Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 2 (1947/48)
- Issue
- 1 (15.4.1947)
- Date
- 1947-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT "■ ... lf ' "’T—■ 15. April 1947 1 1 .""<1 Warschau. (Our Way). Der frühere polnische Sgjm-Abgeordnete und. jetziges Mitglied der Jewish Agency, Icchak Grinbaum, traf in Polen ein und hatte längere Unterredungen mit dem. polnischen Außenminister Modzelewski und anderen hohen Regierungsbeamten. Es wurde die Stellung Polens bei den künftigen Verhandlungen der UNO über das Palästinaproblem erörtert. v, Melbourne. (Our Way). Ein jüdischer Fahrgast erkannte unter den Reisenden des holländischen Schiffes „Johann de Wet“ den früheren Kommandanten eines Konzentrationslagers in Oesterreich. Der unter einem falschen Namen ^reisende SS-Mann wurde verhaftet und wi\d nach Europa überführt. Warschau. (Our Way). Das polnische Parlament verabschiedete eine Resolution, die allen polnischen Bürgern ohne Unterschied, der Rasse oder Religion gleiche Rechte sichert. Gleichzeitig wurde die Einberufung öffentlicher Kundgebungen, zur Aufklärung. der Schädlichkeit der rassen- und feligiösen Diskriminierung beschlossen. ‘ Der bisherige Direktor der Abteilung für jüdische Angelegenheiten 1 beim polnischen Außenministerium Prof. Olgierd Gorka wurde zum- Generalkonsul in Palästina ernannt. Als Vertreter- Polens bei der UNO-Kommission für Kriegsverbrechen wurde Oberst Muschkat, der Vorsitzende des „ORT“ in Polen, ernannt. Montreal, (Our Way). Das Mitglied des Parlaments Morris Hart erklärte, der Ministerpräsident von Kanada würde in Kürze die neue Einwanderungspolitik veröffentlichen, die alle bisherigen ^Erleichterungen noch -über-. Steigt. Hart erklärte dazu/ daß die Juden einen besonderen Anlaß zur Dankbarkeit haben -würden. Wie gleichzeitig aus London mitgeteilt wird, traf Brasilien eine Abmachung mit der internationalen Flüchtlingsorganisation, nach der Brasilien eine größere Anzahl Flüchtlinge aus den Lagern in Deutschland und Oesterreich aufzunehmen bereit ist. « London. (Reuter). Der Höhe Kommissar für Palästina, Sir Cunningham und der Oberbefehlshaber Gen. Mc Millan trafen in Lon-, don ein. Ein Sprecher des Außenministeriums lehnte eitle Stellungnahme zu den Gerüchten ab, laut deren Sir Cunningham' der britischen Regieruhg einen neuen Plan zur Vergrößerung der jüdischen Einwanderung und somit zu neuen Verhandlungen unterbreiten,- sollte. Ne\y York. (Dena). Die Vereinigten Jüdischen Organisationen in New York beginnen am 15. April mit einer Aktion zur Sammlung von 65 Millionen Dollar , zum Zwecke von . Unterstützung, Aufbau, Änsiedlung upd ziviler Verteidigung in Palästina. New-Delhi, (Our Way). Der Vizepräsident der zeitweiligen indischen Regierung Pandit Nehru eröffnete die erste Pan-Asiatische Konfe- Eine der schönsten 'Erzählungen, die Heinrich Heine der Nachwelt überlassen hat, ist die inhaltschwere Geschichte der Ritualmordhetze im grauen Mittelalter. Und in dieser Geschichte schildert er den frommen, gottesfürchtigeri Rabbi von Bachärach, der sich anschickt, , im trauten Familien- und Freundeskreis den -traditionellen Passah-Abend zu feiern, als, plötzlich zwei Gäste hereinkommen. Die alte jüdische Tradition will, daß an jenem. Abend „jeder Bedürftige komme und mitspeise“, und so ließ er sie' äm Tische Platz nehmen. Doch ihm ahnte nichts Gutes. Sie waren in große schwarze Mäntel gehüllt, und sie ließen etwas unter den Tisch gleiten. Der, Rabbi sah es und ’ erschauerte.' Er gab keinen Ton der Erregung von sich, sondern als'er* auf stand, .um sich den rituellen Waschungen zu unterziehen, nahm er sein . geliebtes Weib und entkam durch die Dunkelheit in die Gebirge des Rheinlandes. Und wenige ‘Stunden später begann .. die Metzelei der jüdischen Menschen in dem berühmten Bacharach am Rhein. So berichtet uns die Geschichte durch den Mund des großen Dichters Heinrich Heine. 1 1947. Vor mir liegt ein Femspruch der Landpolizei von Weiden-Oberpfalz. Ich glaube zu träuipen, aber es ist Wirklichkeit. In einem Zuge von Weiden nach Floss erzählten unbekannte Männer, daß. die Polizei in Weiden im jüdischen Komitee im Keller eine Knabenleiche gefunden hat, und diese sei bestimmt gewesen, um Mazzoth zu Pessach zu backen* Dieses ernst zu nehmen, hieße das deutsche Volk für dumm zu halten. Aber es zeigt eines, daß Brunnenvergifter am Werke sind, die die niedrigsten Instinkte des Volkes äufwühlen, um mit mittelalterlichen Greuelmärchenerneut Stellung zu nehmen, ge'gen den 'Rest jenes. Volkes, das nie untergehen wird Dös Bayerische Staatsministerium des Innern hat alles unternommen, um die Verbreiter des Gerüchtes festzustellen, und dm ein für alle Mal die . ganze Macht des Staatsapparates gegen diese Aufhetzer zum Rassenhaß anzuwehden. Aber damit allein ist es njcht geschehen. Jeder anständige Mensch wendet sich, mit Grauen und Empörung und tieferschüt- ' tert .von diesen Brunnenvergiftern,, die, 'ja nicht nur dort,' sondern selbst in unserer Lan-, deshauptstadt.. München ihr Unwesen treiben. Eine vom .Staatskommissariat . veranlaßte Spr'uchkammerverhandlung wird in den nächsten Tagen , zeigen, wie eine alte Parteigenossin in einem Wohnungsstreit angab, sie könne nicht rnjt Juden zusammen wohnen, da zum bevorstehenden Osterfeste die Befürchrenz . ' unter Beteiligung von 250 Delegierten aus zirka 20 Staaten und 9000 Gästen: In seiner Ansprache erklärte Nehru, daß die Konferenz keine antieuropäischen oder antiamerikanischen Ziele habe. Solange Asien nicht gebührenden Platz in der Weltpolitik einnehme, würde es keinen Frieden geben. An der Konferenz beteiligten sich auch Führer der muselmännischen Staaten, zirka 20 Vertreter der Sowjetasiatischen Republiken sowie jüdische Vertreter aus Palästina. Nach einer scharfen Diskussion über die Palästinafrage reichten sich die jüdischen und arabischen Vertreter die Hände und erklärten „Waffenstillstand“. ... Jerusalem. (United Press). Der Zionistische Voll'zugsrat. ernannte die . Mitglieder der Jewi$h Agency, Dr. Silver, Moshe Shertok und Dr. Nahum Goldmann als Vertreter der jüdischen ■ Interessen bei den UNO-Verhandlungen über Palästina. i' ' .' ' Jerusalem. (United Press.) Moshe Barasini, Mitglied der %„Sterngruppe“, würde wegen Besitz einer Handgranate zum Tode verurteilt.- Das Urteil wurde 5 Minuten vor ,Aufhebung des Kriegszustandes verkündet,. so daß ihm noch die' strengen Gesetze zugrunde lagen. Dies ist der 5. Fall, wo jüdische «■Extremisten für kleine Vergehen zum Tode verurteilt würden. Bisher wurde noch keines der Urteile vollstreckt. 4t1 Aus Bayreuth wird gemeldet, daß die syrische Polizei eine geheime jüdische Organisation entdeckte, die den, Schmuggel jüdischer Einwanderer nach Palästina trieb. 15 Juden 'Und 7 Beduinen wurden Verhaftet. Jerusalem. (Herald Tribüne). Der Beschluß der Palästinaregierung, daß alle Zeitungen die Unmittelbar nach Bekanntwerden des Bombenwurfes auf das Haus der „Opfer des Faschismus“ in Nürnberg, fanden in ganz Bayern Protestkundgebungen statt. In München, Nürnberg und Würzburg, sprach der Staatskommissar für' rassisch, politisch und religiös Verfolgte beim bayerischen Innenministerium, Dr. Ph. A u e r b a c hi Er führte aus: Herr Minister! Kameraden u. Kameradinnen! Wenn wir als Staatskommissariat für rassisch, religiös und politisch Verfolgte Sie zu einer Protestkundgebung eingeladen haben, so aus dem Grunde, weilwir der Oeffentlichkeit . zeigen wollen, däß wir nicht dafür da sind, Um mit uns ungestraft machen zu lassen, was die wiederauf lebenden Nationalsozialisten zu tun gedenken. — Geben wir einen ' kurzen Ueberblick auf die letzten zwei Jahre näqh. unserer sogenannten .6 tung bestehe^- daß Christenkinder geschlachtet Würden. Hat denn das deutsche Volk noch so viel Analphabeten, geistig Minderbemittelte und moralisch verdorbene Personen unter sich, daß es nicht einmal von sich aus gegen dieses Geschwür .des Antisemitismus vergeht? Man hat - vergessen, daß sechs Millionen Juden nicht nur geschlachtet, sondern vergast, zertrampelt und zerfleischt worden sind. Und heute will man diese .alten Greuelmärchen des Ritualmordes auf frischen, um. Stimmung zu machen. Glaubt denn ein vernünftiger Mensch daran, daß die Träger der Religion des alten Testamentes, die das Menschenleben als das höchste Gut betrachten und die per- - sönliche Freiheit' des Menschen nach' göttlichem Willen als unantastbar ansehen, überhaupt fähig wären, unschuldige Menschen zu morden? Ich rufe die Geistlichkeit aller Länder Deutschlands zum gemeinsamen. Kampf gegen die Brunnenvergiftuhg. Ich rufe die deutschen Antifaschisten und die anständigen Elemente deS:'deutschen Volkes zum gemeinsamen Kampf gegen, die, die erneut Unfrieden und, Unehre in das deutsche Volk hineiiitragen wollen. Man könnte denken, daß e^ besser sei, mit einer . verächtlichen Handbewegung diese Phanfasiegebilde - abzutün. Vielleicht ist es richtig. Aber wir wissen .genau, daß wenn diese Mitteilungen ins Ausland kommen, das Ansehen der deutschen Regie- ’ rung und des deutschen Volkes erneut in Mitleidenschaft gezogen' wird und deshalb halten wir uns verpflichtet, ’ der Welt kund zu tun, daß der weitaus größte Teil des deutschen Volkes mit derartigen Niedrigkeiten nichts gemein hat, daß die .deutschen Regierungen, wo sie auch sind, ihre oberste Pflicht darin sehen, gegen diese Verspritzung von Gift, Lug und Trug entscheidend vorzugehen. Das jüdische Osterfest -ist das Symbol ’&er Befreiung aus der Knechtschaft Aegyptens und in (heutiger Zeit die Befreiung aus der Sklaverei des Hitlerismus* Fern von allen Gedanken der Rache ünd des Hasses, fern von den Gedanken der Vergeltung, tief versunken in traurige, Gedanken an die sechs Millionen Opfer, erwarten die jüdischen Mitbürger die göttliche Gerechtigkeit und die irdische Sühne für die Schuldigen. Sie reichen jedem die Hand, der unbefleckt vom Blute ihier Brüder und Schwestern ist, und all denen, die wirk- lieh güten Willens sind,, zum Aufbau eines neuen, freien, demokratischen Lebens zu Dr. Philipp Auerbach, Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte beim Bayerischen'Innenministerium Bilder der 18 gesuchten Führer der „Irgun“ und ySterngruppe“ veröffentlichen müssen, rief in Tel-Aviv eine Krise unter den Journalisten. hervor. , Verschiedene Zeitungen, u. a. „Davar“, erhielten Warnungen, daß die Veröffentlichung der Bilder als Kooperation betrachtet werden würde. Nur ein Teil der Redakteure Rollten.'dem 'Verlangen der Regierung nachkommeii, andere erklärten, dies nur auf direkten Befehl des Generalsekretärs der Regierung, Sir Gürney, evtl, zu tun. Der Rest lehnte es ab, unter der Gefahr, das Verbot der Zeitung" herbeizuführen. Schließlich erklärten die meisten, daß die Ursache der Angriffe das Wjeißbuch sei und solange die Regierung die Einwanderung ■ und Bodeneinkäufe einschränkt, würde der Widerstand die passive Unterstützung der Bevölkerung genießen. Jerusalem. (Palcor). Unter Beteiligung - von Vertretern der Jewish Agency, des Nationalrates .und American Joint tagte das Erziehungskomitee für die Diäsporaländer. Namens der, Jewish Agency erklärte Elijahu Dobkin, daß eine Einigung obiger Organisationen in der Frage' der Erziehung der jüdischen Kinder in. Europa erzielt wurde. Nachdem er über die Verhandlungen; mit dem Joint-Direktor für Europa Dr. Schwartz berichtete, wurde beschlossen, 200 Lehrer aus Palästina nach Europa, zu entsenden. Die erste Gruppe von 100 Lehrer . wird in-Kürze "in Deutschland, Oesterreich und Italien eintreffen. Die Wahl der Kandidaten' ist bereits im . Gange. Laut der .erzielten Vereinbarung, deckt der American Joint die Unkosten für Bücher lind Instrumente, sowie für Unterhalt der Lehrer. Befreiung.. Wir kamen aus den Lagern, zerlumpt, aber nicht an Geist gebrochen, ’ mit einem Kampfeswillen ' und voller Hoffnung auf die Versprechungen, die uns durch den Aether zuflogen. Wir gigübten,; ein Deutschland vorzufinden, welches sich frei gemacht hat, von dem Ungeist der .lfetzten zwölf Jahre, Und in dem ersten Jahre, als der gewaltigste Zusammenbruch, den jemals die Geschichte gesehen hat,' auf allen .lastete, wagten es die Maulwürfe nicht, aus den Reihen.zu kommen. Und dann begann man die Entnazifizierung. Es rauschte im Wälde, einige zitterten wie Espenlaub,' weil ihr schlechtes Gewissen sie drückte, weil. im Hintergrund ihrer Gedanken die blutgetränkten Gesichter der Ermordeten und vergasten Opfer der Konzentrationslager wieder auftauchten und weil mancher sich sagte, ich habe jenen denunziert,-ich habe jenen seinen ■ Henkern ausgeliefert, und ' weil einige .so viel Ehrlichkeit auf brachten, daß sie sich selbst zermarterten, weil sie eben des Vorwurfes sich nicht erwehren konnten, , daß sie selbst schuldig waren, durch ihre Mitgliedsbeiträge die Partei gefördert zu haben, die das. Unglück über Deutschland brachte. Dann kam das zweite Jahr nach der Befreiung, dann kam der Ruf nach den unschuldigen Mitläufern, dann kam der Schrei der Hin- : eingepreßten. Wir Wollen als politisch und rassisch Verfolgte nicht verkennen, daß es tatsächlich eine große Anzahl Menschen gibt, die aus ihrer Charakterschwäche heraus sich - selbst hineinpreßten, weil sie glaubten,' den.wirtschaftlichen Anschluß zu versäumen. Heute sollen wir mit ihnen gleichgestellt wer-, dep. Wir, die wir bis zu 12 Jahren in Konzentrationslagern .verbrachten, wir, von denen kaum einer ohne ein körperliches Gebrechen oder inneres. Beiden die Jahr^ der Haft . und Entbehrung überstanden hat. Man will uns sogar auf dasselbe Kennkartenlöchsetfcen, um damit zu dokumentieren, daß wir als politisch und rassisch Verfolgte und Opfer der .Konzentrationslager nicht mehr Ansprüche zustellen haben, als diejenigen, die die Charakter-, schwäche in die Partei hineingetrieben hat. Wir wollen nicht Millionen von Menschen verdammen und von uns weisen, aberwir wollen ihnen die Zeit lassen über ihre Charakterschwäche nachzudenken und uns dagegen schützen, daß sie ein zweites und drittes Mal in gleicher Weise schwach werden. 'Man sagt uns politisch; und rassisch Verfolgten nach, wir fordern’ für uns Sonderrechte. Wir fordern' keine Sonderrechte, sondern nur Recht. Und unser Recht besteht darin, unseren Lebensstandard von 1933 wieder herzustellen, den uns brutale Gewalt zertrümmerte. Unser Recht besteht darin, nicht als Almosenempfänger der Wohlfahrt dazustehen, unser Recht besteht darin, unseren Bedarf an Nahrung und. Kleidung dem anzugleichen, was uns durch die Jahre der Entbehrung und des Raubs fortgenommen wurde. Wir Hiben in die' Welt hinausgerufen, daß wir an dem Wiederaufbau Deutschlands teilnehmen werden und auch die schweren Lasten des Wiederaufbaues mittragen werden. Aber wenn wir an einem Wid-' deraufbau teilnehmen, dann, nur an dem Wiederaufbau eines neuen, freien, demokratischen Deutschlands. Und dann kommt in uns die bange Frage, wie sieht denn dieses neue demokratische Deutschland, aus. Man beginnt mit Bombenattentaten auf Spruchkammern. Ein Oeffentlicher Kläger hat bereits* unter Kugeln sein Leben lassen müssen, und man versucht, es als Raubmord : der Oeffentlichkeit schmackhaft zu machen. Mgn versuchte, in Hamburg Sprengstoffe in einer Versammlung der Verfolgten, des. Naziregimes zu legen und es wurde verraten. Und .wiederum ist Nürnberg ein Fanale, daß dieses neue Heim für die Opfer des Faschismus eine Sprengladung erhalten muß von Bubenhänden.1 Naziversuchte Gehirne glaubten hier wieder; damit beginnen zu können, Unruhe in die Bevölk'erung hineinzubringen, durch Bombenwürfe und Sprengstoffattentate. So begann .eg 1928 in Norddeutschland und nach . diesen Bombenattentaten, die' 1t. Zeitungsberichten nur Sachschäden verursachten, kamen die' Meuchelmorde und nach den Meuchelmorden die faschistische Diktatur und - ^dann Blut, Elend, »Terror ' und Trümmer. Wir wollen nicht mehr unser Volk in ein neues Elend hineinrennen lassen. Diejenigen, die glauben, mit Soldatenspielerei, mit Meuchelmorden und- Tyrannisierung ihrer Mitmenschen sich ein besseres Leben schaffen zu können, müssen sich ein für-alle Mal gesagt'sein lassen, daß die. Zeit vorbei ist. Als die Bombe in Nürnberg explodierte, kam in uns das Bewußtsein hoch; — bis 'hierher und, ‘ nicht y weiter! Wir Anti-; . Harry. Klein Schon mal‘n sie wieder Sprüche an die Zäune und bohren kleine Löcher ins Gesetz' Und ritzen ihre krummen Hakenkreuze In alle nur erreichbaren Klisette. Sie. grüßen sich mit neuerfund'nen Zeichen Und helfen .sich mit kriegserworb‘nem Geld. .Und alle Tage bringen ihre Weiber Ein frischgebackenes Gerücht zür ' Welt. Sie schenken _ ihren Kindern Bleisoldaten Und falten heimlich Helme aus Papier Und tragen aus Prinzip nur Reiterhosen, Damit man merkt, sie waren Offizier. Sie reißen nachts Plakate von den Säuler und kratzen neue Straßennamen ab , Und nennen unsre altgeword'ne Jugend, Die si e auf dem Gewissen haben „schlapp“. Sie spotten über'Kunst, die sie nicht fassen, Und lügen über Männer, die' Sich müh‘n Den nur Von ihnen so verfahr'nen Karren So langsam wieder aus.dem Dreck zu zieh'n. Sie führen sicherlich schon Schwarze Listen Und denken an ein gut vergrabenes Beil, Und da sie wieder Morgenlüfte,wittern, So sagen sie (aus Versehen) manchmal „Heil“. Ihr haltet sie, wie einst, für große Kinder, ,Für harmlos irr — für geistig ausgebombt . . . Ihr solltet wirklich nicht so schnell vergessen Und dies Gewürm zertreten und zerpressen, Damit es nicht noch einmal soweit kommt! > * J « faschisten, rassisch, religiös upd,’ politisch Verfolgte bilden eine 'Einheitsfront,' zusammenyo-; ■schweißt mit dem Blut der I^opzentrations-I lager, aus der Not der letzten zwölf Jahre und' durch das -gemeinsame Erleben der erlittenen; Torturen'. Wir wissen genau, aus welchen- Kreisen die Bombenwürfe stammen. Wir wer-; den sie zu finden wissen ünd wir werden nicht zulassen, . daß Bubenhände die junge Pflanze der deutschen Demokratie knicken können, oder gar verderben.- - . 'Wir füllen uns. als Garanten des neuen, demokratischen Staates und wir haben unseren; 11 Millionen Toten, bevor wir die Lager verlassen haben, einen heiligen Eid geschworen, einen Eid, der über die Landesgrenzen hinaus durch ganz Europa ging, als wir uns trennten von den Kameraden, die mit uns gemeinsam Leid und Elend erduldeten, und dieser Eid gipfelte in den Worten „und wenn sie auch wimmern, bleibt eisern und ' kalt, denkt an die Toten von Buchenwald!“ * * * Es ist außerordentlich bedauerlich, daß diese Kundgebungen einzig unef allein nur von den Verfolgten des Hitlerregimes ‘ einberufen werden Und däß bisher eine Meldung von einer spontanen Kundgebung nicht an uns gelangt ist. Es ist besonders bedauerlich, daß aus der ganzen britischen Zone . keine einzige. Meldung vorliegt, die auch nur. einem Protest gegen diese Bubenstreiche ähnelt. Forderung auf Liquidierung der jüdischen ' Läger in Deutschland In einer Massenkundgebung,* die dieser Tage in München stattfand, und die in allen .jüdischen Centrep wiederholt Wurde, wurde in aller Deutlichkeit von allen Rednern sofortige Liquidierung aller jüdischen Läger in Deutschland und , die freie Einwanderung nach. Palästina gefordert. Zugleich wurde eine entsprechende Resolutionen die Moskauer Außenministefkonferenz gerichtet. * NEUERSCHEINUNGEN In London wude über die ersten drei Jahr» der Leo Baeck Lodge, von der B‘nai B"fith herausgegeben, ein Bericht veröffentlicht* der über die kulturelle Tätigkeit . der Loge und ihre Hilfstätigkeit Rechenschaft ablegt. , , . ' 4» ft * Das Hauptquartier der Jewish Relief Unit in' Deutschland; hat eine Broschüre „Jews in Eut-ope“ (Juden in Europa) herausgegeben, die die vielseitigen und Schweren Aufgaben der I.R.U, in, Wort und Bild schildert. * * * < „Studies in Bjblical Law“' (Studien über biblisches Gesetz) von David Daube erschien in England im Verlag: Cambridge Univ^rsity Press. ' UH