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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-04-30 · 2 (30.4.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
2 (30.4.1947)
Date
1947-04-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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JJr. 2. — 2. Jahrgang JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 30. April 19« täuschungen. Ich bin nicht der Außenminister, sonst könnte ich . Ihnen die notwendigen-Erklärungen hierfür geben. Aber der vor kurzer Zeit abgegangene erste Transport nach Palästina und der morgen abgehende nächste Transport bedeutet für Sie eine gewonnene Schlacht.; . ' Arbeiten Sie weiter, so wie' bisher , und Sie, die Sie zurückgeblieben sind, seien Sie'nicht traurig. Wir müssen wissen, daß es erste Pflicht der Menschen ist, sich gegenseitigzu helfen. JDen nun mit dem ersten Transport nach Palästina aüsgewanderten Juden spreche ich meine herzlichsten Glückwünsche aus', verbunden mit dem Wunsch, daß sie endlich ihre wohlverdiente Ruhe finden werden.“ ’ > Nachdem Josef Rosensaft Maj. Fownler für seine Ausführungen herzlich . gedankt hatte, ergriff- Direktor Morell von der UNRRA das Wort. Er sagte: „Es ist mir eine gan^*be~ .sonders große ,Ehre, als UNRRA-Direktor des Hohpe-Belsen-Bezirkes, Sie heute, am 2. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Belsen durch die alliierten Armeen,- begrüßen zu dürfen. . Viele von Ihnen erlebten diese denkwürdigen Tage und werden sie. nie vergessen. Lassen Sie. diese Erinnerungen wach . bleiben, als erster Schritt zur internationalen Freundschaft.- Ich freue mich, bei Ihnen'zu sein zu einer Zeit, da die Auswahderung nach Palästina und anderen Ländern beschleunigt wird, und ich hoffe aus tiefstem Herzen, daß auch die letzten von Ihnen in wenigen Monaten die Möglichkeit haben werden, endlich wieder ein. neues freies Leben führen zu können. Dann wird der Belsener Gedenkstein eine ewige Erinnerung für die entsetzlichen Ergebnisse der Unterdrückung der persönlichen Freiheit und' .der Menschenrechte sein. Meinfester Glaube ist, daß nur dann ein dauernder Friede erreicht werden kann, wenn guter Wille und Verständnis zwischen allen Rassen und Völkern, unabhängig des Glaubens, die Völker dieser Erde leiten werden. Sie, mehr als jedes andere Volk, haben in der ganzen Welt Verbindungen. Und deshalb erscheint mir, daß hier Ihre Möglichkeiten liegen. Ich bitte Sie deshalb innigst, zu versuchen,; in Ihren neuen Heimen auf dieses Verständnis, das die Welt so dringend benötigt, hinzuarbeiten.. . ' Ich bin noch nicht sehr lange, hier, weiß auch nicht, wie lange ich noch hierbleiben werde, trotzdem habe ich Sie in dieser kurzen Zeit kennen und respektieren gelernt. Seien Sie versickert, daß, wo auch immer ich sein werde, ich Sie niemals vergessen werde. In meiner kleinen Einflußsphäre werde ich versuchep,,- alles was in meiner Kraft steht, für Sie zu tun. Aus tiefstem Herzen wünsche ich Jedem von Ihnen für Ihr zukünftiges Leben in Palästina oder; anderswo alles Gluck, das Ihnen helfen wird, die entsetzlichen Härten, die Sie . unter dem Nazijoch ertragen mußten, zu vergessen.“ , Der hervorragende Leiter der ’Jewish Agency for Palcstine in Bergen-Bclsen, Dr. Kurt Le win,der es verstanden hat;in den wenigen Monaten seiner Anwesenheit in ■ Deutschland, sich die Sympathien der befreiten Juden der britischen Zone zu erwerben, führte aus:. „Es gibt wohl keinen unter uns, der sich heute nicht an unsere Toten erinnert. Es ist ' aber unsere Aufgabe, zuerst an das Leben zu denken. Wir wollen leben als'Volk und ',als Einzelne. Der Sinn der jüdischen Geschichte war -stets der Kampf um die Freiheit, als Juden leben zu können. . Alle bisher unternommenen Versuche, z. B. die Kibutzim, Jischuwim usw., wären Versuche, im Kampf .um die Freiheit. Viele, die unter uns weilen, gehören zu denen, die aus dem Konzentrationslager' Belsen befreit worden sind und' die den. > heutigen Tag als Geburtstag feiern können. In Erez führen -wir alle'einen.Kampf um die Freiheit, um die. aufnehmen zu können, die den.Wunsch, haben, zu uns zu kommen, wir führen den Kampf für alle Juden., Der, erste Schritt zur neuen Freiheit war die Befreiung aus diesem Laggr, der zweite . Schritt, den wir begonnen haben . zu machen, ist die Auswanderung hach Palästina. Und der letzte Schritt ist zu unserer endgültigen Befreiung - getan, wenn wir alle dort sind; dann , beginnt die Arbeit für unser jüdisches' Volk. Wir. haben einen großen Wunsch und eine große. Aufgabe: Eurer Freiheit zu, nutzen,, für unser und Euer Glück.“ Der Direktor des American Joint Distribution Gonmittees, S a m^ D a 11 ö b* .überbrachte die herzlichsten Grüße, der amerikanischen Juden und erklärte: „Die Bilder' von Bergeri- Belsen haben sich tief ,ih unsere' .Herzen eingegraben. Die Juden Amerikas haben bewiesen, daß sie zur Hilfe bereit sind, und sie wollen .weiterhin helfen, Diese Hilfe ist im Augenblick eine materielle und sie wird hoffentlich. bald die seih, die uns. unsere Freiheit gibt.“ Der Direktor der J[ewish Relief "Unit, Dr. E. G. Lowenthal führte aus: ■ Dieser 15. April wird im Leben der Juden der . ganzen Welt, in unserer Generation; aber weit darüber hinaus für die kommenden Geschlechter ein Tag allererster Ordnung sein: er wird sein das, was man in England und in englisch sprechenden Ländern -einen HOLIDAY nennt: ein hei 1 ig.er Tag und ein Feiertag. Ein heiliger Tag, ein' Gedenktag tiefer Trauer, um die .vielen tausenden wehrlosen jüdischen ' Nazi-Opfer, die . in diesem Lager wie in vielen anderen in Mittel- und Osteuropa ihrer ruchlosen Vernichtung preisgegeben wurden. Es mag nur wenige jüdische Familien in der Welt geben,1 die nicht direkt betroffen sind, und wenn sie nicht direkt betroffen sind, so wird . sie an diesem 15. April stets das-Gefühl tiefer Anteilnahme am Geschick ihrer Gemeinschaft, des jüdischen Volkes überkommen. Der 15. April ist somit ein - neuer' jüdischer Tag der Besinnung . auf unser schwergeprüftes Schicksal und unsere Pflichten . gegenüber unseren Menschen gewörden. ’ ' . Aber das Wort HOLIDAY hat. gleichzeitig die Bedeutung von Feiertag, von Freudentag. Und so gewinnt der 15. April eine doppelte Bedeutung, eine mehrfache Charakteristik: Es ist'gleichzeitig ein Tag des Erlöstseins und der Freude, der Hoffnung und der Zuversicht auf eine bessere Zukunft. Es gilt, das Leben derer, die Verfolgung, Qual und Folter überstanden haben; neu zu beginnen,- konstruktiv aufzübauen und neuzugestalten. Ich spreche hier im Aufträge und im Namen des Jewish Committee for Relief Abroad, der representativen jüdischen , Hilfsorganisation, aber auch im Namen der. Mitglieder der Jewish Relief Unit auf dem Kontinent. Wir dürfen von uns sagen, daß wir mit Belsen, diesem vom Tode überschatteten Ort, aufs engste verbunden sind. Unsere Arbeit in Deutschland begann sozusagen in Belsen,; vor fast .’ zwei Jahren. Unsere Mitarbeiter, durchweg Freiwillige, selbstlose enthusiastische Menschen aus allen Kreisen der. jüdischen Bevölkerung Englands, stellten sich damals befeit, und Belsen .wurde ihr erstes Arbeitsfeld, Seit dieser Zeit hat sich gute -Zusammenarbeit, vielfach Freundschaft mit Ihnen und gegenseitiges Vertrauen herausgebildet, und diesesSich-Gegenseitig-Verstehen' ist, und wird c^as Fundament unserer^ gemeinsamen Arbeit sein. An diesem heiligen Tage beugen wir uns in .Ehrfurcht vor all den Namenlosen, die in dieser blutgetränkten Erde ruhen, aber wir - geloben gleichzeitig — ohne die Vergangenheit und unser .aller Geschichte zu vergessen —, unsere Arbeit' unbeirrt fortzusetzen, mit Ihnen, gestützt auf-(das gegenseitige'Vertrauen und die gegenseitige Freundschaft, um all denen,' die leben, die leben werden und leben wollen, im Rahmen unserer Kräfte wie bisher zur Verfügung zu stehen, wo: immer der Lebensweg Sie hinführen möge, vor allem aber auf dem Wege nach Erez Israel. Das ist die Botschaft, das istvder Grüß, die ich Ihnen an diesem Festtage im Namen des Je- Ayiäh' Relief Committee in London und meiner Mitarbeiter übermitteln-darf. . Und äs ist mir eine besondere Ehre, in diese Wünsche, eine Botschaft seitens des Board of Deputies of British Jews, die uns deren Sekretär, Mr. Brotmari, per Telegramm gesandt hat und einen besonderen, sogbeh telegrafisch übermittelten Gruß von Mrs. Henriques, die leider am Erscheinen' verhindert ist, einzuschließen. M. Präger von der Palästina-Presse uberbrachte Grüße aus Palästina und nach ihm ergriff . *."• ' : Norbert Wollheim das Wort, u. ,a. sagte er: „Als wir heute in diesem riesigen Demonstrationsmarsch zu dem Mahnmal gingen, - das inmitten der Massengräber unserer Menschen steht, da hatte jeder seine Gedanken. Ich dachte an drei meiner Kameraden, 'die in Auschwitz gehenkt wurden für den Versuch, die Freiheit zu. erlangen. Einer von denen sagte vor seiner Hinrichtung: „Wir sind die Letzten!“ Er wollte damit sagen, daß nun eine bessere Zeit .kommen werde. Wer von uns erinnert sich nicht an den Tag, als wir die Füße unserer Befreier küßten, weil wir uns in der Hoffnung wiegten, daß eine bessere Zeit, ein besserer Geist für uns. kommen wird? Und heute fragen wir uris, wo ist dieser Geist? Hat die Welt vergessen, daß wir die unerbittlichsten Feinde der Tyrannei waren? Vor wenigen Wochen sah ich in New York ein Theaterstück, das die Probleme der. Armee behandelt. än diesem - Theaterstück wird gesagt: Laßt;uns'den Geist der Normandie nicht vergessen! Weil wir unseren Stolz und unsere Würde nicht vergessen haben, fragen wir heute: Wo' ist dieser Geist? Wir fordern'das Recht, als Mitglieder. der Vereinten Nationen anerkanrit zu werden. Wir lehnen es aß, zu dem deutschen Volk zugehörig gezählt, zu werden. Wir haben dafür gegen Hitler gekämpft; zu einer Zeit, als.andere noch mit ihm paktierten. Wir werden Belsen ebenso wenig vergessen, wie" wir die anderen Lager, deren Boden von jüdischem Blut getränkt ist, vergessen werden; Wir wollen — wir können nicht in .diesem Land bleiben! . k Der Ungeist des Dritten Reiches besteht weiter. Betrachten Sie die . zerstörten Grabsteine der letzten Wochen. ■ Wir verlangen das Recht zuleben, wie jede freie Nation. Vor zwei Jahren wurde der Schwarzer Tag in der deutschen Am 15. März ^42 begann die Deportation der Juden von Lublin Als. am 15. März 1942 die SS-Führer Globoznik und Dolff die ersten 5000 Bewohner des Ghettos von. Lublin, durch Hunger und Ehtbehrungfen entkräftete Menschen, in Güterwagen „zur Arbeitsleistung“ mach dem Osten abtransportieren lassen, als dann in den folgenden Wochen und Monaten alle- 300 000 Juden-Lublins deportiert werden, unter ihnen zahlreiche Verschleppte aus Deutschland und Oesterreich, ahnt die durch die Kriegsereignisse in Anspruch genommene Welt " noch nicht, wo' der Leidenszug der Deportierten einmal enden wird; selbst die Räumung des Warschauer Ghettos, die am 21. Juli 1942 ihren Anfang nimmt, läßt trotz der fürchterlichen Begleitumstände, unter denen sie "vor sich geht, nicht den Verdacht aufkommen, daß die Hitlerregierurig etwas anderes bezweckt als einen Zwangsarbeitseinsatz. Man erfährt, daß die schwarzen Henker ihre. Opfer aus den Häusern schleppen, sie von den Familien losreißen, sie in langen Kolonnen zu den Vieh-, Waggons treiben, daß bis zum Januar 1943 450 000 Warschauer Juden deportiert. worden sind, man vernimmt von dem verzweifelten .Widerstand der übrigen 50 000, die sich, versorgt mit heimlich zugesteckten Waffen und Lebensmitteln, in heroischem Kampf zur Wehr setzen, bis Ende April 1943 von Geschützen und Fliegern das letzte Aufflackern' erstickt wird. Aber es vergehen noch sechs Monate, bis der. von Grauen gepackten Welt die entsetzliche Gewißheit wird: seit der Mitte des Jahres 1942, also seit jenem 15. März, bis Ende 1943 sind. 3-Millionen Juden vergast; erschossen, auf Minenfelder gejagt und. vergiftet worden! - Es. war' meines Wissens' Radm London, das zum ersten Male die offizielle 'Nachricht von dem Massenrnord verbreitete —7 vorher waren durch Erzählungen von Urlaubern, durch Indiskretionen. von SS-Männern Einzelheiten der Untaten in die Heimat durchgesiekert, ohne daß sie . in weiten Kreisen des-deutschen Volkes geglaubt würden.' „Ist ja alles aufgebauscht!“ rief die Mutter des SA-Truppführers Karl Müller aus Berlin, als ich ihr davon erzählte, und sie war'empört, daß ich „solche Greuelmärchen“ weitertrug. Wie entsetzt. und verlegen war . die brave Frau, als ihr Sohn beim Urlaub voll Genugtuung berichtete, daß in Witebsk 60 000 und in Minsk' 70 000 Juden und Russen „umgelegt“ worden seien. Für den Massenmbrd in Minsk war, wie -er sagte und wie es sich später bestätigte', der den Berlinern nur .Zu'gut .aus seiner zweijährigen Oberpräsidententätigkeit bekannte Wilhelrix Kube verantwortlich, der.,, Vörkärnpf er ,fjir die Wiedergeburt der deutschen Moral und des preußischen Pflichtbegriffs“ (so nannte „Der Angriff“ den wortgewaltigen Ffraktiönsführer der preußischen Nazifräktion) hatte als Oberpräsiaent 120 00# RM. unterschlagen und in'zweifelhafter Damengesellschaft in den Luxuslokalen von Berlin W. untergebracht. . Man schickte ihn nicht .hinter Schwedische Gardinen, sondern für einige Jahre in die Verwaltung, der Arbeitsfront' und 1941 als „Reichskommissar für Weißrußland nach Minsk. Und dort ist .er .auf den ins Bett gelegten .Minen russischer Partisaninnen den Mördern von Millionen Juden in die Hölle vorangefahren . . „Hätte man zu Kriegsbeginn öder während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen. ■ Volksverderber unter Giftgas gehalten . . .“ schrieb Hitler 1924 in seinem Buch.7 Die Verwirklichung dieses satanischen Planes ist am ,15. März 1942 begonnen worden—" diesem fluchwürdigen Tage deutscher Geschichte, der ein hart gestraftes Volk in . Scham und Trauer sehen sollte, w. . . w. " (Telegraf,, Berlin). Krieg, beendet, die Angehörigen; der Armee gingen nach Hause 'zu-ihrer Familie,. in ihr Heim. Wir sind heute noch. hier. Zu wem können wir gehen? Für uns ist der Krieg noch nicht zu Ende, solange in unserem Herzen kein Frieden ist, und den werden wir erst 'haben, wenn uns das Recht' gegeben ist; fr.ei zu leben. In den Massengräbern 1 liegen unsere Juden, ohne7 Unterschied der Herkunft" oder der Sprache, das soll eine Mahnung für uns sein. Vor kurzer Zeit ging durch die Weltpresse eine Mitteilung, in der gesagt wurde, daß von einem Flugzeug, das an einem. Gletscher zerschellt ist; SOS-Rufe‘gesandt wurden mit der Mahnung: „Rettet unsere Seelen, weil wir leben. wollen.“. Und diese Menschen wurden gerettet und die Welt war zufrieden.. Wir leben seit Jahren auf dem; Gletscher und lassen denselben Ruf ertönen, bevor es zu spät ist. Wir bitten urisere Befreier: Wir wollen nicht nur die Geretteteri, " sondern ♦ die Befreiten sein.“ \ Hach diesen Ausführungen Norbert Wollheims dankte Josef Rosensaft den Rednern und gab der Hoffnung Ausdruck, daß' den an diesem Abend gesprochenen Worten *npn bald die Tat folgen möge. „Wir rufen der Welt zu: bringt uns die Hilfe, damit wir recht bald freie Burger in Palästina sein können.“ . Im Anschluß an diese Feier brachte das Belsener Kazet-Theater uriter Leitung .von Sami Feder einige Szenen von I. L- Peretz zu dessen 32. Todestag. Den Abschluß der -Feier bildeten einige Tänze, darunter „Der ewige Jude“, sowie „Die Totenkolonnen“, getanzt von Dolly Koz und ihr4r Tanzgruppe. Die Vorbereitungen zu dieser Tagung und die Durchführung waren das- Musterbeispiel einer vorbildlichen Organisation Das hierzu gebildete 'Organisationskomitee des Lagers Bergen- Belsen hat geradezu Unglaubliches geleistet. Die Mitherausgeber der Zeitung des Zentralkomitees der befreiten Juden, „Unzer Sztyme“ Olewski und Trepman betätigten sich führend an dieser Organisation und haben auch in dieser Beziehung die Beweise ihres großen Könnens erbracht. j der einzige Mensch, an dem bisher die Wirkungen einer Vergiftung durch Radioaktivität von Anfang bis zum Todesausgang genau untersucht werden konnten — an den ärztlichen Beobachtungen ünd Feststellungen teil. Er starb nach schrecklichen Leiden. Und es gibt 'Leute, die meinen, daß dieser ruhige und lächelnde kleine Jude ein Held gewesen sei, ein wirklich großer Held. . , Held des Alltages Panik im Atomkraftwerk Da-ist eine Geschichte zu erzählen, eine kleine und nicht sehr bedeutende Geschichte, die eines kleinen. Juden aus dem Osten. Er heißt Slotin, oder vielmehr er hieß Slotin, erist nämlich vor einigen Wochen gestorben. Geboren war er in Rußland, und zwar, in der Zarenzeit. Er War nOcli ein kleines Kind, als Leute, von der Ochrana oder von diesen auf gehetzte arme Teufel _ bei einem Pogrom das Haus seiner Eltern, in Brand steckten. Diese Pögrome verstörten den kleinen Slotin so, daß er aus dem zaristischen Rußland und aus Europa auswanderte. Es ist verständlich, daß ihm die. Abneigung gegen Pogromisten ’ blieb, Und .als diese in Spanien ihr Generalpogrom gegen. alle und alles begannen, .trat er als- Freiwilliger in die spanische . republikanische' Armee ein. Als dann die Pogromisten aufs Ganze gingen, als die Nazis ihr tausendjähriges Reich mit einem Zweiten Weltkrieg befestigen wollten, da .wollte der junge Slotin trotz seiner schlechten Augen in London Fliegersoldat werden. Die Leute, an die er sich wegen seiner Ausbildung als. Flieger gewandt hatte, erkannten jedoch seine außerordentlichen. wissenschaftlichen .Fähigkeiten undgaben ihm in .Amerika eine Stellung als Physiker, in der er an Unter-* suchurigen über Atomzersetzung arbeitete. Als der Krieg beendet war, wirkte Slotin im Laboratorium eines Atomkraftwerkes in "Los Alamos weiter, Dort unterlief nun einem der wissenschaftlichen Mitarbeiter eines Tages ein Itrtum, (der eine Katastrophe herbeiführen konnte.- Es kam zu. 'einer Zersetzungskette, die nicht nach dem . vorgeseherien Programm äblaufen mußte. Der Leiter des Laboratoriums bernerkte den Irrtum spät, sehr spät, aber noch "rechtzeitig, Die rKatastrophe war noch zu verhindern aber nur, wenn ein Mensch, hinter die dicken Bleiwände ging und in den Ablauf' eingriff, - wörtlich: eingriff, mit den Händen eingriff, um den Ablauf 4er Kette zu'unterbrechen. Der. das tat, 'war verloren und eines besonders furchtbaren Todes gewiß, weil er bei seinem Eingreifen von radioaktiven Elementen" unvermeidlich völlig durchtränkt, durchstoßen und zerfressen werden mußte. Ohne einen Augenblick .zu . zögern, stand der •kleine Slotin,, der an den Arbeiten vön Anfang an teilgenommen hatte,' auf. Schnell und ruhig /ging er ins Reich der.'fliegender! Neutrone und der tödlichen Gammastrahlen, hielt den Ab-' lauf, auf, zerbrach die gefährliche Kette. Dann ging er ruhig und lächelnd ins Krankenhaus des Werkes. Die schwere Krankheit mit. ihren' entsetzlichen Leiden brach bald aus. Solange Slotin noch' bei Bewußtsein war, nahm er — Zum 4. Jahrestag des Aufstandes im Ghetto von u Dokumente des Aufstandes Kampfbefehl. Nr. 3.; Jüdische Brüder! ■■ ■'• Unter dem Kanonendonner, den die deutsche Armee in unsere Wohnungen, in unsere Mütter, Kinder und Frauen zielt; unter ^betäubenden Schießereien der' Maschinengewehre, die ,die Reste der am Leben gebliebenen Juden jimbringen Soll, in stickendem Bauch, -ln fließendem jüdischen Blut des gemordeten Warschauer Ghettos — schwören wir, den heiligen Kampf für die,Ehre und für das Weiterleben unseres Volkes fortzusetzen. Wir , schwören — jedes .Haus im jüdischen Ghetto, jedes Stück Boden wird zur Festung gegen den Feirid4 ..; . - Jeder von uns, in .dem noch der Puls schlägt, wird rücksichtslos kämpfen gegen de‘n wilden Tyrann— den Vernichter unseres Volkes!1 Wir werden uns nicht ergeben! Wir werden fallen, aber vorher werden wir unserem Feind die' schwersten Schläge geben! Rache' für Auschwitz, Treblinka, Belschetz und Maidanek* ' ' ■ Es lebe die Freiheit unseres Volkes! Juden! Alle in; den Kampf! Warschau, am 20. April 1943. . Jüdische Kampf-Organisation. Geheimer Kampfbefe]hl Nr. 6. Jüdische Brüder! .Jüdisches Leben, jüdisches Blut könnennicht zürn Freiwild gemacht werden!; Der Feind spürte bereits , unsere Schläge. Unter dem Druck unseres Angriffs, wurden die Deutschen zweimal aus dem Ghetto vertrieben. Eine unserer Kampfabteilungen hielt .den deutschen Angriff vierzig-Minuten, eine zweite, mehr als sechs Stunden auf; Die Mine, die wir - auf , dem Gelände der Bürstenfabrik gelegt hatten, explodierte. - Einige unserer' Abteilungen griffen äh. Die Deutschen hatten die Flucht ergriffen. Für Heute. Nacht werden; drei Kampfgruppen mobilisiert, die pachstehende Aufgaben haben: 1. die Waffenlager des Feindes zu vernichten, 2. -Gewehre, Maschinengewehre, Granaten und Sprengstoff für uns zu erbeuten. - ■ ' 'Juden! Unsere Lage,im Ghetto ist, katastrophal. Früher oder' später werden Wir sowieso untergehen. Mögen wir mj.t unserem Kampf die jüdische Elp-e retten! Im Kampf werden wir auch' den Tod besiegen! Jüdische" Brüder! Alle in den Kampf gegen den Feind dei; Menschheit! . Warschau, am. 26. April 1943. . , - Jüdische Kampf-Organisation. was einige Exemplare der Nummern;2/3, 6, 7, 8, 9, 19, 22 des ersten Jahrganges zur Ergänzung unseres Archvls freundlicherweise -zur Ver» füyMöi» stellen zu wollen.DieRedaktiori

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