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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-18 · 25 (18.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
25 (18.6.1936)
Date
1936-06-18
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Karl Kraus Nur zwsiundsechzig Jahre ist Karl Kraus alt geworden und hat doch sich selbst um eine beträchtliche Spanne Zeit überlebt. Er war eine Figur der K. K. Monarchie, wie Maximilian Harden, einer seiner vielen „Feinde" in der Literatur, zum Bild des kaiserlichen Deutschland der Vorkriegszeit gehörte. Seit 1899 gab er die „Fackel" heraus, sünfunddreißig Jahre lang Heft um Hefst das er selbst schrieb. In einem vor gehäufter Geistreichigkeit barocken Stil sprühte die „Fackel" bald Raketen des Witzes und beißende Funken der Satire,--bald-schwelte sie von den Dünsten eitler Selbstinszenierung; gleichmäßig strahlende Wärme kannte sie nicht und-leuchtete zu keinem festen Ziel. Wenn auch.nicht alle, so griff Kraus doch fast alles - an, „Verächter und Richter der bürgerlichen Welt", nicht Wegweiser einer neuen Er war „dagegen", gegen Monarchie wie gegen Sozialismus, gegen Zionismus/wie gegen Psychoanalyse.. Als - Gestalter, eigener Werte,, als Dramatiker und Lyriker hat er sich nicht durchsetzen können, außer wo er zu Osfenbachs Operetten das' Flvrettspiel seines Witzes lieh. Er war klug und tapfer, doch ohne Weisheit und Mäßigung. Ans dem Judentum trat er früh heraus; beim Ressentiment dagegen blieb er stehen. Er kämpfte : nur, er führte nicht; er deutete nicht, er kritisierte nur. In den letzten Jahren war es schon still um ihn geworden. Jetzt hat er sich ganz zurückgezogen 8. Chesterton •; -Einer der erfolgreichsten englischen „Schrift-/' steiler, Gilbert Keith - Chesterton, ist im Alter von 62 Jahren Plötzlich gestorben. Er war ein Zarter-Lyriker, der durch Kriminalgeschichten bekannt wurde, ein glänzender Conferencier, der auch auf den, Bühnen Lorbeeren suchte, ein ehrgeiziger Journalist, der sich im Kriege zum katholischen' Glauben bekehrte.. Eine journalistische Mission führte ihn 1920 nach Palästina.'Töas erdort,unmittclbar nach dem Kriege im ersten Stadium des zionistischen Aufbaues sah, hat er mit betont unfreundlicher Tendenz, aber doch auch in mancher Beziehung anregend in einem Buch unter dem Titel „The new Jerusalem“ Zusammengefaßt. Neben manchem allzu flüchtigen und allzu selbstgerechtem Urteil findet sich hier ein Satz, der von tieferem Blick zeugt. „Ein englischer Geistlicher", so heißt es da, „der in vielen Beziehungen antisemitischer war, als ich, sagte: „Der ärmste, wie der stolzeste Jude gedenkt der Vergangenheit. Btag er durch Haß und Verfolgung und Furcht in alle möglichen Verkleidungen und in ein Doppelleben hineingeschreckt worden sein: er erinnert sich dennoch! Und ein Volk, das sich erinnert, hat ein Recht!" Von den polnischen, bei der Landesbibliotyek in .Warschau hinterlegten nichtperiodischen Veröffentlichungen (B ü ch e r n) waren im Jahre 1933 von 10 086 614 in jiddischer Sprache, im Jahre 1934 von 11348 679 in jiddischer Sprache. Unter' den 501 bzw. 599 erschienenen U e b e r s e tz u n g e n befanden sich 20 bzw. 23 Uebersetzungen ins Jiddische. Von den P er i o d i s ch e n Veröffentlichungen wurden 1933 (insgesamt: 2572) 116, im Jahre 1934 (insgesamt: 2566) 106 in jiddischer Sprache herausgegeben. jmiier Ludwig 81einme1r % Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) Dem Dichter eines David-Dramas Gedenkblatt für Reinhard Johannes Sorge Vor zwaugzig Jahren, am 20. Juli 1916, fiel der Gefreite Reinhard Sorge bei Ablaincourt. Der erste Dramatiker des Expressionismus, dieser geistigen Bewegung, die ein ganzes Geschlecht jüdischer Lyriker ihre Stimmen mit dem Singen und Sagen ihrer gleichaltrigen deutschen Zeitgenossen vereinen ließ. ' Für seinen Erstling, „Der Bettler", erhielt er, gemeinsam mit Hermann Bnrte, 1913 von Richard Dehmel den zum erstenmal verteilten Preis der Kleist-Stiftung, die dieser im Vorjahr mit Fritz Engel gegründet hatte. S. Fischer hatte diese „dramatische Sendung" (wie der Untertitel hieß) verlegt, Max Reinhardt sie als erste Matinee des „Jungen Deutschland" — mit Wegener, Deutsch, Jannings, Helene Thimig u. a. — zur Uraufführung gebracht. (Er kam dem zögernden Barnowsky damit zuvor, der mir einmal erzählte, daß Walter Rathenau zu ihm in den höchsten Tönen von dieser Dichtung als einem Geniewerk gesprochen hatte, um ihn zur Ausführung zu bewegen.) Heute gehört diese Schöpfung, in der Geniehaftes unmittelbar neben Unreifstem, ja dem Dilettantismus Nahen steht, bereits der Literaturgeschichte an — folgenreicher blieb es für die Bühne: Reinhardt erfüllte mit der ihm eigenen magischen Gewalt des Dichters neue Bühnenanweisungen zur Entmaterialisierung des Raumes, Szenen aus dem Dunkel auftauchen . und fortgleiten, Gruppen spukhaft im Scheinwerferkegel zusammenfassen und verschwinden zu lassen, eine für die Entwicklung des Bühnenstils wesentliche Entscheidung. Der Weg des Protestanten Sorge führte über Nietzsche zum Katholizismus. Für diesen Mystiker, dem das eigentliche Leben des Menschen in seinem Suchen Gottes besteht und jedes Dichten „heilige Schrift" ist, mußten Begegnungen mit der religiösen Welt des Judentums stattfinden. Gleichzeitig mit dem „Bettler" reifte ein Schauspiel „Guntwar", das sich mit der Schule eines Ein neuer Band der Philo-Bücherei Clara Michelson: Jüdisches Kind aus dem Osten. (Philo-Verlag, Berlin.),, In zwei Erzählungen, einer sehr kurzen und einer, die sich über 30 Seiten erstreckt, schildert Clara Michelson die jüdische Welt des Ostens, wie sie sich um jüdische Kinder, in jüdischen Kindern darstellt. Aber in einem unterscheiden sich diese Geschichten von den bisherigen jüdischen Ghetto- ' erzählungen. Die Menschen des östlichen Ghettos, ihr armseliges Tun und Treiben in den Juden-; gaffen, ihr, von religiöser und, sozialer Tradition fest umschlossenes Dasein und tausendmal idyllisch oder kritisch vdergemütvollvdcr.humoristisch oder verherrlichend .oder mitleidheischend geschildert - worden; hier jedoch werden zum erstenmal kleine - Kinder aus dem östlichen Milieu, abseits atl dieser j Tarstellnngsarten, miberbarmungsloser objektiver 'Analyse, mit allen Künsten moderner, Psychoanalyse lebendig gemacht. v;'. Diese Kinder sind von 'innen her' betrachtet und - damit die jüdische Welt vom Innern.-der Kinder her, aus den Reizen . und' Bewegungen' Ihres stüngen Bewußtseins und UnterbcwußtseinK- — Mmralkritsich ausgedrnckt: jenseits von Gut-und Böse, jüdisch.ausgedrückt: in ungeschiedener Vertuschung des guten rmd des bösen Triebes) künst- < lerisch. ausgedrncktü östliche Kinderfeeken, von Herkunft und Umgebung bestimmt, doch durch ein .besonderes Unbestimmbares geleitet, werden von einem, psychischen Anatomen schärfstens belichtet, feinstens seziert. Aus dieser Analyse ergeben sich gewöhnliche Kinderschicksale, wie sie unzählige .Male im .Osten Vorkommen mögen; durch die künstlerische Darstellung aber werden sie ins Un-, gewöhnliche gesteigert. Diese Steigerung geschieht nicht durch Betonung anteilnehmenden Gefühls, nicht durch Mitleiderweckung, sondern allein durch 'die Mittel.einfacher, neutraler Schilderung. Aber .gerade durch diese Sachlichkeit und scheinbare Teilnahmslosigkeit der Erzählerin wirken die Geschichten erregender als die herkömmliche Sentimentalität von Geschichten ähnlichen Inhalts. „Äjsiib Ormermanns erste Reise" schildert ein Kind des allerärmsten Proletariats, das sich glücklich verbunden fühlt mit dieser Elendswelt, aber unglücklich, bockig und verzweifelt wird, sobald es in eine angenehmere, reinlichere, doch fremde und unverständliche Welt versetzt wird, in-„eine Ferienkolonie in schöner Waldgegend". „Das Leben des"' Kindes Chaim" läuft in wohlhabenderer Umgebung ab. Chaim ist ebenso,'kümmerlich an Körper wie frühreif an Geist, so daß et in selbstgesuchter Einsamkeit und Abgeschlossenheit' das sonst Kindern dieses Alters unbekannte, in die Wirklichkeit hineinwirkende Göttliche und Jenseitige ahnt. Er haßt den kräftigen, gesundheitsstrotzenden, rechthaberischen jüngeren Bruder mit derselben stillen Leidenschaft, mit der er sich den primitiven, rohen Erziehungsmethoden des Lehrers im Cheder, dessen Musterschüler er ist, widersetzt, bis er den Reinigungstod in der brennenden Schule sucht, die Torarolle im Arm. Aber nicht aus diese groben Tatsachen kommt es der Erzählerin an, .sondern auf Die mit außerordentlicher Kenntnis, .der Kinderseele geschilderte. Entfaltung oder Verkümmerung des jugendlichen Bewußtseins. Mit wissenschaftlicher Exaktheit werden die den Erwachsenen unerklärlichen Eigenschaften und Anormalitäten im.Wesen der Jüngsten erklärt durch die - Einwirkung jener grade von den Erwachsenen nicht beachteten Imponderabilien, welche dje kindliche Seele ängstigen, schrecken, belasten, einengen, erweitern, beglücken und beseligen. Es gibt da Meisterstücke, wie die Schilderung der Eisenbahnsährt, die das Proletarierkind vergeblich seiner Welt zu entführen versucht, oder die Erweckung des Bosheitskomplexes in dem sonst sanften, stillen, gedrückten, körperlich verschrumpsten, aber verinnerlichten und vorzeitig.intellektuell geweckten Knaben gegen den robusten, lärmenden, tyrannischen Säugling. So ist das Bändchen gleich wertvoll für die jüdische Erzählungskunst wie für die jüdische Kinderpsychologie. K. P. Jüdisches Leben - Ch. Borodianski: Vom Dybuk zum „Dybuk“ „Vom Dhbuk zum Dybuk (Anski und sein Werk)" — so lautete das Thema, das sich Dr. Ch. Borodianski zum Vortrag im, Berliner Kulturbund gewählt hatte. Der Redner gab in großen Zügen einen Lebensabriß Anskis, des Wanderers zwischen zwei Welten, eine knappe biographische Darstellung, die zugleich in das Geheimnis seines sünfzehnbändigen Gesamtwertes einführen sollte.- Innerhalb dieser selbstgewä-hllm Beschränkung blieben Borodianskis MÜsführsiHM nicht ohne Interesse, zumal die ernste, vergeistsM Art des Vortrages für den Mangel an rethoriichen Mitteln zu entschädigen wußten' Anski (von dem es bisher, noch keine Biographie gibt) wuchsün einer Welt auf, in der der talmudische Rabbinis^ mus int Kampfe mit den volkstümlichen Kräften der Magie und der Mystik lag. Von diesen Kräften, die auch an die-„Austreibung" des Dybuk glaubten, fühlte sich -der junge Aufklärer zunächst nicht berührt. Schon; früh fander Best Weg in die russische Intelligenz rmd den-Kreis--der russischen -Volksdichter.' - Die- Berührung '.mitdem Volk Propheten" auseinandersetzt — Mirjam -Heißt die weibliche Hauptgestalt — und die letzte Arbeit, deren Aufzeichnungen von einer Gestaltung seines Kriegserlebnisses zeugen, ist ein unvollendetes Moses-Drama. Schon in seinem „Bettler" erhebt er dre. Forderung, daß nur religiöse Kunst Kunst sei, Dichtung Mittlerin zu religiösem Erlebnis; er selbst wird seine ganz im katholischen Dogma ruhenden Spiele sür sein' Höchstes gehalten haben, für deren Beurteilung wir nicht zuständig sind. Der dichterische Gestalter Sorge aber tritt uns am reinsten in einem Schauspiel „König David" entgegen. Auch dieses ist dem Werden des Dichters gemäß christianisiert, faßt den Helden als Vorläufer Christi auf, wie die „Mystische Zwiesprache" (mit den alttestamentarischen Szenen' Adam und Eva, Isaaks Opfer, Lied Moses, des Mannes Gottes, Hiob, Methusala) das Alte Testament nur auf. das neue bezieht so fragt Isaak nach seiner Rettung Abraham: „Warum zürnt mir. Gott, mein Vater?" Es geht in diesem Bibelspiel nicht um Davids Kämpfe mit den Menschen, sondern nur um das. „mystische Magdtum" seiner Gott gehörenden Seele. Erlösungstendenzen spielen hinein, in der Art, wie der Dichter die Absalom-Handlung mit der Urias-Handlung verknüpft, um die Gnade Gottes nach der Sünde: in den Schicksalsschlägen,, die den König strafend treffen, erkennt er die „Stunde Gottes, der meinen Frevel rächend mir vergibt". Wir verfallen gewiß keinem jüdischen Chauvinismus, wenn wir Beer-Hosmanns David-Drama höher schätzen als Sorges- Werk, doch ist dessen dichterische, aus der Bibel gewachsene Schönheit nicht unwert, mit der unserem jüdischen Empfinden entsprechenden dramatischen Dichtung verglichen und nicht ganz über dieser vergessen zu werden. Dr. Lutz Weltmann. Jüdische Künstler in England London, Anfang Juni. Für dan Engländer entscheidet nicht der Name, sondern der Erfolg. Beifpielsweise konnte kein - jüdischer Geist weckte immer mehr rein jüdisches Bewußtsein, und als er im Jahre 1910 von weiten Reisen zurückkehrte, hatte er bereits ein jüdisches Volksepos „Aschmedai" („Der Asmodäus") vollendet, in dem die aufklärerischen Tendenzen zum ersten Male durch eine echt jüdische Volksphantasie befruchtet wurden. Eine Abwendung von allen fremden geistigen Einflüssen, vollzog sich dann in Anski, als er in Wilna den Kontrast zwischen der Kvsakeuwelt Und der alten jüdischen Welt kennenlernte. Bon nun an wendet sich sein Interesse uneingeschränkt den^ jüdischen' Volksbräuchen zu: er unternimmt eine solkloristisch-jüdische Expedition durch Rußland, sammelt jüdische Lieder, Sprüche, Märchen und. versucht, ein jüdisches Vvlkstheater zu gründen. Auch seine literarische Tätigkeit ist in dieser Zeit, in der die jüdische Dichtung durch Mendele, Perez und andere bereits ein europäisches Gepräge angenommen hatte, ganz von jüdischen. Stoffen erfüllt. So ergibt sich für Anski der Schritt zum-„Dybuk", denn Höhepunkt seines dichterischen Schaffens, von selbst: er knüpft hier an die uralte Vorstellung der Legende an, und indem er Körperliches und Geistiges, Irdisches und Ueberirdisches miteinander zu verbinden weiß, schafft er eine Synthese, die durchaus den Stempel jüdischen % Künstler mit einer geschickteren Reklame nach Lon- > don gebracht werden als Ernst Deutsch. Kein Geringerer als der große Theaterunternehmer Gilbert M iller stellte ihn in einem Stück heraus, aber schon zwei Tage nach der Erstaufführung verschwanden Stück und' Hauptdarsteller. Wahrscheinlich wegen des -Unwerts des Schauspiels. Solche Beispiele gibt es viele; denn in die-' sein Lande gilt nur was dem Engländer, vor allem der Engländerin, gefüllt. Die Filmkunst ist in England noch jung. Erst der Ungar Alexander Kord a hat sie aus bescheidenen Anfängen zu ihrer jetzigen stolzen Höhe herausgezogen. Heute ist Kordas London Film Corporation neben Gaumont British und British International Fietnres die größte. Kordas erster Erfolg war „Heinrich VIII" mit Laughton: in der Titelrolle.. Auf breiter Basis baute Korda seine - Gesellschaft aus. Er kann es sich leisten, die besten Leute einfach „unter Kontrakt".zu halten, d. h. sie seiner Gesellschaft so zu verpflichten, daß sie für keine andere tätig sein können.-Conrad Bei dt, dessen . „König der Verdammten" vor vielen Monaten ein sensationeller Erfolg war und der heute noch in vielen kleinen englischen Kinos gezeigt wird, ruht schon allzu lange auf seinen Lorbeeren aus, aber Korda hat offenbar noch kein geeignetes Stück sür ihn. Von besonderem Mißgeschick ist Elisabeth B erg n er betroffen. Sie befindet sich nach schwerer Krankheit auf dem Wege ihrer Wiederherstellung. Ihre Verträge mit Londons vielseitigsten Theaterunternehmer C. B. Cochran und die' mit einer großen Filmfirma mußten suspendiert werden. Damit sind sowohl Elisabeth Bergner als auch ihren Vertragspartnern ' erhebliche finan-' stelle Schäden erwachsen. Schließlich wäre es noch zu sehr kostspieligen und-Peinlichen Prozessen gekommen, wenn nicht Cochran im letzten Augenblick die Künstlerin großzügig für den Film im Herbst freigegeben hätte. An diesen Vorgängen, die sich teils in der Presse und in voller Oeffentlichkeit abspielten, teils streng geheim, hinter den Kulissen der Kulissenwelt, hat das englische Publikum in erstaunlichem Maße teilgenommen. In einer anderen Bedrängnis befindet sich der von seiner Tätigkeit in Berlin und Wien noch bekannte Schauspieler Peter L o r r e. Seit dem deutschen Film „M" hatte er fast nur noch Rollen im Film, die ihn als Mörder zeigten. Vor einigen Wochen kam er nach London und suchte eifrig nach Geistes trägt. Daß sie auch in der künstlerischen Formgebung echt wirkt; daß die romantisch-phantastischen und die realistischen Elemente des „Dhbuk", wie der Vortragende meinte, eine unlösbare Einheit darstellen — davon konnte sich jeder überzeugen, der die Aufführung des Werkes durch die Habrma in ihrer Leuchtkraft, ihrem ungeheuren Rhythmus und den grausigen Wallungen einer wirklich-unwirklichen Ekstase miterlebt h^. Der „Dybnk" von Anski mit der neuen Musik vyn Ludovico Rocca, ins Englische übersetzt, von Archie Coates, wurde in der Carnegie - Hall rn N e w - Porst ausgeführt und mußt? dreimal wiederholt werden. Ausführende waren das Orchester und die Oper von Detroit. . Der jugoslawische Rundfunk übertrug in diesen Tagen eine Aufführung der Oper „Dy buk" Vvw Rocca aus dem Nationaltheater in Agstarm Max Nussbaum: Jakob und Laban In der Reihe der Vortrags-Veranstaltungen des' Berliner Jüdischen L e h r h a u s e 8.1 „ G e sta l t e n der Bibel" sprach Dp Max Nußbaum über „Jakob und Laban". Nußbaum gab zunächst eine Darstellung Labans, wobei er die Tendenz ' der jüdischen Traditionsliteratur hervorhob, die negativen Seiten an der Person Labans immer stärker herauszuarbeiten,- Eigenschaften wie seine-Habsucht und seinen berechnenden Egoismus immer deutlicher auszuzeigen. Bevor sich der Referent der Gestalt Jakobs zuwandte, befaßte er sich eingehend mit der Frage, was wir außerbiblisch von den Erzvätern wissen, wieweit sie geschichtlich anerkannt oder nur als sagenhafte Figuren betrachtet werden. Abgelehnt werde in der modernen Bibelwissenschast durchweg die Annahme eines leiblichen Verhältnisses von Großvater, Vater und Sohn zwischen Abraham, Isaak und Jakob, so wie es die Bibel darstellt. Dagegen gehen Historiker und Religions- Philosophen in ihrer weiteren Auffassung der Erzvätergestalten weit auseinander. Während sie für die einen — um nur zwei Theorien herauszuheben — Personifizierung historischer Vorgänge sind, werden sie von anderen als Heldengestalten angesehen, die die Urahnen des jüdischem Volkes und seiner monotheistischen Tradition waren. Für die Tora sind die Erzväter die Bewahrer einer religiösen Urofsenbarung, sittlichreligiöse Vorbilder, wenn sie auch nicht als Heilige ohne jegliche Fehler und Schwächen dargestellt werden. Was für die Erzväter gelte, so leitete Nußbanm zum Schlnßteil seines Referats über, gelte für Jakob im besonderen. An der vorzüglichen Darstellung Jakobs durch Thomas Mann wies der Referent die auch in der Bibel gekennzeichnete Zwiespältigkeit seines Charakters auf. Die Tendenz des nachbiblischen Schrifttums, die Gestalt Jakobs — wie im übrigen ä'uch die" der anderen Erzväter — immer reiner und edler zu sehen, käme verstärkt in dem Drama Richard Beer-Hosmanns zum Ausdruck. Diese Tendenz, so schloß der Redner, sei symbolisch dasüp im Gegensatz zu anderen Völkern die bessere Welt („goldenes Zeitalter") nicht in die Zukunft , zu legen, sondern in der Vergangenheit, in den Uranfängen der jüdischen Geschichte zu erblicken. Lehrhaus Berlin y M o n t a g - V o r 1 e s u n g e n : Gestalten- der7 Bibel I. Manfred Swarsensky: „Joseph und-- seine Brüder.". 22. Juni, 20 Uhr 30 Min., Aula,^ Jvachimsthaler Straße 13. " * Wissens ch a s tliche A r b e i t s g e m e in - s ch a f t. Gerhardt N e u mann: „U.mdie Zukunsp der jüdischen Familie." 25. Juni, 20.30 Uhr,. Ist-, bischer Club, Jvachimsthaler Straße 13, Vorderh. III! Besichtigung des Lehrgutes Neu endo rs bei Fürstenivalde a. d. Spree am Sonntag, 28. Juni. Vorherige Anmeldung im. Sekretariat (10 - bis -13, 16 bis 18 Uhr). anderweitiger Beschäftigung: aber - bisher iit' es "ihm noch nicht geglückt, wieder ein „anständiger Mensch" -im Film zu werden. ... - ..., - Max S ch ä ch ist heute in London als Herr der Capitol-Film-Oorporation einer der. ersten Produzenten. Sein nächster Film ist „Bajazzo". Allein für das Recht der Verfilmung dieser Oper hat er den Betrag von 15 000 Pfund gezahlt. Hauptdarsteller ist Richard. T a ü b e r, der bereits in London, weilt und ängstlich seine Stimme' pflegt. Schon einmal ist diese im Kampf mit dem Londoner Klima unterlegen. Diesmal ist Tauber noch vorsichtiger und hat. sich den. Mai und den Juni für seine Tätigkeit ausbedungen. Auch Jules' Haymann, jetzt Besitzer und Leiter der „Rad'ius“-Film-Ltd. fjat Tauber verpflichtet. Er spielt) die Hauptrolle in einem Film, dessen Titel noch nicht seslsteht: das Buch stammt im wesentlichen, von Rudolf Bernauer, die Musik wird gegen-, wärtig von Oskar Straus vollendet. ■ ) Max M a ck, der als erster in den Anfangszeiten des stummen Films einen Bildstreifen, mit einer größeren Handlungherstellte, ist nach zwei-' jährigem Aufenthalt in London Leiter .einer von ihm' gegründeten Gesellschaft „Oeean kilm" geworden. Sein erster Film im Rahmen der neuen Produktion wird kein Lustspiel sein, sondern ein großangelegtes dramatisches Filmwerk. Gitta Alpar hat hier vor einiger Zeit ihren „Dubarry"-Film herausgebracht. Die Londoner., aber können „ihre" Dubarry, die so jung, verstorbene deutsche Sängerin .Annie Ahlers, nicht vergessen, und wenn die Ankündigungen für den Film Gitta Alpar auch als die „Öriginal-Dubaxry" bezeichneten, so konnte die Ungarin doch' das Andenken an ihre tote Kollegin nicht in den Schatten. stellen. Der saubere Film war nicht der 'erivartete große Erfolg beim Publikum. Aber die - finanzielle Auswirkung dürfte, genügen, um mit der Alpar iy der. Hauptrolle einen zweiten Film der Gesellschaft erstehen zu lassen. Man ist jedenfalls eifrig bemüht, einen solchen zustandezu-, bringen. -p Die Berliner Malerin Käthe Münzer- Neumann (Kate Münzer), die jetzt in Paris lebt, wurde von der „So ei et o Nationalo des B e a u x A r ts" zur S o c i e t ä i r e gewählt. Nach ihrer Ankunft in N e w -?) o rk wird die Berliner Malerin Paula Neuste ld dort ihre Bilder und Zeichnungen ausstellen.

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