle Zirkusse bekannt, ist heute eine Stadt ohne Juden— bis auf einen aus Theresienstadt zurückgekfehrten getauften Juden. . Auf" dem- Friedhof in Alfeld befanden sich in der jüdischen Abteilung vier Grabmale. Trotz der Bemühungen beim Bürgermeister, dieselben wieder in , Ordnung zu bringen, - blieb es wie bei den Nazis — der Friedhöf ist „jüden- Das ist kein Bild aus. den fahren 1930—33. Es ist eine Aufnahme eines Teils der Fassade des Gebäudes des H. Q, der Militärregierung in Düsseldorf aus den ersten Mäitagen des * Jahres 1947 beitslagers Mühldorf wurden vpn einem, amerikanischen Militärgericht in. Dachau zum Tode durch den Strang verurteilt. Berlin. (DPD.) Der ehemalige SS-- und Polizeiführer des Distrikts Warschau, ‘ Stropp, wurde von den amerikanischen Besätzungsbehörden an Polen ausgeliefert. Stropp soll in Polen Wegen der Vernichtung des Warschauer Ghettos vor Gericht gestellt werden. Pragi Der frühere Lagerführer von Theresienstadt, Walter Ramiesch, wurde von einem tschechischen Gericht zum Tode verurteilt. Ottawa. ’ (DENA.) Es wurde bekanntgegeben, daß die Regierung vön Kanada in Kürze 1000" jüdische Waisen aus Europa aufnehmen wird. New. York. (DENA.) Der Vorsitzende, der. amerikanischen Organisation „Bnej-Brith“, Henry Mohsky, starb* im Alter von 75 Jahren infolge eines Herzschlages. Prag. (DENA-Reuter.) ' Der Staatspräsident Eduard Benesz erklärte einer Delegation des Jüdischen Weltkongresses, daß er die Schaffung eines jüdischen Staates für die einzig mögliche und gerechte Lösung der Judenfrage betrachtet. Präsident Benesz versprach, der Verwirklichung dieser Idee bei allen Gelegenheiten behilflich zu sein. - -. Warschau. Der frühere Kommandant des Ghettos Litzmannstadt, Hans Biebow, wurde vom Lodzer Gericht zum Tode verurteilt. Es wurde festgestellt, daß er für den Tod von 250 000 Juden verantwortlich ist. Sofia (Palcor.) Artikel 61 der peuen bulgarischen Verfassung besagt: Jede Propaganda, die Rassenhaß verbreitet oder zu* nationalen Verfolgungen ruft, ist gesetzlich verboten. Artikel 69 stellt fest, dr ß alle nationalen Minderheiten in Bulgarien das * Rechhaben, Bildung in; ihrer Muttersprache zu bekommen und ihre, nationale Kultur zu entwickeln. , Verhaftung eines* &S-Mörders Durch die Aufmerksamkeit einiger Kölner Gemeindemitglieder ist es gelungen,. den berüchtigten Mörder - aus dem KZ.-Lager Riga, den SS-Oberscharf ührer M ax Gymnich der FSS zu übergeben. . / * Gymnich war am 27. 3. 1947 aus einem Internierungslager als „entnazifjziert“ entlassen worden und hatte bereits eine schöne Stellung ' gefunden, .während tausende Nichtparteigenossen -in Köln Schutt abtragen müssen. ■’ Allen schriftlichen Anfragen bitten wir Rückporto beilegen zu wollen. U.S/A. In den ersten Tagen des März, 1947 erreichten 389 jüdische Flüchtlinge aus D.P.-Camps durch das Auswänderungsprogramm des American Joint 'Distribution Committee die Vereinigten Staaten. Damit ist die Gesamtzahl der dieses Jahr mit Hilfe des Joint eingewanderten Personen auf 1800 gestiegen. - Uruguay Laut eines, neuen Einwanderungsgesetzes der Uruguayanischen: Regierung können * jetzt Einwohner Einwanderungspermits für Eltern, Kinder, Ehegatten und Geschwister beantragen. Bewerber müssen beweisen, daß sie einen Beruf habe®, mit dem sie sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können oder über Kapital verfügen., Das Gesetz sieht auch'die Aufnahme von Landarbeitern vor. Vier jüdische Flüchtlinge, die wegen der antisemitischen Ausschreitungen Deutschland verließen und - nach England gingen, waren unter den kürzlich , ausgezeichneten Wissenschaftlern,. die durch Wahl-in-die „Fellöwship of the Royal Society“ auf genommen wurden: Dr. Wilhelm S. Feldberg (früher Universität, Berlin), Dozent in Physiologie, Cambridge, Professor Hans X. Krebs (früher Universität Freiburg), Professor der Biochemie, Sheffield, Dr. Egon Orowan (früher Technische Hochschule, Berlin), Cavendish Laboratory,. Cambridge; ■ * Professor Fritz Pan’eth (früher Universität, Königsberg), Professor der Chemie, Durham. New York. (NZ.) Amerikanische Ehrung Paul Hindemiths, Der deutsche Komponist, Paul Hindemith, der bekanntlich iri den USA. lebt, wurde zum Vollmitglied des amerikanischen „National Institute of Arts and Letters“T gewählt. Zürich. (NZ.) Zum Züricher Pen-Club-Kohgreß. Zu dem am 2. Junir beginnenden Kongreß des; Pen-Clubs entsendet die Londoner deutsche Gruppe des Clubs Alfred Kerr, Hermann Friedmann und -Richard Friedenthäl. Aus Deutschland sind Johannes R; Becher, Erich Kästner und Ernst Wiechert geladen. Berlin. (N.Z.) Zum „Tag des freien Buches“. Zum Gedenken an den Tag, an dem sich die berüchtigte Bücherverbrennung zum vierzehnten Male jährte, fand im Vorhof, der Berliner Universität eine Kundgebung statt, an der zahlreiche Schriftsteller, Verleger, Studenten und andere Bücherfreunde teilnahmen.' Es sprachen: die kürzlich aus Mexiko zurückgekehrte Dichterin Anna ■ Seghers, der frühere Generalsekretär des Schützverbände!! deutscher Autoren im Exil, Alf red. Kantorowicz, der Verleger Peter Suhrkamp und der Dramatiker Günther Weisenborn. ' Die Erinnerung an jenen Stichtag der Barbarei in Deutschland soll jedes Jahr am 10. Mai an der gleichen Stelle wiederholt werden. Zuweisung von Möbeln Der 92 Jewish Relief Unit, B.A.O.R. (Düsseldorf) ist die folgende amtliche Mitteilung zugegangen; . Q; „Regional Commissioner's' Office, HQ Military Government, Land North -Rhine/Westphalia, Düsseldorf,; 714 HQ ’ CCG BAOHi \ NRW/RGO/2416/8/3 : 21 st May 1947. ' To: Jewish Committee for Relief Abro?icl.9£) , Subject: Furniture of the Jewish Population. Racial and political persecutees, i. e. böth Jews and nön-Jews, whö have been allotted by the German authorities requisitioned furniture cannot be compelled by any decree whatsoever to retuyp such furniture. (signeä) W. Ashury, Regional Commissioner,! Land North Rhine/Westphalia.“ (Uebersetzung: Rassisch und politisch Verfolgte, d. h. beides, Juden und Nicht-Juden,' denen beschlagnahmte Möbel yon den deutschen Behörden. zugewiesen worden sind, können durch keinerlei Erlaß gezwungen werden, solche Möbel zurückzugeben. gez. W. Asbury i , die Redaktion.)^ Fortsetzung des Büdbericlites: j$ (v. 1. n. t.) Ch. Rozyne verabschiedet sich von Moritz Magenheim, Düsseldorf, Bransdorfer, Celle und Dr. Schapira. Hannover Madame Melanie Szibo, v. American Joint Distri bution Committee, mit dem Küchenpersonal des Lagers Eltern reisen zu ihren Kindern ^Versteckt in den Konzentrationslagern, ge* hören diese beiden-Mädchen zu den wenigen übei lebenden Kindern — Ealästina vrird sie für iKfe grauenhafte Kindheit entschädigen llli Menschen, die alle Schrecken der letzten Jahre s erlebt haben> treuen sich auf ihre — ungcre . Heimat: EREZ ISRAEL ‘ 1 Die HlAS eröffnet ein Büro in Düsseldorf Die Hebrew Immigrant Aid Society (Jüdische Auswanderungs-HiUs-Organisation), als die älteste Organisation, die sich mit der Aus- und Einwanderung von Juden beschäftigt, hat Jn Düsseldorf .ein Büro eröffnet. Die Organisation bemüht sich um die Wiederseßhaftmachung des Judentums und.hilft ihm, nach anderen Ländern auszuwandern, wo es ein neues Leben gründen kann, eine neue Existenz aufbauen und so die Zeit der Entbehrungen in den deutschen. f£Z-Lagern' vergessen , kann. Das Hauptbüro dieser Organisation hat sich in Hannover unter, der Direktion von Mr. Kraicer’ niedergelassen.' Mr Kraicer ist einer der ältesten Mitarbeiter der HIAS,. Er ist erst vor kurzem von seinem Heimatland Kanada zurückgekehrt, wo er sich erfolgreich fürdie Erlangung der Einreisepermits für einige hundert Juden eingesetzt hat ■ Das Düsseldorfer Büro wird vom Deputy Director der HIAS für die britische Zone, Mr. Ai Lengyel auf gebaut. Es befindet -sich in der Stöffeler Straße 11 und ist von 9,00 bis 12.00 Uhr täglich außer samstags und sonntags, geöffnet; ", ' - . . Die HIAS kam nach Deutschland, um jedem Juden, der den Wunsch hat Deutschland zu verlassen, zur Verfügung zu stehen. Da im Moment eine Auswanderung aus der britischen Zone noch stark limitiert ist, ist es empfehlenswert, daß erst diejenigen, die schon im Besitz von Auswanderüngspapieren sind,, sich mit dem Büro in Verbindung setzen. -Die HIAS verfügt auch über eine umfangreiche Suchabteilung und hat bis jetzt schon vielen die Verbindung mit ihren Verwandten und- Ffeünden, die sie durch den Krieg verloren hatten, wiederhergestellt. Nachtrag: Die Bilder der jüdischen JwHstpnkonferenz *n Detmold wurden von der Firma Photo-HergerSdei, . Bielefeld aasgeführt und in det Sonder*NuntfnerNr. 1 von» 15.4.1947 veröffentlicht. j'*;i