Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Beiblatt WIRTSCHAFT DER WOCHE 22. Mat 1936 Berufswahl der Erwachsenen In der letzten Nummer der „C.-V.-Zeitung" haben wir uns mit der Berufsberatungsstelle der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschäftigt. In enger räumlicher und sachlicher Verbindung mit ihr arbeitet die Umfchichtungsberatung, auch sie getrennt für Männer und Frauen. So ähnlich nach außen hin die Arbeit der beiden Stellen scheinen mag, so verschieden müssen auf Grund des völlig anderen Menschenmaterials die anzuwendenden Methoden sein. Handelt es sich bei der Berufsberatung vorwiegend um Jugendliche, so hat es die Umschichtungsstelle im allgemeinen mit Erwachsenen, ausgereisten Menschen zu tun, bei denen die individuellen Fähigkeiten und ihre gesamte wirtschaftliche und soziale Situation eine weit größere Rolle spielen, als bei den der Formung noch zugänglichen Jungens und Mädels. Daraus ergeben sich auch die besonderen Probleme der Umschichtungsberatung und ihre Schwierigkeiten. Die Umschichtungsberatung muß von der Tatsache ausgehen, daß der Fragende bereits eine Berufsausbildung genossen hat, die ihn aber durch die veränderten Verhältnisse weder innerhalb Deutschlands noch bei einer Auswanderung mehr zu ernähren vermag. Sie hat deshalb auf Maßnahmen zu sehen, die einen möglichst baldigen Erfolg erwarten lassen, während der Berufsberatung die Möglichkeit zur Planung und Berufsgestaltung innerhalb längerer Zeiträume gegeben ist. Die Umschichtungsberatung für Männer hat einen monatlichen Durchschnitt von etwa 400 Besuchern aufzuweisen, bei den Frauen dürften es 200 bis 250 sein. Das Alter der Besucher schwankt sehr und liegt innerhalb der weiten Spanne von etwa 22 bis zu mehr als 50 Jahren. Der weitaus größte Teil der Interessenten steht jedoch Ende der zwanziger Jahre. Die Besucher der Umschichtungsberatung kommen in der Regel ziemlich unvorbereitet zur Beratung und wollen nun allein von ihr wissen, was sie in Zukunft machen sollen. Das zu bestimmen ist für den Berater auch nach einem längeren Gespräch oft sehr schwer. Leichter ist es jedoch denen zu Helsen, die mit fest umrissenen Auswanderungsplänen kommen, insbesondere dann, wenn diese Pläne auf Anregungen von Angehörigen beruhen, die bereits längere Zeit in dem Auswanderungsland leben und feine Verhältnisse kennen. Wenn solche Mitteilungen vorliegen, ist die Beratungsstelle eher in der Lage, eine den Landesverhältnissen angepaßte Ausbildung zu empfehlen oder zu vermitteln, da im anderen Falle die Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Uebersee-Ausland auf ihre Aufnahmefähigkeit von hier aus schwierig ist. Bei ihrer Arbeit geht die Umschichtungsberatuug von der Tatsache aus, daß nach Möglichkeit versucht werden muß, die bereits vorhandenen Berufskenntnisse nach irgendeiner Richtung hin a u s z u n u tz e n. Je enger der alte Beruf mit dem neuen in Verbindung gebracht werden kann, desto größer sind die Erfolgsaussichten für die spätere Tätigkeit des Umgeschichteten. Es darf nicht vergessen werden, daß selbst ein- oder eineinhalbjährige Umschichtungskurse eine Vollausbildung in einem Handwerk nur in den allerseltensten Fällen ersetzen können, und daß die so Umgeschichteten bestenfalls als „Angelernte", nicht aber als „gelernte" Handwerker gelten können. Gerade zur handwerklichen Betätigung gehört nach einer ausreichenden Lehrzeit Uebung und nochmals Uebung. Deshalb können die Umschichtungskurse auch keine vollausgebildeten Handwerker liefern, um so weniger ist es aber möglich, was viele Besucher erwarten, in nebenberuflichen Abendkursen von kurzer Dauer irgend etwas Brauchbares zu schaffen. Die Umschichtungsberatung mit dem Ziel der Auswanderung arbeitet eng mit dem Palast inaamt bzw. mit dem Hilfsverein der Juden in Deutschland zusammen. Für Palästina kommt in erster Linie eine Ausbildung in der Landwirtschaft (Siedlungs)vesen, Gärtnerei) und in bauhandwerklichen sowie einzelnen metallverarbeitenden Berufen in Frage. Die körperliche Eignung der Bewerber wird durch eine gründliche ärztliche Untersuchung festgestellt. Außerdem bestehen Umschichtungskurse für Metall- und Holzbearbeitung, unter anderem kann auch der Besuch einer speziellen Schweißerschule vermittelt werden. In Einzelfällen, bei besonderer Begabung oder Anlage, werden auch andere llmschichtungsmöglichkeiten in den Bereich der Erörterung gezogen, so zum Beispiel die Umschichtung zum Sportlehrer oder auch gelegentlich die Ausbildung als Kantoren. Gerne wird auch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, gewisse Ergänzungsberuse im Zusammenhang mit dem alten Beruf zu erlernen, um damit vielseitiger zu werden. So zum Beispiel, wenn ein Verkäufer an einem Dekorationskurs teilnimmt, oder wenn ein in der Bekleidungsindustrie Tätiger sich in Zuschneiden oder Modezeichnen vervollkommnet. Auch das Erlernen der Schrift- und Plakatmalerei oder die Zusatzausbildung eines Schneiders bzw. einer Schneiderin in Spezialgebieten der Schneiderei gehört hierher. Ferner können auch Ausbildungen zum Beispiel in Massage, Maniküren, Kosmetik usw. in Frage kommen. Hierbei ist es aber oft leichter, Umschichtungsmöglichkeiten für Frauen zu finden, bei denen auch andere Spezialberufe wie Wäscherin, Plätterin. Putzmacherin und vieles andere, beachtet werden müssen. Auch die Schulung für den Haushalt ist für Frauen wesentlich leichter als bei den Männern, bei denen in noch stärkerem Maße als bei den Jugendlichen die bereits im vorigen Artikel geschilderte Problematik des Haushaltsberufs zu berücksichtigen ist. Einige Versuche sind aber trotzdem gemacht worden, und zwar hat man die Betreffenden durch Kochkurse und den Besuch einer Dienerschule vorzuschulen versucht. In besonders geeigneten Fällen kann auch eine N a ch s ch u l u n g von Kauftenten aus Spezialgebieten, wie zum Beispiel Stenographie, Buchhaltung oder Schreibmaschine, in Frage kommen. Dgs können aber nur Ausnahmen sein, denn an sich ist das Angebot in diesen Berufen sehr groß und die Nachfrage weit weniger stark. Im ganzen läßt sich feststellen, daß die Zahl der Umschichtungswilligen bei den Männern zwar größer, die Möglichkeiten bei den Frauen aber besser sind. Im Falle der Bedürftigkeit können die durch die Umschichtung entstehenden Kosten zum Teil oder ganz ans von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Mitteln darlehensweise gewährt werden. Die vorstehenden Darlegungen zeigen, daß eine Planung bei der Umschichtung mindestens so notwendig ist wie bei der Berufsberatung. Deshalb wäre es gut, wenn Umschichtungswillige — auch wenn eigene festumrissene Pläne vorliegen — die Beratungsstelle in Anspruch nehmen würden, da sie einen Ueberblick über die bestehenden Möglichkeiten und Aussichten sowie entsprechende Erfahrungen hat, und damit Fehldispositionen, die unter Umständen große Opfer an Kraft, Zeit und Geld erfordern, zu verhindern vermag. „ H. W—1- Notizbuch des Kaufmanns Innerhalb der deutschen Funkwirtschaft ist ein U in t a u s ch a b k o in m e n abgeschlossen worden, nach dem jedes vor dem 31. Juli 1931 auf den Markt gebrachte Empfangsgerät bei einer in Berlin errichteten Sammelstelle gegen einen Gutschein umgetanscht werden kann (vom 1. Mai bis einschließlich 30. Juni), der vom Einzelhändler beiin Erwerb eines neuen Geräts aus den Kaufpreis in Anrechnung gebracht wird, lieber Einzelheiten gibt jeder Rundsunkhändler Auskunft. * Nicht selten kommt es vor, daß die Bücher des Kauf m a n n s den Anforderungen, die an eine „doppelte" Buchführung zu stellen sind (z. B. mangels Einrichtung bestimmter Konten) nicht entsprechen. In derartigen Fällen ist, wie der „Kurzberichterstatter" in Anlehnung an eine Entscheidung des RFH (VI A 1440/29) mitteilt, die Buchführung trotzdem als ordnungsmäßig anzuerkennen, wenn die Bücher allen Erfordernissen einer „einfachen" Buchführung (fortlaufende tägliche Aufzeichnungen der Einnahmen und Ausgaben, Inventur zum Anfang und auf den Schluß des Wirtschaftsjahres) entsprechen. Ein bestimmtes Buchsührungssystem ist nicht vorgeschrieben. Von der Handwerkskammer Weimar, wird, wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, eine Erhebung zur r äffischen Erf or s chun g von 25 000 H a N d w e r k s b c t r i e b e n des Kammerbezirks durchgeführt. Alle Handwerksmeister erhalten einen Fragebogen, worin Eintragungen über den Familienstand und über den Ausbildungsgang der Betriebsinhaber zu machen sind. Die nusgefüllten Fragebogen werden voin Landesamt für Rassewesen und von der Handwerkskammer nüssenschastlich bearbeitet werden Devisen kür Studierende Der Leiter der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat durch Runderlaß vom 12. Mai für die Behandlung von Devisenanträgen zum Studium und Schulbesuch im Ausland unter Zusammenfassung der bisherigen .Vorschriften und unter Aushebung einer Reihe von Erlassen neue Bestimmungen erlassen. Durch sie wird vorgesehen, daß wegen der ernsten Devisenlage Anträge auf Erteilung von Devisenerwerbs- und Verwendungsgenehmigungen für einen Studienaufenthalt im Ausland, für einen Besuch ausländischer öffentlicher und privater Lehranstalten, Schulen, Fachschulen und Hochschulen und für eine sonstige Ausbildung oder Weiterbildung im Ausland —- z. B. Auslandsaufenthalt als Lehrling oder Volontär — grundsätzlich abzulehnen sind. Nach besonderen Vereinbarungen sind j ü d i - fche Studenten oder Schüler, die im Ausland studieren oder eine Schule besuchen wollen, soweit eine Zahlung laut Abschnitt V des Runderlasses im Verrechnungsverfahren nicht ohne weiteres möglich ist, an den Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kautstraße 168, zu verweisen. Der Abschnitt V gibt die Länder an, bei denen im Sinne von Abschnitt I des Erlasses Genehmigungen auf Grund von Verrechnungs- oder Reiseabkommen erteilt werden können. Es handelt sich — bei in jedem Falle gesonderten Bedingungen — um Bulgarien, Dänemark, Iran, Italien, Jugoslawien, Niederlande, Palästina, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei und Ungarn. Die nach den bisherigen Bestimmungen erteilten Genehmigungen bleiben in Kraft. Bei der Beantragung erneuter Genehmigungen ist jedoch nach den neuen Anweisungen zu verfahren. Abschnitt III des Erlasses enthält Bestimmungen über die Genehmigung zur Veräußerung von Wertpapieren im Ausland und der Verwendung ihres Erlöses zur Bestreitung der Kosten eines Studienaufenthaltes im Ausland. Abschnitt IV besaßt sich mit den Genehmigungen für einen Ausländsaufenthalt zur Ausbildung oder sprachlichen Fortbildung von Angestellten inländischer Ausfuhr- und Transitfirmen. Für Palästina ist eine Sonderregelung des Transfers von Studien- und Ausbildungsgeldern über das Sonderkonto I getroffen. Das Teilzahlungsgeschäft Ueber fünf Jahre nicht handelsüblich Das Einigungsamt f ü r W e t t - b e w e r b s st r e i t i g k e i t e n d e r I n d u st r i eu n d Handelskammern A r n s b er g und Hagen hat sich in einem gutachtlichen Spruch mit der Frage befaßt, ob der Verkauf von Gasherden gegen 60 Monatsraten von je 2 NM handelsüblich ist. In diesem Spruch heißt es laut Tagespresse u. a., daß ein solches Angebot vom Standpunkt des Einzelhandels aus wettbewerbsmäßig durchaus zu mißbilligen sei, da der Einzelhandel, wenn er gesund bleiben wolle, solche Kreditverkäufe nicht tätigen könne. Teilzahlungen über fünf Jahre feien im Einzelhandel nicht üblich. Das Fachgeschäft erhalte selbst nur ein beschränktes Zahlungsziel und bedürfe zur Fortführung feines Geschäfts flüssiger Mittel. Die Möglichkeit, alle notwendigen Gebrauchsgegenstände nach fünf Jahren Ratenzahlung als Eigentum zu erwerben, sei für den unbemittelten Käufer kein Vorteil, da er durch die Summe der Ratenzahlungen erdrückt , und zu leichtsinnigen Anschaffungen verleitet; werde. Dem Großkapital (es handelte sich um eine aus Installateuren, Eisenwarenhändlern und ■ einem Gaswerk gebildete Absatzgemeinschast) auf ■ Kosten der schwer um sein Dasein ringenden Einzelz Handels eine Sonderstellung einzuräumen, indein man ihm gestatte, ungewöhnlich langfristige Kredit-: geschäftc abzuschließen, um dadurch seinen Umsatz . fitäfeet Betykäü zu steigern, sei bedenklich. Allerdings könne das Angebot nicht als sittenwidrig angesehen werden. Das E i n i g u n g sa m t' für Wettbewerbsstreitigkeiten bei der Iridu - st r i e - und Handelskammer Stettin hat auf Veranlassung der Bezirksgruppe Pommern der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel zu der Frage Stellung genommen, inwieweit Teilzahlungsvcrkaufe, bei denen keine Anzahlung zu leisten ist, zulässig sind. Das Einigungsamt ist, wie die Tagespresic berichtet, in seinem Gutachten in Anlehnung an ähnliche Entscheidungen der Eintg ungs ü mte r in Berlin und München zu. dem Ergebnis gekommen, daß derartige Verkäufe gegen die guten Sitten verstoßen und demnach gemäß § 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb unterbunden werden könnten. Das Gutachten sei u. a. wie folgt begründet: Das Einigungsamt in Stettin steht ebenso wie die Einignngsämter für Wettbewerbsstreitigkeiten zu Berlin und München auf dem Standpunkt, daß die Anpreisung „ohne Anzahlung" für die Verbraucherschaft einen Anreiz zum Schuldenmachen bedeutet. Die Bestrebungen gehen heute aber mit Recht auf eine weitere Anwendung des Barkaufs. Angesichts dieser berechtigten Auffassung müsse es als besonders wirtschaftsschädlich bezeichnet werden, wenn Kreditverkäufe „ohne Anzahlung" angeboten werden. Die Ankündigung „ohne Anzahlung" verleitet gerade wirtschaftlich schwachgestellte Volksgenosien leicht zu unüberlegten und unnützen Käufen; deshalb sei die Anpreisung unlauter im Sinne des 8 1 des Gesetzes gegen den Milanteren Wettbewerb. Wie in dem Gutachten weiter ausgeführt werde, dürfte es vielleicht nicht ' als unlauter betrachtet werden, wenn in einzelnen , Füllen tatsächlich Kreditverkäufe „ohne Anzahlung"; abgeschlossen werden. Etwas anderes aber sei es, /wenn die Bereitwilligkeit zum Abschluß dieser Verjkäuie in der Werbung ausdrücklich angekündigt E; wer de. i Blick in die^Wirtschaft Berlin, den 18. Mai 1936. / Ein Blick in den sechsten Jahresbericht der ) Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in * Basel zeigt, in welch starkem Maße die Weltwirt- / fchaft vmi der Weltpolitik abhängig ist, zeigt, wie ' stark die Verknüpfung vor allem auf kreditwirt- fchastlichem und währungswirtschaftlichem Gebiete ist. Die BIZ glaubt zwar Besserungsansätze in der Weltwirtschaft feststellen zu können; sie hält die Gesundungserscheinungen für stark genug, das Mißverhältnis zu mindern, das in dem Kosten- und Preisgefüge der verschiedenen Länder infolge der Währungsänderungen der letzten Jahre immer / noch besteht. Es kann hier natürlich nur in ganz l rohen Umrissen der Versuch gemacht werden, den Kern aus diesem Jahresbericht herauszuschälen. Da ist vor allem festzustellen, daß auf die Darlegung der Bessernngsansätze in der Weltwirtschaft am Schlüsse ein sehr großes Fragezeichen folgt, nachdem vorher festgestellt wird, daß die stabilen Wechselkurse nicht genügen, daß nach der Basler Auffassung die Steigerung der Warenpreise auf den englischen und amerikanischen Märkten sich wahrscheinlich fortsetzen werde — was als keine ungemischte Freude bezeichnet wird , daß die Gold gewinnung weiter steige (Südafrika, russische Goldgewinnung, während Indiens Gvldaussuhr wahrscheinlich abnehmen würde) und daß der Kapitalverkehr international gesehen immer noch stagniere. Das große Fragezeichen besteht darin, daß nach Ansicht der BIZ wohl die Lage von technischen Gesichtspunkten ans zu Hoffnungen auf bessere Zeiten berechtige, aber es sei eben die Frage, ob diese Hoffnungen sich erfüllen würden, denn mau wisse ja, daß rein wirtschaftliche und finanzielle Ueberlegnngen allein nicht entscheidend seien, sondern daß die Wirtschaft stark von der politischen Entwicklung beeinflußt werde. . Das Fragezeichen wird begründet mit dem Fehlen internationaler Verständigung, mit den vielen ungelösten wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, : die der Losung zugcführt werden könnten, weuu, /ja, wenn eben eine größere PerständigungsberMH schast unter den Völkern vorhanden wäre. Solange / ju^er Ludwig Säeinmetz \ 12; Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) v das nicht der Fall sei, könne auch die Leistungsst fähigkeit der technischen Einrichtungen, zu denen > auch die Bank für Internationalen Zahlungs- * ausgleich gehört, nicht voll ausgenützt werden. Gegenüber Gerüchten über angebliche Steuererhöhungen hat „Das S ch w-a r z e Kor p s" am 14. Mai festgestellt: An eine Erhöhung der steuern habe man 'weder in den vergangenen Monaten gedacht, noch vlanc man gegenwärtig derartige Maßnahmen. „Die Gesundung der Volkswirtschaft und der Steuerertrag versprechen mit dem Tempo der Erfüllung eines lebenswichtigen Staatsprogramms auck fernerhin Schritt zu halten. Wenn es einen Berg bisher in diesen Fragen gegeben hat, so ist er überwunden und erobert worden." Es wird dann unter anderem ans die bereits erfolgte beachtliche Umlagerung des Steucranfkommeus nach bevölkerungs- und sozialpolitischen Gesichtspnnkten in der Steuerpolitik des Reiches hingewiesen und weiter festgestellt, daß die sozialistische Gesetzgebung in der Steuerpolitik fortschreiten werde. Tic Konsumkraft breiter Volksschichten werde man in Zukunft, wenn vordringliche Aufgaben wie die Bereitstellung von Arbeitsplätzen restlos erfüllt find, mit allen Kräften zu heben wissen. Tie Lösung dieser Frage der erhöhten Kaufkraft breitester Volksschichten fei neben der Steuerfragc in erster Linie ein Lvhnproblem, das die maßgebenden Männer wahrscheinlich mehr beschäftige und bewege als die Kassandra-Rufe einer gewissen Auslandspresse über angebliche Stenererhöhungen in Deutschland. k—n. Die Wirtschaft in In der Vorwvchigen Nummer der C.-V.-Zeitung brachten wir im Rahmen unserer Uebersicht über die Wirtschaftslage in wichtigen Einwanderungsländern einen Bericht über Kolumbien. Heute entnehmen wir der Zeitschrift „Der Deutsche Volkswirt" auszugsweise eine Darstellung über „Wandlungen der chilenischen Wirtschaft" von C. H. Hillekamps. Der Verfasser geht in seinen Betrachtungen von der systematischen Umstellung der chilenischen Wirtschaft vom Rohstoffexport (vor allem Salpeter) auf die Binnenmarktpflege aus, im Verfolg des Exportrückgangs für Chilesalpeter, der durch seinen Ausfuhrzoll in früheren Jahren einen erheblichen Teil der Staatseinnahmen gedeckt hatte. Im Schutze eines totalen Transfermoratoriums, einer strengen Devisenzwangswirtschaft und hoher Einfuhrzölle entwickelte sich rasch eine nationale Industrie. Vorhandene Ansätze (Leder-, Schuh-, Textilindustrie, Zementwaren) seien ausgebaut, neue Industrien auf fast allen Gebieten ins Leben gerufen worden, meist kleinere Betriebe, da nur Schuhe, Textilien, Zement, Glas, Papier und Streichhölzer in Großbetrieben fabriziert werden. Durch Steuerbefreiungen sei der Baumarkt angeregt worden. Die Steigerung des fremden Ländern Goldpreises habe der Goldwäfcherei gewaltigen Antrieb gegeben. Die rasch emporschießende National-Jndustrie sonne die Goldwäscherei hätten nahezu alle chilenischen Arbeitslosen absorbiert. Die Gesundung des Staatshaushalts und seine Befreiung aus der Abhängigkeit von der Salpetei?- und Kupfer-Exportsteuer habe jedoch Steuererhöhungen und die Einführung einer zweiprozentigen Umsatzsteuer notwendig gemacht. Problematisch stimmten auch bei der gegemvärtigen chilenischen Konjunktur (Zunahme der Jndustrietätigkeit sei 1929 20 Prozent, der Textilindustrie allein 40 Prozent. Verzinsung des landwirtchaftlich arbeitenden Kapitals 1934 und 1935 rund 14 Prozent) die Enge des Binnenmarktes, für den die Industrie in erster Linie arbeite, und die landwirtschaftlichen Besitzverhältnisfe. Die Jndustrielötzne und Gehälter seien gering und bei einer Einwohnerschaft von 4,45 Millionen fei höchstens mit einer halben Million wirklich kaufkräftiger Konsumenten zu rechnen. Deshalb erwäge die Regierung auch die Einführung eines Minimallohnes, doch werde es sich erst zu erweisen haben, ob sie wirklich stark genug fei, eine solche Lohnpolitik durchzuführen. Wollte man aber zur Sicherung der Binnenkonjunktur die