Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 26 (25.6.1936)
- Date
- 1936-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-9449481-9449391--10527-9449166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Immer wieder Ausschreitungen Der Beginn .der Berichtswoche ' zeigte ein deutliches Abebben der Gewaltakte. Zwar wurden in der Nacht vom 16. zum 17. Juni in verschiedenen Teilen des Landes Angriffe gegen jüdische Siedlungen gerichtet, die jedoch ohne Verluste auf der Seite der Angegriffenen abgeschlagen werden konnten. Und auch sonst kamen die nächtlichen Schiessereien, Bombenwürfe mit und ohne Explosion, Beschädigungen an Bahnlinien, durchschnittene Telephonleitungen und Versuche, bewaffnete Ueberfälle auf Polizei und Truppen zu verüben, nicht ganz zur Ruhe. Aber im allgemeinen ist doch ein Nachlassen der Zwischenfälle zu bemerken. Auf Grund des von der Regierung gestellten Ultimatums wurden auch am 18. Juni in Haifa zahlreiche arabische Geschäfte wieder geöffnet. Leider aber war an diesem Tage, an dem ausser einem Bombenanschlag auf das Haifaer Rathaus, der Beschiessung eines Zuges auf der Strecke Lydda—Jerusalem, und einem Bombenanschlag auf einen Autobus, grössere Terrorakte nicht gemeldet wurden, ein weiteres jüdisches Todesopfer — das einunddreissigste — zu beklagen: Der vor einigen Tagen von Arabern durch Schüsse aus dem Hinterhalt schwer verwundete Chauffeur eines Milchautos der Produktionsgenossenschaft „T’nuwa“ Abraham Ben Jehuda, erlag seinen Verletzungen. Ben Jehuda, der 42 Jahre alt war, stammte aus Sosnowice (Polen). Auch der Anschlag auf den Autobus, der auf der Strecke Rischon le Zion—Tel-Awiw erfolgte, hatte ein Todesopfer zur Folge: der 28jährige Leiter der Gerberei „Leviathan“, in Rischon le Zion, Josef Schefter aus Wien, wurde so schwer verwundet, dass er tags darauf im Hadassakrankenhaus in Tel-Awiw, starb. Ausser ihm waren sechs Passagiere des Autobusses leicht verletzt worden. Auch am 19. Juni blieb die Lage im ganzen unverändert. Es fanden zahlreiche kleinere Zwischenfälle statt, ohne das« die Unruhe ihre frühere Heftigkeit erreichte. In Khan Junis wurde eine arabische Demonstration ohne Mühen von der Polizei zerstreut. Auf ein Lager englischer Soldaten bei Nablus wurden Schüsse aus dem Hinterhalt abgefeuert, ohne dass irgendwelcher Schaden dadurch angerichtet wurde. Vereinzelte Schüsse wurden auch auf die jüdischen Siedlungen in Tel Lit- Wineky, Kfar Azar abgegeben. In Kfar Saba wurde ein jüdischer Wächter, Elimelech Natansohn, verwundet, als er seine Wachtrunde über die Felder machte. Eine Polizeiabteilung, die auf das Feuer der Araber antwortete, konnte nichts ausrichten. In der Nähe von Karkur wurde ein Zug zum Entgleisen gebracht. Hindernisse auf den Geleisen der Bahnstrecke Jerusalem—-Lydda wurden rechtzeitig entdeckt und beseitigt, ehe sie Schaden anrichten konnten. Zwischen Jerusalem und Ramie wurden die Telephondrähte durchschnitten. Am 26. Juni ist in den Pflanzungen bei Kfar Saba der aus Deutschland eingewanderte Elieser ■Lisser durch Zufall erschossen worden. Es wurden ferner Angriffe auf Bet Alpha und auf die Vorstadt Hatikwa an der Grenze von Tel-Aviv versucht. Vereinzelte Schüsse fielen auch bei Beer Jacob. Die jüdische Herde von Mescha wurde von Arabern geraubt. Es wurde auch versucht, das Kleiderdepot des jüdischen Kinderdorfes zwischen Talpiot und Jerusalem niederzubrennen. Araber, die versuchten, den Wald von Atarot anzuzünden, wurden von Polizei vertrieben. Auf der Strasse nach Nablus wurden Militärpatrouillen zweimal aus dem Hinterhalt beunterzukommen, und vieles andere noch. So finden wir die Arbeiter-Alijah aus Deutschland schon heute im ganzen Lande; im Kibbuz, im Mosehaw Owdim, in den Moschawoth und in den kleinen und grossen Städt e n. Sie arbeitet in allen verkommenden Zweigen der Landwirtschaft und Industrie und im Handel und Verkehr. Wir werden vornehmlich die ländliche Arbeiterschaft, und zwar die im Kibbuz lebende, betrachten, weil sich hier wirklich die Möglichkeit bietet, das Besondere Palästinas zu erfassen, während das Schicksal der andern Arbeiterkategorien durchaus dem Schicksal der Arbeiter in anderen Kolonialländern ähnelt. (Fortsetzung folgt) Juristenleben in Palästina Ein Vortrag von Justizrat Julius Magnus Im Rahmen der vom Bund Alter Herren des AJV veranstalteten Vorträge sprach am 10. Juni im Logenhaus zu Berlin Justizrat Dr. Julius Magnus über „Juristenleben in Palästina“. Der Vortragende, soeben aus Palästina, wo er eine der ersten juristischen Gastvorlesungen an der Universität Jerusalem gehalten hat, zurückgekehrt, wusste in lebendiger und fesselnder Weise die Schilderung seiner Reiseerlebnisse mit der Darlegung der rechtlichen Zustände zu verbinden. Der Gegensatz, der Hinfahrt auf dem rein jüdischen Dampfer „Tel-Aviv“ und des Empfanges in Haifa durch die englischen Zollbehörden gab die Anknüpfung zu einer ebenso kurzen wie anschaulichen Darlegung des englischen Mandats und seiner tatsächlichen Auswirkung. Viel hörten wir von dem Schicksal aus Deutschland stammender Juristen in Palästina. Von wissenschaftlich tätig Gewesenen — darunter dem Verfasser eines berühmten Kommentars —, die bewusst ein neues Leben kaufmännischer Arbeit von unten an angefangen haben, von anderen, die zur Natur zurückgefunden haben und jetzt begeisterte Landwirte sind, und schliesslich von denen, die beim Fach geblieben und in Palästina Anwälte geworden sind, ’ie ha1 en es nicht leicht, Anwalt zu werden. Ein '.rsteckter Numerus clausus ist dadurch herbeiführt, dass beim Anwaltsexamen der ausläuchen Advokaten immer so viele durchfallen, s sich der Zuwachs in bescheidenen Grenzen schossen. In Rüchama wurden einige jüdische Baracken in Brand gesteckt. Sechzehn Kilometer von Jerusalem entfernt ist die Wasserleitung von Jerusalem durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt worden. Der Eisenbahnzug Jerusalem—Lydda ist wieder beschossen worden, ohne dass jemand verletzt wurde. Auf der Eisenbahnlinie Gaza— Kbanjunis wurde eine Militärdraisine durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt. In Gedera, Gaza und Bajit Wegan wurden die Polizeistationen beschossen; es wurde niemand verwundet. Die Telephonleitungen wurden zwischen Medschel und Jahne und zwischen Jerusalem und Lydda durchschnitten. In der Nähe der Oelreservoire der Shell Comp, in Haifa wurde ein verdächtiger Araber festgenommen. Bei einer Hausuchung in seiner Wohnung wurden eine Bombe und Dynamitpatronen gefunden. Die Ernte des Dorfes Lajun wurde zur Sicherstellung einer Kollektivstrafe beschlagnahmt. Telegraphenlinien wurden bei Afule, zwischen Beisan und Dschenin und bei Atlit durchschnitten. Die Polizeistationen in Beisan, Karkur, Bet Alpha, Sedschera und Safod wurden beschossen; die Polizei erwiderte das Feuer; es gab keine Verletzten. Die Zollwache bei Ras en Nakura wurde beschossen und mit Steinen beworfen; Polizei erwiderte das Feuer; auch hier gab es keine Verwundeten. Diese wieder verstärkte Terrortätigkeit führte zum Erlass einer neuen Notverordnung. Sie sieht Todesstrafe oder lebenslängliches Zuchthaus für diejenigen vor, die Feuerwaffen, Bomben oder Explosivstoffe bei sich tragen. Wenn die Untersuchung nicht die Absicht, von diesen Waffen Gebrauch zu machen, erweist, wird eine Strafe von fünf Jahren Gefängnis verhängt. Der Nachfolger Auni Bey Abdul Hadis als Sekretär des Obersten Arabischen Komitees, Izzat Deruza, der Istiklal-Führer Sami ei Sarradsch und Dr. Ghali 1 Budeiry, ein führendes Mitglied der Arabischen Reform-Partei Dr. Khaldis, wurden in das Konzentrationslager bei Särafend gebracht. Auch am 21. Juni hielten die wieder zahlreichen Zwischenfälle an. Auf den Kibbuz Hameuchad bei Herzlia wurden von mehreren Seiten her Schüsse abgegeben. Polizei erwiderte das Feuer und vertrieb die Angreifer. — Ein Polizeiauto wurde auf der Fahrt nach Petach Tikwa in der Nähe der Jarkon-Brücke beschossen. Das Feuer wurde erwidert. — Wiederholte Schiessereien wurden aus der Umgebung von Jerusalem, besonders bei Ramat Rachol, Moza und Bajit Wegan gemeldet. Auch der Zug Lydda—Jerusalem wurde beschossen. Bei Haifa wurde ein jüdischer Autobus angezündet und leicht beschädigt. Ein Brand in einer Baumschule bei Migdal wurde von der Polizei gelöscht. Auf ein Erholungsheim bei Moza sind in der Nacht über hundert Schüsse abgegeben worden. Die Angreifer wurden von der Polizei zurückgeschlagen. Die Eskorten von Autobussen, die bei Bet Hakerem und Moza beschossen worden waren, erwiderten das Feuer. Die Siedlung Kfar Baruch in der Nähe von Nahalal wurde von drei Seiten angegriffen Der Angriff wurde von der Polizei abgewehrt. Einer Abteilung der Seaforth Highlanders gelang es, auf dem Berg Ebal bei Nablus eine arabische Terroristenbande nach Kampf gefangenzunehmen. Damit ist zum erstenmal von den Truppen erfolgreich die Offensive gegen die arabischen Banden unternommen worden. hält. Die Anwaltschaft rekrutiert sich entweder aus denen, die im Ausland den juristischen Doktor oder ein gleichwertiges Examen (Assessor, Referendar genügt nicht) gemacht haben, und dann die ergänzende Prüfung, wenn sie Glück haben, bestehen, oder denen, die auf der Law School in Jerusalem ausgebildet sind, die neben englischen, arabische und hebräische Lehrgänge hat. Die Universität Jerusalem entbehrt bis jetzt einer medizinischen und einer juristischen Fakultät. Der Vortragende verstand es, in der kurzen ihm zur Verfügung stehenden Zeit in grossen Umrissen das Bild des Nebeneinander und Durcheinander, das für das palästinensische Recht so charakteristisch ist, erstehen zu lassen. Religiöses Recht neben weltlichem Recht, die Mejelle, gewissermassen das türkische BGB, neben Gesetzen, die aus dem Gebiete des Code Civil übernommen sind, und dazu jetzt die englische Gesetzgebung, Das verzwickte Recht des Grund und Bodens mit seinen zahlreichen Fallstricken. Die Rolle, die die Konventionalstrafe spielt, die den einzigen wirksamen Schutz gegen Vertragsbruch gibt, da nicht auf Erfüllung, sondern nur auf Schadensersatz geklagt werden kann. Dass Justizrat Magnus gerade jetzt, wo alles in Palästina erschüttert scheint — seine Reise fiel in den Beginn der Unruhen —, über diese Dinge sprach, ist nicht ohne symbolische Bedeutung. Das brachte er auch zum Ausdruck. Er wusste davon zu erzählen, wie Wille und Kraft da seien, unbeirrt durch den arabischen Aufruhnveit er zu arbeiten am Aufbau des Landes und der jüdischen Zukunft. H. K. In seiner Gastvorlesung an der Universität Jerusalem sprach Justizrat Magnus über den „Einfluss von Juden auf das Recht der Kulturwelt.“ Die Vorlesung, die lebhaftesten Beifall fand, durchstreifte das Recht der Völker des europäisch-amerikanischen Rechtskreises und gab dann einen umfassenden Ueberblick über das, was Männer jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft direkt und indirekt in den verschiedenen Gebieten der Rechtskultur geleistet haben. Ueber die „Universität in Jerusalem" sprach Professor Dr. M. Ginsburger von der Universität Strassburg kürzlich im Strassburger Senden Ein schwerer Kampf spielte sich in der Nähe von Nur el Shem ab. Dort wurde eine englische Eskorte von einer etwa 70 Mann starken arabischen Bande aus dem Hinterhalt überfallen. In dem Kampfe wurden drei Mann des Königlich Schottischen Füsilierregiments verwundet, zwei von ihnen schwer. Ein schwerer Feuerüberfall wurde am gleichen Tage auf Kfar Saba von Arabern aus der Um- Englische Pressestimmen In der englischen Presse haben sich auch in den letzten Tagen wieder einige bemerkenswerte Stimmen zur Palästinafrage erhoben. Während der „Manchester Guardian“ die arabischen Forderungen für absurd und unannehmbar erklärt, schreibt die „Times“, dass die zionistischen Führer das Tempo der Entwicklung des Nationalheims zu sehr beschleunigt hätten. Das englische Mandatsregime in Palästina werde so lange aufrechterhalten bleiben, bis Araber und Juden in gleicher Weise zusammen leben und arbeiten werden, wie die Völker in der Schweiz. „News Lette r“, das offizielle Organ der Nationalen Arbeiterpartei (MacDonald-Gruppe), erklärt im Leitartikel, man müsse in Palästina auf ein ebenso schwieriges und langwieriges Verfahren gefasst sein wie dasjenige, mit dem Frankreich es in Syrien zu tun hat. Werde man Entschlossenheit zeigen, dann könne der Verlust an Vertrauen infolge des abessinischen Fiaskos wettgemacht werden, zeige man sich aber schwach, dann werde das Prestige Englands und die Stellung des Völkerbundes im östlichen Mittelmeergebiet in nicht wieder gutzumachender Weise geschädigt werden. „Great Britain and the East" schliesslich läuft Sturm gegen den Optimismus der Regierung, die schon längst ihrer Zuversicht au! Wiederherstellung der Ruhe in Palästina Ausdruck gegeben habe. Diese Zuversicht habe sich nicht erfüllt. Die künftigen Historiker werden zwischen der Bereitschaft Englands, den Völkerbundspakt zu ändern, und seiner mangelnden Bereitschaft, das Palästinamandat in Frage zu stellen, einen merkwürdigen Widerspruch feststellen. „Zwei Monate lang“, heisst es zum Schluss, „dauert dieser Kampf. Wie lange der heftige Streit anhatten wird, weiss Allah allein. Aber, wenn die Angelegenheit nur der Gewalt überlassen bleibt, kann es nur eiji Ende geben. Durch die Wiederherstellung der Ordnung ist kein Ende, sondern nur ein Anfang, ein Anfang wozu? Zu „dauerndem Frieden und Zufriedenheit“? ,Wir möchten es wissen.“ Der „Temp#“ kritisiert Englands Haltung In seinem Leitartikel vom 18. Juni, „Juden, und Araber in Palästina“, befasst sich der „Temps“ ausführlich mit den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina und im besonderen mit der Haltung und den Aufgaben Englands. Beim augenblicklichen Stand der Dinge, so schreibt das französische Blatt, sehe man keine Lösung, und es scheint, dass noch für eine sehr lange Zeit die jüdischen Siedlungen in Palästina zu einem gefährdeten Leben verurteilt sind. „Man ist weit entfernt“ — so heisst es weiter — „von der Verwirklichung der grossen Hoffnung, die die Schaffung eines jüdischen ,National-Heims“, der Balfour-Deklaration entsprechend, hatte aufkommen lassen, und diese Erfahrung ist ebenso enttäuschend wie die all der andern Unternehmungen seit Beendigung des Weltkriegs, durch die versucht werden sollte, der Welt einige moralische und politische Sicherheiten zu geben.“ Der Verfasser weist auf den grossen Irrtum hin, den man begangen habe, wenn man glaubte, dass zwei in Lebensstil und Lebensansprüchen so grundverschiedene Völker wie Juden und Araber reibungslos nebeneinander und miteinander arbeiten könnten. Aber noch etwas anderes käme hinzu. Zwar seien die Juden unbedingt im Recht, wenn sie verlangten, dass die Verpflichtungen, die man ihnen gegenüber übernommen habe, genauesten« eingehalten werden. Die Araber ihrerseits aber protestieren gegen eine Situation, bei der sie, ob man es will oder nicht, immer mehr von dem Lande entfernt werden, in dem sie seit Jahrhunderten leben und dem sie sich fest verbunden fühlen. Bedauerlich sei, dass die Balfour-Deklaration wie viele andere Unternehmungen eine jener glänzenden Improvisationen war, bei der man nicht in aller Gewissenhaftigkeit alle Konsequenzen, alle möglichen Erschütterungen erwogen habe, und die sich nun angesichts der gegenwärtigen Ereignisse als ein Experiment voller Risiken offenbare. Wie stark auch immer die Gewissenhaftigkeit sein möge, mit der sich Gross-Britannien bemüht, seinen immer schwerer werdenden Verpflichtungen nachzukommen, die Tatsache bleibe bestehen, dass die Ausschreitungen in Palästina fortfahrenj dass sie einen immer tragischeren Charakter annehmen, dass die jüdischen Siedlungen in ihrer Existenz aufs schwerste bedroht sind, und dass die nationalistische arabische Bewegung eine Entwicklung nimmt, über die man sich mit Recht in bezug auf Aufrechterhaltung von Ordnung und Frieden in allen mohammedanischen Ländern sorgen müsse. Die britischen Autoritäten in Palästina hätten die Pflicht, nichts zu vernachlässigen,, was zwischen Juden und Arabern eine Verständigung erleichtern würde, die es den beiden Elementen ermöglichte, Seite an Seite zu leben und an dem gleichen Werk des Aufbäus und der Prosperität eines Landes zu arbeiten, das das ihre sei, in dem sich weder die einen noch die andern als Fremde fühlen sollten, das den einen wie den andern die Sicherheit geben müsse, ohne die es kein „National-Heim“ gäbe, das dieses Namens würdig wäre. H. B—n. Aus der deutschen Presse Die gegenwärtige Konfliktslage in Palästina findet auch in der deutschen Publizistik immer mehr Beachtung. Ja einem Beitrag „Juden, gebung der Siedlung verübt. Das Feuer wurde von der Polizei und von Siedlern erwidert. —- Polizei, Militär und Luftstreitkräfte haben einen Angriff auf Bajit Wogau abgewiesen. Ein zweiter Angriff au Ramat Kowesch ist von der Polizei abgewehrt worden. Auch gegen die Hebräische Universität auf dem Skopus-Berg sind Schüsse abgegeben worden. Das Feuer wurde von der Polizei erwidert. Araber und Engländer“ („Deutsches Volkstum“, 18. Jahrg., Nr. 6) führt Wilhelm Stapel u. a. folgendes aus: „Just ifi die Entstehung des Zionismus hinein fiel der Weltkrieg. Er brachte die Nationalisierung der Araber mit eich. Die Araber wurden von den Engländern und Franzosen zum Krieg gegen die Türken, d. h. gegen die Deutschen gebraucht. Als sie ihre Schuldigkeit getan hatten, nahmen die Franzosen sich das arabische Syrien, die Briten das dem Suezkanal naheliegende Palästina. Aber nicht nur Araber, auch Juden waren von den Briten gegen die Deutschen gebraucht worden. Wie man den Arabern ,die Freiheit“ versprochen hatte, so den Juden ,die Heimstätte“ in Palästina. Seit dem Weltkrieg begann also, unter englischem Schutz, die jüdische Besiedlung Palästinas in grossem Äusmass. Die Folge ist, dass arabischer Nationalismus und jüdischer Nationalismus in Palästina aufeinanderplatzen. Die Briten müssen BUWg B&ESEI Ankauf /Hypotheken Verkauf' durch ender' ' iiien tff&g nun zwei widerstreitende Versprechungen halten.Wenn der ,Nationalitätenkampf“ in Mord und Totschlag und Streik tobt, so steht der Brite dabei und predigt den erregten Kämpfern Moral: Ihr habt doch beide Platz! Aber keiner traut dem britischen Frieden. Der Araber misstraut: still und heimlich drängt uns der einwandernde Jude aus unserem Lande hinaus. Der Jude denkt: wir wollen doch hier eine nationale Heimstätte haben, wo sollen wir sonst mit den Einwanderern hin? Der britische Kommissar seufzt: Was soll daraus werden? In solchen Fällen bleibt nur der Ausweg der Moral.“ In einem Aufsatz „Araber, Jüden, Engländer“ („Berliner Tageblatt“, Nr. 291) kommt Dr. M. B o v e r i zu nachstehender abschliessender Meinung: „S6 wie die Dinge heute liegen, haben weder Juden noch Araber zu entscheiden, sondern die Engländer. Noch steuern sie ihren Kurs zwischen beiden hindurch. Ein Gleichgewicht der Kräfte wird künstlich aufrecht erhalten. Aber ein Regieren mit Militärgewalt widerspricht englischen Grundsätzen — abgesehen davon, dass es kostspielig ist. Fortführung des bisherigen Kurses wird immer neue Unruhen zur Folge haben. Und die Behandlung der Araber in Palästina hat Rückwirkungen auf alle arabischen Nachbarländer, ja, auf die Mohammedaner des ganzen Orients. Die Versprechungen aus der Kriegszeit rächen sich. Und ip England scheint die Meinung zu wachsen, dass der Seeweg nach Indien zwar langsamer, aber sicherer und weniger kostspielig über Kapstadt führt, als durch »den allseits bedrohten Suezkanal.“ F. F. Der Hechaluz zu den Palästina-Unruhen Dr. Georg Josephthal, der Leiter des Hechaluz in Deutschland, gab in einem Vortrag in Berlin über das Thema „Wie steht die chaluzische Bewegung zu den Ereignissen in Palästina?“ eine ausführliche Darstellung der Machtverhältnisse im vorderen Orient. Er zog den Schluss, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt England weniger denn je in der Lage sei, auf seine Stellung in Palästina zu verzichten oder sie auch nur durch eine Aenderung im Mandatscharakter zugunsten der Araber zu beeinträchtigen. Die Unterhausdebatten in England über Palästina und die Judenfrage hätten die arabischen Gruppen beunruhigt. Als dann die Einladung an die arabischen Führer ergangen wäre, nach London zu kommen, hätten die Araber mit Unruhen geantwortet. Der Grund sei klar: kein Volk wird sich freiwillig zu einer Minderheit im eigenen Lande machen lassen. Dass dies aber das unabwendbare Schicksal der Araber in Palästina sein muss, wenn der jüdische Aufbau fortgesetzt werde, sei gleichfalls klar. Gibt es nun einen Weg, der aus der gegenwärtigen Sackgasse herausführen kann? Zwei grosse Lösungsmöglichkeiten werden in die Diskussion geworfen: 1. „Verzichtet auf gewisse Dinge in Palästina — und ihr werdet eine Befriedung erreichen“, und 2. „Werdet Mehrheit — und ihr seid Verhandlungspartner“. Die erstere Möglichkeit sei für den Zionismus keine, sondern werde auf leidenschaftliche Ablehnung stossen, die zweite Möglichkeit sei abhängig von dem Willen Englands. Um sie zu erreichen, werde der Zionismus gewisse Teilkonzessionen auf dem Gebiete des umstrittenen „Gesetzgebenden Rates“ und des Bodenkaufgesetzes machen müssen. Ein konstruktiver Vorschlag ohne gewisse Konzessionen an die Araber sei unmöglich. Jetzt werde alles davon abhäugen, ob die Exekutive im richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag bringen und der Zionismus sich geschlossen hinter sie stellen wird. Die Wirkung der Ereignisse in Palästina auf die chaluzische Bewegung werde wahrscheinlich in einer zahlenmässigen Schwächung bestehen. Dies sei kein Fehler: das Verhältnis von Kern und Peripherie der Bewegung habe seit 1933 ein zeitweilig unerträgliches Mas? angenommen. Es werde wieder wirklich der schwerere Weg sein, nach Palästina zu gehen, und so werde es möglich sein, in den nächsten Jahren das Fundament des jüdischen Aufbaus zu stärken. WAR. Die europäische Presse zur Palästina-Lage 3955