Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 20 (14.5.1936)
- Date
- 1936-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wann und wo finden Sie Rat? Hess.-X assau und Hessen Frankfurt a. 91. Halm Steinweg 9, Zimmer 75—77 (Tel.: 25403), Montags, Mittwochs u. Freitags 11—13 Uhr. All-inistrasse 12, II (Tel: 31857), Montag bis Freitag 16 bis 18 Uhr. Saargebiet Saarbrücken Nei:grabenweg 88, pt. (Tel.: 23643), am 24. Mai, 10—12, 14 bis 16 Uhr. Mitteldeutschland Magdeburg Grosse Schulstrasse 2b, Mendelssohn-Loge (Tel. 25185), am 20. Mai, 16—19 Uhr. Iiinksrheinof Kreuznach Die Sprechstunde am 27. Mai fällt aus (Schowuaus). Wissen gesicherten jüdischen Haltung führen, sie will die schöpferischen und ausnehmenden Kräfte der jungen Menschen schulen und ihnen zugleich Kulturarbeit des C.- In diesen Tagen blickt eine Einrichtung des" C.-V.-Jugenddezernats, die aus die Initiative von Günter Friedländer und Kurt Julius R i e g n e r geschaffen wurde, denen auch die erfolgreiche Durchführung dieser Einrichtung zu danken ist, auf ihr einjähriges Bestehen zurück: die C.-V.-- Wanderbücherei. Nach der Ausschaltung vieler jüdischer Jugendlicher aus ihrer gewohnten Arbeitsstätte und ihrer gewohnten Umgebung er-;; wies es sich als notwendig, diesen Jugendlichen eine Ersatzbeschäftigung zu geben. Bei zahlreichen jungen Menschen entstand das Verlangen, in der unter veränderten Verhältnissen neu zu gestaltenden Freizeit sich mehr, mit geistigen Dingen auseinanderzuetzen, als es bisher häufig der Fall gewesen war. Besonders aber stand der Wunsch im Vordergrund, das Judentum, jüdische Dinge und ihren Inhalt kennen zu lernen. Da dem starken Bedürfnis nach jüdischer Bildung durch zahllose Neuerscheinungen Rechnung getragen wurde, wären alle Probleme gelöst gewesen, wenn nicht ein neuer Umstand neue Schwierigkeit!! geschaffen hätte. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland, die sich zusehends verschlechterte, ließ nicht nur dem einzelnen die Anschaffung eines Buches als untragbare Ausgabe erscheinen, sondern hinderte in vielen Fällen auch die Gemeinden und andere Organisationen an der Erweiterung bereits bestehender Bibliotheken. So fehlten bald in vielen Bibliotheken die für die große Zahl neu hinzutretender Leser wichtigen Bücher, die gerade erschienen waren, und die Zahl' zur Verfügung stehender Privatbibliotheken wurde durch die Auswanderung gerade wohlhabender Familien vermindert. Den Mißständen, die sich aus all dem ergaben, hat der C.-V. mit sein.en Wanderbüchereien zu einem Teil abgeholfen. An 18 verschiedenen Orten Deutschlands hat er Büchereien aufgestellt, die nach anfänglich 1200 Bänden heute bereits 1600 Bände umfassen. Die Büchereien sind dem „Ring", Bund jüdischer Jugend, zur Verfügung gestellt. Aus pädagogischen Gründen hat der C.-V. die Verwaltung der Büchereien überall Mitgliedern des Bundes übertragen, um sie zu verantwortlicher Mitarbeit an den Büchereien heranzuziehen. Aber nicht überall stehen wie Büchereien nur dem Bund zur Verfügung. Vielmehr hat man dort, wo die Umstände dies erforderlich erscheinen ließen, sie auch anderen, nicht im Bund erfaßten Jugendlichen zugänglich gemacht. Die. Büchereien sind bewußt als Ergänzungs-Büchereien aufgebaut, denn der C.-V. hat. nicht den Ehrgeiz gehabt, bereits bestehende Büchereien von sich aus zu ersetzen; vielmehr wollte er nur dort eingreifen, wo dies erforderlich schien. Sammelwerke z. B., deren Vorhandensein in jeder Bücherei angenommen werden darf, haben bei dev Zusammenstellung ebensowenig Berücksichtigung gefunden wie Romane und Unterhaltungsliteratur,- die durch private Büchereien meist zugänglich sein werden. Der Katalog der Büchereien gliedert sich in sechs Abteilungen: Beiträge zur Geschichte des Judentums, Beiträge zur Religion und Wissenschaft des Judentums, Beiträge zu- Biographien, Bücher der Selbstbehauptung, Bücher zur Lebensgestaltung, Bücher zum Vorlesen. . Bücher, von Baeck, Buber und Elbogen, Schriften von Rosen- . zweig, Ernst Simon, Lewkowitz und Wiener stehen hier nebeneinander mit den Schriften vieler anderer jüdischer Schriftsteller. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die für den angedeuteten Zweck wichtigsten Schriften der jüdischen Verlage in den Wanderbüchereien vereint sind. Zahllose Berichte künden von der Wirksamkeit der Büchereien. Zahlen aus allen' Teilen Deutschlands berichten von der Intensität, mit der sie benutzt werden. Zuschriften vieler Organisationen, darunter auch der Mittelstelle für Erwachsenenbildung, beweisen dem C.-V., daß er mit seinen Büchereien eine Lücke ausgefüllt hat. Um die Tätigkeit seiner Kulturarbeit auszudehnen, und noch weiteren Kreisen dienstbar zu machen, hat das Jugenddezernat des C.-V. eine Bücherspende eingerichtet. Durch diese Bücherspende sollen den jüdischen Schulen wichtige Bücher für ihre Bibliotheken übermittelt werden, die sie sich sonst nicht anschassen könnten. Rund das Wissen vermitteln, das sie für ihr späteres Leben brauchen. Aus diesem Grunde sind neben den eigentlichen jüdischen Fächern Deutsch, Geschichte, Lebenskunde, Naturkunde, Musik als Fächer und die für die Zukunft der Jugendlichen wichtigen Sprachen als Wahlfächer vorgesehen. Es ist selbstverständlich, daß die Berufsausbildung im Mittelpunkt steht und daß die Auswahl der zu übermittelnden geistigen Werte durch sie bestimmt und begrenzt wird. Sport und Gymnastik werden in den Arbeitstag der Grundlehre planmäßig eingebaut. Es ist der Frankfurter Jüdischen Gemeinde zu danken, daß dieser großzügige und pädagogisch neuartige Plan verwirklicht wird. Mit der Leitung der Grundlehre sind Dr. Hans Epstein und Bernhard B e l i n g, mit der Leitung der Mädchengrundlehre ist Dr. Gertrud Hallo beauftragt. Sämtliche Vorarbeiten werden von der Jüdischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, Abteilung Berufsausbildung, Frankfurt a. M., Quinckestraße 24, durchgeführt, die Auskünfte erteilt und weitere Anmeldungen nur in beschränktem Umfang entgegennimmt. Die Grundlehre wird Anfang Mai d. I. eröffnet. vr. Erwin Seligmann. V.-Jugenddezemats ' 100 Schulbüchereien sind bisher von der Bücher- . spende bedacht worden. So versucht der C.-V., das Seine dazu beizutragen, eine geistig und seelisch gesunde und kräftige Jugend heranzubilden, die ihrer schweren Zukunft gewachsen ist. Julius Bab: Weshalb Dichtkunst? Immer wieder wird in der jüdischen Presse und an anderen Stellen der jüdischen Oeffentlichkeit auf die Gefahr hingewiesen, die darin besteht, junge Menschen, indem man sie generell heute praktischen technischen, landwirtschaftlichen und handwerklichen Bernsen zuführt, von der Beschäftigung mit geistigen und künstlerischen Dingen abzudrängen und fernzuhalten. Einer solchen Gefahr begegnet der „Ring", Bund jüdischer Jugend, in dankenswerter Weise durch die Veröffentlichung einer Rede von Julius Bab, „Weshalb Dichtkunst?" betitelt, die der Bund als zweite Schrift in der Reihe seiner Arbeitshefte herausgibt. „Das Kulturbewußtsein," heißt es in der Einleitung zu den Ausführungen Babs, „das in den Aelteren auch unserer Generation noch lebt, jenes differenzierte Gefühl für Sinn und Verpflichtung der eigenen Situation, soll und darf uns nicht verloren gehen. Nicht allein die Dinge, die uns im Materiellen, Aeußeren weiterführen, müssen wir bejahen, sondern auch das Schöne um der Freude am Schönen willen." In diesem Sinne gibt Julius Bab ein prägnantes, durch eine Fülle trefflicher Beispiele aus den drei Literaturgattungen der Lyrik, Epik und Dramatik lebendiges Bild vom Wesen der Dichtkunst, das gerade viele von denen, die aus Mißverständnissen heraus glauben, Literatur ginge sie nichts an, der Dichtkunst näherzuführen geeignet ist. H. B—n. Aas dem wissenschaftlichen Leben Der bekannte Chemiker Sir Robert Mond wurde mit der Würde eines Kommandeurs der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. Aus diesem Anlaß fand im „Hause der Chemie" in Paris ein Bankett statt, an dem mehr als 150 Gäste, unter ihnen bekannte französische Chemiker und chemische Industrielle teilnahmen. Der Präsident des 'Verwaltungsrates des „Hauses der Chemie", Auguste Behal, hob die Leistungen Sir Robert Monds für Wissenschaft und Industrie hervor und würdigte seinen Beitrag für die Archäologie und Kunst sowie seine Unterstützung von Wohlfahrts- und wissenschaftlichen Einrichtungen. Präsident Behal übergab. sodann im Aufträge des Präsidenten der französischen Republik Sir Robert Mond die Insignien seiner neuen Würde. # Unerwartet verstarb in Berlin am 27. April im 62. Lebensjahre Professor Sigwart Nuppel,. Ehrenmitglied der elektrotechnischen Gesellschaft. Er .war ein Schüler des Darmstädters Erasmus Kittler. 1900 wurde er als Professor nach Kaiserslautern als Leiter des dortigen elektrotechnischen Instituts berufen. 1908 kam er nach Frankfurt a. M., wo er bis zu seinem Lebensende tätig war. Sein Hauptgebiet war das der Schutzmaßnahmen gegen die Gefährdung durch den elektrischen Strom. Dieser in gleicher Weise sozialen und wissenschaftlichen Tätigkeit entsprang die Erfindung des Bleistromschalters für Hausstrom und des Druckgasschalters für Spannungen bis 200 000 Volt. 1926 wurde Nuppel in den Frankfurter Magistrat gewählt. Auf seine Anregung entstand dort das städtische Maschinenamt, die Fernheizungsanlage für Schlachthos und Großmarkthalle. V Unter dem Titel „Einführung in die Psychoanalyse" veröffentlicht das jüdische wissenschaftliche Institut in W i l n a die erste jiddische Ausgabe Freuds, und zwar die „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse", mit der für die hebräische, Ausgabe geschriebenen Vorrede in der Uebersetzung von Dr. Max W e i n r e i ch. Die erste Lieferung des Werkes ist zum 80. Geburtstag Freuds erschienen. Unter Vorsitz von David Fisch fand am 27. April im Logenhaus Kleiststraße im engen Kreise eine Veranstaltung des Verbandes Polnischer Juden e. V. statt. Dr. Michael Traub sprach über die Lage der Juden in Polen. Ein Kuratorium, bestehend aus 20 Herren, soll gemeinsam mit dem Vorstände die Gewähr dafür bieten, daß der Verband nicht nur erhalten, sondern auch darüber hinaus ausgebaut wird. Jubiläum des Breslauer Handwerkervereins Die Ortsgruppe Breslau des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands veranstaltete aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens einen Festabend, an dem außer den Mitgliedern Vertreter der Synagogengemeinde, des Rabbinats, des Jüdisch-Theologischen Seminars und fast aller jüdischen Organisationen teilnahmen. Nach einem Harmoniumvorspiel: von Arthur Schindler begrüßte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Hugo S Pani er, die Erschienenen. Der Vorsitzende des Zentralverbandes, Wilhelm Marcus (Berlin) betrachtete in seiner Festrede die 25-Jahrfeier des Breslauer Vereins als eine Angelegenheit des ganzen jüdischen Handwerks in Deutschland und beleuchtete die gesamte Gegenwartslage des Judentums in Deutschland. Namens des Vorstandes der Synagogengemeinde gratulierte Dr. Ludwig Korn mit herzlichen Worten . und überbrachte eine von den Gemeindekörperschaften einstimmig bewilligte Ehrengabe von 500 RM. In weiteren Ansprachen gratulierte u. a. Gemeinderabbiner Dr. D o g e l st e i n, Rabbiner Dr. Sänger, Gemeindeältester Sanitätsrat Dr. Bach und in langer Reihe die Vertreter der Organisationen. Schw. Dem siebzigjährigen Arthur Lewiri Als Facharzt für Urologie hat sich Arthur Lew in, der Schüler Posners, Ritzes, Israels, weit über seine Vaterstadt Berlin hinaus, als Arzt und Wissenschaftler einen Namen erworben. Er, der mehrfach Vorsitzender der Berliner Urologischen Gesellschaft war, deren Ehrenvorsitzender er ist, hat es mit seinem nieversagenden Humor und seiner wohltuenden Freundlichkeit, stets verstanden, bei seinen Patienten und Kollegen, bei seinen Schülern und Freunden Sorgen aufzuhellen, Schmerzen erträglicher zu gestalten. Viele der jüngeren Aerzte haben von seiner Kunst der Menschenbehandlung und seiner großen ärztlichen Erfahrung gelernt. So werden sich am 17. Mai zu den Wünschen zahlreicher ausländischer Gesellschaften, deren korrespondierendes Mitglied Arthur Lewin ist, die Gratulationen seines großen Freundeskreises gesellen, der hofft, noch viele Stunden in jenen Räumen verbringen zu können, in denen sich künstlerisches und wissenschaftliches Denken mit der Gastlichkeit des Hauses zu eigener Atmosphäre verbinden. Der Central-Vere i n begrüßt in dem nunmehr Siebzigjährigen sein alt-junges Mitglied. Hermann Levi (Hennef) gestorben Als Inhaber der Kohlenhandlung Heinrich Grau wurde Hermann Levi um die Jahrhundertwende zum Pionier der Braunkohlenbrikettfabrikation im sieg-rheinischen Bezirk. Das Ansehen, das er sich auf seinem Fachgebiet erwarb, die Tatkraft, mit der er seine Unternehmungen leitete, brachten ihm immer neue Aufgaben, aber auch stets neue Ehrungen. So war er Vorsitzender des Verbandes der Syndikatshändler seines Bezirkes, Ehrenbrandmeister der von ihm begründeten Henneser Feuerwehr, Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender des „Kameradschaftlichen Vereins", als dessen Sprecher er während der Besetzungszeit wiederholt für die Interessen der Stadt eintrat. Daß er seinerzeit als einziger seines Regiments zum Lehr-Jnfanterie- Bataillon nach Potsdam abkommandiert war, kam ihm hierbei besonders zustatten. Von seiner Wohltätigkeit gibt es zahlreiche Zeugnisse. Die jüdische Gemeinschaft trauert besonders um ihn, der am 30. April sechsundsiebenzigjährig verstarb. Viele Jahre war er Vorsteher der Gemeinde Geislingen. Der Central-Verein verliert in ihm den Ehrenvorsitzenden seines Siegkreises,' einen Mann, der durch viele Jahrzehnte dem Verein eine Stühe, den Mitgliedern ein unermüdlicher Berater war. Dr.Se. Rabbiner Dr. Simonsohn (Breslau) gestorben In den Morgenstunden des 12. Mai starb nach nur viertägiger Krankheit infolge einer Infektion der Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau, Dr. Max Simonsohn, im Aller von 48 Jahren. Dr. Simonsohn stammte aus dem Kreise Samter (Posen). Er absolvierte das Breslauer Jüdisch-Theologische Seminar, wo er '1913 durch Seminarrabbiner Professor Dr. Israel L e w y das Rabbinerdiplom erhielt. Im gleichen Jahre wurde er als zweiter Rabbiner an die konservative („Storch-") Synagoge der Breslauer Einheitsgemeinde berufen, wo er bis jetzt wirkte. Rabbiner Dr. Simonsohn hat mit aufopfernder Hingabe an zahlreichen Gemeindeorganisationen führend mitgearbeitet. Er ist der Begründer des orthodoxen Jüdischen Schulvereins (1921), der ein Reformrealgymnasium und eine Volksschule unterhält, und war seit der Gründung sein Vorsitzender. Seine weitere Arbeit galt u. a. der hebräischen Sprache, .der Volkshochschule und dem Theologischen Seminar, an dem er seit mehreren Semestern talmudische Vorlesungen hielt. Alle Kreise der Gemeinde trauern über seinen plötzlichen Heimgang. Schw. Das Jüdische Lehrgut Groß-Breesen braucht für den Aufbau seines Betriebes noch einige Volontäre sowie praktische Handwerker, vor allem Installateure und Maler, Schuster, Schneider, Schlosser und Sattler. Interessenten bis zum Alter von 24 Jahren wollen sich bei der Geschäftsstelle der Jüdischen Auswandererschule, Berlin Vf.15, Kursürstendamm 200, melden. - Wie die Reichsstelle für Sippenforschung mitteilt, ist auf Veranlassung des Reichsgesundheitsamts im Gegensatz zu anderweitigen Behauptungen festgestellt worden, daß der verstorbene Ernährungsphysiologe Professor Max Rubner Nicht jüdischer A b stummu n g, sondern, ebenso wie seine verstorbene Ehefrau, deutschblütiger Herkunft gewesen ist. Jüdische Studentenfragen auf der Tagung der Internationalen Studentenorganisationen in Genf Das Komitee der Internationalen Studentenorganisationen des-Völkerbundes hielt in Gens unter dem Vorsitz von Professor M. O. H a -. lecki (Warschau) seine Jahrestagung ab. Der diesem Komitee angehörende Weltverband jüdischer Studenten war durch seinen Vorsitzenden, Rev. Perlzweig (London) und durch P. G. Druiff, dem früheren Vorsitzenden des Jüdischen Universitätsverbandes von Großbritannien, vertreten. An der Eröffnungssitzung nahm auch Dr. Gold mann, der ständige Delegierte der Jewish Agency beim Völkerbund und beim Internationalen Institut für geistige Zusammenarbeit, teil. Im Verlaus der Tagung gab Rev. Perlzweig einen Bericht über die Lage der Studenten in Polen und Rumänien. Der Vorsitzende des Komitees versprach, eine Zusammenkunft zwischen RabbinerDr. Stephen S. W i s e, der sich zur Organisierung der jüdischen Studenten nach Polen begeben wird, und dem polnischen Unterrichtsmini st er zu vermitteln. Eine Anregung des Rev. Perlzweig, eine der n ä ch st e n . internationalen Studentenkonserenzen in Jerusalem abzuhalten, wurde beifällig ausgenommen. Mehr Joint-Hilfe für Europa Das Joint Distribution Committee hat eine von seinem Ehrenvorsitzenden, Felix M. Warbürg, dem Vorsitzenden Paul B a e r w a l d , dem stellvertretenden Vorsitzenden Gouverneur Lehman und James N. Rosenberg sowie anderen Mitgliedern der Exekutive Unterzeichnete Erklärung veröffentlicht, in der seine Stellung zur Palästina-Arbeit und zur Hilfsarbeit in Mittel¬ und Osteuropa festgelegt wird. Als Hauptaufgabe des Joint in diesem Augenblick wird die Hilfe für Juden aus Deutschland bezeichnet; insbesondere soll den in Deutschland lebenden jüdischen Kindern Erziehungshilfe geboten werden. In der Hilfsarbeit für Juden aus Deutschland wird das Joint Distribution Committee mit der in den Vereinigten Staaten gegründeten Refugee Economic Corporation zusammenarbeiten. In der Erklärung wird weiter die Not der Juden in Polen und in Rumänien geschildert, denen der Joint ebenfalls Hilfe zusichert. : Im Hinblick auf die „fast untragbaren Lasten" in Deutschland, Polen und änderen Ländern wird das Joint Distribution Committee in diesem Jahre keine Mittel für Palästinazwecke zur Verfügung stellen. Bisher hat es über 9 700 000 Dollars in Palästina ausgegeben. Gleichzeitig betont das Joint Distribution Committee, daß es in dem Aufbau eines jüdischen Lebens in Palästina eine Aufgabe von tiefster ^Bedeutung erblickt. Mit der Sammlung von Mitteln.für dieses Aufbauwerk seien aber andere Organisationen befaßt. Der Joint hat die Hälfte der Kosten für die Ueberführung jüdischer Auswanderer aus Deutschland nach Palästina getragen, hohe Beträge für die Ausbildung der Palästinaauswanderer ausgegeben' und beabsichtigt, derartige Aufwendungen auch in Zukunft zu machen; er. glaube aber berechtigt zu sein, von anderen Körperschaften derartige Leistungen zu erwarten. Was Rußland betrifft, so werden ebenfalls vom Joint keinerlei Aufwendungen geplant. Dies wird damit begründet, daß die landwirtschaftliche Ansiedlung in der Krim und in der Ukraine und die Zuführung von Juden in die Industrie Rußlands so erfolgreich gewesen sei, daß der Joint in diesem Augenblick von Verpflrchtungen auf diesem Gebiet befreit sei. Das Biro- Bidjan-Projekt werde vom Agro-Joint „sorgfältig erwogen". Aktion des Council for German Jewry in Birmingham In Birmingham fand eine Versammlung des Council kör German Jewry unter dem Vorsitz von Oscar Deutsch statt. Es sprachen Lord B e a r - sied, der den bekannten Plan für eine Aus- - Wanderung von 100 000 Juden aus Deutschland entwickelte, sowie der Unterhausabgeordnete Commander Locke r ° La mp son. Oscar Deutsch gab am Schluß der Versammlung bekannt, daß in Birmingham bisher 15 350 Pfund gezeichnet worden, seien. Professor Oüalid Vizepräsident der Alliance Der bekannte französische Jurist und Volkswirtschaftler Professor William Oualid ist zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt worden. Von der Wahl eines Präsidenten als Nachfolger des verstorbenen Dr. Arnold Netter wurde vorläufig Abstand genommen. Professor Oualid, der im 56. Lebensjahr steht, hat einen Lehrstuhl für politische Oekonomie an der Pariser Universität. Seine Studien absolvierte er in Aachen und Paris. Während des Weltkrieges war er stellvertretender Kabinettschef im Munitionsministerium, 1919 war er Leiter des Arbeitsbeschasfungsamtes im Arbeitsministerium. In demselben Jahr war er bevollmächtigter Vertreter Frankreichs bei den Wirtschaftsverhandlungen in Polen. 1920 wurde er Professor an der Universität Straßburg/ 1921 vertrat er Frankreich beim Internationalen Arbeitsamt. An die Paiser Universität wurde er 1923 berufen. Zum Jüdischen Weltkongreß. Die Exekutive des Comite des Delögations Juives unb des Jüdischen Weltkongresses hat beschlossen,, den Kongreß für die Zeit vom 8. bis 14. A u g u st nach Genf einzuberufen. Inzwischen hat auch der Orden B n a i Brith erklärt, daß er sich nicht am Kongreß beteiligen wird..