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Central-Verein-Zeitung · 1936-05-07 · 19 (7.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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7. Mal 1935 #■ Nr. 19 * 1. Beiblatt CMfeilini Omer-Geschichten Eine Miniatur-Omer lab eile aus dem 17. Jahrhundert. Illuminierte Handschrift auf Pergament. Bayerisches Nakonalmuseum München Fot. Mali Schwarzschild Strategisches Vorgefecht Die traurigste Omer-Geschichte ist die von Nabbi Akibas Schülern, die in der Omerzeit — zwischen Pessach und Schawuot — an einer Seuche starben. Es waren nach dem Talmud vierundzwanzigtausend Schüler, und als wenn der Tod damit noch nicht genug gehabt Hütte, fielen auch die ärgsten Judenverfolgungen während des ersten Kreuzzuges in die Omerzeit. Mit Trauer, mit Klageliedern, mit der Enthaltung von allen Vergnügungen gedenkt man dieser Ereignisse. Um so freudiger begeht man den 33. Omertag, den Lag b'Omer, an welchem die Seuche einhielt. Alle Hochzeiten, die zwischen den beiden Frühjahrsfesten stattsinden sollen, werden aus diesen Tag gelegt, der auch besonders ein Fest der jüdischen Schüler ist. Da gibts schulfrei, und im Osten ziehen sie klassenweise ins Grüne, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, und schlagen Schlachten, daß die schmerzhaften Andenken daran, aber auch die Siegestrophüen, noch wochenlang ihre Erinnerung erfüllen. Von den Delikatessen und Süßigkeiten, die gerade an diesem Tage die Mütter an Stelle der Butterbrote einpacken, ganz zu schweigen. Kurzum, es ist ein ungewöhnlicher männlicher Tag für die jüdische Schuljugend und bei vielen der einzige kriegerische im ganzen Jahr, und wer in seiner Knabensünden holder Maienblüte an diesem Tage nur einmal so recht von Herzen durchgebläut worden ist, der kann nur mit Kununer daran denken, daß diese schöne Lag b' Omersitte einmal aussterben könnte. Aber man weiß ja, wie es zu gehen pflegt, die feinsten Sitten verlieren sich in der feineren Umgebung, und nichts bleibt beständig als die Prügel. „Bitte, komm' doch wenigstens über diesen Tag zu uns", schreibt mir mein zehnjähriger Freund aus der kleinen Stadt, „ich schnitze dir auch eine ganz große Armbrust. In: vorigen Jahr waren wir noch sieben jüdische Jungen, und das war schon faul. Denn wenn der Ernst Friedländer nicht am Ende noch den Schiedsrichter gespielt hätte, wo wir doch gar keinen Unparteiischen nötig halten, dann wäre es eine ganz ungleiche Schlacht gewesen, und dann macht einem ja der ganze Krieg keinen Spaß mehr. Inzwischen sind aber die Friedländers mit den Landsbergers ausgewandert, und die Lewirrs sind auch schon weg, und wenn du nicht kommst, dann habe ich überhaupt niemand, mit dem ich kämpfen kann, denn du weißt ja selbst, daß Ilse immer gleich heult." Man sieht an diesein Briese, daß auch der ausgelassenste Tag sein Trauerspiel haben kann, wenn die Zeit der jugendlichen Kampfeslust den unentbehrlichen Partner nimmt, und wie mancher andere wird auch der kampfeslustige zehnjährige Held am Lag b'Omer vor sich hinbrüten und, wenn man ihn nach dem Grunde fragen sollte,. antworten können: „Ich habe ein jüdisches Duell." Ein jüdisches Duell? „Ja, ich kämpfe mit mir selber." Was allerdings, auch streng genommen, die einzige jüdische Art von Duell wäre. Arabische Arabeske Am Lag b'Omer ist auch die Jahrzeit nach Nabbi Merr Baal ha Neß, zu dessen Grab in Liberias viele Juden wallfahren und von dessen Wundertaten immer von neuem dies Synagoge des Rabbi Meir Bai Haness, in deren Innern sick sein Crab befindet Fot. Herbert Sonnenpetd miIj!IimmiillIliIIIH!t!ilIIIIinmiIIft!!IllIlIIlHiIil(IlllimiUII!!tlHIIIIIflI!!inilillIIIIIIIIIilIII!IffiIIIinimilIlIIIIllIimiilllllI14IIlfIIIIIlIIIliIiItUIIIlllt!IlIli!IIIIIIIIlllU!il!lltlIl!IIIIIllII[[UiUI]!lII]inilIIUlIIiillIIIl]IIUIjlUilIIIIHHIIBI Mai — Muttertag 10. Einem Vater zum Muttertag Lieber Vater! Da ich weiß, daß Du Dich am Tag der Mütter etwas unglücklich fühlen wirst, schreibe ich Dir. Gib es ruhig zu: Du warst schon im letzten Jahr ein bißchen eifersüchtig, und ich muß sagen, ich kann es verstehen. Aber von Dir als Mann verlangt man eben eine gewisse Härte Deinem Fühlen gegenüber, und wo man die Mutterliebe feiert, nimmt man die Vaterliebe als Selbstverständlichkeit. Damit mußt Du Dich absurden. Es ist nun mal so, daß die Welt Frauen zarter artzufassen pflegt als Männer, wenigstens da, wo sic es bewußt tut — mit dem großen, rätselhaften Schicksal mag das oft umgekehrt sein. Und so haben es auch die Mütter leichter als die Väter: ihnen hat nicht das Leben die Härte auferlegt als Pflicht, die verlangt, den Tränen und dem Jauchzen zu gebieten; in jedem Fall sind sie Frauen, dürfen sie Frauen sein, zu denen das Sich-gleiten-lassen, das Sich-heben und Versirrken-lassen in die Welt ihrer Empfindungen wunderbar gehört. Aber ist diese Welt bei Euch Vätern weniger groß rmd tief? Bestimmt nicht — und sei sicher: das wissen wir alle. Vielleicht lächelst Du jetzt -vmit diesem leise verschämten Lächeln, das Väter zu haben pflegen, wenn sie sich bei einer ihrer ungeschickten Zärtlichkeiten dem Kind gegenüber plötzlich., beobachtet fühlen. Und siehst Du: Ich glaube, es wäre Dir gar nichtso ganz angenehm, wollte man die Welt Deirrer väterlichen Liebe so ins Helle Licht rücken, wie marr das arr diesem Tag mit der mütterlichen Welt tut. Stimmt es? , Gut, dann darfst Du Dich aber auch nicht zurückgesetzt fühlen! Und danrit das ganz bestimmt nicht der Fall ist, will ich Dir zum Tag der Mutter noch sagen: daß ich Dir und in Dir allen Vätern danke, daß sie ein starker Halt sind, eine tiefe Quelle der Kraft in einer Zeit, die die Kinder noch viel umherwerfen wird. Ge- HWMD wiß, es nracht den Kindern irgendeine Freude, daß sie mit dem Urrgewissen ringen könrren und rnüsserr, es bringt alles zrrr Entfaltung, was Wille in ihnen ist. Aber die Unruhe rnag oft größer seirr, als es für sie grrt ist. Das wissen sie nicht. Und Ihr wißt es und sagt es nicht — den Müttern nicht und den Kindern nicht. Ihr seid da und führt sie von fern in ihrem Kamps durch die Kraft Eures Wesens, so wie sie die Mütter führen durch die Kraft ihres wrrndervollen, rätselhaften Verbrrndenseins mit ihnen durch ein Band, das nur sie, die Mütter, manchrnal ahnen können. Für Kinder sind die Mütter die Träume, die Väter das Leben. Dies müßt Ihr, Väter, den Kindern verzeihen: wenn ihre Sehnsucht in schweren Stunden zärtlicher nach den Träumen als nach dem Leben geht; sie lieben das Leben so sehr wie die Träume; denn sie brauchen beides aus ihrem Weg durch die Welt. Das wollte ich Dir, lieber Vater, zum Muttertag sagen, weil die Väter wissen müssen, was die Mütter ahnen. Hilde Marx Yon links nach rechts: Gemälde von Max Liebermann, Plastik von Ottilie Wollmann, Gemälde von Minna Lewi Fot. (3) Abraham Auswanderer! Wie transferieren Sie Ihr Vermögen? 1. Beratung über die Einwanderungsstaaten aus eig. Landeskenntnis (Europa und Uebersee) 2. Bestmöglicher und schneller Vermögenstransfer 3. Immobilien-Tausch bei Auswanderungen. Dr. jur. G. E. Rosendahl Devisenberater (Volljurist u. Vollkaufmann) Frankfurt a, Main, Liebigstraße 50 Sprechstunde nach telef. Anmeldg. / Tel. 77128 und das geraunt wird. Vor Jahren, so erzählte Herr Salomon Sephardi, gewährte die Eisenbähnverwaltung einmal Ermäßigungen für diese Wallfahrten, und mit vielen, meist orientalischen Juden zwängte auch ich mich irr ein Abteil. Plötzlich begrüßte mich ein Araber: „8a1em aleikum, ja Effeudi!" Ich sehe mich um und erkenne den Scheich Abdullah aus Abugusch bei Jerusalem, der sich mit seiner Frau Slichah und vier Kindern hindurchdrängt und neben mich stellt. Ich kenne den Scheich ganz gut, denn er hat schon öfters seinen Sohn besucht, der in Tel-Aviv ins hebräische Gymnasium geht (an dem Herr Sephardi unterrichtet). Ich er- KatJze allicatorI^ UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentzienstraße 16 Hamburg, Jungfernstleg 43 Kfiln a.Rh., Hohestraße 115 Essen, Limbedtstraße 10 Essen, Am Hauptbahnhof 10 Bochum, Kortumstraße 67 Frankfurt a.M„ Roßmarkt 15 Zentrale, Offenbach a. M Wuppertal-Elberfeld, Herzogstraße 36 widere seinen Gruß, und es gelingt mir, für ihn, feine Frau und mich etwas Platz zu schaffen, so daß wir uns in arabischer Weise auf den Boden setzen können. Wohin fährst du mit deiner Familie? frage ich. „Zum Nebi", sagt er verwundert. (Nebi, hebräisch: Nabi, Prophet, ist das arabische Wort für einen Heiligen, zu dessen Grab man pilgert.) Zum Nebi Ssalach oder zum Nebi Rubin? frage ich weiter. (Die Gräber dieser beiden Heiligen sind in Palästina, sie werden von vielen Arabern ausgesucht, aber jetzt ist Erntezeit, und da begegnet man kaum einem Pilger.) „Nein, mein Herr", sagt der Scheich, „das ist der Weg nicht dahin." Wohin denn? „Zum Nebi Merr. Zu eurem Nebi fahre ich mit meiner Frau und den Kindern, möge Gott ihre Jahre verlängern." Esch hada? (Was. bedeutet das?) frage ich mit großer Neugier. Der Scheich bereitet sich, mir zu antworten, aber zuvor zieht er ein Päckchen Zigaretten heraus, wartet mir und seiner Frau auf, zündet sich selbst eine an und beginnt also: „Ich werde dir eine Geschichte erzählen, die ein Teil des Lebens ist und die ich noch meinen Kindern zu erzählen hoffe, damit sie sie ihren Kindern und Kindeskindern erzählen. Mein Weib Slicha, die neben uns sitzt, habe ich vor zwanzig Jahren für dreihundert Napoleondor gekauft. Sie stammt aus edler und adliger Familie, sie hat einen guten Charakter, und ihre edle Seele übertrifft den Adel meines besten Pferdes. Ich hatte sie sehr lieb, ich lebte siebzehn Jahre ruhig und still mit ihr. Sie aber beklagte ihr Schicksal, daß Gott ihr keine Kinder gab. Sie begann mich zu bitten, ich möchte eine zweite Frau nehmen, mit der auch sie in Frieden leben könnte, und vielleicht würde ich von dieser ein Kind haben könrren. Ich hörte die Bitte meines Weibes und schwieg. Ich fühlte ihren Kummer mit, aber ich gab keine klare Antwort. Einmal, als ich meine Mahlzeit aß, hörte ich aus dem andern Zinrmer das Weinen meiner Frau. Ich ging hinein und fragte sie, warum sie weinte. Aber sie antwortete nicht. Ich ließ sie allein, damit sie sich beruhigte, und ging aufs Feld an meine. Arbeit. . Abends, als ich zurückkehrte, fand ich sie wieder weinend. Ich stellte mich zu ihr, und nach einigem Bitten sagte sic: „Mein Herr, so lange bitte ich dich, eine zweite Frau zu rrehmen, die dir Kinder gebären soll, damit du nicht allein bleibst. Ich bin unfruchtbar, rrnd Gott will mir fein Kind geben. Aber du bist wie ein Räuber zu mir und zu dir selbst und willst meine Bitte nicht erfüllen. Mein Herr, höre meine Rede, und der Höchste soll auch zuhören. Jetzt ist die Zeit, wo die Juden nach Liberias fahren, am Grabe von Nebi Merr zu beten, so wie wir am Grabe von Nebi Ssalach oder Nebi Rubin beten. Von den jüdischen Frauen von Schearim habe ich gehört, daß der Nebi Rabbi Merr Baal ha Neß große-Wunder tut. Auch Fatme, die Frau des Hadsch Said, hat mir erzählt, daß Gott ihren Schoß zehn Jahre verschlossen gehalten, und nur durch das Verdienst des '-■IT

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