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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Der Dank der Landes verbands- Vorsitzenden des C.-V. Um den heimgegangenen Führer des C.-V. trauern in tiefer Wehmut alle Landesverbände und ihre Ortsgruppen, die zahllosen Männer, Frauen und jungen Menschen, die in Stadt und Land, überall wo jüdisches Schicksal für die Gemeinschaft und den einzelnen zur Entscheidung gestellt, am C.-V.-Werk teilhaben und es jetzt nicht fassen können, dass dieses Werk fortan ohne seinen Meister fortgeführt werden soll und muss. Nun, da er nicht mehr in unserer Mitte steht, da wir in Ehrfurcht und Ergriffenheit die abgeschlossene Lebensarbeit bewundern, begreifen wir erst, was Julius Brodnitz der jüdischen Gemeinschaft gewesen ist, und wir verneigen uns in dankbarer Verehrung vor der Grösse dieser in jüdischem und menschlichem Streben ausserordentlichen Persönlichkeit. Was war eigentlich diese Grösse, die seine Person und sein Wirken immer wieder ausstrahlten? Es war nicht allein, dass hier ein Führer das ihm übertragene hohe Amt mit voller Hingabe — mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele und mit seinem ganzen reichen Können — ausgefüllt hat, dass er die ihm anvertraute lebenswichtige Organisation in Unermüdlicher Betreuung zu hoher Blüte geführt hat ■— insbesondere gerade auch durch die lebendige Fortentwicklung der Landesverbände und ihrer Ortsgruppen — was diesem Lebenswerk den Glanz des Grossen und Ausserordentlichen verleiht, ist der willensstarke Drang zur Universitas, der, aus edler humanistischer Lebensauffassung strömend, sich vor allem der Gesamtheit verpflichtet weiss, immer wieder das Wohl des Ganzen als oberstes Gesetz verwirklicht und einen Partei- und Gruppenegoismus auf Kosten des Bestandes der Gesamtheit nicht gelten lässt. Seine stete Arbeit diente der Zusammenfassung des Ganzen zu geschlossener Stärke, unter scharfer Ablehnung der Enge des zum Selbstzweck sich entwickelnden Gruppengeistes. Diese Weite seines Erkennens und Strebens machte ihn stark und aufgeschlossen, um gegenüber den Wandlungen dieser Zeit in die neuen Aufgaben hineinzuwachsen und sie mit jugendfrischer Bereitschaft in Angriff zu nehmen. So wurde Julius Brodnitz auch gerade in der jüngsten Zeit die zentrale Persönlichkeit jüdischer Verantwortung, überall dort als Garant des Gemeinschaftsgedankens tatkräftig zur Stelle, wo es galt, jüdischer Gesamtarbeit den Weg freizumachen. Darf man die Grösse eines jüdischen Führers daran messen, was er als Treuhänder der Gesamtheit gewirkt und gebaut hat, so können wir Julius Brodnitz zu den Grossen in Israel rechnen, dessen Andenken in unserer Mitte zum Segen gereichen wird. Die Landesverbände werden aus dem Vorbild ihres entschlafenen Führers die Kraft ziehen, in dem gleichen Geist der Gesamtverantwortung das Werk segensvoll fortzuführen, das uns allen als Vermächtnis anvertraut ist. Rudolf Apt Walther Brock Erich Bry Rudolf Callmann Kurt Cohn Bruno Glaserfeld Rudplf Herzberg Willy Katzenstein Josef Koburger David Krombach Albert Mainzer Max Mainzer Leo Pollno w Martin Salomonski Rudolf Samson Jakob Skalier Hugo Stein mittelbar auch die Voraussetzung unserer freien Arbeitsentfaltung im Rahmen des gemeinsamen Werkes, und unsere freundschaftliche Verbundenheit mit dem ältesten Sohne mag zu einem guten Teil seine Ursache in der dankbaren Empfindung für den gleichen verständnisvollen väterlichen Wegbereiter haben, dessen Aufgeschlossenheit uns den Generationenunterschied nie als störendes Spannungsmoment, sondern stets nur als Erhöhung der geistigen Spannweite erscheinen Hess. Es ist begreiflich, dass ein solcher Mann unabhängig in seiner Persönlichkeit, verhaftet der Gemeinschaft, verpflichtet der Tradition und aufgeschlossen der ganzen Welt, innerhalb des jüdischen Lebens unserer Tage eine besondere Stellung erhielt. Er errang sie nicht. Denn er hat nie um Stellungen gerungen. Die Arbeit kam an ihn heran, und indem er sie billigte und sich ihr verband, führte er sie. Je schwieriger die Zeiten wurden, um so mehr gewöhnten sich die Männer, die sich um unsere Gemeinschaft sorgen, zunächst den Weg zum „Justizrat" zu finden. Denn hier war nicht nur ein freundlich gesinntes Öhr, eine liebenswürdige Geste, hier war strenges Aufmerken und, bei Zustimmung, Wille und Kraft zur Tat. Im Laufe der letzten Zeit wurde unser Justizrat eine Art Spezialist für komplizierte Erkrankungen des jüdischen Organismus. Er setzte den klassischen Heilmethoden des Hippokrates hinzu: Und was Härte nicht heilt, das heilt Vernunft und Güte! Unser Julius Brodnitz erfüllte eine Funktion im jüdischen Dasein unserer Tage. Weil seine Persönlichkeit bei keinem ausser Frage stand, war sein Rat von allen gern gefragt. Er stand hinter seinen Worten, und hinter ihm stand seine Schöpfung, der C.-V.; indem er ihn weiterführte, schuf er ihn neu für diese Zeit. Er hatte jenen Mut, von dem Perikies in seiner grossen Grabrede einmal sagt, dass er darin bestehe, sich zunächst einmal klar zu machen, was man zu hoffen und was man zu fürchten hat, und dann zu seinem Entschlüsse zu stehen. Auch dieser Mut soll unser Erbe sein, damit die Leere, die er hinterlässt, durch den Willen derer ausgefüllt werde, die he* rufen sind, sein Werk fortzuführen. Wir werden uns seine unermüdliche Beständigkeit vorstellen, wenn im Verändern der bequemere Ausweg scheint. Wir werden seine Treue als Nassstab nehmen, wie wir uns mit Menschen und Dingen verbinden. ' Wir haben versucht, von dem zu reden, was unser Herz und Gedächtnis erfüllt. Nur von unserem Schmerze und unserer trauernden Liebe haben wir geschwiegen. > Denn hier endet unsere Pflicht vor der Oeffentlichkeit. Ihr sind wir nur schuldig, dass in uns aus Schmerz und trauernder Liebe die Kraft zum Werk von Julius Brodnitz sich erneuert. Alfred Hirschberg. Unser „alter Herr44 Es war -im Hochsommer des Jahres 1988. Die C.-V-Zeitung erschien noch im kleinen Format. Da beschlossen wir, Justizrat Brodnitz, der einige Wochen im Gebirge verbrachte, zu überraschen: In der Nummer, die vor seiner Heimkehr erschien, brachten wir die Ankündigung: von der nächsten Woche an C.-V.-Zeitung im Grossformat. Irgendein anderer „Chef" hätte ob solcher Ueberraschung losgepoltert: warum wir nicht seine Entscheidung abgewartet hätten, er hätte uns vielleicht desavouieren, im letzten Augenblick ein Veto einlegen können. Als unser verehrter und geliebter Chef von der Reise zurückkam, sagte er nur: „Habt Ihr das nicht ein bisschen überstürzt getan? Dass Ihr für eine Nummer genug Material habt, vielleicht auch für zwei Nummern, glaube ich schon; aber jede Woche im Grossformat?" Und auf meine zuversichtliche Antwort nur die Ermunterung: „Also dann los!" Und wir legten los und waren seiner Hilfe nun sicher, Denn, einmal überzeugt, das wussten wir und darauf hatten wir gebaut, würde er uns mit seiner ganzen optimistischen Schwungkraft helfen, unseren Plan zu verwirklichen. So war er immer. Niemals kehrte er uns gegenüber den „Chef“ heraus. Er sah in uns die Mitarbeiter am gemeinsamen Werk, dem wir ebenso wie er, das fühlte er, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele gehörten. Niemals verlangte er die Priorität eines Vorschlages, stets prüfte er nur seine Zweckmässigkeit. Er wollte nicht diktieren, sondern er stand als Anreger, als Berater und skeptisch abwägender Mahner hinter uns — aber gerade dadurch weckte er unseren Ehrgeiz, unser Bestes zu geben, um v o r ihm zu bestehen. Wir arbeiteten nicht nur für das Werk, sondern auch für ihn, wie denn die Arbeit für ein gemeinsames Ideal menschliche Beziehungen schafft, die dem gemeinsamen Werk aber auch dem Verstehen zwischen Mensch und Menschen dienen. Und unser „alter Herr" — wie wir von ihm in herzlicher Verehrung zu sagen pflegten — bemühte sich ja auch, unsere Eigenarten zu verstehen— er wollte eigenwillige Mitarbeiter, pflegte er zu sagen, und nicht Maschinen — tat, war es aus besonderem Anlass: dann und das selbst dann, wenn diese Eigenart galt es meistens seiner Lieblingsidee, der für ihn recht unbequem war. Da gab es Zusammenfassung der verschiedenen Richso ein besonderes Kapitel: die Leitartikel. tungen im Judentum zu gemeinsamer prak- Er liess sich jede Woche in grossen Zügen tischer Arbeit, wie denn er es auch war, der informieren, was wir in der fälligen Nummer in der C.-V.-Zeitung bei aller Klarheit der bringen wollten. Die Leitartikel wünschte Stellungnahme jede Schärfe der Polemik er meistens zu lesen. Nun ist es Jour navermieden sehen wollte. Und er, der listenart, erst dann zu schreiben, wenn die immer Rücksichtsvolle, lieferte stets seine Maschinen schon warten. Justizrat Brodnitz Beiträge pünktlich ab. Nur in einem Falle hatte aber den berechtigten Wunsch, die machte er uns Schwierigkeiten: wenn wir Artikel so frühzeitig vorgelegt zu bekomihn einmal baten, sein Bild in unserer Zeimen — womöglich 48 Stunden vor dem tung bringen zu dürfen. Da bedurfte es Umbruch —, dass er, der Vielbeschäftigte, vieler Bitten, und — da er ja immer den sie in Ruhe lesen konnte. So ging denn Frauen gegenüber auch in der Arbeit der meistens von Montag an die Hausleitung ritterliche Mann war, — auch mancher von Apparat 45 zu Apparat 28: „Wo bleibt weiblicher Ueberredungskünste. Als er vor der Leitartikel?" Niemals verlor, er den jetzt erst zwei Wochen dem Photographen Humor, wenn ich ihm wieder einmal sagen endlich die Aufnahme der Bilder gestattete, musste: „Der ist schon fertig, aber erst im die dieser zu dem 70. Geburtstag des Gehirnkasten des Autors, ich soll ihn morlebensvollen Mannes vorbereiten wollte, gen früh bekommen, dann schicke ich das sagte Justizrat Brodnitz zu seinem Sohn: Manuskript gleich hinüber." Und er wurde „Dass nur die C.-V.-Zeitung mir da nicht niemals böse, auch wenn trotz aller Vereine grosse Sache macht.“ — sprechen doch der Mittwoch kam und wir Ueber dieses gütige Veto hätten wir ihm wieder einmal zumuteten, zwischen uns bestimmt zum erstenmal hinweggeall seinen Konferenzen noch im Redaktionssetzt — nun können wir es nicht mehr, und tempo mit uns zu arbeiten. die Bilder, die den Lebenden ehren sollten, Nur selten nahm Julius Brodnitz in der müssen uns Trauernden jetzt sein äusseres C.-V.-Zeitung selbst das Wort. Wenn er es Bild erhalten. Margarete Edelheim. Von den Quellen seiner Kraft Es ist kein Zufall, dass in dem Augenblick, wo Abschiedsempfinden Wortgestalt annehmen will, Worte und Massstäbe der deutschen Klassik sich aufdrängen. Prägten sich in der äusseren Erscheinung von Julius Brodnitz „Anmut und Würde", so steht sein Wesen „ruhig, tief und klar, und alles zeigt die schöne Gleichheit des Gemüts, aus welchem alles geflossen ist.“ Wer zu ihm kam, heftige, laute Kritik zu üben an der Bewegung, die er führte oder gar an seiner eigenen Haltung, der wurde massvoll, wenn er ihm gegenüber sass. Es war eine olympische Heiterkeit um ihn, man spürte die Wesenheit eines geläuterten Menschen, man konnte sich dem Gesetz nicht entziehen, unter dem er stand. Wo je die Meinungen hart und disharmonisch aufeinander schlugen, da stand er überlegen lächelnd zwischen den Streitenden und hinderte mit einem humorigen Wort, Blossen aufdeckend, aber nicht verletzend, den allzu harten Anprall. Diese -Technik der Entwaffnung war nicht Routine; sie war der Ausdruck seiner kämpferischen Humanität, des geadelten Kampfes, der seinem ritterlichen Ideal entsprach. Nur drei oder vier Szenen stehen in der Erinnerung auf, in denen Zorn ihn erschwerte. Wenn er dann das Wort „sittliche Entrüstung" aussprach, dann war es in seinem Munde ein zwingender Appell, der die Aufbrausenden dämpfte. Wo immer er stand, er wirkte wie ein „rocher de bronce" in seiner würdevollen Selbstsicherheit, in seiner harmonischen Ganzheit. Nicht erst, als es galt, von ihm Abschied zu nehmen, schürften wir den Quellen nach, aus denen seine Kraft floss. Dieses Leben war so vorbildhaft, er hatte „das höchste Glück der Menschenkinder", die Persönlichkeit so beglückend in sich vollendet, dass es uns trieb, das Gesetz zu suchen, nach dem er angetreten war. Es vermählten sich in ihm ohne Widerspruch eigenes Wesen und die Idee, unter der es stand. Weil er so war, wie er war, musste er der Idee dienen, deren Bekenner er in den kraftvollsten Jahren seines Lebens führen durfte. „Wir Frankfurter Patrizier hielten uns immer dem Adel gleich", hat Goethe von seiner Familie gesagt. Die adlige Haltung, die Julius Brodnitz eignete, wurzelte in einer ähnlich sicheren Tradition, die in seiner Familie und in der bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts ihre Pflegestätte gefunden hatte. Der Urgrossvater schon gehörte zur Delegation jener Posener Juden, die vom König den Eintritt jüdischer Freiwilliger in das Heer der Befreiungskriege erbaten. In der Geschichte der Stadt Posen erinnert sein Familienname an manchen Brodnitz, der das Geschick der Stadt führend beeinflusst hat. Schon der Vater dachte im Geist deutscher Klassik; Schiller und Goethe waren ihm nicht blasse Schulerinnerungen, sondern lebensnahe Fiih.rör. In solcher Atmosphäre wuchs Julius Brodnitz auf. Die Verbundenheit mit der Umwelt, ihren geistigen Dokumenten, ihrer allgemeinen Entwicklung und ihrer Natur war der fruchtbare Nährboden seines Menschentums. Sein Heimatbewusstsein war ihm ebensowenig problematisch wie seine .Einordnung in das Schicksal der Welt um ihn. Er hätte diese selbstverständliche Zugehörigkeit gern unreflektiert gelebt. Die Umwelt zwang demgeistigen Menschen die Ueberprüfung seines Standorts auf. Er nahm sie voraussetzungslos auf als Mann von wissenschaftlicher Schulung und fand seine natürliche Haltung bestätigt, auch als er historische, politische und jüdische Massstäbe anlegte. Neben den geistigen Strömungen Deutschlands und der Welt, denen er aufgeschlossen war, floss ruhig und tief der Kraftstrom jüdischer Tradition und jüdischer Entwicklung in ihm. Dass er sich zur Gemeinschaft seiner Art und seines Stammes stolz bekannte, entsprach seinem selbstbewussten, geraden Menschentyp. Ein Formalbekenntnis allein aber konnte den Fragenden und Suchenden nicht ausfüllen; es zog ihn zur inhaltlichen Bindung und der religiös gestimmte Mann fand sie in der Verankerung auf jüdisch-prophetischem Urboden. Die Kraft, die ihm von dort zuströmte, mischte sich, im Ursprung kaum noch unterscheidbar, mit der Macht, die ihm die Welt Goethes gab. Goethe und seine Gedanken von Welt und Menschentum leiteten sein Leben. Unser letztes Gespräch kreiste um Goethe und die Arbeit der Gesellschaft, die sein Andenken pflegt. Im Goethischen Streben nach Erkenntnis war Julius Brodnitz bis in seine letzten Tage ein Junger, ein Lernender, der sich in innerster Teilnahme den musischen und wissenschaftlichen Dingen der Welt erschloss. Obwohl die Fragen der jüdischen Gemeinschaft, in deren Dienst er sich verzehrte, ihn fast bis zum Rande der Leistungsfähigkeit ausfüllten, wurde er nicht müde und nicht stumpf. So sah er die Fragen des Tages nicht vom Tage her. Er stand auf hoher Warte, die Erfahrung und Erkenntnis der jüdischen und der Menschheitsgeschichte unterbaut hatten. Dieser Humanität diente sein Geist aus innerer Berufung. Er glaubte an seine Herrschaft und die Macht des Guten und er wusste um die Weisheit, die aus Goethes Wort an Zelter spricht: „Es ist nicht immer nötig, dass das Wahre sich verkörpere, schon genug, wenn es geistig umherschwebt und Uebereinstimmung bewirkt; wenn es wie Glockenton ernstfreundlich durch die Lüfte wogt.“ Hans Reichmann. Aus der Ansprache von Julius Brodnitz vor der Erstaufführung des „Jeremias*1 - -. Wir haben es immer als -unseren Ruhm betrachtet, dass wir als das Volk des Buches durch die Geschichte gezogen sind. Wir würden, es deshalb ganz besonders schmerzlich empfinden, wenn wir geistig und künstlerisch verarmen müssten. Der Ort, an dem wir uns heute versammelt haben, und die Aufführung, die wir hier erleben, zeigen, dass wir uns auch in dieser Hinsicht unserer Pflichten bewusst sind. Wie oft war auf unseren Lippen das Wort des Propheten Jeremias, das einem Bilde des dichterischen Werkes vorausgestellt ist:,jEs will Abend werden, und die Schatten werden gross." Aber der Dichter setzt dem letzten gewaltigen Bilde seines Werkes auch die Worte des Propheten voraus: „Denn ich weiss wohl, was für Gedanken ich über Euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, dass ich Euch gebe das Ende, dessen Ihr wartet.“ So wollen wir der göttlichen Fügung vertrauen. Was der Mensch innerlich bedeutet, zeigt sich darin, welche Kräfte aus seinem Unglück lebensvoll erwachsen. So möge jetzt das Spiel beginne^; das uns Feierstunden schafft, Stunden der Erhebung und Stunden des Gelöbnisses.“. (C.-V.-Zeitung vom 11. 10. 34)

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