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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-04-30 · 2 (30.4.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
2 (30.4.1947)
Date
1947-04-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Niv 2. — 2« Jaörcang jüdisches gemeinüeblatt für die britische zöne SO. April 194? Die Todesurteile in Palästina vollstreekt Jerusalem. (DENÄ-Reuter). Amtlich' wurde bekanntgegeben, daß die Mitglieder, des „Irgun“: Dov Grüner, fMordechäi Alkazy, Dov Rosenbaum und Elieser Kaschan-i am Mittwoch, dem 16. April im Gefängnis Akko hingerichtet worden sind. ' London. (BBG). Der -High Commissioner for Palestine, Sir Alan Cunningham, ist als Pro-, test/gegen die .Maßnahmen in Palästina zurückgetreten. : * * * Die Jerusalemer Todesurteile haben in jüdischen Kreisen heftige Proteste ausgelöst; Das „Zentralkomitee der befreiten Juden“ in der US-Zone Deutschlands hätte aus diesem Anlaß den 17. April zum Trauertag für alle dort lebenden Juden , erklärt. In München veranstalteten, etwa 2000 jüdische Verschleppte eine Protestkundgebung, 'vor dem britischen Konsulat, wobei die Menge in Rufe ausbrach wie „Pfui Bevin 3es leben die jüdischen Freiheitskämpfer!“, »Es lebe Amerika, es lebe Präsident Truman; es lebe ein Selbständiger*, jüdischer Staat in Palästina!“ In New York stürmten am 18. April etwa 40 Juden'das britische Generalkonsulat und hielten zwei Stunden lang das Hauptbüro besetzt, wobei sie lärmende antibritische Demonstrationen veranstalteten. Das' „Zentralkomitee der jüdischen Gesellschaften“ in .Frankreich bestimmte den 28, April, den Tag der UN-Sondersitzung über Palästina, , für Protestversammlungen. ' London. (BBC.) Ueber ganz Palästina wurde Ausgehverbot Verhängt. vIn Jerusalem, Haifa und , Tel-Aviv wurden militärische Kommissare eingesetzt. Stark bewaffnete militärische Einheiten patroullieren Wege und Straßen in ganz Palästina.. Es, werden Gegenmaßnahmen* der jüdischen Untergrundbewegung erwartet, London. (BBC.) Der Geheimsender des „Irgun“ hat folgende Erklärung abgegeben: Für jeden erhängten Juden in Palästina wird der „Irgun“ zehn höhere englische Offiziere erhängen. Jüdische Ansiedlungsgenossenschaft in West- ‘' , ponunern , Szczecin. In Verbindung mit jüdischen Wojewodschäftskomitees wurden durch das Kommissariat, dem die Eingliederung der jüdischen Bevölkeripgsteile in Polen in den Produktionsprozeß untersteht, die Arbeiten zur Orga-, nisierung der ersten zwei 'jüdischen Parzellierungs- und Ansiedlungs-Genossenschaften' in West'pommern begonnen. Dadurch sollden jüdischen: Ansiedlern Gelegenheit gegeben Werden, sich in den Produktionsprozeß und in das polnische Wirtschaftsleben auf Grund ihrer Tätigkeit als Ansiedler auf parzellierten ehemaligen, Großgütern einzureihen, Die beiden Güter,, die nun ayfgeteilt wurden und auf denen die Genossenschaften entstehen Werden, sind bereits teilweise-von jüdischen Familien bewohnt. '; Einreihung der jüdischen Jugend* in den Produktionsprozeß Wroclaw., Eine Jugendabteilung wurde vom Komitee des' Verbandes der Juden in Polen in 'Niederschlesien ins Leben gerufen. Ztvecks Eingliederung in, den Produktionsprozeß (ProduktiviSierung) der jüdischen Jugendlichen werden Listen angelegt, um .diese Jugendlichen einer rationellen Beschäftigung zuzuführen und Sie für einen Beruf zü. .qualifizieren. .1 Moskau. (Our Way), Bei den Beratungen der stellvertretenden'' -Außenminister über das Eigentum der nationalen, Minderheiten in Oesterreich wurde keine Einigkeit erzielt. Dagegen wurde eine, volle Einigkeit in der. Frage der Rückgabe jüdischer! Eigentums erzielt. Der Beschluß besagt, daß .das jüdische Eigentum in Oesterreich, das unter. Zwang aus rassischen Gründen abgenommen worden ist, zurückerstattet werden'muß. Prag. 120 jüdische Soldaten der tschechoslowakischen Armee, die in Palästina mobilisiert wurden, kehrten jetzt mit ihren Familien nach Palästina zurück. Die zahlreich versammelten Juden begleiteten die Repatriierten auf den Bahnsteig unter den Klangen der „Hatikwah“. Genf. (JTA). Die Schweizer Regierung hat sich einverstanden erklärt, zweihundert Juden aus Deutschland, Oesterreich .und Italien die Aufenthaltserlaubnis für einen sechswöchigen Kursus an feiner der ORT Schulehr zu erteilen. Diese Juden werden als Lehrer für ORT- Schulen für die drei Länder, aus denen sie kommen, ausgebildet. Vv Hunderttausend jüdische Landarbeiter In Amerika* New York. (JTA). Aus einem Bericht der Jewish Agricultural Society geht hervor, daß sich während der vergangenen zehn Jahre hunderttausend Juden als Landwirte in den Vereinigten Staaten niedergelassen haben. Washington. Das „Weiße Haus“ veröffentlichte -Mne Erklärung, die besagt, daß die -Stellung der Vereinigten Staaten zu Palästina nicht von parteilichen oder lokalen Ueberlegungen, sondern von aufrichtigem" und tiefem.. Interesse .des,ganzen Volkes diktiert wird. New York. (Reuter-Dena). Der Wirtschafts¬ und Soziälrat bei der UNO erteilte offiziell dem Jüdischen Weltkongreß das Statut einer „consultativen“ (beratenden) Körperschaft. Der Kongreß, bereitet jetzt eine ' große politische Aktion . im ' Zusammenhang mit der Sondersitzung* der UNO in der Palästinafrage vor. Frankreich nimmt gegen Vichy-Antisemiten Stellung. Paris. (JTA). Als Ergebnis von vor einigen I Monaten , begonnenen Nachforschungen verhaftete die Polizei am 13. April achtundzwan* zig Mitglieder des sog. „Instituts für das Studium von jüdischen Fragen“. Während der Besatzungszeit gegründet, hatte es als Hauptaufgabe, versteckte Juden aufzuspüren und / sie den deutschen Behörden zu denunzieren. Der größte Teil der Verhafteten gehört der oberen Strata der französischen Gesellschaft an. ' ' Ein Polizeibeamtfer teilte der JTA mit, daß? dies nur der Anfang einer groß’ angelegten Aktion zur Beseitigung , antijüdischer Vichy- Elemente seL v * München. (Our Way). Der Münchener RundP' funk brachte am 5. 4. 47 eine» Pessachsendung unter Beteiligung des Orchesters des Zentralkomitees. Der Vorsitzende des Komitees* Dr. Traeger, u. der Leiter der Jewish Agency, Dr. Hoffmann, hielten Begrüßungsansprachen in hebräisch. Ueber die Bedeutung des Pessachfestes sprach Ernst Landau. Dr. Jacob! gestorben Nürnberg. (DENA). 21: April. ■ Der amerikanische Staatsanwalt Dr. Karl Jacob* ist, wie der stellvertretende amerikanische Häuptankläger Professor Dr. Robert Kempner am Montag mitteilte, am Sonntagabend einem. Herzschlag erlegen. Dr. Karl Jacobi, der während des Naziregimes, von Deutschland nach den Vereinigten Staaten auswanderte, wurde im Jahre 1945 von der amerikanischen Regierung mit den Vorbereitungen für den im ' internationalen Kriegsverbrecher-Prozeß gezeigten Dokumentarfilm beauftragt. .1946 arbeitete Jacobi an den Vorbereitungen des Prozesses gegen die Nazijuristen. ' Paul Trepman: Weibliche Flüchtlinge in Palästina demonstrieren in einem Hungerstreik, um den Transfer ihrer Männer von Cyprus zu beschleunigen. Jerusalem.,. (JTA.) Sechsundzwanzig Frauen, die auf den „Illegalen Schiffen“ („Enzo“, „Se- •reni“ und „Raffia“) angekommen waren und die sich jetzt jn dem Flüchtlingsheim der Jewish Agency befinden, - erklärten einen* Hungerstreik als Protest -gegen die. andauernde Inhaftierung ihrer Männer ' auf Cyprus. Die Jewish Agency hatte ihnen versprochen, daß ihre Männer mit der nächsten Gruppe der nach Palästina zurückkehrenden Cyprus-Flüchtlingen ankommen würden., Die Frauen fasteten sogar während der Pessach-Tage. Jerusalem. , Am Sonntag' ‘kam es ■ in den Küstengegenden Palästinas . erneut zu jüdischen* Terrorakten, in deren Verlauf zehn britische Soldaten verletzt Würden. Bei einem Bombenanschlag auf ein britisches Soldatenkino in Nathanya,- zwischen Haifa und Jaffa, wurden nach einer . amtlichen Bekanntgabe sechs britische'. Soldaten verletzt. Die Telefonverbindungen zwischen Nathanya und- Jerusalem wurden hierbei unterbrochen. -Vier britische Soldaten wurden , schwer verletzt, als ihre beiden Fahrzeuge außerhalb Nathahyas auf eine Mine fuhren. Auf der Straße nach Haifa fuhr, wie amtlich bekanntgegeben wurde, qin Lastwagen auf eine elektrisch gezündete Mine, wobei die beiden Fahrer — zwei Araber — schwer verletzt wurden. In -*eip. britisches Lager bei Rehovoth würde eine Bombe geworfen, die jedoch keinen großen Schaden janrichtete, Jerusalem. (A.P.) Mitglieder des „Irgun“ griffen den britischen Leiter der Polizei in Tel- * Aviv. an. Ein Polizei-Offizier wurde getötet und 2 verletzt. „ Haifa (A.P.) Ungefähr 40 Meilen vom Paläätinaufer entfernt stellten britische Kriegsschiffe das „Illegalen“-Schiff „Moledet“ mit 1600 Einwanderern an Bord. Das Schiff befindet sich in exterritorialen Gewässern. * 60Ö von den Passagieren wurden auf britischen Zerstörern nach Haifa gebracht. Infolge des geleisteten Widerstandes benutzte das Militär Tränen- und Rauchbomben. Als Protestaktion sprengten jüdische Extremisten die Oeltanks der „Shell“-Company. Die dabei entstandene Feuersbrunst war die , bishfex; größte in Palästina., Kanada hat zum erstenmal einen Juden zum Botschafter ernannt . Ottawa. (JTA). Mr.* Sydney Pierce aus Montreal, der vor kurzem zum'kanadischen Botschafter für Mexiko, ernannt wurde, ist in der Geschichte Kanadas der erste, Jude, der einen wichtigen diplomatischen Posten inne hat. Kanadische Juden lancieren eine 2 Millionen- DolJar-Campagne für Hilfszwecke in Uebersee Toronto. (JTA.) Eine 2 Millionen Döllar-Cam-. pagne für Hilfszwecke in TJebers'ee wurde hier von den United Jewish Relief Agencies of Canada auf einer Tagung der U.J.R.Ä. und des Canadian Jewish Congress lanciert. Mr. Samuel Bronfmän, Präsident des Kongresses, erklärte, daß ‘ die Jüdischen Gemeinden von Montreal, Toronto und Winnipeg entschlossen seien, ihre Quote zu vergrößern, weil * die ■‘Nöte der Juden in Uebersee so groß sind. Die humanitärste Institution, die nach der.' letzten Völkerschlacht geboren wurde, ist zweifellos: die „UNRRA“. Eine Vergütung, für die Millionen von Invaliden, Witwen und Waisen nach den Gefallenen auf den Schlachtfeldern, für die durch moderne Hunnen barbarisch Verschleppten oder brutal von ihren Heimen ausgewurzelten — besteht denn ein schöneres und, göttlicheres'* Ideal wie diese 10* Gebote der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen? , Und doch hört man,überall, daß scharfe Kritik-Worte gegen die „UNRRA“ ausgesprochen werden. <v , Es ist tatsächlich wahr, daß nur derjenige rein von Kritik ist, der nichts schafft,'dagegen'j der Schaffende, dessen' Taten die Geburt* einer l Tätigkeit bezwecken, »sehr oft starke Beschulj digungen gegen seine Tätigkeit hört. Dort, ] Wo es ruhig. ist, hört man nichts weder j Lobgesänge noch Vorwürfe. Und eben gegen die „UNRRA“ wurde oft kleinere und manchmal sogar schärfere Kritik 'geübt. Diese Kritik ist ein Ergebnis unserer traurigen Lage und der ungenügenden „UNRRA“-Rezepte zur Linderung ' derselben. Aber eip Moment der allgemeinen Tätigkeit dieser Organisation darf nicht von unserer schärfsten Kritik frei sein und muß mit ganzer Kraft unterstrichen werden. " Wir denken an die Ukrainer, Litauer und Letten, die vom Brot genießen, das die demokratische'Welt über die „UNRRA“ für die „Displaced Persöns“ in Deutschland schickt. Fragt die überlebenden Juden von Kölomyja, Chodorow, Kiew und Dnieprope.trowsk, wer ihre Nächsten erwürgt und jüdische Häuser verbrannt hat; sollen die Juden von -Kowno, Wilna oder vom Warschauer^ Ghetto erzählen, welche Nationen aktiv , den braunen Banditen geholfen .haben in seinem bestialischen Spiel und sogar, die, „wichtigsten Gäste“ auf dieser blutigen Hochzeit waren; hört die Greuel-Geschichten von Riga und Kaiserwald, wo die Letten in Blutgier ihre raffiniertet! Lehrer übertroffen haben. Deutschland hatte einen kolossalen'Plan zur Ausrottung' der Juden auf gebaut; dieser Plan War größer, als dessen Möglichkeiten — da kamen die Ukrainer, Litauer und Letten zu Hilfe und im, vollen Maß mit Begeisterung wurde der schauerliche Befehl ihres 'tierischen Lehrers ausgeführt.' Nach der Befreiung - zogen sie ihre schmutzigen Uniformen aus-, ergaunerten die .sogenannten „D.P.-Karten“ und geruhen, sich von der „UNRRA“ verpflegen zu lassen. Ihre Heimreise ■ anzutreten haben sie Angst, weil sie in der Heimat ein Todesurteil erwartet. — aber Brot essen und Zigaretten rauchen, geschickt von denen, gegen die sie gestern kämpften — Ja! <Uebrigens — warum denn nicht, wenn man gibt; und keine Fragen stellt?! Noch heute sitzt in Deutschland feine Armee von Faschisten, Mördern; Kämpfern gegen den Weltfrieden und Judenhenkern und genießt alle Rechte, die die demokratische Welt den Opfern des braunen Teufels zugesprochen hat. Sie sitzen gemütlich in den „UNRRA“- Lagern und singen dieselben Lieder ,mit denen sie einst ihre todbringenden Messer begleitetem ■ ■; Und die ,,UNRRA“-Leiter' wissen, daß die- Ukrainer im selben Maße an dem europäischen' Unglück schuld sind, wie die Nazis,1 und die Litauer und Letten auch. Und doch 'wird nichts getan, um diesen v Fehler" zu beseitigen, von dem man sich niemals entschuldigen kann. Aber dem jüdischen D. P..wird die Ration gekürzt. Man setzt ihn auf deutsche Verpflegungssätze. Den jüdischen D.P, erinnert man auf Schritt und Tritt an das Gegebene und den Mördern schenkt man. Applaus auf „Gesangskonzerten des ukrainischen öder litauhschen Liedes!“ Zwei Sorgenkinder hat die „UNRRA“: Mörder und Opfer. Es ist komisch, aber richtig. So richtig, wie das falsche dieser Wirklichkeit. (Entnommen: „Unzer Sztyme“, aus dem Jüdischen übersetzt von Hl Ing s t e r.) Moritz G-oldSchmidt« Erinnerungen qn die illegale Alija Rußland Groß ist der Strom der jüdischen Flüchtlinge aus dem Osten, der sich nach Deutschland ergießt. Die Augen aller dieser Menschen sind nach Ikez Israel gerichtet. Sie beweinen nicht die schweren materiellen Verluste, ihbe aufgewühlten Herzem verzagen nicht, wenn sich nur ihre Sehnsucht erfüllt, wenn sie das Land erreichen, an dessen weiterem Aufbau sie mitwirken wollen, und wo sie für sich und ihre Kinder feine bleibende Heimstätte zu . finden erhoffen. Diese verzweifelten Menschen sind entschlossen, alle Schwierigkeiten, die ihnen den Weg nach Palästina versperren, aus dem Wege zu raumen, genau wie ihre Vorgänger es 1919—24 gemacht haben, ' als sie infolge des Bürgerkrieges . und der' Pogrome in der Ukräine zur Auswanderung aus Rußland gezwungen wurden: Diese - Abwanderung ist nicht mit Emigration zu bezeichnen. Panik und Schrecken hatte die jüdischen , Menschen ergriffen. Tausende streiften an den Grenzen Polens, Rumäniens und Kaukasiens umher. Beim Grenzübertritt waren' sie nicht allzu vorsichtig. Die Verzweifelten vertrauten sich ..Schmugglerbanden an, die, anstatt diesen zu helfen, sie erbarmungslos aüsraubten. und .ausplünderten.. Es fehlte an organisatorischer Leitung, jeder handelte auf eigne Faust, weshalb . viele Flüchtlinge beim Grenzübertritt erschossen wurden oder in .den Eislöchern der Flüsse Dnjestr und Sbruck ums Leben kamen, : Erst als .es Trümpeldor im August 1919 gelungen war,* Erez Israel zu’ erreichen, prüfte er sofort die , Möglichkeiten einer * organisierten Auswanderung aus Rußland und der Aufnahme in Palästina. Kurze Zeit darauf begannen Gruppen von Chalüzim in Booten die Chawerim ans türkische Ufer zu bringen, unter Führung von türkischen Schmugglern, Solch eine abenteuerliche Fahrt dauerte viele Tage, Nach der* Landung an der Küste Kieinasiens begann ein Umherirren in den türkischen Bergen. , Erst als man die chaluzische Siedlung „Messila chadascha“ bei Konstantinopel.; erreicht. hätte, war man gerettet. Nicht wenige Chalüzim starben in den Bergen, ohne daß man . bis heute ihr Grab kennt. ' In dieser Periode 1920—22 bebte Rußland noch' unter den. Erschütterungen des Bürgferkrieges. Das Land war voller Mordbanden. Die Verkehrsverbindungen 'waren chaotisch, eine Eisenbahnfahrt “war mit Lebensgefahr verbunden, und man wär dauernd räuberischen Ueberfällen ausgesetzt. Der illegalen Alija fehlte Plan, und System. Die Hilfsorganisationen hatten keine Möglichkeit, sich um. das Schicksal der Auswanderer zu kümmern. Später wurde von der Tscheka die Todesstrafe für ..den unerlaubten Grenznicht zu vsrgessep, das Abonnementüie das „Jüdische Gemeicdeblatt** rechtzeitig Zu erneuern. \ Übertritt angedroht. Dieses vermochte jedoch nicht, den 'Strom , aUfzuhalten. Die polnische Regierung veröffentlichte, einen Erlaß, der allen russischen Flüchtlingen, die nach 1922 dorthin gekommen waren, den Aufenthalt in Polen verbot. Nur mit Hilfe , vieler Chawerim, die ihr Leben aufs Spiel s.etzten, wurde die illegale Alija aus Rußland fortgesetzt Das Jahr 1923 brachte endlich einen Weg zur legalen Auswanderung. Die 1 Sowjetregierung hatte Beziehungen zür Außenwelt angebahnt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse besserten sich, und auch für die russischen Juden eröffrieten . sich neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Die jüdischen .Ansiedlungen in der. Krim vergrößerten sich. Trotzdem wurden viele Menschen von depa Verlangen nach Erez Israel ergriffen. - * 1924 waren, nach schwierigen Vorarbeiten die Bedingungen für eine illegale Alija geschaffen. Das Ueberschreiten der russischen Grenze war immer noch * mit Gefahren verbunden und mancher bekam eine Kugel in den Rücken. Viele Juden, die der G.P.U. in die Hände fielen, wurden von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt ynd schließlich nach Sibirien , verbannt. Natürlich konnten die zionistischen Organisationen als offizielle Körperschaften sich, nicht einschalten. Vereinzelte Zionisten kamen den Auswanderern zü Hilfe, viel tun1 konnten sie nicht. Sie sorgten für Unterbringung, für Lebensmittel und Geld, mußten sich aber vorsehen, den Regierungsbeamten nicht auf Zufällen. Das waren die Wege, auf denen die Chawerim nach Erez Israel gingen., Durch, Gefängnisse, Hüngerqualen, Kälte und Todesängste bahnte sich die illegale’ Alija ihren Weg. Die Erinnerung an diese Tatsachen soll Zeugnis ab legen, für die bewundernswerte Energie und Selbstaufopferung der Chalüzim.. Heute sind unsere Flüchtlinge in ‘ der .gleichen Lage. Wieder, ist ihnen - der Weg nach Erez versperrt. Aber beharrlich werden wir darum ringen, alle* Hindernisse zu beseitigen, um diesen Menschen die Mitarbeit am Aufbau Palästinas zu ermöglichen, des Fleckchens Erde, das für sie das Symbol der Freiheit und 1 Sicherheit bedeutet. . - ~ '

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