Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 2 (30.4.1947)
- Date
- 1947-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. — 2. Jahrgang JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DIE BRITISCHE ZONE 30. April 1947 ^schlichtes Wort sein. Auf Ihren Herzen, lastet ja noch das' Grauen der furchtbaren Jahre, dib hinter uns liegen und von . denen wir in diesem Augenblick nicht einfach h schweigen können. Der Dank für' Ihre Einladung bedeutet deshalb mehr, und Tieferes, als er es in früheren1 Zeiten wohl getan haben würde. Sie haben uns mit Ihr,er . Einladung " ein Zeichen gegeben1 für Ihre Bereitschaft zu einem gemeinsamen neuen Anfang. Darum ist es mir unmöglich, zu Ihnen zu, sprechen, ohne, dem schmerzlichen Bewußtsein davon Äusdrück zu geben, daß wir alle( in den hinter uns liegenden Jahren vor Ihnen schuldig geworden sind. , Gerade auch diejenigen, die unter dem Entsetzlichen, was mit Ihrem Volke geschehen ist, innerlich gelitten haben, können sich, wie Martin Niemöller es immer wieder öffentlich bezeugt hat, die bittere Frage nicht ersparen, ob das Schlimmste nicht' vielleichtrdoch hätte, ^verhütet werden können, wenn sie trotz allen ' Terrors ,die Klarheit und Kraft gefunden hätten, dem: Geiste, der zu dem allen geführt hat, auf jede Gefahr hin zu widerstehen. Inzwischen sind aus Ihrem Kreise Stimmen •zu uns herübergedrungen, die. uns tief bewegen müssen. Ich denke hier vor allem an ein inder „Wandlung“ wiedergegebenes Wort, das.Hannah Arendt, eine der Vielen, die um ihres Judentums willen unter Lebensgefahr ins Ausland haben fliehen* müssen, noch im November 1944 in. Amerika niedergeschrieben und ■ dort auch veröffentlicht hat. Sie spricht davon, wie ihr seit Jahren Deutsche begegnet seien,, die ihr' gesagt hätten, daß sie sich, schämten, Deutsche zu sein, und-wie sie selbst sich immer wieder versucht gefühlt habe, ihnen zu antworten, daß sie,-sich schäme, ein Mensch zu sein. Mensch sein, sich zum Mensch-sein zu bekennen, bedeute ja etwas viel Ernsteres und Schwereres, 1 als die. „Menschheits-Schwärmerei“ vergangener Generationen gewußt habe, nämlich die Bereitschaft dazu, mit allen Völkern- „f ür alle von Völkern/begangenen Untaten die . Verantwortung auf sich ‘zu .nehmen“. ■ Als ich diese Worte im Gedanken an' diese Stunde noch einmal las, kam mir die Erinnerung an eine Stelle der Thora, vor der ich oft habe Stillstehen müssen. Es ist die Stelle, an r davon erzählt wird, wie Gott,1 nachdem ie große Flut sich; verlaufen hatte „zu seinem Herzen“ sprach: „Ich will das Erdreich hinfort nicht mehr verfluchen um der Menschen willen -r denn das Dichten -des menschlichen Herzens ist böse1" von Jugend auf.“ „Ich schäme mich ein Mensch zu sein“ — sind diese aus Ihrem Volk zu uns herübergekommenep Worte nicht wie ein Echo auf jenes große Wort der göttlichen Geduld, das ein Erleuchteter. für alle. Zeiten hat niederschreiben dürfen? Was könnte ich Ihnen heute morgen, indem ich die Grüße .der Universität Bonn überbringe, Besseres und Größeres wünschen, als daß alles, was Sie von#diesem Tage an an dieser Stelle reden und planen-, _ hoffen und erbitten — aber auch das, was wir gemeinsam neu beginnen dürfen — im Lichte der unergründlichen Güte stehen möchte, die nach dem Zeugnis des Gesetzes Gottes über uns ist und auf uns alle wartet! : * * * . Wir danken dem Herrn Prof, Schlingensiepen für seinen Brief und seine Worte. Als wir sie hörten, wußten wir, daß sie ernst gemeint waren, und deshalb veröffentlichen wir sie, als Beweis dafür, daß es in Deutschland auch Menschen gibt . Leider nur recht, recht wenige ... . ° Rundfiinkan spräche von Norbert WollJjeim ' zum 2. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Belsen (Nordwestdeutscher Rundfunk am 15. April 1947). eher aber sollen wissen, daß wir, die im Konzentrationslager - und im Widerstand gegen Hitler gehärteten jüdischen Menschen, diese Umtriebe heute nicht widerstandslos hinzunehmen bereit sind. , . - Es wird am deutschen Volk selbst liegen, besser gesagt, an den Aufrichtigen und deii Ehrlichen, das Gift in seiner Mitte aüszuscheiden, wpnn es wirklich den Anspruch erheben will, eines Tages wieder im Rat der Völker sitzen zu wollen. Die Geschehnisse jn den vergangenen Wochen mögen eine ernste Mahnung an alle sein. Das jüdische Volk kann, picht vergessen, was deutsche. Menschen ihm in den vergangenen zwölf Jahren angetan haben. Man . soll von uns nicht Versöhnung und Nachsicht verlangen, wenn man nicht bereit ist, rechtzeitig das Feuer auszutreten, ■ das, dies weiß die Generation unserer Tage genau,-einmal' beinahe gänz Europa zerstört hätte. Bei der Uebertragung dieser Ansprache kämen bedauerlicherweise einige . „technische Störungen“ vor, durch die das Wesentlichste dieser Ansprache leider von den Hörern nicht gehört werden konnte. Es sind heute genau zwei Jahre her, da auf dem Vormarsch durch Deutschland in den Tagen'des Zusammenbruchs des tauseriäjährigen Dritten Reiches die Panzereinheiten der britischen Armee über Winsen an der Aller vorstoßend das Konzentrationslager Bergen-Belsen erreichten. Dort fanden sie jenes Inferno vor, dessen Schilderung in Wort und Schrift lange das Gewissen der Welt aufgerüttelt hat. Von der Tatsache, daß in' jenen Tagen über zehntausend unbegrabene Leichen, fast zwänzlgtausend sterbenskranke Häftlinge. und tausende jahrelang ihrer Freiheit beraubter Mänfiir Deutschland, England u. USA. Die Tarife-finden Sie am Kopf unserer Zeitung; Zahlen Sie bitte die Gebühr nur auf unser Postscheck * Konto: Essen 68 OSO Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zrme Düsseldorf*Benrath, Friedhöfstraße 23—25 ner und Frauen aus allen Teilen Europas, vorzugsweise Juden, voj: gefunden wurden, mag. heute die Welt nur noch wenig Wissen. Was damals grauenhafteste Sensation, die. erschütterndste Gewißheit über die menschenfeindliche Brutalität des NaZiregimes war, ist heute langsam im Bewußtsein der Welt und nicht zuletzt im Bewußtsein 'des deutschen Volkes mehr und mehr durch tagtägliche Probleme und Fragen überdeckt' worden. stattgefunden, die eine erschütternde Parallele zu gleichen -Ereignissen vor und. während der Hitlerzeit selbst haben. Diese Anschläge, die sich zwar gegen Tote und totes Material gerichtet haben, gelten, das wissen wir ganz •genau, uns wenigen Geretteten. Die Verbre- Warum keine Hilfe für 5 politisch Verfolgte Die Jüdische Gemeinde Rottenburg a. Laaber schreibt uns: 1 „Einer unserer Betreuten, Herr Max Merin, Rottenburg af Laaber, Hintere Marktstr. 126, hat sich seit Beginndes vergangenen Jahres alle erdenkliche Mühe gegeben, eine boden-. .ständige Industrie, Qelmühle und Großgerberei für Pelze und Leder, aufzubauen, night allein für seine persönliche’ Existenz nach jahrelanger .erlittener Drangsal, sondern auch als Existenz für viele politisch und rassisch Ver“ folgte. 1 Sämtliche Befürwortungen. der hiesigen. Dienststellen, wie Landrat Und Militärregierung, lagen vor, und Herr M». besitzt alle für den Aufbau notwendigen Maschinen. Leider scheint aber in maßgebenden Kreisen immer noch die Ansicht vertreten zü sein, daß ehemaligen Nazis ehe/ geholfen werden muß als rassisch und politisch Verfolgten, die Gesundheit «und Existenz geopfert haben.- Es wird darüber geschimpft, daß die * Juden -Schwarzhandel betreiben. Warum gibt man den , deutschen Juden nicht die Möglichkeit, sich einen Betrieb aufzubaueh, der im Allgemeininteresse - liegt?“ -. . , an die Herren Oberfinanzpräsidenten der britischen Zone Sehr geehrte Herren!- Wir haben schon einige Male seit’ unserer Befreiung Anfragen an die zuständigen deutschen Behörden gerichtet, die "sich auf die Frage der Steuerbela§tüngei\ -bezogen. Wir haben versucht, .dieverantwortlichen Stellen einmal daranzu erinnern, mit welchen -Belastungen wir Juden in der Zeit* des Dritten Reiches belegt worden waren. Wen^ wir das getan , haben, dann - haben wir angenommen,- daß sich untfer deriverantwortlichen Herren doch einige befinden, derenstark ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein; ihnen gebietet, sich einmal die Mühe zu machen und sich die .SteuerVerordnungen „Juden betreffend“, aus den Jahrem 1933—1945 änzusehen. Scheinbar haben wir uns geirrt, denn es wäre doch anzunehmen, daß uns aus unserem großen Leserkreis wenigstens eine Mitteilung zugegangen wäre, in der gesagt, wird, daß dieses oder -jenes Finanzamt einem Stundungs- oder Erlaßantrag stattgegeben hätte. Wir wenden uns an Sie, die Oberfinanzpräsi- Jahr zu Jahr verschärft wurden. denten, mit der Bitte, mit unserer- Angelegenheit sich doch einmal intensiv zü beschäftigen, um ■festzustellen, ob wir nicht außer dem moralischen auch ein juristisches- Recht der Forderung einer. Gutschrift haben. Wir sagen Gutschrift, weil wir nichts geschenkt haben wollerl Durch eine unmenschliche Gesetzgebung wurden wir beraubt, und dieser Raub kam dem Staate zugute und wir glauben, daß ein-Staat, der jetzt beginnen: will, einen demokratischen Weg zu gehen, sich nicht des Raubes bezichtigen: lassen sollte. Wir möchten Ihnen Ihre Arbeit erleichtern dadurch, daß wir Ihnen einige Hinweise geben: 1. Mit Bekanntgabe des Gesetzes der Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kam die 1. Bestimmung, in der Juden jede steuerliche Erleichterung verweigert wurde; weder Abzüge für Verheiratete, noch für Kinder wurden gestattet.. ' 2. ,Es kamen dann die Judensteuern, die von Die Gratulation des Räb. Dr. CarSefoadi (London) erreicht uns leider erst nach Erscheinen unserer Sonderausgabe. Zum. zweiten: Male sind wir wenigen Ueberlebenden der Katastrophe heute zu den Massengräbern' unserer Toten, gezogen, zum Zeichen der Erinnerung, an ihr Opfer und das Opfer unserer gefallenen 6; Millionen. Brüder und Schwestern. Wir sind dort hingezogen ' zürn Daük an die Tapferen der alliierten ,Ar- , meen, die uns in letzter Minute aus den Händen-der Henker befreiten' und zum Ruf in die Welt, um. denen, die Hitler wurzel- und heimatlos machte, endlich ein neues' Heim im Lande -unserer Väter, in Palästina, zu geben. Nur wenig noch kündet heute, - wo eirist das berüchtigte Konzentrationslager Bergen-Belsen stand,; von dem1 Schreckensregiment, der Vergangenheit . Die blutgeweihte Erde soll nach dem Willen der zuständigen Amtsstellen in einen -Park verwandelt werden. Die Baracken - . und die Blocks, in denen die Tausenden ge- •. quält worden sind und ihr Leben ausgehaucht' haben, sind längst niedergebrannt und niedergerissen worden. Ist damit; so ist unsere aktuelle Frage; auch niedergerissen und ausge- ' wurzelt worden der Ungeist jenes amorali- , sehen Untermenschentums, der rücksichtslos, Tausende und Millionen dem Moloch des Rassenhasses zum Opfer brachte? Es ist wie ein böses Omen und erscheint wie ein Fanal, daß heute, .zwei Jahre nach der Befreiung, wir vmsere Stimme warnend und mahnend erheben müssen, um die Auf richtigen .'und- Ehrlichen aufzurufen gegen dlie. Unbelehrbaren ■ und die Unentwegten. Gegen alle, die. durch die in der Geschichte, Deutschlands, ohne Ye-i- 'i gleich dastehende Niederlage noch nicht zur Besinnung und Einsicht gekommen sind und neues Unglück und neuen Haß in die Hirne der Menschen pflanzen wollen. Seit Wochen. treibt, scheinbar systematisch, eine Bande von Verbrechern .ihr Unwesen- und manifestiert ihre Külturlosigkeit in der Schändung . und Zerstörung jüdischer Friedhöfe,, jüdischer Gräber und jüdischer Grabsteine. Zum dritten 'Mal innerhalb kurzer Frist haben in Hamburg, in Hannover und in Lübeck solche Aktionen( Rab i Dr, C ar l eb a c h, London: , Dem Jüdischen Gerneipdeblatt für die britische Zone und ganz besonders seinem jetzigen Herausgeber, spreche ich anlässlich de,s ersten Jahrestages seines Erscheinens meine herzlichsten Masal Tow Wünsche au-s . Als .ehemaliger Redakte'ur einer .jüdischen Wochenzeitung'habe idh für di? Leiden und Freuden, für die Schwierigkeiten und Erfolge . eines solchen Unternehmens Verständnis und Mitgefühl. Es war mir eine Ehre und.ein Vergnügen, wenn das Gemeindeblatt hier und da Beiträge aus meiner Feder aüfnahm, und sowohl der Redaktion als. d^n. Lesern gegenüber bi,n ich mir der qualitativen und'quantitativen Geringfügigkeit meiner Mitarbeit bewusst, die ich .leider nicht in dem Masse leisten konnte, wie.ich es gewünscht hätte. Die grosse Bedeutung,<die gerade in heutiger Zeit in Deutschland der jüdischen Presse zukommt, lässt sich nur schwer übertreiben. - 'Das Häuflein Juden, das sich heute in Deutschland wieder zu . Gemeinden konstituiert, ist so"isoliert,,zusammenhanglos unter sich selbst und auch mit den Judenheiten der Welt, dem nur eine' gute jüdische Zeitung abhelPen kann. Juden, wollen wissen -was sich tut,‘zu Hause .und in der weiten'Welt,: und ,es ist zu hoffen, dass \ auch der jüdischen Presse in Deutschland bald die Informationsquellen voll und ganz zur Verfügung stehen. Es wäre eine Ehrenpflicht jüdischer Journalisten, die heute überall zerstreut wirken," den Brüdern hier das jüdische Leben in ihrer neuen Heimat zu schildern, und ihnen für den Wiederaufbau ihrer Gemeinschaft Beispiel und Inspiration zü/ liefern. Mehr aber noch als Information über jüdisches Leben hier und in aller Welt zu liefern, ist es Aufgabe der jüdischen Presse der grossen Unwissenheit über jüdische Lehre und jüdische Vergangenheit zu; steuern,und den noch leblosen, am-materiellen klammernden Gemeinschaftskörper mit Seele und Geist zu füllen. Dies-tut umsomehr Not,- alsx es doch überall an Lehrern und Seelsorgern mangelt . Uhd schliesslich ist die Presse auch die Tribüne auf der die weit- ,und gemeindepolitischen Fragen diskutiert, ^lissstände aufgezeigt und kritisiert werden. Denn ohne eine Diskussion und'Kritik kann kein . Gemeindewe.sen/eiii gesundes, demokratisches Leben führen. Das jüdische Gemeindeblatt ist sieh seiner grossen Aufgabe wohl ’ / bewusst, und in kurzer Zeit und aus kleinen Anfängen hat es si.ch überraschend schnell und gut entwickelt. Möge es auf diesem Wege w^eitergehen und e$ ihm; beschert sein seiner grossen Aufgabe, am Wiederaufbau zerstörten jüdischen Lebens mitzuwirken, voll gerecht werden,. Chasak ve emaz und: many’happy retujrns! Alexander Carlebjach „Es gibt keinen Antisemitismus mehr in/- Deutschland“ Eine Leserin unseres Blattes, Medizinstudentin in Bonn, schreibt uns: - „Wir arbeiteten in zwei Gruppen zu je vier Studenten an einer, Leiche. Es handelte sich um sechs deutsche Studenten, eine ukrainische 1 Kollegin‘Und mich. In einer zwanglösen Unterhaltung über das Aussehen und die Herkunft der Leiche fällt u.' a. die Bemerkung: „Der Nase nach könnte es ein Jud‘ sein.“ Darauf die Antwort des Studenten Frederichs: „Nein, das glaube ich auf keinen Fall, sehen Sie sich die Nase einmal genau an, das ist bestimmt keiner. Aber mir wäre es schon recht, wenn, die ((Jen Ton dieser Worte kann ich leider nicht beschreiben), alle hier so lägen ünd yvir ordentlich daran schneiden. könnten.“ Einen Augenblick war ich starr,.; . Eine Abiturientin aus Hainburg 'schreibt uns! „Jetzt besuche ich eine Presse, in der aller-, dings der Unterricht iri\ Sinne . des Nazi-Regimes durchgeführt, wird. Diese Erkenntnis ünd der Abgrund, der mich von den Schülerinnen und Schülern, aufgrundihrer noch heute unveränderten Gesinnung, trennt, läßt mich die Bitte aussprechen . . . Hameln (Westf.) Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof, der nach der’ „Befreiung“ wieder in Ordnung; gebracht worden war, wurde vor wenigen Tagen das Tor aufgebroeheri und sechs-Grabsteine umgeworfen und beschädigt. . . . . Der Vertreter , des Rektors der Bonner Universität hat in diesen Tagen, gelegentlich der Einweihung der Synagoge in Bonn, warme und schöne Worte gesprochen. Wir haben ihn nach den1 Einweihungsfeierlichkeiten gebeten, uns den Text dieser Ansprache zuzusenden gerade deshalb, weil es mutige und schöne Worte waren.. Wir fragen den Rektor - der Universität in Bonn und. seine Mitarbeiter: wag geschieht, um .derartige Vorkommnisse für die Zükunft zü verhindern? Der Hamburger Senat sollte sich mit der Presse, in der unsere Leserin sich züm Abitur vorbereitet, einmal etwasgenauer beschäftigen. 3. Im Jahre 1938 wurde die Beraubung gesetz-- lieh legitimiert durch die Milliarden-Steuer Görings. . - 4. Es gab. Ablieferungen von- Juwelen, Gold und Silber u. a. 5. Es gab die Reichsfluchtsteuer, gar nicht zu sprechen von all den übrigen Lasten und unberechtigten Steuerstrafen, die den Juden aufgebürdet wurden. : Ünd wir wollen Ihnen auch in zweiter Beziehung helfen. ’ . / Wir wissen, daß Ihre Behördenstellen drei}. Antworten bereit haben, wenn unsere' jüdischen Menschen mit Anträgen kommen. - Die Eine: Die Militärregierung erlaubt es nicht: Die Zweite: Wir' leben jetz); .in einer Demokratie und in einer Demokratie gibt' es keine Ausnahmen. Und’ die Dritte: Wir würden ja sehr gern eine Stundung oder einen Erlaß der Lohnsteuer bewilligen, aber es ist' technisch nicht' möglich, weil diese Steuer vom. Arbeitgeber in Abzug gebracht wird. Wir Widerlegen Ihnen, diese Antworten: 1. Die Militärregierung hat überhaupt nicht daran gedacht, ein derartiges Verbot zu erlassen. .Es steht im Ermessen des Oberfinanzpräsidenten, von den ihm zur Verfügung stehenden" Härtebestimmungen Gebrauch zu machen. \ 2. Deutschland steht zwar im Begriff, ein demokratischer Staat zu werden, dieserdemokratische Staat, hat aber die Schulden .'seines Vorgängers übernommen.' Er hat vor allen Dingen die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die an. einer Minderheit begangenen Verbrechen, wenigstens in soweit wieder, gutzumachen sind, als er damit beginnt,. das, was ihm von dem Raub zügefallen -ist, wieder gutzuseftreiben. Er hat aber auch noch eine andere- Aufgabe, nämlich die, nachzuprüfen, ob es demokratisch ist; die Menschen an der'Bezahlung einer Kriegsschuld mitwirken zu lassen, die an, dem.. Krieg nicht nur unbeteiligt waren, .sondern gegen die dieser Krieg innerster Linie geführt worden ist. Wir. korhmen nichtmit Sentimentalitäten, um Sie überzeugen zu wollen, . sondem bringen Ihnen die realen Tatsachen. ( Und dann: Die technischen Schwierigkeiten, auf die sich die Beamten Ihrer Dezernate berufen, sind sehr1 leicht zu beheben.' Wir stehen Ihnen mit- Vorschlägen in dieser Beziehung recht gerne zur Verfügung. Wir würdenwünschen,, daß es Ihnen möglich wäre, einmal Einblick in die' bei uns einlaufende Korrespondenz zu nehmen, in die Briefe, die uns Menschen schreiben, die aus dem Dritten Reich nichts als ihr nacktes Leben gerettet haben und die jetzt, darauf .angewiesensind, sich, eine neue Existenz zu ^ründ^n oder sich und ihre Familien neu eihkleiden müssen. Vielleicht würde dieser .Einblick Ihnen die dringende Notwendigkeit einer, Abhilfe vor Augen führen. Vielleicht aber auch würden Sie sich davon überzeugen, daß das Ausland darauf wartet, zu sehen und. zu hören, daß es in Deutschland doch Behörden gibt, die den -Beginn damit - machen, - menschlich, d. h.- demokratisch zu handeln. Wir fordern ünd wir bitten Sie, .davon überzeugt zu sein, daß wir nicht auf hören werden, zu fordern, bis uns Gerechtigkeit wird. Wir bitten Sie aber auch, davpn überzeugt zu sein,, daß wir, Wenn uns dieses Recht geworden ist, auch wissbn, welche Pflichten wir haben. Eg ist zu hoffen, daß dieser Offene Brief von ■Ihnen, beantwortet wird. Vogel -Strauß-Politik wird jet?t seit 24 Monaten -getrieben. Wir wollen sie .beenden. . Jüdisches Gemeindeblatt für die.britische Zone \ 0001020200014853234889485348534853000202020001000108030909020001010101000202000000020000020000000100010201020202000202000000020001000102000100010202020000000002