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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-05-14 · 3 (14.5.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
3 (14.5.1947)
Date
1947-05-14
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nr. 3' — 2. Jahrgang JÜDISfJHfiS GEMEINDEBLATf FÜR DIE BRITISCHE ZONE 14. Mfti 1847 ■i i..'!• f ■ 'b Kontrollratsgesetz Nr. 10 , erstmalig von einem deutschen Gericht angewandt! Bonh. 'Die Strafkammer des Bonner Landgerichts hat den' Justizhauptwachtmeister Heinrich Schmitz, derwegen der zahlreichen dn -KZ-Häftlingen verübten Grausamkeiten;.-unter4* dem Beinamen der „Henker vom Aschendor- ' fer Mo9r“ bekannt geworden -war, zu‘ acht Jahren Zuchthaüs verurteilt.. Bei .diesem Urteil i hat zum erstenmal ein deutsches, Gericht das Nontrollratsgesetz' Nr. 10 angewandt, das ,die Bestrafung Von Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Zweck hat. , , \ ' Judenausrottung füllte SS-Kassen Nürnberg. (ADN.)/ Die b Ausrottung " der Juden im. Osten füllte die Kassen der SS mit einem Goldschatz von über 53 Millionen'Mark,' besagt ein ’ im Pohl-Prözeß- , Vorgeleges Dokument. , Für. die Aufnahme der geraubten. Wertgegenstände seien von der „Reichsbank“ umfangreiche Vorbereitungen getroffen worden. ■ . * ■ t ‘ ■ Nürnberg. (DENA). Die Nürnberger Kriminalpolizei verhaftete 2 Deutsche, die das Gebäude der politisch und. rassisch Verfolgten am. 26. März sprengen sollten.' Watburg. Nach den. uns von der Jüdischen Gemeinde Warburg’ zugegangenen ‘Mitteilungen wurde in Brakei Krs. Höxter das dortige Synagogengebäude der Besitzerin, die dieses Gebäude 1933' von den Nazis erhalten hatte, ein weiteres Jahr überlassen. Das Gebäude wird von derselben als Stall weiterverwendet. Alle Bemühungen, das Gebäude für uns zurückzubekömmen, waren bisher erfolglos. * In unserer ganzen Gegend, z. B. in Borgholz Krs. Warburg, wie auch in Beverungen Krs. Höxter befinden sich unsere früheren Gotteshäuser in einem trostlosen Zustand. In Beckelsheim ist das Gebäude, in dem sich früher, der Betraum; und die jüdischen Schul- und Verwaltüngsräume 'befanden, nach .wie vor für., Schulzwecke verwendet. Und damit beweisen die Behörden ihren Willen zur Wiedergutmachung! - WIR BITTEN nicht zu Vergessen, das Abonnement für das „Jüdische Gemeindeblatt** rechtzeitig zu erneuern. Warschau. (DENA.) , Vor dem Gericht in Walbrzych (NiederSchlesien) begann der Prozeß gegen den Urheber des vorjährigen'he-' kannten Pogroms ih Kielce, R ü s c h a i, durch dessen Schuld 45 Juden ums Lebert kamen. Ruschai ist Mitglied der geheimen faschistischen Organisation N. S: ZI New Ydrk. (NWDR.) Oie atherikanischen Zionßteh; wollen die . illegale Einwanderung, <■ nach,Palästina jetzt auch auf dem Luftwege durGhfttttferf.^’"Es soll .bereits eine ganze Luftflotte beifeitStehen. „ ' - Mpntreal, (Our Way.) Der Kanadisch-Jüdische Kongreß versandte eine Million Pfund „koscheres“ Fleisch für die europäischen Juden. Diese Gabe ist ein Teil , der ,,2-Millionen-Aktion“, die die' vereinigten jüdischen Organisationen in Kanada sich als Ziel für das Jahr 1947 gestellt haben. .. t Die wiederliercjesteHleR in Rhens Die ungarische Regierung hat einen Sonderfonds für den 'Wiederaufbau der / wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden errichtet. Die dazu erforderlichen Mittel werden von erblosem Vermögen „von Juden genommen. An der Spitze der Verwaltung dieses Fonds sind Juden zu zwei Drittel , und die Regierungzu einem ~ Drittel vertreten., . \V Während des Krieges und der Besatzung kamen 209 00Ö Juden ums Leben. /Heute leben; in Ungarn zirka 180 000 Juden, von denen i zwei Dirttel auf Hilfe des Auslandes 'angewiesen sind. - Wiederherstellung des Friedhofs auf eigene Kosten als moralische Verpflichtung, zu übernehmen habe. Sollte ' die Stadt die Kosten von sich aus nicht tragen können, /so wird die Landesregierung das Weitere veranlassen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß , unser Appell bei allen englischen und auch der höchsten deutschen Dienststelle sympathisch; und mit Anteilnahme auf genommen worden ist. Unter den gegebenen Umständen war mehr, als die von uns erreichte Zusage, in Zukunft auf einen verstärkten Schütz unserer Einrichtungen ■ und unserer Menschen sehen zu wollen, nicht zu erreichen. Norbert Wollheim. Die* Grabsteine des jüdischen. Friedhofs in Rhens, nachdem sie, vön * ehemaligen Nationalsozialisten repariert worden sind'.,'(z. -T. fehlen noch ,die herausgeschlagenen' Inschriften.) — (Pfeile zeigen auf Flickstellen.) (Siehe Leitartikel 1. Seite). Zue Norbert Wollheim berichtet uns über seine Verhandlungen mit', den englischen und deutschen Dienststellen in, dieser Angelegenheit. Wjr bringen nachstehend diesen Bericht im Wortlaut als /Gegenüberstellung zu den Maßnahmen, die die* Behörden in Koblenz nach der Schändung dP Friedhofs in Rhens bei Koblenz getroffen haben. (Die Redaktion). Nach Fühlungnahme mit der politischen Abteilung der Kriminalpolizei Lübeck und dem Field/ Security Service,- bemühte ich mich um eine* Unterredung mit dem Bürgermeister - der Hansestadt Lübeck. Da dieser mich wegen anderweitiger Inanspruchnahme nicht empfangen zu können vorgab, hinterließ ich den offiziellen Brief des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde;zu Lübeck.' Gemeinsam mit. dem . inzwischen aus Herford eingetroffenen. ‘ Deputy-Director der Jewish Relief Unit, Mr. . Alex' Kraut, erfolgte am Nachmittag des 8. April 1947 ein Besuch bei dem stellvertetenden Leiter der Militärregierung '820, Mr. Harvey. Wir brachten unseren Protestzum Ausdrucl^ und erbaten S^ofortmaßnahmen zum Schütze der jüdischen Einrichtungen und der jüdischen Menschen gegen. weitere zu erwartende Angriffe. Air. Harvey sagte jede Unterstützung, die ini. Beireich der Militärregierung liege, zü und vertrat ferner die Ansicht, daß die Stadt Lübeck die Kosten der Wiederherstellung des Friedhofes zu übernehmen habe. Auf seine Initiative hin fand anschließend ein gemeinsamer Besuch , von Mr. .Harvey, Mr. Kraut und .mir auf dem Friedhof in Moisling statt. Bei Ansicht des angerichteten Schadens gab Mr. H. in offener Weise, seiner Abscheu, und sei-' ner. Empörung ». über das Verbrechen Ausdruck.. Am 9. April 1947 fand ein durch die Mi-' litä’rregierung 820 (Mr. Harvey) .offiziell arrangiertes Interview mit dem./Regional Commissioner für Schleswig-Holstein, Vize-Luftmarsehall .. Champignon de Crespigny, statt. Dieser Unterredung in Kiel wohnten neben Mr. Krauf und mir der Leiter der Jüdischen Wohlfahrtspflege Schleswig-Holstein in Kiel, Heinz „■ S ä 1 o m o n bei.' Wir unterrichteten den Commissioner vom Tatbestand, wiesen' auf die eindeutige antisemitische Tendenz des. Verbrechens hin und erbaten die Durchführung schärfster Maßnahmenzur Auffindung der Täter, sowie die. Vorsorge,, das Leben der in SchleSwig-Holstein zur Zeit' domizilierten Juden und ihrer, mühselig nach der Befreiung geschaffenen Einridntungen .zu schützen. Wir gaben unserer tipfen Besorgnis darüber Ausdruck, daß die in Lübeck verübte Tat nunmehr * die dritte Schändung jüdischer Friedhöfe im Bereich der britischen Zone, innerhalb kürzester Frist , sei, und daß sich aus der Programmatik der Aktionen-eine unabweisbare Parallele zu den Ereignissen' in 'Deutschland in den Jahren 1931 und 1932 ergibt. Der Commissioner wies darauf hin,, daß nach dem 1. Januar 1947 zwap die Verantwortung' zur ' Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung in die Hände der deutschen •Amtsstellen und der . deutschen Polizei übergegangen’ sei, sagte aber zu, sowohl über den Intelligence-Dienst, wie auch die Politische Abteilungder C, C. G„ alle Möglichkeiten. zu verfolgen, um die Verbrecher dingfest zu machen und gleich^ bzw. ähnliche Vorkommnisse ■ für, die Zukunft ■ auszu-, schließen zu versuchen. \ '■ . Im Anschluß daran hatten, Heinz Salomon, Kiel, und ich. Gelegenheit, den. zur Zeit amtierenden, stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister . von Schleswig- Holstein, . Lüdemann zu ‘ sprechen! / Wir berichteten die Vorkommnisse, legten, feierlich Verwahrung ein und verlangten eindeutig Verstärkung der. Schutzmaßnahmen für die übrigen, in "Schleswig-Holstein* gelegenen^ jüdischen Friedhöfe, die jüdischen Einrichtungen und dieüberlebenden jüdischen -Menschen./ Der Minister, selbstlangjähriger politischer Häftling in deutschen Konzeritra-; tionslagetn, drückte sein tiefes Bedauern und seine Betroffenheit über die Entwicklung aus, i sagte. den erbetenen Schütz zu 'und gab der i Meinung Ausdruck, daß die Stadt Lübeck die. lSÄMiIl.-Geschenk für die Nazis Fortfall der Steuerermäßigung für politisch und rassisch Verfolgte Wir leben nun einmal im Zeitalter der Zeichen und Wunder. Es ist kein Wunder, wenn im Zuge der Angleichung an die Verhältnisse in Hessen und Württemberg-Baden die Steüsrfreiheitsgrenze von RM. 1Ö0,— für politisch und rassisch Verfolgte in Fortfall kommt. Denn es liegt im Zuge der Beseitigung der sogenannten Sonderrechte, die/es nie gab. Man redet von Sonderrechten, wenn man einem politisch ünd rassisch verfolgten Lohnempfänger eine Freigrenze von RM. 100,— gibt. Man fragt aber nicht danach, daß es seit dem Jahre 1936 für rassisch Verfolgte eine 15%ige Sozialausgleichsabgäbe von ihrem kargen Zwangsarbeiterlohn gibt. lieber diesen Punkt möchte ich nicht debattieren. Aber" es ist ein Wunder, wenn der Sonderminister Alfred Loritz'irtit den Ministern von Württemberg-Baden und Hessen und den Vertretern von. OMGUS Berlin den Vorschlag, eine bescheidene Gebühr für die, Weihnachts-» amnestierten zu erhebn, gestrichen hat und damit 18 Mill. Mk. Einnahmen, der Bayer. Staatskasse in Fortfall 1 kommen, die nun wieder von änderen Steuerzahlern aufgebracht werden müssen. . / /: Eine sonderbare Parallele: das große Mitleid mit Hineingepreßten und 'Hineingetriebenen, und wo ist das Mitleid für die Opfer des Faschismus? ’ . . Dr. Philipp Auerbach. Rückgabe von zugewiesenen /^ , . Möbeln ‘ Wir erhalten immer noch Anfragen bezüglich d|r vom Hauptquartier der Militärregierung gegebenen Anweisung,, .wonach zugewiesene Möbel unter keinen, gleich wie gearteten Umständen, wieder zurückzugeben sind. 4' ■ Wir bitten unsere Leser, falls sie bei irgendwelchen- Behörden auf Schwierigkeiten stoßen, .sich sofort mit dem für sie zuständigen Büro wder Jewish Relief Unit in Verbindung zu setzen. ' —;-——- Lake Succcss. (DPD.) Am 28, April wurde die Sitzung der UNO-Vollversammlung über Palästina-Problem eröffnet. Zur Debatte steht die Beseitigung., des Terrors von Seite» der jüdischen Untergrundbewegung und der Ver* (g such, die jüdischen und arabischen Klagen .abzustellen.; Die „Jewish Agency1*' gab eine .Erklärung heraus, sie werde die Sitzungen der UNO solange boykottieren, bis ihre Forderung auf Teilnahme befriedigt sei. . Die amerikanische Presse befaßt sich ausführlich mit dem Palästinaproblem -und fordert Präsident Trur^an ' auf, selbst die Initiative, zu ergreifen und die jüdischen Forderungen zu unterstützen. Die „New York Sun“ schreibt, das Palästina-Problem sei so kompliziert geworden, daß es eine' Hauptfrage für die Vereinten Nationen .bildet. Postscheckkonto: -HANNOVER 11169 Kommandit - Gesellschaft ü Georgstraß© S7, JI.Etg. HÄNNÖVER '' Ruf: 2174JS/*fteI 24471; Draht:L.öttrbank.Hannover < ■. V Erledigung sämtlidher foankmässigeri* Geschäfte POS.TF AC H 553 Reichsbankgiro: 27/47 A1 Li ce S tein - Lan d esmaan: Niemals in meinem Leben habe ich so bewußt gelebt, wie. zu der Zeit, da ich täglich um ein Obdach kämpfen mußte! i . , Die in normalen Zeiten selbstverständliche Gewißheit, daß man am Abend genau weiß, wo man sich zur Ruhe legen kann, und wird, — diese Voraussetzung gewann in den Monaten der illegalen Existenz eine geradezu fantastische Bedeutung.' Wär dann aber durch/Zufall oder überraschende ‘Hilfsbereitschaft" ein solches Asyl gefunden, so bemächtigte Sich meinereine nie gekannte Entspannung. Während einer besonder* schwierigen Strähne — innerhalb der drei schlimmsten Jahre riet man mir, bei einer mir völlig unbekannten Frau'um ein Nachtlager zu bitten. Es. handelte sich um die ^ttistin Carl ott.a Vanini, von der mir gesagt worden war, daß sie ( wenn* man ihr gefiele), in großzügige* Weise zu helfen bereit .war. . : . . - Noch auf der Trepp# zögerte ich — es war das erste Mal. daß ich. mich an eine ganz Fremde wenden sollte. Es war nicht'einfach,‘die begreifliche Hemmung zu überwinden. An der Tür' stand ..Carlotta Vanirti“ — aber ich wußte, daß sie mit ihrem ' bürgerlichen Namen Lotte Wanofsky .hieß Auf mein zaghaftes Klingeln öffnete mir eine detbknocbige, uhhübsche. Frau. von' etwa vierzig Jahren. Auffallend /waren ihre schwarzen, leuchtenden Augen, die. einen seltsam durchdringenden Blick hatten. Sie berlinerte stark. Nach .den ersten -Worten, in denen ich meine Bitte nür .anzudeuten wägte, unterbrach; sie ■ mich schroff: „Wer Sie schickt,, is mir/egall Kennen tun mich viele! Und daß ich manchmal „jemand auf nehme, 'is. ooch .bekannt. Kommt eben drauf' an, ob ■ ich Zutrauen/habe? Ne, ne — erzählen Sie mir nischt! Sind in Not — is klar!“ Sie’ bat mich herein- und bot mir einen Stuhl an: „Sind müde — arme Fräü!“ Ich atmete auf — ich fühlte, /sie würde mich nicht fortschicken./ / /■ .> /•■•/■' Das Haus hatte mir 'einen verwahrlosten Eindruck gemacht -— in dem Zimmer dagegen breitete^sich eine kleinbürgerliche Behaglichkeit aus. r „Essen haben wir mich übrig sagte die Artistin, „Aber wenn Sie wollen? In der Kammer is noch eine Matratze frei:—..Da .schlafen zwee Kinder —. -,ne halbe Woche 'könnense bleiben!“ - * ‘ : .'/ Das war . -alles. Keine Frage! Ich sah sie stumm än — vielleicht wußte sie - in meinem Blick genügend zy lesen ... , * Sie führte mich in die Kammer r1-:. „Hier! Und wenn nächtens Unruhe is — mei& i-s Unruhe! Sie bleiben/drinnen! Nich-fragen! Nich wun-; dern! Nich rauslaufen Hauptsache: Maul halten. /Die Kinder. sind omtlich!“ - Sie wandte, sich zu der linken Wand, hin, wo in einem Bett bereits ’ jetzt (es. war 6 Uhr) zwei kleine.Mädchen lagen. Sie schliefen fest — sie .mochten etwa 8 und 9 Jahre.alt sein. Ihre mageren Gesichtchen warendicht aneinandergeschmiegt. - „Die hat Zülow 'mir vorichte Woche gebrächt! Manchmal hat er-so einen Einfall — Denn tut‘s ihn leid — ' denn hat er ‘n Herz!“, Sie lächelte,-, ünd «mit einem .Male gewann 7 das breite Gesicht' 'einen Ausdruck, Von : Wärme: „Die uvrtvmekeris werden woll hlep Dauermietcr bleiben! . Die Eltern sind nach Pulen ^gekommen.-“ Ihre Augen verfinsterten sich. Wir gingeh in das Zimmer zurück — erst jetzt ge-' wahrte ich am Fenster, einen großen Bauer, in dem drei graue Tauben hockten, — dicht äneinandergedrärrgt. „Das. is „der Rest. von .die ganze Menagerei“ erklärte Carlotta. „Früher — da war ich ja Akrobatin! Ich hatte Kräfte — — Denn hatte ich Pech — aus! Ja, denn hieß es was anderes machen! Und Tiere hatte ich schon immer so. gern — na, “da nahm ich Affen und'Tauben und machte Dressur! Das wgr ein Spaß, wenn es erst mal klappte!“ Ihre Stimme wurde hart: „Nu mach* ich Aufwartung .--der Mensch muß leben! —Die Affen Sind längst krepiert -v- , wenn 'ich dadran denke — Wie jammertraurig sie mich an-' ■gestarrt'haben-— Und denn die Täubchen — alle'eingegangen.“ ,— Ein Achselzucken tat den Fall . ab. Und : dann ohne' UebergangN „Wann wollen Sie kommen?“ Sie' musterte mich. /; ' i. . löh versuchte, mir vörzustellen, wie diese Frau ausgesehen haben mochte, geschminkt,: in einem rosa Trikot,-. mit. Flittern besetzt — unter dem grellen Rampenlicht in der Zirkusmaiicge.— — - :; /^ '/' . „Am Ende möchten Sie gleich hier bleiben?“ Ich nickte stumm — idh war totmüde und hätte mein-.ganzes Besitztum in - einer Aktentasche bei mir. - V „Ich koche mir gra.de ‘ne Suppe — bleiben Sie man Jetzt is Ruhe — nachher kommt Zülow — und denn vielleicht noch wer — bei uns kommen viele. — Wie nennet Sie sich?“ (Sie sagte nicht: „Wie heißen Sie?“) . - Ich, erwiderte, daß/ mir jeder Name recht sei. ..Mir ooch! Is doch blos Wegen. Zülow'n! Der tut immer noch so, als wenn. — Der rcdt von Anmeldung und so‘n.- »Zeugs! Madien Sie' sich nischt draus! Immer sagen Sie: ja! Ich mach“ det schon! Also, denn: Frau Taube? Indem ich die Viecher gut leiden kam —• —“ Ich rechnete mir aus, /wieviel Stunden eine halbe Woche hatte — ich fühlte mich unbeschreiblich dark bar gegen "das Schicksal, das sich mir heute in Gestalt von Carlotta so barmherzig erwies, — — Abends saß ich in der Kammer und schrieb be m Schein einer abgeschirmten Lampe an meinem Manuskript. Damals'war ich Schon über zWei. Jahre unterwegs und schlappte diese Blätter überall mit mir herum. Diese Arbeit hat mich aufrecht erhalten; '■/.'■ . «■ In der Nacht hörte ich Kömmen und Gehen, — vorsichtiges Türepschließeri — aber ich hahnv es nur /halb äüf: ich war beseligt, schla-, fen zu können. ' " . v /, / Zülow bekam ich' , selten zu . sehen./*Und wenn, so traf ich'ihn flüchtig im Flur, wo er . stumm an mir vorüber ging Er war, ein schmächtiger Mensch von etvVa 30 Jahren, sehr adrett . gekleidet und mit raschen, lautlosen ' Bewegungen.. Ich hatte den Eindruck eines Subalternbeamten. . Heber, seinen Beruf äußertesieh Carlottaniemals, ämd ich stellte keine Fragen: Als ich 5 Tage dor-/ war, hielt igh mich für verpflichtet, von . „Abschied“ zü sprechen. „Tut noch nich Not“ -r-, sagte die Artigtiu unwillig. „Wenn Zülow niemand bringt — sonst sage ich, Ihnen schon Bescheid!“ Nach drei Wocheg war ich immer./noch da. 'Die Nächte verliefen jetzt „ruhig. An den Abenden saß* ich bei Carlotta in der Küche, und'sie erzählte von ihrem früheren Beruf —: sehr sachlich und trocken. Aber ich konnte heraushören. Wie* tief sie in /dem Artistendasein ■verwurzelt gewesen war. (Fortsetzung folgt.) iv.

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