Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 21 (22.5.1936)
- Date
- 1936-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 21. » 2. Beiblatt 22. Mai 1936 „Die Prophetie“ Eine neue Wesensermittlung des vorexilischen Prophetismus Hat bei der Vielzahl älterer und neuerer Erklärungen eines Jesaias, eines Jeremia, eines Jecheskel eine neue Darstellung und Wesensermittlung des Prophetischen noch Aussicht auf Interesse? Kann man dieser mit allen Methoden — theologisch-dogmatisch, politisch-historisch, psychologisch, literarisch, religionsgeschichtlich, soziologisch — erforschten Erscheinung noch neue Seiten abgewinnen? Es geht um die in unserem Bibeltext vorliegenden schriftlichen Auszeichnungen der großen Männer, welche die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums als religiöser Großmacht ohne Staat und Heer heraufgeführt haben. In den Schriftpropheten ist das Urphänomen des Religiösen, die hinreißende Gewalt des starken Glaubens, dessen Grundpostulat auf die Erfüllung des im Gewissen Guten als göttlichen Gebotes gerichtet ist, in einer Weise enthält, daß daraus unabhängig von der historischen Situation die Welt immer wieder wie aus einem unerschöpflichen Reservoir die Zuversicht auf eine unergründliche überweltliche Macht, ihrer Uebermacht über alle menschlichen Politischen Kräfte schöpfte. Es ist in der Tat so: Die geistige Größe der Propheten kommt unmittelbar aus unserer unsagbaren machtpolitifchen Schwäche in allen weltgeschichtlichen Epochen, ist die Lichtseite dieser Schwäche. „An der Not unseres Volkes entzündete sich das Feuer der messianischen Prophetie" (Joseph Carlebach). Die absolute politische Ohnmacht schuf zum Ausgleich das jüdische Ideal eines Weltendzeitalters, vergoldete den unerträglichen Lebensdruck der Judenheit und senkte eine im Stillen genährte, nicht verlöschende Hoffnung aus den Sieg des Guten und auf die außerweltliche Rettung in die Herzen. Das starke Wort der Propheten wurde durch die faszinierende Gewalt der zeichenhasten Haltung und Handlung ergänzt: Das prophetische Zeichen (wenn etwa Jeremia vor den Aeltesten einen Schöpskrug zerbricht, oder Jecheskel zwei Hölzer zusammenfügt) ist noch um vieles mehr als eine Beglaubigung oder Anschaulichmachung; es ist durch das Wort nicht ersetzbar und auch mehr als ein Symbol. Dem literarischen Niederschlag der klassischen prophetischen Bewegung in ihren Eigenerzeugnissen ist eine seltene Fülle bedeutender Darstellungen und Auslegungen aller Temperamente und Glaubenwie auch Unglaubensschattierungen gewidmet worden. Es will also sehr viel heißen, daß es einem jüngeren Gelehrten aus unserer Mitte durch eindringende Forschung mittels einer fruchtbaren westeuropäischen erkenntniskritischen Methode gelungen ist, dem Prophetischen der Bibel neue Seiten abzugewinnen. A b r a h a m Hefchel hat im Maimvnides-Jahr eine selbständige, allgemein anerkannte Biographie des jüdisch-arabischen Philosophen und Gesetzeslehrers *) Abraham Heschel, Die Prophetie. Krakau, Verlag der polnischen Akademie der Wissenschaften, 1936. In Deutschland zu beziehen durch den Erich- Reiss-Verlag, Berlin W 15. geschrieben. Sein Prophetenbuch ist in dem gleichen rein wissenschaftlichen Geist unabhängiger Forschung abgesaßt. In diesen Blättern ist nur ein kurzer gemeinverständlicher Bericht über den eigentümlichen Forschungsgang und über die neuen Resultate dieses Weges zu geben. Heschel will nicht noch einmal eine Zusammenstellung und Darstellung der prophetischen Ansichten, Lehren, Ideen und Vorstellungen geben, sondern es geht ihm um das Wesen der prophetischen Bewußtseinstatsachen (nicht um die Wahrheit der Aussagen der Propheten). Theologismus und Psychologismus sind ausgeschieden. Die vorliegenden Selbstzeugnisse der Propheten drücken nach Heschels Ansicht eine reichere Wirklichkeit aus. Indem er die Ganzheit der prophetischen Persönlichkeit als Einheit von Eingebung und Erlebnis erkennt, gelingen ihm neue wichtige Beobachtungen aus den alttestamentlichen Texten. Zunächst haben wir vor uns eine Reihe von Visionen und Auditionen, also objektives Gedankengut, das sind die „Eingebungen", neben denen aber die private Jchseite mit ihrer effektiv emotionalen Spontanität nicht übersehen werden darf. Es ist die moderne anthropologische Sehweise, die die G esamtgestalt, also alle, die körperlichen und g e i st i g e n Aeußerungen in einer Zusammenschau aller literarisch (in der Bibel) gegebenen Züge beachtet. Diese „synoptische Struktur der prophetischen Persönlichkeit" hat es unmittelbar weder mit dem Ablauf der einzelnen Vorgänge noch mit den besonderen psychologischen Ausdrucksformen und Begleiterscheinungen zu tun. Um zunächst das Wesen des prophetischen Eingebungsbewußtseins (das Bewußtsein, von Gott inspiriert zu sein) zu treffen, zieht der Verfasser in sehr ergiebiger Weise verschiedene Parallelerscheinungen aus anderen geistigen Sphären heran: die Ekstase, das Außersichgeraten des Bewußtseins, wogegen gerade der Prophetismus ankümpft, sowie die dichterische Konzeption, bei der ein „eingebendes" Subjekt fehlt. Außer der scharfen Begrisflichkeit und Systematik erfreut bei Heschel, wie er literarhistorisch und religionsgeschichtlich, durch ein seines Verständnis jüdischer und außerjüdischer Zeugnisse sowie durch einen seltenen Beziehungsreichtum und durch Erfassung entlegener geistiger Erscheinungen seine Begriffe erhärtet und ihnen plastische, illustrative Verstehbarkeit verschafft. Dadurch bekommt die notwendige Abstraktheit der Darstellung immer wieder Leben und Anschaulichkeit. Jede Eingebung ist eine Rede Gottes, die für das Volk bestimmt ist. Als Motiv der Eingebungsinhalte und zugleich als „transzendenten Sinn der Prophetie" sieht Heschels das „göttliche Pathos" an. Diesen Pathosbegriff erläutert er aus Amos, Hosea, Jesaja und Jeremia. Den Schlüssel zum Verständnis der Pathosvorstellung von Amos bieten (beispielsweise) die Worte: „Geschworen hat der Herr bei seiner Seele: ich verabscheue die Hossart Jakobs und hasse seine Paläste"; oder: „Ich hasse, verschmähe eure Feste und kann nicht riechen eure Festversammlungen." Hosea verkündet das Urpathos Gottes, seine verratene Liebe zu Israel, seinen Zorn darüber und seine Versöhnungsbereitschaft. Der Grundton bei I e s a i j a ist der einer allgemeinen Verstimmung und schweren Enttäuschung; und bei Jeremia wird das Wohlwollen, das Pathos der Liebe vom Zorn Gottes verdrängt. Der Prophet hat keine direkte Stellungnahme zu den Dingen: sein Erlebnis beschreibt vielmehr ein Dreieck: über Gott zum Gegenstand. So entsteht die entscheidende Frage, ob denn Prophetie ein unpersönliches Wiedergeben eingegebener Inhalte, ein bloßes Abbilden der Offenbarung ist? Der prophetische Zustand ist in Wahrheit eine Mitgenommenheit, ein Gleichgefühl, eine Sympathie mit dem göttlichen Pathos. Die Sympathie ist die prophetische Antwort auf die Eingebung und äußert sich bei den einzelnen Prophetenpersönlichkeiten ganz verschieden. Der Verfasser hält sich von jeder literarhistorischen Psychoanalyse und besserwissenden Deutung, die den Propheten überlegen bekrittelt, fern; er fördert dagegen oft auf bedeutsame Weise die sprachwissenschaftliche Analyse schwerer Prophetenstellen. Außer dem „Was" des prophetischen Erlebnisses wird auch das „Wie" der Eingebung von Heschel untersucht: Der prophetische Akt war in erster Linie ein Ereignisakt, nicht nur ein Erkenntnisakt. Der Verfasser dringt in diesen Kapiteln über die Eingebungsform tief in die religionspänomenologische Forschung (z. B. altorientalische Mantik, Analyse der Mana-Erlebnisse, Tabu-Vorstellung) ein. Die Erscheinung der „Berufung" und der prophetischen „Eingebung" erhalten so neues scharfes Licht. Das prophetische Denkverhalten ist von der philosophischen Gotteserkenntnis gänzlich verschieden; das Gotteserfassen der Propheten ist nicht spekulativ, sondern ein „Verstehen". Dieser Begriff wird umsichtig geklärt. Das Verstehen ermöglicht im Gegensatz zum Erkennen eine Vielfalt der Beziehungen zur „verstandenen" Person. Der Prophet verhält sich emotional und intellektuell, fordernd und bittend. Die sehr sorgfältig gearbeiteten Abschnitte. „Die pathetische Theologie" und „Die Religion der Sympathie" entziehen sich wegen der Darf geschlissenen religionsphünomenologischen Begriffsgliederung einer gemeinverständlichen Berichterstattung. Wir haben eine ungewöhnliche religionswissenschastliche Leistung, die sich nur dem philosophisch und religionswissenschastlich erfahrenen Leser und Fachmann ganz erschließt, vor uns. Die bis in die allerletzte Zeit sich erstreckenden sehr eindringlichen Studien über den Prvphetismus (Buber im Eranos-Jahrbuch 1934 — Jepsens „Nabi"-Buch — G. van der Leeuws „Phänomenologie der Religion" — die zahlreiche „Ezechiel"- und „Jesaja"- Literatur usw.) haben durch Heschel eine wertvolle Bereicherung erfahren; die Fachleute werden dazu noch gründlich Stellung zu nehmen haben. Wir erfreuen uns an der auch in der sprachlichen Form und im zurückhaltenden religiösen Urteil wohlgelungenen Arbeit, zu der der Verfasser beglückwünscht werden darf. Ludwig Feuchtwanger. davIdsstern Eine Filmidee von Käthe Wienskoivitz (4. Fortsetzung) Der Transsibirische Expreß fuhr langsam in die große Station em. Senta trat in den Gang hinaus, den schweren Mantel lose über die Schultern geworfen, um an den Briefkasten zu gehen. Aus dem Bahnsteig gab es ein lebhaftes Gedränge: ein Hochzeitspaar erschien, von einer großen Reihe Angehöriger und Freunden begleitet. Senta griff in die Manteltasche und zog die leere Hand wieder zurück: der Brief an Onkel Henoch steckte nicht mehr darin. Tiefe Betroffenheit malte sich in ihren Zügen, als sie suchend den Weg zum Abteil wieder zurückging. In ihrer großen Verzweiflung hielt Senta nach Liborra Ausschau, der mit ihr ausgestiegen war, und den sie in dem Gedränge aus den Augen verloren hatte. Als er den Grund ihrer Trostlosigkeit erfuhr, beteiligte er sich eifrig an der Suche. Doch der Brief war nirgends zu entdecken. Blieb der Trost, daß jemand ihn vom Erdboden aufgehoben und befördert hatte, aber peinlich war der Vorfall dennoch. Aber Senta Hartmann war ein Mensch, den Erfahrung und Beruf dazu erzogen hatten, vollendeten Tatsachen mutig ins Gesicht zu sehen. Der Brief war verloren? Nun, daran ließ sich nichts mehr ändern. Der Schaffner fragte auf ihren Wunsch noch einmal bei allen Reisenden nach, die Erkundigungen blieben ergebnislos. Senta fühlte das kühle Gold des Davidsfternes an ihrem Hals, und das gab ihr eine wundervolle Ruhe und Sicherheit. Dieses Gefühl wäre freilich schnell von ihr gewichen, hätte sie einen Blick hinter die jetzt verschlossenen Vorhänge des Abteils Nr. 5 werfen können, das der Fremde auf den Namen Juan Liborra für sich allein belegt hatte. Ein fanatisches Grinsen verzerrte das grünlich-gelbe Gesicht des von fünf Staaten gesuchten Hochstaplers, als er den Brief, den Senta Hartmann verloren hatte, Zeile für Zeile genießerisch auskostete. „Endlich mal ein Geschäft, das sich lohnen wird", konstatierte er. „Ein Glück, daß die hübsche Kleine nebenan sich auf dem Holzweg befindet. Sie will also nach Kansu, das dumme Ding und weiß nicht, daß dort von der Jüdischen Gemeinde keine Spur mehr zu finden ist." Der portugiesische Teekoster Juan Liborra, einer der bestbezählten Leute seines Fachs, bleckte die Zähne. . „Wenn ich die Sache schmeißen kann", spann er seine Gedanken weiter, „soll es mir auf ein paar Hände voll Jen für die armen Juden, die das holde Kind offenbar beglücken will, auch nicht ankommen." Der überraschende Fund machte eine Aenderung seiner Reisepläne notwendig. Er würde von Moskau aus nicht nach Kanada fahren, sondern nach Wladiwostok. Bei einem sofortigen Anschluß nach Dairen könnte er in längstens drei Wochen in Kaisongfu sein. Daß allerdings der junge Flowerbrink dazwischen kam, machte die Durchführung des Planes nicht leichter, .... „Na, ich bin schon mit anderen Leuten fertig geworden, als mit dem Jungen", grübelte er. „Hauptsache, ich mache mir ein paar Legitimationen zurecht und finde den chinesischen Juden, der die Unterlagen besitzt, schnell auf. Kann in einem Provinznest, wie diesem Kaisongfu, nicht sehr schwer fein. Der Mann sitzt sicher mit den anderen Bettlern vor der ehemaligen Synagoge und wartet auf reiche Ausländer, die ihm die ausgestreckte Hand füllen", schloß Liborra seine Erwägungen. Mit sich selbst zufrieden, schickte er sich an, in den Speisewagen zu gehen, um einen Wodka aus die Zukunft zu genießen. Ein schielender Blick in Sentas Abteil, an dem er vorüber mußte, zeigte Juan Liborra die junge Berichterstatterin, wieder emsig auf ihrer Reiseschreibmaschine tippend. „Wieder was zu verlieren, Mädchen?" dachte der Hochstapler in dem gutsitzenden Anzug, den ein Schneider aus der Regent Street angefertigt hatte, schmunzelnd, und betrat vergnügt den Speisewagen. Der Verlust ihrer Notizen hatte Senta bedenklich mitgenommen. Sie sah blaß und abgespannt aus, als sie aus dem Bahnhof in Moskau Juan Liborra die Hand zum Abschied reichte. Sein Anerbieten, sie nach einem Hotel zu bringen, hatte sie abgelehnt. „Na denn, einen guten Erfolg ihrer Reise", rief er ihr noch zu, „vielleicht führt uns das Schicksal noch einmal zusammen!" Sie nahm ejn Zimmer im Metropol-Hotel am Roten Platz, froh, einmal wieder das rollende Bett mit einer festen Lagerstätte vertauschen zu können. Bevor sie sich aus ihr Zimmer begab, ließ sie sich mit Flowerbrinks Teeniederlage in der ul Gorkowo verbinden. Man war hier über alles unterrichtet. Am nächsten Morgen um 10 Uhr werde Mr. Flowerbrink aus Konstantinopel im Flugzeug erwartet, um sofort nach Peiping weiterzusliegen. Die zweite Etappe zur Auffindung der Tora und zur Rettung der Juden von Unterzoßnitz begann, .... Neue hebräische Lektüre Hebräisch zu lernen, wird heute immer mehr zu einem Vergnügen, besonders wenn man noch von den Methoden vergangener Zeiten weiß. Betty und Nissan Berggrün haben das 2. Heft ihrer Giljonot vorgelegt. (Giljonot. Hebräische Unterrichtsheste. Lesestoff für Schulen. Berlin, Rubin Maß, 1935.) In einfachem, aber sehr gutem Hebräisch 'werden Stücke aus dem Midrasch, von Maimonides und auch aus neuerer und neuester Zeit gegeben. Die schöne Geschichte von dem „Retter von Chula" von E. S m o l l h findet sich hier auch in einer Bearbeitung. Dieses zweite Heft hat vor dem ersten den großen Vorzug, daß es zu den einzelnen Stücken ein Vokabular enthält und so die Lektüre wesentlich erleichtert. Auch wirkt die Zusammenstellung einheitlicher als die des ersten Heftes. Ein ganz anderes Gesicht tragen die nicht zu Lehrzwecken von der Jugendzentrale der H i st a d r u t h in Palästina herausgegebenen kleinen Hefte der Sammlung „S ch a j". Ihre schöne Ausstattung (meist sind sie mit Zeichnungen versehen) macht sie dem Lesenden von vornherein lieb. — Zwei von den sechs Heften liegen uns vor: Bracha Chabas „Gibborim betannim" (Tel-Aviv 5694) und eine unter dem Titel „Liwnot welintoa" (Zu bauen und zu pflanzen) stehende Sammlung von Stücken zum Chamischa Assar bischwat, dem Neujahrsfest der Bäume, (Tel-Aviv 5695.) Die „Kleinen Helden" erinnern uns oft an die Smollhschen, Erzählungen, aber sie sind leichter und einfacher geschrieben. Die vollbrachten Heldentaten in den Siedlungen und dem Kinderdorf Ben Schemen sind oft wirklich nur klein, doch sie haben ihren Ursprung in einem offenen freien Leben, in der Liebe zu dem Lande und seinem Ausbau. Durch alle Erzählungen spürt man eine frische Luft, Verbundenheit mit der Natur und den Tieren, ein wirklich innerlich neues Leben. Eine nachdenkliche Geschichte von yemenitischen Kindern, tragischen kleinen Helden, fehlt nicht, und auch ein Schulbesuch Bialiks in der 2. Klasse wird erzählt. Das andere Heft bringt viele Stücke zum 15. Schewat. Wer bisher nichts von dem Dust dieses Festes gewußt hat, erführt hier, worum es bei diesem schon aus talmudischer Zeit bekannten „Neujahrsfest der Bäume" geht, und was es im Leben Palästinas zu bedeuten hat. Zwischen kleinen Erzählungen stehen Gedichte und Lieder und auch Sprüche aus Bibel, Talmud und nachtalmudischem Schrifttum. Ein Satz des Rabbi Jochanan ben Sakkai soll erwähnt werden; er zeichnet so recht den Eifer, mit dem auch heute die Kinder ihre Setzlinge in die Erde stecken: „Rabbi Jochanan ben Sakkai sagte: Wenn Du die Pflanze in der Hand hältst, und man sagt zu Dir: Ta kommt der Messias zu Dir — so pflanze erst die Pflanze und dann geh hinaus und empfange ihn!" Für die Lernenden soll noch gesagt werden, daß das erste Heft in ganz leichtem, punktiertem Hebräisch geschrieben ist, während das 2. Heft auch schon unpunktierte Texte enthält. — Beide Hefte aber, ebenso wie die Berggrünschen Unterrichtshefte, sollen warm empfohlen werden, da sie einen schönen Inhalt in gutem Gewände geben. F. Ar. » Nun liegt der 2. Teil von Dr. E. Hirschfelds „Neuhebräisch-altbekannt" zur Besprechung vor. (Joachim Goldstein Verlag. Berlin.) Sicherlich war seine Drucklegung schon so weit vorgeschritten, daß die einmütige negative Beurteilung des 1. Teils nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Oder sollte diese gar nicht imstande sein, die Ueberzeugung des Verfassers (und des Verlegers) von dem Werte des neuen Lehrbuchs, das sich trotz allem schon durchsetzen werde, und von Ms Senta Hartmann am anderen Tag wenig erfrischt aufstand, schlug es eben 7 Uhr. Eine knappe Stunde später bestellte sie sich einen Jstwotfchi, einen russischen Droschkenkutscher, der sie ein wenig in der fremden Stadt umherfahren und dann am Flughafen absetzen sollte. Wie im Traum fuhr sie durch die Straßen Moskaus. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt glitten an ihrem leeren Blick vorüber. War sie denn Berichterstatterin oder Schlafmütze, verliebtes Mädel, oder ein Mensch von Tatkraft und Energie, der zahlreichen Unglücklichen helfen wollte? Kurz, bevor der Wagen vor dem Flughafen hielt, hatte Senta sich wieder völlig in der Gewalt. Als sie sich suchend umsah, eilte ein Page aus sie zu und erkundigte sich auf englisch, ob sie die Lady fei, die mit der „Empreß of Jndia" mitsliegen wolle. Mr. Flowerbrink warte schon ungeduldig, denn er fei bereits eine Stunde früher eingetrossen, als er angegeben habe. Die Formalitäten waren schnell erledigt, und die Propeller des Flugzeugs bereits angeworfen, als Senta sich mit Hilfe des Piloten in der Maschine häuslich einrichtete. Es war ein großer Doppeldecker neuester Konstruktion, mit den letzten Errungenschaften der Technik ausgerüstet. Das Wiedersehen mit Rex Flowerbrink, den: Senta mit soviel Beklemmung entgegengesehen hatte, gestaltete sich durchaus undramatifch, denn sie überhörte sein Eintreten in die Kabine. Erst als die „Empreß" anzurollen begann und über die zementierte Startfläche glitt, fuhr sie herum und sah in das maßlos erstaunte Gesicht Rex Flowerbrinks, der sich feiner Fluggenossin gerade vorstellen wollte. Es war für ihn nichts Außergewöhnliches, daß Bekannte feiner Eltern mitflogen, und als sein Kommissionär ihm den Namen seiner Begleiterin genannt hatte, waren die Worte von dem Geräusch