Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 22 (27.5.1936)
- Date
- 1936-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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} Nr. 22 Beiblatt WIRTSCHAFT DER WOCHE 27. Mai 1936 Es ggb Zeiten, in denen das Wort von der Nationalisierung in den öffentlichen Diskussionen und nicht zuletzt in der Wirklichkeit des wirtschaftlichen Allthgs eine beherrschende Rolle spielte. Das waren die Jahre 1927 bis 1930, in denen man daranging, in großem Maßstabe eine Rationalisierung zu verwirklichen, die wesensmäßig als Anwendung technischer Mittel zu vermehrter Leistungssteigerung zu begreifen ist. Die Rationalisierung hat damals allerdings zu wirtschaftlichen Folgen geführt, die man bei Beginn jener Rationalisierungsepoche nicht bedacht hatte. Damals erfolgte die Rationalisierung, die hauptsächlich in einer erhöhten und gesteigerten Mechanisierung der Betriebe bestand (laufendes Band usw.), bei Kapitalknappheit und hohem Zinsfuß und überstieg das auf die Dauer vertretbare und vernünftige Maß. Es ergaben sich infolgedessen große Kapitalfehlleitungen und weitgehendebedenkliche Freisetzungen von menschlichen Arbeitskräften. Man hat in jenen Jahren grundsätzlich schlechte Erfahrungen mit der Rationalisierungspsychose gemacht, so schlechte Erfahrungen. daß viele in der übersteigerten Rationalisirung einen Faktor zur Auslösung der-Wirtschaftskrise gesehen haben. Heute wird allenthalben die Notwendigkeit einer neuen Rationalisierung in Erwägung gezogen. Man bekennt sich, im Gegensatz zu früher, nicht zu einer Rationalisierung um jeden Preis. Man denkt und handelt in dieser Hinsicht in der richtigen Erkenntnis, daß eine solche übersteigerte Rationalisierung mit der „ratio". der Vernunft, wenig zu tun haben würde. Aber deshalb will ° man doch nicht ein einziges technisches Hilfsmittel ungenutzt lasten, um die Produktions- und Vertriebskosten nach Möglichkeit zu senken und damit die Rentabilität eines Betriebes oder eines Unternehmens zu stabilisieren. Denn die Rentabilität ist entscheidend dafür, ob ein Betrieb aufrechterhalten oder ein Unternehmen fortgeführt werden kann. Auf die Dauer kann es auch auf die gesamte Volkswirtschaft nicht ohne Folgen sein, wenn Betriebe nicht rentabel sind. So sehr diese Tatsache auch unbestreitbar und unbestritten ist. sowenig darf sie doch zu einer Rentabilitätspsychose führen. Maßgebende deutsche Wirtschaftsführer haben grade hierauf hingewiesen. Sie haben zum Ausdruck gebracht, daß die Ergiebigkeit eines Unternehmens nicht zum alleinigen beherrschenden Faktor wirtschaftlichen Denkens werden kann, sofern es sich darum handelt. Belange zu berücksichtigen, die ihrem Wesen nach überpersönlicher Natur sind. Niemand steht im Leben allein und in der Wirtschaft erst recht nicht. Jeder ist nur Glied in der großen Kette der Gesamtheit und der Gesamtwirtschaft. Bloße Berechnungen gehen ja im Leben nicht immer auf. Es gibt jenseits aller und Rentabilität Rechnungen und jenseits aller Zahlen etwas, das sich einfach daraus herleitet, daß niemand in schrankenloser Willkür handeln darf, wenn nicht das Ganze Schaden leiden soll. Das Ellenbogenprinzip und der Grundsatz des uneingeschränkten Egoismus haben ausgespielt. Heute wird immer mehr und mehr betont, daß es auf die Dauer keine erfolgreiche Wirtschafts- und Arbeitsführung geben kann, wenn das uneingeschränkte Rentabilitätsprinzip allein anerkannt wird. Auch der jüdische Wirtschaftler wird seine Unternehmensführung nach diesen Prinzipien einrichten. Grade heute ist dieses Wissen mehr denn je für ihn erforderlich. Denn er stellt heute oft genug Berechnungen an. Er macht mehr als einmal Inventur und Bilanz und stellt mehr als einmal eine Gewinn- und Verlustrechnung auf. Das bringt die besondere Lage jüdischer Wirtschaftsmenschen mit sich. Und es gibt hierbei auch Ueberlegungen, die früher für die Entschließungen des einzelnen kaum je vorhanden gewesen waren. Heute kann der Fortzug eines einzigen Steuerzahlers für eine kleine Synagogengemeinde den Ruin bedeuten. Das Schicksal jüdischer Angestellter und Arbeitnehmer wird durch die Entschließungen eines einzelnen, bei dem sie ihr Brot verdienen, in stärkstem Maße beeinflußt. Alle diese Dinge sind deutlich und werden jeden Tag spürbar und fühlbar. Wenn die Frage der Rentabilität nicht im luftleeren Raume entschieden werden kann, so ist auch für den jüdischen Wirtschaftler die sich neu anspinnende Diskussion über eine Rationalisierung wichtig und bedeutsam. Sie kann ihm manche lehrreiche Winke geben, wie ein Betrieb technisch am rationellsten zu gestalten ist, und welche Einwirkungen diese Rationalisierung auf die Rentabilität haben kann. Daß er sein Augenmerk auf gewisse Rationalisierungsmöglichkeiten richtet und technische Vervollkommnungen im weitesten Sinne, die. wie grade heute hervorgehoben wird, nicht mit der Einsparung von menschlichen Arbeitskräften verbunden zu sein braucht, zum Zwecke der Aufrechterhaltung eines Betriebes nicht außer acht läßt, wird von vornherein nicht abzulehnen sein. Eine Rationalisierung ist noch niemals falsch gewesen, wenn sie unter zweckentsprechendem Einsatz und unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse eines Betriebes erfolgt ist. Sie bedarf selbstverständlich genauer und eingehender Erwägungen und Kalkulationen. Wenn sie, von welchen Wirtschaftlern auch immer, vorgenommen wird, ist sie nur ein Zeichen für einen Willen, nicht auszuruhen, sondern alle vorhandenen Möglichkeiten zu erschöpfen, um weiterzubestehen. Rationalisierung entsteht als Ausdruck der Unternehmenssührung. So mündet letzten Endes auch die Frage der Rationalisierung in das große Problem der P e r - s ö N l i ch k e i t in der Wirtschaft. vr. Arno Herzberg. Aussenhandel, Banken, Börsen In Berlin fand in der vergangenen Woche der „Deut.sche Be tri ebs Wirtschaft!e rttzg" statt, auf dem-unter anderem auch Reichsbankdirektor Brinkmann, Generalreferent :M Neichswirtschaftsministerium, über „Die Lage im deutschen Außenhandel" sprach. In seinem Referat beschäftigte sich Reichsbankdirektor Brinkmann einleiend mit der Selbsthilfe-Aktion der deutschen Wirtschaft in der Exportförderung. Gegenüber ausländischen Gerüchten und Vorwürfen wies er, nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung", u. a. darauf hin, daß Deutschland nichts verschleudere. Es rechne nach wie vor und treibe keine wahllose Preispolitik. Gegen Mißstände sei die Preiskontrolle eingeführt worden. Heute könne man, freilich ohne Jubel, darauf Hinweisen, daß der deutsche Außenhandel wieder aktiv geworden sei. Wenn Deutschland aus den bekannten zahlungspolitischen Gründen auch nicht in den Genuß des volley Devisenerlöses des Ausfuhrüberschusses käme, so sei doch jede Steigerung ein begrüßenswerter Effekt für die deutsche Wirtschaft. Direktor Brinkmann habe dann wieder die vom Ausland kommende Empfehlen, die Exportpolitik durch. eine generelle Abwertung zu vereinfachen, abgelehnt. Gerade weil Deutschland rechnen müsse, komme eine Devalvation nicht in Frage. Deutschland gewähre seiner Wirtschaft nicht einmal soviel Mittel, wie es dem Währungsvorsprung anderer Länder entsprechen würde. Die Preisprüfungsstellen seien sogar zu einer Wertverbesserung der deutschen Ausfuhr gekommen. Schon Heute richteten sich andere Länder auf den > auswärtigen Märkten nach den deutschen Preisen, .und zwar nach oben. Jeder Pfennig, der mehr zugesetzt würde, wäre eine Einbusse an Valuta. Außerdem müßte man sich im Falle einer Abwertung darüber klar sein, daß ein einmal verdorbenes Preisniveau schwer wieder gutzumachen sei. Außerdem würde der Zwang zu einer vermehrten und verteuerten Rohstoffeinfuhr im Jnlcmde zn Knappheitserscheinungen führen, wie wir sie heute nicht kennen würden. Die Schwierigkeit der Außenhandelspolitik sei immer wieder die, daß es keinen vielseitigen Verkehr im alten Sinn mehr gebe. Die Möglichkeiten des zweiseitigen Austausches habe Deutschland bis zu einem Höchstmaß ausnutzen können. Dies wirke sich nicht nur zu seinem eigenen Nutzen aus, sondern — Direktor Brinkmann habe hier an die südosteuropäischen Länder und an Südamerika erinnert — auch zum Nutzen der anderen. Dann habe der Referent im einzelnen über den Sinn und die Entwicklung der Kompensationsgeschäfte und der Ausländer-Sonderkonten für Jnlandszahlungen (Aski) gesprochen. Deutschland würde, so habe er weiter erklärt, grundsätzlich in der Politik der Preisangleichung so sortfahren wre bisher. Die exportpolitische Haltung werde dabei auch immer die gleiche bleiben: es müsse ein volkswirtschaftlicher Aktivsaldo bleiben. Wenn daher eine scheinbare Ungleichheit der Behandlung von Genehmigungsanträgen beobachtet würde, so solle man nrcht immer der Bürokratie Vorwürfe machen. Die Bürokratie wisse schon, was sie tue.. Abschließend habe Direktor Brinkmann betont, die deutsche These stehe fest: Deutschland wolle den Rohstoff einführen, den es zur Fortsetzung der Aufbauarbeit im Innern brauche. Wenn die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Stellen weiterhin gut bleibe, werde der deutschen Wirtschaft auch dieser Rohstoffanteil gesichert bleiben.; Auf der Tagung sprach mich Staatsrat Reinhart, der Präsident der Industrie- und Handels-' kannner Berlin und Leiter der Wirtschaftsgruppe Privates Bankgewerbe zu der Frage „Banken und Börsen in der öffentlichen M e i n u n g". Nach dem gleichen Blatt wies er dabei darauf hin, daß die Beurteilung von Banken und Börse in der öffentlichen Meinung stärkste Schwankungen zwischen Anerkennung und Verurteilung zeige. Diese Schwankung sei keineswegs von Zeitströmungen abhängig, wie der Referent an einer Reihe von publizistischen Urteilen gezeigt habe. Die Einsicht, daß die deutschen Börsen im Grunde doch vorbildlich funktionierten, ihre Funktion als wichtigster Kapitalsammelpunkt erfüllten und einen praktischen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands lieferten, habe sich doch wieder durchgesetzt. Man dürfe nicht die Einrichtung der Börse unbedingt mit dem Tun und Lassen der Personen, die sich ihrer bedienten, verwechseln. Mißbräuche sollten keineswegs geleugnet werden. Spekulation sei aber im Grunde nur der Versuch, eine ungewisse Zukunft vorauszubestimmen, wobei der Eigennutz nicht immer im Widerspruch zum Gemeinnutz zu stehen brauche. Die Grenze zwischen einer in diesem. Sinne gesunden Spekulation und dem Spiel sei freilich nicht immer leicht zu erkennen. Die Spieler seien zu allen Zeiten ein Unglück gewesen. Eine starke und gesunde Börse könne der heutige Staat nicht entbehren. Die Börse habe wichtige Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung der Staatsschulden zu leisten, und die Börsenorgane hätten Ausschreitungen zu verhindern. Emzelfälle von Mißbräuchen dürften deshalb niemals zu Angriffen auf die Börse schlechthin führen. Aehnlich wie das Ansehen der Börse schwanke auch das der Banken in der Oeffentlichkeit. Das Bankgewerbe sei der Exponent aller Fehler, die irgendwo in der Wirtschaft auch von der Politik gemacht würden. Jrrtümer einzelner Personen dürften auch hier nicht zu generellen Vorwürfen führen. Die Engländer und Franzosen seien außerordentlich stolz auf ihr Bankwesen, während man in Deutschland über der Kritik an Auswüchsen leicht die großen Leistungen des Bankgewerbes beim Ausbau der deutschen Wirtschaft in der Vorkriegszeit vergesse. Hinsichtlich der Liquiditätsnotwendigkeiten habe Staatsrat vetont. eine Bank sei kein Kassenschrank, aber ein gewisses Maß von Liquidität sei doch notwendig und bedeute nicht, daß diese Mittel der Wirtschaft entzogen würden. Die Krise von 1931 sei ausschließlich eine Krise des damaligen politischen Systems gewesen. Der Untersuchungsausschuß für das deutsche Bankgewerbe habe feststellen können, daß organische Fehler im deutschen Bankgewerbe nicht vorhanden gewesen seien. Auch die Frage der Gebühren für dre Leistungen der Banken würde immer wieder mißdeutet. Die Wirtschaft habe ein dringendes Interesse daran, daß die Banken rentabel arbeiteten; denn das sei eine Voraussetzung für die Sicherheit der Mittel, die man einer Bank anvertraue. Oie Inventur Nach § 38, 2 Handelsgesetzbuch brauchen buchführungspflichtige Kaufleute Inventuren unter bestimmten Voraussetzungen nur alle zwei Jahre aufzustellen. Diese Vergünstigungsvorschrift wird, worauf der „Kurzberichterstatter" hinweist, durch die Vorschriften des § 161 RAO dann beseitigt, wenn a) der Gesamtumsatz mehr als 200 000 RM, b) das Betriebsvermögen mehr als 50 000 NM, e) das landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Vermögen mehr als 100 000 RM oder ä) der Gewerbeertrag mehr als 6000 RM oder. s) die Neineinkünfte aus Land- und Forstwirtschaft mehr als 6000 RM betragen haben. In diesen Fällen wird eine jährliche Bestandsaufnahme zwingend vorgeschrieben. Bei Nichterfüllüng der Vorschrift kann daB Finanzamt zur Schätzung schreiten. Notizbuch des Kaufmanns Hebet die Eingliederung der industriellen Hersteller von Zelten, Segeln und Markisen in die Wirtschastsgruppe „Textilindustrie"' ist (vgl. „Wirtschaftsblatt der Industrie- und Handelskammer Berlin") vom Leiter der Hauptgruppe VI der deutschen Industrie — Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie, eine Anordnung erlassen worden. . ■ ' * In derelektrotechnischen Branche ist eine straffe Verständigung über eine Verkaufs» regelungder in Betracht kommenden Organisationen des Handels, Handwerks und der Erzeugung zustande gekommen, die vom Reichswrrtschaftsminister genehmigt wurde und kürzlich in Kraft getreten ist. / ■ - -' Förderung der Zeitungsanzeige Zwischen dem Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger und der Wirtschaftsgruppe „Einzelhandel" sind, wie eine in der Tagespresse veröffentlichte DNB-Meldung besagt, gemeinsame Richtlinien über die Zusammenarbeit der örtlichen Gliederungen beider Organisationen bei der Aufgabe von Anzeigen des Einzelhandels in Zeitungen vereinbart worden. Die Richtlinien gehen davon aus, daß die Zeitungsanzeige ein überaus wichtiges Werbemittel für den Einzelh an - bei ist und durch enge Zusammenarbeit besonders auch für mittlere und kleinere Unternehmungen stärker als bisher erschlossen werden soll. Es werden besondere Hinweise dafür gegeben, wie die Zeitungsverleger durch Beratung den Kaufleuten zur größten Werbewirksamkeit der Anzeige verhelfen und wie die Gliederungen der Wirtschaftsgruppe „Einzelhandel" daran Mitarbeiten sollen, um für eine, vom Standpunkt des Wettbewerbs, einwandfreie Anzeige zu sorgen. Mit dieser Zusammenarbeit soll eine Aufklärung der Kaufleute Hand in Hand gehen, die eine möglichst starke Inanspruchnahme der Anzeigen neben den sonstigen Werbemitteln des Einzelhandels (Schaufenster, persönliche Kundenpflege usw.) bezweckt. Oie Entwicklung der Warenhäuser Die Zeitschrift „Der Deutsche Volkswirt" unterzieht in Heft 32 des lausenden Jahrganges die . „Entwicklung und Lage der Warenhäuser" einer eingehenden Untersuchung. Sie kommt dabei zu folgendem abschließenden Ergebnis: „Im einzelnen freilich ist die Lage der Warenhäuser nicht einheitlich. Bei einer Reihe von Differenzierungen empfiehlt es sich vor allem, folgende Unterscheidungen zu machen: Besonders niedrig liegen naturgemäß die Umsätze der nichtarischen Firmen. Dabei scheint es fast gleichgültig, ob es sich um Warenhäuser. Kaufhäuser oder Fachgeschäfte handelt. Viele von diesen Betrieben sind bereits in den letzten Jahren, besonders in der zweiten Hälfte 1935, veräußert und umgewandelt worden. Die Lage der arischen Warenhäuser ist nicht einheitlich. Ein allerdings nur ganz kleiner Teil ist durch die Abwanderung aus nichtarischen Einzelhandelsgeschäften etwas begünstigt worden. Andere haben ihren Umsatz halten können und sind von den Umschichtungen weder Positiv noch negativ fühlbar berührt worden. Es handelt sich dabei um Betriebe, die schon seit langem bestehen. Der weitaus größte Teil der arischen Warenhäuser freilich hat unter einer mehr oder weniger scharfen Abwanderung der Kunden zu leiden, da man sich — wie eingangs bereits erwähnt — nicht nur gegen das nichtarische Warenhaus, sondern gegen das Warenhaus im allgemeinen wendet. Wiederum andere Warenhäuser kämpfen um ihre An- 'BANKHAUS ADOLF KASSEL^ Frankfurt a. M. I Arnejtsf rasse SO Tel. Sa.-No. 71244j erkennung als arische Betriebe. Dem einen ist es gelungen, dieses Ziel zu erreichen; bei anderen Unternehmungen steht diese Entscheidung noch aus." Bäderprospekte nur gegen Gebühr Um die vielfach kostspieligen Werbeschriften, die von Femdenverkehrs-Orten herausgegeben werden, vor einer unnötigen Verschleuderung zu bewahren, und ihre Verteilung auf ernsthafte Interessenten sicher zu stellen, ist vielfach schon bisher dick Abgabe von Prospekten, namentlich größerer Badeorte, nur gegen Zahlung einer sogenannten Schutzgebühr, meist 10 Pfennige, erfolgt. Der Präsident des Reichsfremdenverkehrsverbandes hat laut Tagespresse nunmehr angeordnet, daß diese Prospektschutzgebühr allgemein zu erheben sei. Die Höhe der Gebühr beträgt 5 Pfennige für Werbeschriften bis 12 Seiten Umsang, 10 Pfennig bei größerem Umfang und 20 Pfennig für Werbeschriften, die nicht für einen einzelnen Ort, sondern für ein ganzes Gebiet werben. Kostenlos, darf die Aushändigung von Prospekten in Zukunft nur noch an Pressevertreter und Behörden erfolgen. Gebührenfrei abgegeben werden können Werbeschriften, deren Umfang sechs Seiten nicht überschreitet, die als Massenflugblatt dienen und keine Wohnungsliste enthalten. Da es sich um eine Gebühr und nicht um einen Verkaufspreis handeln soll, wird ferner angeordnet, daß die Einnahmen aus der Schutzgebühr nicht den Herausgebern der Prospekte, sondern den Ausgabest e l l e n (z. B. den Reisebüros) zufließem Oer Kohlen Einzelhandel Zwischen der Wirtschaftsgruppe „Einzel h a n d e l", der Fachgruppe „Kohlen" der Wirtschastsgruppe „Einzelhandel" und dem CentralverbandderKohlenhändler Deutschlands e. B. ist ein Abkommen über die organisatorische Betreuung des Kohleneinzelhandels geschlossen worden. Das Abkommen trage der Tatsache Rechnung, daß bei der rechtlich und wirtschaftlich besonderen Lage der Kohlenwirtschaft im Kohlenhandel eine besondere enge, einander ergänzende Zusammenarbeit zwischen der Fachgruppe „Kohlen" und der Kartellorganisation nötig sei. In dem Abkommen werden die Befugnisse der Fachgruppe „Kohlen" als einer Gliederung der Wirtschaftsgruppe „Einzelhandel" und des Centralverbandes als der Kartellorganisation des Kohlenhandels festgelegt. Das Abkommen regele dann im einzelnen die Zuweisung von gemischten Betrieben an die in Betracht kommenden Einzelhandelsgruppen und ordnet die Beitragsfrage in der Weise, daß eine Doppelbelastung des Kohlenhandels bezüglich der von den Firmen zu entrichtenden Beiträge vermieden werde. Ausverkaufspreise In der Jur. Wochenschrift (Heft 17) wird ein Urteil des Amtsgerichts Leipzig vom 25. Juli 1935 (136 Vs 14/35) veröffentlicht, das sich mit der Frage einer Gegenüberstellung von Ausverkaufspreisen und alten Preisen beschäftigt. Es sei unzulässig, und verstößt gegen die §§ 3 und 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, wenn ein Gewerbetreibender bei einem zu herabgesetzten Preisen stattfindenden Ausverkauf auf den Etiketten in dem Käufer erkennbarer Weise den Ausverkaufspreisen durchkreuzte Preise hinzufüge, die mit den letzten tatsächlichen Preisen nichts zu tun haben. Dabei spiele es keine Rolle, daß diese Preise vor längerer Zeit einmal tatsächlich gültig gewesen sind. Wenn eine Gegenüberstellung der Preise erfolgt, so müsse dazu der Preis herangezogen werden, der zületzt unmittelbar vor dem Ausverkauf gültig war. Werde dem Ausverkausspreis ein früher schon lange herabgesetzter Preis gegenübergestellt, so werde damit bei den Kunden der Anschein eines besonders günstigen Angebotes erweckt. Denn das kaufende Publikum richte seinen Einkauf nicht nur nach den Ausverkaufspreisen unter Berücksichtigung seiner Mittel, sondern gerade auch nach dem Unterschied, der zwischen dem Ausverkausspreis und dem vor dem Ausverkauf gültigen Preis bestehe. Je größer diese Differenz sei, für um so günstiger halte das Publikum das Angebot. * Im Zusammenhang mit diesem Urteil sei nochmals aus die Anordnung des Reichswirtschaftsministers über die Neuregelung der Saisonschlußverkaufe vom 14. Mai 1935 („Reichs- * anzeiger" 112 vom 15. Mai 1935) hingewiesen, in der u. a. in § 5, b bestimmt wird: „Es ist verboten, im Zusammenhang mit den Verkäufen in öffentlichen Bekanntmachungen oder Mitteilungen, die für einen größeren Personenkreis bestimmt sind, Preisherabsetzungen durch Gegenüberstellung der früheren und der während der Verkäufe gültigen Preise in einer Weise anzukündigen die für außerhalb der Geschäftsräume befindliche Kauflustige erkennbar ist." Der Polsterermeister Meyer Cohen, Hamm i. Westfalen, ist seit 40 Jahren im handwerklichen Beruf tätig. Cohen war lange im Prüfungsausschuß und als Sachverständiger tätig.