Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Form - angeboren, anerzogen Kein Sportler, der sich an Wettkämpfen beteiligt, nimmt gern Niederlagen hin. Das ist sportlich völlig in der Ordnung. Weniger schön, noch weniger sportlich, ja, geradezu unhaltbar ist es dagegen, wenn Sportler, wenn sie verlieren, nicht ,in Anstand und Würde verlieren können. Da kann man Entschuldigungen hören, kann staunen über die Vielfältigkeit der Gründe, die eine Niederlage zu beschönigen versuchen. Dem einen lag der harte Boden des Spielfeldes nicht, dem anderen war das Wetter nicht günstig genug, der dritte fand sich nicht mit dem Spielgerät, dem zu harten Fußball, dem unhandlichen Tennisschläger oder dem plötzlich drückenden Schuhmaterial nicht ab, meist also Gründe, die der, der etwas davon versteht, auf den ersten Blick als abwegig erkennt unö daher ablehneu niuß. Man hüte sich jedoch, das zu verallgemeinern! Es gibt schon Gründe für schlechtere Lerstungen. Es sei nur all die Nachteile des fremden Platzes und den Einfluß der ungewohnten Umgebung erinnert. Jeder aktive Sportler kennt die Vorteile des eigenen Platzes, damit mich dessen Tücken llnd Schwierigkeiten, er weiß die fördernden Kräfte eines anfeuernden, linlvillkürlich beeinflussenden Publikums zu schätzen. Er kennt, was bedeutsamer ist, im umgekehrten Fall aber auch die hemmenden Wirkungen einer fremden Umgebung, die auf seine Form wesentlich oinzulvirken imstande ist. Form? Ein geheimnisvolles Wort! „Form" bezieht sich keineswegs bloß auf die physische Verfassung des Sportlers. Sportler oder Mannschaft sind erst „in Form", wenn Muskeln, Sehnen und innere Organe gesund, stark und allsdauernd, die Nerven vollkommen in Ordnung find. Das llmcht ja gerade .den Meister, den Rckordnmnn, den Spitzenkönner schlechthin, sich im gegebenen Augenblick so in der Gewalt zil haben, daß die Nerven absolut standhalten und die körperliche Kondition einwandfrei ist. Alan unterscheidet zwei Arten von Sportlern: solche, bei denen sich der Begriff „Form" instinktmüßig einstellt, und solche, die sich ihre Form erst erzwingen müssen. Die ersten sind zu beneiden, den anderen — bei weitem die Mehrzahl — darf man es ruhig glauben, lvenn sie gegen ein fremdes, ihnen incht wohlwollendes Publikum und mit dem Handicap des unbekannten Platzes nicht ihre Bestform erreichen, oft sogar völlig versagen. Ihnen spielen die Nerven, die sie im entscheidendenAugenblick des Kampfes verlassen, übel mit und zerstören schönste Hoffnungen, die sie sich auf Grund ihrer Trainingsleistuug iilachen durften. Instinkt kann nicht anerzogen werden, er muß angeboren sein. Wer eben von der Natur begünstigt ist, ist den anderen ein Stück vorails. Damit stehen jedoch diese anderen nicht auf verlorenem Posten, denn sie streben die „Form" ja an. Voraussetzung dafür sind vollkommene technische Beherrschung der Sportart, einwandfreie körperliche -Kondition, eine sportlichen Forderungen entsprechende Lebenshaltung. Vielleicht ist sogar dieser „andere", weil er seine „Form" erkämpft, statt sie mühelos zu besitzen, der Beileidenswertere! bl. F. tragungsart — nicht zuletzt ein Verdienst des hervorragenden Schiedsrichters Heinz Mundstock (JSG 33 Berlin) — geradezu begeisterte. Es war ein Werbespiel im besten Sinne des Wortes. Die Leipziger Elf war diesmal in bester Form und konnte sich die Meisterschaft durch einen verdienten, aber schwer erkämpften Sieg sichern. Die Dresdener spielten ebenfalls so gut lvie lange nicht und gaben ein nur schwer zu bezwingender Gegner ab. Das Spiel begann im schnellsten Tempo bei gleichverteiltem Verlauf. Gute Erfolgsmöglichkeiten werden beiderseitig verpaßt, bis es in der 15. Minute Biermann gelingt, für Dresden in Führung zu gehen; doch sofort erzielt Schönwasser durch schnelles Erfassen einer guten Situation für Leipzig den Ausgleich. Bald bringt Biermann Dresden erneut in Front. Leipzig verpaßt die Gelegenheit zum Ausgleich, indem Kalfuß einen 13-Meter-Wurf an den Pfosten wirft. Nach der Pause sind die Einheimischen, jetzt mit dem Wind im Rücken, sofort stark im Angriff. Ein wahres Bombardement erfolgt auf das Dresdener Tor, aber nichts will gelingen; denn was Eisemann nicht famos abwehrt, das besorgen Latte und Pfosten. Verbissen, aber stets fair, wird um jeden Zentimeter Boden gekämpft. Wieder ein Straswurf, aber jetzt ist der Bann gebrochen, denn unter dem Jubel der Zuschauer hat Kalfuß den Ball unhaltbar ins Dresdener Tor geschmettert und somit für Leipzig Gleichstand erzielt. Wenig später ist es der gleiche Spieler, der Leipzig die 3:2-Führung bringt. Nochmals letzte Anstrengungen auf neiden Seiten, aber es ändert sich nichts mehr am Ergebnis, und mit 3 :2 haben die Leipziger einen tapferen Gegner besiegt. 8. V. P. Fussball in Leipzig In einem wenig interessanten Freundschaftsspiel standen sich in Leipzig Schild Leipzig und Schild Dresden gegenüber. Die Dresdener Elf war zu schwach, um selbst einer ersatzgeschwächten Leipziger Mannschaft einigermaßen ernsten Widerstand zu bieten. Unter diesen Umständen wurde reichlich lasch gespielt. Die Platzbesitzer siegten schließlich mit 5 : 0. H. V. P. Rheinland-W estf alen Torreiche Fussballspiele Der 3. Mai stand in Westdeutschland im Zeichen torreicher RjF-Frenndschaftsspiele. Die meisten Treffer wurden in Trier geschossen, wo Düren zu Besuch weilte und einen nie erwarteten 7 :2-Sieg herausholte. Zu Anfang kamen die Trierer nach dem ersten Erfolg ihrer Gäste zur 2 : 1-Führung, die sie bis Mitte der 2. Halbzeit behaupteten. Sie hatten sich aber vollkommen verausgabt, und als die Dürener durch zwei kurz aufeinanderfolgende Treffer in Führung gegangen waren, fiel die Trierer Elf vollständig ab. Mit 5:3 setzte sich die Mannschaft des RjF Düsseldorf über den Meister des Jndustriebezirks, Bochum, hinweg. Die Bochumer sind erheblich in ihrer Form znrückgegangen, besonders hat die Hintermannschaft ihre Zuverlässigkeit einqebüßt. Das Endergebnis stand schon kurz nach dem Seitenwechsel fest; ist der Höhe ist e? vielleicht etwas ungerechtfertigt, aber am Düsseldorfer Sieg war nie zu Zweifeln. Wie dem Meister des Jndustriebezirks. so erging cs auch dem Meister vom Aiittclrhein. Tie Bonner Elf vertraut zu sehr auf ihre technischen Fertigkeiten; das wird ihr wohl noch öfter zum Verhängnis. Jedenfalls war sie in Köln der neugebildcten Mannschaft des JTV 02 im Felde überlegen; die Kölner stellten sich indes taktisch viel geschickter an und blieben nach bewegtem, aber fairem Kampf mit 3:2 in Front. J. G. Bar Kochba Oberstein in Trier In Trier fand auch ein Fußball spiel des Makkabi statt. Der kleine Platz kam den primitiver spielenden Gästen aus Jdar-Oberstein mehr zustatten, so daß sie ein glückliches 1 :1 herausholten. Die Trierer hatten Mühe genna, in der 2. Halbzeit den zu Anfang erzielten Treffer der Gäste, den übrigens ihr Torwart durch verfehlte Fußabwehr verschuldete, aufzuholen. Im Handball spiel der Frau en beider Vereine siegten die Gastgeberinnen mit 2:0. ll. G. Handball-Klubkampf in Aachen Der RjF Aachen empfing drei Mannschaften des JTV 02 Köln zu einem Klubkampf, der mit 3:3 Punkten unentschieden ausging, im Torverhältnis jedoch mit 12 :11 für Aachen endete. Die Kölner Frauen mußten zwar mit einigem Ersatz spielen, waren aber doch stark genug, um neun Aachenerinnen 5:1 zu schlagen. Die Nachwuchsmanschaften lieferten sich einen allsgeglichenen Kampf der gerechterweise 3 : 3 unentschieden endete. Die Aachener führten bei der Pause 3:1, wurden dann aber mehr und mehr in die Verteidigung gedrängt und mußten froh sein, das Unentschieden halten zil können. Daß die 1. Mannschaft aus Aachen siegen würde, hatte man nicht anders erwartet. Ter westdeutsche Meister brauchte jedoch lange, um seine wahre Form zu erreichen, da die Kölner ausgezeichneten Widerstand leisteten. Nur mangelndes Wurfverinvgen ließ sie nicht in Führung gehen, sonst hätte es beim Wechsel nicht nur 1 :1 gestanden. Nachher zeigte es sich, daß der Krafteverbrauch zu groß gewesen war; denn die Aachener kamen ans der besseren Seite so stark ans, daß sic am Ende einen 8 : 3-Sieg verzeichnen konnten. Alle Spiele wurden fair durchgeführt. ll. 0. Makkabi-Boxen in Essen Hakoah Essen trat mit seiner Borabteilnng erstmals vor die Oesfentlichkeit. Die technische Leitung, die gut klappte, hatte der JBC Makkabi-Köln übernvlnmen. Die Kämpfer ans Köln, Düsseldorf und Essen gaben ihr Bestes, litten aber allgeinein in der dritten Runde unter Luftmangel. Auch sonst merkte man die nlangelilde Kampsmöglichkeit. Daß ihnen die Betätiglingsmöglichkeit fehlt, sah Ulan vor allem an den Ringrichtern, die haarsträubende Entscheidungen trafen: so konnte z. B. der deutsche Makkabim'eister Bartercr (Köln) ungestraft, ja ungerügt bei seinem down gegangenen Gegner nachschlagen. Erfreulich war das interessierte Mitgehen der über 350 Zuschauer, st. R. Makkabi-Meisterschaft im Fussball und Handball Im V o r r n n d e n k a m p f um die Handball Meisterschaft standen sich am 3. Mai in Duisburg der westdeutsche Meister, Makkabi Düsseldorf, und der Südwest-Meister, Bar Kochba Frankfurt a. M., gegenüber. Von einer sehr zahlreichen Znschanerzahl kam ein äußerst schnelles und spannendes Spiel zustande, in dem die Frankfurter zum Schluß glückliche Sieger blieben. Der Kampf wurde hart, aber stets fair durchgeführt. Die kampfstarken Düsseldorfer aingen mit 1:0 in Führung, doch glich Frankfurt, dessen Elf technisch versierter war, bis zur Pause wieder aus. Abermals ging Düsseldorf durch einen herrlichen Wurf von G. Back in Führung. Wiederum holte sich Frankfurt den Gleichstand und tatsächlich Sekunden vor dem Abpfiff den glücklich erkämpften 3 :2-Sieg. M. st. Im Vorrundenkamps um die Fußball Meisterschaft standen sich in Duisburg der westdeutsche Meister, Hakoah Essen, und der Südwest-Meister, Bar Kochba Frankfurt a. M., gegenüber. Durch die vollkommen falsche Taktik des westdeutschen Meisters, der in der ersten Spielhälfte den Gästen den Wind als Bundesgenossen überließ, war der Kampf schon bei der Halbzeit entschieden. Nach etwa 20 Minuten hatte sich Bar Kochba gefunden, schoß den ersten Treffer und erhöhte allmählich bis Halbzeit auf 5 :0, wobei ihnen der Essener Torwart und ein Elfmeter zu Hilfe kamen. Sofort nach der Pause taut Essen, nun mit dem starken Wind spielend, bedeutend mehr auf. Die Flügel werden taktisch richtig mehr beschäftigt, und endlich schießt auch A. Herz ein schönes Tor, das einzige. Leider mußte der westdeutsche Meister die letzten 20 Spielminuten den schweren Kampf durch Verletzungen mit nur noch neun Mann durchhalten, wodurch die Manchmal fabelhafte Kombinationszüge demonstrierenden Frankfurter wieder glatt die Oberhand gewinnen konnten und noch das Endergebnis auf 7:1 schraubten, das, im ganzen genommen, um etwa zwei bis drei Tore zu hoch erscheint. M. R. Südwestdeutschland Platz weihe in Frankfurt a. M. Am 3. Mai wurde der neue, schön gelegene Platz des Philanthropin-Sportvereins mit einem F u ß b a l l b l i tz t u r n i e r eingeweiht, an dem die 1. Schülermannschastcn der Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Vereine beteiligt waren. Sieger wurde die 1. Mannschaft des Philanthropins vor Bar Kochba Frankfurt. Im L e i ch t a t h l e t i k k a m P f in der Turnhalle des Philanthropins, der als Mannschaftskampf für Jugendliche 1919/20 (6 Teilnehmer) und Schüler 1921/23 (6 Teilnehmer) gewertet wurde, siegte bei den Schülern die Mannschaft des Veranstalters vor Bar Kochba Frankfurt a. M.; bei den Jugendlichen mußten sich Bar Kochba Offenbach und Schild Frankfurt ü. M. mit 56 Punkten vor Philanthropin mit 46 Punkten in den ersten Sieg teilen. Der Beste war Heppner (Philanthropin), der mit 1,48 eine bessere Höhe als der Sieger der Jugendlichen bewältigte. Fußball: Schild Frankfurt a. M. A. JTV Frankfurt a. M. I 2 : 2 (1 :0). Fürth in Stuttgart zu Gast Der RjF Stuttgart hatte am 3. Mai zwei Handballmannschasten des RjF Fürth zu Gast. In den I n g e n d kämpfen siegten die technisch besseren Fürther verdient 9°: 5 (4:2). Die leider nicht sehr zahlreichen Zuschauer sahen ein sehr schönes und spannendes Hauptspiel. Bereits nach wenigen Minuten stand es 3 :0 für Stuttgart. Fürth kam auf 3 :2 heraus und konnte das Spiel bis zur Halbzeit offen gestalten (4:2). Nach Halbzeit scheiterten alle Fürther Angriffe und Torwürfe an dem überragenden Können des Torwarts Sommerfeld. Der Stuttgarter Sturm dagegen war noch einmal erfolgreich. Ausgezeichnet war der rechte Flügel. Die sympathischen und fleißigen Fürther hatten die hohe Niederlage von 8 :2 nicht ganz verdient. E. K. Kulturelle Veranstaltungen „Fidelio“ im Jüdischen Kulturbund Rhein-Main Die Berliner Inszenierung des „Fidelio" und ein erheblicher Teil der dortigen Besetzung gehörten zu dem Fundament der Aufführung im Kulturbund Rhein - Main, Frankfurt a. Main. Intendant Dr. Kurt Singer, dem als praktischer Helfer bei der Spielleitung Edgar Lißn e v zur Seite trat, paßte mit den Erfahrungen ltitb dem Jmprovisationstalent des phantasiebegabten Theatermannes die Konturen der Berliner Darstellung ausgezeichnet dem durch das Podium des Saalbaus gegebenen Rahmen an. Mit verschiedenen weitflächigen Prospekten hatte Fritz Schames eine farbige Jllusionsbühne geschaffen. Die feierliche Stimmung, die durch das Werk zog, ging in beträchtlichem Maße vom Pult ans: Hans Wilhelm S t e i n b e r g hob die Solisten, denen wesentliche Vorbedingungen gefestigter Ensemblekunst fehlen mußten, kraft seiner Energie auf eine hohe Stufe. Am wenigsten wurde die Linie leider durch die beiden Hauptpartien bestimmt. Ruth Wolffreims wohlklingende Sopranstimme ist noch keineswegs ill das hochdramatische Fach der Leonore hineingewachsen, und Eugen T r a n s k y 8 Material erfüllt im Klangcharakter und in der Stimmknltnr zu wenig die an die sehr heikle Partie des Florestan gestellten Anforderungen. Das an guten Bühnen übliche Niveau hielt Siegfried U r i a s, der den Pizarro mit wuchtigen Agenten ansstattete. Ein erfreuliches Bild baten Edith E i s e n h e i m e r als spielgewandte Marzelline, Max Li p mann als Jaquino, Walter Ries als Rocco und Hans A s s e n h e i m als Minister. Die Mithilfe Richard Kar Ps bei der Vorbereitung des von freiwilligen Kräften gestellten Chores trug gute Früchte. Die Hörerschaft stand offensichtlich im Banne der Aufführung. Am Schluß forderte Dr. Singer die Anwesenden eindringlich auf, das Orchester während der langen Ferienzeit zu stützen. Ein Chorkonzert im Mai soll die Mittel schassen helfen, die wenigstens für einen bescheidenen Zuschuß in den Sommermonaten notwendig sind. Artur Holde. Konzerte und Vorträge An einem Kompositionsabend in Berlin lebender jüdischer Komponisten waren im Hanse Weil drei Autoren zu hören, deren durchaus selbständige Produktion auf beachtlichem Niveau steht, ohne daß ihr neuschöpferi.sche Kraft nachzusagen wäre. Der Lyriker Karl Wiener hatte in Werner L h w e n einen trefflichen Vermittler für fein empfundene, einfach geschriebene Impressionen (Geige und Klavier), er selbst spielte Klavierstücke für die linke Hand allein. Während von ihm Dehmel oder Eichendorff vertont wurden, wählt der Intellekt Walter Hirschbergs Morgenstern, dessen Worte musikalisch unterstrichen werden. Fritz L i s s a u e r schließlich, dessen Schassen als das eines versierten Musikers hier gleichfalls stets hervorgehoben wurde, war mit drei Liedern nach Ernjt Lissauex vertreten. Der Sänger des Abends war Heinrich Korn. Kai. Susanne Landsberg-Holländer gab einen Liederabend. Daß die Stimme Schönheit und Schmelz bewahrt hat (von manchem in der Höhe abgesehen), zeugt zugleich von der Qualität und sicheren Beherrschung des Technischen. Auf den mehrfach zu hohen Ansatz müßte geachtet werdcn. Die Darstellung ist geschmackvoll und immer bestrebt, dem Werk das Seine zu geben, wobei namentlich der Schumann-Zyklus zu einer schönen, abgerundeten Leistung wurde. Die Sängerin hat in richtiger Erkenntnis ihrer speziell ans das lyrisch Getragene gerichteten Begabung ein dementsprechendes Programm gewählt, wodurch allerdings eine gewisse Einförmigkeit, die durch die allzngroße Länge der Liedfolge noch lähmender wurde, entstand. Hermann Ludwig Schlesinger ist ein musikalischer und sorgsam mitgehender Begleiter, der gesangliche Steigerungen zu grundieren versteht. Manche überflüssige und maniriert wirkende Rubati (zum Beispiel im ersten Slwaischen Tanz) störten. Als Partner im Vierhündigspicl wirkte Werner Fabian. L. A. Die Violine hat offensichtlich ihre Stellung als Lieblingsinstrument der Juden behalten: der Nachwuchs an hervorragenden Geigern ist auch jetzt beträchtlich. Zn der jungen Generation gehört _ der Konzertmeister des Kulturbund- Orchesters Rhein-Main, Ernst Drucker. Er spielte mit lebhaftem Erfolg in Frankfurt a. M. das Konzert v-ckur von Brahms. Er ist ein sensibler, manuell und musikalisch gut vorgebildeter Geiger, der die Anlagen besitzt, um in Ausgaben dieses Gewichts voll hineinzuwachsen. Den zweiten Teil des Programms nahm eine Wiederholung der 1. Sinfonie von Mahler ein, deren technische Anforderungen dem Orchester überraschenderweise erheblich mehr als das erstemal zu schassen machten, Hans Wilhelm Steinberg gab dem sinfvnisch gehaltenen Orchesterpart des Violinkonzerts und dem Werk von Mahler trotz mancher Sprödigkeit des Jnstrnmentapparats ein starkes und Persönliches Gepräge. Auch ein anderer, dem Knabenalter noch nicht entwachsener Geiger, Gerhard K a n d e r, verdient das ihm entgegengcbrachte Interesse, ohne allerdings schon den vollen Beweis erbracht zu haben, daß, in ihm ein Talent großen Stils heranreift. Seine Fertigkeit ist auf hoher, wenn auch keineswegs bereits auf der von außergewöhnlichen Erscheinungen erreichten Stufe. Der Ernst und die Intelligenz, mit der Kander musikalisch anspruchsvolle Aufgaben bewältigt, macht seine Künstlerschaft anziehend; aber man vermißt bis jetzt noch das Enthusiasmierende, das absolut Zwingende. Mit geistig so schwer erschließbaren Werken wie der Sonate D-nioll von Brahms sollte man den Knaben vorläufig nicht Herausstellen; sie offenbart die jetzt vorhandenen Grenzen seiner Begabung deutlich. Am stärksten sprach für die Anlagen Kanders der sehr ausdrucksvoll gespielte „Nignn" ans der Baal-Schem-Suite von Ernest Bloch. Man spendete warmen Beifall. In gepflegter Sprache und mit guter Kenntnis des künstlerischen Btaterials führte Mitia Ma-Y er-Lis ma nn ihre .Hörerschaft in die dramatische und musikalische Welt des „Fidelio" ein; sie stellte damit ein würdiges Präludium für die „Jidelio"-Aufführnng her. A. H—e. Im vollbesetzten großen Conventgarten-Saal in Hamburg sang Joseph Schmidt, von Lev Tanbmann vorzüglich begleitet, deutsche und italienische Lieder und Arien. Die Einzigartigkeit seiner Stimme, die namentlich in der Höhe ihren vollen Glanz entfaltet, die Vollkommenheit seiner Technik, die et in höchster Virtuosität und anscheinend mühelos beherrscht, zwingt zu Bewunderung. Eine leichte Indisposition konnte bei so vielen Vollkommenheitswerten seinem Erfolg keinen Abbruch tun. Für den nichtendenwollenden Beifall der begeisterten Zuhörer dankte der Sänger durch zahlreiche Zugaben. Die Ausführung des Blochschen Oratoriums „Awodath Häkodesch" in Hamburg durch das Frankfurter Knlturbundorchester unter H. W. S t e i n b e r g wurde ein Höhepunkt dieser Spielzeit. Die Komposition des Sabbatgottesdienstes für den Konzedtsaal — diese Ausgabe ist hier Ernest Bloch gelungen. Die Wiedergabe unter Steinberg war nahezu vollkommen. Man mochte nur an einzelnen Partien des Werkes den Mangel einer stärkeren Chorbesetzung bedauern, einen Mangel, der in der geringen Auswahl verfügbarer Sänger am Platze begründet ist. In wundervollem Zusammenhang von Chor und Orchester, in meisterlicher Abtönung ließ Steinberg das Werk erstehen. Den Solopart, den Hermann S ch e y bortrug, kann man sich schöner und hingebungsvoller gesungen nicht vorstellen. Vielleicht stärker noch als mit den zu Beginn des Abends gesungenen Kindertotenlicdern von Mahler ergriff er hier die Zuhörer. Die Zusammenstellung und Einstudierung des Chors (80 Damen und Herren) hatte Georg de Haas übernommen. Hohe Anerkennung gebührt ihm für das gute Gelingen der Aufführung. Der Beifall, den das Konzert — auf dem Programm stand neben den Mahler-Liedern auch ein selten gespieltes Adagio und Fuge Omoll von Mozart — fand, nahm die Form von Ovationen an. A. Bcatrice Freuden thal - Waghalter sang, von Leo S ch ö n b a ch begleitet, auch im Kulturbund Breslau Lieder ans aller Welt. Man bewunderte wieder die große, wandlungsfähige Stimme ebenso wie das seltene Sprachtalent und chre außergewöhnliche Vortragskunst. Der junge Breslauer Pianist Josef Wagner überzeugte an einem Abend mit klassischen und romantischen Werken die Zuhörer erneut von seiner außerordentlichen Begabung und seiner Vertrautheit mit den verschiedensten Stilen. Wohl entsprach die Darstellung von Beethovens letzter Sonate op. 111 im Allegro nicht durchweg den Intentionen des Meisters; dafür erstand die unvergleichliche Arietta in erlesener Schönheit. Bachs „Italienisches Konzert" hätte man sich klarer und plastischer gespielt nicht denken können. Ureigenes Gebiet aber betrat Wagner mit zwei bravourös vorgetragenen Stücken von Chopin und mit Schuberts „Wanderer"-Phantasie, die wir in Breslau seit langem nicht so genial im ganzen Ausbau und mit solch bezaubernder Poesie im melancholischen Liedzitat gehört haben. Ulk. Ein eindrucksvoller Abschluß der Gleiwitzer Veranstaltungen im Nahmen des Indischen Kulturbundes Oberschlesien war das gemeinsame Konzert der O rchesterVereinigung (Leitung: Sanitütsrat Dr. B l n m e n f e l d I) und der Ch orVereinigung (Leitung: Willy Fleischer). Aus dem reichhaltigen Jnstrnmentatwerkprogramm sei u. a. die technisch sauber und stilvoll gespielte Unvollendete von Schubert erwähnt. Als eine ansprechende Komposition erwies sich die Romanze vor: Arthur Spitz, Hindenburg, die von Gerta Lev in, Dr. Simmenauer und M a i dargeboten wurde. Günstig war der Eindruck, den die jugendliche Pianistin Eva Przys u ch e r, Beuthen, hinterließ. Die choristischen Darbietungen fanden ebenfalls starke Zustimmung, sie zeichneten sich durch rhythmische Präzision und technische Durchbildung aus. Als musikalisch gelungen ist Willy Fleischers Bearbeitung des jüdischen Volksliedes „Sehnsucht" 31t bezeichnen. Fleischer beherrscht den stattlichen Chor- und Orchesterapparat mit Leichtigkeit. Mit künstlerischem Verständnis sang Rosel Simmenauer das Solo iw Mirjams Siegesgesang von Schubert, Kantor G r a b 0 w s k i führte sich durch das bekannte Arioso von Händel gut ein. Beide Dirigenten ernteten reichen Beifall. Das Schauspielensemble des Hamburger Kulturbundes gastierte nunmehr auch in Leipzig mit Molnärs „Spiel im Schloß". Der Abend, wiederum unter Leitung von Dr. Hans B n x b a n m, fand stärkste Anerkennung. Die Ensemblezusammensetznng entsprach in allen Rollen der Besetzung in den vorangegangenen, in der C.-V.-Zeitung (Nr. 15 vom 9. April) bereits eingehender gewürdigten Aufführungen in Hamburg und Oberschlesien. Das Hamburger Schaüspielensemble gab an einem anderen Abend in Leipzig das gleichfalls an dieser Stelle (Nr. 13 vom 26. März) schon besprochene musikalische Lustspiel „Meine Schwester und ich". K. 8.