Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-9449481-9449388--10468-9449109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
Nr. 24 3. Beiblatt Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung Ein neuer Abschnitt Von unserem ^-Palästina-Berichterstatter Schon wieder ist ein neuer Abschnitt in den palästinischen Unruhen zu verzeichnen. Zu dem Kleinkrieg und Terror ist der reguläre Bandenkrieg hinzugetreten, Brandstiftungen und Massenzerstörungen von Bäumen, Ueherfälle auf Autos und Menschen, Bombenwürfe und Anschläge auf die Eisenbahnen haben keineswegs aufgehört, aber im Vordergrund stehen jetzt die bürgerkriegsähnlichen Kämpfe, die sich insbesondere in dem Dreieck Nablus—Tulkerem—Djenin abspielen. Auf beiden Seiten stehen sich grössere Massen gegenüber; auf englischer Seite Militär mit Artillerie, Flugzeugen und Tanks, auf arabischer Seite starke und gut bewaffnete Banden, die in letzter Zeit auch durch ehemalige türkische Soldaten und arabische Polizisten einen Zuwachs erhalten zu haben scheinen. Aus dem Verlauf der Kämpfe möchte man beinahe schliessen, dass die englischen Kommandostellen die Stärke dieser neuen Bewegung zunächst erheblich unterschätzt haben. Erst nach Heranziehung beträchtlicher Verstärkungen gelang es, wenigstens einigermaßen normale Zustände wiederherzustellen und Nablus gewissermaßen „zurückzuerobern“. Heber achttausend Mann englischer Militär- und und Polizeikräfte dürften jetzt schon in Palästina konzentriert sein, eine relativ hohe Anzahl, wenn man bedenkt, dass Indien mit seiner dreihundert mal grösseren Bevölkerung von nur sechzigtausend Mann regulärer Truppen (und etwa zweihunderttausend Mann Reserveformationen) beherrscht wird. Hinzu kommen freilich die in Haifa ankernden britischen Kriegsschiffe, deren Besatzung sich in letzter Zeit schon in mehreren, freilich noch vereinzelten Fällen, an bestimmten Sicherheitsmassnahmen beteiligt hat. Im allgemeinen wird, im Hinblick auf den Mandats- Status Palästinas, nach Möglichkeit der Eindruck gewahrt, dass nicht Englands Macht eingesetzt wird, sondern dass die Palästina- Regjerung, allerdings unter Heranziehung der ihr zu Gebote stehenden Reserven, von sich aus die Ordnung aufrecht erhält. Eine wirksame Verstärkung des Sicherheitsdienstes bilden in den Dörfern die jüdischen Wächter und in den Städten die jüdischen Ordner. Dagegen ist der E-i n - salz wert der arabischen Polizei nicht einheitlich zu beurteilen. Neben zahlreichen Fällen loyalster Pflichterfüllung — ein arabischer Polizist und einige arabische Wächter haben sogar ihr Leben eingebüsst — werden auch Fälle äusserst zweifelhafter Haltung bekannt. * Wenn man nicht den meistens sehr unzuverlässigen Gerüchten Glauben schenken will, aber andererseits auch die amtlichen Nachrichten als recht unvollständig erkannt hat, so ist man für die Vorgänge in entlegeneren Bezirken auf die Nachrichten und Aufsätze angewiesen, welche die hebräische Presse nach einer gewissen sachverständigen Prüfung aus den arabischen Zeitungen, 'deren „Kriegsberichte“ sonst mehr agitatorischen als informatorischen Wert haben, übernimmt. Auf diesem Wege erfuhr man zum Beispiel, dass die arabischen Polizisten in Tulkarn in den Streik getreten sind, und dass die arabischen Schutzleute in Jaffa — ein an sieh schon bedenklicher Vorfall — eine Protestversammlung abgehalten haben. Gegenstand des Protestes war die ^Tatsache, dass englische Polizeibeamte zwei arabische Polizisten erschossen und einen dritten arabischen Polizisten körperlich gezüchtigt haben. Diese Vorfälle im Verein mit dem gelegentlichen Auftauchen englischer Waffen in den Händen arabischer Banditen müssen als Sympton für die Lage gelten. Die amtlichen, noch immer zweimal täglich erscheinenden Bulletins über die Lage geben* soweit es sich um allgemein bekanntgewordene Vorfälle aus den grösseren Städten handelt, nur eine gedrängte Auswahl der Ereignisse unter besonderer Berücksichtigung der harmloseren Zwischenfälle. Aber wenn man in der vergangenen Woche fast jede Nacht in Tel - Aviv Bombenexplosionen und Maschinengewehrfeuer aus dem benachbarten Jaffa hörte, so kann man sich nur schwer vorstellen, dass wirklich nur die relativ wenigen Verletzungen und Todesfälle, die das amtliche Communique verzeichnet, vorgekommen sein sollten. In der Tat wird erzählt, dass gerade in den letzten Tagen die Verluste auf der arabischen Seite recht erheblich waren, was sich ohne weiteres aus der verstärkten Gegenwirkung der englischen Behörden und der jüdischen Wächter gegen den zunehmenden arabischen Terror erklären würde; die kleine Abnahme der Terrorakte in den allerletzten Tagen ist zweifellos mehr auf diese Gegenwirkung zurückzuführen als auf die Anti-Terror-Erklärung des Nationalen Comites von Nablus, die zwar im amtlichen Kriegsbericht nachdrücklich erwähnt wird, aber bei der terroristischen Jugendbewegung, die sich auch vom „Obersten Arabischen Rat“ nicht viel vorschreiben lässt, nur wenig Eindruck gemacht zu haben scheint. Mehrfach mussten’ auch die Radiosendungen unterbrochen werden, weil die Drahtleitung von den in Jerusalem befindlichen Ateliers zu der Sendestation in Ramallah unterbrochen worden war; man half sich mit Schallplatten, die unmittelbar aus Ramallah gesendet werden können. Trotzdem erlitt die Bekanntgabe der amtlichen Mitteilungen keine Unterbrechung. Die gesamte arabische Presse, die in Streik getreten war, als der High Commissioner sie zwingen wollte, die amtlichen Nachrichten zu verbreiten, ist auf zwei Wochen verboten worden; die Regierung gibt ein eigenes Nachrichtenblatt in arabischer Sprache heraus. Ein seltsames Beispiel für die „Publizitätspolitik“ der Palästinaregierung war die Ankündigung, dass die Polizei zur Zerstreuung von Ansammlungen künftig Tränengas verwenden würde. Der Tenor der ganzen Ankündigung war weniger eine Drohung, als eine Beruhigung darüber, dass dieses Gas bestimmt keine dauernden gesundheitsschädlichen Wirkungen habe. Aber der darin zum Ausdruck gelangende Wille, bis zur äußersten Grenze eine friedliche Beilegung der Unruhen anzustreben, ist durch die Ereignisse überholt worden. Nach den neuesten Bluttaten der Araber hat es bei der Abwehr neuer Terrorakte in Nablus, Jaffa, Tulkerem, Herzlia und an anderen Orten arabische Tote gegeben und seit den Erfahrungen von Nablus und der Ermordung eines englischen Schutzmannes in Jerusalem werden auch Polizei und Militär mit aller Schärfe eingesetzt und die Truppen gehen unter Anwendung aller Kampfmittel vor. Auch der Versuch, die Autobusse zwischen Tel-Aviv und Jerusalem wenigstens teilweise ohne polizeiliche Bedeckung fahren zu lassen, hat sich, wie die neuen Blut- „ opfer beweisen, nicht bewährt; sie fahren jetzt die ganze Strecke unter militärischem Schutz, dafür seltener und in grösseren Gruppen. Ehe wir diese Wendung in der politischen Haltung der Mandatsregierung untersuchen, sollen ein paar Bemerkungen über die „strategischen“ Verhältnisse eingeschoben werden. Auf dem Lande sind die jüdischen Siedler, die ja ausserdem grösstenteils den ganzen Tag über schwer arbeiten müssen, nicht zahlreich genug, um die weiten Strecken, die beobachtet werden müssten, wirklich restlos zu bewachen, auch Polizei und Militär stehen nicht in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Man muss sich natürlich in erster Linie auf den Schutz der Häuser und Menschen, des Viehs und der Geräte konzentrieren. Diese Taktik hat insofern vollen Erfolg gehabt, als kein wirklicher Angriff auf geschlossene jüdische Siedlungen, seien sie auch noch so klein und isoliert, bisher versucht worden ist; ein erheblicher Unterschied von den Unruhen früherer Jahre, in denen die Araber die Stärke des jüdischen Jischuw noch weniger hoch eingeschätzt hatten. Wo diesmal vereinzelte Vorstöße unternommen worden sind, wurden sie, oft blutig, abgeschlagen. Auf der anderen Seite musste man bei diesem System der konzentrierten Verteidigung natürlich damit rechnen, dass auf den weiten Feldern, in einsamen Stallungen oder Pumphäusern sowie in dunkelen Pardessim nächtliche Sabotagen und Brandstiftungen nicht ganz verhindert werden konnten. Hinzu kommt, dass fast überall die Araber die strategisch günstigen Punkte bewohnen; sie sitzen auf Bergen, von denen sie herunterschiessen, ohne sich blicken zu lassen — fast immer freilich auch ohne zu treffen — nach dem Kampf verschwinden sie in ihren Schlupfwinkeln, in die sie ihre Verwundeten und Toten mitnehmen — daher die ungenauen Angaben über die arabischen Verluste. Immer wieder ist die Regierung von jüdischer Seite darauf aufmerksam gemacht. worden, dass tausend Beweise für grossen illegalen Waffenbesitz der Araber vorliegen. Erst nach den Vorfällen von Nablus hat es die Regierung geglaubt. Schritt für Schritt, wenn auch immer noch zögernd, zieht sie die Konsequenzen aus der Tatsache, dass sie sich im offenen Kriegszustand mit den Arabern befindet, s i e als englische Vertreterin und nicht nur als gesetzmäßige Schützerin der jüdischen Heimstätte. Die erwähnten Bandenkämpfe spielen sich in rein arabischen Gegenden ab, deren Einwohner kaum Berührung mit Juden haben! Jetzt gehen nicht nur Polizei und Militär schärfer vor. Man versucht endlich, die mit krassen Verleumdungen arbeitende Hetze zu unterbinden. Man verbot nicht nur die arabische Presse, sondern schickte eine Reihe der schlimmsten Hetzer, die bisher mit der milden Strafe der Verweisung von einem Ort in den anderen davongekommen waren, in ein wohl verwahrtes Konzentrationslager im südlichsten Teil des Landes, am Rande der Wüste Sinai. Man unterband die Ueberlandfahrten der Agitatoren durch scharfe Kontrolle des Autoverkehrs und man schlug einen Versuch der Gefangenenbefreiung blutig nieder. Die entscheidende politische Wendung wurde eingeleitet durch die Rede des High Commissioners auf dem Empiretag der Levantemesse, in der er zur allgemeinen Ueberraschung eich viel deutlicher als bei seiner Eröffnungsrede zur politischen Lage äuseerte und erklärte, dass England sich durch keine Drohung von der Erfüllung seiner Mandatspflichten abbringen lasse. Es folgte, auf dem Marinetag der Messe, eine grosse Rede des „Außenministers" der Jewish Agency, Professor Schertock, mit scharfen Warnungen an die Mandatsregierung und die arabischen Hetzer, bekräftigt durch die ein paar Tage später gehalten Trauerrede für einen ermordeten Studenten der Universität Jerusalem, in welcher der Sprecher der Studentenschaft in höchster Erregung erklärte, dass auch die von der Regierung so oft gelobte Selbstbeherrschung und Zurückhaltung der Juden ihre Grenzen habe. Hinzu kommt, dass die Mandatsregierung durch die Wiederherstellung der Ruhe in Syrien und Aegypten an beiden Grenzen mehr Bewegungsfreiheit hat. Die italienischen Eroberungen an den Grenzen des Sudan haben gewisse gemeinsame Interessen für England und Aegypten stärker in den Vordergrund treten lassen und die Nachricht, dass die arabischen Streikkomitee gerade von ägyptischen Nationalisten grössere- Unterstützungen erhalten hätten, wird stark bezweifelt. Aufsehen erregte dagegen die Mitteilung, dass der italienische Generalkonsul in Jerusalem zum Range eines bevollmächtigten Ministers erhoben worden sei. Ein offiziös inspirierter Pressekommentar bemerkt dazu, dass die Verleihung eines solchen diplomatischen Ranges an dieser Stelle nicht verständlich sei, dass Palästina kein selbständiger Staat sei, also fremde Länder hier keine ~ politisch-diplomatischen Vertretungen unterhalten könnten. Indessen macht die wichtigste jüdische Selbsthilfe, die wirtschaftliche Emanzipation, weitere Fortschritte. Die. Arbeitsleistung des Hafens Tel-Aviv steigt von Tag zu Tag; schon sind nicht nur verschiedene Waren ausgeladen, sondern auch allerlei Produkte für den Export eingeladen worden. Die eiserne Landungsbrücke wird in Länge und Breite verdoppelt. Ihre endgültige Breite wird 6 Meter betragen, ihre Länge 150 Meter, so dass sie über die äußerste Klippen- und Brandungsreihe hinausreicht. Die Zeichnungen für die Maritime Trust Company (Ozar Mifalej Jam, Fonds für See-Arbeit), die in erster Linie dem Hafenausbau dient, haben in wenigen Tagen mehr als 70 000 LP ergeben; an den Sonderschaltern der Banken drängte sich das Publikum, darunter viele Arbeiter, die keineswegs ein Bankkonto besitzen, sondern ihre Pfundnöten gleich in bar mitgebracht hatten. Die drei jüdischen Reedereien des Landes, die bisher zusammen über sechs Ueberseedampfer mit rund 25 000 Tonnen verfügen, haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Neue Leichter und Motorschlepper sind in Tel-Aviv in Dienst gestellt worden und einige Jaffaer Handelsfirmen haben ihre Büros nach Tel - Aviv verlegt. Indessen finden in Jaffa beinahe täglich Demonstrationen der unterstützungsbedürftigen arabischen Hafenarbeiter statt und eine Gruppe arabischer Kaufleute hat vom Obersten Rat sofortigen Streikabbruch gefordert. Am nächsten Tage ermächtigte ein Notstandsgesetz die Distriktkommissare, 1. Verwirklichung und Wirklichkeit Der Traum von Erez Jisrael ... Die hündische jüdische Jugend in Deutschland fühlte 1933, soweit sie sich zum Zionismus bekannte, dass die Stunde zur Verwirklichung ihres chaluzischen Ziels gekommen war. Sie schien vor einem Weg in die Wirklichkeit zu stehen, der tatsächlich versprach, ein Weg der Verwirklichung zu werden. In einer langen und ziemlich schweren Entwicklung war sie zur chaluzischen Entscheidung gekommen, und bestimmte Vorstellungen einer neugeformten Gesellschaft und Gemeinschaft wären herangereift. Nicht nur der sozialen Not der Juden sollte Palästina steuern, nicht nur eine „Heimstätte“ mit dem etwas blassen Klang des Begriffes sollte es sein, sondern der Ort einer gesellschaftlichen Verwirklichung, von der man sich etwas allgemein Richtungweisendes erhoffte. Entsprach der Gedanke der Berufsneuschichtung der jüdischen Jugend — den ja alle, auch die nichtzionistischen Gruppen der jüdischen Jugend in Deutschland grundsätzlich bejahten — durchaus der realen Wirklichkeit, so stellte ihn der Begriff „Chaluziuth" noch auf eine ganz andere Ebene und machte ihr/ aus einer nüchternen Notwendigkeit zu einer Weltanschauung. Man wollte mitbeteiligt sein am Aufbau des jüdischen Volkes in Palästina und man erkannte klar, dass dieses neue jüdische Volk ein Volk von Bauern, Handwerkern und Arbeitern und nicht in erster Linie eines von Kaufleuten und Angehörigen der freien Berufe sein müße. Wesentliche Voraussetzung dieses neuen volklichen Aufbaus schien überhaupt die Wiederverknüpfung des Juden mit Handarbeit und Boden zu sein. Man wollte auch nicht einfach „siedeln gehen“ und im übrigen so weiter leben, wie man in der Galut gelebt hatte. Man verwarf nicht nur die soziale Struktur des Galutjudentums — die ja objektiv unmöglich geworden war —, sondern mindestens ebensosehr die Form seiner geistigen Existenz. Das „Wesen des Judentums", im Laufe des 19. Jahrhunderts fraglos zu einem Substrat religiöser Formulierungen verdünnt, sollte auf seinen nationalkulturellen Boden zurückgeführt und von daher neugebaut werden. Die jüdische Gemeinschaft an sich sollte auf neuen ethischen und gesellschaftlichen Gedanken fassend errichtet werden. Diese Ziele, im festgefügten Mittel- Kaufleute zur Oeffnung ihrer Läden zu zwingen und im Weigerungsfälle zu bestrafen; das Gesetz ist freilich noch nicht angewandt worden. Der Bericht der Barclays Bank stellt fest, dass die Wirtschaft, im arabischen Sektor vollkommen stagniert, im jüdischen aber Anzeichen der Belebung zeigt. Wichtig ist dabei, dass ja die Einwanderung nicht nur auf dem guten Willen der Einwanderer beruht, sondern auf dem Zwang der Verhältnisse; der April brachte gerade in der Kapitalisten-Einwanderung eine Rekordziffer. Auch die grossen Straßenbau- und Siedlungsprojekte — Schaffung rein jüdischer Verbindungsstrassen und neuer widerstandsfähiger Siedlungsblocks — geben Anregungen, wenn auch nicht verkannt werden soll, dass die Beeinträchtigung der Touristensaison und der Unternehmungslust auf dem Gebiete der privaten Wirtschaft sowie das Abreißen der Geschäftsverbindungen mit den Arabern — die natürlich später in irgendeiner Form wiederaufgenommen werden müssen — und die Fülle von technischen Hemmungen auch der jüdischen Wirtschaft schweren Schaden zugefügt hat und die Frage der Regierungsentschädigung für die durch Brandstiftung und Baumfrevel zerstörten Werte noch immer nicht generell geklärt worden ist. In Tel-Aviv ist eine „Woche der jüdischen Butter" eingelegt worden, da die Kolonien der Umgebung, die durch die Verkehrsunsicherheit von ihren alten Absatzmärkten abgeschnitten waren, grosse Mengen Frischmilch zu Butter verarbeiten mussten, die nun abgesetzt werden soll. Leichte Preissteigerungen sind vorübergehend, ebenfalls durch verkehrstechnische Schwierigkeiten, auf dem Eiermarkt eingetreten. In Jerusalem sind durch die Bemühungen des jüdischen Vizebürgermeisters Auster die stillgelegten Straasenbau-Arbeiten mit jüdischen Arbeitern wiederaufgenommen worden und in der Kolonie Gederah haben jetzt die Araber der Umgebung, die sich zunächst dem Streikterror gebeugt hatten, beim jüdischen Gemeinderat um Wiedereinstellung an ihren alten Arbeitsplätzen gebeten. Im Hafen von Haifa herrscht mit einer verstärkten Belegschaft von 1300 arabischen und 400 jüdischen Arbeitern Hochbetrieb. europa von Juden unmöglich zu verwirklichen, sollten nun im brachen Land Palästina erreicht werden. Man sagte sich, dass man von Anfang an diese Ziele aufstellen müsse und sah im „Kibbuz“, der Gemeinschaftsform des arbeitenden Palästina, den Hebel, der, genügend verstärkt, die Kraft haben würde, die Entwicklung des Landes zu bestimmen. Der Traum einer organisch wachsenden und gerechten jüdischen Volksgemeinschaft gab die Kraft, die unsagbar schweren Aufgaben, die das jüdische Leben in Deutschland seit 1933 stellte, nicht etwa mit dem letzten verzweifelten Elan einer „verlorenen Rotte“ zu erfüllen, sondern mit dem Schwung und der Begeisterung von Freiwilligen, die das Leben einsetzen, um es zu gewinnen. — Während der Hachschara-Zeit quälte man sich in Deutschland, Litauen, Dänemark, Jugoslawien und in vielen anderen Ländern Europas ab, um zuerst einmal arbeiten zu lernen. Unter schlechten Wohn- und Nahrungsbedingungen, oft krank, müde, von persönlichen Sorgen zerrissen, lebte man ein, zwei Jahre. Aus Kaufleuten, Studenten und solchen, die es eigentlich hatten werden wollen, wurden Arbeiter, die in ihrer Freizeit, wenn sie nicht vor Müdigkeit umsanken, Hebräisch lernten, jüdische Fragen erörterten oder Bücher lasen. Freilich darf man sich dieses Leben nicht so heroisch vorstellen, wie es begeisterungsfähige und phantasiebegabte Journalisten so häufig schildern: der „Heroimus“ wird einem immer erst hinterher klar; steht man mitten in den Dingen, so hat man Mühe, sich ihrer zu erwehren, und viele Menschen, die auf Hachsehara gegangen sind, sind als gute Arbeiter zurückgekommen, aber unsagbar ernüchtert, weil es eich herausgestellt hatte, dass die Woche aus sechs Alltagen und nur einem Schabbat besteht, wobei die Alltage schwerer wiegen. Diese Ernüchterung war vielleicht überhaupt das beste an der Hachschara, wenn ihr auf der andern Seite der gefestigte Wille zum Leben als jüdischer Arbeiter in Palästina entsprach. Denn die Ideologie der Bünde entsprach der Situation in der Galut und war noch eine Art seelischer „Eiserner Ration“ für Hachschara und Ali ja; drüben in einer Welt, die man sich trotz aller Bücher und Schilderungen nie recht hat und nie wird vorstellen können — sieht alles ganz anders aus, die Fragen und infolgedessen auch die Antworten. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Jugend im Alltag Palästinas Ein junger Mensch, der aus dem Kreise der früheren C.-V.-Jugend stammt, hat mehrere Monate inmitten der jüdischen Jugend Palästinas, vor allem der aus Deutschland eingewanderten, gelebt. Der Bericht über diese Zeit erscheint in der C.-V.-Zeitung GüL-DUlZOLUW A €©□ * ßMIMHUUJ!© IIMIMS©^© *• DU« Fernsprecher: F8 Oberbaum 9191 LAG ERHÄUSER WARE N - TRAN SRO RT E Umzüge von allen Orten Deutschlands nach allen O (ASIA- HAUS) Fernsprecher: 31 27 51 rten der Welt.