Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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5er Genialität und Nichtigkeit des eingeschlagenen Weges zu erschüttern? Möglich wäre es schon. Denn Dr. Hirschfeld ist ersichtlich in das von ihm erkorene Steckenpferd völlig vernarrt. Mit feiner Sucht, alles Neue „anzuknüpfen", ist er in einem grundlegenden Irrtum besangen. Weil e r in dem Milieu gut bewandert ist, setzt er voraus, daß auch den Lernenden die große Schar von Jargon-Ausdrücken, an die er vornehmlich anknüpft, „altbekannt" sei. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielmehr ist ihre Ahnungslosigkeit in diesen Dingen noch großer als man annehmen mochte. Sie müßten sich die fraglichen Allsdrücke, die ihnen in salopper und falscher Aussprache entgeijetttreten, wie auch ihre Bedeutung erst einprägen, um sich schließlich daran etwas anderes zu merken. Wahrlich, ein beschwerlicher, ungewisser und nicht ungefährlicher Umweg. Auch in diesem 2., hauptsächlich dem Zahlwort und einigen Konjungationen gewidmeten Teil findet sich eine Fülle von Absonderlichkeiten, Geistreicheleien und unfreiwilligen Witzen. Alls ihrer großen Zahl wollen wir nur einige Belege ansühren. Anknüpfung: „Biele von uns .werden das palästinensische Lied Po b’erez chemdat awot kennen, das man in der Galut statt mit „po“ mit „schäm“ beginnt, nämlich entweder „hier" oder „dort" „im Lande des Begehrs der Väter". NQ po heißt hier und QtJ? schäm dort. Wer das Lied nicht kennt, mag darüber „Scham" empfinden uild ferner an den Fluß „Po" denken." Uebungssätze: Wir werden die schwarze Dame bitten, daß sie Wüsche und Kleider für die Taubstummen sammeln möge. — Das Kraut ist grün und die Asche grau, aber dieser Aschbecher ist blau. — Hüte dich, dich deines kleinen Schnurrbarts zu rühmen, sondern des Verstandes urld der Weisheit rühme sich, lver sich rühmen mag. Sollen wir nach diesen Beispielen noch etwas an dem neuen Lehrbuch „rühmen"? * Wie Dr. Abraham Rand, der Herallsgeber der Schrift „Neilhebräische Gespräche" (K e d e m Verlag, Berlin) in dem kurzen Begleitwvrt mitteilt, ist diese Zusammenstellung aus der Praxis der Abendkurse der zionistischen Vereinigungen in Frankfurt a. M. und Darmstadt hervorgegangen. Sie ist als zusätzlicher Uebungsstoff neben dem auf Grund der benutzten Lehrbücher erteilten Unterricht gedacht. _ Sie soll die Sprachfertigkeit üben und die Redefreudigkeit wecken. _ Die Idee ist nicht neu. Aehnliches haben bereits Jsak Herzberg in seinem „Frage mich!" und Dr. Emil Bernhard Cohn in seinem „Neuhebräisch schnell gelernt" geboten. Das vorliegende Büchlein lmterscheidet sich von seinen beiden Vorgängern durch folgendes: Es gibt sich nicht wie diese als das eigentliche Lehrbuch mit Selbstzweck. Der in ihm verarbeitete Wortschatz wird nicht als Ziel, nicht einmal als Teilziel bezeichnet. Form und Inhalt kenuzeichiren es in weit höherem Grade als jene als ein ausgesprochen elementares Lerniind Ueblingsmittel. Frage nrid Antivort bzlv. Antworten stehen nicht untereinander, sondern einander gegenüber. Sie sind in ihrem Inhalt und ihrer Diktion möglichst einfach lind schlicht. Der Verfasser hofft auf freundliche Aufnahme vpn seiten der Lehrer und Schüler; — wir glauben: mit Recht. Denn Anlage und Ausführung lassen das Werkchen geeignet erscheinen, der Aufgabe des hebräischen Gegenwartsunterrichts förderlich zu.dienen. Wir erlauben uns aber einige Wünsche oder Vorschläge auszusprechen, die aus seine- Vervollkommnung abzielen.• Selbstverständlich müssen die bei der Korrektur übersehenen Druckfehler ans Seite 14 und 23 getilgt werden. Wir halten eine sorgsamere Beobachtung der Regeln des Dagesch Kal für unerläßlich. Einige Themen könnten eingehender behandelt, andere neu ausgenommen werden. Die Darbietung der auf Seite 48 aufgesührten Redensarten dünkt uns verfehlt, weil diese weder die notwendigsten, noch in ihrer Form die gebräuchlichsten sind. Schließder schwirrenden Propeller nicht an Flowerbrinks Ohr gedrungen. „Du . . . beg your pardon, Sie Miß Hartmann?" Rex mußte seine ganze Energie zusammennehmen, um Selbstbeherrschung zu bewahren. Sentas flehende Blicke übersah er und erkundigte sich spöttisch, in einem Ton, als ob sie sich gestern zuletzt gesehen hätten: . „Na, noch immer, oder schon wieder auf Männerpfaden? Was führt Sie denn nach dem Fernen Osten? Oder handelt es sich um ein strenges Berufsgeheimnis? In diesem Fall möchte ich natürlich nicht neugierig sein." Seine ironisch überlegene Art verletzte Senta und trieb ihr Tränen in die Augen. Sie nestelte an ihrer Handtasche herum, um ihr Taschentuch hervorzuholen. Dabei entfiel ihr das Bild, das Liborra ihr während oer Bahnfahrt aufgedrüngt hatte. Rex Flowerbrink bückte sich, es auszuheben. Ms er der Photographie des Mannes ansichtig wurde, der ihm irgend woher bekannt vorkam, stutzte er. Ein durchdringender Blick traf seine Nachbarin. Dabei siel ihm plötzlich ein, wo ihm das Gesicht dieses Mannes, wenn auch durch einen Schnurbart ein wenig verändert, begegnet war. Es war in einer älteren englischen Zeitung gewesen, die ihm dieser Tage zufällig in einer Ecke seines Koffers in die Hand gefallen war. „Ich mutz schon sagen, einen schonen Reisegefährten haben Sie sich da ausgesucht. Miß Hartmann! Das also ist die Sorte von Menschen, mit denen Sie sich in der Welt herumtreiben?! Ein gerissener Hochstapler, der sich unter den verschiedensten Namen verbirgt, und auf dessen nähere Bekanntschaft einige Polizeibehörden recht neugierig sind! Sieh mal einer an, was aus so erner kleinen sensationslustigen Journalistin alles werden kann!" „Ein Hoch . . .?!" Senta blieb das Wort in der Kehle stecken. Blitzartig wurde ihr mit einennnal alles klar, die Szene im Berlich noch dies: die Ausstattung des Heftes ist herkönnte). So könnte entweder ohne Mehrkosten der vorragend und angenersreuend; an Raum ist nicht Stofs erweitert oder der Preis verringert werden, gespart. Aber es geht auf Kosten des Beziehers. Könnte beides zugleich geschehen, dann würde um Der Raum muß besser ausgenutzt werden, manches so eher erreicht werden, was der Verfasser erhofft-: Ueberflüsstge vermieden werden (vgl. Uebung 12 eine freundliche und willige Ausnahme durch Leh- und 14, wo die Ueberschrist alle Fragen ersetzen rer und Schüler. M. A. Wegweiser durchs Judentum Manfred Swarsensky: Das jüdische Jahr. Jüdische Religion — gestern und heute. (Verlag Ernst KÖstenbaum, Berlin SW 19.) Die „Praktische Judentumskunde" von Leo Hirsch hat rasche Nachfrage gefunden. Auch Manfred Swarsenskh hat nunmehr einen jüdischen Kalender geschaffen, der — wie könnte es anders sein — im Stofflichen fast haargenau mit dem Buch Hirschs konkurriert. Das religiöse Jahr des Juden entrollt sich im Rhythmus seiner traditionellen Gesetzlichkeit, Werk- und Feiertag im Dienst halachischer Heiligung. Trotzdem macht das eine Buch das andere nicht überflüssig. Nur das Thema ist das gleiche, verschieden ist der Standort beider Autoren. Hirsch spricht als Laie. Sein Stil ist der der naiven Erzählung. Dem Naiven ist nichts nnwichtig. Nicht das Wertvolle, sondern das Besondere erhöht das Wunder. Vom Standpunkt der Anschaulichkeit wird auch die minutiöse Aufzählung der Ritenfolge begreiflich. Die Anordnung ergibt sich aus der Materie selbst. Anders Swarsensky. Hier spricht nicht der Theologe nur, hier spricht der Pädagoge. Swarsensky hat keinen Midrasch zu erzählen; es geht ihm nicht um die Vermittlung des Wissens, es geht ihm um seine Verbindlichkeit. Mit Rabbi Akiba, dessen Wort er zitiert, ist ihm die Lehre um deswillen wichtig, weil sie zur Tat führt. „Sich mit den Pfaden dieses Weges, die zu Gott und seinem Volk, unserer jüdischen Gemeinschaft führen, vertraut zu machen, will die vorliegende Schrift denen helfen, die ihn bisher nicht kannten und nicht fanden. Sie wendet sich daher nicht an die, die schon wissen oder gar besser wissen, sondern an die, die suchen und erst wissen wollen." Mutet Hirschs Judentums-„Kunde" wirklich wie ein Märchen aus uralten Zeiten an, so farbig und seltsam zugleich, so schildert Swarsensky Wirklichkeit. Er verzichtet darum bewußt ans die Ornamentik der Fabel und verlangt nicht nur die Aufmerksamkeit des Lesers, sondern seinen persönlichen Einbezug und aktiven Beitrag zur Verwirklichung. Teschnwoh und baal teschnwoh sind Swarsensky gleich wesentlich, ja, um des letzteren willen ist sein Buch recht eigentlich nur geschrieben. Der Darstellende spricht in der dritten Person. Don den Dingen, die er beschreibt: hat Hirsch deshalb die Andacht des Betrachtenden. Andacht schafft Distanz, geboten durch Geschichte und Pietät. Der Beteiligte spricht in der ersten Person. Für ihn gilt nicht: „Es war einmal . ", für ihn gilt: „Wir sind!" Swarsensky wählt, wörtlich oder dem Sinn nach, die direkte Anrede. Er beschreibt nicht Vergangenheit. Das Gestern gewinnt seine Bedeutung erst in der Wirklichkeit des Heerte. Als Mensch unserer Tage erhält selbst die Tradition ihre zeitgemäße Deutung und ihr aktuelles System. Diese Aktualität rettet Slvarsensky vor dem Verdacht, einen neuen Schnlchan Arnch zu verkünden. Eine Rückkehr z>rr Orthodoxie ist ihm so wenig möglich, lvie ein rückhaltloses Bekenntnis zu dem überpointierten Liberalismus der vergangenen Jahre. Trotzdem wäre das Buch in der Freizügigkeit und Bewegtheit seiner religiösen Konzeption selbst dann noch ein liberales zu nennen, wenn der Verfasser nicht ausdrücklich Vorschläge zur gottesdienstlichen und zur religiösen Reform überhaupt gemacht hätte. Ueber manches kann man anderer Ansicht sein. Die negative Einstellung zu bestimmten historischen Erscheinungen erinnert oft zu stark an die Dialektik und Motive zeitgenössischer Kritik, die nicht unseren Kreisen entstammt. Der Stil — nicht der Gehalt nur — wendet sich mitunter etwas zu betont aus dem lehrhaft Pädagogischen ins predigthast Theologische. Trotzdem muß eine originelle Leistung als geglückt bezeichnet werden, die es unternimmt, dem Juden von heute sein Judentum an Hand einer neuen Methode begreiflich und — teuer zlt machen. Das scheinbar so starre und den meisten seelisch und geistig entrückte Schema des jüdischen Jahres wird zlim inneren Gerüst des jüdischen Geistes. Ohne willkürliche Konstruktion gelingt Swarsensky der Nachweis, daß die gesamte Problematik der jüdischen Existenz, der Sinn des Betons, Gesetz und Gemeinschaft, Galut und Golns, Assimilation und Dissimilation. Palästina und Diaspora, Religion und Volkstum, Sünde und Erlösung, Familie und Gemeinde, Erinnerung, Wanderung, Geist und Macht und so fort, im Kreislauf des jüdischen Jahres beschlossen liegt. Dieses Buch ist ein großes Verdienst um die jüdische Jugend- und Erwachsenenbildung. Es gehört neben Machsor und Siddur, wenn auch nicht an ihre Stelle. Gertie und Julius Stern r Das jüdische Jahr. (Schocken-Verlag, Berlin.) Hat Leo Hirsch einen konservativen und Manfred Swarsenskh einen liberalen Kalender geschaffen, so ist dieses achte der unter Mitwirkung der Reichsvertretnng von Adolf Leschnitzer herausgegebenen Schulhefte der v o l k s t ü mlich t. Rein äußerlich kommt dieser Zug znm Volkhaften bereits in der Jnhaltssolge zum Ausdruck. Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Büchern beginnt das jüdische Jahr hier nicht im Nissan (Peßach), dem Attfangsmonat des religiösen Festjahres, sondern im Tischri (Rösch haschana), dem Attfangsmonat des bürgerlichen jüdischen Jahres. Entsprechend haben die Uebersetzer (Frau Gertie Stern hat leider das Erscheinen des Heftes nicht mehr erlebt) bei der Auswahl ihrer Betrachtungen, Schilderungen und Erzählungen mit Bedacht weit weniger auf den geistig-religiösen als auf den natürlichen Charakter der Feste bezug genommen. Schowuans zum Beispiel ist nicht das Ossenbarungsfest, sondern das Fest der Erstlinge. Im Mittelpunkt der Beschreibung steht die Schilderung einer Schowuansfeier im heutigen Tel- Aviv. Von ganz wenigen Erzählungen abgesehen, zu denen u. a. die bekannte „Jasiets Gebet" von Schalom Asch und solche von Pereg, Scholem Alechem und Mendele Mvcher Pforiin gehören, erstaunt immer wieder die absolut säkulare Interpretation der jüdischen Feiertage, die sich mehr oder weniger als palästinensische Volksfeste entpuppen. Bei aller Frische und Fröhlichkeit, die dieses teils von, teils für Kinder geschriebene Heft ausstrahlt, bleibt doch die Frage offen, ob diese Einseitigkeit der Darstellung und Deutung nicht den Rahmen einer objektiven Pädagogik sprengt, wie sie institutionell durch den Herausgeber auch sachlich durch das Thema selbst geboten erscheint. liner Reisebüro, die Versuche, sie auszuholen, das Verschwinden ihrer Reisenotizen. Schluchzend erzählte das Mädchen den Verlauf der Reise. „Da können Sie von Glück sagen. Miß Hartmann", betonte er belustigt, „daß Sie jetzt in bessere Gesellschaft gekommen sind! Im Ernst, Sie sind einer großen Gefahr entgangen, nicht zuletzt, wie ich zugeben muß, duräh ihre kluge Vorsicht." Senta war mit allem ausgesöhnt, und nun breitete sie vor dem gespannt zuhörenden Engländer ihre Absichten in allen Einzelheiten aus. Er griff nach den Dokumenten und den Vollmachten Henoch Hartmanns, blätterte sie durch und meinte dann nachdenklich: „Ich glaube, ich habe Ihnen viel abzubitten, Sen . . . Miß Hartmann. Meine Hochachtung vor dem, was Sie ausführen wollen. Es wird nicht leicht sein; aber auf mich können Sie rechnen." Alsbald war sein Plan gefaßt. „Kanfu ist eine der am wenigsten erschlossenen chinesischen Provinzen," belehrte er sie. „Eine Weiße Frau erregt dort noch heute heftiges Aussehen. Um die ganze Sache zu vereinfachen und zu beschleunigen, schlage ich Ihnen vor: Sie gehen als meine tai-tai mit!" Ein Lächeln um die Lippen, blickte Flowerbrink mit blitzenden Äugen in Sentas verständnisloses Gesicht. „Als meine kleine, taubstumme Freundin werden Sie überall hochgeehrt sein. Ihr bräunlicher Teint wird mit geringer Nachhufe die Hautfarbe Ihrer neuen Landsmänninnen annehmen, die übrigens auch in Lantschou schon häufig. Bubiköpfe tragen. Wir kleiden Sie streng nach chinesischem Muster ein, ziehen mit dein Schminkstift Ihre Augen in den äußeren Winkeln so nach, daß sie schräg zu stehen scheinen, und ich weiß auch schon, wie ich Sie nennen werde: niang — kleines Mädchen." Ein Ausdruck von Zärtlichkeit erschien in den grauen Angen des Mannes. Während Senta den Kops senkte, um ihre Tränen zu verbergen, fuhr er fort: „Denken Sie noch an die ,fingerlanguage', mit der wir uns früher einmal verständigten, Miß Hartmann? Die wäre für unseren Zweck ausgezeichnet!" 9. In „Wan-Enls Schönheitssalon" in Peiping, das schon längst nicht mehr Peking hieß, und auch keine „Verbotene Stadt" mehr war, wurde Senta Hartmann drei Tage darauf chinesisch nmgemodelt. Zwei zierliche Töchter des Fernen Ostens bemühten sich mit hingebungsvollem Eifer um sie. Sentas schweres, blauschwarzes Haar wurde umständlich behandelt, um ihm jede Spur von Naturkrause zu nehmen, und pagenartig verschnitten sollte es in die Stirn fallen, wie die Mädchen des Landes es trugen. Gesicht und Wimpern, sowie die Bögen über den dunklen Augen wurden solange präpariert, bis aus Senta Hartmann tatsächlich die waschechte Chinesin Tschün geworden zu sein schien, denn neben dem Kosenamen „niang" mußte sie selbstverständlich auch einen Rufnamen führen. Wan-Eul, die Dienerin der Schönheit, paßte in ihre Zeit. Ans Schönheitsakademien in London und Paris hatte sie gelernt, daß originell sein alles bedeutet. Obgleich sie genau wußte, wie überholt die blumenreiche Sprechweise ihrer Landsleute in modernen Kreisen war, hielt sie dennoch streng darauf, daß mit ihren Kundinnen nur so verhandelt wurde, gleichviel ob aus englisch oder französisch, und Senta mußte laut auflachen, als die kleine Wan-Eul sie plötzlich fragte: „Darf ich Unwürdige wohl erfahren, wieviel liebliche Frnhlinge die rosige Kvraltenblüte zählt, und weshalb sie absolut ausznsehen wünscht, wie wir Töchter des Fernen Ostens? Oh erhabenes Mädchen ans dem Westen — wie verblassen die Farben der schönsten meiner Landsmänninnen gegen den Strahl deiner Augen, das satte Schwarz Elias Bickermann: Die Makkabäer. Eine Darstellung ihrer Geschichte. (Schocken- Verlag, Berlin.) Dieses 47. der Schocken-Bändchen ist für den' Historiker, aber nicht nur für ihn außerordentlich lesenswert. Die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang einer Dynastie — so wechselvoll wie kaum eine zweite — gibt dabei mehr die farbige Kulisse ab/ Im Vordergrund vollzieht sich, in die Zeitspanne eines Jahrhunderts gedrängt, die Tragödie der unerwiderten Liebe Israels zum politischen Beruf mit dem versöhnlichen Ausklang seiner kul- ' turellen Selbstbehauptung, „die messianische Periode der jüdischen Geschichte" einleitet. Der Nachweis wird erbracht an dem grandiosen Zusammenstoß des Hellenismus mit dem Judentum. Politisch auf das Haupt geschlagen, hat sich das Judentum geistig behauptet. Das Zeitkapitel dieser ersten großen und gefährlichen Assimilation wird von dem Verfasser politisch und kulturell durchleuchtet. Seine knappe Sprache und sachliche Betrachtungsweise findet für die Wunder der makkabäischen Erfolge höchst realistische Erklärungen. Der nüchterne Tatsachenbericht ist bisweilen bis zur geschichtlichen Desillusionierung frei von aller Moralisierung und Romantisterung. Fanatismus und Zähigkeit sind die Eigenschaften der Makkabäer, denen sie vor allem anderen ihren märchenhaften Aufstieg von Bandensührern zu den höchsten weltlichen und geistlichen Machtstellungen in Judäa verdankten. Die Sage hat ihre Siege schmeichelhaft übertrieben. Nach dem Bericht Bickermanns war ihre anfängliche militärische Taktik die des Guerillakrieges. Die seleuzidischen Trnppenmassen unterlagen — wenn überhaupt — der topographischen lleberlegenheit Judas und einigen fatalen politischen Zwischenfällen. Die gleiche Taktik übertrugen die Makkabäer, einmal zur Machl gelangt, vom rein militärischen Gebiet auf das politische. Durch geschicktes Lavieren zwischen den jeweils bestimmenden Mächten im Innern — zwischen Sadduzäern und Pharisäern — oder in der Außenpolitik — zwischen den seleuzidischeu Thronprätendenten — hielten sie sich nicht nur im Sattel, sondern vergrößerten sie tatsächlich das politische Ansehen Judäas und sein Gebiet. Die Makkabäer im Anfang hatten eine imponierende Kraft und Geschicklichkeit in der Bewältigung der politischen Schwierigkeiten. Unter ihrer Regierung war selbst die nationale Autonomie glaubhaft. Ihre schwächlichen Epigonen : waren diesem Vermächtnis nicht gewachsen. Sie verscherzten sich die außenpolitischen Sympathien, die die nationale Selbständigkeit garantierten. - Judäa wurde römischer Vasallenstaat. Politisch blieb die Erinnerung an eine Glanzzeit von inflationistischer Dauer. Kulturell blieb mehr. Der politische Kampf der Makkabäer entsprang religiösen Impulsen. Mit den Hellenen wurden sie nicht fertig, aber mit den Hellenisten. Nicht daß der Hellenismus von ihnen vertilgt wurde. Hellenismus war eine kulturelle Großmacht, vergleichbar heute dem europäischen Geist, der sich zn entziehen, mit einem Rückfall in die Barbarei gleichbedeutend gewesen >väre. Aber bei der Begegnung von griechischem und jüdischem Geist erwies sich, der jüdische als der renitentere und daher als der stärkere. Es ging dem Hellenismus wie jedem besiegten Gebiet: er wurde annektiert. Das Judentum schmolz ihn, soweit es ging, seinem eigenen Welt- und Knltnrbild ein. Das Resümee der Bickermannschen Betrachtung gipfM in der Erkenntnis: Der Kampf der Makkabäer ist nicht umsonst gewesen. Der Assimilations- Prozeß hat eine grandiose Umkehrung erfahren. Nicht das Judentum assimilierte sich der Wett, die Welt assimilierte sich ihm. 8. K-n. In Mailand wurde die Ausstellung von Gemälden dreier jüdischer Künstler, Renzo L u i - sada, Nello Eastelbolvgnesi und Emma F i n z i, deiner köstlichen Haarfluten und das Granatrot deiner Lippen. Wohin führt dein Weg, und was hast du in unserem schlechten, erbärmlichen Lande vor, du Kind aus einer anderen Welt?" „Wenn sich Wan-Eul mit Ihnen unterhält, Miß Hartmann, sprechen Sie ruhig mit ihr andeutungsweise von unserem Vorhaben," hatte Rex ihr geraten. „Sie kennen doch das alte Wort: Von reden kommt reden!" Senta, die verschnörkelte Ausdrucksweise Wan-Enls für bare Münze nehmend, bemühte, sich, im besten Französisch, das sie ausbrachte, ebenso geziert zu antworten, wie sie gefragt worden war. Die Augen der jungen Chinesin weiteten sich immer mehr, und mit einem Male rief sie ganz einfach und schlicht aus: „O, Mademoiselle, wie merkwürdig, daß Sie gerade zu mir gekommen sind. Ich bin nämlich mit einem Kaufmann in Lantschon verlobt. Er ist keiner ans der alten Schule," fetzte sie eilig hinzu. „Lin hat, wie ich, europäische Erziehung genossen und handelt mit Getreide. Ich gebe Ihnen seine Adresse mit, er wird sich eine Ehre daraus machen. Ihnen nützlich zu sein. Notie«en Sie sich genau seine Anschrift, Mademoiselle, er kann Sie vielleicht bei irgendeiner Gelegenheit beraten." Daraus lud sie Senta ein, in die Ankleidekabine zu gehen, wo bereits eine vollständige Garderobe für sie bereit lag. Das Umkleiden des jungen Mädchens kam unter viel Gelächter zustande. Dabei entging es Senta nicht, daß Wan-Enls Blicke wie gebannt auf dem Magen-David ruhten. Man sah der Chinesin an, daß sie über etwas nachgrnbelte. „Wo habe ich ein solches Zeichen, nur in ganz groß, schon einmal gesehen?" meinte sie schließlich. „Nein nicht im Anslande," beantwortete sie Sentas unausgesprochene Frage. „Hier, in meiner Heimat, wenn auch nicht in Peipingst (Fortsetzung folgt)