Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Und wieder eine Woche... Oer umstehende zusammenfassende Bericht, unseres Palästina-Korrespondenten bedarf der Ergänzung durch die Chronik der jüngsten Tagesereignisse. Auch sie muss wieder von Kleinkrieg und zahllosen Zwischenfällen melden. Ein paar Tage schien es, als sei eine Beruhigung festzustellen. Es erhoben sich mahnende Stimmen, u. a. die des 80jährigen sephardischen Oberrabbiners Jacob Meir, der die Araber unter Hinweis auf die friedliche Vergangenheit der beiden Völker aufforderte, von dem Terror abzulassen. Vergebens! Die neue Woche setzte mit schweren neuen Unruhen ein. Emir Abdullah; In einer Besprechung mit dem Emir Abdullah von Transjordanien versuchte am 3. Juni High Commissioner Sir Arthur Wauchope feinen Einfluss dahin auszuüben, dass der Emir auf die palästinensischen Araber beruhigend einwirkte. Er wies darauf hin, dass sich die Regierung sonst gegen ihren Willen genötigt sehen werde, die schärfsten Massnahmen zu ergreifen. Trotzdem gingen die Terrorakte weiter. Bei der gewaltsamen Auflösung einer Kundgebung in Betlehem wurden zwei Polizisten verwundet. Wegen des Angriffs auf zwei Juden in Rischon le Zion wurde dem benachbarten Dorf Bet Dagon eine Kollektivstrafe von 500 Pfund auferlegt. Auf Grund der von den Angefallenen gegebenen Personenbeschreibung wurden fünf Araber verhaftet. In Rischon le Zion wurden zwei Juden, David Var di und Israel Arger, von Arabern schwer verletzt. Zwei Araber waren in eine jüdische Pflanzung gekommen und hatten um Wasser gebeten. Sie feuerten auf die Juden, die ihpen das Wasser reichten, und ergriffen die Flucht. Die sofort herbeigeeilte Militärpatrouille fand von den Angreifern keine Spur mehr vor. Auch sonst kam es zu Bombenwürfen und Schiessereien zwischen Arabern und der Polizei. In Jaffa und in Lydda wurden je zwei, auf der Strasse nach Akko drei Bomben geworfen. Stundenlang war Palästina ohne Verbindung mit der Aussenwelt, da nicht nur die Telephon-, sondern auch die Telegraphendrähte durchschnitten worden waren. Aus Gaza wird berichtet, dass in der Nähe dieser Stadt etwa 60 Telephon- und Telegraphenmasten umgestürzt wurden. Der durch Störung des Telegraphennetzes in Nordpalästina allein angerichtete Schaden beträgt etwa 4000 Pfund. Verschärfte Polizeimassnahmen Einige neue Anordnungen der Regierung lassen die stärkere Einsetzung ihrer Machtmittel erhoffen. Die „Official Gazette“ veröffentlicht Anweisungen, durch die die Distriktskommissare ermächtigt werden, Kaufleute, die sich weigern, ihre Läden zu öffnen, mit Gefängnis zu bestrafen, Araberführer Mischei Mitri und drei andere Araber wurden in das Konzentrationslager in der südlichen Wüste gebracht. Der Mörder des am 19. April in Tel-Aviv getöteten Elieser Bizutzki, ein Araber namens Achmed Issawi, wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Nun erstreckt sich die verschärfte Strenge der Behörden auch auf die jüdische Seite: Auf Grund der Vorzensur sind die hebräischen Zeitungen zum erstenmal mit weissen Flecken erschienen. Weiter gibt die Regierung bekannt, dass sie vom 17. Juni an keinen Beitrag mehr zur Verpflegung der in Tel-Aviv lebenden 6500 jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa gewähren wird. Sie werden von diesem Zeitpunkt an ausschliesslich auf Unterstützung von jüdischer Seite angewiesen sein. Der 4. Juni ist einer der Tage, an dem die amtlichen Communiques kürzer werden, weil die Zahl der Zwischenfälle zurückgeht. Trotzdem bleibt zu melden, dass in Kfar Saba über 6000 Bäume ausgerodet worden sind. Ein jüdischer Autobus wurde bei Jaffa beschossen. Verletzt wurde niemand. Auch wurde versucht, eine Brücke auf der Strecke Nablus—Tulkerem zu sprengen. In Tiberias entstand eine Panik, als zwei Juden von einem Araberhaufen überfallen wurden. Sechs Araber wurden verhaftet, die Menge zerstreut. Zu Schiessereien, die ohne Folgen blieben, kam es bei Bet Alfa, Machne Israel und bei der Kadoorie-Schule. In Haifa wurde eine Bombe in einen Omnibus geworfen. Angeblich sollen sechs Juden und zwei Araber hierbei verwundet worden sein. Zwei Personen wurden verhaftet. Eine zweite Bombe explodierte vor dem Postamt in Haifa; es wurden einige Fenster zertrümmert. Pflanzungen bei Tel Mond wurden erheblich beschädigt. In dem Dorfe Bet Dagon bei Petach Tikwa, das nach dem Feuerüberfall in einer Plantage von Rischon le Zion durchsucht wurde, sind grosse Mengen von Dynamit, Gewehren und Munition gefunden worden. Tanks und neue Truppen Im Hinblick auf die Fortdauer der Unruhen im Kreis Nablus. sind acht Tanks und weitere Truppen nach Nablus abgegangen. Sie begannen an den Bergabhängen Drahtverhaue zu errichten, um zu verhindern, dass flüchtende arabische bewaffnete Banden sich in die Berge zurückziehen. Zahlreichen arabischen Dörfern wurden Kollektivstrafen zur Deckung der Kosten für die .Wiederherstellung der zerstörten Telephonlinien auferlegt. Obgleich in Auswirkung der am Vortage erlassenen Verordnungen für Sonntag der Befehl zur Wiedereröffnung sämtlicher Geschäfte in Jaffa angekündigt wird und schon heute die jüdischen Ladenbesitzer in den Vorstädten von Jaffa ihre Geschäfte zum erstenmal wieder geöffnet haben, obgleich für die Nichteröffnung eine sechsmonatige Gefängnisstrafe angedroht" wird, übersteigert, die .arabische Streikleitung ihre Streikbefehle. Sie kündigt an, dass innerhalb' der nächsten drei Tage auch die bisher noch nicht dem Streik angeschlossenen Gemeindeverwaltungen ihre Tätigkeit eingestellt haben werden. Auni Bey Abdul Hadi, einer der Führer der Istaklal-Partei, hat "Vertretern der Presse erklärt, dass nach vollständiger Durchführung des Gemeindestreiks auch die arabischen Regierungsbeamten und die mohammedanischen religiösen Institutionen sich dem Streik anschli essen würden, falls die Regierung bis dahin die nationalen Forderungen der Araber nicht erfülle. „Inoffizielle“ Reise nach London Von weniger radikaler arabischer Seite wurde gleichzeitig eine inoffizielle arabische Delegation nach London entsandt, die dort die Sache der palästinensischen Araber vertreten soll. In der Abordnung, die aus vier Mitgliedern, dem Bürgermeister von Jereusalem, Dr. Hussein Khaldi, dem Bürgermeister von Nablus, Suleiman Bey Abdul Resak Teukan, und zwei christlichen Arabern besteht, sind alle gemässigten arabischen Gruppen mit Ausnahme der von dem früheren Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, geführten Arabischen Verteidigungspartei vertreten. Die Nashashibi-Partei bleibt entschiedene Gegnerin der Entsendung einer Abordnung auch inoffiziellen Charakters nach London. Die Reise der Abordnung, die mit Empfehlungsbriefen der Palästinaregierung ausgestattet ist, geschieht mit Zustimmung des Grossmufti von Jerusalem. Bis auf einen tragischen und viele kleinere Zwischenfälle verlief der 5. Juni ruhig. Die Palästinaregierung hat der Jewish Agency mitgeteilt, dass die Vorbereitungen zur Verhängung des Belagerungszustandes über Palästina bzw. der Verkündung des Standrechts nunmehr abgeschlossen seien. Die Regierung fragte bei der Jewish Agency an, ob eine solche Massnahme in ihrem Sinne sei. Die Jewish Agency erklärte in ihrer Antwort, sie sei grundsätzlich gegen den Belagerungszustand, werde aber gegen die Verkündung des Standrechts in gewissen Gebieten keinen Einspruch erheben, falls die Regierung eine solche Massnahme für erforderlich halte. Die folgenden Zwischenfälle, von denen einet sogar zu einem Todesopfer führte, sind im übrigen stnch von diesem ruhigen Tage zu melden: In Jaffa kam es zu einer Kundgebung, nachdem bekanntgeworden war, dass der Herausgeber der arabischen Zeitung „Adifaa“, Shanti, in das Konzentrationslager Augat Hafir in der Wüste gebracht worden war. Die Kundgeber wurden von der Polizei auseinandergetrieben. Eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Haifa—Lydda wurde gesprengt. Ein von Tel-Aviv nach Haifa fahrender Zug wurde durch die Aufmerksamkeit des Zugführers im letzten Augenblick vor Entgleisung bewahrt. Der Führer konnte bemerken, dass die Schienen aufgerissen waren. In Chedera wurden 50 Tonnen Weizen durch Feuer vernichtet. Die Tageszeitung „Hajarden“ ist mit einer ganzen weissen Seite erschienen, da die Zensur die Wiedergabe der von den Rabbinern U s i e 1 und A m i e 1 auf dem Blau-Weissen Tag der Levante-Messe gehaltenen Reden verboten hat. 100000 Pfund Streikgelder Die Stärke der palästinensischen Truppen beträgt gegenwärtig fünf Bataillone mit ungefähr 4700 Soldaten. Die Luftstreitkräfte und die Bemannung der Tanks und Panzerwagen sind hierbei nicht inbegriffen. Gut informierte Wirtschaftsfachleute schätzen die von dem arabischen Streikkomitee zur Unterstützung der Streikenden bisher ausgezahlte Summe auf rund 100 000 Pfund. In diesem Betrag ist die Honorierung von Wechseln streikender Kaufleute inbegriffen. Die Wechsel wurden zum grössten Teil rechtzeitig eingelöst, obwohl die Geschäfte seit sieben Wochen geschlossen sind. Die Zahl der unterstützten Streikenden wird auf 17 000, der für die tägliche Unterstützung notwendige Betrag auf 3000 Pfund geschätzt. Das 29. jüdische Opfer Zwei jüdische Wächter, Samuel Hirschberg und Israel Ben Jehuda, die eine jüdische Pflanzung in einem Vorort von Tel-Aviv bewachten, wurden am Morgen durch Schüsse einer Polizeipatrouille schwer verwundet. Die Wächter hatten Warnungsschüsse abgegeben, als Araber sich der Pflanzung näherten. Auf die Schüsse hin eilte Polizei herbei, die die Wächter irrtümlich für Angreifer hielt. Die beiden Verwundeten wurden ins Hadassa-Krankenhaus gebracht. Dort ist Ben Jehuda am Sonnabend seinen Verletzungen erlegen. Er ist das 29. jüdische Todesopfer der gegenwärtigen Unruhen in Palästina. Der gefallene jüdische Wächter, der im 24. Lebensjahr stand, war 1934 aus Reval eingewandert. Erst vor 14 Tagen hatte er seine Eltern aus der früheren Heimat nachkommen lassen. Die Beisetzung Ben Jehudas hat vom Hadassa-Krankenhaus in Tel-Aviv aus in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag stattgefunden. In Haifa wurde am Sonnabend bei einer arabischen Kundgebung ein Araber tödlich, ein zweiter schwer verletzt. Zu der Strassenkundgebung kam es, nachdem am Morgen drei Araberinnen verhaftet worden waren. Die Polizei, die die Kundgebung auflösen wollte, wurde von den Demonstranten mit einem Steinhagel empfangen. Polizei und Militär konnten nur mit Mühe die Strassen säubern. Auf dem Bahnhof von Lydda wurde der Militärposten von bewaffneten Arabern angegriffen. Auch auf der Strecke Jerusalem—Lydda wurden Militärpatrouillen von herumstreifenden arabischen Trupps beschossen. Die Telephonleitung Lydda—Jerusalem wurde unterbrochen. In Jerusalem waren in der Nacht vom 5. zuni 6. Juni wiederholt Schüsse zu hören, besonders, in der Gegend des Skopusberges; verletzt wurde jedoch niemand. Ein amtlicher Bericht meldet, dass in der Gegend von Beer Schewa mehrere, Bomben geworfen wurden. In Gaza ist das Postamt angegriffen worden. Die Beisetzung des von einer englischen Patrouille erschossenen Arbeiters Israel Ben Jehuda, die noch am Sonnabend abend stattfinden sollte, konnte auf Anordnung der Behörden erst am 7. Juni (Sonntag) um 4 Uhr 30 Min. morgens erfolgen. An der Beerdigung nahmen Vertreter der Stadtgemeinde von Tel- Aviv, der Jewish Agency und des Rabbinats teil. Eine grosse Menschenmenge, die gleichfalls an der Beisetzungsfeier teilnehmen wollte, wurde von der Polizei zerstreut. Oberrabbiner A m i e 1 erklärte in einer leidenschaftlichen Ansprache: „Wir können nicht länger ruhig bleiben. Wir werden uns bewaffnen müssen.“ Der Arbeiterführer Berl Katznelson wies darauf hin, dass Ben Jehuda als Opfer derjenigen Kräfte gefallen sei, von denen man annehme, dass sie uns schützen. Er erklärte, dass es eine Grenze der Selbstbeherrschung gebe. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag haben arabische Terroristen einen Ueberfall auf das jüdische Schlachthaus in Jerusalem verübt und auf die Tiere im Schlachthaus geschossen. Sechs Ochsen wurden verletzt, ihr Fleisch ist daher nach ritueller Vorschrift für den Genuss nicht mehr zulässig. In einem amtlichen Communique wird von sechs Sprengstoffanschlägen in Nazareth, Jaffa und Beisan, Schiessereien beim Skopüsberg und der Verhaftung eines Arabers berichtet, der beim Jaffator in Jerusalem Strassenhändler angegriffen hat. Scharfe Pressezensur In Tel-Aviv, wo der Distriktskommissar für den Süddistrikt, R. E. N. Crosbie, persönlich eine scharfe Zensur über die hebräische Presse ausübt, war eine Druckerei geschlossen worden, weil sie eine Extraausgabe unter dem Titel „Blau-Weise“ hergestellt hatte, in der die Reden von Rabbi Uziel und Rabbi Amiel auf dem Blau-Weiss-Tag der Levantemesse veröffentlicht worden waren. Die Wiedereröffnung der Druckerei wurde am Sonntag abend gestattet. Eine Kolonne von fünf Autobussen der Gesellschaft Egged wurde auf der Fahrt von Tel- Aviv nach Jerusalem in der Nähe der Kolonie Moza durch Gewehrfeuer aus dem Hinterhalt überfallen. Die die Kolonne begleitende Militäreskorte antwortete mit Maschinengewehrfeuer. Waffenschmuggel und Gefechte Nach in Jerusalem eingetroffenen Meldungen ist es zu einem Zusammenstoss zwischen Truppen und Arabern gekommen, die aus der Wüste Waffen nach Palästina einzuschmuggeln versuchten. Zwei Schmuggler sollen verwundet worden sein. In Jaffa ist eine grössere Zahl. arabischer Flüchtlinge aus der Gegend von Dschenin und Tulkerem eingetroffen, wo es in letzter Zeit zu Kämpfen zwischen Aufständischen und Militär gekommen ist. Die Flüchtlinge sind zum grössten Teil Greise, Frauen und Kinder. Der Sohn des Bürgermeisters von Tulkerem, Salim Abdul Rachman, sollte als einer der Hauptorganisatoren des Terrors in diesem Kreise in das Konzentrationslager in der Sinaiwüste gebracht werden. Er entfloh in die Berge um Nablus, wo er sich einer bewaffneten Terroristenbande angeschlossen hat. Am 7. Juni, abends, kam es bei dem Araberdorf Lifta, das von Truppen umzingelt wurde, nachdem vorher ein Ueberfall auf eine Aufobuskolonne verübt worden war, zu einem Gefecht zwischen dem Militär und den Aufrührern, das die ganze Nacht andauerte. In Jerusalem entstand am gleichen Abend im jüdischen Geschäftsviertel ein grosser Brand. Der Schaden wird auf 5000 Pfund geschätzt. Der Holzplatz von Aron N a t a n i e 1, einem Mitglied der Exekutive des Wellmakkabi, wurde vollständig vernichtet. Auf die bevorstehende Brandstiftung war in Drohbriefen hingewiesen worden. In Jaffa kam es zu Freudenkundgebungen auf den Strassen, nachdem die falsche Nachricht verbreitet worden war, die jüdische Einwanderung sei eingestellt worden. In Nablus wurde am Sonntag ein Bombenanschlag gegen das Gebäude der Stadtverwaltung verübt. Verletzt wurde niemand. Die Leitung der Stadtverwaltung von Jerusalem liegt in den Händen eines englischen Kommissars, da der Bürgermeister in den Streik getreten ist. Es wurde auch Polizei in Nablus beschossen, ohne dass jemand zu Schaden kam. Die Eisenbahnlinie bei Khan Junis ist beschädigt worden. Bei Mesha wurden 3000 Bäume ausgerodet. Neue Verhaftungen In Jerusalem wurde Sonntag abend bekannt, dass Auni Bey Abdul Hadi, einer der Führer der Istaklal-Partei, der im arabischen Streikkomitee eine besondere Rolle gespielt hat, verhaftet worden ist. Diese Nachricht .machte starken Eindruck. Sie wurde auf jüdischer Seite als Beweis dafür begrüsst, dass die Regierung entschlossen ist, die Ausdehnung des Streiks auf Regierungeämter zu verhindern. Es ist nämlich bekannt, dass Auni Bey Abdul Hadi vor allem die Streikpropaganda unter den Regierungsbeamten getrieben hat. Die Verhaftung erfolgte während einer Sitzung des Obersten arabischen Komitees. Auni Bey Abdul Hadi wurde in das Konzentrationslager in der Wüste gebracht. In dieses Lager wurden auch F a k r i B e y Nashashibi und drei andere hervorragende Araber aus Jerusalem eingeliefert. Verhaftet. wurde auch, der Bürgermeister von Jaffa, Assem Bey Said. Mit Rücksicht auf sein hohes Alter wurde er jedoch nicht in das Wüstenlager, sondern in ein neues bei Sarafend errichtetes Lager gebracht. Der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Hussein el Khaldi, der als Mitglied der inoffiziellen arabischen Delegation nach London gehen sollte, hat seine Abreise zurückgestellt, sobald er von den neuen Verhaftungen erfuhr. Er hat auch den geplanten Streik der Stadtverwaltung von Jerusalem zunächst verschoben. Eine Konferenz streikender ■ arabischer Bürgermeister ist aus Furcht vor Verhaftungen vertagt worden. Aus Aegypten ist ein weiteres Bataillon eingetroffen. Ein zweites wird erwartet. In Kantara. der Eisenbahnstation an der palästinensischägyptischen Grenze, wurde eine militärische Operationsbasis eingerichtet. Von Genietruppen wird ein Feldtelephonnetz angelegt. Diese umfassenden militärischen Vorbereitungen stellen offenkundig die Antwort der Regierung auf die Ablehnung des Vermittlungsvorschlages Emir Abdullahs durch das Oberste arabische Komitee dar. Emir Abdullah hatte am Sonnabend eine Abordnung des Obersten arabischen Komitees nach Transjordanien eingeladen und den Vorschlag gemacht, dass der Terror in Palästina eingestellt werde, damit die englische Regierung an die Entsendung einer Kgl. Kommission nach Palästina zum Studium der Verhältnisse und zur Untersuchung der angeblichen Beschwerden herantreten könne. Die Abordnung erklärte jedoch dem Emir, dass Verhandlungen mit der Regierung erst möglich sein würden, wenn die jüdische Einwanderung eingestellt wird. Nach Rückkehr der Abordnung hielt das Oberste arabische Komitee eine Sitzung ab, an der auch der Grossmufti, der Bürgermeister Dr. Khaldi und. der Vorsitzende der arabischen Verteidigungspartei, der frühere Bürgermeister Ragh e b Bey Nasha - shibi, teilnahmen. Es wurde beschlossen, die arabischen Regierungsbeamten in dieser Woche zum Streik aufzurufen. In London In London haben die palästinensischen Araber eine Propagandazentrale unter der Leitung des Sekretärs der Mufti-Partei und Redakteurs der Zeitung „El Liwaa“, E. A. Ghory, eröffnet, um in England Sympathien für den Kampf gegen weitere jüdische Einwanderung nach Palästina zu werben. Das Propagandabüro überschwemmt die englischen Redaktionen täglich mit Zuschriften, Den ganzen Ernst der schweren politischen Problematik, die die Palästinaunruhen für England erneut aufgeworfen haben, atmet auch ein neuer Artikel der offiziösen Londoner Zeitschrift „Great Britain and the East“. Es werde in England, so wird in 'dem Artikel ausgeführt, noch nicht zur Genüge erkannt, dass die Feindseligkeit der Araber gegenüber dem zionistischen Experiment vor allem psychologisch bedingt ist, dass sie auf Furcht beruht. Diese Furcht könne man für unvernünftig halten, sie sei aber nicht unverständlich. Werde die Angelegenheit auf einen statistischen oder wirtschaftlichen Nenner gebracht, dann hätten häufig die Zionisten die besseren Argumente; lassen sich die Araber auf Zahlen ein, dann benutzen sie ihr schwächstes Argument. Das Palästinaproblem aber sei nicht ein Problem der Statistik; weit grundsätzlichere Dinge seien hier im Spiel. Ohne jeden Zweifel werde die Kgl. Kommission die Richtigkeit dieser Diagnose erkennen. Der Artikel befasst sich sodann mit der Frage, ob Italien für die gegenwärtigen Unruhen verantwortlich zu machen sei. Es sei wohl richtig, dass von italienischer Seite monatelang in Palästina Propaganda getrieben und Geld verteilt wurde. Aber es sei kindisch, anzunehmen, dass das Land ohne diese Intrigen nie mehr seine Unzufriedenheit gezeigt hätte, nachdem es sich 1920, 1921, 1929 und 1933 gegen die zionistische Politik erhoben hat. Durch die italienische Propaganda seien die Flammen höchstens nur noch mehr angefacht worden. Nie sei Engländern, heisst es zum Schluss, eine weniger beneidenswerte Aufgabe gestellt worden als bei der Verwaltung Palästinas. Dass Gesetz und Ordnung wiederhergestellt werden müssen, stehe unumstösslich fest; aber allenthalben werde anerkannt, dass die Araber berechtigt. sind, die Kooperation in friedlicher Weise zu verweigern, um ihre Ziele au erreichen. Die Waffe des Streiks sei den Zionisten selbst gut bekannt und werde von ihnen nicht selten benutzt; das Unheil komme daher, dass gewisse Teile der palästinensischen Bevölkerung leicht erregbar sind. Sollten aber die krampfhaften arabischen Brutalitäten den Beobachter zu der Annahme verleiten, dass bei Festigkeit und Kontinuität in der Politik letzten Endes alles gut sein werde, würde er sich schwer irren. Auf der .gegenwärtigen Linie gebe es überhaupt keine Lösung. Es könne nicht überraschen, dass ein Schiff, das keinem bestimmten Hafen zusteuert, von Felsen zu Felsen eines zerstörenden Kampfes anstösst. Aber man tadele nicht die Palästinaverwaltung: die Verantwortung für die Kursordre treffe nicht Jerusalem, sondern London. — ^°AM r°4FR/KA perner ost^PALESTlNE L ORIENT LLOYD paukst^ BERLIN W 15, MEINEKESTRASSE 2 J 1 73 03