Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 22 (27.5.1936)
- Date
- 1936-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Fülle der Vorträge und Berichte seien drei Momente hervorgehoben, nämlich die Stellungnahme zum Thema „Kampf im Welthandel", die Erklärungen zu der Frage „Internationale Schulden und Außenhandel" und die Problemstellungen „Rohstoffversorgung und Kolonien". Es sei von vornherein bemerkt, daß auch aus den vorliegenden Berichten im Hinblick aus den zur Verfügung stehenden Raum nur einiges wenige herausgegrisfen werden kann, aber auch diese wenigen Hinweise bieten doch wohl schon einen Ueberblick über die vorgetragenen Auffassungen. Reichsbankdirektor Brinkmann prägte das Wort vom „Kriegszustand und Welthandel"; er hob die Formen hervor, in denen der Konkurrenzkampf heute ausgetragen werde: Es tobe am Weltmarkt heute ein Kampf, der in seiner Heftigkeit und Brutalität kaum noch steigerungsfähig sei und jeglicher Ritterlichkeit ermangele. Während vor Jahrzehnten die Kanonen zum Verstummen gebracht wurden, würden die Völker heute noch Wirtschaftskriege führen. Er wies dann auf die Erzeugnisse gleicher Art und gleicher Güte hin, die am Weltmarkt mit stark unterschiedlichen Preisen angeboten werden, auf die stark demoralisierende Wirkung derartiger unlauterer Wettbewerbsmethoden auf den korrekten Kaufmann, die nicht selten dazu führen, daß der Kaufmann sich wegen der Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen vom Außenmarkt zurückziehe. Es wurde auch dargelegt, daß die Richtungen, die der zwischenstaatliche Warenverkehr einschlage, heute noch weitgehend von politischen Gesichtspunkten bestimmt werden. Sehr bedeutungsvoll war selbstverständlich die Erklärung Brinkmanns im Anschluß an die Untersuchung der Vor- und Nachteile einer Währungsabwertung in Deutschland, nämlich daß das Mittel der Abwertung nicht geeignet sei, das Ziel der deutschen Wirtschaftspolitik zu erreichen, denn auch das Gegenstück der Abwertung, die Deflation, komme als preissenkende Maßnahme zur Ausfuhrförderung nicht in Betracht. Der Ausweg sei in der Selbsthilfeaktion der gewerblichen Wirtschaft gesunden worden, die aus dem Gedanken Die Wirtschaft in fremden Ländern Als weiteren Beitrag zu der Reihe, die unsere Leser über die Wirtschaftslage in wichtigen Einwanderungsländern unterrichten soll, bringen wir jetzt Auszüge aus einem größeren Aufsatz „Gold und Konjunktur in Südafrika", der in Heft 31 der Zeitschrift „Der Deutsche Volkswirt" erschienen ist. Der Aufsatz enthält zunächst einen Hinweis daraus, daß die G o l d m i n e n in den letzten Jahren durch ihre Sonderkonjunktur anregend auf die gesamte Wirtschaft gewirkt hätten. Nunmehr sei aber das Schwergewicht des Auftriebs weitgehend aus die I n d u st r i e selbst übergegangen. Das schließe aber nicht aus, daß die Goldmmen angesichts ihrer überragenden Bedeutung nach wie vor die gesamte Wirtschaft in stärkstem Maße beleben, da sich auch ihre Lage ständig verbessert habe. Im Gegensatz zu den meisten Goldproduktionsgebieten werde eine Goldpreisveränderung wegen der volkswirtschaftlichen Schlüsselstellung der Minen für die gesamte südafrikanische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sein. Die Steuerpolitik der Regierung sei vor allem deswegen Gegenstand der öffentlichen Diskussion, weil die Steuermittel zum großen Teil zur Stützung der Landwirtschaft verwendet worden seien. Die Versuche einer Regulierung des Agrarmarktes hätten nicht zu verhindern vermocht, daß die Vorräte teilweise immer noch sehr hoch lägen und so trotz des Schutzes von außen einen Druck auf die Preise ausübten. Um die gesamte Agrarwirtschaft Südafrikas endgültig sicher zu stellen, sei eine umfassende Marktordnung vorgesehen, die weit in die landwirtschaftliche Veredlungsindustrie hineinreiche. Charakteristisch sei an dem neuen Gesetzentwurf, daß eine detaillierte Kontrolle vom Rohprodukt bis zur konsumreisen Fertigware vorgesehen sei, ja darüber hinaus die betreffende Regulierungsstelle möglicherweise sogar selbst zur Errichtung ' von Verarbeitungsbetrieben schreiten werde. Diese und andere Tendenzen verstärkten immer wieder den Eindruck eines systematischen und langfristigen Jndustrialisierungsprozesses in Südafrika; eines systematischen Prozesses insofern, als auch in Südafrika Zunächst noch das Schwergewicht der verarbeitenden Industrie bei der Konsumindustrie liege. Die soeben veröffentlichten Ziffern des Jndustriezensus von 1933/34 zeigten eine Zunahme des Nettoproduktionswertes gegenüber 1932/33 um zirka 20 Prozent. Träger eines überdurchschnittlichen Wachstums seien die zweitgrößte Industrie — am größten ist die Nahrungsmittelindustrie — nämlich' die Metallindustrie, ferner die Industrien der Steine und Erden, das Baugewerbe, die Fahrzeugindustrie, die Möbelindustrie und die Holzindustrie. Gerade in jüngster Zeit häuften sich die Anfragen und Ermittlungen ausländischer Unternehmungen bezüglich der Errichtung neuer Fabriken. Zahlreiche Beispiele für die Errichtung von Fabriken ließen sich anführen (größte Dynamitfabrik der Welt, größtes Elektrizitätswerk aus der südlichen Halbkugel. Automobilfabrik, Reisensabrik usw.). Fast wichtiger sei aber noch die Beobachtung, daß die Errichtung eines eigenen Forschungsinstituts für Jndustrieneugründungen und generelle Kostensenkung inauguriert werde — ein weiterer Ausblick auf die Langfristigkeit des Jndustrialisierungsprozesses. Die Jndustrialisierungstendenzen charakterisierten auch die Entwicklung des Außenhandels: zunehmende Einfuhr von speziheraus entstand, daß die Wirtschaft als Hauptträger des Rohstoffverbrauchs in erster Linie berufen sei, notfalls auch bei der Beschaffung der erforderlichen Rohstoffe an erster Stelle mitzuwirken. Schon Direktor Brinkmann betonte dann, es könne nicht .zweifelhaft sein, daß eine vom Verständnis für die gegenseitigen Lebensnotwendigkeiten getragene vertrauensvolle Zusammenarbeit der Völker dazu führen müsse, auch die Lösung der kolonialen Fragen in Angriff zu nehmen. Zu diesem Thema erklärte Reichsbankdirektor Dr. Eicke im Zusammenhang mit der Rohstoffversorgung u. a., Deutschland sei durch den Krieg seiner Auslandsvermögen in Höhe von 25 Milliarden RM, die jährlich etwa eine Milliarde Zinsen brachten, beraubt und von Devisenbeständen und Rohstoffvorräten weitgehend entblößt worden. Es sei ungeheuer wichtig, durch eine Erhöhung der Ausfuhr die Rohstoff- und Ernährungsfrage zu sichern. Das Problem wäre sehr viel einfacher, wenn wir einen erheblichen Teil dessen, was die Industrie an hauptsächlichen Rohstoffen benötige und der tägliche Lebensbedarf verlange im eigenen Hoheitsgebiet und Währungsbereich erzeugen könnten. Für unser dichtbevölkertes rohstoffarmes Land sei ein freier Zutritt zu den Rohstoffquellen der Welt Lebensnotweudigkeit. Reichsbankdirektor Blessing sieht einen Weg zur Wiederbelebung des zwischenstaatlichen Handels darin, daß wieder neue Kredite an weniger erschlossene Länder gegeben werden. Die alten Anleihen könnten dadurch wieder liquide werden, die Kreditgeberländer mehr Jndustriewaren kaufen, der Welthandel würde sich also beleben und könnte es erlauben, den Transfer eingefrorener Schulden auch bei den übrigen Gläubigerländern wieder aufzunehmen. Für eine solche Politik seien aber vorläufig nur schwache Ansatzpunkte vorhanden. Die strukturellen Veränderungen, die nach dem Kriege stattgefunden haben, dürsten keineswegs vergessen werden. Aber so wenig das alte System des liberalen Freihandels wiederhergestellt werden könne, so wenig werde das gegenwärtige Durcheinander Bestand haben. Die Krise sei keine Fügung des Schicksals gewesen, sondern eine Fügung der Politik. Eine entscheidende Besserung könne daher auch nur durch die Politik ermöglicht werden. Die Note der Deutschen Reichsregierung vom 1. April Habs Deutschlands Willen bekundet, die politische Verständigung auch in den Dienst des zwischenstaatlichen Handels zu stellen, und daß, wie es in der Note hieß, „auch nur ein erster Schritt" weitreichende Möglichkeiten bieten würde. n. fischen Produktionsmitteln und Verlangsamung der Einfuhr von im Inland hergestellten Erzeug- . nisten mit Hilfe von Schutzzöllen. Aus dem Arbeitsrecht Entlassung auf Verlangen der Arbeitsfront Wie die „Frankfurter Zeitung" vom 25, Mai 1936 berichtet, hat das Arbeitsgericht Frankfurt a. M. sich mit der Frage beschäftigt, vb Arbeiter ans Verfangen der Deutschen Arbeitsfront zu entlassen seien, um Platz für Alte Kämpfer der NSDAP zu schaffen. In diesem Urteil wird ausgeführt, die bevorzugte Einstellung Alter Kämpfer stelle zwar durchaus ein Gebot der Gerechtigkeit dar. Eine bevorzugte Einstellung Alter Kämpfer in der Weise, daß andere Volksgenossen deswegen von ihrem Arbeitsplatz verdrängt würden, sei aber nicht angängig, zumal hierdurch im Endergebnis die Arbeitslosigkeit nicht vermindert würde. Ferner sei zu berücksichtigen, daß der Kläger — trotz seiner Unfallrenten- und Pensionsbezüge — nicht ohne weiteres aus dem Arbeitsprozeß ausgeschieden werden dürfe, da auch solche Personen das Recht haben müßten, durch ehrliche Arbeit ihr Einkommen und das Niveau ihrer Lebenshaltung zu erhöhen. Wollte man solchen Personen ohne weiteres den Schutz des 8 56 AOG (also die Befugnis zur Erhebung der Kündigungswiderrufklage) absprechen, dann würde dies eine Schlechterstellung bedeuten, die im Gesetz nirgends ihren Niederschlag gefunden habe. Es könne daher durchaus fraglich sein, ob die Tatsache des Rentenbezuges, selbst in Verbindung mit der Intervention von Arbeitsfront und Betriebszelle, die Kündigung ausreichend rechtfertige. Im vorliegenden Falle wurde die Klage abgewiesen, weil der Kläger bei seiner Einstellung in einem ihm vorgelegten Fragebogen die Tatsache der Rentenbezüge nicht angegeben hatte. Fristlose Kündigung von Lehrverträgen Das Reichsarbeitsgericht hat in einem Urteil vom 29. Januar 1936 — „Deutsche Justiz" 1936 S. 733 — ausgesprochen, daß Lehrverträge im Falle der Konkurseröffnung sowohl von dem Konkursverwalter als auch dem anderen Teil fristlos gekündigt werden können. Urlaub der Heimarbeiter Der Treuhänder für Sachsen setzt sich in einem Aufruf dafür ein, daß auch die in der Heimarbeit Beschäftigten Urlaub erhalten. Als Vorbild soll die Urlaubsregelung gelten, wie sie für die Betriebsarbeiter üblich ist. In den Fällen, in denen für die Heimarbeiter tarifliche Stundenverdienste vorgesehen sind, soll das Urlaubsentgelt unter Zugrundelegung dieses Stundenverdienstes errechnet werden. Wenn in der Tarifordnung Stückentgelt ohne Angaben von Stundenverdiensten vorgesehen sind, dann soll der Urlaubsvergütung der Gesamtverdienst in den der Urlaubszeit vorangegangenen zwölf Monaten Zugrundegelegt werden. Für jeden Urlaubstag würde dann Vz Prozent dieses Gesamtverdienstes zu vergüten sein. Geschäftsjubiläum. Die Firma Paul Golds ch m i d t, Hamburg-Brarnfeld, deren Inhaber seit 35 Jahren Mitglied des C.-B. ist blickt am 1. Juni auf ihr 30jähriges Bestehen zurück.