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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-05-28 · 4 (28.5.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
4 (28.5.1947)
Date
1947-05-28
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 i-— 2. Jahrgang JÜDISCHES GEMEINDE BL ATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 28. Mal 1947' Brief ein einen orthodoxen Freund Lieber Freund, Ihr Brief hat mich,-wie immer, erfreut und interessiert,, wenn auch unsere Artschauungen in grundsätzlichen Dingen so oft auseinandergehen. Sehr verständlich, denn Sie sind orthodoxer Jude und sehen daher wesentliche Dinge anders als ich, der ich mich in erster Linie nicht als religiöser, sondern als Volkstumsjude fühle. Auch diesmal reizdn mich einige Sätze Ihres Briefes zum Widerspruch. Sie werden wohl selbst fühlen, welche Stellen ich hauptsächlich meine, und es gilt'nun, diese zu einer gegenseitigeil ..Klärung zu bringen. . ' Wir haben uns des öfteren über religiöse und allgemein jüdische Dinge unterhalten, aber wir fanden doch stetseine Brücke, auf der unsere gegensätzlichen Auffassungen friedlich nebeneinander/ weiterwanderten; diese Brücke heißt: gegenseitige Toleranz, und ich hoffe, daß wir uns auch jetzt wieder" verstehen werden, wenn auch die in Frage stehenden Ansichten von Ihnen diesmal recht kompromißlos, fast möchte ich schon sagen, unduldsam dafgelegt wurden. Aber in jedem Volk, und ich meine besonders im. jüdischen, das sich heute in einer sehr eigenartigen und schwierigen Lage befindet, sollten politische, allgemein geistige oder speziell weltanschauliche Differenzen offen und freimütig ausgetragen werden, ohne/daß solche Aussprachen in Schroffe Gegnerschaft oder ^ar Feindschaft ausarten, müssen und dürfen. Die Aufrichtigkeit und Lauterkeit einer Ueberzeugung ist, meine ich, .das'Wesentliche — dann trägt sie stets einen segensreichen Kern in sich, der sich in irgendeiner Form zur gegebenen Zeit zum Wohle der Menschen auswirken wird. Nur unaufrichtige und .böswillige Gedanken haben auch Verderbliche Handlungen zur Folge. Nach diesem kleinen, wie mir scheint diesmal nicht ganz unnötigen Vorspruch, komme ich zur Hauptsache. Sie erklären, daß eigentlich nur diejenigen als wahre Juden, als Volljuden (natürlich nicht im Nazisinne) zu werten sind, die sich an die Religionsgesetze halten, die ein in religiösem Brauchtum ruhendes Familienleben führen. Dazu möchte -ich' einiges sagen. Unzweifelhaft befindet sich die jüdische Menschheit - in einem gewaltigen Umwand-' lungsprozeß. Heroismus im Leiden und leidvolles Sterben waren im Laufe der Jahrhunderte und noch ,J)is in unsere Zeit oft genug ..dip Merkmale jüdischen Seins. In Palästina, wo ein neues Geschlecht -heranwächst, sind diese Merkmale, Heroismus im Kämpfen, im kämpfenden Sterben, wobei Kampf durchaus nicht nur ein solcher mit der Waffe - in der Hand zu sein braucht. Die Urbarmachung des Im Laufe der Zeit' vernachlässigten, versumpftefV oder verhärteten Bodens war und ist noch ei» unsagbar heroischer Kampf, dem nicht wenige, besonders Jugendliche, zum Opfer gefallen sifid. Der Jude ist pus dem jahrhundertelangen passiven Stadium in ein aktives getreten. Der Kampf, ob mit der Waffe oder, was stets nutzbringender ist, mit dem Spaten, wurde und wird nicht für den Glauben geführt, sondern zur Erringung, zur Erarbeitung eines heimatlichen Bodens, zur Schaffung eines neuen jüdischen Seins. Es erscheint mir symbolhaft, daß in Jerusalem nicht der^ Tempel neuerstand (und auch nicht wieder in der einstigen Form und Bedeutung erstehen kann), sondern — die hebräische Universität als Zentrum des nun nicht mehr ausschließlich religionsgebunderieh jüdischen; Geistes. Die Ausstrahlungen des jüdischen Palästina, die Kraftströme, die von dort auf die Juden der Welt einwirken, beeinflussen naturgemäß die geistige und allgemeihe Haltung eines großen und bedeutenden Teiles der Diaspora. Wenn Israel einst eine religiöse Mission hatte, die, wie ich glaube, erfüllt wurde, so steht das Judentum heute vor einer Aufgabe. Sie besteht zunächst darin, wieder ein freies, gleichberechtigtes Volk in der großen Völkerfamilie der Erde zu werden. Das ist es doch wohl auch, was man in Palästina will und erstrebt, und wir Draußenstehenden verfolgen mit heißem Herzen und glühender Anteilnanme all' die Arbeit, die Kämpfe, die Opfer, die dieser Aufgabe gelten. Wollen Sie im Ernst behaupten, daß nur die unter den Kämpfenden wahre Juden sind, die auch die „Gesetze“ beobachten? Glauben Sie wirklich, daß nur die unter den praußenstehenden gute Juden sind, die sich an die religiösen Vorschriften halten? . , - Nach der großen Wandlung, die sich' seit Herzl's Weckruf vollzog und in der wir ja noch stecken,-' bekennt man sich , zum Judentum nicht mehr alle in, des Glaubens wegen, Sondern mit der gleichen Gültigkeit auch aus dep Bewußtsein des eigenen Volkstums. Sie wünschen, daß man sich mehr mit Pinsker und Herzl beschäftigen" möchte, damit das Ideengut des Zionismus stärker auch in den Kreisen verbreitet .wird, die nach den schrecklichen Leidens- und Notjahren' eine gewisse Indolenz gegen fast alle über die materiellen Bedürfnisse hinausgehenden Dinge zeigen. Nun, mein Gedächtnis’mag mich täuschen, aber ich kann mich nicht erinnern, daß in Pinskers „Autoemanzipation“, i^ Herzl‘s „Judenstaat“ oder seinen mir bekannten Reden und Aufsätzen, das Religiöse zur unabdingbaren Grundlage für zionistisches, also volksbewußtes Denken und Handeln gemacht wird. Wir sind nicht mehr, wie in früheren Jahrhunderten, nur eine 1 religiöse Gemeinschaft; wir sind wieder ein Volk geworden, ein . Volk in einer anderen Welt, als die damalige, in der wir noch ein Volk waren. Unsere Aufgaben sind also auch andere geworden; und diejenigen, die sich diesen Aufgaben hingeben, sind eben, ob mit oder ohne Tefillin, gute und echte Juden. Um es, in Anlehnung an eine von Ihnen gemachte Bemerkung, einmal ganz primitiv auszüdrücken, der skrupellose Bodenspekulant in Tel-Aviv, der entrüstet Schinken zurückweist, ist ein schädlicher 1 Schmarotzer; derjenige, der den Boden kultiviert und bedenkenlos auch mal ein Stück Schinken ißt, ein wertvoller Jude. Sie werden vielleicht antworten, es gäbe noch einen Dritten, und das wäre der wirklich wertvolle; nämlich der, der den Boden kultiviert und auch gesetzestreu ist. Aber hier zeigt sich eben besonders deutlich, was uns trennt. Ich halte meine Nr. 2 u ri d Ihren Typ für durchaus voll- und gleichwertig; S i e wollen eigentlich nur Ihren Typ ganz gelten lassen und machen bei meiner Nr. 2 starke Einschränkungen (und ich frage .mich im Stillen, ob Sie ihn überhaupt als wertvollen Juden anerkennen). Und damit komme ich zu der Forderung, daß auch Sie, als Orthodoxer denjenigen Verständnis Und Duldsamkeit entgegenbringen sollten, die als durchaus bewußte Juden denken und handeln, auch ohne sich streng oder vielleicht gär nicht an die Ritualgesetze' zu halten, sondern mehr oder nur an die Gebote der Ethik. Ich glaube auch,- unseren Weisen erschien durchaus nicht immer das „Gesetz“ das wichtigste, sondern die sittliche Forderung. In aber nichts daran, daß auch die von mir angeführten gesagt wurden, und es muß wohl jedem; Einzelnen überlassen sein, welchen er vor seinem Gewissen den Vorrang gibt. Toleranz forderte ich vorhin, ich .vermisse sieauch bei dem, was Sie zum Mischehenproblem schreiben. Ein sehr hoher Prozentsatz der heute in Deutschland wohnenden Juden (die p.P.s. schalten hier aus), lebt in Mischehe. Die christlichen Partner dieser Ehen —■ und ich möchte hier besonders die Fraüen und Männer ehemaliger Sternträger ganz in den Vordergrund rücken — haben alle Schikanen, alle Demütigungen, alle Einschränkungen und Bedrängnisse tapfer ertragen* und waren sich "der einmal' übernommenen Pflicht vollbewußt. Wie sähen die jüdischen Gemeiriden aus, wenn diese Menschen flicht treu und fest zu ihrem, jüdischen Ehepartner gehalten hätten, der nur dadurch den Terror überleben konnte.. Ich wundere mich, daß Sie diesen menschlich .doch so ergreifenden Tatsachen mit so — wie soll ich sagen? — kühlem Abstand gegenüberstehen, daß Sie nicht ein Wort des Verständnisses, der Anerkennung für die innere Kraft, die unerschütterliche Standhaftigkeit dieser Menschen finden. Das enttäuschte mich doch' sehr und läßt mich vermuten, daß Sie doch nicht versuchten, sich tief genug in diese Dinge hmeinzulebeii. > Und nun möchte ich noch auf etwas hinweisen. Die „Gemeinde“, hat heute, besonders in Deutschland, nicht nur seelsorgerische und karitative Aufgaben zu erfüllen,- sondern in großem Umfange auch sehr weltliche; ich denke z. B. an Auswanderungspröbleme, Wohnungs- und Möbelangelegenheiten, Wiedergutmachungsfragen u. a:ym. Sie ist das zur Zeit einzige Sammelbecken, wo jüdische Menschen, in Verbindung mit der jüdischen Umwelt bleiben können.' Daher ist es Pflicht der Gemeinde,, alle Juden, ob religiös oder nicht, hlihren Reihen zu halten, zu dulden und zu betreuen. Wenn sie nicht religiös sind, werden sie heute wohl fast immer yolksbewußt, als auch wahre Juden sein, und Wenn einige, wie man so sagt, weder Fisch noch Fleisch sind und zu keiner anderem Zusammenhang habe ■ ich hier’im ,_. ... , „ . Gemeindeblatt an diesen Ausspruch - Hilleis l kom^en können, dann, muß _eme. erimsrf .fe n„ mVW willct 1« m** ni. jüdische Gemeinde weitherzig, duldsam und. überlegen, genug sein, um aucl> diese nicht von sich zu stoßen. erinnert: „Was Du nicht willst* das ihafi Dir tue, das tue auch keinem anderen, — das ist die ganze Lehre, alles »andere ist nur Beiwerk und Erläuterung.“ Im alt jüdischen Schrifttum . (ich zitiere nach einem älteren „Jahrbuch für jüdische Geschichte uhd/Literatur“) heißt es in einer Bi- Lel-Erläuterung: „Unter den "Worten, wenn Du das Rechte tust in Gottes Augen, ist der Händel und Wandel zu verstehen; wer darin Treue beobachtet, dem wird es abgerechnet, als hätte er die ganze Thora erfüllt.“ — Der Prophet Jesajas sagt: „Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helfet dem Unterdrückten.“ Es ließe sich noch Vieles hihzufügen. Ichweiß, dem kann man manche gewichtigen Worte entgegenhalten, die den Primat der ■ Gesetzestreue betonen. Es ändert Indem ich den Satz schreibe, fallen mir diese wundervollen Worte Mendelssohns aus dem 2. Abschnitt seines „Jerusalem“ ein: „Nur die Furcht macht unversöhnlich. Wer. sich seiner Ueb#erlegenheit mit Sicherheit bewußt ist, findet weit größere Glückseligkeit in Nachsicht, und Verzeihung.“ Und aus dieser gegenseitigen Nachsicht, die-, sem gegenseitigen Verzeihen wächst die Toleranz, — unbestritten eine der schönsten und edelsten Tugenden. Und damit will ich schließen und grüße Sie, ungeachtet der sachlichen, Differenzen, die uns in entscheidenden Dingen trennen, als Ihr Sie* wie immer schätzender ' E. k. D r. P h. Auerbach: lötet sich selbst" Politisch und rassisch verfolgt zu sein,, ist im Zeitalter der Mitläufer und Hineingepreßten keine angenehme Tatsache. Der eine stellt sich unter einem KZ-Häftling einen Massenmörder vor, der andere einen Schwerverbrecher, der dritte eineh'Homosexuellen, und der vierte denkt, wenn er einen rassisch Verfolgten sieht, der etwas anders aüssieht als er, — was kommt hier für ein Steppenwanderer. Alles in allem hat man es verstanden, aus diesen wirklichen Vorkämpfern der Demokratie*. diesen wirklich stillen Helden des antifaschistischen Kampfes, eine Front von diffamierten Menschen zu schaffen. Daß wir rassisch, religiös und politisch Verfolgte nicht ge-\ willt sind, uns dies gefallen zu lassen, ist klar. Nun haben wir nach der Befreiung den Versuch gemacht,“ din neues demokratisches' Deutschland aufzubauen. Aber Demokratie ist eine Pflanze, die einen gesunden Nährboden braucht, eine Pflanze, die langsam organisch wachsen muß, und vor allen Dingen nicht durch giftige Winde im Wachstum beeinträchtigt werden darf. Diesegiftigen Winde kommen heute ppch. aus den Ecken, derjenigen, die mit gefälschten Fragebogen oder mit blütenreiner Wieste — da sie ja niß Mitglied der Partei waren, und nur die Millionen gescheffelt haben — hinter den Kulissen sitzen, und Gift und Galle speien. Diese Giftatmosphäre wird Vbn Menschen geschaffen, die an einem wirklichen Wiederaufbau eines neuen demokratischen Deutschlands kein Interesse haben, denn sie können nur profitieren, wenn Not und Elend herrscht, wenn sie Soldat spielen können, andere Leute kommandieren,, und sie im' Nichtstun, im "Wohlleben schlemmen. Und auf der anderen Seite steht die /Bürokratie. Sie baut Demokratie mit dem Metermaß nach engstirnigen Gesichtspunkten -'auf, wie sie es aus den Lehrbüchern entnommen hat. Da> schafft man demokratische Institutionen, da weiht man feierlichst in allen großen Städten unseres Landes die neuen Renate der Verwaltungsgerichtshöfe ein. Sie sollen Recht sprechen, und sie sprechen Recht auf Grund der Gesetze des vorigen Jahrhunderts. Gesetze, die ' geschrieben wurden in einer Zeit, als keiner an die braune Schlammflut dachte, als keiner ahnte, daß daä deutsche Volk hinter einem Rattenfänger herläuft, und sich hineinpressen läßt und mitläuft, hinter Irrlehrern des Rassenwahns und der militaristischen Nazidiktatur. Dann sitzen die Herren Richter und. grübeln in ihren Gesetzesbüchern und entdecken Paragraphen, die allzu richtig-, angewandt werden, bis wir '„in geordneten normalen Verhältnissen leben würden^4. Die Unabhängigkeit der Richter ist der oberste Grundsatz eines jeden demokratischen Staates. Wir politisch und rassisch Verfolgte Wären schlechte Demokraten, wenn wir nicht mit größter Ehrfurcht vor der,Ethik des Richterberufs stehenwürden. Aber wir, müssen' verlangen, daß sich diejenigen, die diese Aemter ausfüllen, nicht nur auf die. Paragraphen der Gesetzbücher ' stützen, sondern diese toten, Paragraphen piit demokratischem Impuls und wirklichem Leben erfüllen. Wenn mir Berichte zugehen, daß politisch -und rassisch Verfolgte, denen die Stadtverwaltungen in Bayern mit Fug und Recht nach ihrer Rückkehr aus dem Konzenti ationslager eine Wohnung zugewiesen haben, die früher einem Alt-Pg. von 1931 gehörte, daß diese Menschen vom- Verwaltungsgerichtshof verurteilt werden, . diese Nazis in die eigene Wohnung zu nehmen,’ so kann ich dies nicht gutheißen. Recht kann nursein, was gesetzlich begründet dem Anseben der Demokratie würdigist und den Gesetzen der Menscnlichkeit. entsprich c. Die politisch und rassisqh Verfolgten sehen mit Bangeneine Entwicklung dieser Rechtssprechung, die leicht dem Ansehen der Verwaltungsgerichtshöfe Schaden zufügen kann, da sie glauben, daß der Alt-Pg. bevorzugt und sie benachteiligt werden. Wir politisch und rassisch, Verfolgte fordern keine Sonderrechte, wir fordern Recht, und in erstem Linie die Wiederherstellung des Zustandes, der vor unserer Inhaftierung bestanden hat. Für Veröffentlichungen unter dieser Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung. (Die Redaktion). In Ihrer Zeitung vom 15. Mai , berichten Sie über die Löge rassisch Verfolgter. Ob diese Gründung neben der WN nötig ist, möchte ich sehr bezweifeln. Ich will mich aber heute nur gegen die Behauptung des Herrn Faust wenden, wonach einen Teil „der Schuld an der Unbeliebtheit def Opfer des Faschismus jene Opfer trügen, < die dauernd rückwärts sehen und in der Vergangenheit leben. Einmal: Die Opfer des Faschismus sind unbeliebt bei; den Nazis. Gründe hierfür brauchen doch wohl nicht angegeben werden. Sie sind unbeliebt bei den deutschen Verwaltungsstellen, wo diese Opfer ihr Recht suchen. Sie sind unbeliebt bei einem leider großen Teil des deutschen "Volkes, der nicht einmal das wenige, was für die Opfer des Nazismus getan wird, diesen Menschen gönnt. Weiter: Jawohl, wir Opfer des Faschismus sehen rückwärts so lange wir leben. Weil wir niemals vergessen werden, was man uns angetan hat, was man unseren Vätern und Müttern, unseren Söhnen und Töchtern, unseren Brüdern und Schwestern angetan hat. Wir Opfer des Faschismus werden die bestialischen. Verbrechen der deutschen Nazis nie vergessen. Und wenn die Loge rassisch Verfolgter schon wieder von Pflichten dem deutschen Vaterlande gegenüber spricht, dann sagen wir: Macht erst , das Umgeht wieder gut, das . Deutsche Ogeangeri haben, stellt unsere Rechte wieder her. Dann dürft Ihr von Pflichten reden. S. Levy. * * * | Der Verband der jüdischen Studenten in der britischen Zone teilt mit: * i Alle Anfragen, die Studium, Studenten ode^ sonstige damit verbundene Auskünfte betref-j fen, sind zu . richten an: Egon Bittner, p. A. Synagogengemeinde, Bonn, Quantiusstr. 4j Ein Erlebnis in Theresienstadtl Einer unserer Leser im .Saargebiet, Adolf Cahn aus Brebach, schreibt uns: In Theresienstadt war ein Dr. Rahm aus Oberschlesien Lagerkommandant, als etwa sechs’ Monate vor Beendigung des" Krieges den Insassen des Lagers bekafint gegeben wurde, daß diejenigen, die in der Schweiz Verwandte hätten, gegen deutsche Internierte ausgewechselt werden können,. Es meldeten sich ungefähr 1400 Juden, vor! denen jedoch nur 1140 angenommen .wurden, da nur das Verhältnis von Eltern zu Kindern oder Geschwistern in Betracht kam. Ungefähr Vier Wocheh später kam eine Postkarte aus der Schweiz an, darauf stand geschrieben: „Uns geht es.in Zürich gut. Wir ‘sind dem Judenschicksal entgangen und die magerste Magermilch ist uns lieber, als der fetteste Rahm in Therienstadt.“ Es wurde über diese Karte viel gelacht. Drei Tage später, an einem Sonntagmorgen, kam ein SS-Offizier mit drei Mann in unseren Saal, gab uns den Befehl, in drei Gliedern anzütreten und ^bestieg dann einen Stuhl. Er erklärte: „Es ist uns zu Ohren gekommen, daß an Euch aus Zürich eine Postkarte einging, auf welcher der Herr Kommandant beleidigt wurde. Es wäre .Eüre Pflicht gewesen, dies? Karte dem Herrn Kommandanten zuzustellen. Ich fordere alle diejenigen auf, die ich jetzt namentlich verlesen werde,, links heräuszutrefen.“ , . < Von einer Liste, die er mitgebracht hatte, las er 59 Namen vor. Das waren diejenigen, die die Karte gelesen hatten. Ich' selbst hatte damals ein Augenleiden—1 fein SS-Mann hatte mir mit der /Faust in die Augen geschlagen, sonst wäre ich auch unter den Lesern geweseh. . Zu diesen ausgeschiedenen Kameraden sagte der Offizier: „Ihr werdet alle, schwer .bestraft!“ und ging mit ihnen fort. Nach diesem Lebewohl haben wir von keinem dieser 59 Mann wieder etwas gehört. Das. „Westdeutsche Tageblatt“ vom 12. März, das uns erst jetzt in die Hände fällt, brachte unter dem Titel „Sie warten noch immer“ aufrichtige Worte in unserer jüdischen Frage.» Wir freuten uns besonders darüber, daß diese Zeitung aus unserer Belsen-Reportagp Auszüge gebracht hat, die für die deutsche und ausländische Oeffentlichkeit von besonderer Bedeutung sind.. Frankfurt: Der Polizeipräsident von Frankfurt hat das Büro der sogenannten „Interessengemexni-schaft ehemaliger deutscher KZ-Insassen“ in Frankfurt geschlossen. In dieser Organisation hatten sich kriminelle und asoziale Häftlinge zusammengeschlossen, deren Aufnahme die Betreuungsstelle für politisch, rassisch und religiös Verfolgte abgelehnt hatte. Die Häftlinge versuchten, auf diese Weise Sondervei^- günstigüngen zu erlangen. Damen- und Herren-Moden Wü ppertal - Elberfeld im Rathaus — Fernsprecher 35084- . - Düsseldorf,WitzeIstr.33/39 - Fernruf 11895 AUTOHANDEL/REPARATUREN Franz Fluigraf MERKUR-DROGERIE UND FAEBENHAUS STANDARD* GROSS*TANKSTELLE 'Düsseldorf, Garienstraße .137, Ruf: 18471 / Filiale*. Unterrat her Straße 11, Ruf: 24860

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