Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 2 (30.4.1947)
- Date
- 1947-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. — 2. Jahrgang fc’ÜR DIE BRITISCHE ZONE J Ü.D I SCH IBS. GEMEINDEBL A*£W SO. April I64f mmmmmmm mmi hi Wir entnehmen diesen Aufsatz der' Tageszeitung „Die Welt“ (Hamburg),' die ihn zur Einleitung einer Sonderseite: ,,,Vor: zwei Jahren“ brachte. „Die Welt“, ließ auf dieser Sonderseite Menschen sprechen, die zu den Üeberiebenden der Konzentrationslager gehören.' Mit Bildern aus . dem K.Z. - Belsen Und diesen Tatsachenberichten erinnerte „Die Welt“ dankenswerter Weise das deut- sehe Volk an das, \vas es scheinbar schon vergessen hat. Zum zweiten Male j ähren sieh die Tage, an •denen die deutschen Konzentrationslager durch die vorrückenden alliierten Truppen befreit und jene Schreckensnachrichten die Welt aufzustören begannen, unter deren Folgen das deutsche Volk noch auf lange Zeit hinaus zu leiden haben wircL v , Am 11. April 1945 wurde .Buchenwald, von den Amerikanern befreit. Am 15. April rückten englische Truppen in Belsen ein. Am 22.. April kämen die Russen, die vorher schon Auschwitz^ Groß-Rosen lind ändere Läger des Ostens besetzt hatten, nach Sachsenhaüsen, am 29, April kamen die Amerikaner-nach Dachau, am 3. Mai die Engländer nach Neueiigamme. > .. .UeberaH zeigte sich dasselbe Bild- Wohl waren: .Dachau und Sachsenhausen „humaner“ als Belsen; wohl hielt Auschwitz, wo 3% bis 4H Millionen Juden und mehrere Millionen .Polen vergast worden sind, als Todeslager bei weitem die Spitze, aber das System war das gleiche, wo immer Gestapo und SS ihre Allgewalt an wehrlosen Häftlingen aüszutoben begonnen batte. , ' Niemand hört esgern, Wenn von Konzentrationslagern gesprochen wird. Wer weiß, Was da los war, der möchte es gern vergessen.. Nicht wenige wehren ab, wie man immer abwehrt, , wenn man ein schlechtes Gewissen hat. Andere sind der Meinung, man solle, statt von den Grausamkeiten der Vergangenheit lieber von denen der unmittelbaren Gegenwart sprechen. Es gibt sogar Menschen, die glauben, sie hätten es heute, da sie Hunger lind Kälte ,iind vielerlei andere Unbill auf sich nehmen müssen, genau so schlecht wie es ehedem die Häftlinge des Dritten Reiches hatten. Wie es wirklich war, wie das Dritte Reich Seine Häftlinge behandelt hat, das kann gar nicht oft genug gesagt werden. Nocfcimmer sind die Tatsachen nicht genügend bekannt. Noch immer fehlt es an der Besinnung, di.e jenes furchtbare Geschehen von jedem Deutschen verlangt. Und noch immer fehlt es weitgehend an der politischen und erkenntnismäßigen Auswertung, nach.der das Erlebte geradezu schreit. Es handelt sich nicht um die Frage, wie die Wiederholung ähnlicher Zustände und Vorkommnisse verhindert werden können, sondern, darum, was die, Tatsache, daß solche Praktiken überhaupt möglich waren, für unser Bild v°tn Menschen und damit für unser gesamtes Leben bedeutet. Gefragt ist jeder einzelne, mag er wollen oder nicht. Und die Antwort jedes einzelnen wird von der Geschichte registriert werden. Geschwiegen und stillgehalten haben wir allzulange. 'Wenn wir wenigstens jetzt sprechen und bandeln, mag noch einiges zu retten sein. - * Die vorliegende Sonderseite zum Thema Konzentrationslager bringt Beiträge von Opfern uhd Augenzeugen. Es sprechen vier Deutsche: ein Sozialdemokrat, ‘ ein Kommuriistj eine Katholikin,;ein nicht parteigebundener Dichter. Ferner: ein jüdischer Arzt aus Polen und ein britischer Offizier. , Der Querschnitt möge so verstanden werden, wie er'gemeint ist: als ein Zeugnis für die Breite des Widerstandes, .gegen den. Nationalsozialismus, doch zugleich als ein Hiiiweis auf die gemeinsame Aufgabe, die der alten.. Wider- ' standsfront auch heute und gerade heute gestellt ist. Was könnte1 mehr verpflichten als Opfer! Und .Millionen Tote wachen und warten, wie ihr Erbe verwaltet wärde . . 4 - Bemerkenswertes Urteil - Am 19. März hat das Mittlere amerikanische Militärgericht in Ansbach auf Antrag der Anklagevertretung’ das" Verfahren gegen den der Fragebogenfälschung angeklagten Professor Dr.'Theodor Süß niedergeschlagen. Der Entschluß des Gerichtes, ist in' jeder 'Hinsicht außerordentlich — so außerordentlich, wie der Verlauf des Verfahrens ' selbst. Dem Angeklagten ist es nämlich' nicht gelungen, die Beschuldigung überzeugend zu widerlegen, sein Fragebogen enthalte nicht die volle Wahrheit, sondern v<~--schweige einige seine, Vergangenheit währ . 1 der ^nationalsozialistischen' Herrschaft berutiTende‘Fakten, .die er hätte anführen müssen. Nach rein, foimalistisch-juristischen. Erwägungen wäre Professor Süß vermutlich zu verurteilen gewesen. Und das Gericht sah sich schließlich nur deshalb dazu veranlaßt, von einem Urteil ab Zusehen, welMSüß, ein Mann von offenbar untadeliger Haltung, derartiges Zeugnis wirklich antifaschistischer Gesinnung abfegen konnte, daß das Gewicht der Anklage in '-keinem Verhältnis mehr zu dem, bewiesenen aufrechten Charakter des Angeklagten .zu stehen schien. Immer wieder trat in dem Verfahren der schmerzliche Zwiespalt klar zutage, daß Professor Süß, der wahrhaft schlagende Legitimationen seines aktiven Kampfes gegen den Nationalsozialismus in den''Händen hält, das Opfer zwar schuldhafter, aber doch nicht unentschuldbarer. eigener Unbedachtsamkeit geworden ist. Dieser Eindruck wurde durch die große Anzahl von Zeugen bestätigt,, .die 'sich nahezu drängten, für die Qualitäten und die Verdienste des Angeklagten zu' bürgen. Dieser' Eindruck wurde dadurch vertieft, daß einer der Zeugen, der für den angeklagten Professor aussägte,, ein ehemaliger' deutscher Professor war, der wegen seiner jüdischen Abstammung zu Beginn der Hitlerherrschaft Deutschland verließ, wo er an der Universität Beslau zusammen mit Professor Süß gelehrt hätte.* Heute ist Professor E. J. Cohn britischer Staatsbürger und hoher Beamter der. britischen Kontrollkommission für Deutschland. Er war eigens aus London gekommen, um für Süß auszusageri.; Und er legte dar,- damals habe Professor Süß ihn mit allen Mitteln verteidigt, damals, als es galt, den geächteten, jüdischen Professor aus einer ungleich anderen^, ungleich tragischeren Situation’ vor den nazistischen HaschSrn ku bewahren. Und . so mannhaft habe Süß ihn verteidigt, daß er ihn bitten mußte, doch etwas Rücksicht auf sich selber zu nehmen. Unabhängig von depn vielfältigen und überzeugenden Beweismaterial, das Professor Cohn weiterhinbeibrachte, entspringt die Wirkung und der Wert'seiner Aussage aus viel tieferen,Bereichen als aus solchen, die allein mit juristischen Maßstäben zu erfassen wären. Das Bedürfnis, eine Dankesschuld; abzustatten, vermählte sich dem Willen, um jeden Preis der Wahrheit zu dienen. Daher die Beweiskraft.! Es ist nicht in Zweifel zu ziehen, daß sich das Gericht über die Bedeutung seines Entschlusses'Vollkommen im klaren gewesen ist. Es .hat die Absicht, die die ' amerikanische' Militärregierung mit dem Mittel des politischen Fragebogens. bezweckt, nett interpretiert: indem es den' formalen Fehler des Professors Süß nicht -ahndet, unterstützt es den höheren Zweck des Fragebogens, faschistische Elemente aufzuspüren. Das; Urteil ist * natürlich nicht als Präjudiz aufzufassen in dem Sinne etwa, daß Fälschung, des Fragebogens straffrei bleiben könnte. Aus dem Urteil ' im Falle Süß geht nicht mehr und nicht weniger hervor, als daß zwischen Fragebogen und Ahndung ein vernünftiges Verhältnis hergestellt, werden ", („Neue Zeitung“,' München). »Fettaugen* Einer von 30,000 „Stemträgern“’ erzählt1 vier war Der 27. Februar 1943 war für die noch in Deutschland lebenden Juden ein Schicksalstag. Schön lange zuvor waren viele Tausende „äbgeholt“ worden, wie der Fachausdruck damals lautete. Sie waren Tag' für Tag,. Nacht für Nacht von der Gestapo aus ihren Wohnungen in die Synagoge in der Lewetzowstraße geschleppt und dann nach Polen transportiert worden, Männer, Frauen, Kinder, Greise^ Körperbehinderte. 1 . An Renern 27. Februar, einem Sonnabend, holte das Hitler-Regime zu einem großen Schlage aus, es ließ alle arbeitenden Juden — in Berlin etwa 30 00Ö — von ihren Arbeitsplätzen abholen und wer zufällig ah diesem Tage, zy Hause war, den ereilte das Schicksal in seiner Wohnung. Bei der Firma S., bei: der ich als Zwangsverpflichteterarbeitete, erschien die Gestapo' mit zwei großen Lastwagein gegen 8 Uhr früh..-Ein Mann und eine Fr^u, die sich versteckten, wurden von der SS nach längerem Suchen entdeckt, verprügelt und in die Lastwagen gestoßen. Wir. fuhren durch die. Innenstadt einem ungewissen Schicksal zu; ein; Weg,- der uns endlos, schien, bis wir endlich in der Ilermann-GÖring-Käserne. in < Reinicken-- dorf landeten. Dort wurden^ wir von dem Unterscharführer der SS., Schneider, ih drei Abteilungen eingeteilt: Träger des EK I und der österreichischen Tapferkeitsmedaille, Mischehen und — die anderen. Aus der .ersten Gruppe wyrden die Ordner bestimmt, die zweite Gruppe, zu der ich gehörte, erhielt eirte besondere Ansprache des Inhalts, daß man uns wieder entlassen werde,' während die drit— te Gruppe am nächsten Tage oder am Montag' nach Polen abtransportiert werden würde. Von ihnen haben wir nie mehr etwas gehört. Jede der 'drei Gruppen wurde in eine riesige Autoreparatur-Halle gelegt. Sie hatte kein' künstliches Licht und keine Heizung, dabei Resolution des „ Zone“, angenommen auf der Die auf der Plenarsitzung des Central Jewish Committee f or the British Zone versammelten Gemeinden und Komitees, die Gesamt-, repräsentanten der in der . kritischen Zone Deutschlands lebenden befreiten jüdischen Menschen erheben am 2. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belüen durch- Britische Truppen feierlichst Protest gegen die sich in den vergangenen Wochen häufenden antisemitischen Terrorakte, deren Ziel die religiösen und allgemeinen jüdischen Einrichtungen in Deutschland sind: Sie lenken die Aufmerksamkeit der Oeffentliehkeit und unserer Brüder und Schwestern in aller Weib auf die beschämende Tatsache, daß zwei Jahre nach der Befreiung antisemitische Banden wiederum zum Angriff gegen uns ansetzen und damit den Beweis ihres unerschütterlichen Verfolgungswillens därbieten. Wir erklären uhsere Entschlossenheit, diese Vorgänge nicht widerstandslos hinnehmen, zu wollen. Wir erklären weiterhin, daß der uns durch, die britischen und deutschen Regierungsstellen zugesagte und garantierte Schütz uns nicht ausreichend erscheint, um unser Leben in diesem Land als sicher zu betrachten. Wir fordern darum an diesem Tage des Gedenkens S von der Moskauer Außenministerkonferenz für -alle Verfolgten und alle Opfer des Hitler-Regimes die Sicherung der Menschenrechte, - die durqh , die Atlantic Charter versprochen und durch das Blut der gefallenenalliierten Soldaten und unserer Toten besiegelt worden ist. > * Wir fordern von' den United Nations die Oeffnung der Tore in die Welt, um für unsere 1 Menschen; endlich Ruhe, Frieden und eine neue Zukunft finden zu können. Wir fordern' von England vals Mandatormacht: Oeffnet die Tore Palästinas und schafft endlich die Möglichkeit, diesen blutgedüngten Boden Deutschlands zu verlassen, um unsere Kraft, unsere Energie und unseren Willen für den Aufbau unseres eigenen nationalen Heims in EREZ ISRAEL einsetzen zu können. . '■ Central Jewish Committee for the British Zone gez. Josef Rosensaft. gez. Norbert Wollheim. war die, Temperatur 6 Grad unter dem Gefrierpunkt. Von morgens bis zur' Nacht, die schon früh einsetzte, marschierten wir wegen der Kälte durch das riesige Oval der Halle. Nachts'legten wir zwei Bretter auf-ein paar. Ziegelsteine, so daß' immer 8 bis 10 Mann gleichzeitig ein paar Minuten sitzen konnten^ Lange’hielten, wir es allerdings vor Kälte nicht aus. Man ließ uns ohne jede Verpflegung. — .bis zum nächsten Morgen. Dann gab es einen. Teller Suppe. Es erfolgte die Registrierung,' dann neuer Appell urid schließlich' die Mitteilung des Unterscharführers, daß die „Mischehen“ in die Rosenstraße kämen, wo man sie entlassen werde. ' ’ ' -. Als wir etwa um 2 Uhr mittags in dem Hause der jüdischen Gemeinde in der, Rosenstraße ankamen, begrüßte uns der Hauptscharführer .der SS, Grell, mit, folgender „zackiger“ Ansprache: „Leider, können wir euch nicht evakuieren, weil ihr arische Frauen, habt. Aber wir haben andere- Mittel für euch,1 den Bunker und das KZ. Und davon werde ich rücksichtslos Gebrauch machen!“ ./ Dann wurden wir 150 Mann in die'einzelnen Zimmer verteilt. Wir sahen ein, unsere-Hoffnung -an diesem, Sonnta^nachmittag entlassen zu werden, war aussichtslos. Aber Wir hofften auf den Montag -und. fingen an, uns nach eiyer Schlafgelegenheit uihzüsehen. Da weder Betten noch Strohsäcke vorhanden waren, legten wir uns auf unsere Mäntel, die Akten-, taschen unter dem Kopf und deckten uns mit unseren Röcken zu. Aber baid ergab es sich, daß der Platz nicht ausreichte und unser „Stubenältester“^ meinte: ^Herrschaften, so geht das natürlich'nicht, Ihr könnt doch nicht Auf dem Rücken liegen Wie bei Muttern! Entweder auf der linken oder auf der rechten Seite!“, Und so wurde es gemacht. Die Zimmer waren-zugeriegelt und vor jedem ein Ordner postiert Am, Montag früh gab ßs gleich beim Hellwer- , RnHicIi den eine Sensation: Die ganze Rosenstraße IOP in.© DSVllSöll J bis zum Hackeschen Markt war schwarz von Menschen. Es waren unsere Frauen, die sin Scharen herbeigeeilt waren,! stürmisch unsere Freilassung verlangten und1 Sprechchöre bildeten: „Wir wollen unsere Männer wieder!“ Wir da drinnen blieben" aber hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. ' ',. ' 4 . Am S.pnnabend, dem 6. März, fand von 12 bis 16 Uhr ein großer Appell sämtlicher Insassen auf dem Hofe der Rosenstraße statt, bei dem mein; alter Bekannter, ,der' Künstler Willy Prager, neben mir stand. Verschiedene wurden zur Arbeit' eihgeteilt und gleich entlassen. An jenem Tage und schon am Tage zuvor waren alle „Privilegierten“ entlassen worden, d. h. diejenigen, in Mischehe lebenden Juden, die, christlich erzogene Kinder hatten. Am Sonntagnachmittag begann dann auch für Uns die Erlösung aus der. Ungewißheit Zunächst wurden alle Kranken und Körperbehinderten entlassen; der Rest kam am Montag an die Reihe. Unsere alten Arbeitsplätze durften wir. allerdings nicht wieder einnehmen; , Auf geatmet haben wir erst, als' die Rote Armee das Nazi-Regime zerschlagen und uns die Freiheit wiedergegeben hat. Nur wer'selbst einen Stern getragen hat, der kann' es ermessen, wieder als freier Mensch durch die Straßen gehen zü können, zu jeder Tageszeit; einkaufen zu dürfen, U-Bahn und Straßenbahn Das Judentum^ In Deutschland ist zusammengesehrumpft. Wir können uns den Luxus-einer gegenseitigen Zersplitterung, auf; keinen Fall erlauben. Unser Gottesdienst kann nur ein gemeinschaftlicher sein. Getrennte orthodoxe Gottesdienste'auf der einen, liberale auf der anderen Seite hätten zur Folge, daß sehr oft auf beiden Seiten kein MinjanZusammenkommen würde. Einigkeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten' ist ebenso Selbstverständlichkeit. Wie unberechtigt jede Antipathie gegen die, Ostjuden ist, habe ich vor kürzer Zeit in diesem Blatte (Nr. 20) ausführlich begründet. Auch die Einteilung der Juden hach der Länge und der Härte durchgemachter Leiden darf nicht zu einer Dauererscheinung wer- den. Jeder glaubt, — menschlich verständlich ~ daß er am meisten; gelitten hat,- daß er die besten Angehörigen; verlor, daß gerade sein Lager das schlimmste’ war, oder sein illegaler Aufenthalt außerhalb von ' Lägern besondere seelische Widerstandskraft erforderte. Schluß mit .dieser urinützen Zersplitterung, die nur 'dem Neuaufbau qler Gemeinden und der erforv derlichen Einigkeit innerhalb des Judentums hindernd im Wege' steht. Doch mit gewissen Menschen gibt es .keine Einigung. Man sollte. sie nicht beachten; ihnen aus dem Wege geheh und sie ~ von allen jüdischen Einrichtungen fernhalten. Es, sind dies die sogenannten» „Fettaugen“, die hei jeder Suppe oben schwimmen. Ihnen ist und war es von jeher gleichgültig, ob diese Suppe rötlich, bräunlich oder eine andere Färbe hatte. Die neue Grenzziehung im Osten hat die Menschen durchein- ’ ander gewürfelt. Und damit leider gerade diesem Typ' wiederum die Möglichkeit gegeben, über' ihre Vergangenheit einen Schleier zu breiten.. Sie, die früher aus ihrem Uebertritt zu anderen Religionsgemeinschaften gar kei-' nen Hehl machten, _ sitzen heute, wenn auch vereinzelt, in den Vorständen, unserer Kultus-, gemeinden, schreiben Artikel für jüdische Zeitungen und imitieren den aufrichtigen Juden. Ich könnte da mit manchem Namen dienen. Wer uns den Rücken. kehrte, dem' sind wir, nicht böse.; Er möge weiter;für seinen selbsterwählten Wirkungskreis tätig sein. Um jüdische Angelegenheiten soll er sich aber nicht mehr „kümmern, sondern diesen Kummer, den glaubenstreuen Juden überlassen. Wir aber müssen diesen Menschen gegenüber vorsichtig, sehr vorsichtig sein, ' In: den seltensten Fällen religiöse Ueberzeugung, ih noch' selteneren Fallen, waren Konzessionen an die Eheü frau die Gründe zum Uebertritt. In fast allen Fällenwar es lediglich das Bedürfnis, sich zu tarnen. Man soll, keinen Haß säen, darf aber auch nicht vergessen, daß ganz erhebliche Teile der/ antisemitischen Literatur aus den- Federn dieser Menschen stammen. Uebrigeh§ ist dies keine jüdische Erscheinung, sondern eine immer -wiederkehrende Beobachtung, -die man bei allen Renegaten machen kann. Deshalb Vorsicht!! Erich Fraenke 1, Hamburg, ohne polizeiliche Erlaubnis zu benutzen und einen Sitzplatz einnehmen zu dürfen, was es bedeutet, Zeitungen; kaufen zu dürfen, im Frühling und Sommer spazieren gehen zu können. uns . war ja das Betreten jeder Grünfläche verboten —,.vor allem aber, was. es heißt, beim Ertönen -der .Wohnungsklingel die Tür beruhigt öffnen zu dürfen, ohne befürchten zu müssen, daß die Gestapo oder. zumindest Wohnungssuchende draußen stehen, die von der Organisation Speer , bevollmächtigt waren, uns aus unseren Wohnungen zu vertreiben. Jetzt erst dürfen wir wieder freie Menschen sein., * ‘ E. W. ■ ' (Berliner Zeitung). am 15.i An viele Leser: Wir haben eine große Anzahl Auslands Abonnements erhalten. Ausliefern können wir leider im Augenblick nur nach USA. und England. Wir bitten, von den Gebühren am Kopf unserer Zeitung Notiz zu. nehmen und dieselben auf unser Postscheckkonto Essen 68080 einzuzahleh. Die Sondernummer vom 15. April ist bereits auf den Weg gebracht. * . J ‘ * 1 Wir danken Ihnen recht herzlich für die bei uns eirigegangenen Gratulationen zu unserem Geburtstag und die in diesen Briefen zürn Ausdruck gebrachten Anerkennungen. Leider ist es uns nicht möglich, Ihnen im Einzelnen zu antworten. Wir' müssen Sie deshalb bitten, sich mit diesem generellen Dank zufrieden zu geben. Wir versprechen Ihnen,, uns alle Mühe zu geben, weiter zu Ihrer Zufriedenheit zu arbeiten. Für unsere Leser in Berlinr Wir stehen in Verhandlungen wegen des Vertriebes unserer Zeitung in Berlin und bitten noch um ein klein Wenig Geduld. MERKUR-DROGERIE UND FARBENHAUS 'STANDARD. GROSS .TANKSTELLE Düsseldorf, Gartenstraße 137, Ruf: 18471 Filiale: Unterrat her Straße 11, Ruf: 24860. Damen- und Herreri-Moderv Wu ppertal- Elberfeld Irr» Rathaus — Fernsprecher 35034- Kunftftopferei in befter Ausführung/Laufmafchen*Reparaturen Hauptg.schäft: DÜSSELDORF, Friedricbstraße 108, Fernruf 22747 Weitere Geschäftsstellen. Birkenstraße 114 und Scheibenstraße 2 M.'GIADBÄCH, Herrnanrntr. 8. Büro-Femruf auch nach Gescblftsscki. 44943