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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Nr. 26 Beiblatt WIRTSCHAFT DER WOCHE 25. Juni 1936 Jüdische Genossenschaftsbanken II. Wir freuen uns, daß uns auf Grund unseres ersten Artikels in Nr. 24 der „C.-V.°Ze:tung" «unmehr auch der Geschäftsbericht der Jwria- Bank in Stettin für 1935 zugegangen ist, so daß wir ihn in den Kreis der Betrachtungen dieses zweiten Artikels mit einbeziehen können. Der Bericht ist vom März 1936 datiert. Bei dem großen Interesse, das die jüdische Oesfentlichkeit heute allen Erscheinungen des jüdischen Lebens und aus wirtschaftlichem Gebiet vor allem den Genossenschaftsbanken „als Organen wirklich konstruktiver Selbsthilfe" entgegenbringt, wäre es gut, wenn die einzelnen Institute ihre Geschäftsberichte der jüdischen Presse bald nach Erscheinen zugänglich machen würden. Das konnte die Aktualität der Berichterstattung wesentlich erhöhen. Ueber die Iwria-Bank in Stettin bleibt nunmehr zum ersten Artikel noch nachzutragen, daß sich ihr Gesamt- BANKHAUS ADOLF KASSEL Frankfurt a. M ^Arndtstrasse50 r\ Tel. Sa.-No. 71244 Umsatz von rund 9 Millionen NM im ersten, nur neun Monate umfassenden Geschäftsjahr 1934 aus rund 36 Millionen 1935 und die Bilanzsumme von 0,34 auf 0,78 Millionen RM erhöht hat. Sie hat einen Neinzugang von 81 Mitgliedern und eine Verdoppelung der Geschäftsanteile auf insgesamt 218 Genossen mit 414 Anteilen zu verzeichnen. Die Entwicklung war also hier die gleiche wie bei den anderen behandelten Instituten. Der noch etwas stärkere Ausschlag nach oben dürfte damit zusanrmenhängen, daß bei dieser Bank das Jahr 1935 das erste volle Arbeitsjahr war. Die Aussichten sür das laufende Geschäftsjahr werden auch von der Iwria-Bank Stettin als günstig beurteilt, allerdings mit der erstmalig zu vermerkenden Einschränkung, daß sich die natürliche Begrenzung ihres Wirkungskreises bemerkbar zu machen beginne. Die Verwaltung ist sich bewußt, daß die durch die Zeitverhältnisse bedingte Schrumpfung der jüdischen Wirtschaft auf längere Sicht sich auch aus ihr Unternehmen auswirken muß. Es müsse der Zukunst überlassen bleiben, inwieweit es gelingen werde, hierfür einen gewissen Ausgleich zu schassen, etwa durch Geschäfte, die mit der Transferierung des Vermögens jüdischer Auswanderer zusammenhingen. Wenn wir nunmehr versuchen, an Hand der uns zur Verfügung stehenden Bilanzzahlen etwas mehr nach innen zu dringen,' so muß auch hier darauf hingewiesen werden, daß insofern nicht ganz vergleichbare Größen nebeneinander gestellt werden, als bei zwei Instituten (Kreditverein sür Handel und Gewerbe, Iwria-Bank, Berlin) die Abschlüsse sür 1935 noch immer nicht vorliegen, während bei den Banken in Leipzig und Chemnitz, und nunmehr auch Stettin, bereits die Bilanz sür 1935 berücksichtigt werden konnte. Eine der ersten Fragen bei Betrachtung einer Bankbilanz ist die NPh der Liquidität und bei Genossenschaftsbanken ist sie von besonderer Bedeutung. Mit Recht weist die Berliner Iwria- Bank in ihrem Bericht darauf hin, daß eine Genossenschaftsbank in höherem Grade als andere, insbesondere Großbanken, von Stimmungen abhängig sei, und daß sie sich deshalb jederzeit in so hinreichendem Maße flüssig halten müsse, daß sie auch abnormen Geldabzügen mit Leichtigkeit entsprechen könne. Hierbei gilt es für diese Banken einen gesunden M i t t e I w e g zu finden, denn eine übermäßige Vorsicht bei der Kreditvergebung mit Rücksicht auf die Liquidität liegt nicht im Interesse der Kunden und Mitglieder, deren Verhältnis zur Genossenschaftsbank ja in vielen Fällen darauf abgestellt ist, daß die den Banken in der Form der Einlagen zufließenden Gelder in erheblichem Umfange anderen Einzelwirtschaften wieder als Kredite zugeführt werden. Es scheint, daß es bei den betrachteten Instituten gelungen ist, diesen Mittelweg zu finden. Ausschlüge nach der einen oder anderen Seite, die an den Bilanzstichtagen auch hier zu beobachten sind, dürsten mit Sonderumständen Zusammenhängen. So zeigt z. B. die Iwria-Bank in Leipzig am 31. Dezember 1935 eine besonders hohe Liquidität von 94 Prozent, was aber — woraus wir bei der Abschlußbesprechung schon hingewiesen haben — nicht der Durchschnittsstand sein dürfte, sondern zu einem erheblichen Teil seinen Grund in dem Saisoncharakter des Rauchwarengeschäfts, mit dem die Bank besonders eng verbunden ist, zu haben scheint. Das ergibt sich auch aus dem Geschäftsbericht, in dem als Grund sür die übergroße Liquidität am Bilanzstichtag neben einer vorsichtigen Kreditpolitik prompte saisonmäßige Kreditrückflüsse angegeben werden. Immerhin wäre es interessant und aufschlußreich, wenn diese Bank auch den Stand ihrer Liquidität zu anderen Zeiten des Jahres im Bericht bekanntgeben würde, um dem Betrachter ein richtiges Durchschnittsbild zu vermitteln, — Der Abschluß und das Bilanzbild des Kreditvereins sür Handel und Gewerbe, Berlin, für 1934 ist bereits durch die im August 1935 erfolgte Widerrufung des 1932 unter gewissen Auflagen bewilligten Reichszuschusses von 30 000 Mark beeinflußt worden. Die Verwaltung wies in ihrem Bericht darauf hin, daß — obgleich die Rückziehung erst im ^Laufe des Jahres 1935 erfolgte — sie sich troßdem veranlaßt gesehen habe, diesen Vorgang im Abschluß sür 1934 bereits zum Ausdruck zu bringen. Dadurch hat sich auch der Verlust um diesen Betrag erhöht und man wird annehmen können, daß auch die Geschäfts- Politik des Instituts davon beeinflußt worden ist. Der Abschluß für 1935, der noch nicht veröffentlicht ist, wird zeigen, wieweit es gelungen ist durch Heranziehung neuer Mitglieder und Einlagen, sowie durch eine sonstige Ausdehnung des Geschäfts die materiellen Grundlagen der Bank zu erweitern. Der erst in der zweiten Jahreshälfte 1935 erstattete Bericht sür 1934 läßt erkennen, daß hier anscheinend gute Fortschritte erzielt werden konnten. Wir haben darauf bereits im ersten Aufsatz hingewiesen. — Bei der Iwria-Bank in Stettin wird im Bericht ausdrücklich daraus hingewiesen, daß neben der Kreditgewährung, bei der dem Erfordernis ausreichender Sicherheit sorgfältig Rechnung getragen worden sei, auf die Aufrechterhaltung einer hohen Liquidität Gewicht gelegt wurde. Ueber. den Stand zum Bilanzstichtage unterrichten die in der weiter unten stehenden Tabelle aufgenommenen Ziffern. Bei der Iwria-Bank in Berlin wurde sür Ultimo 1934 eine Liquidität von 43 lA Prozent errechnet. Darüber hinaus wies der Bericht darauf hin, daß 64 Prozent aller Kredite aus dem Eigenkapital einschließlich Reserven und den länger laufenden festen Geldern bereitgestelltworden sind, während nur etwa ein Drittel der Einlagen in laufender Rechnung und der kurzfristigen Gelder zur Hergabe von Krediten verwandt worden sei. Wir haben nachstehend den Versuch gemacht, die Bilanzen der fünf Institute, die wir unserer Betrachtung Zugrunde gelegt haben, in ihren wichtigsten Posten auf der Aktiv- und Passivseite zusammenzufassen, um einen Gesamtüberblick zu ermöglichen. Es muß hierbei aber nochmals aus die Verschiedenartigkeit der Bilanztermine der drei ersten und der beiden letzten Institute hingewiesen werden. Bei den letzteren wird sich sür 1935 eine entsprechende Erhöhung der Ziffern ergeben. An dieser Stelle sei eingeschaltet, daß, wie uns weiter mitgeteilt wird, sich die Gesamtbilanz zumal der Jwria-Banken Ende 1935 auf rund 8 Millionen Mark belief gegen 3,33 Millionen Mark Ende 1934. Institut (i. Mill. Mark) Barmittel (Kasse, Schecks, Wechsel, Weripap.; Bank- und Postscheck Schuldner Gläubiger Spar- . einiagen. rj SP äp^ Reserven n. Rückstände Pvma-Bk,, Leipzig.... 0.78 0.44 0.15 1.16 0.08 0.04 0.015 Iwria-Bk., Chemnitz .. 0.19 0.81 .0.16 0.56 0.05 0.04 0,006 Iwria-Bk. Stettin .... 0.13 0.29 0.35 0.6 0.12 0.05 0.006 Iwria-Bk., Berlin(:1934) 0.38 0,17 0.90 1.17 0.09 0,14' 0.03 Kreditverein(1934) 0.05 0.04 0.29 0.335 0.08 0.024 Diese Zahlen zeigen auch in der Zusammenziehung (also ohne Berücksichtigung der Fällig- .keitstermine, die der Uebersichtlichkeit halber weggelassen wurden), daß an allen Stellen des jüdischen Genossenschaftswesens der wichtigen Frage der Liquidität offenbar die genügende Beachtung geschenkt, daß andererseits aber auch die Ausgabe als Kreditinstitut für die angeschlvssenen Einzelwirtschaften darüber nicht vergessen wird. Gleichzeitig vermittelt die Zusammenstellung einen Ueberblick über die bilanzmäßige Struktur der jüdischen Genosseuschaftsbankew, wobei wohl angenommen werden kann, daß sich auch bei den Instituten, bei denen gar keine oder die Abschlüsse für 1935 noch nicht vorliegen, etwa das gleiche Bild ergibt. Recht interessant ist dabei übrigens, daß offenbar auch die Spareinlagen, die an sich im Rahmen der Ziffern noch keine übermäßige Rolle spielen, im Anwachsen begriffen sind. Das ergibt eine Zusammenstellung bei der Iwria-Bank, Berlin, die bis Ende 1934 folgende Steigerung zeigt: Ende 1932 rund 11 000 RM, Ende 1933 rund 26 500 und Ende 1934 rund 91 000 RM. Man darf gespannt sein, welchen Betrag der Geschäftsbericht für 1935 nennen wird. In den ersten fünf Monaten 1935 hatten sich die Sparkonten jedenfalls um iveitere rund 16 000 Reichsmark vermehrt. Auch die anderen Banken berichten über einen fortschreitenden Anstieg der Einlagen auf Sparkonten, wenn auch leider ohne nähere Angaben. Ein weitere Artikel, der sich mit der Ertragsgestaltung der jüdischen Genossenschaftsbanken befassen wird, folgt. 8. Vf—1. Industrielle Besitzverlagerungen Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich die „Frankfurter Zeitung" in einem umfangreichen Artikel (Handelsblatt der Sonntagsausgabe vom 21. Juni) mit den Besitzverschiebungen, die sich in der deutschen Wirtschaft im Laufe der letzten drei Jahre bei industri-ellen Objekten vollzogen haben und mit den Gründen, die dazu führten. Nachdem sie auf verschiedene andere Gründe der Besitzverlagerung hingewiesen hat, schreibt sie' „Neben diesen Fällen gibt es auch Angebote von Aktienpaketen oder anderen Be'itztsteln, die sich aus der Durchsetzung weltanschaulicher Grundsätze über die rassischen Voraussetzungen der Wirtschaftstätigkeit ergaben. Es handelt sich dabei zwar zu einem großen Teil um kleinere Handelsunternehmungen oder solche Firmen, die ein Zwischenglied zwischen Handel und Industrie bilden (Konfektion), aber auch manches größere Jndustrieobjekt ist deshalb zum Verkauf gestellt worden. Auch hat die allgemein in der Welt zunehmende Einschränkung internationaler Beziehungen dazu geführt, daß einerseits die deutsche Industrie Auslandsinteressen und andererseits das Ausland inländische Stützpunkte preisgab. Berücksichtigt man alle diese Faktoren, so wird verständlich, warum die Geschäfte mit Aktienpaketen in den letzten Monaten ein Ausmaß erlangt haben, wie man es bisher nur von den Jnslationsjahren her kannte. Wir versuchen über diese Entwicklung einen Ueberblick zu bieten, die am Schluß dieses Aufsatzes zum Abdruck gebracht ist." In dieser „Chronik der Besitzveränderungen", die sich dem Artikel anschließt und die die Zeit von Mitte 1933 bis Mai 1936 umfaßt, sind auch eine Reihe größerer Firmen zu finden, die aus jüdischem Besitz in andere Hände übergegangen sind. Das Blatt betont die Ünvollständigkeit der Zusammenstellung u. a. mit folgenden Worten: „Sie kann nur unvollkommen sein, denn gerade die große Zahl der kleineren Besitzveränderungen entzieht sich der öffentlichen Beobachtung, und auch größere Verlagerungen sind nicht immer der Allgemeinheit bekannt geworden." daß für sie eine Fühlungnahme mit der Reichsbank, den Devisenstellen und den Finanzämtern .; wegen Klärung der devisenrechtlichen In- und j Ausländereigenschaft notwendig wäre. Steuer- und Devisenerleichterungen für Reisende aus Uebersee > Durch Erlasse des Reichsfinanzministers waren, wie die Tagespresse berichtet, bereits alle Personen aus außereuropäischen Ländern, die seit dem 31. Oktober 1935 zugereist sind, für die Dauer eines Jahres von der Heranziehung zur inländischen Besteuerung befreit worden. Nunmehr werden, wie es in den Zeitungen weiter heißt, durch einen Nunderlaß der Reichsdevisenstelle alle Personen aus außereuropäischen Ländern, die zwischen dem 1. Februar und 1. August 1936 ins Inland eingereist sind oder einreisen, für die Dauer eines Jahres hinsichtlich ihres ausländischen Vermögens und Einkommens auch von sämtlichen Beschränkungen der deutschen Devisengesetzgebung befreit. Diese Befreiung gilt ebenfalls für ihre freien Währungs- und Reichsmarkguthaben, nicht dagegen für Sperrguthaben, die etwa zu Lasten der sreigestellten ausländischen Werte erworben worden sind. Die beiden Erlasse haben den Zweck, den O l h m p i a - R e i s e n d e n ein längeres Veriveilen in Deutschland zu ermöglichen, ohne Notizbuch des Kaufmanns Die Internationale Handelskamm e r hat die Behandlung der Wirtschaftswerbung einem Sonderausschuß übertragen, der am 18. Juni zum erstenmal in Paris zusammentrat. Dem Präsidium dieses Ausschusses gehört Dr. Reichard, Präsident des Werberates der deutschen Wirtschaft, an. Auf der Tagesordnung steht u. a. dessen bekannter Vorschlag auf Einrichtung einer Werbeschiedsstelle zur Unterbindung des Werbemißbrauchs im internationalen Handel. Die deutsche Gruppe der Kammer wird bei den Verhandlungen außerdem von Direktor Schütte, Köln, vertreten sein. * Die Reichsbetriebsgemeinschaft „Handel" in der Deutschen Arbeitsfront hat laut Tagespresse eine R e i ch s f a ch g r u p p e „K a u fm ä n n i s ch e s H i l f s g e w e r b e" eingerichtet, die sür folgende Gebiete zuständig ist: Auskunfts¬ und Jnkassowesen, Detekteien, Adressenverlagsgewerbe, Bogen- und Daueranschlag - Unternehmungen, Buchmacher- und Lotterie-Gewerbe, Automaten-Aufstellungsgewerbe, Zeitschriftenvertriebc, Pachtgewerbe sowie Verleih- und Vermietungs - Betriebe (z. B. Autovermietungen, Leihbüchereien, Lesezirkel usw.). Die Fachgruppe soll in Fachschasten aufgeteilt werden. Französischer und englischer Fachwortschatz der Bekleidungsindustrie Aus der Erkenntnis der Notwendigkeit für den Auswanderer, sich neben einer allgemeinen Kenntnis fremder Sprachen vor allem die Spezialausdrücke seines Berufes anzuzeigen, gibt Oskar Loewenthal im Selbstverlag, Berlin W 50, Ansbacher Straße 25, ein englisch- , deutsches und ein französisch-deutsches Fachf ■ Wörterbuch heraus, das den Fachleuten die gebrüuchlichen Ausdrücke der Bekleidungsindustrie \ ( vermittelt. Die Worte sind nicht alphabetisch, son- - dern nach sachlichen Gesichtspunkten in Gruppen /s geordnet. Auf knappem Raum (64 bzw. 88 Seiten) wird dem Fachmann eine Sprachgrundlage geboten, die seinem Berufsleben sehr förderlich sein kann. In einer neuen Auslage müßten einige Druckfehler beseitigt werden. g. Blick in die Wirtschaft Berlin, 23. Juni. Der neue Vierteljahrsbericht des Instituts für Konjunkturforschung bietet wieder eine Fülle von Material, und zwar nach den verschiedensten Richtungen. Sv wird zur deutschen Wirtschaftslage im verflossenen Frühjahr festgestellt, daß in vielen Zweigen der Produktionsgüterindustrien, so im Maschinenbau, im Schiffbau usw. der Auftragsbestand gegenwärtig so beträchtlich sei, daß für das ganze laufende Jahr ein hohe Beschäftigung 'gesichert ist. Darüber hinaus sei die jüngste Wirtschastsentwicklung auch durch eine Belebung in den Zweigen der Verbrauchsgüterindustrien gekennzeichnet, die seit 1933 unter Sondereinflüssen standen und zeitweise hinter der allgemeinen Aufwürtsbewsgung zurückgeblieben ivaren. Unter dem Einfluß dieser Tendenz hätten die Großhandelspreise sür Konsumgüter von ihrem Krisentiefpunkt bis zum Frühjahr 1936 um rund 15 Prozent ungezogen. Darauf, daß Verbrauchsumsütze, Einkommen und Geldumlauf gegenwärtig in anderen Verhältnissen zueinander stehen als früher, sei, so sagt das Konjunkturforschungsinstitut, von ausländischer Seite hingewiesen worden, um daraus auf das Vorhandensein inflatorischer Erscheinungen zu schließen; demgegenüber wird betont, daß dieser Schluß fehl geht. Die langen Zählungssristen, die noch vielfach in der Ausfuhr gewährt werden müssen, verhinderten eine sofortige entsprechende Erhöhung der Rohstofsbezüge aus den betreffenden Ländern; zu einem beträchtlichen Teil stellen danach die deutschen Exporte gegenwärtig Vorleistungen dar, aus die erst in späterer Zeit Gegenleistungen erfolgen werden. Es kann hier natürlich nur auszugsweise auf die Beweisführung des Instituts gegenüber den ausländischen' Stimmen aufmerksam gemacht -werden. Zur binnenwirtschastlichen Entwicklung wird vom Institut sür Konjunkturforschung selbstverständlich auf die weitere, durch die Veröffentlichungen in der Tagespresse bekannte starke Herabminderung der Arbeitslosenziffer verwiesen. Zur weltwirtschaftlichen Entwicklung wird für die Berichtszeit ausgesührt, diese Entwicklung habe erneut bestätigt, daß sich die Aufschwungstendenzen inr Vergleich zu den ersten Jahren der Erholung bedeutend verstärkt und gefestigt hätten. Ob das auch sür die Zeit nach dem Abschluß des Berichtes des Konjunkturinstituts zutrisft (also für das zweite Vierteljahr 1936), läßt sich heute noch nicht endgültig sagen. Doch hatte man in den letzten Monaten wiederholt den Eindruck, daß in der weltwirtschaftlichen Aufschwungstendenz da und dort eine Stockung eingetreten sei. Vielleicht gewinist man stimmungsmäßig durch den in der nächsten Woche fälligen Halbjahresbericht der Reichskreditgesellschast, der stets sehr eingehend zu den weltwirtschaftlichen Problemen Stellung nimmt, ein klareres Bild. Jedenfalls aber ist es durchaus richtig, wenn das Konjunkturinstitut sür die ersten Monate des laufenden Jahres feststellt, daß besonders in den Vereinigten Staaten, die seit etwa einem Jahre das Zentrum des weltwirtschaftlichen Konjunktur-Aufschwungs bildeten, Produktion und Umsätze erneut gestiegen seien. Weiter heißt es u. a., die wachsende Aktivität der Wirtschaft, vor allem die private Jnvestitions- \ tätigkeit sei dabei nach wie vor die Hauptträgerin der Belebung. Ueberhaupt sei der Anteil der rein , ökonomischen Faktoren an der gegenwärtigen Verstärkung des weltwirtschaftlichen Aufschwungs weit stärker als etwa jene Deutungen zugeben, die in : ihr hauptsächlich eine Folge der erhöhten inter- ' nationalen Rüstungen seien. Es wird dann aller- ) dings hinzugesügt, daß freilich neue Schwierig- / feiten im Goldblock ausgetreten sind, vor allen: in \ Frankreich, wo die angespannten Finanzverhält-' nisse im April zu der neuen Währungs- und Kre-. ditkrise geführt hatten. Die augenblicklichen An-/ strengungen der französischen Regierung, vori allen: das ausgewanderte Gold wieder zurückzu-j holen, dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Jedenfalls kommt das Konjunkturinstitut abschließend zu der Auffassung: Alles in allem * trete die Weltwirtschaft unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen in das vierte Jahr ihres . Aufschwungs. Auch der frühere Landesfinanzamtspräsidenks Schwarz vertritt in seinem beachtlichen Aufsatz) „Weltfinanzjahr 1935" die Meinung, trotz der Sanktionen gegen Italien hätten die weltwirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt seit Beginn der zweiten Hälfte des Jahres 1935 einen weiteren kräftigen Schritt vorwärts getan. In diesem im „Bankarchiv" veröffentlichten Artikel fügt er. allerdings gleich hinzu, daß aber so wie im Vor-/ jahre auch diesmal die Besserungen in den Binnen-/ wirtschaften bei weitem die Belebung der Außen-/ Wirtschaft, des Welthandels, übertrasen. Was? diese Binnenwirtschaften anbelange, so habtz sick/ :n vielen Rohstoffländern der weitere RückgaH , der Weltvorräte an Rohstoffen und die zunehmende Nachfrage seitens der im Aufschwung be- ■ grstsenen Industrieländer bei steigenden Preisen vorteilhaft geltend gemacht. In der Landwirt-! schaft hätten sich sowohl in den Agrarwie auch; in den meisten Industrieländern die zahlreichen . Sanierungs-, Entschuldung- und Marktregelungsmaßnähmen,der letzten Jahre günstig ausge-/ wirkt. Diese Besserung der Verhältnisse in der > Urproduktion habe die Kaufkraft der betreffenden! Berufskreise gestärkt und auf den industriellen! Wirtschaftssektor Zurückgewirkt. Präsident Schwarz führt schließlich als nicht minder wichtige Ursachen für die gewaltige Steigerung der Industrieproduktion in der Welt an: die weiter stark steigende Industrialisierung der Agrar- und Rohstoffländer, das förderlich sich auswirkende Ver- > tragswerk von Ottawa sür England und seine!■ Dominions und die auch den Dominions zugute : kommende Zinssenkungspolitik; auch die Währungsentwertung habe nach Ansicht von Schwarz für viele Länder weitere Vorteile gebracht, worüber bekanntlich die Meinungen sehr geteilt sind. Präsident Schwarz legt dann noch dar, vor ‘ allen Dingen sei es aber auch die in Deutschland / und den Vereinigten Staaten und nach deren Bei-, spiel in vielen anderen Ländern aus öffentlichen - Mitteln betriebene aktive Konjunkturpolitik ge-/ wesen, die Vornahme und Förderung öffentlichen Arbeiten aller Art, die die Industrieproduktion gewaltig anregte. '»3!

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