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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-07 · 19 (7.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Ludwig Börne Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstages (6. Mai 1786) Von Hans Bach WWWM Fot. Herbert Sonnenfeld Als im Todesjahre Moses Mendelssohns dem Bankier Jakob Baruch im Frankfurter Ghetto ein Sohn geboren wurde, war schon durch dieses Geburtsjahr das Schicksal des kleinen Juda Löb Baruch vorbestimmt: er mußte, wenn er sich aus der Schar der Menschen herausheben sollte, ein Einzelgänger werden. Denn in Deutschland und in Frankreich ging in diesen Jahren mit Friedrich dem Großen und Lessing, mit Voltaire und Rousseau sichtbar eine Epoche zu Ende; und die Sterne der neuen standen schon am Himmel — Goethe war 37 Jahre alt —• oder,. wie Napoleon und die deutschen Romantiker, noch unter dem Horizont, doch bereit, im Widerschein der Französischen Revolution in ganzen Gruppen auszuleuchten. Im jüdischen Bereich Deutschlands ließ erst ein Dutzend Jahre später, mit Heine. Zunz, Gans, der uncrforschliche Wille der Zeit eine neue Generation berühmter Kopse die Erde betreten. In diesen weltbewegenden Jahren war es aber entscheidend für den ganzen Menschen, ob über seiner Kindheit noch der Strahl Friedrichs des Großen oder schon der Meteor Napoleon leuchtete, ob des Korsen brutale Macht oder verklärende Niederlage in die empfindungssähigsten Jahre siel. Börne hatte keine sichtbare Altersgenossenschast neben sich, die ihre Art des Sehens der Nachwelt ausgezwungen Hütte, und so steht er noch heute zwischen den Zeiten, wenig beach- . tet und doch nicht vergessen, und zwischen den Bereichen der Politik und der Literatur, von beiden nicht ganz anerkannt, von beiden nicht eben ausgestoßen. Der Großvater des Knaben, eine ehrwürdige Gestalt noch ans der Zeit der Hofsaktvren, hatte einem österreichischen Erzherzog einen wichtigen Dienst geleistet und von der Kaiserin Maria Theresia eine Urkunde cr- - halten, worin sic ihm und seinen Kindern ihre Dankbarkeit versicherte. Auch des kleinen Löb Vater war „ein Hosmann", klug, skeptisch, phlegmatisch,: „er hatte zuviel Verstand für seine Stellung", urteilte später der Sohn über ihn. Der Bankier war viel auf Reisen, und zuhause führte nicht die Mutter, sondern Elle, ein alter Hausgeist, das Regiment. Sie hatte eine Abneigung gegen den verschlossenen Jungen und setzte ihn gegen die Geschwister zurück, so sehr, daß er dem neu eintretcnden Hauslehrer ein angenommenes Kind zu sein schien. Der Widerwille gegen sie mag der erste Grund dazu gewesen sein, daß Börne, trotz orthodoxer Erziehung, später alles jüdische Wissen restlos vergaß unt), _ bei herzlicher Liebe zu seinen Geschwistern, von seinem Widerwillen gegen die Juden auch sein Elternhaus nicht ausnahm: „Frankfurt ist mir verhaßt, und ich bin nngern in meinem elterlichen Hause. Es ist da so schwül", schrieb er 1825. Aber gegen den häuslichen Quälgeist bildete der Knabe auch zuerst den Witz zur Waffe aus, und „Katew", Witzbold, wurde er zuhause öfter gerufen als Lion oder Louis, wie modisch französiert sein Name hieß. Er war ruhig, wortkarg, faul; nur wo er Unterdrückung sah. brauste er leidenschaftlich aus. „Ich gehe bloß uicht hinaus. weil der Soldat da stärker ist als ich!", äußerte er einmal angesichts der Wache vordem Ghetto, vielleicht als der Lustschisser Blanchard zum erstenmal vor den Toren der Stadt einen Ballonaufstieg vorführte, wobei die Inden, wie immer bei öffentlichen Belustigungen, in ihrer Gasse bleiben mußten. „Wenn wir wieder nach Zion zurück dürfen, gehen die französischen Juden gewiß nicht hin, die Frankfurter aber ganz gewiß", meinte er bei einer anderen Gelegenheit. Der Vater wünschte, er möge Arzt werden — der einzige Berus, der aus dem Ghetto heraussühren konnte — und gab ihn 1802 zu dem berühmten Markus Herz nach Berlin. Mit Krankenbesuchen und Vorlesungen überbeschäftigt, kümmerte dieser sich nicht viel um ihn; aber Henriette Herz nahm sich mütterlich des Jünglings an, ohne freilich viel Freude an ihm zu erleben: „Wenn ich Stunde beh ihr habe, das ist meine schönste Zeit; aber lernen werde ich nicht viel. Wer kann aber auch da aufmerksam sehn, so nahe ihren schwarzen Augen?", schrieb er in sein Tagebuch. Seine stille Anbetung ließ die gefeierte Frau sich gefallen; aber als er ihr nach ihres Gatten Tod seine Leidenschaft zu erklären wagte, erwiderte sie ihm in einem Billet: „Ich kann Ihre Liebe zu nichts brauchen." Er sandte zum Apotheker um Gift/Da veranlaßte sie seinen Vater, ihn aus dem Hause zu nehmen, blieb aber in freundlichem Briefwechsel mit ihm. Die Resignation dieses Erlebnisses färbte aus alle seine späteren Beziehungen zu Frauen ab; er hat die beste Freundin seiner späteren Jahre nicht zu heiraten gewagt. Es folgten Studienjahre in Halle, Heidelberg, Ließen. Der Vater war unwillig über den «L-vhn, der von der Medizin zu beit Staatswisseuschasteu hinüberwechselte, ohne auch dort rechten Ernst zu zeigen; der Student sträubte sich gegen die patriarchalische Bevormundung durch den Vater, der gegen Schulden so gar keine Nachsicht zeigen wollte. 1811 wurde er Aktuar bei der Polizei in Frankfurt, mit Uniform und Degen; diesen brauchte er sogar einmal gegen bayerische Soldaten, die beim Einrücken in die Stadt zu plündern versuchten. Als 1813 das Patrizierregiment der Freien Reichsstadt wiederhergestellt wurde, wurde er rasch pensioniert. Es waren die Jahre, in denen überall die Emnnzipationsgesetze zurückgenommen wurden. Börnes Vater verteidigte die Rechte der Frankfurter Juden vor dem Wiener Kongreß; und er selbst verfaßte damals, neben Gelegenheitsarbeiten voll glühenden Hasses gegen Napoleon, zwei Streitschriften für die Inden. „Ihr haßt die Juden, nicht weil sie es verdienen", rief er der Unüvelt zu, „ihr haßt sie und sucht so gut ihrs könnt zu beweisen, daß sie es verdienen; und ihr haßt sie, weil sie —• verdienen." Er wollte die Sache der Juden statt zum Gegenstand der Empfindung zum Gegenstand der Ueberlegung gemacht sehen; „denn wer über seine Träume nachzndenken vermag, der träumt nicht mehr." Die Schrift „Für die Juden" beginnt mit den Worten: „Fktr Recht und Freiheit sollte ich sagen; aber verstünden das die Menschen, dann wäre keine Not, und es bedürfte der Rede nicht." Hatte sich der junge Schriftsteller noch 1816 um eine Aktuarsstelle bei der Frankfurter jüdischen Gemeinde beworben, so trieb es ihn doch Schritt um Schritt über den Bereich des Judentums hinaus, bis ihn nur noch das Bewußtsein seiner Herkunft und der Kampf für die Rechte der Juden, freilich im Rahmen eines allgemein politischen Kampfes, damit verband. Im Jahre 1818 nahm er den Namen Ludwig Börne an, im gleichen Jahre nahm er die Taufe. Er war konsequent: erwünschte die Eindeutschung der Juden unter Verzicht auf jede Sonderart und zog für sich die Folgerung daraus. Nutzen daraus 51t ziehen hat er verschmäht: die Taufe hielt er geheim und machte sie auch nicht geltend, als die Frankfurter Lesegesellschaft seine Ausnahme unter Hinweis ans sein Judentmn ablehnte. Er umwarb das Deutschtum mit ebenso leidenschaftlicher wie knurrender und scheltender Liebe, und als fünfzehn Jahre ALLE BÜCHER können bezogen werden durch die Buchhandlung Martin Salomo n, Berlin NO 55 Heinrich Rollerstrasse 21 k 3 2635 später Gabriel Rießer die Zeitschrift „Der Jude" begründet, verurteilt er dieses Unternehmen in den „Briefen aus Paris": „Was ich früher von ihm gelesen, deutet auf ein vorzügliches Talent; aber mit seinem Journale ist es ein großer Mißverstand. Wer für die Juden wirken will, der darf sie nicht isolieren; das tun ja eben deren Feinde, zu ihrem Verderben. Was nützt ein eigenes Journal für die Juden? Ihre Freunde brauchen es nicht, denn sie bedürfen keincr Zusprache; ihre Gegner nehmen es gar nicht in die Hand. Um ihnen zu helfen, muß man ihre Sache mit dem Rechte und den Ansprüchen der allgemeinen Freiheit in Verbindung bringen. Alan muß nur immer gelegentlich, unerwartet von ihnen sprechen, damit der ungeneigte Leser gezwungen werde, sich damit zu beschäftigen, weil es auf seinem Wege liegt. Ich meine auch, es wäre auf diese Werse leichter, die Juden zu verteidigen, jedem der keine blinde Liebe für sie hat. Ich habe oft und warm für sie gesprochen; hätte ich sie aber isoliert, wäre mir die Gerechtigkeit gar zu sauer geworden. Es scheint, Rießer möchte die Nationalität der Juden gewahrt sehen. Aber die Nationalität der Juden ist auf eine schöne und beneidenswerte Art zugrunde gegangen; sie ist zur Universalität geworden.." . Die Juden sollen nun „die Lehrer des Kosmopolitismus" sein. Seit 1818 gab Börne eine eigene Zeitschrift heraus: ..Die Wage, Blätter für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst". Die scharfe Zensur der Restaurationszeit ließ ihn freilich Politisches nicht offen erörtern. So bildete er einen seuilletonistischen Stil aus, der ganz nebenbei, in Kunstkritiken, in amüsanten kleinen Plaudereien, aussprach, woraus cs ihm ankam. Freilich entsprach das ohnehin seiner Neigung und Art. Eine fast bis zum krankhaften gesteigerte Reizbarkeit, die Vereinigung von Witz. Phantasie und Gemüt machte ihn zum Humoristen, ließ ihn immer wieder närrische kleine Menschlichkeiten gegen die Unendlichkeit der Idee stellen. Er hatte als Schriftsteller wie als Politiker kein bestimmtes Ziel, nur immer bestimmte Ziele, und er ließ sich im Leben und im Schreiben von den Ereignissen treiben: „Was jeder Morgen brachte, was jeder Tag beschien, was jede Nacht bedeckte, dieses zu besprechen hatte ich Lust und Mut." Er mußte sich von der Wirklichkeit angesprochen fühlen, um sprechen zu können; so gibt es auch keinen privaten Börne, der sich von dem öffentlich wirkenden unterschiede. Ein großes Ganze ließ sich ohne objektivierendes Herausstellen aus dem eigenen Geiste nicht schassen; Börnes berühmtestes Werk, die „Briefe aus Paris", ist aus wirklichen Briefen zusammengesetzt, die er an seine Freundin Jeanette Wohl schrieb. Er bleibt, inmitten einer romantisch dichtenden und fabulierenden Zeit, dem konkreten Vom jungen Rilke Aus dem Nachlass von I. E. Poritzky Als junger Mensch nannte sich Rilke noch nicht Rainer Maria, sondern Renv. Ein kleines Büchlein gewann mir seine Bekanntschaft. Es war eine Novelle, die ich in der Reclam-Bibliothek hatte erscheinen lassen und die ziemlich viel gelesen wurde. Eines Tages wurde ich durch den. Brief des jungen Dichters überrascht, von dessen Lyrik ich durch den Prager Dichterkreis bereits Proben kennengelernt hatte. Josef Adolf Bondy und Alfred Guth hatten eine Zeitschrift herausgegeben, die sich „Moderne Dichtung" betitelte und die um 1896/97 nicht nur den Prager jungen Dichtern eine literarische Sammelstütte bot. In dieser bald wieder verschollenen Zeitschrift war mir der Name Rilkes zum erstenmal begegnet und durch melancholische und bilderreiche.Verse, die ein neuartiger Rhythmus beseelte, ausgefallen. Eines dieser Gedichte, „Bodensee", hat sich mir, der ich Badener bin. so tief eingeprägt, daß ich es bis zum heutigen Tage im Gedächtnis trage. Ich setze es hierher, weil ich glaube, daß Rilke es als eines seiner srühesten Gedichte später verworfen und in seine Werke nicht ausgenommen hat: Die Dorfec sind wie im Garten. In Türmen von seltsamen Arten Klingen die Glocken wie weh. Ufcrschlösser warten Und schauen durch schwarze Scharten Müd' ans den Mittagssce. Und schwellende Weilchen spielen. Und goldene Dampfer kielen Leise den lichten Lauf; Und hinter den Uferzielen Tauchen die vielen, vielen Silberberge aus. Ter Brief Rilkes, vom 24. August 1896 datiert, ergeht sich in überschwänglichen Komplimenten und mündet dann in folgenden Verszeilen, die sich auf meine kleine Novelle beziehen: „. . . ein Tagebuch. — Da liegt von trüben Tagen Ein Nebelodem drüber schwül und schwer. Das Leben ist so traurig und so leer; Es reicht nur vom „Wohin", das bang' wir fragen, Bis zu dem ewig ehernen „Woher?" . . . Ein Stern verlosch, ein Tropfen sank - ins Meer, Ein krankes Herz hat heimlich müd' geschlagen. Und schließlich . . ., „Wird man keinen Kadosch sagen" . . . Im März 1897 traf ich ihn dann in Prag. Ich wollte ihn erst in seiner Wohnung in der Wassergasse aussuchen; aber aus irgendeinem Grunde war ihm das unangenehm. Ich hörte dann später, daß ihm sein möbliertes Zimmer nicht schön genug war, um Besucher zu empfangen, die er besonders ehrte. An einem winterlichen Märztage wurde mir dann seine Bekanntschaft im „Deutschen Haus" vermittelt, das damals das meistbesuchte Speiselokal der Prager deutschen Bürger war. Rilke war eine schlanke, etwas über mittelgroße Erscheinung. Er sah sehr gepflegt alls, aber sein hageres Gesicht verlieh ihm einen leicht kränklichen Ausdruck. Seine klugen Augen blickten weichmütig und versonnen sein Gegenüber' an, und der Mund tat sich beim Sprechen nur wenig aus. Er hatte etwas Nachdenkliches, Schleppendes, säst Träges in seiner Redeweise. Seine ganze Art war still und bescheiden, säst demütig, als ob er von Dostojewskis selbstdemütigendem Wesen angesteckt worden sei, den Rilke gerade in jener Zeit viel las. Ich unterschlug ihm diesen meinen Eindruck nicht, und nun sing er unvermittelt' an, vom „Idioten" zu schwärmen, als fühlte er sich dem Fürsten Myschkin innig verwandt. Ohne Frage hat Dostojewski den tiefsten Jugendeindruck aus Rilke gemacht, und alle späteren inneren Wandlungen, durch die er ging, vermochten den schicksalsschweren Einfluß des Dostojewskischen „Idioten" in ihm nicht zu verdrängen. Er fühlte etwas typisch Wcsensverwandtes in der Gestalt Myschkins, der ja das Leiden und Mitleiden zu seinem Lebensziel erkoren hatte. Unser Gespräch haftete anfangs ganz an der Oberfläche; die Worte waren nichts als ausgestreckte Fühler, mit denen wir uns gegenseitig betasteten. Er sprach über mich, übertrieb liebenswürdig meine jungen, noch sehr bescheidenen literarischen Verdienste, was mir um so peinlicher war, als ich ihm'über seinen Einakter „Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens", den er mir mit einer fulminanten Widmung verehrt hatte, nicht viel Gutes sagen konnte. Einem Menschen, der mir mit so viel aufrichtiger Wärme entgegenkam, glaubte ich ein aufrichtiges Bekenntnis schuldig zu sein, und ich hatte damals noch nicht die diplomatische Gabe besessen, mein abfälliges Urteil schmackhaft zu servieren. Daß Rilke mein Urteil später innerlich bestätigt hat, bekundete er dadurch, daß er die Exemplare dieses Einakters, der im Selbstverlag erschienen war, verbrannte, so daß er heute eine große bibliophile Seltenheit ist. In dem Lokal, in dem wir saßen, wogte eine Symphonie von Küchengerüchen, die einem Uebelkeit verursachten; die Luft war dick und blau vom Rauch. Mitten in diesem Geplauder, das eben ansing eine ernste Wendung zu nehmen — Tod und Sterben schienen' damals seine Lieblingsthemen — flogen von der Straße her Steme durchs Fenster, die krawallsuchende tschechische Studenten, ins „Deutsche Haus" geworfen hatten. Es herrschten schon damals öfters Straßenunruhen in Prag, die sich hauptsächlich auf dem Graben abspielten, wo das Deutsche Haus stand, und die durch Zusammenstöße deutscher und tschechischer Studenten hervorgernfen wurden. Mitten in der Erregtheit, die die Steinwürfe unter den Gästen verursacht hatten, sprang Rilke aus und ging. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Ein Rendezvous, das wir vereinbart hatten, als er sich viele Jahre später in Paris bei Rodin aushielt, kam aus Gründen, die mir entfallen sind, nicht zustande. Unsere Unterhaltung über das Todesthema, das ihm so sehr am Herzen lag, wurde auch aus schriftlichem Wege nicht mehr fortgesetzt, und ob der Essay über „Tie Schöpferkraft des Todes", den ich aus seine Anregung hin geschrieben und vor vielen Jahren im „Zeitgeist" des „Berliner- Tageblattes" veröffentlicht habe, ihm vor Augen kam, weiß ich nicht. Noch klingen mir aber die Verse seines anderen Jugendgedichts im Ohr, , die er mit seiner müden verschleierten Stimme während des Tellergeklappers im Restaurant zitierte (ich wiederhole aus dem Gedächtnis): Ich Hab' einen Friedhof gefunden, Drin weiße Blüten wchn lind drin die Dämmerstunden Wie schweigende Mönche gehn. Ich weiß einen Friedhof am Hange, Drin spätes Glühn beginnt. Wenn tief im Dorf schon lange Die Kinder schlafen sind. Rilke-Bibliographie. Bearbeitet von Fritz Adolf Hünich. Erster Teil: Das Werk des Lebenden. Insel-Verlag, Leipzig. Mit ungewöhnlichem Fleiß, Spürsinn und Sammelfanatismus hat in diesem Werk einer der hingehendsten Verehrer Rilkes bibliographisch alles zusammengestellt, was der große Dichter bei Lebzeiten veröffentlicht hat, sowie das Wichtigste, was über ihn bis zu seinem Tode 1927 geschrieben wurde. Das Verzeichnis ist, nach Jahren geordnet, mit solcher Sorgsamkeit und soviel knappen Hinweisen gearbeitet, daß es weit mehr als eine Bibliographie darstellt — es wird in seiner lückenlosen Sachlichkeit manchem Leser aufschlußreicher sein als eine ins Analytische sich verlierende Biographie. Das Leben Rilkes, sein langsames Werden vom dilettierenden Gelegenheitspoeten bis zum abgründigsten und abseitigsten Dichter im ersten

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