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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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m r-r entral - erein XV. Jahrg. / Nr. 26 Berlin, 25. Juni 1936 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitnng, Anzeigenannahme, Vertriehsabteilnng): Berlin W 15, Emser Strasse 42. Fernsprecher: J2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die „C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jedes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erhebt. — Bezugsgebiihren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgerechnet in die Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebühren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespaltene Millimeter-Zeile 20 Rpf., für Stellengesuche 10 Rpf., für Familienanzeigen 18 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Woche unserer Trauer Uns Beileid der jüdischen W^clt Der Mittelpunk t Ueber 35 Jahre erstreckt sich das jüdische Werk von Julius Brodnitz. Es ist in vielen tausend Briefen und Notizen niedergelegt, in Protokollen und Berichten, die er selbst erstattet hat, oder die von ihm handeln. Wer ihn nie gesehen hätte, könnte keinen anderen Eindruck aus seinen Schriftzügen gewinnen als der Kreis, dessen Vorstellung nur die äussere Erscheinung des Mannes umfasst. Denn fast unverändert durch die Jahrzehnte ist der Duktus seiner weiträumigen, grosszügigen Handschrift geblieben, seine erste Unterschrift in den Akten des C.-V. gleicht der letzten. Und einen anderen Julius Brodnitz, als die Bilder ihn zeigen, die den Toten uns ansprechen lassen, kennen nur die älteren Freunde; die meisten sahen ihn immer als den weissbärtigen Patriarchen. Aber wer die Möglichkeit hatte, durch die äusserste Form hindurchzudringen, der Erscheinung sowohl als auch der Schrift, mochte merken, dass die Führung der Feder und die Gesten 'des Redners und die Denkvorgänge des Beraters von Erstarrtheit, von innerer Festlegung freigeblieben waren. Die Ausgeglichenheit der Form war nur eine Verpflichtung für die Prägung des Inhalts. Es war, wenn man es so ausdrücken darf, eine prästabilisierte Harmonie im Wesen von Julius Brodnitz. Unendlich viel wuchs bis in die letzte wache Arbeitsstunde unseres Meisters — noch die Minuten vor der Fahrt ohne Wiederkehr gehörten unserer Arbeit — in diese harmonische Form hinein. Es war eine Zensur der Haltung bei ihm, von der es ahhing, was er an sich heranliess, und wie er es sich zu eigen machte. Seine Persönlichkeit war wie ein Filter, durch den das Menschliche — und nichts Menschliches war ihm fremd — seinen Wesenskern geklärt erreichte. Er im im mm nii ii ni hihi i m ii tun iiiü i um i im nmi mn i im ui m i ni i imii i in ii i um ninii in in iimii i [[ Gemäss einem einhelligen Beschluss der stellvertretenden Vorsitzenden des Central - Vereins übt Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen) vorläufig das Amt des Vorsitzenden des Central- Vereins aus. iiiiiiiiimiiiiimmiiiMiiimiimiiiimiiiMiiniiniiiinmiiiiiiiniiiiiimiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiMniiiitii wehrte sich nie gegen die Berührung selbst mit dem ihm Widerstrebenden. Aber es war ihm schon genug, dass er so oft gezwungen war, es in dieser Welt der Unvollkommenheit zu dulden. Ihm selbst stärkten solche Begegnungen den Willen zur Sauberkeit, zur Gerechtigkeit, zur Menschlichkeit. Sein Werk zeugt von der Geradheit dieses Willens, und viele Menschen zeugen von ihr, denen das Glück seiner Nähe gegeben war; auch in uns ragte sein Wesen hinein. Turbulente Szenen unter seiner Leitung waren sofort von einer Isolierschicht der Ablehnung umgehen, hässliche Worte fielen in leere Stille. Wenigstens soweit sein Einfluss reichte, sollte Harmonie sein. Der Ruhm, die Organisation zu sein, und die Verwaltung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft darzustellen, in der das Verhältnis der Mitarbeiter zueinander von dem Willen der Sauberkeit, der Freude an der Leistung auch des anderen, der Unter- Anier ican Jewish Committee, New-York Have just learned of death of your revered worthy President. In name of association of American Jewish Committee and myself I express our profound sympathy with your Organization and family. (Habe eben vom Tode Ihres verehrten würdigen Präsidenten gehört. Im Namen der Vereinigung des American Jewish Committee und in meinem Namen spreche ich unser tiefstes Mitgefühl mit Ihrer Organisation und Familie aus.) Cyrus Adler. Jewish Agency, Deutsche Abteilung, London (Aus einem Brief an die Familie) Ich habe Ihren Vater immer aufs Tiefste respektiert und geschätzt, als wir uns noch in manchen jüdischen Fragen als Gegner gegenüberstanden, weil ich die Lauterkeit seiner Gesinnung, die Reinheit seines Wollens auch in der schärfsten Auseinandersetzung niemals anzweifelte. Deshalb habe ich mich (und hier darf ich wohl für unseren ganzen Kreis sprechen) so ganz besonders darüber gefreut, mit eigenen Augen zu sehen, mit welcher Gradheit und Offenheit dieser ewig junge Kämpfer seine Wandlung in gewissen jüdischen Fragen in den letzten Jahren vollzogen und bekundet hat. Ich weiss daordnung persönlichen Ehrgeizes unter die Notwendigkeit der allgemeinen Sache, am stärksten bestimmt wird, ist Julius Brodnitz zu verdanken, und unser Vermächtnis ist es, ihn zu bewahren. Ihn hat Neues nie überrascht und Unerwartetes nie erschreckt. Irgendwo in seiner Seele war die Gewissheit von der ewigen Wiederkehr des Gleichen innerhalb der grossen Zeiträume, die überhaupt erst die Wertung menschlicher Leistung in der Geschichte der Menschheit gestatten. Aber ebenso stark war in ihm die Klarheit, dass die Persönlichkeit etwas Einmaliges ist, und dass eine sachliche Situation zwar sich der Gestaltung des menschlichen Willens entziehen kann — dann wird eben ein andermal die Schicksalsstunde das Vollbringen segnen —, dass aber ein Versagen der Persönlichkeit nicht wieder gut zu machen ist. So begreift man auch den jüdischen Organisationsführer, den jüdischen Politiker Julius Brodnitz. Er urteilte von den Persönlichkeiten her, die eine Arbeit zu tragen hatten, und wenn diese seiner Vorstellung entsprachen, störten ihn weder Kombinationen noch Koalitionen, wie absonderlich sie dem strengen Parteidogma auch erscheinen mochten. Man nannte ihn in allen jüdischen Lagern den sachlichen Menschen. Er war es, allerdings anders, als der Tagesgebrauch das Wort verstehen lässt. Er wollte immer viel stärker den Menschen als die Sache. Aber er wusste dabei, dass man die Menschen am besten dienen lässt, wenn man ihre Menschlichkeiten schont. Es gab freilich eine Grenze bei sehr wohl, dass Justizrat Brodnitz bei aller Gegensätzlichkeit in der Auffassung auch früher niemals ein Feind unserer Bestrebungen gewesen ist, aber es war doch ein weiter Schritt von seiner früheren Einstellung zu der aktiven freudigen Anteilnahme am Palästinawerk in Deutschland, das mit seinem Heimgang einen schweren, vielleicht unersetzlichen Verlust erleidet. Ich bitte Sie, versichert zu sein, dass mit mir die deutsche Abteilung der Jewish Agency, für die ich zu sprechen befugt bin, das Andenken dieses Mannes in Ehren halten wird. Martin Rosenblüth. Professor Dr. Chajim Weizsnanii, London Have heard with deep sorrow of your fatliers death. His whole life was deyoted to Service jewish community. My deep sympathy is with you and yours in your sorrow. (Habe mit tiefer Trauer von dem Tode. Ihres Vaters gehört. Sein ganzes Leben war dem Dienst an der jüdischen Gemeinschaft. gewidmet. Mein tiefes Mitgefühl ist mit Ihnen und den Ihren in Ihrer Trauer.) „Ort‘Ä-ZentraIe9 Paris Tief ergriffen lesen wir die Nachricht vom Ableben des Justizrats Brodnitz. Mit ihm ist ein berufener Führer, eine der schönsten Gestalten der Judenheit seiner gütigen Nachsicht,, seines umfassenden Verstehens: wenn er charakterliches Versagen antraf, durch den Versuch, allzu menschliche Eigensucht sachlich zu bemänteln. Wer einmal ihm gegenüber einen solchen Vorgang erlebte, ist mit sich im Zweifel, ob der gütige oder der zornige Brodnitz als stärkerer Eindruck haften blieb. Niemals aber hat man ihn hassend gesehen. Er hatte nur aufbauende Wesenselemente, zersetzende Empfindungen hielt er sich fern. Die Menschenalter, die er führend durchlebte, brachten ihm manche menschlichen Enttäuschungen. Je älter er wurde, üm so schwerer verwand er sie, weil er, je älter er würde, um so freudiger anderen den Weg bereitete und anderen Entfaltungsmöglichkeiten gab. Er, der adlig-anhängliche Mann, litt unter Undankbarkeit seelisch und körperlich wie unter einer Krankheit. Er gesundete im Dienste für die Gemeinschaft und in der Gewissheit der Liebe und Treue seines engsten Kreises. Während der schwersten Jahre seines Lebens und seiner Wirksamkeit konnten wir ihm bescheiden das Glück bereiten, von Menschen umgeben zu sein, die ihn als selbstverständlichen Mittelpunkt empfanden. Wer diesen, unseren engsten Beratungskreis beobachtete, mochte seine Zusammensetzung zunächst etwas merkwürdig empfinden: der weissbärtige Vorsitzende und seine Mitarbeiter, deren Vater er dem Alter nach hätte sein können. Wir hatten deshalb auch mehr als nur das dienstliche Verhältnis zu ihm, und der Umstand dass in den letzten Jahren seine Arbeits- Deutschlands dahingegangen. Gerade für die Ort-Bewegung, an deren Aufbau der Verstorbene mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit aktiv mitwirkte, ist sein Verlust schmerzlich und unvergesslich. Er hat der Judenheit Deutschlands den Weg zum Ort gezeigt und damit eine Brücke vom ostzum westeuropäischen Judentum geschlagen. Bramson, Bodenheimer. American Joint Distribution Committee, Paris, Persönlich und im Namen des American-Joint Distribution Committee spreche ich Ihnen zu dem schweren Verluste, den Sie durch das Hinscheiden Ihres Vorsitzenden Dr. Julius Brodnitz erlitten haben, unser innigstes Beileid aus. Der Verewigte hat durch seine hervorragende jüdische Wirksamkeit auch unsere Arbeiten in günstiger Weise beeinflusst, wofür wir ihm zu dauerndem Dank verpflichtet sind. Bernhard Kalm. * Ausserdem sandten Beileidsschreiben Direktor David Schweitzer, American Joint Committee, Paris, ferner Professor Dr. Cohen, Comite voor Joodsche Vluchtelingen, Amsterdam und Staatsrat a. D. Jacob Teilet, Verband der Russischen Juden, Paris. Die Beileidskundgebungen der jüdischen Organisationen Deutschlands finden unsere Leser im 2. Beiblatt. räume und Wohnung gleichzeitig in der unvergesslichen Prinzregentenstrasse 94 waren, verstärkte den menschlichen Zusammenhang. Wir waren bei dem Chef und zugleich bei dem liebenswürdigen Gastgeber und dem jüdischen Familienvater. Es mochte zu den schicksalhaften Zufälligkeiten dieses bis auf die letzten Jahre scheinbar so ungetrübt gleichmässig ansteigenden Lebens zählen, dass er. in seinem Hause seine Arbeit tat. Die Kraft und ihre Erneuerung mag ihm aus der ständigen Berührung mit seiner Familie gekommen sein, aus der Betreuung seiner Gattin, die ihn unermüdlich begleitete, als die Arbeit, für den CV. im Reiche die persönliche Tätigkeit seines Vorsitzenden stärker bedurfte und vor zwei Jahren eine kurz vorher überstandene Erkrankung zur Schonung riet. Auch hieraus versteht man, welches für Julius Brodnitz neben den Kräften der jüdischen Ueberlief erung, der Antike, Goethes und der Musik, die Quellen seiner Arbeitsfrische waren. Sein Haus war seine Burg, in die jeder hineindurfte, der als Freund nahte, in der aber niemand gezwungen war, dem Kommando des Hausherrn anders zu folgen, als es ein selbständig denkender, ernsthafter Mensch verantworten kann. Als man dem Vater Brodnitz vor jenen Jahren, in denen es noch ungewöhnlich erschien, wenn man aktive Palästinafreundschaft zeigte, nahelegte, auf seinen ältesten Sohn einzuwirken, lehnte er es ab: es sei der Stolz seiner Familie, dass jedes ihrer Mitglieder das Recht der eigenen Meinung habe. Diesem Grundgefühl verdanken wir, seine engsten Mitarbeiter, i <r ' lch XXX xxx) ,ü ■im uet; ei m

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