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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-04-15 · 1 (15.4.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
2 (1947/48)
Issue
1 (15.4.1947)
Date
1947-04-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nummer 1 JÜDISCHES GEMEIND EBTL ATT 15. April 1947 Wir stellen zur Diskussion: Liquidierung der jüdischen Gemeinden in Deutschland Von vielen prominenten jüd. Persönlichkeiten wurde in den letzten Monaten das Problem der zukünftigen Gestaltung der /jüd. Gemeinden in Deutschland erörtert. Unter Berücksichtigung der heutigen politischen und wirtschaftlichen Situation wurde von verschiede-: nen Seiten der Wunsch laut, eine Liquidierung der jüd. Gemeinden vorzubereiten. Das ist zwar leicht 'gesagt, aber praktisch schwer durchführbar. ' - : Tatsache ist, daß unsere Lebensbedingungen in Deutschland im Augenblick untragbar sind. Von einer Demokratisierung desdeutschen Volkes sind wir noch weit entfernt.. Unser Glaube, das deutsche Volk, würde uns nach der , Befreiung mit offenen ‘Armen in ihren Reihen als gleichberechtigte Bürger aufnehmen und versuchen, daß an uns, während1 der Hitlerzeit begangene Unrecht wieder gut zu machen, hat 'Schiffbruch erlitten. Der Kreis derjenigen, die sichan jüdischem Eigentum bereichert und pomit Nutznießer des Dritten Reiches waren ist so groß, daß man von einer Wiedergutmachung oder gar Rückgabe des geraubten beztv.' unter Ausnutzung, unserer; Zwangslage „erworbenen“» Gutes nichts wissen will. Die meisten haben gehofft, daß kein einziger Jude- .den Naziterror überleben würde unckbedau- * ern, daß die paar tausend nbch da sind, die niin versuchen, ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen. Selbst .die Stadtverwaltungen, die sich während der Nazizeit unsere Gemeindegrundstücke angeeignet, haben, machen keibe Geste, diese freiwillig zurückzugeben. Nicht die geringsten Konzessionen werden, uns ge-- jmgcht und nur durch entsprechende Gesetze seitens der Militärregierungen können wir die Rückerstattung erzwingen: ' In den Herzen der deutschen- Jugend, sitzt noch das Nazigift, besonders in den Kreisen der Studenten und das ist der Kreis., aus dem die zukünftige, geistige Elitö Deutschlands her-, Vorgehen soll, zeigt man sich demokratischen Bestrebungen wenig zugänglich. Zu tief ist die Naziideologie in ihrem Innern .verankert, dar zu kommt, daß man bei der Auswahl der Lehrer und Dozenten nicht die“ erforderliche "Vorsicht walten läßt. Nicht nur an der .Uni in Köln lesen Professoren und Dozenten,- die Aktivisten waren und schwer belastet sind. Lehren des dritten Reiches werden bewußt und unbewußt glorifiziert und bejubelt, wagt man es aber, die Tendenzen der’ Hitlertheorie zu glossieren, so wird getrampelt. ' Hinzu komiht die wenig hoffnungsvolle wirtschaftliche Lage Deutschlands, ■ die schweren Steuerlasten, die wir jetzt und vielleicht auch -„Zukunft mit zu tragen haben, in dieser ganzen Atmosphäre zu leben, ist bedrückend upd daher "verständlich, wenn viele von uns Deutschland 'möglichst schnell den Rücken kehren. wollen. Auf der andern Seite dürfen aber die Schwierigkeiten, die heute unserer, beabsichtigten Auswanderung in den Weg gblegjj, nicht übersehen werden. Das gegebene Ziel wäre inerster Linie Erez- Israel, doch steht fest, daß dieses nicht alle auswanderungswilligen i Juden ' aufnehmen kann. Ein großer Teil möchte, nach U.S.A. Aussichten, . in absehbarer Zeit dorthin zu kommen, haben nur diejenigen, dje direkte Blutverwandte drüben haben, Die andern {werden vielleicht noqh Jahre warten können, die' amerikanischen Behörden, verschanzen sich jhinter der haltlosen Begründung von Trans-' portSchwderigkeiten, Ueberlastung des Personals der Konsulate, und der politischen Üeberjprüfungsstellen. (auch bei Juden ,!-!). Argentinien will möglichst nur „Arier“ aufnehmen Und die andern überseeischen Staaten machen ebenfalls leere, Ausflüchte, um die Einwanderung von Juden zu unterbinden. Rollten sich also die Auswanderüngspläne derjenigen, die fort wollen, nicht in absehbarer Zeit, _ sondern vielleicht erst in 5—10 Jahren verwirklichen lassen, so müssen sie sich nach einer Beschäftigung umsehen, um ihren Unterhalt zu verdienen; Hat man sieh .. .einmal erst nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten eine' Existenzgrundlage geschaffen, wird man es sich überlegen, ob man überhaupt noch Deutschland Verlässen soll. In den Großgemeinden. befinden sich viele alte Leute, die körperlich und .seelisch nicht in. der Lage sind, auszuwandepn. Die Betreuung und.. der Unterhalt dieses Kreises muß unbedingt gewährleistet bleiben. Es sind picht nur ein- . tTeil der in Mischehe lebenden, sondern-auch andere Juden, die sich inzwischen . im- Ge- . schäftsleben eingeschaltet, oder Positionen und Stellungen erlangt haben, die ihnenihr Auskommen sichert .und eine Auswanderung ablehnen, zumalin andern Ländern auch nicht Milch und -Honig fließt .und uns ein wirklich freies und gleichberechtigtes Leben * außer in (Palästinanirgendwo garantiert erscheint. Täglich erreichen uns Briefe aus Uebersee, daß man gerne nach Deutschland zurückkehren möchte. Indem wir auf die hier bestehenden Schwierigkeiten hinweisen, erheben wir warnend unsere Stimme Und , doch kommen einzelne. Bei vielen ist es das Heimweh, sie geben die Hoffnung nicht auf, daß sich doch eines. Tages in Deutschland eine politische .jWandlung vollzieht, ‘ die uns Juden das Leben wieder erträglich macht Niemand kann heute Prognosen stellen, wie sich die Dinge in den nächsten Jahren in der Welt gestalten werden, nicht nur in der Judenfrage ist die Situation unübersichtlich. Es wäre unverantwortlich, wenn wir Vorsitzende daher auf eine Liquidierung der Gefremden hinarbeiten. Die meisten jüdischen Gemeinden haben eine .jahrhundertalte Tradition und trotz aller Hemmnisse wird eifrig der Aufbau betrieben. ' Synagogen und Betsäle werden Wieder errichtet und dasjüdische Geistes-, und Kjgltusleben würde, ganz anders aufieben und .pulsieren, wenn geeignete Lehrpersonen oder. Rabbiner . sich, den in -dieser Hinsicht verwaisten Gemeinden zur Verfügung stellen würden. Sie haben die 'moralische Verpflichtung,, gerade in diesen Notzeiten durch den Einsatz .-ihrer- Persönlichkeit uns den notwendigen seelischen Halt, zu geben. Mit „Aizes“ sind wir- Versehen, <an ihren Taten muß man sie erkennen! 1 Die heute an führenden „Stellen stehenden jüdischen Personen" haben die Pflicht*, allen denen, die auswandern Wollen, - bei .der Verwirklichung ihrer Pläne - beizustehen, ja. sogar die Auswanderung zu propagieren. .Andererseits, müssen wir unserer Gemeinschaft gegenüber objektiv sein und dafür sorgen, däß dem Kreis, der in Deutschland bleiben will, erträgliche Lebensmöglichkeiten _ gewährleistet werden. Die Aufbauarbeit unserer Gemeinden •auf weite Sicht darf keine Unterbrechung er- Kurt Zeunert: Nürnberg, die Stadt der schönen Künste und Zünfte, die Stadt - Albrecht Dürers, Hans - Sachs, Peter Henleins und. der Meistersinger/ die Stadt, in der die Aburteilung der Hauptkriegsverbrecher "stattfand, wurde, zum Tatort -eines Bombenanschlages gegen eine Betreuungsstelle für politisch, rassisch Und' religiös Verfolgte. Die Tat geschah also in jenem ' Bayern, in dem die Wiege der- NSDÄP. stand, in dem man' heuterecht gern die nörd-' liehen Teile Deutschlands als Wegbereiter des nationalsozialistischen ' Regimes hinzustelleri versucht und wo auf der-Festung in Landsberg am Lech das Buch „Meim Kampf“ geschrieben wurde, aus dem wir folgende Stelle .zitieren: „Das Volk sieht zu .allen Zeiten im rücksichtslosen Angriff auf einen Widersacher den Beweis des eigenen Rechtes, und es empfindet den Verzicht auf'die Vernichtung des anderen als Unsicherheit in bezug auf das eigene Recht, wenn nicht als Zeichen des eigenen Unrechtes.“ Soweit Adolf Hitler! In der britischen Zone ereigneten sich fast zu gleicher Zeit „harmlosere“ Anschläge, die von dem geistigen Niveau der Attentäter und ihrer Hintermänner deutliches Zeugnis ablegen. Es ist derselbe Geist, bzw. Ungeist; der die Gas- \, kammern erdachte, 'und es sind die gleichen ■ schmutzigen Hände, welche die .' Stahlruten auf die Körper unschuldiger ünd-hilfloser Opfer niedersausen ließen. So wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Hannover-Strangriede und Bothfeld Grabsteine umgeworfen und zerstört. Wie niedrig •muß die'.Gesinnung von „Mepschen“ sein; die In* ihrem verblendeten Haß .nicht einmal vor, den Ruhestätten der Töten haltmachen. In Wuppertal' wurden einem jüdischen TextilgeSchäft nächtlicherweise die Schaufenster zerschlagen und die -Wände, mit Hakenkreuzen beschmiert Auch altbekannte Parolen, - wie z, B. „pie , Juden sind unser , Unglück“, „Deutschland erwache“, „Nieder mit .England, Amerika und,Rußland“/waren vertreten. .Das Hakenkreuz als Sonnenzeichen hat sich, auchhier Wieder, wie in der Vergangenheit, als das Symbol der Finsternis , offenbart. Wir hören schon bevor diese Zeilen gedruckt werden, die entrüsteten Stimmen: „Wir haben das nicht gewollt, und wir distanzieren uns entschieden von Subjekten, welche solcher Taten fähig’pind.“ Diese Stimmen sind uns nicht ganz unbekannt. Wir niöChten ihnen gern glauben, aber'es fehlt ihnen die notwendige Stärke, -um. in unser Bewußtsein zu. dringen. Man kann uns die’Ueberzeugung nicht nehmen, wenn wir behaupten, daß einem nicht unbeträchtlichen Teil des Volkes die Kerzen höher zu Schlagen begannen, alsder Bombenanschlag offiziell gemeldet wurde, und daß dieser Teil sich gern an jene Tage erinnerte, in denen, die zitierten Erkenntnisse Hitlers Recht und Gesetz waren und man nabh ihnen handeln könnte. - ' Die Bombe von Nürnberg wurde nicht gelegt, sondern, geworfen, und die Täter entkamen. •Eisgraüe Männer kommen , daher kaum als Täter in Betracht, denn die Notwendigkeit’ flinker Beine kennzeichnet die Generation, in der wir die Attentäter suchen müssen. Wir finden eieunter den Menschen, welche im Rahmen der Jugend-Amnestie von . der Verantwortlichkeit an den Scheußlichkeiten . des nationalsozialistischen. Regimes, entbunden wurden. Wenn die Folgen der wirklich milden Entnazifizierung die gleichen.sein werden, wie dieser „Bombenerfolg^. der . Jugendamnesiie, dann darf man für jeden Tag dankbar, sein, den 4 die Besätzungstruppen länger in Deutschland' bleiben.;v - Baldur von Schirach warnte in seinem Schuldbekenntnis vor dem Gerichtshof in1 Nürnberg: „Wer nach Auschwitz noch weiter diese Po- , litik des Rassenhasses vertritt, die zum millionenfachen Mord geführt hat, muß die Mitschüld an Auschwitz tragen. Rassenhaß * ist ein Verbrechen, das zur Katastrophe für das Judentum ebenso wie für alle Deutschen geführt hat.“, Aber nicht nur 'die rassisch Verfolgten wurden mit diesem Bombenanschlag getroffen. In, gleichen! Maße wurden auch die politisch und ’re¬ V . . -. ' ■ ■ leiden. Unsere Stellung den Behörden gegenüber würde bezüglich der Durchführung unserer momentanen Aufgaben sehr erschwert, auch hinsichtlich' unserer Wiedergutmachungsansprüche, wenn die Oeffentlichkeit erst einmal merken würde, daß wir mit gepackten Koffern und der. Fahrkarte in der. Tasche auf den . Abgang unseres Zuges warten. 1933—1938 hat so mancher Kapitän vorzeitig das sinkende Schiff: verlassen’, uns soll man diesen Vorwurf nicht machen. , Belange unserer eigenen Person , müssen zurückgestellt werden, wir haben mit allen Kräften für das Wohl upserer Gemeinden , zu sorgen. „ - V : " .. - .• Ist, erst einmal durch die .Verwirklichung unserer Hoffnung erreicht, daß Palästina .ein autonomer Judenstaat wird und dadurch' für uns eine einheitliche Staatsangehörigkeit geschaffen ist, dann Wird für,uns Juden, in weichem Lande wir un$ auch befinden, die Lage erträglicher. Nicht nur durch den diplomatischen Schutz, den wir dann genießen, ■ sondern durch das stolze Gefühl^ nicht mehr heimatlos zu*, sein.;> Moritz Goldschmidt, Köln., gende und sofortige Hilfe vom Ausland. Wir aber fragen die führenden .Köpfe,, die politischen Parteien, Wir fragen die Gewerkschaften, wir fragen die Landesregierungen, die Stadtverwaltungen und wir. fragen . das deutsche Volk in seiner Gesamtheit: „Werden jemals Demonstrationen stattfin- , den, die ihre ‘Gründe in Anschlägen, wie dem in Nürnberg und die auf die Grabsteine von'Hannover ' finden oder soll weiterhin - solchen ,Ges.chehnissen 'die gleiche passive Haltung wie am 9. November 3r938 gegenüberstehen?“; _ Uns steht nicht die Propagändampschine des nationalsozialistischen Regimes zur Verfügung, die ' zum AuSbrueh des spontanen- „Volksbekenntnisses“ kommandierte, denn wir verabscheuen das System des freiwilligen Zwanges. Das Bekenntnis muß aus den Herzen und aus der Vernunft kommen. Wenn das deutsche Volk geschlossen, mit jener von den, Nazis verpönten Objektivität den Beweis für die - Unrichtigkeit der zitierten Worte Hitlers gibt, dann kann .es gewiß sein, ' daß die Unsicherheit der Sicherheit iri bezug auf das Recht Platz machen wird. ligiös Verfolgten, damit angegriffen. Es ist nicht Zweck, dieser Zeilen festzustellen, welche der Gruppen $en Ruhm für sich in Anspruch nehmen •■ kann, mit dem Anschlag gemeint zu Sein, die 'aktiven Kämpfer gegen den Nationalsozialismus oder die passiven Märtyrer des. Hitlerterrors. . '. - - , . \ 1 - Sie sind alle gemeint, ohne, Unterschied des Grundes oder des Grades ihrer Verfolgungen. Es‘istdaher die Pflicht, aller vorgenannten Gruppen einig zusarrimenzüstehen gegen diese unerhörte Provokation der nicht zu unterschätzenden Zahl von Nazi-Brig^nten. Wir haben, als überlebende Opfer des Nationalsozialismus unseren Tpten gegenüber’ das Recht aufzuklären und immer wieder aufzuklären über die Greuel, die innerhalb des Reiches der Dichter und Denker angesichts des unwissenden, aber im Namen des Volkes geschahen. . Kaum jemand aus unseren Reihen kann besser und sachlicher aufklären, als Dr. Eugen Kogon in seinem Buch „Der SS-Staat“: „Ich meine, das deutsche Volk sollte mit jener -Objektivität, die es einst-ausgezeichnet hat, lesen,- was in den Prozeßakten der Wahrheit als ermittelt und bezeugt geschrieben steht, und dann sich selber fragen: „Wo sin<j wir .hingeraten? Wie war das möglich? Was können wir tun,- um vor uns selbst und der Welt zu bestehen?“- Die Bombe von Nürnberg hat zwar niemanden getötet oder verletzt. Aber sie war gezielt upd hat/getroffen. Sie hat, genau wie die Grab- Steinschändungen, die- Menschen symbolisch getroffen, die an Leih und Seele krank aus den Gefängnissen, . Zuchthäusern 1 und Konzentrationslagern kamen, die kaum genesen, oft mit körperlichen Schäden, aber trotzdem die versöhnende Hand reichen wollen. -. Dip Welt steht cjöm deutschen Volke zweifelnd gegenüber, und das’ deutsche, Volk ■ zweifelt und verzweifelt än der Welt. Sein Recht dazji ist' sekundär, jedenfalls so lange, bis die Welt .von der Wandlung des .deutschen Volkes und seiner völligen Abkehr vom -Nationalsozialismus überzeugt ist. Die- Gelegenheit zu diesem Beweis wäre jetzt im _kleinen Rahmen .gegeben. - v " . In der britischen Zone begannen die ersten Demonstrationen wegen der furchtbaren Ernährungslage.' Das deutsche Volk fordert drin-' Frankfurt entschädigt Juden Durch . besondere Vergünstigungen will die Stadt Frankfurt ihre früheren jüdischen Bürger, die vor den Nazis geflohen sind, zur Rückkehr bewegen. 60 in Frankfurt -lebende Juden, die' öffentliche Arbeiten zu niedrigeren Löhnen als andere Deutsche . verrichten mußteri, 'erhalten zusammen eine Entschädigung (von 100 000 Mark. Bei der Besetzung vop, Stellen im öffentlichen Dienst sollen Juden den, Vorrang haben. Zur Eröffnung von kleineren Geschäften und Gewerbebetrieben will map Judep Darlehen bis zü 20 000 Mark ohne Si-> cherheiten gewähren und ihnen, falls sie. arbeitslos sind, höhere Unterstützungssätze als den anderen Arbeitslosen einräumen. Bis jetzt sind zehn Juden auf Grund dieser Ver-! gühstigungen , nach'. Frankfurt zurück gekehrt. Ein Mensch/ sonst nichts —* ,v In Schöneberg steht' auf dem Kaiser-Wilhelm-1 Platz' eine kleine Imbißhalle. Dp. gibt es Kno-, chenbrühe, Würstchen mit Mostrich, und vor allem "Bohnenkaffee aus (amerikanischem) zweiten Aufguß. Die Leute stehen .immer in Schlangen an. Da kommt ein offensichtlich, Schwerbeschädigter angehumpelt, mit gelber, Binde und dem Krückstock des Invaliden. Die ersten an der Türe wollen ■ ihn aber .nicht vorlassen. Durch die protestierenden Rufe auf-! merksam, geworden, schiebt der ’ Inhaber die; Tür auf und sagt: „Aber, li6be Frauen, Sie werden doch nicht verlangen, daß ein Schwerbeschädigter wartet. Nein, der Mann kann pa-», türlich sofort rein — jederzeit sofort reinig Und in seinem Ton liegt, was er aber nicht ausspricht, wie „Schämen vSie sichdocti“ . Und die Wartenden verstummen. (Einige pflichten jetzt dem Wirt, einem Juden, bei, der den deutschen Schwerkriegsbeschädigten vor Rücksichtslosigkeit in Schutz nahm.) : Wir erfuhren nachher,, was der Mann' alles unter den-Braunen hatte leiden müssen, daß er in Auschwitz war, wo sein. Sohn ermordet wurde — einer von den vielen./„Kannten Sie diesen Kriegsbeschädigten?“, fragten wir. „Nein, er kam heute zum erstenmal.“ Er konnte also picht einmal wissen, oh nicht dieser Mann einst im Soldatenmantel ebenso Judenfresser war. „Das ist vorbei —“ sagte er bescheiden (und‘ wieder war da’ etwas, was. beschämend wirkte); „die Leute sind verhetzt gewesen.— Ich sehe nur den Menschen.“' , Dr. K. Lcmderkonferenz derVVN. von K. Raddätz , Vom 15. bis 17. Mai tagt in Frankfurt am TVT. eine interzonale Länderkonferenz der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (WN), auf der 'Delegierte aus allen Ländern der vier -deutschen Besatzungszonen vertreten sind. Im Mittelpunkt dieser interzonalen Tagung steht eine Kundgebung zur Friedenskonferenz in Moskau. Die 250 000 Ueberlebenden aus den Zuchthäusern und Konzen trations.- lagem Hitlerdeutschlands, die berufen sind, auchim Nafnen der gemordeten zehntausenden Kameraden zu sprechen, beabsichtigen einen Appell an die in Moskau, versammelten Staatsmänner der alliierten Nationen i zu' richten.; , Die Vereinigung der Verfolgten des .Naziregimes erfaßt alle Männer und Frauen, die bereits vor Hitlers Machtübernahme dem. Nationalsozialismus /in unversöhnlicher Feindschaft, gegenüberstanden. Sie Stellten unter, Beweis, daß sie bereit waren, Leben, und Freiheit zu opfern, um das faschistische Verhängnis vom deutschen - Volk abzuwenden. Durch ihren unerschrockenen Kampf während der 12 Jahre Nazizeit unterstützten , sie den Krieg' der friedliebenden Völker -zum Sturz des Hitlerregimes. ' Aus der Tatsache,, daß große Teile des deutschen V-olkes das Hitlerregime bis 5 Minuten nach 12 bedingungslos unterstützten, ergibt sich die politische und moralische Verpflichtung zur Wiedergutmachung.' Doch gerade in dieser Stunde wenden sich-die Verfolgten des Naziregipies an die Alliierten , mit der Bitte, dem deutschen Volk die Möglichkeit zu einem friedlichen Wiederaufbau zu x verschaffen. Die Volle. Verantwortung für das Naziregime-und den Krieg, tragen jene Kräfte, die im Besitz der wirtschaftlichen und militärischen Machtmittel waren und für ihre verbrecherische Politik das deutsche. Völk mißbrauchten. Die „ehemaligen politischen Häftlinge Deutschlands, Hitlers erste Gefangene-in seinem Krieg zur Ausrottung^ der demokratischen friedliebenden Kräfte im eigenen Lande, die durch den Sieg der alliierten Armeen ihre Freiheit erhielten s und ' heute . in ihrer Organisation. Männer und -Frauen aller Parteien und Konfessionen vereinigen,- bitten die Alliierten um die, Wiederherstellung' der politischen und wirtschaftlichen Einheit - Deutschlands, die Schaffung .einer zentralen -Regierung zur Erfüllung-/ihrer Pflicht, das deutsche Volkin einem demokratischen, fortschrittlichen Sinne zu erneuern. Die interzonale Länderkonferenz der „WN wird weiterhin zur Frage der Wiedergutmachung an den Opfern - des Naziregimes. Stellung nehmen und den Stand der Organisation in den einzelnen Besatzüngszonen überprüfen. Die Konferenz; beabsichtigt „ferner, einen Antragän den Alliierten Kontrollrät zu .richten, der WN einen Reichszusammenschluß zu ermöglichen. ''gs.v/g^ga - , 'Br eitestraße: 10?12 — 'Nordstraße 110 PBERKASSEL: Luegällee 108. RATINGENl Düss eldörier Straß e 48*50 \ i

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