Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1936-06-04 · 23 (4.6.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-9449481-9449387--10444-9449086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

einwohnerzahl beträgt 300 000 Seelen. Die in Adelaide bestehende Synagoge ist die Zweitälteste Australiens, sie ist 1848 errichtet worden. Es ist bemerkenswert, daß selbst die wenigen hundert Juden eine beachtenswerte Zahl sozialer Hilfsinstitutionen unterhalten. Die größte Stadt des Staates Queensland ist Arisbane, ein Hafen an der Ostküste Australiens, deren User in den Großen Ozean übergehen, der Südsee zugewandt. Die Zahl der Juden in dieser Hafenstadt ist nur wenig höher als in Adelaide, sie beträgt 750, d. h. 4 Juden unter 1000 Stadtbewohnern. Diese kleine jüdische Gemeinschaft nennt zwei Synagogen ihr eigen, daneben jüdische Unlerrichtsanstalten und verschiedene gesellschaftliche und soziale Einrichtungen. : Perth, im Staate Westaustralien an der Westküste gelegen, Afrika und Südasien zugewandt, ist die drittgrößte jüdische Gemeinde in Australien. Dort leben 1600 Juden unter rund 200 000 Einwohnern, also fast 1 Proz. Neben einer Synagoge ist das Vorhandensein einer ganz besonders großen Anzahl der verschiedenartigsten charitativen und gesellschaftlichen Vereinigungen hervorzuheben, darunter ein jüdischenglisch er und ein jiddischer Debattierklub, ein jüdischer T e n n i s k l u b und sonstige jüdische Sportverbä n d e. Ganz im Innern des Landes Westaustralien, rund 1000 Kilometer vom Meere entfernt, lebt noch eine kleine jüdische Gemeinde in der Städt Kalgoorlie. ■ Im Staate Tasmanien, der durch die Basstraße vom australischen Festland getrennt ist, liegt die Stadt H o b r a t mit etwa 100 jüdischen Menschen, das sind etwa 2 von 1000 Einwohnern. Es ist ein Ruhmesblatt für diese religiöse Standhaftigkeit einer Gruppe von so wenigen jüdischen Familien, daß diese Menschen jüdischen Glaubens in Hobrat als Mittelpunkt ihres jüdischen Gemeinschaftslebens eine kleine Synagoge errichtet haben. * Neuseeland ist, wie der australische Staatenbund, englisches Dominion. Dieses Staatsgebiet unter britischer Oberhoheit besteht im wesentlichen aus zwei großen Inseln, die etwa 2000 Kilometer südöstlich von Australien im südlichen Stillen Ozean liegen. Die amtliche Statistik des Landes erlaubt es, die jüdische Bevölkerung in ihrer quantitativen Größenordnung bis vor die Jahrhundertwende zurückzuverfolgen. - Nach dem Census von 1896 hatten sich damals etwa 1550 Juden auf den Inseln niedergelassen, ihre Zahl stieg von Periode zu Periode ziemlich; regelmäßig an. Die letztveröffentlichte Volks- , zahlung von 1926 ergab eine jüdische Bevölkerung von 2600 Köpfen. Trotz dieser Zunahme im Ver- ‘ lauf von drei Jahrzehnten ist der ohnehin niedrige Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung , etwas zurückgegangen, und zwar von 2,2 auf 1000 Einwohner (1896) auf 1,9 (1926), woraus folgt, daß-der Anteil der Juden an der Einwanderung und am natürlichen Eigenzuwachs hinter den übrigen Volksschichten zurückbleibt. Im Verhältnis zwischen den. im Lande ge-. borenen Juden und den Zugewanderten zeigt sich zahlenmäßiges Uebergewicht der Einwanderer. Nach der letzten amtlichen Erhebung waren etwa 1200 Juden, also weniger als die Hälfte, auf den neuseeländischen Inseln geboren, rund 1400 waren zugewandert, davon die Mehrzahl allerdings vor 20 und 80 Jahren. Insbesondere in der ersten Nachkriegszeit hat sich die Neueinwanderung gegenüber den vorherliegenden Zeiträumen ständig verringert. Als Einwanderungsgebiet hat auch Neuseeland einen jüdischen Männerüberschuß: von den rund 2600 Juden sind 1360 Männer und 1250 weiblichen Geschlechts. Das kleine Staatsgebiet hat also ein jüdisches Männerplus von 100 Personen.. Dieser wenig günstigen Sexualproportion entspricht die nicht übermäßig günstige Altersgliederung, nach der etwa nur ein Drittel aller neuseeländischen Juden jünger als 20 Jahre alt sind. Diese Gruppierung entspricht etwa derjenigen des australischen Festlandes. Die F a m i l i e n st a n d s g l i e d e r u n g der Juden Neuseelands weist eine erheblich größere Zahl verheirateter jüdischer Männer als verheirateter jüdischer Frauen aus, woraus eine größere Zahl von Mischehen und von Nachwuchsverlusten für das Judentum folgt. Die Berufsgliederung der Juden des Jnselreichs beweist, daß etwa ein Viertel von ihnen durch Zugehörigkeit der Familienernährer zu der sozialen Kategorie der Lohn- und Gehaltsempfänger seine Existenz findet. Etwa 250 Juden gehören zur Arbeitgeberschaft, etwa 175 sind Selbständige auf eigene Rechnung, sind also kleine Gewerbetreibende in Handwerk und Handel. Die geographische Zerstreuung der Juden über das neuseeländische Jnselreich ist so weitgehend als nur möglich: in allen 10 Distrikten des Landes hat die amtliche Statistik jüdische Einwohner sestgestellt. Die größte Zahl lebt auf der Nordinsel, wo die Hauptstadt B e l l i n g - ton liegt,an der Stelle, wo die Cook-Meeresstraße nach der Südinsel hinüberleitet. In Bellington leben über 1000 Juden unter einer Gesamtbevölkerung von rund 140 000 Menschen. Die jüdische Quote dieser Großstadt ist also 0,7 Prozent. Die Stadt hat eine Synagoge, die ^1870 errichtet worden ist. Die größte Stabt Neuseelands ist A u ck l a n d, der Landungshafen für die großen Ueberseedampfer, welche die regelmäßige Verbindung mit Amerika Herstellen. In Auckland leben etwa ebensoviel Juden wie in Bellington. Da die Stadt jedoch etwa 220 000 Einwohner zählt, bleibt die jüdische Quote unter 0,5 Prozent. Auckland hat eine Synagoge, die um.etwa ein Jahrzehnt älter ist als die in Bellington, eine hebräische S ch u I e und eine Anzahl von jüdischen Wohlfahvtsejnrichtungen. Zahlen von je über 200 Juden haben noch die Bezirke C a n t e r b u r h und O t a g o, nur ganz wenige Juden leben in Westland und in Marlborough, schließlich noch in Southland. Von jüdischen Gemeinden sind noch drei auf der S ü d - insel zu erwähnen, auf demjenigen Teil der Erde, der d e m S ü d p o l noch näher liegt als die S ü d s p i tz e Afrikas, ungefähr auf dem gleichen Breitengrad gelegen, wie die Südspitze des südamerikanischen Kontinents. Auf dieser Südinsel des neuseeländischen Reiches ist seine drittgrößte Großstadt Christchurch mit einer kleinen jüdischen Gemeinschaft. In D u n e d i n ist schon 1862 eine Synagoge gegründet worden, und schließlich ist noch die jüdische Gemeinde in T i m a r u zu erwähnen, um damit die geographisch-statistische Vollständigkeit auf dieser uns so entfernten Stelle der Erde herzustellen. * Zum Gebiet des australischen Erdteiles gehören außer dem großen australischen Festlande mit der Insel Tasmanien und neben Neuseeland nocheine große Anzahl von Inselgruppen, die zu den Machtbereichen der verschiedensten Großstaaten gehören. Bis auf zwei kleine Ausnahmen fehlt nähere Kunde darüber, ob dort sich jüdische Menschen niedergelassen haben.. Festgestellt ist, daß auf Hawaii, das Territorrum der USA ist, und zwar in dem Hauptort der Insel, H o n o l u l u, jüdische Menschen leben. Die amerikanische Statistik gibt für die neueste Zeit eine Zahl von 150 jüdischen Menschen an. Eine kleinere jüdische Gemeinschaft besteht weiterhin auf der Gruppe der F i d schi- Inseln, über deren Zahl jedoch nichts bekannt ist. vr. E. R—z. Jüdisches Leben in Spanien Juden nicht nur der Abstammung, sondern auch dem Bekenntnis nach gab es in Spanien bis zu der 1933 beginnenden Einwanderung aus Deutschland etwa 4000. Genaue Ziffern lassen sich mangels einer offiziellen Statistik nicht geben. (Vgl. C.-V.-Zeitung Nr. 50 von 1935 „Die Zerstreuung der Juden über die Erde, Spanien und Portugal") Der Großteil der ersten Einwanderer waren sefardische Judendie meist von Nordafrika, Griechenland und der Türkei kamen, die die Sehnsucht nach ihrer verlorenen Wahlheimat nie verloren hatten und das spanische Sprach- und Kulturgut durch die Jahrhunderte treu bewahrt hatten. Dank ihrer Kenntnis der Landessprache — das noch heute in der Türkei und in Griechenland gesprochene Spaniolisch ist ein archaisches Spanisch. — gliederten sie sich verhältnismäßig schnell und reibungslos in ihre neue Umgebung ein. Trotzdem hat die von dem spanischen Arzt und Politiker Pulido geführte Bewegung, die die Rückwanderung einer möglichst hohen Zahl sefardischer Juden und die Zuerkennung der spanischen Staatsangehörigkeit an alle im Ausland lebenden Nachkommen der einst Vertriebenen erstrebte, nur geringen Widerhall gefunden. Als positives Ergebnis dieser Bewegung ist allerdings zu buchen, daß die spanische Verfassung einen Artikel enthält, der ein Gesetz zur Erleichterung der Nationalisierung sefardischer Juden vorsieht. Im Februar dieses Jahres erklärte der Ministerpräsident Azana, daß dieses Gesetz demnächst erlassen würde. Erheblich größere Schwierigkeiten als diese erste Einwanderungswelle hatten und haben die Einwanderer aus Deutschland zu überwinden. Die wirtschaftliche Einordnung wurde diesen Einwanderern durch die Fremdengesetzgebung erschwert, die die Ausübung akademischer Berufe durch Niederlafsungsverbote im allgemeinen unmöglich macht und die Beschäftigung von Ausländern als Angestellte und Arbeitnehmer erschwert. Der augenblickliche Rechtszustand ist in dieser Beziehung nicht völlig geklärt, da über die Anträge aus Erteilung einer Arbeitskarte, die im November des vorigen Jahres sowohl abhängig als selbständig Tätige von neuem beantragen mußten, bisher noch nicht entschieden ist. Die erhebliche Arbeitslosigkeit in Spanien und der fortdauernde Kampf der Gewerkschaften gegen die Beschäftigung von Ausländern wird jedoch voraussichtlich die Entscheidung wiederum dahin fallen lassen, daß nur unersetzbare Spezialisten in abhängigen Stellungen tätig sein dürfen, während selbständigen Handwerkern, Kaufleuten, Landwirten und sonstigen Selbständigen voraussichtlich keine Schwierigkeiten gemacht werden. Rigorose Maßnahmen, wie die Ausweisungen in Frankreich, dürften jedenfalls unter Berücksichtigung der Einstellung der gegenwärtigen Regierung und der bisherigen Verwaltungspraxis in Spanien nicht zu erwarten sein. Auch in Spanien ist die Erscheinung zu beobachten, daß sich die Einwanderung auf die beiden Hauptstädte Barcelona (mit etwa 3000 Einwanderern) und Madrid (mit etwa 800 Einwanderern) konzentriert. Diese Zusammenballung, die ihr historisches Vorbild in der Einwanderung nach Amerika und der Konzentrierung auf New-Iork hat, bringt, abgesehen von dem Widerstand der Behörden, auch die Gefahr einer zu starken Konkurrenz auf den verhältnismäßig wenigen Berufsgebieten, die den Emigranten offen sind, mit sich. Während die, die in die spanischen Mittelstädte, wie' Bilbao, Sevilla, Saragossa gingen, meist festen Fuß gefaßt haben, kann dies ein erheblicher Teil der nach Barcelona und Madrid Gekommenen noch nicht von sich sagen. Die wirtschaftliche Betätigung der jüdischen. Einwanderer, insbesondere die Gründung von Einheitspreis- und Abzahlungsgeschäften, und die Errichtung des Warenhauses Sepu, an dessen Leitung deutsche Emigranten beteiligt sind, haben in einigen Fällen zu antisemitischen Angriffen in der Presse geführt. Auch die jüngsten Ereignisse in Palästina haben wieder einige Zeitungen zum Anlaß genommen, gegen die jüdische Einwanderung nach Spanien zu polemisieren. Derartige Aeußerungen sind jedoch nur als Einzelerscheinungen zu werten. Die gegenwärtige Regierung steht, wie der Ministerpräsident Azana betont hat, der jüdischen Bevölkerung objektiv gegenüber und verurteilt antisemitische Strömungen. .Die faschistische Partei, die antisemitische Parolen im Wahlkampf ausgegÄen hatte, hat im neuen Parlament keinen Sitz errungen und besteht nicht mehr. Die breite Masse des spanischen Volks steht dem jüdischen Problem mit ziemlicher Verständnislosigkeit gegenüber. Um so höher zn werten' ist die Verständigungsarbeit einiger spanischer Gelehrter. So hielt der Inhaber des Lehrstuhls für Hebräisch an der Universität Barcelona, Professor Millas Vallicrosas, verschiedene Vorträge im Jüdischen Jugendbund Barcelona und schuf die ^Biblioteca Hebraico-Catalana“, in der er und Gonzalez-Llubera, Professor an der Universität Belfast, verschiedene hebräische Werke des Mittelalters Herausgaben. Ebenfalls von Millas und von Ramon Bermeja stammen einige wichtige Untersuchungen über hebräische Grabsteine aus den Friedhöfen von Barcelona und Toledo. - kalter Abrahamsolm (Barcelona). auf diese sonderbare Weise dem Mädchen imponieren, flunkert er oder erzählt er Märchen? Nichts von allem. Sachlich und fachlich spricht er von Diamanten, von ihrem Schliss, ihrer Klarheit, der Kristallbildung, der Härte, dem Diamantenstaub, dem Diamantenwert. Seine geschickten Finger vereinen sich an der Spitze, als ob sie einen Stein halten, manchmal hebt sich die ganze Hand gegen das Licht, jetzt soll der imaginäre Stein sein Feuer spielen lassen. Der junge Mann ist also ein Diamantschleifer, und er spricht von seinem Berus mit derselben Begeisterung zu seiner Auserwählten, wie es alle jungen Leute aus allen Berufsarten tun, wenn sie s i e für sich gewinnen wollen. Sie muß die Steine eben so lieben wie er, dann wird alles gut sein. Daß die Liebe einer Frau zu diesen Steinen manchmal ungemütlich, wenn nicht gar gefährlich werden kann, kommt ihm mit Recht nicht in den Sinn. In dem schmalen Kind fände solch ein anspruchsvolles, eitles Gefühl keinen Platz. Auch darf es jetzt sicher fein, daß alle Steine, die der junge Mann von nun ab schleifen wird, ihr gehören, für sie geschliffen worden sind. Daß lle andere, fremde Frauen an ihren Fingern tragen, ist nur eine Aeußerlichkeit und fällt nicht ins Gewicht. In Antwerpen, gleich hinter dem Bahnhof und gegenüber vom Zoologischen Garten liegt eine Straße, deren Häuser immer wieder ähnliche Firmenschilder aufweisen: Diamantenhändler X, Diamantenhändler N, Diamantenschleiferei, Diamanten engros, Diamanten, Diamanten. Es flimmert und funkelt einem förmlich in den Augen. Aus den Toren kommen Männer, die meistens, ähnlich dem jungen Mann auf dem Schiff, dunkle breite Hüte tragen. Sie bleiben in Gruppen stehen, die Gruppen vergrößern sich, lösen sich auf, bilden sich von neuem, es ist ein geschäftiges Hin und Her, charakteristisch für einen Handelsbetrieb, der nicht nur im geschlossenen Laden getätigt werden kann, der hinaus aus die Straße dringt wie in Italien, im Süden, im Orient. Das Haus, vor dem das Kommen und Gehen und die Gruppe der Männer am größten ist, ist die Antwerpener Diamantenbörse. Eigentlich sind die vielen Menschen das einzig Auffallende an dem Haus, sonst ist es schlicht und unaufdringlich, und niemand fiech es ein, hinter der gleichgültigen Fassade solche Schätze zu vermuten. Schätze liegen in den Kellersafes dieses Hauses. Zahllos sind hier die Diamanten eingeschlossen, unendlich groß ist das Vermögen, das der Raum von ein Paar Quadratmetern enthält. Rundherum um den Kellerraum führt ein Jsoliergang, die ganze Nacht patrouillieren in dem Gang die Wächter. Die ganze Börse stellt einen geschlossenen Klub vor. Fremde dürfen nicht herein. Es sei denn, daß irgendein geschäftig eilender Kaufmann doch einen Augenblick Zeit findet, einen zu bemerken und ihn am Gesicht Neugier und Vertrauenswürdigkeit abliest. Dann findet er sicherlich die Neugier berechtigt und die Vertrauenswürdigkeit so weit zweifellos, daß er sich für sie auch bei dem etwas mißtrauischeren Portier und dem Sekretariat einsetzt, und einen liebenswürdig in den großen Saal führt, der die Diamantenbörse ist. Die Assoziationen, die der Laie vermutlich bei dem Wort Diamantenbörse empfindet, sind sicherlich pompöser, funkelnder, prächtiger als das tatsächliche Aussehen dieses Saales und seiner Möblierung. Eine Reihe langer,' einfacher Tische steht an der Fensterwand mit dazugehörigen Stühlen, und - das ist alles. Primitiver kann die Raumausstattung eines Saales nicht gedacht werden, eines Saales, wo die größten Kostbarkeiten Handelsobjekt sind. Hier sitzen also die Diamantenhändler, sie sind zu 95 Prozent Juden, ziehen ihre abgegriffenen Brieftaschen heraus und zeigen in gefalteten kleinen, weißen Papierhüllen die Diamanten. Wie Arzneien sind die Diamanten eingepackt. Jeder Verkäufer und Käufer hat eine Lupe und eine Pinzette. Sicher greifen die Pinzetten einen Stein heraus, und mit einer dem Laien besonders erstaunlichen Ruhe werden Ziffern genannt, vor deren Höhe auch niemand schwindlig wird. Das Geschäft wird mit „Masel und Bxoche" abgeschlossen, das ist ein Vertrag, an dem nichts zu deuteln ist. Am Nachmittag wird im selben Saal gespielt. Es ist fraglich, ob dabei die Gemüter ebenso ruhig und ebenso wenig nervös wie am Vormittag sind. __ Gr. H. Ausstellung Ludwig Nunberg Im Foyer des Theaters in der Kommandantenstraße wurde eine Ausstellung von Werken Ludwig Nunbergs zusammengestellt, eine erfreuliche Begegnung für jeden, der Gelegenheit hat, sie zu betrachten. Der Maler, der uns kein Fremder ist. hat aus seinen Wanderungen durch südliche Länder viel Schönes auf der Leinwand festgehalten und dabei Eigenes in eigener Form, gegeben. An Hand dieser farbenfrohen Gemälde und farbigen Bleistiftzeichnungen offenbart sich jene wohltuende, wohlabgestiinmte Harmonie von Farbe, Form und Inhalt, die'/uns mehr von diesem Maler zu sehen wünschen läßt. Schon heute läßt sich auch von den ausgestellten Bildnissen berichten, daß man von ihnen den, Eindruck mit nach Hause nimmt, sie seien dem Leben abgelauscht. Man empfindet etwas vom Schicksal der Peruanerin, die Ludwig Nunberg gemalt hat, von der inneren Würde des Quartetts, das er mitten im Musizieren feftgehalten. Das Gemälde „Duett" ist ein gutes Beispiel dafür, daß ein Porträt zur bewegten und bewegenden Urkunde menschlichen Wesens werden kann. vr. v. B. Fot. Abraham

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.