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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-04-30 · 2 (30.4.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
2 (30.4.1947)
Date
1947-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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EINZELPREIS 40 PFENNIG ■■niiriTiffur IN DIESER AU SGABE: Zweiter Jahrestag der Befreiung iSÜI mm A N Z ,E! G E N P R E I S E.; Familienanzeigen: Die einspaltige Petitzeile 3.50;RM Reklame: Die einspaltige Petitzeile 3.'O0 R^I "Suchanzeigen! Di? einspaltige Pefitzeile 2.00 RM JÜDISCHE POLITIK / KULTUR W ■ W- AUS DEM JÜDISCHEN LEBEN FRAGEN DER. WIEDERGUTMACHUNG ' -NEUES. AUS DjER JÜDISCHEN WELT STIMMEN DER LESER ' 1 WAS DIE PRESSE SAGT GESCHÄFTSSSELLE DES JÜDISCHEN GEMEINDEBLATTES, REDAKTION UND EXPEDITION: DÜSSELDORF,BENRATH, FRIEDHOFSTRASSE 23-25. FERNSPRECHER Nr. 71115i ABONNEMENT (per Kreuthand): D eutschl and: 1/4-Jahr 8.80 RM, .V2 Jahr 6. 50 RM, 1 Jahr 12.80 RM Aus la;sid. (vorläufig nur' England und USA):' Vi Jahr 4.40 RM, i/2 lahr 8.60 RM, 1: Jahr 17.00 RM Erscheint 141ägig mittwochs. Sonderbeilage in Wiedergutmachungsfragen nach Erforderlichkeit. NUMMER 2 Karl marx.- WAHLEN JOSEF ROSENSAFT: Der 15. April 1945 gibt Anregung zu manchen UeberlegUnfen... Sobald sieh. dieses, ..für Fremde nichts bedeutende, Daturh unserem Bewußtsein nähert,, erscheinen. in unserem Gedächtnis Bilder, die man -in Worte nicht kleiden kann. J)u bleibst mit Deinem stillen Weh und ungestilltem Schmerz vor. der Unmöglichkeit stehen, in Wort öder Schrift die ganze .Tragik der . verflossenen Jahre .wiederzugeben. Und in diesem innerlichen Zwiespalt zwischen dem Verlangen, die Tiefe der jüdischen Leiden aufzudecken und der Ueberzeugung, daß jedes Wort blaß und nichtssagend ist im Vergleich zu dem ungeheuren, erschütternden Unglück,\ leuchtet wieeine 'Erlösung., die .menschliche" Eigenschaft, des Vergessens. Dank ‘dieser Eigenschaft, ,die in gewissem Maße* geholfen hat, die so schmerzhaft quälenden Bilder - aus' unserem Bewußtsein -zu entfernen, wird es vielleicht auch gelingen, das Bedürfnis zur-\Erzählung über das, Geschehene zu erdrosseln, obwohl sich Unter der Feder Worte bilden, die sich auf unsere kürzeste Vergangenheit - von Blut und Feuer beziehen. Wir werden also diese Zeit in Schweigen hüllen. Soll, aber dieses Schweigen der* tiefste Ausdruck der Forderung für die . Millionen, „al Kidusch Haschern Wehaam“- Gefallenen sein " Der tiefe jüdische Lebensdrang erlaubte; es nicht, den am Leben gebliebenen- Juden. - in . ihren inneren Leiden zu erstarren und — im Anblick der schrecklichenVplks’r und i E'aro: 1 jehkatasfropha.7*1 in -einen' Zustand der.Re-, Signalton zu verfallen. Mit dem Blute ■ def' noch offenen Wunden wurde der Weg' zu unserem freien Schaffen gezeichnet. Menschen, die noch gestern unter der schweren Last der Sklavenketten stöhnten,. begannen mit .heiligem Feuer die durchgerissene Kette des jüdischen Schaffens - zu schmieden. Es - ist däs Recht jedes Einzelnen, lautseinem Gewissen und seiner Meinuhg die eigenartige Erscheinung der jüdischen Lebenskraft einzuschätzen. Es bleibt. [aber 1 eine ’ unbestrittene Wahrhe.it: auch die Läger brachten es nicht ^fertig, die Opferberditschaft und Extase aus den Herzen dieser Leute auszurotten. Mit diesem. Kapital gewappnet, wurdedie Arbeit begonnen. Unsere Tätigkeit. entwickelte stich in zwei Richtungen: erstens . in der Richtung des inneren Aufbaus und zweitens — in der Steuerung unseres Kampfes ' auf die allgemeine Linie des Kampfes des jüdischen Volkes für seine volle nationale Unabhängigkeit. Auf ’. der . inneren Front mußten wir alles von A B' C anfangen. Das war eine Pionier-Arbeit, -'die kolossale Anstrengungen forderte. Es war nicht genug, den Willen bis zum äußersten zu spannen. Man mußte außerdem das Mißtrauen des Menschen-zu sich , selbst, zu seinen Fähigkeiten und seinen . Leistungsmögiichkeiten: überwinden. Und trotzdem ist es1 den Juden — besser wie anderen Völkern —. gelungen,' ihr Leben in gesellschaftliche Formen zu. ordnen. Paralell zum, Anfang des jüdischen’ Aufbauprozesses in Deutschland wurde der Kampf für unsere Anerkennung als nationale Minderheit geführt. Dieser Kampf - kam. besonders scharf im Lager Belsen jaim/Ausdrück, wo .verschiedene Machthaber keine Mühe gescheut har ben, um unsere tatsächliche nationale Zugehörigkeit zu . verwischen,- Durch 'Schikane, Ausschaltung aus - der Erigerterwalt-ung. :'undaufgezwungene Herrschaft; der , faschistischen Polen dachte; man, das Ziel zu erreichen. Wirkonnten aber sofort, die Absichten erkennen, für ühs wurde klar: feine, disziplinierte, mit nationalem Bewußtsein durchdrungene jüdische Gemeinschaftbildet moralisch.' und politisch ein Gegengewicht zü den antijüdischen Kräften; ,die' der zy/eite 'Weltkrieg: auch nicht auszurötten in der Lage war; Die Judenläger in Deutschland sindeine Wundeam Körper der alliierten Staaten,' ein lebendiger Beweis .der 'heutigen Ungerechtigkeit., Diese- Läger zu erhalten,, eine Ausmerzung durch Auseinanderlaüfen der Juden in die Städte zu verhindern; war .unsere‘'größte- Sorge. Wir sind selbstverständlich intero'ssierI"an: der1 radikalen "Lösung; des Lagerproblems,' wir verwerfen aber, jeden mementäneft Ausweg, der wohl diese Wunde zudecken kann’, jedoch nicht.in der'Lage ist, sie zu heilen. - Die Anerkennung der Juden als besondere Nationalität kam in erster Reihe, unter dem, Druck des einheitlichem jüdischen Lgbens und -infolge' des Aufbaüs ' jüdischen kulturellen Schaffens zustande. Bs, entstanden. in den Lägern, viele Bildungskreise, .Bibliotheken, und Schulen, in .denen die hebräische und ^jüdische Spräche herrschen. . Ein starkes gesellschaftliches Leben begann. Die; dynarnische Kraft der.^jüdischen Energie und des jüdischen Lebenswillens hat von sich selbst die Rahmen gerissen, ' in die der Krieg sie fesselte. Sier verbreitete sich “über Läger, munterte .auf und riß die Schwachen mit sich und stellte sie iii die'Reihen des jüdischen Wiederaufbaus, Dieser Kraftstrom floß . nicht einsam abgesondert von - jüdischer Umgehung, sondern gleich -.bei selbem Anfang suchte er Anschluß .an-, die jüdische freiheitskämpfende Welt. Wir trugen in den allgemeinen Kampf unsere Waffe; Ausdauer, 'kompromißlösen Widerstand. Die jüdische : Weit horte unseren Ruf: def Jischuw in ' Palästinaantwortete mit Taten, . die oft zur Selbstopferung , führten. Aus den-Vereinigten Staaten und den Ländern' des, britischen'Imperiums eilten Juden mit materieller und moralischer \Hilfe. Und ' es fiel der eiserne Vorhang, -der jahrelang über uns hing u. das .europäisch-jüdische Jammertal vor der- Welt zud^ckte! Die Wand der jüdischeh Absonderung, Wurde gebrochen. Und jetzt wollen^wir uns nicht lange aufhalten bei der. Analysierurig . der Antwort, die die .Welt auf unsere Notlage' gab; es wurde Schon fast zur Gewohnheit, auf den . Zwiespalt, der sich zwischen unseren Träumen .und unserer Wirklichkeit bildete^ immer wieder . . hinzuweisen. Diese Tatsache kann auch die Bewilligung der englischen Regierung .zur Aufnahme jüdischer Lagermensclsen .aus der 'britischen Zone nicht verdecken. Erstens würden für uns nicht Tore, sondern nur ein kleiner Spalt, geöffnet. Und-zweitens entspricht diese Form"der, Hilfe nicht unseren nationalen Bestrebungen. Die englische Regierung bestimmte keine spezielle Certificate-Quote für die Juden aus dfen Lagern, sondern von der lächerlich kleinen Monatsquote.' wurde nur eine gewisse Zahl für _ uns abgezweigt —- auf Kosten der anderen,' Juden in d.er ' Diaspora. Aber damit begnügte inan sieh nicht: die Rechte , der Ausführungsörgäiip bei der .Bestimmung und Durchführung dieser - Auswanderung wurden eingetej.lt unter Unserer einzigen' legitimen 'Volksvertretung u. y. der Jewish Agency for Palestine und den änderen bei'uns tätigen, jüdischen und nicht? jüdischen .'-Hilfsorganisationen.' Die Einschrän-- kupg: der.. Rechte der Jewish Agency ist, nur ■ein, Glied in. der langen Kette der änti jüdischen Taten, die wirÜam wenigsten' nach dein, jetzigen-Krieg erwarteten., Es ist sicher: das Eis begann zu schmelzen, ‘ aber es hat noch lange nicht deri Weg für uns frei gemacht. Wir stehen mitten im Kämpfe, bereit für die bittersten Schläge für -unsere Freiheit, für -die Freiheit''des ' ganzen Volkes ' und für 'seine 1‘Ehre. Wir verlangen vom - jüdischen Menschen ‘Mut und' Ausdauer. Wir, die jahrelang vori den Feuerzungen der Verbrennungsöfen .umzingelt waren- und trotzdem' nicht entmutigt wurden, müssen Unsere Reife beweisen und unseren Willen bekunden, die Ruhmreiche jüdische Vergangenheit nicht -zu entehren und für ihre Wiedererstehung' das äußerste zu opfern. Die deutsche Bevölkerung der britischen Zone ist am 20. April zur Wahlurne geschritten und hat, so wie es ,.in demokratischen Ländern" üblich ist, Seine Stimme abgegeben., Die Militärregierung hat ohne jeden Zweifel dafür'Sorge getragen, daß diese ..Wahl unter Berücksichtigung aller demokratischen Vorschriften, durebgeführt worden ist.- Die. Beteiligung war schwach, _ schwächer als man sie wohl erwartet hat, sie war so schwach,. wie sie es zu Zeiten der Weimarer Republik nie war. Die Begründung hierzu, die man auf der Straße hören kann, ist die, daß der Hunger die Menschen an allen politischen Dingen desinterressiert hat. Es ist möglich, daß es so ist, aber es ist auch möglich, daß andere Gründe hierzu vorliegen. Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Gründe zu .untersuchet! oder nachzuprüfen.. Warüm Sprechen wir überhaupt von dieser, soeben vollzogenen' WahL - Unsere Zeitung ist eine jüdische Zeitung. Sie ist eine Zeitung, die .Sich grundsätzlich nicht, um deutsche Partei- ' Politik zu kümmern hat, aber auch gar nicht kümmern .will. , ) Wir sprechen über - diese Wahl deshalb,' weil der Wahlkampf, -• der -ihr vorausgegangen ist, uns, sehr viel gelehrt hat, und wenngleich wir, die wir im Vordergrund des jüdischen Lebens' ln Deutschland stehen, "diese Belehrung schon längst nicht , mehr nötig gehabt haben, .sowissen wir doch, daß wir unter ans noch Menschen haben, die glaubten,, daß es in- Deutschland. doch'größere politische Gruppen gibt, die den Mut besitzen,, um —■ endlich, •zwei Jahre nach der Befreiung auch einpal übe'r unsere Frage., zü sprechen und besonders den Wahlkampf dazu ' benutzen würden,, um. die breite. Oeffentlichkejt daran zu ~. erinnern, daß ' das deütsche Volk noch eine große - Schuld., aber - auch .eine Pflicht einer Minorität gegenüber hat, die -—‘Venn zum Teil auch nur mit stillschweigendem Einverständnis — zwölf Jahre ■gedemütigt, gemartert und ausgeraubt worden ist. Diejenigen unserer jüdischen Menschen, die daran geglaubt haben,' sind nun wahrscheinlich ebenso enttäuscht, wie -wir es schon Seit längerer Zeit sind. 'Wir wissen aus'den verschiedensten Meldungen, daß in der Zeit dieses Wahlkampfes sich Dinge Wiederholt haben, die wir von der ersten Zelt der ' Herrschaft des ' Nationalsozialismus aus ' kennen: Friedhofschändungen, Einwerfen ‘ von Fensterscheiben von Juden, Verleumdungen und Bfeleidigüngen. . Wir wissen aber auch,, un.d;wir hatten . Gelegenheit, uns davon zu überzeugen, daß ■ gegen all diese Dinge nichts unternommen worden ist.. Wir bekamen wohl zu hören,' daß das nur kleine Gruppen unvernünftiger, fanatischer und verhetzter Menschen sein ‘ können, - die das heute noch .tun. Wenn man uns das sagte, dann glaubte man, daß damit derartige Täten als entschuldigt' betrachtet werden. Vielleicht hätten wir ■ uns davon überzeugen lassen,, daß diese These richtig ist, wenn wir auf . den anderen ’ Seite gesehen oder gehört, hätten,, daß. verantwortliche deutsche Männer oder die heute die Verantwortung tragenden Parteien in ihrer Wahlpropäganda auch 1 auf die Schuld und Pflicht des deutschen Volkes hingewiesen hätten, die uns betrifft. Wir wissen, daß man-uns-, jetzt wieder entgegenhalten Wird, daß die Sorgen in Deutschland ' heute so groß sind, daß der Hunger _ die Menschen unfähige macht, auch nur an diese Fragen zu denken. Wir können das nicht gelten lassen. Als unsere Menschen hungerten, als unsere Menschen Sorgen hatten, die die heutigen Sorgen des deutschen Volkes um ein Vielfaches übertrafen, als unsere Menschen in einer ständigen Lebensgefahr schwebten und es dem* deutschen- Volk recht gut ging, da hatte man kein, aber auch nicht das geringste Verständnis dafür. Im. Gegenteil, das mindeste, was deutsche Männer,' Frauen und Kinder taten, war, daß . sie all das ignorierten, das mindeste, was sie taten, wenn sie auf der Straße einen Stemträger sahen, war, daß sie sich abwandten. Und hvenn sie nur das taten, ■ dann taten sie viel, dehn der Sternträger konnte - froh sein, daß er nicht beleidigt oder gar» angespien wurde. - Ais in Deutschland die Zeit kam, in der es keine Sternträger mehr gab, als die Zeit kam, in der das deutsche. Volk von seinen verbrecherischen -Führern selbst in ein. Chaos getrieben worden war,, da'entschuldigte rnan sich uns gegenüber damit, daß man ja nichts hätte tun können, weil man die Gestapo, oder dife SS. gefürchtet habe. — Es gibt heute keine Gestapo, und SS. mehr., — Man versuchtin' Deutschland: eine Demokratie zu ' bilden* Es sind politische Parteien entstanden, die allefür sich demokratische Gesinnung in~ Anspruch nehmen. - - f ~ v . Das Chaos, das die .„nationalsozialistischen Helden“ hinterlassen haben, dauert an und führte zur, Hungersnot. Wir, die wir gelitten haben und die wir. übriggebliebeü. sind, freuen uns nicht über diesen Hunger und über dieses Elend. Wir .haben'-ein Bedauern für die .Kinder, ' wir haben ein Bedauern für diev alten Leute, denen man den Hunger ansieht.. Es wäre unjüdisch, anders zu denken. Wir haben auch noch nie von Haß gesprochen, denn Haß. ist auch etwas Un jüdisches. . Wir haben Gerechtigkeit verlangt und die verlangen wir immer wieder. Und wir werden nicht aufhören, pie zu fordern, big sie-vollzogen ‘ist. ... Wenn das deutsche Volk für, sich in Anspruch nehmen wollte, eih wirkliches Kulturvolk zu sein,, dann hätte es nicht warten dürfen bis der Mensch, der in seinem Land gelitten hat, dessen Angehörige in Gaskammern umgekom- •men oder zu Tode, geprügelt-worden sind, dar mit beginnt, diese Gerechtigkeit zu fordern. Auch deshalb sprechen wir. heute vori der Wahl. ’ ' - Uns scheint, als würde das .deutsche "Volk rückwärts statt vorwärts gehen wollen, und mit diesem deutschen. Volk die: Menschen,, die für es verantwortlich zfeichnen. Wir, merken es immer wieder, und wir. haben es besonders bemerkt,- als . der Vorsitzende einer sehr bebedeutenden., deutschen Partei und seine Freunde uns ein vor vielen Wochen erbetenes Interview in der Frage , der Juden in Deutschland mit der Begründung, bis zum heutigen Tage — wir sagen, bjs zur Beendigung der' Wahlen hinausgeschoberi haben, sie seien, zu sehr ’ beschäftigt. Und derselbe Vorsitzende und seine Freunde, denen wir Kenntnis gegeben haben von der Beendigung des j ersten Jahrganges des . „Jüdischen Gemeindeblattes, für die .britische Zone“ " haben darauf nicht reagiert — überhaupt nicht. Wir bekamen viele erfreuliche Briefe und Telegramme, von denen wir einen Teil in unserer letzten Ausgabe veröffentlicht haben. Aufmerksame Leser haben wahrscheinlich Briefe von diesen Verantwortlichen einer : großen Partei — die das Wort Demokratie recht .groß geschrieben hat — vermißt. Vielleicht kommt man jetzt auf das Interview zurück. Es ist für uns nicht mehr interessant. — - Vor wenigen Tagen begingen wir den zweiten -Eefreiungstag . des Konzentrationslagers Bel— . sen, also in der Zeit, in der der Wahlkampf am heftigsten war. Wir Ständen auf - dem -Platz, auf ' dem viele Tausende Hungers ■ gestorben oder zu Tode geprügelt worden sind, wir standen inmitten der ■ Massengräber —r Sehr geehrter Herr Marx! ': Einliegend . schicke' ich Ihnen, - Ihrem .Wunsche entsprechend, meine Worte vqm Sönntag. Wenn ich Ihre Bitte recht verstanden habe, haben. Sie....Voh-l gespürt, wie sehr mir mit jedem Wort .daran lag, dem 'Ernst und der Bedeutung ■ der Stunde gerecht zu werden. ’ . Daß es mir fern liegt und lag, mfeh mit meinen Worten aufzudrängen, brauche ich. wohl nicht zu sagen. Mein Wunschist, daß es uns gegeben sein : mochte, miteinander rechte: als uns eine Zeitung, in die Hand fiel, in der ein Bericht aus dem - Buchenwald-Prozeß, der in Dachau geführt wird, stand. Und in diesemr Bericht'wurden wir daran erinnert, daß eine deutsche-Frau, sich aus Menschenhaut hat Handschuhe, Handtaschen und Lampenschirme anfertigen lassen. — ' Wohlgemerkt — eine deutsche .Frau. — Und auch darüber wurde wenig. — - recht wenig während des Wahlkampfes in die Öffentlichkeit gfetragen. — Auch darüber wird sehr wenig gesprochen. ' Würde damit .dem deutschen Volk nicht die Aufklärung gegeben werden, die notwendig ist, wenn man die Absicht hat, Deutschland vorwärts und nicht rückwätrs zu führen? , " v ■ Von diesen Gesichtspunkten aus interessierte uris die Wahl, deshalb schrieben wir darüber — aus keinem anderen Grund; Schritte zu tun in eine' bessere Zukunft. Mit-ergebenem Gruß 1 ■ - ■ Lic. H. Schlingenslepen. ..***. Herr Rabbiner! - Sehr geehrte Versammlung! Im Namen Sr. Magnificenz, des Herrn Rektors, der zu seinem Bedauern heute .von hier, ab-? .wesend sein muß und Sich durch mich entschuldigen läßt, darf ich Ihnen die Grüße und Wünsche der Universität Bonn überbringen. Wenn es mir erlaubt ist, mit. diesen Grüßen . ein kurzes. Wert zu verbinden, kann es nur ein Ein Brief und eine vop Prof. - Lic, Hermann Schlingensiepen ■ der Üniversität Bonn (anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge — in Bonn)

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