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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-14 · 20 (14.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Nr. 20 §. Beiblatt WIRTSCHAFT DER WOCHE 14. Mal 1936 An der Schwelle zum Beruf Don der Schule zum Berus führt der erste wirklich entscheidende Schritt eines jungen Menschen. Alles, was vorher war, ist mehr oder weniger Spielerei, alles was nachher kommt, ist in den meisten Fällen eine zwangsläufige Folge der Berufswahl. Je schwieriger die Berufswahl aus subjektiven oder objektiven Gründen ist, desto verantwortungsvoller ist das Amt derer, die den Jungen oder das Mädel dabei unterstützen sollen, der Eltern, Erzieher oder Berater. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin besitzt in der Rosenstraße zwei eigene B e r u f s - b e r a t u n g s st e l l e n (auch Lehrstellen werden dort vermittelt) für Jungen und Mädels. Sie kann stolz auf diese Einrichtung sein, denn hier sitzen Menschen, die mit ehrlichem Interesse und großem Einfühlungsvermögen dem nicht leichten und verantwortungsvollen Amt des Berufsberaters obliegen. Kaum ein Junge und kaum ein Mädel geht hinaus, ohne Rat und Hilfe empfangen zu haben, und wenn die eigenen Wünsche oder Pläne auch nicht immer voll durchführbar sind, so finden sich doch immer Wege, um die letzte schwierige Entscheidung zu erleichtern und in richtige Bahnen zu lenken. Oft ist es so, daß der Berater nach längerem Gespräch die Anlagen und Fähigkeiten eines jungen Menschen richtiger zu erkennen vermag als dieser selbst oder als die nur in seltenen Fällen objektiven Eltern. Wie hier mit den jungen Menschen gesprochen und wie auf die Individualität eines jeden Einzelnen eingegangen wird — das ist schlechthin vorbildlich. Der schönste Lohn für den Berater ist es, zu sehen, daß der Junge Zutrauen faßt, daß er auf seine Gedaukengänge eingeht und — daß der Berater auch von zu Hause aus die Unterstützung findet, die er für seine Arbeit braucht. Wirkliche Berufsberatung ist nur im Zusammenwirken mit dem Elternhaus möglich (von besonderen Fällen abgesehen), die Eltern müssen dann aber auch der Sachkenntnis und Objektivität des Beraters zugänglich sein. Eine andere Empfindung, die sich während eines Vormittags auf der Berufsberatung der Berliner Jüdischen Gemeinde dem Zuhörer uufprägt, ist die des Stolzes über unsere jüdische Jugend. Da die Berufsberatung jetzt etwa 90 bis 95 Prozent aller in Frage kommenden jüdischen jungen Menschen erfaßt und somit alle Schichten, alle Richtungen und Begabungen vertreten sind, bekommt man hier schon einen ungefähren Ueberblick. Und der ist ini ganzen gesehen sehr erfreulich. Auch hier gibt es selbstverständlich schwierige, oft sogar sehr schwierige Fälle, aber was so an einem Vormittag an jüdischen Jungen von 14 bis 16 Jahren an dem Zuhörer vorüberzog, machte im allgemeinen einen so frischen, aufgeweckten und arbeitswilligen Eindruck, daß man ein starkes Gefühl der Freude über diese jungen Menschen empfindet. Das Amt des Berufsberaters ist verantwortungsvoll. Er muß nicht nur die Eignung des Menschen für einen von ihm gewünschten Beruf zu ergründen versuchen (wobei oft auch die körperliche Konstitution eine besondere Rolle spielt, evtl, ist ärztliche Untersuchung erforderlich), sondern er muß auch die voraussichtliche wirtschaftliche Entwicklung für die einzelnen Berufe in seine Ueberlegungen einbeziehen. Daraus ergibt sich eine gewisse Problematik der Berufsberatung, die aber in einer Zeit voller Wandlungen nicht zu verhindern ist. Dem Berufsberater stehen als Hilfsmittel die beiden Methoden der Eignungsprüfung, die psychologische und die psychotechnifche, zur Verfügung. Beide waren auch in der Berussberatungsstelle der jüdischen Gemeinde angewandt. Die erste ergibt sich von selbst aus dem „Beratungsgespräch", die zweite wird an besonderen Prüfungsstellen vorgenommen. Kleinere Eignungsprüfungen, die allerdings nicht erschöpfend sein können, werden auch in der Beratungsstelle selbst vorgenommen. .Im allgemeinen ist auch bei der Lehrst e l l e n v e r m i t t l u n g, die mit der Berufsberatung Hand in Hand geht, das Ergebnis bei den Mädchen besser als bei den Jungen. Bei ihnen steht als großes Aufnahmereservoir die Arbeit im Haushalt zur Verfügung. Erfreulich ist, daß das Ergebnis der Lehrstellenvermittlung seit 1934 im ganzen besser geworden ist, da eine aktive Lehrstellenwerbung bei jüdischen Firmen eingesetzt hat. Eine besondere Art der vorberuflichen Bildung bildet die V o r l e h r e, die je nach dem Einzelsall für noch nicht Berufsreife ein halbes bis ein Jahr dauert, aber auch für solche, denen eine Lehrstelle noch nicht vermittelt werden konnte, bis zur Einstellung in Frage kommt. Gewünscht werden von den Jungen heute meist handwerkliche Lehr st eilen, und hier wieder besonders Berufe, die Möglichkeiten sowohl innerhalb Deutschlands als auch bei einer späteren Auswanderung eröffnen. Die an sich kei vegs erfreuliche Vernachlässigung der kaufmännischen Ausbildung geht soweit, daß — im Gegensatz zu vielen Handwerken — 'BANKHAUS ADOLF KASSEL^ Frankfurt a. M. i Am d tstrasse 50 Tel. Sa.-No. 71244j eine Unterbringung in großem Umfange möglich ist. Dabei wird heute auf die Ausbildung als technischer Kaufmann — den Begriff ganz weit gefaßt — besonderer Wert gelegt; also z. B. so, daß der Junge, der als Lehrling in eine Konfektiousfirma eintritt, zugleich eine Ausbildung in Modezeichnen erhält, oder daß der kaufmännische Lehrling in Fabrikationsbetrieben auch die technische Seite der Produktion kennenlernt. Das ist deshalb so wichtig, weil sich bei einer späteren Auswanderung damit leichter Ansätze zu einer evtl, nötigen Berufsumschichtung finden lassen. Abgesehen von der handwerklichen, kaufmännischen oder landwirtschaftlichen Ausbildung ist im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen der Hoch¬ oder Fachschulbesuch (Technikum, Webschule usw.) für junge jüdische Menschen mit speziellen Fähigkeiten oder Begabungen in Einzelfällen nicht zu vergefsen. Der Fachschulbesuch kann allerdings für Jungen niemals eine Vollausbildung als Lehrling ersetzen (oft ist sie sogar die Voraussetzung dafür), während bei gewissen Mädchenberufen eine Fachschulausbildung für die zukünftige Bcrufsausübung vollwertig ist. Nicht ernst genug kann aber auch an dieser Stelle vor der vielfach zu beobachtenden S ch u l m ü d i g k e i t gewarnt werden, das heißt, daß Jungen oder Mädchen ohne zwingenden Grund vor Erreichung irgendeines Abschlusses die Schule willkürlich verlassen, nur um möglichst schnell in einen Beruf hineiuzukommen. Für jeden Beruf und für jede Ausbildung ist eine gewisse Grundlage an Wissen und Kenntnissen notwendig, die nur in der Schule erlangt werden kann. Ohne diese Grundlage wird sich eine zukunftssichere Existenz in den meisten Fällen nur schwer schaffen lassen. Das sollten auch die Eltern bedenken. Wir haben versucht, einige besonders wichtige Probleme herauszustellen, die sich heute bei der Berufsberatung für junge jüdische Menschen ergeben. In einem weiteren Aufsatz werden wir uns mit der Beratungsstelle für Umschichtler und ihren Aufgaben befassen. Noch einmal aber soll abschließend auf die Notwendigkeit und die Bedeutung der Berufsberatung hingewiesen werden, die alle jüdischen Eltern veranlassen sollte, sich ihrer im gegebenen Zeitpunkt zu erinnern. kl. W—1. Nicht mehr „Konfektion“ In einer Mitteilung des Reichswirtschaftsministerimns heißt es: „In weiten Kreisen ist bedauerlicherweise noch immer die unschöne Bezeichnung „Konfektion" im Gebrauch. Dieses durchaus überflüssige Fremdwort hat weder einen genau abgegrenzten Begriffsinhalt, noch ist immer zu ersehen, ob eine Ware oder ein Wirtschaftszweig gemeint ist. Im übrigen hat es einen wenig angenehmen Beigeschmack. Es sollte daher künftig allgemein an Stelle des Fremdwortes Konfektion nur noch die Bezeichnung ,-K lei düng" oder „Bekleidung" und „B e k l e i d u n g s i n d u st r i e" angewandt werden." tleurezelunz kür Zigaretten Durch einige vom Rcichsfiuanzminister vorgenommene Aenderungen der Tabaksteuerbestimmungen ist nach Berichten der Tagespresse u. a. eine Zigarette zum Preise von 4*/« Pfennig neuzugelassen und das endgültige Verbot des Einzelverkaufs von Zigaretten ausgesprochen worden. Mit Wirkung ab 1. August dürfen Zigaretten ohne Ausnahme nur noch in Packungen abgegeben werden. Bisher waren für den Einzelverkauf noch die teueren Sorten von 5 und 6 Pfennig zugelassen. Die Schaffung einer neuen Preisklasse habe, so heißt es in der Mitteilung weiter, auch eine Neuordnung der Zugelassenen Packungen notwendig gemacht. So werde es künftig eine neue Packung zu 6 Stück geben, und zwar m der Preisklasse zu 3ys und in der Preisklasse zu 4*/« Pfennig. Entsprechend den verschiedenen Preisklassen sind insgesamt elf Packungsarten für den Zigarettenverkauf zulässig, nämlich Packungen zu 3, zu 4, zu 5, zu 6, zu 10, zu 12, zu 20, zu 24, zu 25, zu 48 und zu 50 Stück. Mädchen als Handwerkslehrlinge Für den Bereich der Handwerkskammer Hannover hat der Reichs- und preußische Wirtschafts- Minister nach Anhörung des Reichsstandes des deutschen Handwerks bei der Einstellung weiblicher Lehrlinge im Handwerk einen interessanten Versuch genehmigt. Dieser stelle zunächst nur eine lokale Regelung dar, die den Zweck haben soll, die h a u swirtschastliche Tätigkeit der jungen Mädchen zu b e g ü n st i g e n. Danach dürfen im Bereich der Handwerkskammer Hannover Mädchen frühestens erst ein Jahrnach ihrer Schulentlassung als Handwerkslehrlinge eingestellt werden. Um diese Bestrebungen zu fördern, sollen ein Jahr nach der Schulentlassung bei gleichstarkem -Angebot diejenigen Mädchenbevorzugt werden, die Nachweisen, daß sie sich mindestens ein Jahr haus wirtschaftlich betätigt haben. Der hauswirtschaftlichen Betätigung sind gleichgestellt das Land fahr, die Landhilfe, der Arbeitsdienst und der Besuch von Haushaltungsschulen. Erziehungsheimen, Lehrgängen der NS-Frauenschaft, der Berufsschulen und dergleichen. Der Reichsstand des deutschen Handwerks bezeichne derartige Regelungen auch in anderen Kammerbezirken als erwünscht. Vor der Erweiterung des Geltungsbereichs dieser Bestimmung solle aber erst örtlich erprobt werden, ob sich diese Regelung in der Praxis bewährt. Das Arbeitseinkommen 1935 Nacheiner in der Tagespresse veröffentlichten vorläufigen Berechnung des Statistischen Reichsamtes wird das Lohn- und Gehaltseinkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten (ohne die Pensionen) im Jahre 1935 auf 32,2 Milliarden NM veranschlagt werden. In dieser Summe sei zum ersten Male auch das Arbeitseinkommen des Saarlandes mit 330 Millionen NM einbegriffen. Der Einkommenzuwachs, der im Jahre 1934 gegenüber dem Vorjahr 12,7 Prozent erreicht habe, habe 1935 rund 10 Prozent betragen. Von dem gesamten Arbeitseinkommen entfielen auf Arbeiter 55 Prozent, auf Angestellte 28 Prozent und auf Beamte 17 Prozent, womit annähernd wieder das Verhältnis von 1929 erreicht sei. Auf gleiche Kaufkraft umgerechnet, habe das Arbeitseinkommen in den beiden letzten Vierteljahren 1935 etwa auf gleicher Höhe wie zur gleichen Zeit des Jahres 1930 gelegen. Von dem Rückgang seit 1929 habe das Nominal-Einkommen 1935 -36 Prozent, das Real-Einkommen 70 Prozent aufgeholt. Innungen undPreisfestsetzungen Ein Einzelfall hat dem Reichs- und Preußischen Wirtschaftsminister Veranlassung gegeben, in einem Erlaß an sämtliche Handwerkskammern nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Innungen nicht berechtigt sind, Preise festzusetzen oder zu empfehlen oder dieses Verbot dadurch zu umgehen, daß den Mitgliedern Kalkulationen oder Kalkulationsbeispiele mit errechneten Preisen mitgeteilt werden. Der Minister ersuche die Innungen entsprechend anzuweisen und scharf darüber zu wachen, daß dieser Anweisung Folge geleistet und die Verordnung zur Förderung selbständiger Kostenberechnungen in der Wirtschaft vom 14. November 1934 beachtet werde. Jnnungsführer, so schließe der Minister, die dieser Anordnung zuwiderhandeln, machten sich nicht nur strafbar, sondern müßten auch als ungeeignet für die Verwaltung ihres Amts angesehen werden. Notizbuch des Kaufmanns Bisweilen findet man in den Schaufenstern bei Gegenständen verzeichnet, daß sie „aus Privatb e s i tz" stammen. Ter Werberat kommt, wie der „Kurzberichterstatter" meldet, zu dem Ergebnis, daß dieser Ausdruck besagt, daß ein Privatmann entschlossen ist, sein Eigentum aufzugeben. Dadurch werde im Publikum die Vorstellung erweckt, daß besondere Gründe den Privatmann zum Verkauf zwingen, und daß deshalb der Verkauf besonders günstig sei. Wegen dieser Auffassung dürfe die Ankündigung nur benutzt werden, wenn das Eigentum an der ausgestellten Ware unmittelbar von dem Privatmanns auf den Käufer übergehe, nicht der Ausstellende Eigentümer geworden sei. * lieber wichtige Betriebsmerkmale und Besteuerung im Einzelhandel wird für,1934 in den Viertcljahrshesten zur Statistik des deutschen Reiches (Heft 4, 1935, 'Berlin 1936) eine Spezialnntersuchung des Sortimentsbuchhandels, der Apotheken und des Blumeneinzelhandels veröffentlicht. * Nach den Erhebungen der Forschungsstellc für den Handel beim RKW zeigen die Märzumsätze des Einzelhandels eine Steigerung von 9 Prozent gegenüber dem März 1935. Der Unterschied zum Februar, der um 13 Prozent erhöhte Umsätze gegenüber 1935 aufwies, wird im wesentlichen daraus erklärt, daß die Einkäufe für den ersten Märzsonntag diesmal noch im Februar getätigt wurden und außerdem der Februar mehr Verkausstage aufwies. * Aus einer im Wirtschaftsblatt der Jndustrieuud Handelskammer Berlin wiedergegebenen Anordnung des Regierungspräsidenten in Potsdam geht hervor, daß außer im Stadtbezirk Berlin auch im Stadtbezirk Potsdam mit Rücksicht auf die Olympiade der Sommerschlußverkauf auf die Zeit vom 22. August bis einschließlich 4. September 1936 verlegt worden ist. Berlin, den 11. Mai 1936 Dein heutigen „Blick in die Wirtschaft" fei der letzte gedruckte Wirtschaftsbericht der Commerz- und Privatbank zugrunde gelegt, der eine erfreuliche Entwicklung der Kleidersabrikation seststellt. Die deutsche Kleidersabrikation habe in hervorragendem Maße Mitanteil an dem allgemeinen Aufschwung der deutschen Wirtschaft. Dies sei um so bemerkenswerter, als, wie man ja wisse, die Rohstofsfrage in der Bekleidungsindustrie erhebliche Schwierigkeiten verursache. Man müsse deshalb den Aufschwung in der Bekleidungsindustrie nicht allein auf das Konto der textilverarbeitenden Firmen setzen, sondern auch auf den Weitblick und das Können der deutschen Textilsabrikation, die der Schivierigkeiten mit anerkennenswerter Geschicklichkeit Herr geworden ist. Die Umstellungen der Textilsabrikation für die Produkte des Jnlands- Teppiche / Möbelstoffe / Gardinen BLUMENFELD, Nürnberg, Adlerstrasse 36 Letzte Frist für säumige Steuerzahler In einer Rede zur Eröffnung der Reichsfinanzschule Ilmenau teilte Staatssekretär R e i n- Hardt vom' Reichssinanzministerium u. a. mit, daß die Liste der säumigen Steuerzahler zum ersten Mal im Lommer ]936 aufgelegt werde. Grundsätzlich sollen in diese Liste alle diejenigen Säumigen ausgenommen werden, die am 31. Januar 1936 mit Steuerzahlungen oder Vorauszahlungen im Rückstand waren, die vor dein 1. Januar 1936 fällig und nicht gestundet waren. Die Zahl der in der Liste der säumigen «Steuerzahler aufgenommenen Steuerpflichtigen sei wesentlich kleiner, als bei der ursprünglich angekündigten Liste vorauszusehen gewiesen sei, ein Beweis dafür, daß sich die Steuerehrlichkeit und -Pünktlichkeit in der vergangenen Monaten gebessert habe. Durch einen Erlaß an die Finanzämter werde angeordnet, daß den in der Liste genannten Steuerpflichtigen eine letzte Frist von zwei Wochen zur Beseitigung ihrer vor dem 1. Januar 1936 fälligen Steuern gegeben werde. Diejenigen Steuerpflichtigen, die ihren Rückstand innerhalb von zwei Wochen beseitigten, sollten nr die endgültige Liste nicht ausgenommen werden. Es könne denen, die mit Steuerzahlungen aus der Zeit vor dem 1. Januar 1936 noch im Rückstand seien, nicht dringend genug empfohlen werden, diesen Rückstand unverzüglich aus der Welt zu schassen. Gründung eines Reichsausschusses für wirtschaftlichen Vertrieb Auf Anregung von Professor Dr. Lüer, dem Leiter der Reichsgruppe Handel, ist beim Rcichskuratorium für Wirtschaftlichkeit ein Reichsausschuß für wirtschaftlichen Vertrieb gegründet worden. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Professor Lüer, zum Geschäftsführer Dr. Tiburtius bestellt. Zweck dieses Ausschusses soll sein, in Gemeinschaftsarbeit von Praxis und Wissenschaft die Wirts ch a ftlichen Formen und Wege des Waren Vertriebs zu erforschen und durch Weitergabe der Forschungsergebnisse au den einzelnen Kaufmann zu der bestmöglichen wirtschaftlichen Ausgestaltung des Vertriebs zu gelangen. An dieser Aufgabe werden außer den Reichsgruppen Industrie, Handel, Handwerk das Statistische Reichsamt, die Deutsche Arbeitsfront und eine Reihe namhafter Vertreter der Wirtschaftswissenschaft Mitwirken. 1l. a. haben die Professoren Hellauer (Frankfurt a. M.), Seyffert (Köln), Rößle (Königsberg) und Vershosen (Nürnberg) ihre Mitarbeit zugefagt. Der Ausschuß hat in seiner ersten Arbeitssitzung die Notwendigkeit festgestellt, das in Betracht kommende Schrifttum zu sichten und zu sammeln. Als seine vordringliche praktische Aufgabe betrachtet der Ausschuß die'einheitliche und vollständige Ermittlung der Vertriebsleistungen und Vertriehskosten. Zu diesem Zweck wurden die ersten Arbeiten eiugeleitet, um B u ch halt u n g und Rechnungswesen im Warenvertrieb auf eine einheitliche Grundlage zu stellen. Abschluß der Genossenschaftsbank Jwria in Chemnitz. Wir haben vor kurzem („CV-Zeitung" Nr. 17) den Abschluß der Genossenschaftsbank Jwria in Leipzig besprochen. Nunmehr liegt in einem Auszug das Rechnungswert Per Genossenschaftsbank Jwria in Che m n i tz vor. In ihm wird festgestellt, daß die Bank im Jahre 1935 im starken Maße und mit befriedigendem Erfolg zur Förderung der jüdischen Existenzen im Chemnitzer Bezirk beigetragen hat. Die Bank erzielte einen Umsatz von 40,7 Millionen RM, die Bilanzsumme beträgt 0,666 Millionen RM. Nach Abzug der Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von rund 2730 RM. Es sollen 3 Prozent Dividende ausgeschüttet werden. Anfang 1935 hatte die Bank 140 Mitglieder, die 176 Geschäftsanteile besaßen. Unter Berücksichtigung der Zu- und Abgänge im Verlauf des Jahres ergibt sich für Ende 1935 ein Bestand von 162 Mitgliedern mit 201 Geschäftsanteilen. Das Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft Arthur Hannes, Spandau, Schöuwalder Str. 90, blickt am 15. Mai auf sein 25jähriges Bestehen zurück. Marktes auf die Erzeugnisse aus Kunstseidcngemischen, vor allem aber die neuartigen Gemische aus Zellstoff und Wolle, die sich im übrigen sowohl in der Verarbeitung als auch in: Verbrauch sehr gut bewährt haben, sind auf das beste gelungen. Ein Beweis dafür sei das wachsende Interesse des Auslandes für diese Spezialgewebe, obwohl bekanntlich für den deutschen Auslandsmarkt mit besonderer Sorgfalt diejenigen Stoffqualitäten in Deutschland hergestellt werden, die auf dem internationalen Markt üblich sind. Es wird weiter festgestellt, daß nicht nur der Umsatz im Inland gestiegen ist, sondern auch der Export trotz aller Hemmnisse im steten Wachsen begriffen ist. Erheblichen Anteil an diesem Export hat neben den früher neutralen Ländern England, das auf dem deutschen Kleidermarkt ständig zunehmende Abschlüsse tätigt. Die deutsche Damenbekleidungsiudustrie geht nach dieser Darstellung mit großer; Blick in die Wirtschaft

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