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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-04-15 · 1 (15.4.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
1 (15.4.1947)
Date
1947-04-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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vom 21. bis 23. März 1947 Rechl und Geretitillgkelf Diesen Namen kann man der. 1. jüdischen Juristen-Konferenz 'geben, die vom. 21. bis 23. März 1947 im Schloß von Detmold stattfand. , Ehrengäste dieser, von der Jewish Relief Unit veranstalteten Tagung,, waren vor allen Dingen die wenigen überlebenden jüdischen .Juristen Deutschlands. Aus der britischen Zone ' waren sie vollzählig. erschienen. Aus Berlin kamen einige höhere Richter!fuhd' Anwälte. Die amerikanische Zone war ebenfalls ver-; treten, nur konnten unsere jüdischen Juristen Aus der französischen Zone nicht kommen, well sie keine Einreisegenehmigung erhalten •; hatten. / ..Ueber die unbeschreibliche Freude des Wieder-' . Sehens vieler dieser Menschen haben wir-in - unserer letzten Ausgabe versucht; das in Worte zü kleiden, was jeder empfunden hat. / '■ Ehrengäste aber auch waren unsere Freunde aus England und' die' führenden Vertreter der \Militär-Regierung. Sir Al f re d Browri,. j Rechtsberater der -■ Kontrollbehörde . für Deutschland und Oesterreich war gekommen, um den Ehrenvorsitz zu übernehmen. Prof. •‘D.r. K I. Cohn bezeugte durch sein Kömmen jaus London die Bedeutung, die er dieser Tajgung beimaß. Maj.'Geh. L. M: Ingl'i s,; höchster Richter des obersten-Gerichtshofes /•der Kontrollkommission wohnte der Tagung I bei lind bewies damit das Interesse, das der (/alliierte Kontrollrat an dieser Konferenz hatte. jMr. W.- W; B o u 11 o n, KontrolLoffizier der ' .Bechtsabteiiung, der Militärregierung, über- / brachte die Grüße seiner Dienststelle, . ’ Ehrengäste waren auch die Mitglieder des Vor- Standes des „Rates' der Jüdischen Gemeinden, ln der britischen Zone“.; Und zu den Ehrengästen zählten alle Justizt JAiUister der Länderregierungen der, britischen , Föne. höhere Vertreter der Justizverwaltun- Sir Alfred Brown (London) gen anderer Ebnen, sowie alle hohen Richter . upd führende Rechtsanwälte der britischen , Zone, alles Menschen, in deren Hand es liegt, dem deutschen Volk die wahren Begriffea-von Recht und Gerechtigkeit wieder beizubringen. Am 21.'März pünktlich um 17 Uhr kündeten •drei Hammerschläge den Beginn der- Konfe-, . renk an. Symbolisch wurden die Kerzen in den Jahrhunderte alten schönen Leuchtern entzündet. Rabbiner Dr. Alexander C ä r 1 e - , hach, Jewish Relief Unit hielt die- Weiherede Norbert Wollheim, 1. Vorsitzender des Rates der Jüdischen Gemeinden der britischeqJZone in einer Atmosphäre, wie wir sie aus den Kol Nidre Gottesdiensten kennen. Einen würdigen Abschluß des dann von Dr. Carlebach gesprochenen Weihegebets,1 bildete die Wiedergabe einer Violinsonate von * Beethoven, gespielt von einem hervorragenden Trio. . Der Rechtsberater der Jewish Relief Unit, Dr. George Weis,' der geistige Väter und Organisator dieser Tagung* hielt nun eine kurze Eröffnungsansprache und erwirkte das die Teilnahme an unserem jüdischen Schicksal.;-'j' Der Nachmittag brachte ■ die von Allen ‘erwarteten Vorlesungen von Dr. George Weis und Senatsdirektor Dr. Loeffler (Hamburg), über das Thema: „Wiedergutmachung als administratives Problem,“ Die sich an diese Vorlesungen anschließende Diskussion war wohl die Interessanteste der ganzen Tagung. BolscliaSfera ans all e® Der Weiheakt Rev. Dr. Alex and e r C a ri e b a c h; Jewish Relief Unit Einverständnis der Konferenzteilnehmer, dieser Tagung' ein symbolisches Präsidium geben Sir Alfred I. Cohn (Lonzü dürfen. Er bat Brown, Prof. . Dr. E. don), Dr. Hans-Erich Fabian (Berlin), Dr. Blankenburg, Dr.. Cahn (Frankfurt- Main) und ’Dr. Alter an den Präsidialtisch. Als Generalsekretärin bat er Miss Fischer (Jewish Relief Unit) zu fungieren. . Sir Alfred Brown hielt die1 Begrüßungsansprache* Dudley Osborne, stellvertretender Direktor der Jewish" Relief Unit' in Deutschland, .überbrachte die Wünsche seiner Organisation zum Gelingen dieser Tagung. Nobert W o 1 l“he im sprach Namenä des Zentralkomitees und des „Rates jüdischer Gemeinden, der britischen Zone“. Prof. Dr. E.. I. Cohn (London),- Landgerichtspräsident - D r, W i e - f e 1 s (Hamm), D r. Münze r (Berlin) überbrachten Grüße und Wünsche. Dr. E .G..L o - Ew e nt h a 1 (Jewish Relief Unit) überbrachtea die herzlichsten Grüße der „Vereinigung jüdischer Flüchtlinge ,in Großbritannien“ und des „Rates für den Schutz der Rechte und Interessen der Juden aus. Deutschland“. Dr.. Mü 11 er, Präsident der Rechtsanwaltskammer in Zelle hieß die Anwesenden Namens der deutschen Anwaltschaft willkommen; Dr. Ältmann von der jüdischen Palästina- Agentur überbrachte die Grüße unserer. Brüder und Schwerstem aiis Palästina. Bürgermeister Priester (Detmold) gab seiner Freude, Ausdruck darüber, daß' Detmold zum Tagungsort gewählt worden war; und Rechtsanwalt Dr. Cahn .(Frankfurt-Main), war von den jüdischen Juristen der amerikanischen’ Zone beauftragt, der Tagung besten Erfolg zü wünschen.- ■ Jüstizminister Ellihghaus vom-Niedersächsisehen Staatsministerium, brachte die Grüße seines Ministeriums. . Außerdem sprachen Prof. Dr. Niedermeyer, Dekan* der rechts- Und staatswissenschaftlichen Fakultät in Göttingen, Dr. Kronheim, Stadtdirektor, Bad- Oeynhausen und A. S ternhei.m,. Vorsitzender der jüdischen Kultüsvereinigung in Lippe. V '. , Die Klänge der britischen Nationalhymne und der Hatikwa,. des Nationalliedes ' des jüdischen Volkes, von den 'Anwesenden stehend angehört, leiteten die Tagung ein. Es folgte, mei-' sterlich vorgetragen, die Violinsonate D-dur, . Opus 12, l.’Satz von'. Beethoven. Rabbinef : Dr. Car l eba ch’von der Jewish Relief Unit j. erhob sich zur Weiherede. Er hatte in Deutschland die Rechte studiert, bevor er sich seinem jetzigen geistlichen Berufe :zuwandte. Er führte aus: Nach . der Lehre des Lehrers der Mischnah, Rabbi Simon ben Gamaliel, ruhe die Welt auf drei ‘Ringen, auf der Wahrheit* auf der Gerechtigkeit und auf dem Frieden. Die Tagung der jüdischen Juristen nehme ihren Anfang am Beginn des ersten Frühlings-., monats, ■ des Nissan, der für uns - Juden, der Monat' des? Festes der Befreiung .aus ägyptischer Knechtschaft .sei. Das sei em .-glückver-f. heißender 'Anfang. Im Monat Nissan mußte nach jüdischem Brauch jede Trauer verhalten seih, darum. müßten wir auch mit der Trauer um unsere dahingesehiedenen Kollegen zu-, ' rückhalten. Sinn und Zweck der Tagung sei, durch Hin wegschaffen JdeS vergangenen Unrechts der (Gerechtigkeit - wdederzur . Herr-» Schaft 2u verhelfen. Dank de£ göttlichen Hü- 1 fe sei es uns vergönnt gewesen, diese Zeit zu erleben.. In dem nun folgenden Gebet richtete . Dr. Carlebach die- Bitte an Gott, seinen Segen der, Tagung jund der Arbeit der Juristen zu ' geben. ., ' . * ■ F ., ■ , : ■;/ Sir Alfred Brown (London): Näch kurzer Pause erhob sich Sir Alfred Brown, Legal Adviser -des- Kontrollamts für-, Deutschland und 'Oesterreich, der Ehrenpräsident der Tagung. Er führte aus: Er sei selbst Jurist und'gekommen, , um den deutschen Jü- Am zweiten Tag, Samstag,, dem 22. März, hielt Maj. Gen. L. M. Inglis'eine Vorlesung in deutscher Spräche über 'das Thema:. »Die Kontrollkommissionsgerichte“. Das Interesse an diesem Thema wurde durch eine geistreiche Diskussion unter Beweis gestellt. Pünktlich um 12. Uhr begann die von Rabbiner D r. Carlebach eingeleitete Toterigedenkfeier,.. in der Oberlandesgerichtsrat Dr. Arthur As c h (Düsseldorf)-, Und Prof. Dr, E. I. Cohn (London), d-ie Gedächtnisreden hielten,, die Wir an anderer Stelle, veröffentlichen. Die Ergriffenheit aller Anwesenden bezeugte- Die Stadt Detm o 1 d hatte für 6 Uhr die Tagungsteilnehmer./zu einem Empfang mit Kaffee, und Kuchen in den festlich geschmückten: Räumen des Rathauses eingeladen. — Und der Abend klang in einem von erstklassigen Künstlern dargeboteneh Kammerkonzert aus. , j Der dritte Tag der Konferenz jvar ausgefüllt mit Vorlesungen, von Prof. E. I.-Co hn (London), „Anfechtung rechtskräftiger' Entscheidungen aus der Zeit des nationalsozialistischen Regimes“, Dr. ,van Dam, stell vertretender Rechtsberater der Jewish Relief Unit: ,,Rechtsschutz gegen Aufhetzung zum Rassenhaß“ und Rechtsanwalt A. Da,ltrop (Bielefeld): „Rechtsfolgen der Denunziation“. Diesen Vorlesungen folgten außergewöhnlich interessante und lehrreiche Diskussionen, an denen sich alle führenden Köpfe der Tagung beteiligten. Dann flammten die Kerzen wieder auf: Die Schlußsitzung begann. George Weis sprach; nach ihm dankte Sir Alfred Brown in ergreifenden Worten den Teilnehmern der Tagung und nahm Abschied von ihnen. Das Ende dieser denkwürdigen Tagung, die ohne jeden Zweifel in die Geschichte der Juristen eingehen wird, war — das war wphl der Eindruck aller Anwesenden — der Beginn zum Wiederaufstieg' eines gesunden Rechtsempfindens in Deutschland.' Die Würdigkeit dieser Tagung, das hohe Niveau der Vorlesungen und Diskussionen,, deräußere Rahmen,.''mit dem sie-umgeben war, alles das läßt sich kaum' in Worte kleiden. < ’ ' ' , ‘ Diese Tagung war ein Erlebnis und jeder, der die Ehre hatte, an ihr teUnehmen zu dürfen, kann mit Stolz von sich sagen: ich bin dabei gewe s e n. ' Die Organisation war in allem beispiellos. Vom Abholen der Gäste vom Bahnhof bis zum Zurückbringen, war für alles gesorgt: -mustergültige Quartiere, erstklassige Verpflegung und viele Unerwartete Ueberraschungen. Din JewishjRelief Unit hatte -ihre besten Mitarbeiter mobil gemacht, und sie leisteten beinahe, Unmenschliches. Niemand' konnte diesen freiwilligen T-Ielfern besser danken,, als .es b r. George Wefs tat. Und er'dankte vor allein auch d-em American Joint Distribution Committee, ohne dessen Hilfe “die Verpflegung und damit wahrscheinlich die Tagung, unmöglich gewesen wäre. Wir sind Sicher, daß alle unsere, jüdischen Menschen in Deutschland sich' diesem Dank ■ anschließen und^ sich mit uns über diesen ein- .zigartigen Erfolg freuen. K. Marx. Dr. E. G. Lowenthal, Jewish Relief ( Unit, Senior Area- Representative, West-; deutscJiland risten sein Mitgefühl zü zeigen.. In der Vergangenheit habe er stets Bewunderung ’ für die deutschen Juristen empfunden, aber die letzten Jahre .hätten alles verdorben. Zusammenarbeit zwischen deutschen und jüdischen Juristen'tue not, denn sie könnten nur von einander lernen. Es habe sich gezeigt, was es bedeute, die Gesetze zu mißachten. Wer wirk- Der geistige Vater der Tagung, Dr.; George Weis, Legal Adviser der Jewish Relief Unit M/I V \ * ’Ä i|/l •V’ ' 'S ij ' J

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