Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 23 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 4× ep/1047930
- Safed 3× ep/1046078
- Lod 2× ep/1045074
- Hebron 1× ep/1047559
- Kfar Saba 1× ep/1047977
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stört, da die Leitungen durchschnitten worden waren. Infolge dieses besorgniserregenden Anwachsens der Unruhen haben die Behörden anl Dienstag zum erstenmal Juden zur Selbstverteidigung mobilisiert. Dies geschah in Rechowot. Ferner wurde eine neugebildete jüdische Polizeitruppe im Hinblick auf die Unverlässlichkeit der arabischen Polizei nach Tulkerem gebracht. Schwere Kämpfe zwischen Arabern und englischen Truppen In den Schewuot-Tagen war zwar eine leichte Entspannung zu spüren, doch fanden auch am Mittwoch in Jaffa wieder mehrere Ueberfälle auf Polizisten statt. Das Feuer wurde von den Polizisten erwidert. In allen Landesteilen wurden vielfach Schüsse aus dem Hinterhalt auf Polizeipatrouillen abgegeben. In der Umgebung einer Anzahl jüdischer Siedlungen im Emek- Tal kam es zu Schiessereien, über deren Opfer jedoch keine zuverlässigen Nachrichten vorliegen. In Petach Tikvah, das im Herzen des Orangen- und Zitronengebietes liegt, wurde ein Orangenlagerhaus niedergebrannt. In der Anßiedlung von Raana suchten die Araber die Bewässerungsanlage zu zerstören. Die Durchsuchung arabischer Dörfer wird mit aller Energie weitergeführt. In drei Dörfern wurden grössere Mengen von Waffen entdeckt. Die Nachricht, dass während der Unruhen englische Soldaten getötet worden seien, wurde von offizieller Stelle dementiert. In dem bergigen Gelände an der Strasse von Jerusalem nach Nablus, hat am Mittwoch vormittag ein regelrechtes Gefecht zwischen bewaffneten Araberbandeh und britischem Militär stattgefunden, das erst nach Heranziehung von Polizeiverstärkungen den englischen Soldaten Erfolg brachte. Die Araber hatten , sich an den Bergabhängen, die die Strasse beherrschten, verborgen und beschossen die vorüberkommenden Fahrzeuge. Auch die .herangeholte Abteilung des Cameron-Hochländer-Regiments wurde sofort mit Schüssen empfangen. Obwohl die britischen Soldaten das Feuer mit ihren Maschinengewehren erwiderten, konnten sie zunächst nicht Böden gewinnen. Man musste aus dem benachbarten Ramallah Faroge Polizei heranholen, mit deren Hilfe der Widerstand der Araber schliesslich nach halbstündiger Dauer des Gefechts gebrochen werden konnte. Bei der anschliessenden Durchsuchung des Geländes fand man von den Arabern keine Spur mehr. Infolge der fortwährenden Sprengstoff-Attentate auf die Züge wurden läng des gesamten Eisenbahnnetzes in Palästina Vorsichtsmassnahmen getroffen und bei Eintritt der Dunkelheit das Betreten des Bahnkörpers verboten. Trotzdem ist die Eisenbahnlinie bei Nablus so schwer beschädigt worden, dass die Wiederherstellung geraume Zeit dauern wird. In Jaffa herrschte vollständige Finsternis, da die Araber die Strassenlampen gesprengt hatten. In mehreren Kolonien, darunter Ejn Charod und Mischmar Haemek, kam es zwischen den Wächtern und umherschweif enden arabischen Banden zu kleinen Feuergefechten. Die arabischen Bootsleute in Jaffa haben an die ägyptischen Bootseigentümer den Appell gerichtet, ihre Dienste den Juden nicht zur Verfügung zu stellen, da dies den Jaffaer Hafen schwer schädigen würde. Jaffa stehe vor der Gefahr, den ganzen früher für Tel-Aviv besorgten Schiffsverkehr zu verlieren. Zum erstenmal seit dem Ausbruch der Unruhen wurden von der Polizei Spürhunde zur Verfolgung arabischer Rebellen benutzt. Eine Reihe von Arabern, die an Brandstiftungen beteiligt waren, konnte auf diese Weise festgenömmen werden. Zeichen der Entspannung? Trot? dieser zahlreichen Zwischenfälle fehlte es gerade in den Schewuot-Tagen auch nicht an tröstlichen Symbolen. Zum ersten Male verbreitete der Jerusalemer Sender das alte Schewuot-Gebet „Akdamot“. Es bedeutete ferner eine wenigstens kleine seelische Entspannung für die jüdische Bevölkerung, dass sich auf •eine Aufforderung der Palästina-Polizei hin Juden in grosser Zahl in die Listen der Hilfspolizei eintragen lassen durften. Bei der Jewish Agency, wo eine solche Liste ausliegt, haben sich Studenten. der Hebräischen Universität, Arbeiter, landwirtschaftliche Siedler, die in der letzten Zeit aus Deutschland eingewandert sind, und andere wehrfähige Männer als Freiwillige gemeldet. Auch an den übrigen Meldestellen im ganzen Lande war der Andrang stark. Verbannungen und neue Kämpfe Am Donnerstag fand im Rahmen der Levante-Messe in Tel-Aviv ein Seetag statt, an dem auch die jüdischen Dampfer „Tel-Aviv“, „Atid“ und „Har Zion“ teilnehmen sollten. Die Behörden verweigerten jedoch die Erlaubnis zum Ankern in den Gewässern von Tel-Aviv für diese Schiffe mit der Begründung, dass die Benutzung der Anlegestelle nur zum Ausladen, nicht jedoch zu Schaustellungszweoken zulässig sei. Die arabische Tageszeitung „El Dschamea el Islamia“ wurde verboten. Der Hauptschriftleiter, Scheich Farouchi, hat drei Monate Hausarrest in Ramleh bekommen. Im ganzen sind über 51 Streikführer in entlegene Dörfer verbannt worden. Energische Massnahmen wurden auch getroffen, um den Anschluss transjordanischer Araber an die revoltierenden Araber in Palästina zu verhindern. In der transjordanischen Stadt Es Salt ist es zu einer Kundgebung gekommen, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Der Militärposten wurde daraufhin verstärkt. Unter den Verwundeten befinden sich der Polizeikommissar und der transjordanische .Militärkommandant. Die transjordanische Hauptstadt Amman ist von Truppen eingeschlossen, die jede Verbindung zwischen der Bevölkerung von Amman und der der übrigen Landesteile verhindern. Am Freitag vormittag war in Palästina ein neuerliches Aufflammen der Unruhen fest- -- zpstellen.; High Uommissioneb Sir Arthur Wahr; chope bat im Hinblick auf die Läge die Verwendung von Tränengas gegen die Aufrührer gestattet. Die englischen Einwohner von Tulkerem haben diese arabische Stadt verlassen und sind nach der jüdischen Kolonie Natania übersiedelt. Die Studenten der Hebräischen Universität haben an Sir Arthur Wauchope ein Memorandum gerichtet, ln dem sie verlangen, zur Unterstützung des englischen Militärs mobilisiert zu werden. Die Studenten schlagen voi> die jüdische Legion wieder aufzustellen. Sie erklären, dass die jüdische Jugend nicht beiseite zu stehen wünscht, wenn jüdisches Leben und Eigentum in Gefahr sind und Engländer um der Sicherheit der Juden wegen ihr Leben aufs Spiel setzen. Truppenverstärkungen Aus Aegypten sind militärische Verstärkungen mit Flugzeug und Eisenbahn eingetroffen. Alle aus Aegypten eintreffenden Züge stehen unter dem Schutz von Panzerwagen und Tanks. Die von Arabern bei Gaza auf der Eisenbahnlinie nach Aegypten errichteten Hindernisse sind beseitigt worden. Auf der Linie Gaza— Lydda ist rechtzeitig ein Dynamitgefäss entdeckt und unschädlich gemacht worden, mit dem ein Zug in die Luft gesprengt werden sollte. Bei Magdiel wurden Bomben gegen einen Zug geschleudert. Explosivkörper wurden von Genietruppen an verschiedenen Stellen der Strasse nach Nablus beseitigt und eingegraben. Solche zur Störung der Militärtransporte niedergelegte Sprengkörper sowie Minen sind auch auf anderen Strassen gefunden worden. In der Altstadt von Jerusalem wurde ein arabischer Polizist verwundet und seiner Waffe beraubt. In Jaffa wurde ein Araber erschossen, als bei dem Ueberfall einer hundertköpfigen Menge auf vier jüdische Lastautos, die vom Jaffaer Hafen beladen nach Tel-Aviv fuhren, diie Polizei von der Schusswaffe Gebrauch machte. Englisches Militär wurde in verschiedenen Teilen des Landes angegriffen. Gegen die Polizeistationen in Nazareth und Jaffa wurden Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand. In Haifa und Safed wurden Bomben geworfen. Bei Afuleh wurden ein Wald, bei Tulkerem Orangen-Plantagen der Gesellschaft Jachin in Brand gesteckt. An der palästinensisch-transjordanischen Grenze, in der Nähe des Toten Meeres, wurde durch Militär eine Kamelkarawane angehalten, mit der 100 ausländische Gewehre samt Munition nach Palästina gebracht werden sollten. Arabische Anschläge In der Nähe der Kolonie Mizpa wurden Juden bei Erntearbeiten von Arabern angegriffen. Die Dreschmaschine wurde in Brand gesteckt. Als Polizei auf dem Schauplatz eintraf, zogen sich die Araber zurück. Kundgebungen, die Montag in Jaffa, Ramie, Lydda, Tulkerem und Akko stattfanden, wurden aufgelöst. Verwundete gab es bei dieser Gelegenheit nicht. In Tulkerem wurden 16, in Akko 19 Rädelsführer der Ausschreitungen verhaftet. Eine bewaffnete arabische Bande griff das Postamt in Ramleh an. Die Polizei war gezwungen, das Feuer zu eröffnen. Auf arabischer Seite gab es mehrfach Verluste. Nachdem sich die Angreifer zunächst zurückgezogen hatten, erschienen sie später wieder vor dem Postamt, gegen das sie Handgranaten schleuderten. Im Zusammenhang mit diesen Ausschreitungen wurden die arabischen Führer in Ramleh verhaftet. Weitere Verluste hatten die Araber bei der Abwehr von Angriffen bewaffneter Banden auf die Militärpatrouillen hei den Bahnlinien zu erleiden. Ein Versuch, die Eisenbahnbrücke zwischen Safed und Rosch Pina zu zerstören, ist misslungen. Gegen das Haus des Distriktskommissars für den Norddistrikt, Major Keith-Roach, in Haifa wurde ein Sprengstoffanschlag verübt. Durch den entstandenen Luftdruck wurden die Fensterscheiben im Hause des Distriktskommissars zertrümmert. In Samaria und im Gebiet von Beer Schewa wurden Telephondrähte durchschnitten. In Jaffa stiessen bewaffnete Araber mit der Polizei zusammen. Verluste werden nicht berichtet. Auch in Nazareth, Safed und Beisan explodierten Bomben. Es wurde jedoch niemand verletzt. In Jerusalem ging die Menge nach dem Besuch des Freitag-Gottesdienstes in den Moscheen ruhig auseinander Kleine nächtliche Schiessereien werden aus Kfar Saba, Magdiel, Ness Ziona und anderen Kolonien im Scharon gemeldet. Gegen eine Gruppe von jüdischen Arbeitern, die zum Wochenende von den Werken am Toten Meer nach Jerusalem zurückkehrten, sind etwa hundert Schüsse abgegeben worden. Verletzt wurde niemand. Leider jedoch ging auch dieser unruhige Tag nicht ohne ein jüdisches Opfer ab: Im Scharongebiet wurde ein jüdischer Hilfspolizist von Arabern niedergestochen. Ein weiteres über den Tag hinaus beunruhigendes Zeichen muss darin gesehen werden, dass trotz des Verbotes der Regierung, eine Konferenz der arabischen Bürgermeister abzuhalten, diese beschlossen haben, den Streik der arabischen Stadtverwaltungen vom 1. Juni an zu proklamieren, falls die Situation sich bis dahin nicht geändert haben sollte. ' - Die hebräische Tageszeitung „Haboker“ ist für fünf Tage verboten worden, Zwei neue Opfer Am Sonntag sind wiederum zwei Morde an Juden geschehen. Zunächst ist der erst im vergangenen Jahr aus Deutschland eingewanderte 59jährige Franz Borchardt während eines Spaziergangs von der Vorstadt Giwat Schani nach Jerusalem von arabischen Wegelagerern, die aus einem Versteck feuerten, getötet worden. Es gelang noch am selben Tage, zwei Araber als der Tat verdächtig zu verhaften. Das zweite Todesopfer fiel am 1. Juni bei einem Feuerüberfall auf Autobusse der Linie Tel Aviv—Jerusalem. Um sechs Uhr abends wurden Autobusse an zwei verschiedenen Stellen der Strecke beschossen. Hierbei wurde der 29jährige Student der Hebräischen Universität Rachman Kolontarow tödlich getroffen, der Chauffeur Meir Schuchman wurde schwer, der Passagier Chaim Yalowsky leicht verletzt. Sofort nach dem Ueberfall wurden Militärstreifen . eingesetzt, um das Hügelgelände nach den Schützennestern zu durchsuchen. Die Zahl der jüdischen Todesopfer ist nun auf 28 gestiegen. Immer wieder: Ueberfälle und Brandstiftungen An vielen Stellen des Landes, diesmal hauptsächlich in Südpalästina, haben arabischer Baumfrevel und Brandstiftungen umfangreichen Schaden angerichtet. Der Wert des bisher insgesamt auf diese Weise vernichteten jüdischen Eigentums wird auf rund eine Million Pfund geschätzt. Bei einem Angriff auf den Kibbuz Harnisch-; mar bei Herzlia wurde ein Jude verwundet. Ferner wurde die Militäreskorte, die einen Trans- ' port der Palesline Potash Company begleitete, gezwungen, auf eine arabische Bande zu feuern, die den Transport in der Nähe von Jerusalem auf der von Jericho heraufführenden Chaussee angriff. Auf dieser Chaussee sowie in Hebron sind auch auf Panzerwagen Angriffe versucht worden. Im Süddistrikt wurden drei grosse Brände in jüdischen Feldern und Pflanzungen gelegt. Grosse Mengen von Getreide wurden bei Haifa und zwischen den Siedlungen Migdal und Kfar Chassidim vernichtet. In Migdal und Cbedera wurden auch Bäume ausgerodet. In-den Pflanzungen bei Karkur wurden über 5000 junge Bäume ausgerissen. Die Häuser der sogenannten Warschauer Landsmannschaft zwischen Jaffa und Tel Aviv sind in Brand gesteckt worden. In Ramleh wurde der Versuch gemacht, britische Militärflugzeuge zu vernichten. Die Schiessereien und Bombenwürfe nahmen insbesondere in den Abendstunden zu. Hierbei wurden auch mehrere Schüsse nach Tel Aviv abgegeben. In Kämpfen bei Beer Schewa würde ein englischer Polizist namens Alfred Clarke verwundet und nach Jerusalem gebracht. Gerüchte über jüdische Hilfspolizei In Tel Aviv werden ehemalige jüdische Polizisten zwecks eventueller Mobilisierung registriert. Vertreter der zentralen jüdischen Organisationen haben dem High Commissioner die Aufstellung einer eigenen jüdischen Polizeihilfstruppe vorgeschlagen; die Palästinaregierung-soll geneigt sein, auf diesen Vorschlag unter der Bedingung einzugehen, dass die Truppe nach drei Monaten wieder demobilisiert wird und die jüdischen Organisationen einen Zuschuss von sechs Pfund monatlich für jeden Angehörigen der Truppe aufbringen. Die Streiklage Oeffentliche Arbeiten in Jerusalem, die seit dem Beginn des Araberstreiks ruhten, sind nach Einstellung jüdischer Arbeiter wieder aufgenommen worden. Die Vereinigung der Kinobesitzer von Jerusalem hat sich an die Behörden mit dem Ersuchen gewandt, die Polizeistunde bis 8 Uhr abends auszudehnen, da ihr Geschäft infolge der frühen Polizeistunde lahmgelegt sei. Das Gesuch wurde mit der Begründung abgelehnt, dass die augenblickliche Lage seine Bewilligung vorläufig noch nicht zulasse. Der Verband der arabischen Kaufleute in Jaffa hat im Hinblick darauf, dass die Jaffaer Kaufmannschaft nach sechswöchiger Dauer des Streiks vor dem Ruin steht, einen , Appell an die Streikleitung erlassen, in dem. verlangt wird, dass der Streik abgeblasen werde. „Machet Schluss mit eurem gefährlichen Spiel!“, heisst es in dem Aufruf, „wir wollen nicht mehr streiken.“ Die Stadtverwaltung von Jaffa, Tulkerem uqd Gaza sowie von fünf anderen grösseren ara- . bischen Gemeinden sind am 2. Juni in den Streik getreten, Am Sonnabend nachmittag hatten die Bürgermeister der arabischen Städte eine Abordnung zum High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, entsandt, der die äussersten Anstrengungen machte, um den Streik noch im letzten Augenblick zu. verhüten. Es heisst, der High Commissioner . habe den arabischen Bürgermeistern versichert, dass die geplante Königliche Kommission weitere Vollmachten 'haben werde als die früheren Untersuchungskpmmissionen und dass auf ihre Feststellungen und Schlussfolgerungen grösseres Gewicht gelegt werden würde. In einer am Abend in Ramleh abgehaltenen Beratung der arabischen Bürgermeister einigte man sich jedoch darauf, den Streikbeschluss au frech tzuerhalten. Inzwischen haben am Montag zehn weitere arabische Bürgermeister, unter ihnen auch der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khaldi, den Anschluss an den Gemeindestreik für den Fall angedroht, dass die Palästinaregierung die Forderungen der Araber nicht binnen zehn Tagen erfüllen sollte. Die hebräische Tageszeitung „Dar Hajom*' meldet, dass dem Streikfonds der palästinensischen Araber aus Aegypten ein Betrag von 12 000 Pfund zugeflossen sei, der ursprünglich zur Unterstützung der kämpfenden Abessinier gesammelt worden war. Aufruf zu bewaffneter Erhebung In Jaffa, Nablus und zahlreichen anderen arabischen Ortschaften wurde ein Aufruf zu bewaffneter Revolte verbreitet. In Jaffa wurden Proklamationen mit der Losung „Rühret die Trommeln des Aufruhrs“ angeschlagen. In dem Aufruf wird die Jugend zu den Waffen gerufen, um der Staatsgewalt aktiven Widerstand entgegenzusetzen. In Nablus wurden tausende Flugzettel verbreitet, in denen zur Erhebung aufgefordert wird. Auf einer gemeinsamen Beratung der Vertreter von 17 arabischen Dörfern bei Jaffa wurden der Anschluss an den Streik, Revolte gegen die Palästinaregierung und Boykott der Juden als Antwort an die Regierung proklamiert. Der Distriktskommissar von Haifa hat die arabischen Führer zu sich berufen und sie darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur Land-, sondern auch Marinetruppen in Haifa eingesetzt werden würden, falls es am 2. Juni zu Kundgebungen kommt. Die arabischen Polizisten in Jerusalem haben in einer Versammlung beschlossen, sich dem Streik anzuschliessen, wenn sie von der Palästinaregierung den englischen Polizisten nicht gleichgestellt würden und wenn weiterhin arabische Polizisten in jüdische und jüdische Polizisten in arabische Viertel geschickt werden sollten. Ein bis zum 4. Juni befristetes Ultimatum wurde von den arabischen Polizisten ihren Vorgesetzten übergeben. Dem Beispiel der Jerusalemer Polizisten folgend, haben auch die arabischen Polizisten von Ramalla beschlossen, in den Streik zu treten, wenn ihnen nicht vollständige Gleichstellung mit der englischen Polizei zugebilligt wird. Nachdem das Ultimatum überreicht worden war, hielten die höheren englischen Polizeibeamten unter dem Vorsitz des Generalinspektors Spicer eine Sitzung ab, in der die Forderungen der arabischen Polizisten abgelehnt wurden. Die Regierung hat drei arabische Zeitungen für vierzehn Tage verboten. Die Zensur wurde verschärft. Der hebräischen Presse ist die schriftliche Aufforderung zugegangen, Nachrichten über drohende Dienstverweigerung von Polizisten und ähnliche Gegenstände nicht zu veröffentlichen. Aus Damaskus wird gemeldet, dass an der palästinensisch-syrischen Grenze Truppen konzentriert wurden,' um Waffenschmuggel und das Uebertreten bewaffneter arabischer Banden nach Syrien zu verhindern. Die englische Stellungnahme unerschüttert Im englischen Unterhaus waren am 27. und 29. Mai die Palästina-Unruhen Gegenstand einiger Anfragen. Der Minister für die Dominien, Malcolm Macdonald, gab bei diesen Anlässen der Ansicht Ausdruck, dass der Höhepunkt der Unruhen überschritten sei und beantwortete im übrigen mehrere Spezialfragen ohne grundsätzliche Bedeutung. Unter den britischen Pressestimmmen über das gleiche Thema ist diesmal ein Artikel der Londoner Wochenschrift „Spectator“ besonders erwähnenswert, in dem das Blatt seinen schon früher vertretenen Vorschlag einer Gliederung Palästinas in autonome jüdische und arabische Kantone unter Einbeziehung Transjordaniens erneut verträgt. Das Blatt schreibt u. a.: „Wir sind verpflichtet, für das jüdische Volk in Palästina ’ ein Natiönalheim zu errichten, aber ebenso gebunden, dieses ohne Vorurteile gegenüber den zivilen und religiösen Rechten der bestehenden nicht jüdischen Gemeinschaften zu erreichen, Die Aufgabe ist bisher weder zur Befriedigung der Juden, noch der Araber weitergeführt worden, und das Land ist so entzündbar wie je. Die Hauptschwierigkeit des Oberkommissars scheint darin zu liegen, dass er nicht genau weiss, worin die Politik der britischen Regierung besteht, dies hauptsächlich deswegen, weil die Regierung es selbst nicht weiss.” Unter Hinwendung zu der vorgeschlagenen Kantooalverfassüng heisst es dann, dass das Zentrum eine Bundesregierung bilden würde, und dass gleichzeitig besondere Verwaltungsformen in Jerusalem, Haifa und an zwei oder drei anderen Plätzen vorgesehen seien. Geographisch scheine dieser Plan anwendbar, und politisch lasse sich sehr viel für ihn sagen. Das Blatt schliesst: „Jedenfalls sollte er nicht unter dem fadenscheinigen Gründe beiseitegeschoben werden, dass man Palästina zunächst in seinem SchiüelztiegeT kochen lässt, während sich eine Königliche Kommission sammelt, ,nachforscht und berichtet.” 277