Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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iim Noch immer ist in Palästina keine Beruhigung eingetreten. Ja, die gefürchtete Proklamation des arabischen Steuerstreiks, der programmgemäss am 15- Mai seinen Anfang imum, hat sogar die Lage nicht unwesentlich verschärft. Wieder muss die Wochenchronik von dem traurigen Kampf der Araber gegen Wälder und Ernten berichten, wieder häuften sich die Gewalttaten gegen Menschen und ihr Eigentum, wieder sind jüdische Opfer zu beklagen. Mittwoch Der 13. Mai brachte im ganzen Lande eine bedrohliche Anspannung der Lage. In der Jerusalemer Altstadt wurde der 45jährige Reuben Klapholtz von Arabern überfallen und getötet. In den späten Abendstunden fiel der 67jährige Albar Kohen arabischen Revolverschüssen zum Opfer. Beim Damaskus-Tor in Jerusalem wurde ein arabisches Auto von Streikposten in Brand gesteckt. In Jadschur wurden 40 Dunam Weizen niedergebrannt. In Cbedera wurden mehrere Dunam Getreide durch Feuer vernichtet. In Sichren Jakob fielen zehn Tonnen Gerste einer Brandstiftung zum Opfer. Ein in jüdischen Diensten stehender arabischer Wächter wurde bei Moza erschossen, weil er sich weigerte, sich den Streikenden anzuschliessen. In Jerusalem wurde ein Araber, der in einem jüdischen Laden Schuhe gekauft hatte, durch Messerstiche schwer verletzt. Der Polizeidienst wurde durch Militärpatrouillen verstärkt. In Jaffa veranstalteten 6000 Araber eine lärmende Strassenkundgebung. Von den Demonstranten wurden Rufe wie „Tötet die Juden“ ausgestossen. Es dauerte eine und eine halbe Stunde, bis es gelang, die Menge zu zerstreuen. Ein Bombenanschlag wurde auch gegen die Wirkwarenfabrik „Gerev“ in einer Jaffaer Vorstadt verübt. In Haifa wurde die Wohnung des jüdischen Vizebürgermeisters Shabbetay Levy in Brand gesteckt, es gelang jedoch, das Feuer rechtzeitig zu löschen. Donnerstag Auch am Donnerstag, dem 14. Mai, hielt die angespannte Lage im ganzen Lande an. In Jerusalem entstand unter der jüdischen Bevölkerung der Jaffa-Strasse eine Panik, als Araber das Begräbnis eines am Morgen beim Jaffa-Tor durch einen englischen Polizisten erschossenen Streikpostens in eine antijüdische Kundgebung umwandeln wollten. Die Teilnehmer am Trauerzug versuchten in die Jaffa-Strasse einzudringen. Die jüdischen Läden wurden in grosser Eile geschlossen. Es gelang jedoch, die Menge zu zerstreuen, bevor sie ihr Vorhaben verwirklichen konnte. _ ' Den jüdischen Arbeitern, die an der Peripherie von Jerusalem beschäftigt sind, wurde der Rat erteilt, die Arbeit einzustellen. Alle jüdischen Geschäfte zwischen dem Hauptpostamt und dem Jaffa-Tor waren geschlossen. Auf Wunsch der Behörden, die eine Evakuierung der Altstadt für ratsam hielten, verliessen. viele Juden das bedrohte Viertel. In Haifa und Akko hielt der Grossmufti von Jerusalem Hetzreden gegen die Juden, in denen er diese beschuldigte, Araber ermordet zu haben. Grosser Brandschaden entstand in einem Gehölz bei Mischmar Haemek. Die Waldbestände wurden fast vollkommen durch das Feuer vernichtet. Diese katastrophale Situation veranlass-te den Waad Leumi, die Agudat Jisrael und den Verband der Jüdischen Landwirte, gemeinsam eine Abordnung zum High Commissioner Sir Arthur Wauchope zu entsenden, um Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit im Lande und der ungestörten weiteren Einwanderung von Juden zu verlangen. Auf die sehr energischen Vorstellungen der jüdischen Vertreter, die die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung über den unzureichenden Schutz seitens der englischen Regierung deutlich zum Ausdruck brachten, erwiderte der High Commissioner, dass die jüngsten Ereignisse in Jerusalem von den Juden nicht als ein Anzeichen dafür genommen werden dürften, dass die Behörden nicht imstande‘seien, die Ordnung zu wahren. Diese werde vielmehr endgültig wieder hergestellt werden, wenn er auch noch nicht sagen könne, zu welchem Zeitpunkt dies geschehen werde. Die Politik der Regierung werde durch keinerlei Vorkommnisse geändert werden. Gegen die Unruhestifter werde man mit kollektiven Strafmassnahmen vorgehen. Freitag Dem Freitag wurde in ganz Palästina mit grosser Besorgnis entgegengesehen, da für ihn der gefürchtete arabische Steuerstreik proklamiert war. Obgleich, wie von zuverlässiger Seite berichtet wurde, der High Commissioner den Arabern weitgehende Zugeständnisse für den Fall des Streikabbruchs zu machen bereit war, blieben die Araber weiter hartnäckig und bestanden auf unbedingter vollständiger Einstellung der jüdischen Einwanderung. Wie gefürchtet, führte tatsächlich die arabische Kampagne zu Ausschreitungen in den arabischen Städten, die besonders in Jaffa ernsten Charakter annahmen. Dort veranstalteten die Araber nach dem Verlassen der Moscheen eine Kundgebung, an der 10 000 Personen teilnahmen. Eine Bombe wurde gegen die Polizeistation geschleudert; ein jüdischer Polizist namens Arkin brachte die Zündschnur rechtzeitig zum Erlöschen und verhütete so die Explosion. Später kam es zu einem Zusainmenstoss mit der Polizei, die sich genötigt sah, das Feuer zu eröffnen. Hierbei wurden zwei Araber erschossen und 25 verwundet, vier von ihnen schwer. Eine arabische Kundgebung in Sefed wurde aufgelöst, als die Teilnehmer versuchten, in das jüdische Viertel einzudringen. Kundgebungen fanden auch in Hebron, Nablus, Akko und Tulkarem statt. Bei Zusammenstößen mit der Polizei in Akko sollen 14 Araber verwundet worden sein, in Tulkarem wurden von den Demonstranten sechs Bomben gegen die Polizeistation geschleudert, es wurde jedoch kein Schaden angerichtet. Zwei Bomben waren von Schülern der Kadoorie Ackerbauschule geworfen worden. In Jerusalem ist der Tag ohne bedeutendere Zwischenfälle verlaufen. Starke militärische Kräfte patrouillierten durch die Altstadt und verhinderten den Ausbruch von Unruhen. 900 Juden wurden am Morgen aus der Altstadt evakuiert. Angesichts der arabischen Gehorsamsverweigerung, die am Freitag im ganzen Lande einsetzte, haben die Behörden alle durch die Lage gebotenen Schritte unternommen. Jaffa gleicht einem Heerlager; die Strassen waren voll von Soldaten und Polizisten in voller Kriegsausrüstung. Die strategischen Punkte der Stadt sind durch Drahtverhaue, Tanks und Maschinengewehre gesichert. In Jerusalem und in den Kolonien waren die militärischen Vorkehrungen weniger auffällig. Immerhin wurden die jüdischen Kolonien zwischen Haifa und Sichren Jacob von zwölf Tanks befahren. In der Nacht sind in dem Distrikt englische Streitkräfte aus Aegypten zur Verstärkung der Ordnungstruppen eingetroffen. 2400 englische Soldaten in Transjordanien wurden in Alarmbereitschaft versetzt, um erforderlichenfalls nach Palästina geschickt zu werden. Die AIlenby-Brücke an der palästinensisch-transjordanischen Grenze wurde von Panzerwagen bewacht. Telephondrähte zwischen Palästina und Transjordanien wurden von aufrührerischen Arabern durchschnitten. Es wurden auch Sprengstoffanschläge gegen Jordanbrücken versucht. Die Verbindungen wurden jedoch bald wieder hergestellt. In einer Reihe palästinensischer Bahnstationen wurden Züge von Arabern mit Steinen beworfen. Es wurden Fensterscheiben zertrümmert und zwei Passagiere leicht verletzt. In der Kolonie Raanana wurde Aron Davidson von Arabern durch Schüsse verwundet. Im Hafen von Haifa setzten Araber 15 Wagenladungen mit Uebersiedlungsgut jüdischer Familien aus Deutschland in Brand. Die Wagen brannten vollständig nieder. Die Histadrut hatte sich erbötig gemacht eine Wache von 100 Mann für die Wagen zu stellen, die Behörden batten jedoch dieses Angebot abgelehnt. Sonnabend Am Sonnabend, dem 16. Mai, kam es in den späten Abendstunden vor dem Kinotheater „Edison“ in dem im Zentrum der Neustadt von Jerusalem gelegenen jüdischen Stadtteil Sichren Mosche zu einem Ueberfall von Arabern auf jüdische Kinobesucher, der drei Todesopfer forderte. Die Täter, die unerkannt entkommen konnten, gaben in die aus dem Kino strömende Menge Pistolenschüsse ab. Tödlich getroffen wurden drei aus Polen eingewanderte Juden, Alexander Polonski, Isaak Cyalowski und Zwi Schabehowski. Verwundet wurden ausserdem Dr. Plosser und Israel Aschkenazy. Der Tag war bis zu dem Feuerüberfall in Jerusalem und Jaffa ruhig verlaufen. Mit Stahlhelmen ausgerüstete Polizisten durchfuhren ununterbrochen auf Lastkraftwagen die Strassen. Die Strasse zwischen Jaffa und Tel Awiw war durch eine starke Polizeikette abgeriegelt. Die Bluttat am Abend versetzte die jüdische Bevölkerung in ungeheure Erregung. Der Waad Leumi berief sofort eine ausserordentliche Sitzung ein, die die ganze Nacht dauerte. Es wurde die Lage im Lande besprochen und beschlossen, den Jischuw zu einer dreistündigen Arbeitseinstellung als Zeichen des Protestes und der Solidarität aufzufordern. Sonntag Zu erschütternden Auftritten kam es am Sonntag morgen anlässlich der Beisetzung der Opfer vom Sonnabend. Vor dem Hadassakränkenhaus, in das die Toten und Verwundeten gebracht worden waren, hatten sich viele Tausende Leidtragende versammelt. Der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, hielt eine Ansprache, in der er erklärte, die Regierung trage die Verantwortung für das vergossene Blut. Vertreter aller politischen Gruppen im Jischuw ehrten die Toten am offenen Grabe. In allen Reden wurde mit Entschiedenheit zum Ausdruck gebracht, dass die jetzt zu Grabe getragenen Opfer die letzten sein müssten, die der Jischuw in diesen Unruhen bringt. Die Juden würden es nicht weiter dulden, wehrlos hingemordet zu werden. Scharfe Angriffe wurden auch gegen den High Commissioner gerichtet, der sein Versprechen, unbedingte Sicherheit zu gewährleisten, nicht gehalten habe und die Beseitigung des verbrecherischen Terrors nicht durchgesetzt habe. Die sonntägliche hebräische Presse gab in scharfen Worten der Empörung und dem Zorn über die Verbrechen der arabischen Terroristen Ausdruck. Der arabische Terror, erklärten die Blätter, stosse nicht auf den gebotenen Widerstand seitens der Behörden. Während die Polizei in der letzten Zeit fünf jüdische junge Leute unter der Beschuldigung unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet habe, gemessen die arabischen Terroristen volle Freiheit und dringen sogar in die rein jüdischen Viertel von Jerusalem ein. Auf Anordnung des Distriktskommissars Campbell wurde der Ausnahmezustand, der bisher nur für die gemischten arabisch-jüdischen Teile vor Jerusalem galt, am 17. Mai auf ganz Jerusalem ausgedehnt. High Commissioner Sir Arthur Wauchope berief am 17. Mai den Executivrat und den Beirat der Palästinaregierurg zu einer ausserordentlichen dringenden Sitzung ein, an der die Leiter aller Regierungsdepartements teilnahmen. Es sollen einschneidende Massnahmen für die nächste Zeit beschlossen worden sein. Trotz der Warnung der Regierung beschloss am Sonntag das arabische Nationale Komitee, den Streik und die Aktion des „bürgerlichen Ungehorsams“ fortzuseteen. In Jaffa wurde von arabischen Kolonisten eine Bombe gegen das Gefängnis geworfen. Durch die Explosion wurde das Tor und einige Fenster beschädigt. Weizenfelder der jüdischen Ackerbauschule in Mikwe Israel wurden Sonnabend abend in Brand gesteckt. Mit grosser Anstrengung gelang es, das Feuer zu lokalisieren. Bei einer polizeilichen Razzia wurden mehrere bewaffnete Araber verhaftet. Montag Vom Montag wird ans Jerusalem gemeldet, dass infolge der Ausdehnung des Ausnahmezustandes die Stadt das. Aussehen eines belagerten Gebietes angenommen hat. Die Strassen sind abends in tiefe Dunkelheit getaucht. Zivilpersonen sind nicht zu sehen, mit Ausnahmeweniger Journalisten, denen besondere Erlaubnisscheine ausgestellt wurden. Die Bevölkerung bleibt hinter verschlossenen Toren in den Häusern. Von Zeit zu Zeit hört man in verschiedenen Teilen der Stadt Schüsse, was jedesmal zu den verschiedensten Kombinationen Anlass gibt. Die Polizeireviere sind durch Drahtverhaue gegen plötzliche Ueberfälle geschützt. Truppen in Kriegsausrüstung mit Stahlhelm patrouillieren durch die Stadt. Der High Commissioner hat demonstrative Truppenaufmärsche angeordnet, um die arabischen Terroristen einzuschüchtern. Die Exekutive der Jewish Agency hat die ganze Nacht hindurch Beratungen über die Lage abgehalten. Das Oberste arabische Komitee hat die Aufrechterhaltung des Streiks im ganzen Lande beschlossen. Die arabischen Terrorakte wurden während des Montags im ganzen Lande fortgesetzt. Angesichts der Unruhen wurden die angekündigten demonstrativen Truppenbewegungen, an denen auch Tanks und Panzerwagen beteiligt waren, in verschiedenen Teilen Nord- und Südpalästinas angeordnet und durchgeführt. Der Distriktskommissar für den Norddistrikt, Eduard Keith-Roach, hat die Beschlagnahme von 193 Häusern in arabischen Dörfern, deren Einwohner die Zahlung von Kollektivstrafen verweigert haben, angeordnet. Militärbaracken in Beisan und Polizeistationen in Jaffa und Akko wurden mit Bomben beworfen. In den Kolonien Raanana, Ker’kur und Tel Mond wurden Bäume ausgerodet. In verschiedenen jüdischen Kolonien wurde das Vieh jüdischer Kolonisten getötet. Mehrfach wurden jüdische Autobusse mit Steinen beworfen. Um 8 Uhr morgens wurde in der Prophetenstrasse im jüdischen Viertel von Jerusalem der österreichische Katholik Karl Breitinger, der irrtümlich für einen Juden gehalten worden war, von Arabern erschossen. Die Mörder sind entkommen. Ihre Spuren wurden von der Polizei unter Verwendung von Bluthunden verfolgt. Die Polizeipatrouille wurde von den Hunden zu dem beim Nablus-Tor gelegenen Haus eines Arabers namens Ismael Nasbashibi geführt. Er wurde als der Tat verdächtig verhaftet. Am Montag nachmittag verursachte eine Gruppe von Arabern, die in einem Auto die Jerusalemer jüdische Vorstadt Rechawia passierte, neuerlich eine Panik unter der dortigen Bevölkerung. Die Araber gaben Schüsse auf einen Friseurladen in der Nähe des Verwaltungsgebäudes der Jewish Agency ab. Die Fensterscheiben des Ladens wurden zertrümmert; verletzt wurde niemand. Die Täter sind entkommen. Im Nurshan-Gefängriis kam es zu einer Meuterei von 400 arabischen Gefangenen. Der Aufruhr wurde niedergeschlagen. Hierbei wurden ein Gefangener erschossen und viele verwundet. Der Präsident und der Vizepräsident des arabischen Streikkomitees, Hassan Sid'kz Dajany und Salakh Abdou sind wegen Unterzeichnung eines Manifestes, in dem die arabische Bevölkerung zur Steuerverweigerung aufgefordert wird, zu je 25 Pfund Geldstrafe verurteilt worden. Die verurteilten arabischen Führer erlegten lächelnd sofort den geringen Strafbetrag. Englische Stimmen Von den auch in dieser Woche im englischen Unterhaus wiederum gepflogenen Verhandlungen über die Palästina-Unruhen sei die Anfrage des Abgeordneten Hardie erwähnt, der den Kolonialminister fragte, ob er auf die gefährliche Entwicklung arabischer Feindseligkeit in dem Gebiet von Sichron Jakob aufmerksam geworden sei; ob es ihm bewusst sei, dass es sich hier um Lebensgefahr handle, und ob er die Zusicherung geben könne, dass geeignete Schritte zum Schutz der Betroffenen unternommen werden würden. Kolonialminister J. H. Thomas antwortete: Wie ich bereits erklärt habe, besteht die Möglichkeit weiterer Unruhen in Palästina; die Garnisonen wurden in den letzten Tagen verstärkt. Ich bin überzeugt, dass man darauf vertrauen kann, dass der High Commissioner alle Massnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum treffen wird. Auf eine Zwischenfrage des Abgeordneten Shinwell, ob dieser Kampf durch ausländische Agenten provoziert worden, sei, erklärte der Minister, es würde sehr schwierig sein, festzustellen, wer an der Erregung von Streitigkeiten und Unruhen aller Art schuld sei. - Es würde unklug sein, darüber Anssagen zu machen, solange ihm (dem Minister)" nicht untrügliche Beweise für den vermuteten Ursprung zur Verfügung stünden. Er wolle aber dem Hause mit voller Deutlichkeit sagen, dass die Regierung entschlossen sei, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten, was immer oder wer immer an diesen Schwierigkeiten schuld sein möge. Der Abgeordnete Shinwell fragte weiter, ob der Minister die Klärung der Schuldfrage bei diesen Unruhen nicht für wichtig halte. Minister Thomas bejahte dies und fügte hinzu, wenn es immer möglich wäre, die Schuldigen festzustellen, so wäre dies viel besser, als sich auf Klatsch und böswillige Erklärungen zu stützen. Für die Unterhaussitzung vom 20. Mai hat der Abgeordnete Morgan eine Anfrage an den Kolonialminister angekündigt, in der der Minister gefragt wird, ob es ihm bekannt sei, dass der Mufti von Jerusalem, dessen Gehalt von dem palästinensischen Schatzamt bezahlt wird, ein Mitglied des arabischen Generalstreikfomii* tees ist und bei der Organisierung der Fortsetzung1 und Ausbreitung des Streiks in den Häfen, bei den Bahnen und im Staatsdienst im allgemeinen aktiv tätig ist; was gedenke die Regierung in dieser Sache zu unternehmen? Eine zweite vom Abgeordneten Morgan angekündigte Anfrage bezieht sich auf die Gründe der Weigerung der Palästinaregierung, den seit dem Beginn der Unruhen vor zwei Wochen gesperrten Hafen von Jaffa wieder zu öffnen oder dafür das Ausladen von Lastwagen und Schiffen in Tel Awiw zu gestatten. Der Sonderberichterstatter der Londoner „T i m e s“ hat einen ausserordentlich interessanten und umfassenden Artikel über die Lage in Palästina veröffentlicht. Nach einem Ueberblick über die der jüdischen Einwanderung zu verdankende ausserordentliche Entwicklung des Landes in den letzten vierzehn Jahren, wobei auch der Rolle der jüdischen Einwanderer aus Deutschland und insbesondere der jüdischen Jugendsiedlungen mit Anerkennung gedacht wird, gelangt der Verfasser zu der Feststellung, dass die arabischen Politiker, die sogenannten Effendis, allmählich an Achtung bei den Engländern verlieren. Ihre Propaganda sei zum grossen Teil unglaublich lügenhaft; einigen scheine jegliche Würde zu fehlen. Keineswegs erhebend, wenn auch amüsant, sei es zu hören, wie ein Effendi, der einen Teil seines Bodens zu hohem Preise an die zionistische Bodenkauforganisation veräussert hat, ein Verbot weiteren Bodenkaufs durch Juden in Palästina fordert. Der wirkliche Grund der Feindseligkeit der kleinen Effendischicht, aus der die Politiker stammen, und der es infolge des Steigens der Bodenpreise, der Mieten und der Preise für landwirtschaftliche Produkte sehr gut gehe, gegen den Zionismus sei Eifersucht. Zu der althergebrachten mohammedanischen Intoleranz: gegenüber jedem nicht durch Gewalt gestützten nichtmohammedänischen Anspruch auf soziale oder politische Gleichheit, komme die Beunruhigung über die von Juden und Engländern nach Palästina gebrachten neuen Ideen und Gewohnheiten hinzu. Es sei nutzlos, zu neun Zehntel von ihnen von den jüdischen Laboratorien und Versuchs farmen und von den Segnungen zu sprechen, die jüdische Naturwissenschaft und. Medizin der Bevölkerung Palästinas gebracht haben. Sie würden antworten, dass dies ein für die palästinensische Bevölkerung entbehrlicher Luxus sei. Der Verfasser spricht sodann von dem Grundsatz der jüdischen Arbeit in jüdischen Unternehmungen, der von den Zionisten angewendet wird, um zu verhüten, dass die Juden wirtschaftlich eine blosse Oberschicht werden, der aber von dem arabischen Arbeiter nicht unter diesem Gesichtspunkt gesehen werde. Zum Schluss wird der Meinung Ausdruck gegeben, dass es möglich wäre, von der keineswegs homogenen Opposition manche Kräfte loszulösen, wenn die Regierung eine eventuelle Grenze der; jüdischen Einwanderung festlegen lassen würde. Es würde nicht viel ausmachen, ob diese Grenze bei 75 Prozent der arabischen Bevölkerung oder bei zahlenmäßiger Gleichheit mit ihr liegen würde. Jetzt habe man das Gefühl, dass die Juden zwar zahlreich genug sind, um die Effendis und viele Fellachen zu beunruhigen, jedoch bei weitem nicht zahlreich genug, um wirklich sicher vor Pogromen zu sein, von denen ein Nationalheim frei sein sollte. Andererseits brauche die arabische Bauernschaft gewisse Sicherungen gegen Ueberflutung oder Herabdrückung zu einem wirtschaftlichen Vasallentum infolge der wachsenden jüdischen Einwanderung. Inzwischen sollten die Ausschreitungen, Streiks und Drohungen mit bürgerlichem Ungehorsam, die Palästina in der letzten Zeit in Unruhe versetzten, der englischen Regierung gezeigt haben, dass es unmöglich ist, echte parlamentarische Einrichtungen in einem Lande einzuführen, in dem das Feuer der religiösen und nationalen Feindschaft so heftig brennt. Ebenso unnötig sei ein Scheinparlament in der Art, wie es von dem Colonial Office oder diesem vorgeschlagen wird. 1:7500 In dieser Grösse zeichnete Zvi Fried- 1 a e n d e r eine neue Karte von „Tel-Aviv and Jaffa“, die im Verlag des Palestine und Egypt Lloyd (Jerusalem) in zwei Ausgaben (hebräisch und englisch) soeben erschienen ist. Der Plan ist äusserst klar im Dreifarbendruck hergestellt. Er bekommt seinen besonderen Wert durch ein Verzeichnis von etwa hundert öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen (Postämter, Konsulate, Synagogen, Omnibuslinien, Krankenhäuser, Kinos nsw.), vor allem aber durch ein am rechten Rand der Karte eingedrucktes Strassenverzeichnis mit etwa 350 Namen. Eine Karte also zum praktischen Gebrauch. Dem, der Karten zu lesen versteht, vermittelt der Plan ein lebendiges Bild vom Werden dieser so stürmisch gewachsenen Doppelstadt, deren Einwohnerzahl heute auf über 200 000 geschätzt wird. Man möchte Zirkel und Lineal nehmen, um in die Wirrnis der Strassen Bresche zu schlagen, Klarheit und Uebersicht in diese krausen Linien zu bringen. Aber Tel-Aviv wächst abnormen Gesetzen folgend. Und wer heute etwa mit dieser Karte nach Palästina fährt, wird bei seiner Ankunft vielleicht schon manche auf dem Plan noch unbenannte Strasse benennen, manches weiße Feld mit den Linien neuer Strassenfluchten bedecken können. Auch dafür hat diese Karte Raum. Or. Während bisher die von christlicher Seite besonders in England und Amerika herausgegebenen Bildwerke über Palästina die jüdische Aufbauarbeit im Lande vielfach ignorierten, macht das „Year Book and Almanacb of tke Holy Land“ von A. P. Anthony eine rühmliche Ausnahme. Das 138 Seiten starke, großformatige und prachtvoll ausgestattete Werk enthält neben ungewöhnlich guten Bildern eine Geschichte Palästinas, Beschreibungen der heiligen Stätten und in mehreren Kapiteln auch Darstellungen des neuen jüdischen Lebens und der Arbeit im Lande.